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Peter Brinkmann, zu dieser Zeit BILD-Journalist in Ost-Berlin stellte Günter Schabowski die entscheidende Frage, die zum Fall der Mauer führen sollte: Ab wann gilt die neue Reiseregelung? Schabowski stotterte: Unverzüglich, ab sofort. Der in der DDR akkreditierte Westjournalist, Mitglied der SPD seit den 60er Jahren, war im letzten Jahr des Landes Zeuge der dramatischen Veränderungen. Brinkmann sprach mit allen wichtigen Personen, berichtete von den wichtigen Schauplätzen und wurde somit selber Teil der Geschichte und exklusiver Zeuge des Umbruchs und Untergangs der DDR. Seine Erinnerungen sind ein Geschichtsbuch der lebendigen Art.
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Seitenzahl: 342
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Das Buch
Auf der Pressekonferenz am 9. November 1989 stellte Brinkmann die entscheidende Frage, deren Beantwortung zur Öffnung der Mauer führte. Da dies weder vom Fragesteller noch vom Antwortgeber so gedacht war, wie es dann kam, kann man von einem Treppenwitz der Geschichte sprechen.
Doch es war kein Witz, wohl aber Geschichte. Gemeinhin berichten Journalisten darüber, was zu Historie erst wird, bei Brinkmann ist das anders: Er selbst wurde damit Geschichte.
Doch nicht nur an jenem Tag entlockte er Politikern Aussagen, die sie nicht machen wollten. Auch in der Folgezeit kommt er den Personen nahe, die inzwischen in den Geschichtsbüchern stehen. Dabei nimmt er nur das eine Jahr von Herbst ’89 bis Herbst ’90 in den Blick und berichtet über Ereignisse und Personen, die uns nicht nur die Zeit vor einem Vierteljahrhundert lebendig werden lassen, sondern auch erklären, warum vieles so wurde, wie es heute ist im vereinigten Deutschland. Inzwischen lebt eine Generation neben uns, die das zweigeteilte Land nur noch vom Hörensagen kennt.
Der Autor
Peter Brinkmann, Jahrgang 1945, geboren und aufgewachsen in Cloppenburg. Nach dem Abitur Bundeswehr von 1966 bis 1968 (Oberleutnant), danach, bis 1975, Studium Jura, Politik und Volkswirtschaft in Innsbruck, Münster, Hamburg und Lüneburg. Von 1975 bis 1980 journalistische Tätigkeit in Bonn (Die Welt), danach in Hamburg (bis 1987 Bild, bis 1989 Hamburger Morgenpost). 1989 wieder Bild, zunächst Ressortleiter Wirtschaft, dann akkreditierter Korrespondent in der DDR bis zu deren Ende. Anschließend Deutschland-Korrespondent der Bild in Berlin, dann Bonn, 1992 Büroleiter der Bild-Bonn.Von 1992 bis 1994 Chefreporter der Bild für internationale Politik (Israel, Russland, Uganda, Namibia, Kuba, Südafrika, Iran – im Januar 1993 in Bagdad bei US-Raketenbeschuss verletzt). Nach verschiedenen Beratertätigkeiten von 1998 bis 2010 Chefkorrespondent des Berliner Kurier, seither freier Journalist und Moderator bei TV Berlin.
Peter Brinkmann lebt in Berlin-Mitte und ist Vater von drei Söhnen.
Impressum
ISBN eBook 978-3-360-51027-3
ISBN Print 978-3-360-01860-1
© 2014 edition ost im Verlag Das Neue Berlin
Das Neue Berlin Verlagsgesellschaft mbH, Berlin
Umschlaggestaltung: Buchgut, Berlin,
unter Verwendung eines Screenshots des DDR-Fernsehens auf der Pressekonferenz am 9. November 1989 in Berlin
www.edition-ost.de
Fotos: (soweit nicht anders angegeben) Archiv Brinkmann
Peter Brinkmann
Zeuge vor Ort
Korrespondent in der DDR ’89/90
Dieses Buch ist kein wissenschaftliches Geschichtsbuch, sondern eine Dokumentation. Es ist mein Erlebnisbuch aus der spannendsten Zeit meines Journalistenlebens – als Korrespondent der Bild-Zeitung in der DDR und später als Korrespondent beim Berliner Kurier.
Beiden Chefredakteuren, Hans-Hermann Tiedje von Bild und Hans-Peter Buschheuer vom Berliner Kurier, sei hier gedankt für diese herausragende Möglichkeit in geschichtsträchtiger Zeit.
Peter Brinkmann
9. November 1989: ein grauer Novembertag
Die ersten sind schon gegangen. Es ist einfach langweilig im Internationalen Pressezentrum der Deutschen Demokratischen Republik (IPZ). Bis der Zeiger der Uhr auf 18.53 Uhr vorrückt. Von dieser Sekunde an wird in Berlin-Mitte Geschichte geschrieben.
400 Meter entfernt tagt das ZK der SED unter Vorsitz des Generalsekretärs Egon Krenz. Im IPZ in der Mohrenstraße1 hält Politbüromitglied Günter Schabowski, einer der mächtigen Männer in der DDR, eine Pressekonferenz ab. Der ehemalige Chefredakteur des Neuen Deutschland, geboren 1929 und seit 1952 in der SED, liest seit 18 Uhr vor, was im Zentralkomitee am heutigen 9. November 1989 diskutiert worden ist. Es geht um einen Parteitag, Veränderungen in der SED und in der DDR. Vom »Reisegesetz«, das die letzten 72 Stunden die Diskussion in der DDR bestimmt hatte, kam bisher kein Wort.
Wir Journalisten fragen nach Abschaffung der Zensur, Veränderungen in der Partei und dergleichen. Ich will drei Fragen stellen, die letzte zum Reisegesetz. Doch ich komme nicht zum Zuge. Ich arbeite für die Bild in Hamburg als »Reise-Korrespondent«. Mein hochgestreckter Arm wird von Günter Schabowski geflissentlich übersehen.
Da kommt die Frage nach dem Reisegesetz, die ich auf der Zunge hatte. Niemand ahnt jetzt, was Schabowski in diesen Sekunden in Gang setzen wird.
Während der Pressekonferenz im IPZ am 9. November. Vorn auf dem Podium Gerhard Beil, Günter Schabowski, Manfred Banaschak und Helga Labs (v.r.n.l.). Brinkmann in der ersten Reihe dreht sich um. Sitzend auf dem Podest Riccardo Ehrman
Zwei Tage zuvor, am 7. November, erhielt ich einen Anruf vom Staatssekretär beim Senator für Wirtschaft in Berlin. Mit Jörg Rommerskirchen hatte ich vor Jahren als Schifffahrtsreporter der Bild in Hamburg immer gut zusammengearbeitet. Er war zu jener Zeit Senatsdirektor der Freien und Hansestadt und Chef für das Amt Hafen. Und nun arbeitete er als Staatssekretär beim Berliner Wirtschaftssenator, und ich saß als Ressortchef Wirtschaft in der Redaktion in Hamburg am Schreibtisch.
»Du, es tut sich was, wir haben gerade ein Telex aus dem Osten bekommen«, sagte er am Telefon. »Wir sollen bis zum 10. November eine Arbeitsgruppe, genauer gesagt: eine Projektgruppe Tourismus nach § 8 der Durchführungsverordnung Absatz 1, bilden, um den Reiseverkehr zwischen Berlin Ost und West zu regeln.«
Hä? Meine simple, aber wohl verständliche Frage lautete: »Was heißt das?«
Seine Antwort war etwas unsicher: »Das heißt wohl, dass die da drüben die Mauer etwas durchlässiger machen wollen. Sieh zu, dass du hier bist. Ich weiß nicht genau, was die vorhaben. Könnte ja auch mehr werden. Auf jeden Fall werden sie Reisen erlauben, aber wohl mit Einschränkungen.«
Was wir alle damals nicht wussten: dass der am 18. Oktober ins Amt gekommene SED-Generalsekretär Krenz angewiesen hatte, eine neue Reiseregelung vorzulegen, weil der am 6. November, dem Montag, veröffentlichte »Reisegesetzentwurf« auf massive Ablehnung gestoßen war. Auf den Montagsdemonstrationen skandierten in etwa einem halben Hundert DDR-Städten die Menschen: »365 Tage Reisefreiheit und nicht 30 Tage Gnade.« Zudem war die Finanzierung nicht klar. Devisenbeschaffer Schalck-Golodkowski2 hatte in Bonn zwei Mal mit Kanzleramtsminister Rudolf Seiters und mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble über die Bereitstellung von etwa 300 Millionen D-Mark gesprochen, aber war abgeblitzt. Auch ohne dass dies bekanntgeworden war, hieß es im Osten sarkastisch: »In 30 Tagen um die Welt, allerdings ganz ohne Geld.«
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