Zuhören, Durchatmen, Antworten - Christoph Lauterbach - E-Book

Zuhören, Durchatmen, Antworten E-Book

Christoph Lauterbach

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Beschreibung

Wie du Gespräche lotst, auch wenn's mal tief geht: Ob lockerer Plausch unter Freunden, Krisengespräch im Job oder ein spontaner Gefühls-Tsunami beim Spieleabend - schwups, plötzlich bist du der Lebensberater vom Dienst. Was jetzt? Schnell einen Coaching-Workshop buchen? Das Psychologiestudium nachholen? Oder einfach mal einen Blick in dieses Buch werfen. Hier erfährst du, warum richtiges Zuhören schon die halbe Miete ist, wie du andere bewegst, ohne dich selbst zu verlieren und wie du Gespräche führst, die wirklich etwas bewirken. Ganz ohne Besserwisserei, dafür mit viel Fingerspitzengefühl. Denn Gespräche mit Menschen sollten vor allem eines bleiben: menschlich.

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Seitenzahl: 101

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Über den Autor

Christoph Lauterbach ist nach langjährigen Vertriebs- und Führungsaufgaben seit 2010 hauptberuflich als zertifizierter Businesscoach und Kriseninterventionsberater tätig. Er coacht Selbstständige, Geschäftsführer sowie Fach- und Führungskräfte in Bezug auf Mitarbeiterführung, Kommunikation und Unternehmenskultur. Seine Auftraggeber reichen von KMU bis Konzernunternehmen in diversen Branchen.

Ferner unterstützt er Menschen im Hinblick auf Problemlösung, Zielfindung und Karrierefragen und wird regelmäßig als Interviewpartner zu Themen aus dem Bereich Business- und Lifecoaching angefragt.

Vom Autor ist bereits erschienen: „Deine Schuld, wenn’s danach besser läuft!“ ISBN 9783757804176

Näheres unter: www.elbe-coaching-hamburg.de

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Gespräche mit emotionaler Ladung

Ebenen des Zuhörens

Nachhaken bis zum Kern der Sache

Alles eine Frage der Haltung

Do´s and Don´ts

Das Chunking

Fünf kleine Dinge, die dein Leben erleichtern

Checkliste bei Veränderungen

SWOT - Die Reise zur richtigen Strategie

Endlich Neinsagen können

Negative Glaubenssätze einreißen

Glaubenssätze II: Deine inneren Influencer

Die Kunst der Improvisation

Heiter bis wolkig

Nichts geht mehr voran?

Happy Cheering - Alles „Mega“?

Konflikte und Deeskalation

Freiheit - Himmlische Luft in engen Zeiten

Eskapismus - Wenn die Welt zu viel wird

Von Denkmälern und Narrativen

Praktischer Überlebensguide für Führungskräfte

Team oder Gruppe?

Zum Schluss

Quellen und Glossar

Rechtliches

EINLEITUNG

Willkommen im Club der (unfreiwilligen) Lebensberater!

Es gibt zwei Sorten von Menschen: die, die sich freiwillig für ein Coaching-Seminar oder Psychologiekurs anmelden, und die, die plötzlich feststellen, dass sie genau das tun, ohne jemals eine solche Weiterbildung besucht oder sonst wie auf diese Rolle vorbereitet worden sind. Nun finden sich diese Kandidaten im Alltag ständig in Situationen wieder, in denen sie andere Menschen in Gesprächen anleiten oder begleiten. Vielleicht bist du Jugendtrainer, stehst vor einer wilden Meute und fragst dich, wie du hier gelandet bist. Oder du bist Führungskraft oder Projectlead und stellst fest, dass die größten Herausforderungen in deinem Job nicht Zahlen oder Projekte sind, sondern Menschen und ihre Bedürfnisse. Vielleicht bist du Lehrerin, Pfleger, Ehrenamtlicher oder einfach der Mensch in deinem Umfeld, der immer ein offenes Ohr hat und, gewollt oder ungewollt, ständig die Nerven anderer beruhigt, ohne jemals darum gebeten zu haben.

Willkommen in einer Welt, in der du plötzlich zum Strukturierer, Optionenausgräber, Nichtbesserwisser, Genau-wissen-Woller, Zweifelaushalter, Auf-einer-Seite-Steher oder Verstörende-Fragensteller geworden wirst.

Es geht in diesem Buch um die dafür nötigen Grundlagen. Basics, die jeder braucht, der mit anderen Menschen ins Gespräch geht und sie unterstützt: Wie man wirklich zuhört und warum das allein schon die halbe Miete ist, wie man konstruktive Kritikgespräche führt, die niemanden in die Flucht treiben, und wie man in Krisen ruhig kommuniziert, auch wenn alle anderen auf der Titanic Panik schieben. Außerdem tauchen wir ein in die Welt von eigentümlichen Begriffen wie Glaubenssätze, Chunking, Ressourcen, SWOT-Analyse und vieles mehr. Klingt abgehoben? Ist es aber nicht. Man kann es für verschiedene Situationen gut gebrauchen und im Gegenteil: Viele meinen, dass sie all das, was dahintersteckt, intuitiv wissen oder können. Aber die Realität sieht meist anders aus: Richtig Zuhören? Eine Kunst, die fast niemand mehr wirklich beherrscht. Vorhandener Kontext? Leider oft nur Stückwerk. Strukturiere Gespräche? Enden oft in Missverständnissen. Und in schwierigen Momenten? Da fehlen uns häufig die Worte oder der Plan. Und manchmal auch ein wenig Background zur Spezies Mensch.

Ich habe dieses Buch grob in drei Abschnitte unterteilt. Die ersten Kapitel beschäftigen sich vorwiegend mit dem Thema Gespräche an sich, im Folgenden findest du dann nützliches Hintergrundwissen zum Thema Verständnis und Zugang zu Mensch und Situation und abschließend gibt’s noch einen kleinen Nachschlag für Führungskräfte.

Was dieses Buch definitiv nicht ist: Ein Ratgeber, der dich zu einem Rhetorikmonster werden lässt. Du findest hier zwar auch konkrete Anleitungen und Formulierungshilfen, doch es geht weniger um den berühmten einen Satz, den Kniff oder die Wunderfrage, welche dich in jeder Situation retten werden. Warum nicht? Weil es so etwas nicht gibt. Auch wenn dir viele 5-Minuten Seminare oder Posts auf Social Media genau das weismachen wollen.

Keine Sorge, wir halten es locker. Das hier ist kein trockener Stoff. Und irgendwo auf diesen Seiten findest du bestimmt genau die Inspiration, die dir gefehlt hat in deinen bisherigen Feedback-, Konflikt-, Krisen-, Förder-, Coaching-, oder einfach Zuhör-Gesprächen.

Ich nenne alle diese Gesprächsarten hier der einfachheitshalber Gespräch. Es findet in verschiedenen Kontexten statt, um jemanden in einer bestimmten Situation, Entscheidung oder Prozess zu begleiten. Klärung, Orientierung, Respekt und Unterstützung sind die Zauberworte. In verschiedenen Situationen sicherer in ein Gespräch gehen zu können, und ein paar wichtige Hintergründe zu kennen, das ist das Ziel dieses Buches. Dabei brauchst du nicht die Reihenfolge der Kapitel einzuhalten. Lese sie gern kreuz und quer, jedes hat ein für sich abgeschlossenes Thema oder Inhalt.

Ein wichtiger Hinweis

Was klar sein muss: Dieses Buch ist als Impulsgeber gedacht und eignet sich für Gespräche im beruflichen oder privaten Alltag unter psychisch gesunden, normal belastbaren Menschen.

Warum mir das wichtig ist: Gespräche mit besonderer Tiefe, Emotion oder Reflexion können viel bewegen, sind in diesem Kontext aber niemals ein Therapieersatz. Es geht hier nicht darum, tiefe psychologische Probleme zu lösen oder traumatische Erfahrungen zu bearbeiten. Jeder von uns hat seine Grenzen, und wahre Stärke liegt auch darin, diese zu (er-)kennen. Sehe dich daher als pragmatischen und empathischen Gesprächspartner. Du bietest einen Raum für Lösungen an, hilfst zu ordnen und Mut zu machen. Wenn du aber merkst, dass es den normalen Rahmen eines solchen Gesprächs verlässt, verweise immer auf professionelle Hilfe.

Warum ich dich duze

In diesem Buch spreche ich dich direkt mit du an, weil ich glaube, dass gute Gespräche immer auf Augenhöhe stattfinden sollten. Ich möchte respektvoll eine gewisse Nähe schaffen, unbefangen sein. Es ist ein Angebot wie zu einem ehrlichen Gespräch unter Vertrauten.

Gender-Hinweis

Dieses Buch wurde von mir geschrieben, um dich als Menschen anzusprechen und das Gefühl zu geben, hier willkommen zu sein. Du sollst dich unabhängig von deinem Geschlecht mit den Inhalten identifizieren können. Nur aus Gründen der besseren Lesbarkeit und Übersichtlichkeit verwende ich meist das generische Maskulinum.

GESPRÄCHE MIT EMOTIONALER LADUNG

Wir gehen gleich mal in die Vollen und anstatt mit einem Langweiler über Schönwettergespräche zu beginnen, stellen wir uns zu Beginn die Frage: Wie begeht man Gespräche, die von Gefühlen bestimmt sind, mit sogenannter emotionaler Ladung? Was tun, wenn dein Gegenüber innerlich etwas bewegt? Was ist ein guter Plan, wenn es ans Eingemachte geht? Hier ein paar Tipps fürs Freeclimbing am Mount Empathica.

Volle Aufmerksamkeit geben

Lass uns ehrlich sein: Der Blick aufs Smartphone, ein halbes Ohr beim Fernsehgerät oder die subtile Neigung, im Kopf die Einkaufsliste zu sortieren, während jemand über seine Sorgen spricht, das alles geht gar nicht. Volle Aufmerksamkeit ist der goldene Standard der Kommunikation. Und ja, das bedeutet, wirklich präsent zu sein: Augenkontakt, leichtes Nicken, vielleicht auch ein beruhigendes "Mhm" oder "Ich verstehe".

Immer ehrlich gemeint, signalisiert es deinem Gegenüber, dass er nicht mit einer Hauswand redet. Klingt einfach, wird aber erstaunlich selten gemacht.

Empathie und freundliche Stärke ausstrahlen

Ein echter Meister des Beziehungsmanagements bleibt in emotionalen Gesprächen nicht nur ruhig, sondern gibt auch Sicherheit. Hier braucht es diesen Mix aus Empathie und, ich nenne es mal, subtiler Autorität. Die Aura der sogenannten freundlichen Stärke. Denn niemand möchte sich ausgeliefert fühlen. Ein empathisches "Ich sehe, das stresst dich gerade“ gepaart mit einem starken „Lass uns dass mal gemeinsam anschauen!" kann wahre Wunder wirken, denn: Empathie ist eigentlich nichts Kompliziertes, es muss nichts schaffen und nicht mit unzähligen Tipps, Ratschlägen und Lösungen ein Raum gefüllt werden. Empathie selbst ist der Raum, in dem wir wirklich präsent sind, ohne den anderen zu reparieren oder zu lenken. Es geht darum, die Emotionen des anderen zuzulassen, sich wirklich auf ihn einzulassen. Aber: Empathie bedeutet nicht, dass du die Emotionen des anderen übernimmst, also bitte nicht mit in den seelischen Abgrund stürzen. Das nützt deinem Gegenüber in emotionalen Situationen nichts.

Empathie ist vielmehr das Verständnis, dass der andere in diesem Moment einfach fühlen darf und du ihn auf dieser Reise begleitest. Es ist eine Einladung, gemeinsam in dem Moment zu sein ohne zu versuchen, gleich Antworten zu finden. Mal ehrlich: Wer braucht schon immer die Antwort, wenn er stattdessen einfach mal verstanden werden will?

Sätze für den Bauch - Die kleinen Mutmacher

Emotionale Gespräche brauchen manchmal kleine verbale Streicheleinheiten. Solche Sätze, die weniger auf die Ratio zielen, sondern mehr ins Herz gehen. Hier ein paar Klassiker, die zeitlos sind:

Schön, dass du da bist!“

(Signal: Du bist wichtig)

Ich habe Zeit für dich“

(Keine Eile, kein Stress)

Ich gehe nicht weg“

(Sicherheit geben)

Nur Mut!“

(Manchmal braucht es genau das)

Diese Sätze funktionieren, weil sie einfach und direkt sind. Sie geben Halt, ohne aufdringlich zu wirken.

Das Gespräch wie ein Fenster weit öffnen

Manche Menschen brauchen einen kleinen Schubs, um wirklich ins Reden zu kommen. Hier helfen offene Fragen. Wie ein Fenster, das man weit öffnet, um frische Luft hereinzulassen:

„Was bewegt dich?“

(Offen, neugierig, aber nicht bedrängend)

„Wie kommst du klar diese Tage?“

(Zeigt einfach Interesse)

„Wie ist denn so dein Seelenklima?“

(Wirkt super mit leichtem Schmunzeln)

Generell sind es die Fragen, die mit einleitenden „Was, Wie, Woher“ ein Gespräch öffnen können. Das Ziel ist, den Moment zu schaffen, in dem sich dein Gegenüber wohl und gehört fühlt. Es hilft, Gedanken zu sortieren.

Tempo rausnehmen oder reinbringen: Der Groove des Gesprächs

Manchmal jedoch sprechen Menschen bereits wie ein Wasserfall, unaufhaltsam und mit einer Geschwindigkeit, die schwindelig macht. Hier ist die Aufgabe, Tempo herauszunehmen. Frag nach, bremse sanft ab. Andererseits gibt es auch die Wortkargen, die gefühlt 10 Minuten für einen Satz brauchen. Hier darfst du das Tempo anziehen, indem du gezielt nachhakst: „Erzähl mir mehr dazu!“ oder „Was meinst du genau damit?“

Warten: Die Superkraft beim Zuhören

Wir leben in quasseligen Zeiten. Überall gibt es Lärm und Unterbrechungen. Warten zu können, wirklich warten zu können, ist echt schwer. Dein Gegenüber hat gerade einen Gedanken gestoppt? Warte. Gib Raum. Oft entstehen in diesen Momenten die besten Einsichten, einfach weil du nicht sofort reingrätscht.

Berührungen einsetzen? Bitte mit Vorsicht

Eine kleine Geste kann Wunder wirken, zum Beispiel ein Klopfen auf die Schulter oder ein kurzes Auflegen der Hand, wenn es angemessen ist. Wichtig dabei: Kenne die Grenzen. Nicht jeder möchte berührt werden, und es gibt Momente, in denen Berührungen deplatziert sind. Achte auf die Körpersprache deines Gegenübers, bevor du diesen Schritt machst. In emotionalen Momenten gilt: Mitgefühl ausdrücken ist okay, widerstehe jedoch der Versuchung, eine mitleidige Haltung einzunehmen. Manchmal ist sich zurücknehmen, dazubleiben und gemeinsam auszuhalten oft schon die richtige Dosis an Nähe. Ansonsten frage ich auch oft einfach nach, wenn ich merke, dass die Worte fehlen und ein Hug helfen könnte: „Darf ich dich kurz in den Arm nehmen?“

In Videocalls fällt diese Möglichkeit naturgemäß weg, durch den Bildschirm greifen klappt nicht. Aber dem zumindest nahekommenden Effekt ist eine bewusst eingesetzte Mimik und Gestik. Ruhe, Sanftheit und vor allem eine gewisse langsame Sprechweise mit Pausen signalisieren: Ich nehme mir Zeit, ich bin für dich da. Auch Emojis können dosiert helfen, solange sie nicht kitschig übertrieben eingesetzt werden.

Verzichte auf zu viel Ermutigung

„Vielleicht solltest du es einfach mal positiv sehen!“ Bitte keinen Ratschlag, in der du dem anderen zu erklären versuchst, was er zu fühlen hat. Und bitte auch keine übertriebene Ermutigung, bei der du versuchst, den anderen aus seiner Situation zu hebeln. Manchmal ist der andere einfach noch nicht bereit, sofort nach vorne zu schauen. Vielleicht will er gerade einfach nur verstehen und verarbeiten was er fühlt, und sich nicht gleich von einer maximal positiven Denkweise überrollen lassen.

Aus Empathie wird keine Therapie

Wie schon in der Einleitung dieses Buches erwähnt: Aus Empathie wird in diesem Rahmen keine Therapie. Sehe dich als pragmatischen Gesprächspartner. Sei für den anderen da und helfe, akute oder chronische Herausforderungen zu strukturieren und später gerne auch gemeinsam Lösungsansätze zu suchen. Dein Ziel ist es jedoch nicht, als professioneller Problemlöser aufzutreten.

Beziehungsmanagement im Gespräch

Volle Aufmerksamkeit geben, Empathie und freundliche Stärke ausstrahlen.

Sätze für den Bauch:

„Schön, dass du da bist!“

„Ich habe Zeit für dich“

„Ich gehe nicht weg“

„Nur Mut!“

Das Gespräch wie ein Fenster weit öffnen:

„Was bewegt dich?“,

„Wie kommst du klar diese Tage?“

„Wie ist denn so dein Seelenklima?“