ZOMBIE APOCALYPSE UTOPIA - N. M. Micheilis - E-Book

ZOMBIE APOCALYPSE UTOPIA E-Book

N. M. Micheilis

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Beschreibung

Die Hoffnungen einer ganzen Generation haben sich endlich erfüllt: die Zombieapokalypse ist eingetreten. Keine Schule, keine Arbeit. Nun heißt es eklige Zombies (schon wieder) töten, die Leere der verlassenen Städte genießen und sich wieder auch die wirklich wichtigen Dinge im Leben konzentrieren. Soweit versprechen es wenigstens die zahlreichen Filmen, die dem zombieapokalyptischen Genre zuzurechnen sind. Ihre Popularität ist stärker denn je und hat sich in das Kulturgedächtnis eingebrannt, wie kein anderes Phänomen zuvor. Selbst bei den Simpsons sind sie schon einmal durchs Bild gelaufen. Aber was ist es eigentlich an Zombiefilmen, das uns so fasziniert? Sind sie alle gleich? Geht es wirklich um herausgerissene Eingeweide und das Zertrümmern von Schädeln? Oder bieten Zombiefilme in ihrem Innern gar etwas ganz anderes. Eine Utopie vielleicht?

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Seitenzahl: 144

Veröffentlichungsjahr: 2013

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N. M. Micheilis

ZOMBIE APOCALYPSE UTOPIA

Wie Zombiefilme eine bessere Welt verkünden

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

1. Einleitung

2. Der apokalyptische Zombiefilm in Abgrenzung zum Horrorgenre

3. Die vier Phasen der säkularen Apokalypse

4. Die apokalyptische Zombie-Utopie

5. Die Zombie-Utopie

6. Fazit

7. Forschung und Ausblick

8. Literaturverzeichnis

9. Filmverzeichnis

Impressum neobooks

1. Einleitung

Jim öffnet die Augen. Er weiß nicht, wie lange er schon so dagelegen ist. Das Krankenhaus ist verlassen. Sein fragendes „Hallo?“ hallt von den Wänden der leeren Flure wider und verschwindet in der Stille. Einsam ist sein Weg durch die Straßen. Verloren und klein wirkt er in der Weite der leeren Plätze. Es scheint als habe sich die Welt weitergedreht und ihn allein zurück gelassen. „Hallo?“Wieder jagen seine Worte ziellos durch die Einsamkeit. Über den nackten Asphalt flattern Zeitungsblätter, die Botschaften vom Untergang verkünden. Botschaften, die niemanden mehr betreffen. Jim findet seinen Weg in eine Kirche. Ein Rosenfenster erleuchtet eine unbestimmbare, undefinierte Masse, die einmal Menschen gewesen sein mochten. Im Flur begegnet Jim seinem Schicksal. Einem Mann, den er einmal kannte: die Augen blutunterlaufen, Gesichtszüge zu einer Fratze verzerrt, der Körper zum Angriff bereit - bereit Jim in Stücke zu reißen.

Genauso wenig wie Jim auf diese neue Welt vorbereitet ist, bereitet Regisseur Danny Boyle den Zuschauer auf die Welt in28 Days Later(2002)vor. (Eine kurze Zusammenfassung aller relevanten Filme kann ganz hinten im Verzeichnis gefunden werden.) Von Wut beherrschte, seelenlose Menschen, die jeden zerfleischen, der nicht zu ihnen gehört. Doch dem Zuschauer sind diese Wesen nicht neu. Er hat sie schon in unzähligen Variationen gesehen: Untote, Virenzerfressene oder einfach nur Zombies, die in die bisher heile Welt der Lebenden strömen, um die Apokalypse einzuläuten. Der Zuschauer kennt sie. Er ist ihretwegen ins Kino gekommen. Um zu sehen wie die Menschheit zum wiederholten Male den Kampf gegen ihr unterdrücktes Selbst aufnimmt. Doch es war nicht der Horror, der den Zuschauer ins Kino lockte. Es waren die leeren Plätze und das verhallende Echo.

Der Zombiefilm ist ein Genre, das beinahe so alt ist, wie der Film selbst. Angefangen mitWhite Zombie(1932)bis zuWorld War Z (2013). In seiner langen Geschichte ist es viele Entwicklungen durchlaufen und hat sich in viele verschiedene Richtungen entwickelt. Es hat sich vom Kolonialismus genauso beeinflussen lassen, wie vom Vietnamkrieg, von der sexuellen Revolution, genauso wie von biologischen Waffen. Nazis, Prostituierte, Homosexuelle, kaum ein Typus ist noch nicht durch einen Zombiefilm getorkelt. Das Genre ist offen und liberal und sperrt keine Randgruppe aus. In kannibalischen Orgien wird sowohl der Zerstörung, als auch dem maßlosen Konsum gefrönt.

Dabei ist Gewalt und die Darstellung verletzter Körper, mit all ihrer Faszination und Abscheulichkeit, immer eine Konstante im Zombiefilm geblieben. Jedoch zeichnet sich seit den Nullerjahren (2000-2009) eine neue Strömung ab, die ihren Ursprung bereits bei George A. RomerosNight of the Living Dead (1968)hatte, aber erst mit28 Days Laterim Begriff war ein neues Subgenre zu begründen, das der Zombieapokalypse. Die untoten Horden gaben sich nicht mehr mit – hier und da – mit einem kleinem Happen Menschenfleisch zufrieden. Sie wollten die Welt. So entwickelte sich auch die Zombieinvasion im Laufe der Zeit weg von der lokalen Bedrohung hin zu einer globalen Apokalypse. Weg von Nazis und Prostituierten, hin zu Jim, der einsam durch verlassene Plätze wandelt in einer Welt, die entleert ist und wo der Geruch von Freiheit und Gefahr in der Luft liegt. Was ist es, was den Zuschauer an diesen neuen Welten fasziniert? Was hat den Horror der Zombiefilme verdrängt?

1.1 These

Herausgerissene Eingeweide, abgetrennte Körperteile und austretende Körperflüssigkeiten sind ein Muss für jeden Zombiefilm. Dass diese Filme dem Horrorgenre zugerechnet werden, ist also verständlich. Doch gerade bei neueren Zombiefilmen wird die einstige Berufung des Zombiefilms, nämlich Schrecken und Angst hervorzurufen, nebensächlich.

Bereichert und in eine neue Richtung geworfen wurde das Genre durch die Idee der weltumfassenden Apokalypse. Trieben sich Zombies vorher vornehmlich auf abgeschotteten Inseln herum, wie inWhite Zombie(1932), haben sie nun die ganze Welt erobert und sich in das kulturelle Gedächtnis der Moderne eingeschlichen. Vielleicht war die Globalisierung der Zombieinvasion ursprünglich lediglich dazu angelegt mehr Schrecken zu verbreiten, doch ein gegenteiliger Effekt hat sich eingestellt: Die Zerstörung jedweder gesellschaftlicher Ordnung und die Loslösung von bekannten Normen und Werten haben denzombieapokalyptischen Film zu einer Utopie gemacht.

Die beinahe vollkommene Auslöschung der Menschheit, der Zerfall der Gesellschaft und die Herrschaft der Zombies, ist für den Liebhaber dieser Filme kein Schreckensszenario, sondern eine Wunschvorstellung. Wer wollte nicht mal wie Will Smith inI am Legend(2007)durch das leergefegte New York wandern, sich am Eigentum anderer bedienen, hier und da ein Reh schießen, und vielleicht ein paarNightwalkerärgern. Filme wie diese dienen nicht mehr dazu Horror auszulösen, sondern Kritik an der trostlosen Welt zu üben in der wir jetzt leben und eine bessere Alternative aufzuzeigen. Ohne sinnentleerte Büroarbeit, ohne Steuern zahlen und zu Idioten nett sein müssen (in Zombiefilmen kann man sie einfach wegpusten). Die Zerstörung der Welt durch Zombies ist in diesen Filmen ein notwendiges Übel, das der Zuschauer für seine Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen gern in Kauf nimmt. Denn erst Zerstörung schafft einen neuen Weg und Platz für Neues. Apokalypse und Utopie werden dadurch von einander untrennbar.

Den Kinobesucher zieht gerade die vollkommene Zerstörung ins Kino. Es ist seine Unzufriedenheit mit den einengenden gesellschaftlichen Normen und mit der Monotonie des Alltags, die ihn auf eine Zombieapokalypse hoffen und diese, wenigstens ein Stück weit im Film, erfahren lässt. Nicht umsonst gibt es gerade eine Fülle an literarischen Neuerscheinungen mit Anleitungen für das Überleben von Zombieinvasionen. Denn wenn die Apokalypse tatsächlich eintritt will man ja nicht zu denjenigen gehören, die vom Helden eine Axt in den Schädel bekommen. Nein, man will selbst der Held sein in einer neuen Welt ohne Regeln und Grenzen.

Die Faszination für die Apokalypse hat die Faszination für den Horror von Zombiefilmen verdrängt. Als Zombies noch schlurfende Gestalten aus dem Gruselkabinett des frühen Kinos waren, hatten sie unter ihren Kollegen – Vampiren, Werwölfen und diversen Monstern aus dem Sumpf - keinen Sonderstatus. Durch Romeros apokalyptischesNight of the Living Deadwurden sie revitalisiert (vgl. Haupts, 2011:92) und der Prozess ihrer Verbreitung in der Gedankenwelt der Populärkultur hat bis heute angehalten und sie endgültig zu einem Massenphänomen gemacht (vgl. Nohr, 2011:259). Ihren Schrecken haben sie zwar verloren. Jedoch hat der Film und der Zuschauer sie zu einem Instrument für die erhoffte Apokalypse umfunktionalisiert.

Diese apokalyptischen Zombiefilme, die von mir später noch genauer definiert werden, sind meiner Meinung nach Zombie-Utopien. Es sind Filme, die an der bestehenden Gesellschaft Kritik üben und gleichzeitig durch die Apokalypse die Chance auf eine bessere Alternative aufzeigen. Was bestimmte Zombiefilme nun zu Utopien macht, welcher eigenen Mechanik sie folgen und warum diese für den Zuschauer als ein wünschenswerter Zustand erscheint, soll in dieser Arbeit besprochen werden.

1.2 Stand der Forschung

Je beliebter das Genre des Zombiefilms in den letzten Jahrzehnten geworden ist, desto häufiger und auch anerkannter wurde die theoretische Auseinandersetzung mit diesem Thema. Dennoch ist es immer noch so, dass das Zombiegenre in Zusammenhang mit dem Horrorgenre untersucht wird und es nur wenige eigenständige Publikationen hierzu gibt.

Aus diesem Grund kommt man nur schwer am Horrorgenre vorbei, will man sich ernsthaft mit Zombiefilmen beschäftigten. Doch ist gerade die Faszination für Gewalt und Schrecken etwas, was auch die Zombiewissenschaft nicht unberücksichtigt lassen darf. Als wegweisend in dieser Kategorie kann Noel CarrollsThe Philosophy of Horrorangeführt werden. Das Werk setzt sich nicht nur grundlegend mit der Natur des Horror auseinander, sondern auch warum der Horror den Zuschauer dermaßen in seinen Bann zieht.

Die Forschung geht bei Carroll stark in die Phänomenologie, aber auch gesellschaftskritische Auseinandersetzungen sind durchaus möglich. Denn in seiner Vielfältigkeit bietet das Horrorgenre genug Ansatzmöglichkeiten für eine wissenschaftliche Untersuchung. So ist zum Beispiel auch eine Analyse unter Gender-Aspekten möglich, wie bei Carol Clover (1992), die später noch hinzugezogen werden wird.

Das Subgenre des Zombiefilms ist dafür etwas dünner behandelt. Dieses wird nur selten außerhalb des Horrorgenres besprochen und in nur wenigen Fällen, so zum Beispiel bei Gregory A. Waller (2010), als eigenständiges Thema angesehen, wobei auch er nicht zwischen Zombies und Vampiren unterscheidet, sondern beide einfach als Untot bezeichnet. AuchOn Rules and Monsters(Moldenhauer, Spehr, Windzus, 2008) widmet einen kleinen Teil seiner Arbeit dem Zombie in seiner Funktion als Monster ohne sich aber auf das Genre an sich zu konzentrieren.

Wirklich eigenständig besprochen wird der Zombiefilm nur inUntot - Zombie Film Theorievon Krautkrämer, Fürst und Wiemer (2011). Doch auch da wird das Element der Apokalypse, wenn überhaupt, nur am Rande erwähnt.

Diese Publikationen sind bisher die Einzigen, die sich ernsthaft mit dem Zombiefilm auseinander setzen. Nebenbei gibt es noch eine ganze Flut von Zombieliteratur, die sich nur halbherzig mit dem Thema beschäftigt und sich eher der Zombiemetapher widmet. Wie zum Beispiel Noetzel und von Bredow (1996), die Zombies als Metapher für politischen Akteure des ausgehenden 19. Jahrhunderts sehen, oder Michael Newbury (2012), der das Essverhalten in Zombiefilmen als Kommentar zu unserem Umgang mit Lebensmitteln sieht.

Der zombieapokalyptische Film wurde bisher als eigenständiges Forschungsobjekt von der Filmwissenschaft vernachlässigt. Diese Filme, mit ihrer ganz eigenen Dynamik, ihren Regeln, Helden und Charakteristika, sind in den Geisteswissenschaften Neuland. Deswegen ist es bei der folgenden Untersuchung notwendig auch auf filmfremde Literaturquellen zurückzugreifen, zum Beispiel wenn es um die Begriffe der Apokalypse und Utopie geht. Bevor man sich aber überhaupt mit dem Thema auseinandersetzen kann, muss ein Filmkanon gefunden werden um das Forschungsobjekt definieren zu können.

1.3 Abgrenzung, Methodik und Definitionen

Der apokalyptische Zombiefilm ist in der Forschung als Begriff bisher nicht aufgetaucht. Er wird von mir an dieser Stelle als inhaltliche Bezeichnung (es gibt eine Apokalypse und Zombies) eingeführt, kann aber durchaus als Bezeichnung für ein Sub-Genre verstanden werden.

An dieser Stelle ist es jedoch wichtig von der Vorstellung des Genres als rigides Konstrukt wegzukommen und Genre stattdessen als Entwicklungsprozess zwischen Bekanntem und Experimentellem zu sehen, wie auch Gregory Waller (2010:8) bemerkt.

The pleasures of familiarity, however, must be understood in relation to the pleasures of originality, for the generic text always involves variation as well as standardization, innovation as well as convention. As Stephen Neale observes, once we conceive of genre as “process,” then “repetition is never simply the eruption of the absolutely new.[Neale, Genre, p. 13]

Diese Variationen beleben nicht nur ein Genre, sondern sind auch in der Lage neue Genres zu bilden. Rick Altman zufolge entstehen neue Genres oft aus der originellen Bearbeitung eines bereits etablierten Stoffes. Genregenerierung erfolgt hier in sogenannten „adjectival cycles“ (1999:61ff), wo die adjektivische Beschreibung eines Genres zum Genre selbst wird, so zum Beispiel von der tragischen Komödie zur Tragikomödie. Auch der zombieapokalyptische Film kann als Ergebnis dieses „cycle“ gesehen werden: aus dem Zombie-Horrorfilm wird der Zombiefilm und aus dem apokalyptischen Zombiefilm könnte man die Zombieapokalypse als neues Genre entstehen sehen.

Voraussetzung hierfür ist aber nach Altman, dass es sowohl einen Kanon an passenden Filmen gibt, der das Genre vertritt, und dass das neue Genre vom Zuschauer als solches akzeptiert wird. Das heißt, dass der Zuschauer die Genrebezeichnung als passend anerkennt. Unrichtig wäre es zum Beispiel zu behauptenIndependence Day(Roland Emmerich, 1996) sei eine Alieninvasions-Romanze.

Dass der Zuschauer den zombieapokalyptischen Film als neues Subgenre anerkennt, muss an dieser Stelle behauptet werden. Dass ein eindeutiger Kanon an zombieapokalyptischen Filmen besteht, muss hingegen noch bewiesen werden. Zwar ist es nicht meine Absicht die Emergenz eines neuen Genres zu beweisen, jedoch ist es für die folgende Untersuchung wichtig abzustecken welche Filme überhaupt als Vertreter dieses neuen Genres gelten können. Die Eingrenzung erfolgt hierbei rein über den Inhalt und die Thematik der Filme, nicht über ihre Form und Erzählart, wie es in anderen Genres auch üblich sein kann (Thriller, Komödie, usw.)

Nur eine Handvoll Filme erfüllen alle Kriterien eines apokalyptischen Zombiefilms und selbst diese sind gespickt mit Ausnahmen. Für die Aufnahme in das Sub-Genre der Zombieapokalypse müssen die Filme jedoch lediglich zwei Kriterien erfüllen: Sie müssen Zombies als Hauptantagonisten enthalten. Es müssen apokalyptische Elemente vorhanden sein.

RomerosDead-Reihe, sowieI am Legend(2007) und28 Days Later(2002) können problemlos in das Genre aufgenommen werden. Nicht ausgeklammert werden auch Satiren, wieZombieland(2009) oderShaun of the Dead(2004). Exemplarisch hinzugezogen werden auch Filme, die zwar sowohl Zombies als auch eine Apokalypse enthalten, ihrer Form nach jedoch eher in anderes Genre hinzugerechnet werden sollten. Diese wären: DieResident Evil-Reihe (Action),World War Z(Abenteuer, 2013),Warm Bodies(Romance, 2013) oder auch Neuverfilmungen, wie dem RemakeDay of the Dead(Horror, 2008).

Als Referenz hinzugezogen werden auch klassische Zombiefilme, die dem Horrorgenre angehören und überhaupt keine apokalyptischen Elemente enthalten, jedoch thematische Überschneidungen mit dem neuen Genre enthalten. Beispielhaft können hier frühe Zombiefilme wieWhite Zombie(1932) erwähnt werden oder Peter JacksonsBraindead(1992), sowieDead Snow(2009).

Außen vor gelassen müssen jedoch apokalyptische Utopien, die keine Zombies enthalten. So zum Beispiel Katastrophenfilme, Alieninvasionsfilme oder nicht-menschliche Bedrohungen, wie inTerminator-Reihe. Wir finden hier zwar perfekte Apokalypsen, aber in den Filmen fehlen die Zombies. Diese mögen auf den ersten Blick nur wie ein weiteres Monster erscheinen. Sie erfüllen jedoch gerade in ihrer Eigenheit als Untote eine entscheidende Funktion, die die Zombieapokalypse einzigartig macht, was später ausführlicher besprochen wird.

Um den Kanon der Filme überschaubar zu halten werden weniger bekannte Produktionen ebenfalls nicht berücksichtigt. So zum Beispiel B-Produktionen oder Spaghetti-Zombiefilme. Außen vor gelassen müssen auch andere Medien, wie Comics, Bücher oder Serien. Zwar erscheintThe Walking Dead(2010) wie ein perfekter Vertreter des neuen Genres, muss jedoch ausgeschlossen werden, da das Serienformat anderen Gesetzen folgt als der Film. So ist zum Beispiel beiWalking Deadzu beobachten, dass sowohl Zombies als auch die Apokalypse im fortschreitenden Verlauf der Handlung immer nebensächlicher werden.

Zwar werden im Folgenden vereinzelt noch einige weitere Filme zur Verdeutlichung erwähnt, ich will mich aber für eine bessere Übersicht auf die oben genannten Filme beschränken.

Methodik

Dabei sollen die abgegrenzten Filme mit dem Fokus auf die Handlung und die Charaktere, sowie die vorherrschende Thematik des Films untersucht werden. Auf eine ästhetische Analyse wird weitestgehend verzichtet. DieDarstellungder Handlung ist also für die Untersuchung irrelevant, da nur das Ergebnis und der Verlauf selbst von Bedeutung sind. So spielt es zum Beispiel keine Rolle, wie ekelerregend ein Zombie einem Menschen in die Hand beißt, sondern dass es ihm gelingt ein großes Stück heraus zu beißen. Der analysierte Inhalt wird dann im Kontext mit Utopie-, Horror- und Filmtheorien betrachtet.

Hierbei lässt sich eine Abschweifung in die Phänomenologie (vgl. Hanich, 2010:38) nicht vermeiden, vor allem dort, wo es um die Zuschauerwirkung und -erwartung geht, denn hier können nur subjektive Beobachtungen und Annahmen aufgestellt werden, die zwar auf den ersten Blick als offensichtlich erscheinen, aber deren Verständnis einer genaueren Analyse bedarf.

Allgemein werden die von mir abgesteckten Filme als Eckpfeiler dieses vielleicht neuen Genres auf deren Inhalt und Charaktere hin untersucht und die apokalyptischen Elemente herausgearbeitet um zu beweisen, dass die Zombieapokalypse in ihrem Kern eine Utopie ist.

Definitionen

Zur besseren Verständlichkeit der Arbeit, will ich vorab einige Begriffe klären, die für die Thematik zentral sind.

Zombies

Der klassische Zombiefilm kann problemlos in das Horrorgenre gerechnet werden. Sein Hauptmerkmal, dass er von Zombies/Untoten bevölkert wird, erscheint unbestreitbar und banal. Jedoch haben unzählige Filmvariationen so viele unterschiedliche Arten von Zombies hervor gebracht, dass eine Systematisierung notwendig erscheint.

Am Anfang bevölkerten Zombies lediglich die Gedankenwelt karibischer Inseln. Hier waren es Voodoo-Priester, die (vermeintliche) Tote zu seelenlosen Sklaven wiederbelebten. (Manche Wissenschaftler sehen als Erklärung ein Nervengift, das einen Scheintod verursacht und bei nachlassender Wirkung irreparable Gehirnschäden hinterlässt). Diese Art von Zombies ist auch die erste, die in Literatur und später auch im Film, zu finden ist. Diese Zombies sind per se keine Toten, sondern Menschen in Trance, die unter dem Bann eines Voodoo-Priesters stehen, und können in Einzelfällen wieder zu Menschen gemacht werden.

Mit dem Fortschreiten des Zombiegenres und seines Eindringens in die USA, kommen neue Zombie-Arten auf. Bei George A. RomerosNight of the Living Dead(1968) finden wir dann auch die ersten echten wandelnden Leichen, die Körper kürzlich Verstorbener, die aus ungeklärten Gründen (kosmische Strahlung?) aus ihren Gräbern steigen. Das Element der Ansteckung ist auch hier bereits vorhanden. Jeder, der von einem Zombie gebissen wird, stirbt und wird dann selbst zum Zombie. Der Prozess dauert bei Romero von einigen Stunden bis zu zwei Tagen. Andere Filme sind da schneller (sieheWorld War Z). Auch der Kannibalismus findet bei Romero seinen Anfang. Dieser ist zwar für eine Kategorisierung unerheblich, wird aber im Laufe der Arbeit noch eine wichtige Rolle spielen.

In RomerosDead-Reihe wird nie eine klare Ursache für die Zombies beschrieben, andere Filme geben den Untoten jedoch gerne triftige Gründe um aus den Gräbern zu steigen: eine überfüllte Hölle (Dawn of the Dead, 1978); unbekannte, chemische Substanzen (The Return of the Living Dead, 1985) und sehr beliebt, ein Virus (28 Days Later, Resident Evil,World War Z,I am Legend).

Bei den Virus-Zombies (eine der beliebtesten Ursachen!) muss eine Unterscheidung zwischen jenen getroffen werden, die medizinisch gesehen noch am Leben sind (28 Days Later, I am Legend), aber ihrer Menschlichkeit beraubt sind, und jenen, die zwar tot sind, aber deren Bewegungsapparat noch einwandfrei funktioniert (Resident Evil, World War Z). Die Unterscheidung ist wichtig, da bei ersteren noch eine Aussicht auf Heilung besteht, die für die Handlung meist zentral ist.