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Der relaxte Wochenendtrip in die Berge, wird für den jungen Südafrikaner Hajo van den Bosch zum größten Abenteuer seines Lebens. Als dort ein Flugobjekt aus der Zukunft abstürzt, rettet er die einzige Überlebende vor dem Zugriff des anrückenden Militärs. Hajo verliebt sich unsterblich in die schöne Fremde. Von Ihr ( Vanessa ) wird er in die Technik des Aqua- Jumpens, des Zeitspringens eingeführt. Doch bevor er ihr in die Zukunft nachspringen kann, muss Hajo alleine einige Zeitsprünge in die Vergangenheit tätigen. Während er dort Abenteuer diverse bestreitet, ziehen dunkle Wolken über Südafrika auf. Eine rassistische Bruderschaft hat mit Hilfe einiger Wrackteile vom Flugobjekt eine Zeitmaschine konstruiert und damit einen der Ihren in die Vergangenheit geschickt um Mandela und Co zu liquidieren um damit die Apartheid zu festigen. Nun stehen Hajo und Vanessa vor der fast unlösbaren Aufgabe, die Änderungen in der Zeit und deren Folgen wieder zu korrigieren.
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Seitenzahl: 407
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Matthias Herberich
Zeithüter
Die Bruderschaft vom weißen Kap
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
Spring Hajo! Spring
Kontakt
Sprungzeit
Holten von der Bruderschaft
Vanessa und Hajo
Peer Nierleiners Weg
Jetzt oder nie
Impressum neobooks
Hallo! Hallo du!
Ja, dich meine ich. Wann hast du das letzte Mal die Welt mit offenen Augen betrachtet? Ist das noch deine Welt?
„Natürlich“, wirst du sagen. „Natürlich ist das meine Welt. Was sonst?“
Stell dir vor, du bist morgen nicht mehr da. Jedoch niemand vermisst dich, weil keiner weiß, dass du jemals existiert hast!
„Was soll das? Das ist doch unmöglich“, ist jetzt sicher deine Antwort, stimmt’s!?
Dann pass mal genau auf! Gib mir nur eine Minute, dann wirst du verstehen, was ich meine!
Was ist wenn die Welt, in der du lebst nicht deine ist, weil jemand aus der Zukunft in die Vergangenheit gesprungen ist, sie verändert hat und somit auch deine Gegenwart.
Du wirst sagen, „So einen Unsinn gibt es nur im Film.“ Nur, dass dieser Unsinn realer ist als du glaubst.
So wie man Energie nicht verbrauchen kann, sondern nur umwandeln, so verhält es sich auch mit dem Element Wasser. Es war schon immer in der gleichen Menge auf unserer Erde. Mal salzig, mal süß, mal in Form von Eis, mal als Wasserdampf, mal sauber, mal schmutzig. Doch in der Gesamtheit immer konstant.
Auch das Wasser, mit dem du heute früh deinen Kaffee, oder deinen Tee zubereitet hast, macht da keine Ausnahme. Und es hat mehr erlebt, als irgendetwas sonst auf unserer Erde.
Und jetzt kommt’s! Halte dich fest! Wasser hat ein Gedächtnis! Alles was es je erlebt hat, jeder einzelne Zeitabschnitt ist in einer Form von Frequenzmuster in ihm gespeichert. So wie jede einzelne Datei auf einer Festplatte.
Nun stell dir vor, es gibt einen Frequenz-Aufschlüssler, einen Aqua-Pulser mit dem man die Wasserfrequenz der Vergangenheit auf deine eigene Frequenz schalten kann. Denn auch wir bestehen zum größten Teil aus Wasser. Und schon bist du in der Vergangenheit. Du bist ein Aqua Jumper.
Kompliziert? Vielleicht! Aber Realität!
Hajo van den Bosch hat sich diese Realität nicht ausgesucht, aber dennoch wurde er zum Aqua Jumper.
Wie das passierte?
Bleib dran und lies es selbst…
hämmerte die Stimme in seinem Kopf. „Oh Gott! Sie werden mich umbringen!“ …
Starr vor Angst, hinter einem Baum kauernd, blickte er sich um. Vor ihm klaffte eine tiefe Schlucht, aus der das wilde Rauschen eines Flusses, der sich vor Jahrtausenden sein Bett durch den dichtmaschigen Dschungel gefräst hatte, zu hören war.
Hinter Hajo lag nur Urwald. Ein Dickicht, das sich aus einer Pflanzenvielfalt in facettenreichen Grüntönen bis zum Horizont erstreckte, wie es Hajo nur aus Filmen kannte. Immer näher kommende Geräusche, die ihm das Blut in den Adern gefrieren ließen, verfolgten ihn bis tief in die Nacht hinein. Undefinierbares Gejaule und Geheule mischte sich unter das mysteriöse Knacken aus dem dichten Unterholz und ließ ein Kulissengeräusch aufkommen, das Hajo noch zusätzlich einen kalten Schauer auf den Rücken zauberte.
Noch war es dunkel. Das angsteinflößende Knistern und Rascheln hatte irgendwann in der Nacht aufgehört. Hajo fühlte sich in der Stille relativ sicher. Doch er spürte, dass tausende Augenpaare ihn beobachteten und jede einzelne seiner Bewegungen genauestens registriert wurde.
Der Morgen war nahe. Sehr nahe! Hajos einzige Hoffnung war, dass es nur die Augenpaare der nachtaktiven Tiere des Dschungels waren und nicht von den Kannibalen, die Jagd auf ihn machten.
Er war alles andere, nur nicht ängstlich. Leicht braun gebrannt, groß und sportlich mit hellbraunen, leicht gewellten Haaren und immer einem Lächeln im Gesicht. Ein Sonnyboy! Ein Beachboy, der auch am Strand von Malibu eine gute Figur gemacht hätte. Aber der Ernst der Lage verschaffte ihm Respekt. Respekt vor dieser Meute von wilden Kriegern!
Etwas verunsichert sah sich Hajo um. Außer unverwechselbare Urwaldgeräusche war nichts Auffälliges zu hören. Doch das konnte sich schlagartig ändern. Hajos Blick war ständig auf seinen Aqua-Pulser gerichtet, der wie ein übergroßer Armreif an seinem linken Unterarm befestigt war.
Noch pulsierte er rot. Erst bei grün konnte er den Sprung aktivieren. Den Sprung in eine andere Zeit! „Lieber auf einer römischen Galeere rudern, als von einem Eingeborenenspeer durchbohrt und zum Schrumpfkopf verarbeitet zu werden“, stammelte Hajo nervös und ungeduldig vor sich hin.
Langsam erschien die Sonne über dem Horizont. Und plötzlich waren sie wieder zu hören, die Trommelschläge seiner Verfolger. „Bum, bum … bum, bum …“, immer im gleichen Takt.
Hajo fühlte sich wie die Trophäe auf einer Treibjagd. Die Helfer gaben laute Geräusche von sich, um das Wild aufzuscheuchen und es vor die Flinten der Jäger zu treiben. Doch heute war er das Wild. Am liebsten würde er jetzt laut nach seiner Mama schreien. Doch das wäre sein Todesurteil!
Seine Verfolger waren schon bedrohlich nahe, denn die Trommeln wurden immer lauter! Doch mit einem Schlag verstummten sie. Wie auf Kommando, war der Ton im Urwald abgedreht. Kein Knacken im Unterholz mehr, auch das Vogelgezwitscher, das zuvor noch von den Baumkronen herunter drang, war nicht mehr vorhanden. Hajo zitterte am ganzen Körper! Er versuchte so flach wie möglich zu atmen und sich zu sammeln. „Jetzt bloß keinen Laut“, dachte er.
Schweißperlen sammelten sich auf seiner Stirn! Starr vor Angst klebte Hajos Blick auf den Signallichtern seines Aqua-Pulsers. Noch sechzig Sekunden bis grün! Sechzig Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden sollten. Das schnell-pulsierende Rot wechselte in Orange. Vorbereiten zum Sprung!
Erst jetzt, mit der aufgehenden Sonne konnte er erkennen, wie weit es unmittelbar vor ihm, in die Tiefe ging.
„Verdammt!“, stieß er in seinem ersten Schrecken aus und noch fast im selben Moment streifte ein Speer den Baum, der ihm bis jetzt als Schutz gedient hatte.
Auf seinem Aqua-Pulser leuchtete noch immer das orangene Licht. Doch Hajo blieb keine Sekunde mehr. Er musste sofort in den tiefen Abgrund springen und konnte nur hoffen, dass sein Aqua-Pulser auf grün schaltete, bevor er unten aufschlug. Er fasste allen Mut zusammen.
Mit einem Satz stürzte er sich in die Tiefe, begleitet von den Speeren der Eingeborenen.
„Grün!“ Hajo war verschwunden und die Speere flogen nur noch ins Leere. In letzter Sekunde hatte der Zeitsprung Hajos Leben gerettet, und ihn in eine andere Zeit geschleudert.
Hans-Joachim van den Bosch, von Kindesalter an von allen immer nur Hajo gerufen, war zu einem Aqua-Jumper geworden!
Zufällig? Nein! Es fällt uns nichts zu! Alles hat seinen Sinn! Aber alles Begann wie folgt…
Mit leichtem Klappern fuhr ein Toyota Pickup auf der National Route von Kapstadt kommend, auf der N7 in Richtung Norden.
Die rostigen Flecken an dem Wagen wurden mit brauner Farbe elegant kaschiert. Dem Motor hörte man die 15 Jahre an, die er bereits auf dem Buckel hatte.
Mit gemütlichen 80 km/h fuhr Hajo van den Bosch gut gelaunt nordwärts. Vorbei an Weingütern und Feldern, einer Landschaft die Gott an einem Sonntag bei bester Laune gemacht haben musste. Obwohl es erst Donnerstag war, begann für Hajo das lang ersehnte Wochenende.
Turnschuhe, ausgewaschene Jeans und sein rotes Lieblingsshirt. Er war im Freizeitlook. Halt! Das wichtigste: Die Sonnenbrille a la Men in Black!
„Endlich ein paar Tage faulenzen“, stieß er aus und pfiff vor sich hin „ Das habe ich mir redlich verdient.“
Hajo war in Paarl, einer kleinen Stadt in der Nähe von Kapstadt, aufgewachsen. Seine Familie hatte dort seit Generationen ein Weingut. Die van den Boschs waren seit jeher Weinbarone.
Der Rebensaft hatte der Familie einen beachtlichen Wohlstand beschert.
„Nimm dir ein paar Tage frei Hajo“, sprach das Familienoberhaupt, Hajos Vater Robert van den Bosch gestern beim Mittagessen. „Die letzten Wochen waren hart und du warst mehr als fleißig!“
Hajo sah seinen Vater mit offenem Mund an. „Meinst du wirklich?“ „Ja! Und Mama ist der gleichen Meinung.“ Er blickte zu seiner Frau, die lächelnd nickte.
„Besuch doch Onkel Freddy in Clanwilliam. Er freut sich bestimmt! Du kannst in den Bergen zelten und nach Fossilien suchen“, ergänzte seine Mutter. Hajo blieb die Spucke weg. “Wie geil war das denn“, dachte er. Hajo liebte es, nach Versteinerungen zu suchen und diese Zeugnisse vergangener Epochen zu sammeln.
Die Zederberge bei Clanwilliam sind dafür berühmt. Dort hat man alte Höhlenmalereien der San gefunden, die bereits mehrere tausend e Jahre alt sind. San sind die Ureinwohner des südafrikanischen Busches, von denen es heute noch etwa fünftausend gibt.
Die Landschaft wurde karger, je weiter Hajo in Richtung Clanwilliam fuhr. Von weitem sah er die Zederberge, die mit jedem Kilometer größer und schöner in Erscheinung traten. Kein Gedanke an seine Ex. Er fühlte sich beim Anblick dieser Landschaft einfach nur frei. Dass er die letzten Wochen so hart arbeitete, entsprang nicht nur aus dem Umstand, dass im elterlichen Betrieb die Arbeit überhandnahm. Nein, da war noch was anderes. Er verarbeitete damit auch seinen Trennungsschmerz. Hajo redete sich zwar ein, dass sie eh nicht die große Liebe war. Doch das Aus tat mehr weh, als er sich eingestand. Dabei waren die Beiden erst ein paar Monate zusammen. Hajo van den Bosch war eher der etwas schüchterne Typ, als der Draufgänger, den er Optisch hergab. Genau das bemängelte seine Ex-Freundin des Öfteren an ihn. Bis an dem Abend vor gut vier Wochen. Da feierte ihre beste Freundin Geburtstag. Es kam wie es kommen musste. Seine bessere Hälfte und er zofften sich gewaltig. Wutentbrannt verließ sie anschließend die Party und Hajo gab sich die Kante. Er konnte rückblickend nicht einmal mehr sagen warum sie sich stritten, geschweige denn wie es anfing. Es war irgend so eine belanglose Kleinigkeit wie, trink nicht so viel oder sag halt auch mal was. Auf jeden Fall war eine Menge Alkohol im Spiel, so dass Hajo sich an keine Einzelheiten erinnern konnte. Klassischer Filmriss. Als sich seine Freundin am nächsten Tag für den Streit entschuldigen wollte, ertappte sie Hajo mit ihrer besten Freundin in flagranti. Das war so eindeutig, dass der abgedroschene Spruch „es ist nicht so wie es aussieht“ dem Ganzen noch die Krone aufsetzte. Mit einem sehr unschönen Satz, beendete sie daraufhin abrupt diese Verbindung. Eigentlich schmerzte ihn nur, dass nicht er derjenige gewesen war, der Schluss gemacht hatte. Seitdem hatte er mit den Beiden keinen Kontakt mehr. Die arbeitsreichen letzten Wochen brachten Hajo wieder auf Normalkurs. Er musste lächeln, wenn er an die Geschichte dachte. „Einen Langeweiler nennt sie mich mit Sicherheit nicht mehr.“
Im Autoradio spielten sie gerade den Oldie California Dreamin als Hajo mitpfeifend die N7 verlassen hatte und nach rechts auf die R364 abbog. Er fuhr den Olifants-River entlang und kam am Clanwilliam Staudamm, vorbei.
Der in den 1930er Jahren für die Wasserversorgung und zur Feldbewässerung angestaute See, wurde in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts um etliche Meter erhöht. Er dient heute auch als Freizeit und Naherholungsraum.
„Das Leben ist wunderbar“, trällerte Hajo, während er über den Graafenwaterweg, der direkt in die Augsburg Road mündete, nach Clanwilliam einfuhr.
Nach etwa 100 Meter steuerte er zielbewusst seinen Toyota in die Hoofstraße, vorbei an der Standard Bank. Nur noch 30 Meter. Hajo war am Ziel. Hoofstraße 32.
„Gut schaust du aus mein Junge“, begrüßte Onkel Freddy seinen Neffen. „Wie war die Fahrt mit deiner Nobelkarosse?“
„Hallo Lieblingsonkel! Ich bin gut durchgekommen“, entgegnete Hajo lächelnd und umarmte ihn. „Du weißt doch, dass mit einem neuen Fahrzeug das Diebstahlrisiko enorm steigt!“ „Stimmt allerdings“, antwortete Onkel Freddy und bat seinen Neffen ins Haus.
Frederik Vanderson war durch, wie man so schön sagte. Er war finanziell unabhängig. Sein Weingut hatte der Mitte-50er schon vor Jahren an seinen Schwager verpachtet, an Hajos Vater. Dieser Umstand sicherte Freddy ein sorgloses, unbeschwertes Leben.
Frederik war von mittlerer Statur und so langsam wuchs ihm der Kopf durch die Haare. Die schleichende Glatzenbildung versuchte er mit einem Cowboyhut zu kaschieren. Sein leichter Bauchansatz kam nicht vom üppigen Dinieren, sondern von seiner Liebe zum Bier. Am liebsten wäre er von Anfang an Bierbrauer geworden und nicht Winzer. Frederik war ein gemütlicher Zeitgeist, ein waschechter Südafrikaner, der sein Land liebte.
Noch mehr liebte er es seit dem Ende der Apartheid. Denn seine Freundin, seine Geliebte war eine Couloured. Freddy Vanderson liebte seit über 20 Jahren seine Rosi! Rosi ist eine Farbige. Dazu muss man wissen, dass in Südafrika zu Zeiten der Apartheid die weißen Machthaber, die Bevölkerung in vier Gruppen eingeteilt hatten. In Weiße, Schwarze, Farbige und Asiaten. Als Weiße wurden alle Nachfahren der Europäer bezeichnet. Zu den Schwarzen gehörten alle Schwarzafrikaner und die Mischlinge aus Weißen und Schwarzen wurden Farbige genannt. Die Asiaten waren in der Hauptsache indische und chinesische Einwanderer.
Jeder sexuelle Kontakt zwischen Weißen und einer der anderen Gruppe war per Gesetz verboten. Doch das war Vergangenheit.
„Wo ist denn deine Perle? Wo ist Rosi?“ Hajo schaute sich suchend um. „Sie ist zu ihrer Schwester nach Kimberley gefahren. Da ist Nachwuchs unterwegs und Rosi passt ein paar Tage auf die Neffen auf“, antwortete Freddy „Komm in die Küche! Ich habe Tee aufgesetzt.“
Hajo roch bereits den Rooibostee, was Afrikaans ist und sich sehr leicht übersetzen lässt. Rooi bedeutet rot und Bos heißt Busch. (Rotbuschtee!) Die Gegend um Clanwilliam ist eines der bekanntesten Anbaugebiete des weltbekannten Rotbuschtees.
Bei einer gemütlichen Tasse Tee berichtete Hajo seinem Onkel das Neueste von zuhause. „Ich habe dir ein paar Flaschen Rotwein mitgebracht. Mit ganz lieben Grüßen von Mama.“
„Ich danke dir. Gib ihr einen Kuss von mir!“
„Wie ist dein Plan Hajo“, fragte Frederik seinen Neffen. “Bleibst du in Clanwilliam, oder willst du zum Zelten in die Berge, wie du es am Telefon geäußert hast?“
„Kannst du dich noch an die kleine Höhle erinnern, die über dem Felsvorsprung am schmalen See liegt“, antwortete der Neffe. “Na klar“, stieß Freddy aus. „Ungefähr 40 Kilometer östlich von hier. In den Zederbergen! Und ob ich mich noch daran erinnern kann! Es war doch vor zwei Jahren, bei unserem Jagdausflug, als wir dieses kleine paradiesische Fleckchen entdeckt haben.“
„Genau dort habe ich vor, mein Zelt aufzuschlagen, ein paar Tage einfach nur rumhängen und Fossilien suchen. Was meinst du Onkel?“ Freddy war begeistert „Eine sehr gute Ecke hast du dir ausgesucht. Vorschlag meinerseits: Wir besorgen nachher Proviant und etwas Bier. Alles, was du brauchst, um ein paar gute Steaks zu grillen. Gleich hier um die Ecke hat vor zwei Monaten ein schickes Lokal aufgemacht. Dort können wir zu Abend essen. Und morgen früh fahre ich dich in die Zederberge.“
Hajo war einverstanden. So stellte er sich den perfekten Einstieg in ein erholsames Wochenende vor.
Glutrot stieg morgens um halb sechs die Sonne auf. Ganz Clanwilliam schien noch zu schlafen. Lediglich ein grüner Range Rover hatte die Stadt in Richtung Osten verlassen.
Am Steuer saß Frederik Vanderson. Ihm zur Seite sein gutgelaunter Neffe Hajo. Sie waren bereits von der Hauptstraße abgebogen und fuhren über die Schotterpiste. Die Staubwolke war kilometerweit sichtbar. Es hatte seit fast zwei Monaten keinen Tropfen geregnet. Doch das tat der Schönheit, die die Zederberge ausstrahlten, keinen Abbruch.
„Willkommen im Paradies“, lachte Onkel Freddy „Das ist mein Südafrika, so wie ich es liebe. Natur pur! Keine Touristen, die blindlinks alles niedertrampeln!“ Frederik Vanderson war in den letzten Jahren viel gereist. Er hasste es, wenn Urlauber ihren Müll überall liegen ließen.
Sie verließen die Schotterpiste und fuhren Querfeldein, zu dem Platz, wo Hajo für die nächsten Tage sein Lager aufschlagen wollte.
„Gott muss vor Freude geweint haben, als er diesen Flecken Erde erschuf.“ Hajo pflichtete seinem Onkel bei. Es war hier noch schöner als er es in Erinnerung hatte. Dieses kleine, abgelegene Juwel war von der Ferne nicht einsehbar. Es sah aus wie ein Krater. Ein Fußabdruck Gottes mitten in den Ausläufern der Zederberge. Im Krater lag ein See, der von seiner Größe her, bei den oberen Zehntausend durchaus, als Pool durchging. Direkt darüber spitzte ein Felsvorsprung aus der Kraterwand. Mit viel Phantasie könnte man denken, es wäre ein Sprungbrett für den Naturpool.
Als der Felsvorsprung, vor wahrscheinlich Millionen von Jahren aus der Kraterwand herausbrach, hinterließ er eine winzige Einbuchtung. Eine kleine idyllische Höhle.
Frederik und Hajo verstauten das Zelt und den Proviant in dieser Höhle. Die Getränke, vor allem das Bier, wurde in einem Netz deponiert, das sodann ins kühle Wasser des Sees hinab gelassen wurde. „Wir bauen gemeinsam das Zelt auf und richten eine Feuerstelle her. Danach trinken wir noch gemütlich ein kühles Blondes, bevor ich mich wieder auf die Socken mache“, meinte Frederik und machte sich gleich ans Werk. Es dauerte keine halbe Stunde und das Zelt mitsamt der Feuerstelle war fertig.
Die beiden saßen barfüßig, die Füße bis zu den Waden ins kühle Nass getaucht, am See. Sie ließen sich ihre Dose Windhoek Lager Beer genüsslich durch die Kehle rinnen. Es kam aus Namibia. Ein exzellentes Bier, das nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wurde. Ein Segen für jeden Biertrinker!
„Hajo, soll ich dir meine Flinte da lassen? Für alle Fälle?!“ „Nein, kein Bedarf. Ich habe mein Buschmesser dabei“, kam prompt die Antwort von Hajo zurück. „Na dann“, stammelte Frederik und machte einen großen Schluck aus seiner Dose. „Denke daran, wenn du was brauchst musst du bis zur Schotterpiste laufen. Erst dort hast du Mobilfunknetz. Hier ist tote Hose.“ Onkel Freddy beendete mit, „Ansonsten hole ich dich am Montagmorgen ab.“ „Ok Onkel! So machen wir es“, nickte Hajo.
Frederik zerquetschte die leeren Bierdosen und steckte sie ein. „Umweltschutz beginnt im Kleinen“, pflegte er immer zu sagen.
Mit einem, „Viel Glück beim Fossilien suchen“, stieg Onkel Freddy in seinen Jeep und fuhr winkend davon. Die Staubwolke seines Range Rovers, die er auf der Schotterpiste hinter sich her zog, sah aus wie der Schweif eines Kometen.
„Endlich Wochenende“, dachte Hajo.
Eine innere Zufriedenheit durchströmte seinen Körper. Er zog sein T-Shirt aus und sprang ins Wasser. Hajo wollte seine Auszeit langsam angehen lassen, in seiner Villa mit Pool. Er schwamm ein paar Bahnen im angenehm-temperierten See und relaxte den restlichen Vormittag. Hajo grillte sich ein Steak und schmökerte nach dem Essen in Neue Erinnerungen an die Zukunft sein aktuelles Lieblingsbuch von EVD. Er war begeistert von den Ausführungen des Autors Erich von Däniken.
Hajo träumte vor sich hin und genoss die angenehme Stille, während Cumuluswolken über ihn hinweg zogen. Er schloss die Augen und war kurz vorm einnicken.
Ein lautes Pfeifen, gefolgt von einem explosionsartigen Knall, schreckte Hajo aus seinem Schlummern. „Wow! Was war das?“, schrie er laut. Hastig zog er seine Turnschuhe an und kletterte aus seinem Krater. Hajo blickte sich um und entdeckte Rauchschwaden hinter einem Hügel, der ca. einen Kilometer entfernt lag.
Sein erster Gedanke war, „Vielleicht ein Flugzeugabsturz? Da braucht bestimmt jemand Hilfe.“ Instinktiv holte er seine Wasserflasche, füllte sie, schnappte seinen kleinen Rucksack mit Verbandszeug, setzte das Cap auf und spurtete in Richtung Rauchwolke.
Verschwitzt und völlig außer Atem erreichte er die Anhöhe. Tausend Gedanken kreisten in seinem Kopf herum, „Was war passiert?“ Abgehetzt und mit letzter Kraft kletterte Hajo die Böschung hinauf. Noch bevor er oben war, erschütterte eine weitere Explosion erneut die Stille.
Als er über die Kuppe blickte, stockte ihm der Atem. Es schien, als würde das Blut in seinen Adern gefrieren! „Das gibt’s doch nicht!“ schrie er und riss vor Schreck die Augen auf!
„Commander Torres in Modul 14!
Commander Torres bitte“, ertönte die blecherne Stimme aus dem Lautsprecher. „Commander Torres in Modul 14 !“
„Ja! Ist gut. Ich komme ja schon.“ Torres wusch sich die Hände und stolzierte pfeifend aus der Toilette. „Es gibt Milliarden von Menschen“, dachte er. „Aber nur einer Hand voll war es vergönnt ihrGeschäftin einer Raumstadion, kilometerweit über der Erde zu verrichten. Und ich gehöre dazu!“ Schon alleine darauf war er mächtig stolz. Der Commander war einer der besten Piloten der Raumflotte. Ansonsten war Torres ein arrogantes Arschloch!
Mit seiner stattlichen Größe von 1,65 Meter war er der kleinste in der Staffel. Durch seine schwarze Haarpracht, die er mit einem Pfund Gel nach hinten platziert hatte, sah er aus wie ein kleines verkorkstes Elvis Imitat. Als der Herrgott Größe und Schönheit verteilte, saß Torres wahrscheinlich zeitungslesend auf dem Klo.
Umso mehr strengte er sich beruflich an und wurde einer der Besten. Der Raumflotte interessierte nicht die Optik eines Menschen, sondern deren Leistung.
Nach drei gescheiterten Ehen versuchte Torres seine Minderwertigkeitskomplexe, mit dummen Sprüchen zu übertünchen. Damit konnte er lediglich junge Hühner in einschlägigen Bars beeindrucken, doch zu mehr langte es nicht. Mit jeder schnellen und billigen Bekanntschaft fühlte er sich wie ein James Bond, ohne zu merken, wie tief er bereits gesunken war.
„Commander Torres nehmen Sie Platz! Sie sind spät dran“, begrüßte ihn Udo Lerch, der Sonderbeauftragte der Raumflotte. Der Commander und er kannten sich aus früheren Dienstbesprechungen. Lerch startete umgehend.
„Darf ich vorstellen? Wissenschaftsoffizier Nomi ZbV (Zur besonderen Verwendung).“ Vanessa Nomi war von der wissenschaftlichen Abteilung für besondere Aufgaben. „Dieses Gespräch ist von höchster Geheimhaltung“, fuhr SB Lerch fort. „Haben Sie verstanden?“
Torres und Nomi nickten.
„Torres, was wissen Sie über Wasser“, schaute er fragend den Commander an. „Ohne Wasser gibt’s kein Leben. Man kann es auch trinken. Wenn möglich in Form von Eiswürfel im Whiskey.“ Grinsend schaute Torres SB Lerch und WO Nomi an. „Danke Commander! Um Ihr überragendes Wissen noch ein wenig aufzupeppen, bitte ich WO Nomi ums Wort.“
„Meine Herren! Abgesehen davon, dass ohne Wasser kein uns bekanntes Leben möglich ist, haben wir in langer Studie bewiesen, dass Wasser viel mehr ist, als nur Eiswürfel in Commander Torres‘ Drinks. Das Wasser auf der Erde wird nicht mehr, es wird aber auch nicht weniger. Es ändert, wenn überhaupt, nur seinen Aggregatszustand. Mal flüssig, mal eisförmig, oder als Wasserdampf, wie es in unserer Atmosphäre vorkommt. Es verschwindet aber nicht. So kann es durchaus möglich sein, dass im selben Wasser, mit dem sich der Commander heute früh, so hoffe ich doch, geduscht hat, bereits auch Kleopatra ihren Körper reinigte.“
Torres gefiel dieser Gedanke sichtlich. Im gleichen Wasser mit Kleopatra! Nomi bemerkte die Geistesabwesenheit des Commanders und legte nach. „Oder Julius Cäsar!“
Damit war schlagartig Commander Torres aus seinem Tagtraum erwacht und WO Nomi ging noch tiefer auf Lerchs Frage ein. „Das bedeutet, wenn das Wasser sprechen könnte, hätte es viel zu berichten. So wie ein alter Baum. Nur mit dem Unterschied, dass ein Baum höchstens ein paar hundert Jahre alt wird, aber das Wasser seit der Existenz der Erde da ist.“
„Heißt dass, es würde plappern wie ein Wasserfall?“ Torres konnte sich diesen Joke nicht verkneifen. Nomi nickte lächelnd.
„Wir haben festgestellt, dass jede Zeit eine andere Frequenz im Wasser hinterlässt und von diesem abgespeichert wird wie auf einer Computerfestplatte. Ich will es nicht zu kompliziert machen, aber somit hat Wasser eine Art von Gedächtnis. Es kann sich an alles erinnern was es jemals erlebt hat. Nur man kann es weder sehen, noch hören.
Doch wir haben eine Vorrichtung, einen Aqua-Pulser entwickelt, mit dessen Hilfe wir einen Frequenzsprung in eine vergangene Zeit absolvieren können.“
Die Gesichter von Torres und Lerch nahmen eine leichte Fragestellung ein. Obwohl es für Lerch nichts Neues war, faszinierte es ihn immer wieder aufs Neue.
„Dieser Aqua-Pulser ist handlicher als ein Kulturbeutel und in Form eines unauffälligen Armreifs konzipiert worden.“
Nomi zeigte Ihren linken Unterarm, um den sich ein schlichter grauer mit kleinen Noppen übersäter Armreif befand. „Da der Mensch zum größten Teil aus Wasser besteht und somit eine Eigenfrequenz hat, stellt sich der Aqua-Pulser, im ersten Schritt auf diese Frequenz des Trägers ein.“ Die Herren nickten staunend.
„Es ist leider nicht so einfach wie im FilmDie Zeitmaschine, in die man das entsprechende Datum eingibt und punktgenau dort landet, wo man will. Soweit sind wir leider noch nicht, auch wenn wir bereits das Jahr 2196 nach Christi schreiben.“
„Aber dann ist das ja ein Blindflug!“, stürzte es aus Commander Torres heraus. „Hat unser tapferer Ritter ein Problem damit“, grinste Nomi. „Nein! Äh ja! Äh vielleicht“, stammelte Torres.
„Nicht ganz! Lassen Sie es mich erklären. Der Aqua-Pulser bekommt seine Energie aus dem Wasser, vergleichbar mit Wasserstoff. Somit ist er von einer externen Energiequelle unabhängig. Das ist absolut notwendig, wenn man zum Beispiel im Mittelalter landet. Denn dort gibt es keine Steckdosen. Aber der erste Sprung ist tatsächlich ein Blindflug. Man stellt eine Frequenz ein, ohne dass man weiß wo man landet. Nach dem Sprung braucht der Aqua-Pulser 24 Stunden bis er sich erneut aufgeladen hat. Er hat ein integriertes Ampelsystem, bei dem nach 20 Stunden ein rotes Licht aufleuchtet. Nach 23 Stunden fängt das rote Licht langsam an, zu pulsieren. Somit ist der Zeitpunkt erreicht, eine neue Frequenz einzugeben. In den folgenden 60 Minuten blinkt das rote Licht immer schneller. Kurz vor dem Start zum nächsten Sprung, wechselt die Farbe in Orange und springt danach auf Grün. Damit ist der Aqua-Pulser einsatzbereit, für den Sprung in den nächsten Zeitabschnitt.“
Nomi machte eine Pause und trank einen Schluck Orangensaft. Es dauerte nicht lange und schon kamen die ersten Fragen. Diese umspannten das gesamte Spektrum an Sicherheitsfragen, bis hin zum Thema, Rückkehr in die Gegenwart.
„Ich will hier nicht ins Detail gehen! Nur das Wichtigste für heute.“ Torres und Lerch nickten. Der Commander fühlte sich bereits wie der Kapitän Kirk unter den Zeitreisenden. Es war auch seit langem das erste Mal, dass er einer Frau zugehört hatte, ohne ihr permanent auf den Arsch oder auf die Brüste zu stieren.
„Der Aqua-Pulser hat eine spezielle Technik. Er wird, wie könnte es anders sein, mit Wasserstoff betrieben. Zuerst dachte man an Hochleistungsbatterien, damit der Aqua-Pulser nach dem Sprung in die Vergangenheit, sofort wieder für den Rücksprung einsatzbereit ist. Doch davon ist man schnell wieder abgekommen. Die Gefahr, dass während des Sprunges die Batterien, durch Indifferenzen in der Frequenz–Zeitschiene explodieren, war zu groß. Die Sicherheit geht vor!
Das hat aber den Nachteil, dass nach dem Zeitsprung der Aqua-Pulser keine Energie mehr hat. Er ist ausgepowert, wie ein leerer Akku. Nach dem Zeitsprung beginnt er, sich selbstständig aufzuladen. Jetzt kommt der komplizierte Teil.
Er lädt sich in zwei Stufen auf. In der ersten Stufe, die nach 24 Stunden erreicht ist, stellt er die Energie für den nächsten Zeitsprung bereit. In der zweiten Stufe, nach weiteren 24 Stunden, die für den Rücksprung nach Hause.
Nomi bemerkte, dass Commander Torres nicht mehr folgen konnte. „Meine Herren! Ich werde Ihnen das anhand eines Beispiels verdeutlichen. Stellen sie sich vor, Sie springen ins Jahr 1944 nach Europa. Jetzt müssen sie mindestens 24 Stunden dort verweilen. Wenn sie nicht aufpassen, werden sie vielleicht schon nach 5 Minuten im Kriegsgewirr erschossen oder verwundet. Das heißt, Sie müssen 24 Stunden überleben, um von dort wieder weg zu kommen. Erst jetzt hat der Aqua-Pulser die erste Ladestufe erreicht und genügend Energie. Sie haben nun zwei Möglichkeiten. Entweder Sie springen weiter in eine andere Zeit, indem Sie eine neue Frequenz am Aqua-Pulser eingeben, allerdings mit dem Risiko, nicht zu wissen, wo sie landen werden. Oder Sie verweilen dort weitere 24 Stunden, bis die zweite Ladestufe erreicht ist und springen danach nach Hause.“
„Wie groß ist die Überlebenschance?“ Commander Torres schaute WO Nomi fragend an. „Sie meinen den Sprung an sich?“, vergewisserte sich Nomi fragend. Torres nickte.
„Ich habe sechzehn Sprünge mit dem Aqua-Pulser absolviert. Der Sprung ist unproblematisch. Mit jedem weiteren Sprung in eine vergangene Zeit, werden die unterschiedlichen Frequenzen langsam zu einem Frequenzmuster. Dadurch sind wir hoffentlich bald in der Lage wie in einer Zeitmaschine, genaue Zeitfrequenzen einzugeben, und gezielt in eine bestimmte Zeit zu springen.“ Die Augen der beiden Zuhörer leuchteten. Keinen 3D Film über Dinosaurier anschauen, sondern einfach mit dieser neuen Technik dorthin reisen. Die Entdeckung Amerikas live miterleben, oder die Schlacht von Waterloo.
Nomi fuhr fort. „Doch bis dahin ist noch viel Arbeit nötig. Und das wichtigste ist, sich stets bewusst zu sein, dass wir nur Beobachter in der Vergangenheit sind. Wir dürfen sie nicht ändern! Dies hätte ungeahnte Folgen für unsere Gegenwart! So gerne man etwas verändern möchte, wie zum Beispiel das Kennedy Attentat verhindern. Oder stellen Sie sich vor, wir vereiteln das Attentat auf den Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich, 1914 in Sarajevo. Der erste Weltkrieg wäre nie ausgebrochen, oder Hitler, Stalin in die Quere zu kommen und auch den zweiten Weltkrieg hätte es nie gegeben. Trotzdem sind die Folgen nicht absehbar! Wer weiß, ob es uns durch die Änderung in der Vergangenheit heute gäbe? Vielleicht kämen wir vom Regen in die Traufe, weil wir durch eine gutgemeinte Änderung, ein noch größeres Unglück heraufbeschwören könnten. Deswegen sind wir nur Beobachter, sonst nichts! Haben Sie das verstanden?“ Torres nickte und auch Lerch stimmte dem zu.
„Weiter meine Herren! Wir können jeden Aqua-Pulser und somit seinen Träger orten. Egal in welcher Zeit und an welchem Ort er sich befindet. Dies ist als Schutzmechanismus vorgesehen, falls Probleme auftauchen. Diese Informationen sollten fürs Erste genügen, um einen kleinen Einblick in diese neuartige Technologie zu bekommen.“
Torres fühlte sich bereits alsAqua Jumper des Jahrhunderts, der in der Lage war seine Exfrauen in der Vergangenheit zu liquidieren, um keine Unterhaltszahlungen in der Gegenwart löhnen zu müssen. Doch das war nur ein angenehmer Gedanke der sogleich wieder verflog.
„WO Nomi, wann bekomme ich diesen Aqua-Pulser ans Handgelenk, um die Vergangenheit mit meiner Anwesenheit zu beglücken?“ Torres sah sich fragend um.
„Überhaupt nicht“, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen.
„Was soll das heißen?“ Commander Torres glaubte, nicht richtig verstanden zu haben. „Sie haben mich hierher zitiert, um mir die neueste und abgefahrenste Entwicklung zu zeigen! Nur, um mir dann mitzuteilen, dass ich diesen Aqua-Pulser nicht benutzen kann? Sie schulden mir eine Erklärung!“
„Commander Torres, setzen Sie sich wieder auf ihren Platz und hören Sie WO Nomi weiter zu!“, befahl der Sonderbeauftragte der Raumflotte Lerch. Torres nahm seine Sitzhaltung wieder ein und ärgerte sich, weil er seine Beherrschung verloren hatte. „Commander Torres, jetzt kommt der Part, der für Sie gedacht ist.“
Nomi schaute Torres von der Seite her an und als sie sein Nicken sah, startete sie Teil zwei ihres Vortrages.
„Um die Technik des Aqua-Pulsers optimal zu nutzen, ist es enorm wichtig nicht nur als Beobachter in der Vergangenheit zu agieren, was aber bedingt notwendig ist, um Geschichtslügen im Nachhinein aufzudecken und zu berichtigen. Neu ist, mit einer Flugscheibe in die Vergangenheit zu fliegen, um auch Tiere und Pflanzen, die heute ausgestorben sind, wieder bei uns in der Gegenwart anzusiedeln beziehungsweise anzupflanzen.“ Jetzt glänzten Commander Torres Augen wieder und er war ganz Ohr. „Wir haben eine Möglichkeit gefunden, eine unserer Flugscheiben so zu modifizieren, dass es machbar ist mit dieser in die Vergangenheit zu springen und wieder zurück. Für dieses waghalsige und streng geheime Unternehmen brauchen wir den besten Piloten der ganzen Raumflotte. Unsere Wahl fiel auf Sie, Commander Torres.“
Torres wurde schlagartig um zehn cm größer und Lerch, der Sonderbeauftragte der Raumflotte übernahm das Wort. „Commander Torres dieser Sprung ist nicht ohne Risiko. Sie können auch ablehnen. Ich würde das verstehen.“
„Aber Sir. Es ist mir eine Ehre, bei dieser Mission dabei zu sein. Risiko ist mein zweiter Vorname und keiner kann mit den Flugscheiben so perfekt umgehen wie ich! Gerade bei brenzligen Situationen.“ Torres stand auf, um damit seinen Worten mehr Ausdruck zu verleihen. „In Ordnung Commander, dann will ich Sie mit den Einzelheiten vertraut machen. Wir drei treffen uns nach dem Mittagessen direkt vor Ort, bei der Flugscheibe.“ Lerch sah auf die Uhr. „Es ist jetzt kurz nach 12 Uhr. Um 13.30 Uhr sehen wir uns pünktlich in Gate 7. Strengste Geheimhaltung versteht sich!“ SB Lerch stand auf, grüßte kurz und verließ das Besprechungsmodul.
Torres sah WO Nomi fragend an. „Sagen Sie! Wie ist das mit dem Springen? Wie fühlt sich das an?“ Der Commander würde nie zugeben, dass er die Hosen gestrichen voll hatte. Schließlich war er der Mann, dessen Ego seine Körpergröße überragte, wenn seine Unentbehrlichkeit von außen bestätigt wurde. „Es ist als würde man durch einen Tunnel gezogen und währenddessen hört man einen Wasserfall in die Tiefe stürzen. Es tut nicht weh. Im Gegenteil! Es fühlt sich auf eine seltsame Art äußerst angenehm an“, erzählte Nomi entspannt und löste bei Commander Torres eine leichte innere Ruhe aus. „Wollen wir gemeinsam zu Mittag essen WO Nomi?“ „Gerne! Warum nicht? Ich habe schon etwas Hunger.“ Gemeinsam verließen die beiden das Modul 14 und steuerten die Kantine an.
Währenddessen zog die Raumstation ihre Bahn im Orbit. Gleichmäßig, ohne irgendwelche Probleme und das schon über achtzehn Jahre lang.
Galileo2 ist eine militärische Raumstation und steht unter dem Oberkommando der Raumflotte. Doch in der Hauptsache wird sie wissenschaftlich genutzt.
Sie wurde vor 18 Jahren gebaut. Galileo2 ist die modernste und größte in der Erd-Umlaufbahn. Von ihr aus werden neue Satelliten ausgebracht und alte repariert oder verschrottet. Auf der Station leben dauerhaft über 800 Personen und es sind weitere 400 auf Zeit stationiert. Durch die Eigenrotation von Galileo2 wird eine künstliche Schwerkraft erzeugt, was das Leben auf der Station mehr als erträglich macht. Es ist für alles gesorgt, von Werkstatt über Krankenstation bis hin zur Fitnessoase. Mit eigenem Labor, dassauf dem neuesten Stand der Technik ist.
Nomi und Torres fachsimpelten über die Möglichkeiten, die diese neue Technik mit sich brachte. Nach dem Mittagessen fanden sie sich in Gate 7 ein, wo Lerch schon auf sie wartete. Dort stand eine Flugscheibe. Für Torres sah sie so gewöhnlich aus wie jede andere, die er bereits kannte. Sie hatte einen Durchmesser von 12 Meter und war für maximal ein Besatzungsteam von vier Personen ausgelegt. Somit war diese Flying Disc die kleinste ihrer Art. Der Commander kannte auch ihre Historie. Vor der Flugscheibentechnik waren Raketen und Raumgleiter das Bindeglied zwischen den Raumstationen und der Erde.
Doch alleine die Raumgleiter ins All zu bringen, war schon sehr kostenintensiv. Anfangs wurden sie mit Raketen in die Umlaufbahn geschossen. Im nächsten Schritt wurden die Space Shuttles größer und wie Flugzeuge in die Luft gebracht. Dadurch verbrauchten sie um Längen mehr an Treibstoff, weil sie fast eine Erdumrundung in Anspruch nehmen mussten, bis sie in den oberen Orbit kamen. Doch dies war nur ein Bruchteil der Kosten, die ein Raketenstart verursachte.
Den richtigen Schub nach vorne bekam die bemannte Weltraumforschung vor allem im Bereich Pendelverkehr mit den Raumstationen und Satelliten, durch die Flugscheibentechnik. Diese, von den Deutschen in den 1940er Jahren entwickelte Technik, die aber für den Kriegseinsatz zu spät kam und nach dem Krieg in Vergessenheit geraten war, hatte gegenüber den herkömmlichen Raumgleitern viele Vorteile. Man brauchte keine Startbahn für den Start oder der Landung, denn die Flugscheibe startete senkrecht nach oben, wie ein Hubschrauber. Durch seine in sich rotierenden Magnetfelder sind Flugmanöver möglich, wie sonst mit keinem Fluggerät. Eine Ingenieurskunst, die seinesgleichen suchte. Die Magnetfelder schützen die Scheibe auch vor der Hitze beim Wiedereintritt in die Atmosphäre. Keramik Hitzekacheln, wie bei den Raumgleitern üblich, waren Geschichte.
Diese auf Wasserstoffbasis angetriebenen Flugscheiben kannte Commander Torres in- und auswendig. Seine Augen leuchteten als er mit seiner Hand sanft über die Scheibe strich. „Commander hier ist ihr neues Spielzeug“, lachte SB Lerch. „Würden Sie bitte WO Nomi und mich an Bord bringen?“
„Jawohl!“
Torres öffnete die Einstiegsluke und sie betraten das Cockpit. Das innere der Flugscheibe war sehr geräumig, und Lerch bat WO Nomi und Commander Torres Platz zu nehmen. Torres, der auf dem Kommandantensitz Platz nahm, fühlte sich wie 007, dem von Q gleich gezeigt wurde, welche neuen Waffen in seine Scheibe integriert worden waren.
„WO Nomi, machen Sie den Commander mit allen Neuerungen dieser Flying-Disc vertraut“, ordnete SB Lerch an.
„Zu Befehl!“
Torres wollte alles sehr genau wissen, denn er hatte absolut keine Lust in irgendeiner Zeitschleife stecken zu bleiben, oder eventuell als Dinosaurierfutter zu enden.
„Commander, haben Sie alles verstanden“, fragte Nomi.
Wie auswendig gelernt wiederholte Torres: „Wenn ich das richtig verstanden habe, dann gleiten wir zwei, WO Nomi und ich, aus der Raumstation, in die Umlaufbahn. Nachdem Sie am Zusatzmodul die Frequenz eingestellt haben, beschleunige ich die Flugscheibe auf 20.000 Stundenkilometer und halte Kurs in der Umlaufbahn. Dann startet WO Nomi den eingebauten Aqua-Pulser und wir rauschen in die Vergangenheit.“
Lerch war begeistert. „Morgen werden Sie beide Geschichte schreiben. Der erste Zeitsprung mit einer Flugscheibe.“
Nomi und Torres waren stolz, dass sie für diese Mission ausgewählt wurden. Die beiden hatten die besten Voraussetzungen, jeder auf seine spezielle Art.
Commander Torres war einer der besten Flugscheibenpiloten der Raumflotte. Wissenschaftsoffizier Nomi hatte die größte Einzelsprungerfahrung und war bestens mit der Aqua-Pulser Technologie vertraut. „Commander Torres! WO Nomi ist bereits genauestens mit dem Ablauf der Mission vertraut. Wir haben eine Sprung-Frequenz ausgewählt, die schon dreimal gesprungen wurde. Zweimal von WO Nomi. Damit sind wir zeitlich gesehen auf der sicheren Seite und landen nicht mitten im dreißigjährigen Krieg. Der Landepunkt wird im Kongo in Zentralafrika sein. Ihre Aufgabe ist es, ein Berggorillababy einzufangen, es zu betäuben und hierher in die Gegenwart zu bringen. Da die Berggorillas mittlerweile ausgestorben sind, haben wir jetzt die Möglichkeit, diese in der Gegenwart wieder anzusiedeln. Sollte das Tier die Reise gut überstehen, werden wir noch mehr Exemplare hierher holen und eine neue Berggorilla Kolonie gründen. Im Laderaum der Flugscheibe wurde bereits ein Käfig eingebaut. Gewehre mit Betäubungspfeilen befinden sich ebenfalls dort.“ SB Lerch dankte und bestimmte den Start der Mission auf den nächsten Tag, um 9.00 Uhr.
„Commander Torres, Sie tanken heute noch die Flugscheibe auf und kontrollieren diese, damit morgen ohne Verzug die Mission gestartet werden kann!“
„Zu Befehl!“, kam es zackig zurück.
„WO Nomi, Sie bekommen einen zweiten Aqua-Pulser an Ihr anderes Handgelenk.“ Nomi und Torres schauten verständnislos den SB an und Lerch erklärte gleich von sich aus „Wenn irgendetwas schief geht, müssen Sie die Flugscheibe sprengen und mit dem Aqua-Pulser zurückspringen! Verstanden?“ „Warum bekomme ich beide und nicht jeder einen?“ Auch Torres nickte bejahend auf Nomis Frage hin.
„Weil: Erstens, nichts schief geht! Und zweitens, wenn doch, ist WO Nomi in der Lage, den Aqua-Pulser korrekt einzustellen, um ihn danach an Ihr Handgelenk zu schnallen.“ Damit war es für ein paar Sekunden still geworden im Cockpit.
„Lassen Sie uns aussteigen! Es gibt für uns alle noch jede Menge zu tun, bis zum Start.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich SB Lerch.
Der nächste Morgen war für die Besatzung der Raumstation Galileo2 ein Tag wie jeder andere. Nicht aber für WO Nomi und Commander Torres. Beide hatten vor Aufregung schlecht geschlafen, gepaart mit etwas Angst vor dieser waghalsigen Mission. Pünktlich eine Stunde vor dem Start trafen sie am Gate 7 ein. Beide hatten für die 48 Stunden, die sie auf jeden Fall im Kongo der Vergangenheit verweilen mussten, ihren persönlichen Rucksack mit dabei. An Nomis Handgelenk war auch bereits der zweite Aqua-Pulser umgeschnallt. Gleich nachdem Torres die Rucksäcke verstaut hatte, kam auch schon der Sonderbeauftragte der Raumflotte, Udo Lerch ums Eck.
„Guten Morgen WO Nomi! Guten Morgen Commander Torres!“
Die beiden grüßten freundlich zurück. Lerch grinste. „Man hätte die Flugscheibe Santa Maria taufen sollen. So wie das Schiff von Christoph Kolumbus, mit dem er ins Ungewisse segelte und Amerika entdeckte.“
„Das werden wir mit dieser Technik nachprüfen! Mal sehen, ob das mit dem Kolumbus seine Richtigkeit hat“, konterte Nomi frech und alle drei lachten laut los.
„Ich wünsche Ihnen maximale Kampferfolge und kommen Sie heil wieder!“ Lerch verabschiedete sich mit Handschlag und ihm war anzumerken, dass auch er gerne mitgeflogen wäre.
Commander Torres und WO Nomi stiegen in die Flugscheibe, nahmen Platz und schnallten sich an. Sie setzten ihre Helme auf und Torres stimmte die Starteinzelheiten über Funk mit dem Stationstower ab.
„Commander Torres, Sie haben Startfreigabe. Guten Flug“, ertönte die Stimme aus dem Bordlautsprecher.
„Danke Tower!“
Torres startete die Flugscheibe. Diese Technik war fantastisch. Kein lautes Dröhnen wie bei den Triebwerken der Raumgleiter! Fast lautlos! Nur ein leises Zischen war zu hören, als der Commander die Scheibe einen Meter in die Höhe steuerte. Er öffnete per Sensor das Außengate und schob die Flugscheibe nach draußen ins All.
„Wow! Das war ja mehr als sanft“, lobte Nomi und Torres schmunzelte. „Wenn ich etwas perfekt kann, dann ist es das Steuern einer Flugscheibe. So, und nun zu unserer Mission“, fing sich Torres wieder. „Ich schwebe jetzt in der angegebenen Umlaufbahn und beschleunige Zug um Zug auf 20.000 Stundenkilometer. Sie können die Sprung-Frequenz eingeben.“ Nomi nickte.
„5000 Stundenkilometer“, gab Commander Torres an und zeigte mit dem Zeigefinger auf die Geschwindigkeitsanzeige. Langsam stieg die Geschwindigkeit in Richtung 20.000 Stundenkilometer. Durch das Magnetfeld im Cockpit war von all dem absolut nichts zu spüren. Es fühlte sich fast so an, als würde man zuhause im Wohnzimmer sitzen. Die Aussicht auf den blauen Planeten war phantastisch. Doch Torres und Nomi hatten im Moment keinen Blick dafür. Ihre Augen waren ausschließlich auf die Geschwindigkeitsanzeige gerichtet. „Gleich ist es soweit. Bei 20.000 km/h starte ich den Sprung.“
„Ok! Ich zähle runter“, antwortete der Commander. „5-4-3-2-1 … Jetzt!“ Nomi drückte den Startknopf!
Die Flugscheibe verschwand vom Radarschirm.
Torres und Nomi wurden durch einen Zeittunnel gezogen. Er wurde enger und die Flugscheibe schneller. Mit einem lauten Schrei von Commander Torres durchquerten sie das Nadelöhr des Tunnels und wurden schlagartig langsamer.
„Wir haben es geschafft“, schrie Torres vor Begeisterung und Nomi schrie mit. „Wow! Ist das geil! Ich habe mir fast in die Hose gemacht“, lachte der Commander. Nomi musste ebenfalls grinsen.
Im selben Moment krachte es fürchterlich laut! Die Flugscheibe ruckte heftig. Die Bordinstrumente spielten verrückt und akustische Warnsignale dröhnten. „Torres! Was ist passiert?“ „Wir sind getroffen! Wir haben beim Sprung, besser gesagt nach dem Sprung einen Satelliten gerammt! An Satellitenberechnung hat bei der Raumflotte definitiv keiner gedacht. Mist!“
„Mach was Torres! Mach was“, schrie Nomi hysterisch.
„Der Antrieb und die Steuerung sind beschädigt. Wir müssen notlanden. Nomi halten Sie sich fest! Es geht nach unten und es wird rumpeln!“
Die Angst war in Nomis Gesichtsausdruck deutlich zu sehen. Während Torres alles versuchte, die Flugscheibe sicher nach unten zu bringen, rauschte die Santa Maria mit einem Affenzahn an Geschwindigkeit in Richtung Erde.
„Wir sind zu schnell! Aussteigen Nomi! Aussteigen!“
Instinktiv drückte Nomi den Schleudersitz.
Ihr wurde schwarz vor Augen.
Mit offenem Mund
starrte Hajo über die Anhöhe. Ein Bild der Verwüstung breitete sich vor ihm aus. Verstreut auf einer Fläche von vielleicht drei bis fünf Hektar, lagen brennende und rauchende Flugzeugteile. Was ihn aber noch mehr beunruhigte, war die Tatsache, als er bei genauerem Hinschauen feststellte, dass es gar keine Flugzeugteile waren, die da herumlagen.
„Mein Gott ein UFO!“, schrie Hajo auf.
„Heilige Scheiße, was mache ich nur?“ Er versuchte ruhig zu bleiben und stieg vorsichtig über die Kuppe. Als erstes sondierte Hajo die Lage. Es waren fünf große und etliche kleine Wrackteile, die teilweise brannten bzw. rauchten. Hajo sah keine Menschen oder Aliens, oder irgendwelche andere Besatzungsmitglieder derbesonderenArt. „Vielleicht wurde dieses Ding, das zusammengefügt wie eine Scheibe aussah, von Robotern gesteuert“, überlegte er. Ein kalter Schauer lief ihm den Rücken hinunter. „Das mit dem ruhigen und entspannten Wochenende hat sich hiermit erledigt“, stammelte er vor sich hin, als er sich vorsichtig zu den Wrackteilen herantastete. „Wenn schon Roboter, dann wenigstens so ein R2D2 aus Star Wars.“ Wie in Trance kam er etwas näher an das größte Teil heran. Es hatte etwas Cockpitähnliches! Dunkler Rauch stieg empor! Das, was man noch als Inneres bezeichnen konnte, war völlig ausgebrannt. Jetzt stand Hajo, von der Statur her ein Mann, stark wie ein Baum, da und zitterte am ganzen Körper.
In dem Wrackteil befand sich eine verkohlte Leiche. Sie sah aus wie ein Mensch und nicht wie ein Alien in Insektenform.
Hajo wurde schlecht, sehr schlecht! Er hoffte innständig, dass dies alles nur ein Traum war.
Dem war nicht so. Er wachte nicht auf, sondern kotzte sich die Seele aus dem Leib.
Doch ein leises Wimmern ließ ihn aufhorchen. Suchend schweiften seine Blicke umher. Keine Menschenseele war zu sehen. „Bin ich schon total verrückt? Das gibt’s doch nicht“, ging es ihm durch den Kopf.
„Hallo! Hallo, ist hier jemand? Verdammt, antworten Sie doch!“ Hajo durchforstete das Gebiet bei den übrigen Wrackteilen und hielt Ausschau nach Überlebenden. Seine Gedanken überschlugen sich und seine anfängliche Angst wurde von purer Neugier abgelöst.
Keine Ahnung was er eigentlich suchte. Hajo hoffte, dass das, was er vorhin gehört hatte ein Lebenszeichen war und nicht nur aus seinem Kopf kam. Es war unfassbar! Er, Hajo van den Bosch, Fan von Erich von Däniken, stand vor einem abgestürzten Ufo. Einer fliegenden Untertasse.
Plötzlich wurden die Bilder in seinem Kopf klarer und sein Verstand ratterte auf Hochtouren. Wenn das ein Ufo war, und das war es mit Sicherheit, dann war er in Gefahr! In großer Gefahr! Vom Radar war diese fliegende Untertasse bestimmt nicht unbemerkt geblieben.
Die Regierung hatte mit Bestimmtheit bereits ein Einsatzkommando losgeschickt, um danach zu suchen, um diesen Ufo-Absturz, sowie die Existenz von Außerirdischen weiterhin verleugnen zu können. Nein! Niemand durfte jemals von diesem Ereignis hier erfahren! Die Regierung setzte alles daran, dass dieses Spektakel hier nicht an die Öffentlichkeit kam und somit war Hajo innerhalb weniger Augenblicke zu einem nationalen Sicherheitsrisiko geworden.
Ihm wurde wieder speiübel. „Verdammt! Ich muss meine Kotze verschwinden lassen und dann ab durch die Mitte. Kein Hajo da, bedeutet kein Sicherheitsrisiko. Aber nicht ohne Fotos.“
Er holte sein Handy aus der Hosentasche und filmte die Ufo-Teile. Seinen Auswurf bedeckte er mit Erde, die durch den seit Monaten ausbleibenden Regen staubtrocken war.
Gerade als er seinen Rucksack aufnehmen wollte, hörte er wieder etwas.
„Ist jemand hier?“, schrie er laut „Hallo! Ist da jemand?“
„Hier bin ich. Helfen Sie mir bitte!“
Diese Stimme war weiblich und sie kam nicht aus Hajos Kopf. Er blickte über seine linke Schulter, in die Richtung, aus der die leise Stimme kam. Hinter einem Busch kroch langsam eine Person hervor. Hajo lief hinüber zu der Frau, wie er jetzt erkannte. „Kann ich Ihnen helfen?“ Mehr fiel ihm nicht ein.
Das waren seine ersten Worte zu einer Frau aus dem Weltraum! Das war als hätte Neil Armstrong, als er seinen Fuß auf die Mondoberfläche setzte, gesagt: „Scheiße! Jetzt wäre ich beinahe ausgerutscht.“ Aber das war Hajo in diesem Moment nicht bewusst, aber Worte wie, „Ich bin Hajo van den Bosch und komme in Frieden“, interessierten die Lady in diesem Moment bestimmt nicht.
„Bitte bringen sie mich weg von hier! Wenn die mich finden, bringen sie mich um! Bitte!“
Hajo sah in zwei strahlend-blaue Augen und er wusste, dass Sie Recht hatte. „Sind Sie schwer verletzt?“
„Nein! Nur ein paar Schürfwunden und einen verstauchten Knöchel.“
„Hier ist ein Schluck Wasser.“ Er öffnete seine Feldflasche und lies sie trinken, dann nahm auch er noch einen kräftigen Zug aus der Buttel. „Kann ich Sie tragen? Dann sind wir schneller! Es wird nicht mehr lange dauern und wir sind hier nicht mehr allein.“ Sie nickte! Hajo schnallte seinen Rucksack um und nahm die Fremde über seine Schultern.
„Kann‘s losgehen?“
Ohne die Antwort abzuwarten, spurtete Hajo davon. Sein ehemaliger Sportlehrer aus der Schule wäre stolz auf ihn gewesen, hätte er ihn jetzt sehen können. Hajo van den Bosch rannte ohne Pause, als hätte er eine Batterie in seinem Hintern.
Seine Gedanken kreisten immerzu um diese Fremde, dem Ufo und der Regierung, die bald am Absturzort auftauchen würde. Als er in seinem kleinen Krater ankam, brachte er seinen Gast in den Höhlenvorsprung. Vorsichtig legte er sie auf seinen Schlafsack. Sie lächelte Hajo dankbar an und machte Anstalten ein wenig zu schlafen. Behutsam deckte er seinen Besuch zu. Das Sternenkind schlief sofort ein. Es war angenehm kühl in der kleinen Höhle, im Vergleich zu der brütenden Hitze draußen. Hajo setzte sich neben die Schlafende und schnaufte erst einmal kräftig durch.
Er war völlig ausgepumpt und konnte es noch gar nicht so richtig begreifen, was passiert war. Seine leicht wirren Gedanken wurden jäh von einem lauten Donner unterbrochen. „Nein, nicht schon wieder ein Ufo!“, schreckte er hoch. Und im selben Augenblick goss es wie aus Kübeln. Es war ein Wolkenbruch und Hajo lachte laut. Das war die lang ersehnte Wasserspritze für die Natur. Dass dieser Regen auch die letzten Spuren der zwei verwischte, war ihm zu diesem Zeitpunkt noch nicht ins Bewusstsein gekommen. Nach zehn Minuten Dauerregen war es vorbei mit dem kühlen Nass und Hajo betrachtete erneut seine schlafende Besucherin. Sie war ca. 1,70 Meter groß und schlank, mit einer sehr sexy Figur. Das konnte er so beurteilen weil sie keinen Raumanzug anhatte, sondern eine Art zweiteiligen Neoprenanzug.
„Vielleicht wollte sie ans Meer zum Tauchen“, schmunzelte er. Dieser Taucheranzug war dunkelblau, fast schon schwarz. An den Ärmeln und den Außenseiten der Beine verliefen in Längsrichtung jeweils zwei gelbe Streifen, die dem ganzen Outfit einen modischen Touch verliehen. Am Oberteil war eine Kapuze, die sich über ihren Kopf schmiegte. Nur ihr Gesicht kam zum Vorschein. Und das, was er sah, gefiel ihm.
Etwas schlicht waren ihr Gürtel und der Armschmuck. Die Schuhe aber waren unseren Turnschuhen sehr ähnlich. Interessant fand er Ihren Rucksack. Er war mit einer Art von Metallbügeln, die aus leichtem Material bestanden, an der Trägerin befestigt. Diese Bügel schmiegten sich über die Schulter und passten sich der Körperform an. Es gab auch keine Gurte zum Festzurren. Diese Metallbügel wurden irgendwie vom Neoprenanzug gehalten, vergleichbar mit Magneten. Hajo hoffte, dass dieses Wesen aus dem Ufo nicht nur aussah wie ein Mensch, sondern auch einer war. Oder zumindest einem mit dem Menschen verwandte Rasse. Ihm war der Gedanke nahe, es könnte sich auch um eine künstliche Lebensform handeln. Aber innerlich glaubte er das nicht. Spätestens, wenn die Ufo-Lady wieder aufgewacht war, wollte Hajo seinen Wissensdurst stillen.
