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Ob Anfänger oder erfahrener Ziegenhalter – hier lesen Sie kompakt und in verständlicher Sprache alles rund um Züchtungsprozesse. Es geht zum einen um praktische Aspekte der Ziegenzüchtung und die Auswahl der geeigneten Zuchttiere, wobei Checklisten Sie bei der Anwendung unterstützen. Es werden aber auch theoretische Hintergründe der Ziegenzüchtung erläutert. Lesen Sie, wie ein Zuchtprogramm funktioniert, was Zuchtwertschätzung ist und wie Sie als Ziegenhalter Zuchtwerte im eigenen Betrieb anwenden können. Anhand von fünf fiktiven Ziegenbetrieben werden praxisnah verschiedene Fragestellungen und Herausforderungen erläutert.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 151
Veröffentlichungsjahr: 2023
Pera Herold
Ziegenzucht im eigenen Betrieb
74 Abbildungen15 Tabellen
Vorwort
1Züchten ist Leidenschaft!
2Welche Ziegen sind die richtigen für mich?
2.1Motivation für die eigene Ziegenhaltung
2.2Am Anfang steht das Ziel
2.3Was ist vor der Anschaffung von Ziegen noch zu beachten?
2.4Welche Ziege soll es sein?
2.4.1Milchziegen
2.4.2Fleischziegen
2.4.3Robustziegen
2.4.4Wollziegen
3Was macht mich zum Ziegenzüchter?
4Was ist ein Zuchtprogramm?
4.1Zuchtwertschätzung
4.1.1Welche Zuchtwerte gibt es?
4.1.2Was sagen mir die Zuchtwerte?
4.2Durchführung eines Zuchtprogramms
4.2.1Reinzucht und Kreuzungszucht
4.2.2Wie funktioniert ein Ziegenzuchtprogramm?
4.3Zuchtziel der Population – Zuchtziel im Betrieb, wie passt das zusammen?
4.4Das Zuchtbuch – was ist das?
4.5Pflicht und Kür – welche Leistungsprüfungen gibt es?
4.6Wofür braucht es eine zentrale Datenbank?
4.7Erblichkeiten und Beziehungen zwischen Merkmalen
4.8Übertragung des Zuchtfortschritts
4.8.1Genetische Besonderheiten
5Die Fortpflanzung der Ziege
5.1Paarung
5.2Natürliche Fortpflanzung oder künstliche Besamung?
5.3Trächtigkeit und Geburt
6Schritt für Schritt zu mehr Zuchtfortschritt im eigenen Bestand
6.1Auswahl der Zuchttiere
6.2Schau der Besten – Teilnahme an einer Ziegenschau
7Ausblick – Wie könnten sich unsere Ziegenzuchtprogramme weiterentwickeln?
7.1Neue Merkmale
7.2Bocktauschringe
7.3Ökologische Zuchtprogramme
7.4Zuchtprogramme zur Landschaftspflegeeignung
7.5Genomische Zuchtprogramme
8Gemeinsam sind wir stark – Plädoyer für die Mitgliedschaft in einem Ziegenzuchtverband
Service
Wichtige Adressen
Zeitschriften für Ziegenzüchter
Literaturverzeichnis
Weiterführende Literatur
Bildquellen
Impressum
Die Bekanntschaft mit „Fritz“ war der Beginn einer großen Leidenschaft. Der Bunte Deutsche Edelziegenbock war mein Spielgefährte beim Urlaub auf dem Bauernhof bei Familie Beck in Billafingen. Zum sechsten Lebensjahr bekam ich dann die erste eigene Ziege geschenkt. Seitdem verbringe ich mein Leben mit Ziegen. Inzwischen haben mein Mann und ich einen eigenen kleinen Bauernhof, natürlich mit eigenen Ziegen. Beim Studium der Agrarwissenschaften wurde dann mein Interesse an der Tierzüchtung geweckt. Die Rassenvielfalt bei unseren Nutztieren hatte mich schon lange begeistert. Nun bekam ich das Wissen an die Hand, wie diese Vielfalt planvoll weiterentwickelt werden kann. Inzwischen arbeite ich im Zuchtwertschätzteam Baden-Württemberg und bin dort für die Entwicklung einer Zuchtwertschätzung für Milchziegen mit verantwortlich.
In diesem Buch sind die vielfältigen Erfahrungen aus meiner praktischen und theoretischen Arbeit mit der Ziegenzucht zusammengestellt. Ziel des Buches ist es, Anfängern aber auch fortgeschrittenen Züchtern Handwerkszeug zum gezielten Züchten zu liefern. Vor allem soll dieses Buch jedoch Ihre Leidenschaft für das Züchten wecken oder weiter anfachen! Trotz des ganzen Papierkrams rund um die Ziegenhaltung und Ziegenzüchtung ist das gezielte Züchten ein spannender Prozess. Denn Züchten ist vor allem das Arbeiten mit den Ziegen. Hier gibt es Höhen und Tiefen, aber auch viel Stolz und Freude am eigenen Bestand.
Das hier aufgeführte Wissen stammt nicht von mir allein, sondern beruht auf der Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Menschen. Züchtung findet zwar zunächst im eigenen Bestand statt, der Reiz besteht aber vor allem auch im Austausch mit anderen. Diesen Austausch findet man in Ziegenzuchtverbänden und -vereinen. Wir haben noch ein funktionierendes Verbandswesen. Ein hohes Gut, denn hier kann jedes Mitglied mitbestimmen, welche Zuchtziele verfolgt und wie die Zuchtprogramme gestaltet werden sollen. Unsere Zuchtverbände stehen jedoch vor großen Herausforderungen. Die Mitgliederstrukturen verändern sich zurzeit deutlich. Mit den zunehmenden landwirtschaftlichen Milchziegenbetrieben und immer mehr Ziegen in der Landschaftspflege werden ganz neue Anforderungen an die Ziegenzüchtung und damit auch an die Zuchtverbände gestellt. Mit meinem Buch möchte ich auch Begeisterung für die Mitgliedschaft und Mitarbeit in den Ziegenzuchtverbänden wecken. Gemeinsam sind wir stark für die Ziegenzucht und können vieles entwickeln und erreichen!
Kornwestheim, im Frühjahr 2020 Pera Herold
Kennen Sie das Gefühl, wenn Ihre Ziegen kurz vor der Geburt stehen und Sie sich fragen, ob Sie mit dieser noch ungeborenen zukünftigen Generation Ihrem eigenen Zuchtziel einen Schritt näher kommen? Die Frage, ob Sie wirklich den richtigen Bock für Ihre Ziegen ausgesucht haben? Das Gefühl, wenn Ihre beste Ziege zwei weibliche Kitze auf die Welt bringt. Oder der Stolz, wenn Sie ihre selbstgezüchteten Ziegen auf einer Schau präsentieren?
Züchten hat sehr viel mit Leidenschaft zu tun. Mit Ausprobieren. Mit Beobachten. Und so kann ganz banal festgestellt werden: Jeder, der seine Tiere planvoll anpaart, züchtet, – auch, wenn seine Tiere nicht in einem Herdbuch registriert sind.
Die wissenschaftliche Definition von Tierzüchtung ist da strikter. Danach ist das Ziel der Tierzüchtung, die Wirtschaftlichkeit der tierhaltenden Betriebe zu fördern. Dafür werden Zuchtziele definiert und Zuchtprogramme durchgeführt. Zuchtfortschritt kann dabei nur in der sogenannten Herdbuchpopulation mit registrierten Zuchttieren erzielt werden. Hier ist die Abstammung der Tiere über Generationen bekannt und es wird eine Leistungsprüfung im Sinne des Zuchtziels durchgeführt. Der in der Zuchtpopulation erzielte Zuchtfortschritt kann dann in die Nicht-Herdbuchpopulation, das sind die nichtregistrierten Ziegen, übertragen werden. Dies geschieht am einfachsten über männliche Zuchttiere. Tierzüchtung ist immer auf die Zukunft ausgerichtet und „denkt“ in Generationen. In den neuen Generationen soll ein möglichst hoher Zuchtfortschritt in den Leistungsmerkmalen erfolgen.
Dieses Buch folgt beiden Ansätzen. Es soll Sie dabei unterstützen, die Leidenschaft für das Züchten zu entdecken oder noch weiter auszubauen. Das ist unabhängig davon, ob Sie einfach mit ihrer Ziegenherde züchten möchten oder ob Sie überzeugter Herdbuchzüchter sind.
Dieses Buch richtet sich sowohl an Interessierte, die über das Züchten nachdenken, als auch an erfahrene Ziegenzüchter, die noch ein paar Ideen oder Grundlagen kennenlernen wollen. Vielleicht wollen Sie aber auch nur hin und wieder einmal etwas nachschlagen. All das soll mit dem vorliegenden Buch möglich sein: Sie können das Buch am Stück durchlesen. Sie können sich aber auch gezielt die Kapitel oder Stichpunkte herausgreifen, die Sie gerade besonders interessieren oder die Sie im Moment direkt unterstützen können. Die fünf Beispielzüchter Max Gruber, Silke Müller, Reiner Pütz, Erika Schmitt und Leon Weber werden Sie durch das Buch begleiten und geben Ihnen dabei vielleicht zusätzlich ein paar Anstöße. Ihre Namen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind nicht gewollt und rein zufällig.
Abb. 1 Bunte Deutsche Edelziegen sind eine typische Milchziegenrasse.
•Max Gruber hält seit 20 Jahren drei Bunte Deutsche Edelziegen (Abb. 1). Angefangen hat es mit einer Ziege, die er zu seinem dreißigsten Geburtstag geschenkt bekam. Im Schuppen hinter dem Haus baute er einen kleinen Stall und kaufte noch zwei Tiere dazu. Die Ziegen stammten von zwei verschiedenen Züchtern, die Mitglied im Landesziegenzuchtverband und auch in einem regionalen Ziegenzuchtverein waren. So wurde Max Gruber direkt Herdbuchzüchter. Ihm ist wichtig, den regionalen Schlag der Bunten Deutschen Edelziege zu erhalten. Obwohl die Bunte Deutsche Edelziege schon in den 1920er Jahren durch Zusammenführung aller farbigen Ziegenschläge in Deutschland entstand, können in den verschiedenen Regionen noch Farbschläge identifiziert werden. Daher achtet Max Gruber beim Bockkauf neben der Linienführung auch auf eine rehbraune Körper- sowie eine helle Bauchfärbung. Ziegen mit schwarzer Bauchfärbung, wie sie in anderen Regionen typisch sind, kommen für ihn nicht in Frage. •
Abb. 2 Thüringer Wald Ziegen sind eine gefährdete Milchziegenrasse.
•Silke Müller hat vor zwei Jahren gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten einen landwirtschaftlichen Betrieb übernommen, den sie nun auf ökologische Milchziegenhaltung mit Milchverarbeitung und Direktvermarktung umstellen möchte. Silke Müller kommt nicht von einem landwirtschaftlichen Betrieb. Sie und ihr Lebensgefährte haben Ökologische Landwirtschaft studiert. Das Paar kaufte 60 Thüringer Wald Ziegen aus zwei anderen Milchziegenbetrieben (Abb. 2). Einer der Betriebe ist Mitglied im Ziegenzuchtverband und verkauft Herdbuchziegen. Der andere Betrieb hält Thüringer Wald Ziegen und hat diese bei der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) gemeldet, ist aber nicht Mitglied in einem Ziegenzuchtverband. Die Ziegen kommen im Alter von 8 Monaten trächtig auf dem Betrieb an. Das Ziel von Silke Müller ist, ihren Bestand mittelfristig auf 100 milchgebende Ziegen aufzustocken. •
Abb. 3 Weiße Deutsche Edelziegen.
•Reiner Pütz leitet seit zehn Jahren die Milchziegenhaltung in einem großen landwirtschaftlichen Betrieb. Auf dem Betrieb werden 1000 Weiße Deutsche Edelziegen gemolken (Abb. 3). Die Milch wird an eine Molkerei abgeliefert. Um das ganze Jahr über kontinuierlich Milch zu produzieren, werden die Ziegen in verschiedene Melkgruppen aufgeteilt. Diese werden zu unterschiedlichen Zeiten gedeckt. So kann der Betrieb von dem höheren Winterpreis für Ziegenmilch profitieren. Zudem werden nicht alle Ziegen jedes Jahr gedeckt. Diese Ziegen werden dauergemolken, das heißt über mehrere Laktationen hinweg ohne eine Lammung dazwischen. Reiner Pütz ist ausgebildeter Landwirtschaftsmeister. Auf dem Betrieb arbeitet er als Angestellter. Vor dieser Stelle hatte er keine Erfahrungen mit Ziegen. Die Umstellung auf die Ziegen fiel ihm anfangs schwer. Insbesondere das deutlich andere Verhalten der Ziegen und die teilweise Aggressivität der Tiere untereinander, machten ihm zu schaffen. •
Abb. 4 Burenziegen sind eine weltweit verbreitete Fleischziegenrasse.
•Erika Schmitt hat sich vor sieben Jahren auf einer Ziegenschau für die Burenziege begeistert (Abb. 4). Von einem Züchter, der dort ausstellte, konnte sie fünf Ziegen und einen Bock erwerben. Sie begeistert sich für die Teilnahme an Ziegenschauen und die Ziegen sind ihr liebgewordene Gefährtinnen. Im Sommer kann sie die Tiere auf verschiedenen Wiesen von Bekannten weiden lassen. Für den Winter hat sie sich auf einem Bauernhof im Stall eingemietet. Erika Schmitt weiß, dass Burenziegen durch ihre asaisonale Fruchtbarkeit drei Ablammungen innerhalb von zwei Jahren haben können. Für sie ist es jedoch praktisch, in den Sommermonaten auf der Weide den Bock zum Decken mit den Ziegen mitlaufen zu lassen. So hat sie nur eine Ablammung je Jahr von ihren Ziegen. In den anderen Monaten ist der Bock getrennt von den weiblichen Tieren. Als Gesellschaft für den Zuchtbock hält sie einen kastrierten Bock aus eigener Nachzucht. •
Abb. 5 Tauernschecken sind eine ursprünglich aus Österreich stammende Gebirgsziegenrasse.
•Leon Weber war vor fünf Jahren beim Urlaub in Österreich auf einer Alm begeistert von der Anmut der dort frei herumlaufenden gescheckten Ziegen. Ihre lustige Zeichnung, die eindrucksvollen Hörner, ihre Neugier und das kapriziöse Verhalten haben ihn direkt begeistert. Zurück zu Hause hat er im Internet recherchiert, dass diese Tiere Tauernschecken waren (Abb. 5). Er zog Erkundigungen ein und fand Ziegenhalter, die auch in Deutschland diese Rasse halten. Für ihn war klar, dass seine Ziegen ein ähnliches Umfeld brauchen, wie die Rasse es aus Österreich gewöhnt ist. Als Mitglied in einem Naturschutzverband war es einfach, Kontakte zu knüpfen und Angebote zur Beweidung von brachliegenden und verbuschten Flächen zu erhalten. So kaufte sich Leon Weber zehn Ziegen und einen Bock von drei verschiedenen Ziegenhaltern und begann mit der Landschaftspflege. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er sich noch keine Gedanken über Herdbuchzucht gemacht. •
Diese fünf Beispielpersonen haben die richtigen Ziegen für sich gefunden. Nachfolgend ein paar Tipps, wie auch Sie die richtigen Ziegen für sich finden können.
Für das Halten von Ziegen gibt es viele Gründe. Aufgrund ihres einnehmenden Wesens eignen sich Ziegen gut als Spielkameraden für Kinder (Abb. 6). Als Milchziege können sie landwirtschaftlich genutzt werden. In der Landschaftspflege helfen sie, verbuschte Flächen wieder freizustellen. Für alle diese Nutzungen braucht man nicht zu züchten, die Ziegen können von anderen Ziegenhaltern gekauft werden. Doch die Weiterentwicklung der eigenen Herde, ganz nach den eigenen Vorstellungen, ist für viele Ziegenhalter interessant und sinnvoll. Nur wer selber züchtet, kann bestimmen, in welche Richtung sich der eigene Bestand entwickelt.
Grundsätzlich bedeutet züchten, männliche und weibliche Tiere gezielt miteinander zu verpaaren.
Unabhängig von einer Mitgliedschaft in einem Zuchtverband ist das betriebseigene (Zucht-)Ziel. Mit Betrieb ist hier der Einfachheit halber jede Ziegenhaltung gemeint, egal ob es sich um drei Ziegen oder 200 Ziegen handelt. Jeder Ziegenhalter sollte für den eigenen Bestand Ziele definieren. Das ist unter anderem wichtig, um entscheiden zu können, welche Rasse zu einem selber und zum Betrieb passt. Es ist außerdem wichtig bei der Entscheidung, welche Tiere für die Weiterzucht genutzt werden, oder auch bei der Auswahl des nächsten Bockes. Vor der eigentlichen Zieldefinition steht zunächst eine Standortbestimmung.
Abb. 6 Zwergziegen sind lustige Gefährtinnen.
Standortbestimmung: Wo stehe ich aktuell – wo will ich hin?
•Zu welchem Zweck werden die Ziegen gehalten?
•Wie viel Zeit kann ich in die Ziegenhaltung investieren?
•Will ich mit den Ziegen bestimmte Produkte erzeugen?
•Gibt es neben den gewollten Produkten weitere Produkte, die automatisch anfallen?
•Will ich die Produkte zur Selbstversorgung nutzen oder gibt es einen Markt für meine Produkte?
•Wie groß ist mein Bestand zurzeit bzw. mit welcher Bestandsgröße will ich beginnen? Zu welcher Größe soll sich der Bestand entwickeln?
•Wie erfolgt die Haltung – ist ein Stall vorhanden?
•Habe ich die Möglichkeit, verschiedene Tiergruppen separat zu halten, wie z. B. Deckgruppen, Kitze, Jungziegen, Böcke?
•Sind meine Nachbarn mit der Tierhaltung einverstanden, insbesondere auch mit der Haltung von Böcken (Geruch!)?
•Sind die Haltungsmöglichkeiten ausbaufähig? Ist das überhaupt erwünscht?
Die (Zucht-)Ziele richten sich zunächst nach den Produkten, die produziert werden sollen. Das können Milch, Fleisch oder Wolle bzw. Faser sein. Ein Produkt der Ziegenhaltung kann aber auch die Landschaftspflege sein (Fressverhalten und Robustheit). Neben der Erzeugung von Produkten kann es jedoch noch weitere Ziele einer Ziegenhaltung geben. Ein Ziel kann sein, dass die eigenen Ziegen in der Umwelt zurechtkommen, die ich ihnen bieten kann (Robustheit und Genügsamkeit). Hier kann zum Beispiel das Ziel sein, das eigene, große Gartengrundstück abzuweiden. Ein weiteres Ziel kann sein, dass die Ziegen meiner Familie und mir liebevolle Gefährtinnen sind (Charakter und Verhalten, Mensch-Tier-Beziehung).
•Max Gruber verfolgt mit seiner Ziegenhaltung vor allem das Ziel der Selbstversorgung. Aus der Milch seiner Ziegen, die nicht für den direkten Verbrauch benötigt wird, macht er jeden Tag Frischkäse. Die geschlachteten Kitze und Altziegen dienen der Fleisch- und Wurstversorgung der Familie. Zudem hat Max Gruber Gefallen daran gefunden, seine Ziegen auf Ziegenausstellungen zu präsentieren. Hier ist er regelmäßig sehr erfolgreich. Aus seinen prämierten Ziegen zieht er Bockkitze auf, die er auf dem Ziegenbockmarkt des Zuchtverbands verkauft. •
•Reiner Pütz hat die Vorgabe, mit den Milchziegen ein positives Betriebszweigergebnis zu erwirtschaften. Somit legt er bei seinen Ziegen Wert auf eine hohe Milchleistung mit einem hohen Anteil an Fett und Eiweiß. Dabei achtet er nicht auf die Leistung in einer Laktation, sondern ihm ist es wichtig, dass die Ziegen eine möglichst hohe Leistung über mehrere Jahre erbringen, ohne dazwischen trächtig zu werden (= Dauermelkleistung). Um die Melkzeit auf ein Minimum zu begrenzen, achtet er zudem auf die Melkbarkeit seiner Ziegen. Damit ist der Milchfluss je Minute gemeint. Reiner Pütz bevorzugt einen hohen Milchfluss. Wichtig ist ihm auch die Euterform. Die Euter seiner Ziegen sollen hoch am Körper angesetzt sein, die Striche möglichst gerade nach unten zeigen. Bei dieser Euterform geht es schneller, das Melkzeug anzuhängen. Auch ist dann die Verletzungsgefahr am Euter geringer. Zudem legt Reiner Pütz Wert auf eine gute Gesundheit und eine gute Umgänglichkeit seiner Ziegen untereinander. •
•Silke Müllers Ziel ist es, einen erfolgreichen Milchziegenbetrieb mit eigener Käseherstellung und Direktvermarktung aufzubauen. Daher will sie auf eine hohe Milchleistung bei guten Inhaltsstoffen züchten. Ihre Wahl ist auf die gefährdete Rasse Thüringer Wald Ziege gefallen, weil sie sich von deren einzigartigem Erscheinungsbild eine gute Werbung für ihre Produkte verspricht. Zudem ist ihr die Erhaltung von alten und gefährdeten Rassen ein Anliegen. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten denkt sie darüber nach, ihren Hof als Arche-Hof mit verschiedenen gefährdeten Rassen zu führen. •
•Erika Schmitt gefällt das Erscheinungsbild, insbesondere auch die Schlappohren, und die braun-weiße Färbung der Burenziegen. Sie legt Wert auf großrahmige, breite, tiefe und gut bemuskelte Tiere. Wie Max Gruber geht sie gerne auf Ziegenschauen und präsentiert ihre Tiere. Sie zieht jedes Jahr mehrere Böcke auf, die sie ab Stall verkauft. Zudem genießt sie es, nun immer eigenes Fleisch und eigene Wurst von ihren Ziegen zu haben. Sie hat sich einen kleinen Kundenkreis erschlossen, der an Ziegenprodukten interessiert ist. •
•Leon Weber ist es wichtig, dass seine Ziegen den Sommer über auf den Landschaftspflegeflächen ohne zusätzliche Fütterung und ohne zusätzlichen Unterstand zurechtkommen. Da er die Tiere als Nebenbeschäftigung hält und daher nur 1- bis 2-mal am Tag nach den Tieren schauen kann, ist es ihm wichtig, dass diese trotzdem nicht zu scheu vor Menschen werden. Er freut sich daran, mit den Tauernschecken eine gefährdete Rasse zu halten und zu deren Erhaltung beizutragen. •
Ziegen sind Nutztiere. Bei ihrer Anschaffung ist zu beachten, dass sie nie nur ein Produkt erbringen, sondern die Leistungen miteinander gekoppelt sein können. Um die Milchleistung aufrechtzuerhalten, müssen Ziegen Kitze zur Welt bringen. Und auch um eine Landschaftspflegeherde aus sich selber heraus zu erhalten, müssen die Ziegen immer wieder einmal lammen. Da man in der Regel nie alle Nachkommen behalten kann, muss ein Teil der Kitze geschlachtet werden, es fällt also auch Fleisch an. Außerdem werden alte Tiere in der Regel nicht bis zu ihrem natürlichen Tod gehalten, sondern gehen schon vorher zum Schlachten. Bevor Sie mit der Ziegenhaltung beginnen, müssen Sie somit gut überlegen, welche Produkte anfallen, welche Sie im eigenen Haushalt verwerten können bzw. wollen und für welche Produkte Sie eine Vermarktungsmöglichkeit brauchen.
Ganz wichtig ist es, sich vor der Anschaffung von Ziegen über die geltenden Gesetze und Regelungen zur Tierhaltung im Allgemeinen, vor allem aber zur Ziegenhaltung und -züchtung im Speziellen zu informieren. Wenn Sie Ziegen halten wollen, so sind Sie gesetzlich verpflichtet, die Tiere beim zuständigen Veterinäramt des Landkreises zu melden. Das Veterinäramt vergibt dann an Sie eine Registriernummer für Ihre Tierhaltung.
In Bezug auf die Ziegenzüchtung sind die Vorschriften und Maßnahmen des jeweiligen Ziegenzuchtverbandes bzw. der Veterinärbehörden zu Gesundheitssanierungsprogrammen oder Krankheitsmonitorings wichtig. Um Zuchtziegen verkaufen oder auf Ausstellungen präsentieren zu können, gibt es derzeit mindestens drei Sanierungs- bzw. Monitoringprogramme, an denen man teilnehmen sollte. Auch die Betriebe, aus denen man Tiere zukauft, sollten an diesen Programmen teilnehmen. Diese Programme betreffen folgende Krankheiten:
•Caprine Arthritis Enzephalitis (CAE): Dies ist eine Viruserkrankung der Ziege. Es gibt zwei Formen, zum einen den Befall des Gehirns. Hier kommt es zu Bewegungs- und Gleichgewichtsstörungen sowie Lähmungen, manchmal auch zu Lungenentzündungen. Zum anderen einen Befall der Gelenke, die anschwellen. Die Tiere magern ab und zeigen ein struppiges Haarkleid. Die Milchleistung nimmt stark ab. Gegen das Virus gibt es keine Impfung. Alle Ziegenzuchtverbände haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Krankheit bei ihren Zuchttieren zu bekämpfen. Daher führen sie Sanierungsprogramme durch, bei denen in regelmäßigen Abständen Blutproben auf Antikörper gegen das Virus untersucht werden. Wurden über eine definierte Zeitspanne keine Antikörper nachgewiesen, so erhält der Betrieb den Status „CAE unverdächtig“. Erkundigen Sie sich bei ihrem Ziegenzuchtverband, wie die Regularien für die CAE-Sanierung sind. Auch Nicht-Herdbuchbetriebe können an dem Sanierungsprogramm teilnehmen.
•Pseudo-Tuberkulose (Pseudo-TB)
