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"Zurückbleiben, Bitte!" ist die herausgegebende erste Sammlung von Poetik und Lyrik
Das E-Book Zurückbleiben, Bitte! wird angeboten von Dirk Zipfel und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Poetik,Lyrik,Gedichte,Essays,Poesie
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Seitenzahl: 157
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Dieses Buch widme ich allen Menschen denen ich begegnet bin. Ich könnte jetzt noch unglaublich viele Phrasen dreschen, könnte blümerant daherreden – das Leben, die Menschen, einfach alles in den grünen Klee loben, alles und noch mehr anpreisen, als wäre ich in Delphi, um den Griechischen Götter zu huldigen, damit sie uns, mir, wohl gesonnen sind.
Aber das liegt mir fern. Im Gegenteil. Es ist unseriös, weil jeder weiß, wie es in Wahrheit ist. Nämlich ganz anders. Man schreibt alleine vor sich hin. Man macht es, weil man es machen muss. Fertig. Dazwischen zahlt man Steuern, kriegt Plattfüße, Schnupfnasen und Streit mit Familie und Freunden, redet nicht miteinander, schmollt, ist rechthaberisch und so weiter. All das – und – noch Vieles mehr.
Daher wünsche ich – schlicht und einfach - viel Spaß mit diesem ersten Poetik & Lyrik Buch. Kauft auch meine anderen Bücher und zwar so schnell es geht. Nicht damit ich reich werde, sondern damit mein Verlag auch noch andere unbekannte Schriftsteller veröffentlichen kann. Mein Verlag ist nämlich gemeinnützig und hat es sich zur Aufgabe gemacht, unbekannte freie Autoren zu fördern, sowie das lebendige Leben, sowie die Sprache “
D.T.
Ethik und Moral sind nicht national,
Sie haben weder Pass noch Heimat,
Sie sind universell,
Alles und Jeden
Gleich betreffend,
Selbst nach dem
Eigenen Durchsegeln
Kann man sehen,
Welchen Trampelpfad
Wir hinterlassen,
Ein von Schönheit und
Barmherzigkeit gepflasterten,
Oder eine Schneise
Ohnmächtiger Verwüstung
Drum lebe still
Und bescheiden,
Erschaffend
und fördernd …
Manche behaupten, der Name „Don Tango“ ist ein Pseudonym. In Wahrheit verbirgt sich dahinter ein stiller, introvertierter schweigsamer Mann, der im Schweiße seines Angesichts, ungesehen, unbekannt und unerkannt seiner Arbeit, seiner Arbeit nachgeht.
Man zeichne sich in erster Linie durch Taten, weniger durch Worte aus, weswegen Namen und Familien unwichtig sind, in diesem kosmischen Brunnen, den manche „Leben“ nennen“. So in etwa drückt er sich aus, als wir ihn um eine Art „Zusammenfassung von Allem“ baten.
Allerdings presste er jedes Wort mit Mühsal heraus, weswegen wir davon ausgehen, dass er es nur so dahergeredet, nur mal so eben rausgehauen hat, damit wir uns vom „Acker“ machen.
Ein Misanthrop ist er noch nicht, aber immer mehr zurückgezogen in den letzten Jahren. Was ihn wirklich umtreibt, so seine letzten Worte, drücke er nur mit Tinte aus.
Nach langem Drängen konnten wir ihn jetzt ermutigen, seine Poesie und Lyrik in diesem Buch zu veröffentlichen.
Trialog – eine Art Einleitung
Unwelt
Ohne Titel
Sodom
Pause
Musen
Ein Viertel
Laub
Broterwerb
Zusammenkunft
Deoroller
Alt werden
Zum Wohl!
Zum Wohl 2
Garten
Labyrinth
Zum Wohl 3
Grauer Wolf
Treffen
Lodernde Flammen
Haxe mit Füllung
Widegeis
Schwingungen
Schienenwolf
Ordnung (i.d.Hölle)
Brunnen
Adhäsion
ΘΆΝΑΤΟΣ
Mühlsaal
Liebreiz
Greyhound
Eis und Schnee
Helloween
Herbstlich
Beruf? Berufung?
Über-Es
ΌΧΙ
Beute
Schwarm
Mikado
Mein Ede
Straßen und Pflanzen
Atlas - Miniatur
Mein Kairos #1
Weiter-Leiter
Hyänen
Mein Viertel, Teil 1
ΚΑΙΑΔΑΣ και ΑΙΩΝΙΟΤΗΣ
Kalypso
Schauen Sie
Sprung in Tiefe
Wandel
Plastik-Puppe
Sie nennen es Sprache
Leerer Spiegel
Cous-Cous
Regen
Anruf
Café
Freitag
Zerschlissen
Monolog
Introspektion
Leere
Kultur-Wüste
Binäre Welt
Stil
Liebe
Liebe II
Prometheus
Broterwerb
Pause
6 Jahre
Stau
Fährmann
Eine Woche
Bäckersfrau
Der faule König
Schnee und Eis
Anmut in Rom
Göttliche Blendung
In der Fremde
Innere Flamme
Zerfasern
Büchse der Pandora
Funken
Pazifist
Hades und Mephisto
Satyr der Apokalypse
Schatten
Müßiggang
Έρως
Nachwuchs
Καιρός
Θάνατος
Valentistag
Reibung
Armee
Zerfaserung
Atlantis
Strahlend
Marsch - Marsch
Blumen und Beton
An der Bar
Grün
Nihilismus
Links, zwo, drei, vier
Tag 2
Try
Dekadenz
Alles Normal
40
Blaues Kleid
Hundefrisör
Konstrukta
Steine
Rasen
Ohne Titel
Planeten
Stille
Das Ende
Uniform
Wahrer Teufel
Die Falle
Wahrer Kaiser
Kautzen
Schönheit
Dunkle Perlen
Lilien
Versteckt
Jugend
Triangle
Dschungel
Heimat
Tod einer Fliege
WC-Reiniger
Dort droben
Κόσμος
Geduld
Disziplin
Solitude
Gardinen
Altare
Leere
Sommer 24
Ein Paar #1
Fête National
Städter
Έρως
Römer
Gier
Sprache
Wasser
Bach
Unfall
Morphium
Έρωτας
Müllkippe
Meer & Stille
Άνο Τρίκαλα
Bier
Λόγος
Sensenmann
Zum See
Zum See 2
Ying & Yang
Qualen
Ein Paar #2
Berge
Trauer
Wirbel
Asche
Melancholie
Άλφα - Ωμέγα
Kosmos – Chaos 1
Steine & Sterne
Liebe
Moment
Wechsel
Faserköpfe
Mission
Θάνατος
Zäsur
Gasfactory
Sammeln oder Teilen
Rhythmus
Anonym
Gift-Pilz
Θάνατος #78
Solitude
Schatten
Piefig
Flipper
Richtschnur
Durchlass
Zündschnüre
Καίρος & Konflikt
Don Tango: Hallo ihr beiden, schön das ihr vorbeigekommen seid; sagt mal - was sind eure 3 Lieblingstiere?
Dr.Ralph Hannes: Katzen. Leoparden. Diese kraftvolle Eleganz. Bewegungen, Posen haben fast was Erotisches für mich. Adler, Milane haben etwas Erhabenes für mich. Delphine stehen für Verspieltheit für mich. Wie sie um den Schiffsburg herumtollen, einfach weil sie darauf Bock haben.
Heraklit: Hm, lasst mich mal nachdenken. Fische, Schafe und natürlich Katzen – wie könnte ich anders. Und du?
DT: Tiger, Adler, Krokodil. Gar nicht so unähnlich. Ralph, du bist im November 1946 geboren; wie geht es dir heute, am 20.Februar 2025?
Dr.Ralph Hannes: Welcher Zusammenhang besteht zwischen 1946 und meinem Befinden jetzt? Dazwischen liegt mein Leben, als Kind, als Sohn, Jugendlicher, als Student, Ehemann, Vater Wissenschaftler, Psychotherapeut, Rentner, Senior, auf der Schwelle zum Greis. vom introvertierten jungen Menschen zum extravertierten Mann und allmählich wieder zurück in die Introversion. Klingt melancholisch obwohl ich mich, anders als die Ratte in dem Einspieler, nie von Äußerlichkeiten habe treiben lassen. Aber gut wollte ich immer sein, ohne großartige Anstrengung, ohne Überstunden und ohne Arschkriecherei. Ist mir phasenweise sogar gelungen. So in etwa sieht die Folie aus auf der ich zurzeit lebe.
DT: Chapeau, mein Lieber! Wenn du heute in dich hineinspüren würdest, heute am 22.02.2025, wie fühlt sich das an? Was fühlst du?
(Ralph grübelt und schweigt – guter Zeitpunkt, den Ältesten in der Runde zu fragen)
DT: Heraklit, du bist, ich muss es so sagen, einiges älter als Ralph – wie geht es dir heute?
Heraklit: Im Großen und Ganzen gut. Schon während der letzten Reinkarnation im antiken Griechenland, damals in Ephesos verstand ich nichts; weder warum die Menschen taten, was sie taten, noch ihre Tendenz, sämtliche Verantwortung von sich zu schieben. So war klar, dass ich meine gesamte Lebenszeit, der Dunkle genannt werden musste, weil ich grimmig dreinschaute und wenig erfreulich, wenig Erbauliches über die Menschen, mich eingeschlossen, sagen konnte.
Was so nicht ganz stimmt, ernst war ich wohl, aber nicht „dunkel“, aber gut, sei’s drum. Heute kann man den Eindruck bekommen, dass die Menschen die Gleichen geblieben sind, zwar von mehr Technologie umgeben, aber dafür deutlich unfreier, wie ich es so erlebe.
Dr.Ralph Hannes: Kann dir nur beipflichten; ich kenne natürlich die damalige Zeit nicht, aber selbst von den 68iger-Zeiten zu heute, gibt es eine stetig wachsende Datenerfassung, von Amtswegen, oder heute automatisch durch unsere digitalen Spielzeuge; es muss uns zwangsläufig unfreier machen, wenngleich auf indirekte Weise.
DT: Du bist promovierter ,Naturwissenschaftler und Psychologe, eine interessante Mischung. Wie kam es dazu? Was hat dich daran fasziniert?
Dr.Ralph Hannes: Natur hat mich schon immer fasziniert. Das muss wohl in meiner DNA sein. Insbesondere die Verhaltensforschung. Damals gab es die populäre Kontroverse zwischen Konrad Lorenz (Instinkt) und den Anhängern der Lerntheorien, ob tierisches, auch menschliches Verhalten, eher angeboren oder erlernt ist. also habe ich Biologie und Psychologie studiert.
Heraklit: Verstehe ich gut. Auch mich verbrannte die Neugier von innen. Wie verrückt rannte ich in der Natur rum, beobachtete, bis mir die Augen aus dem Kopf fielen, während ich wohlhabende Familien und deren Kinder unterrichtete. Meine einzige Einnahmequelle, weil ich ansonsten nichts hatte, oder konnte.
DT: Da scheinen wir drei was Gemeinsames zu haben. Ralph, du hast dich in den letzten 40-50 Jahren, intensiv mit der menschlichen Psyche beschäftigt, insbesondere Besonderheiten / dem Gebiet des menschlichen Suchtverhalten. Was kannst du über uns Menschen sagen? Wissen wir, was wir tun?
Dr. Ralph Hannes: Oh Gott. Jetzt kommt die Weltformel. Jeder Jeck ist anders. Selbst physikalische Gesetze haben eine Halbwertszeit. In meiner Arbeit galt das Motto: Ich erfinde in jeder Stunde Therapie neu. Ich arbeite (das gilt auch im privaten Bereich) quasi sokratisch, hypothesenfrei …
Heraklit: Ach, sieh an – so bin ich auch immer herangegangen, allerdings beanspruche ich deswegen noch lange nicht, der Erfinder zu sein. Thales von Milet und auch Chilon von Sparta haben so gearbeitet ….
Dr. Ralph Hannes: Sucht ist einfach Teil unserer DNA. Menschen (übrigens auch alle höheren Tiere) sind biologisch süchtig nach Rausch. Das Gehirn reagiert bei geeigneter Stimulation mit der Ausschüttung von endogenem Morphium. Das reicht um Sucht-Verhalten zu begründen. Ob wir wissen, was wir tun? Ja, aber wir wissen oft nicht wer, welcher Teil von uns das will und was der Teil eigentlich will, wissen wir noch viel seltener. Dieser Gedanke ist therapeutisch äußerst produktiv. Man kann ihn aber auch im Alltag gewinnbringend anwenden. Führt er doch beharrlich durchgeführt, zu den letzten Zielen hinter den Zielen und die sind immer positiv......!
DT: Man kann die heutige Welt, im Jahre 2025, will sagen, unsere moderne Zivilisation Durchaus als Schlachthaus, oder als Paradies erleben. Wie erlebt ihr sie? Damals, versus heute?
Dr.Ralph Hannes: Zivilisation - ich weiß nicht. Dafür haben wir zu viele Schlachtfelder unvorstellbaren Leids auf der Welt. Da war die Atmosphäre in den 1970er Jahren, insbesondere durch die Entrümpelung der 68er wesentlich zivilisierter, zumindest im sog. Westen. Alles was irgendwie sinnstiftende Wirkung entfaltet: Job, Familiengründung, Exkursionen in die Natur usw. liegt im Alter von 78 Jahren weitgehend hinter mir. Trotzdem hat sich in den vergangenen 45 Jahren vieles verändert. Internet, soziale Medien releasen niederste Instinkte, Trump und Putin, Krieg in unserer Nähe, AFD, Arbeitsverdichtung,
Burnout , Rassismus, Terror. Diese ganze Melange verändert unsere Zivilisation in Richtung Aggressivität, Hektik, Egozentrik und multiplen Ängsten.
Heraklit: Hm, bei mir sind die Unterschiede, damals versus heute natürlich noch mal wieder ganz anders; ohne jetzt zu sehr ausufernd drauflos zu trompeten, würde ich sagen, dass damals alles lokal vor deinen Augen, in deiner Polis, deinem Dorf passierte und stattfand; heutzutage weiß man quasi in Echtzeit, was auf der Welt los ist; mich erschreckt und überwältigt alleine schon die schiere Menge an Information, die mir die modernen Medien in den Geist pusten; aber vermutlich ist es halt wie ich damals sagte – alles fließt – nicht ist von Dauer; vermutlich ist es heute weder schlechter, als damals, nur anders; wir wachsen in unsere Zeit hinein.
DT: Kann euch nur zustimmen; man bekommt oft den Eindruck von einer Art "völligen Enthemmung" der Menschen, wie Ralph es nannte, dass "entfesseln" niederster Instinkte. Von Sodom und Gomorra, oder Dantes Purgatorium will ich nicht gleich sprechen, aber ich denke oft an diese beiden Metaphern - was mich zu einer weiteren Frage führt, die, wie ich finde, eng mit diesem ganzen Komplex verbandelt ist. Ihr habt Menschen in schwierigen Zeiten beraten, habt ihnen geholfen; ihr habt selbst, das lässt sich kaum verleugnen, wenn man älter als 50, 60 gar über 70 wird, so manches Hoch und Tief erlebt. Was hat euch immer wieder ermutigt weiterzumachen? Seid ihr Reinkarnationen von König Sisyphos, oder was?
Dr.Ralph Hannes: Immer wieder Anlauf genommen, zu erreichen, was mir wichtig war: Liebe, Excellenz im Job, Verbundenheit mit anderen Menschen und der Natur.
Heraklit: Leben an sich empfand ich schon damals als ein ungeheures Geschenk, gleichzeitig aber auch Verantwortung, dass ich mich verpflichtet fühlte, wie schlimm es auch immer kam, und es kam ziemlich schlimm, trotzdem, oder gerade deswegen, durchzuhalten und weiterzumachen; lediglich meine letzte damalige Idee, mich unter den Misthaufen zu legen, die war ziemlich blöd!
DT: Wie ihr beide wisst, du ganz besonders, Heraklit, waren die alten Griechen der Meinung, dass Charakter etwas ist, was man sich antrainiert, man wählt quasi seine Werte aus und verhält sich danach, also man wurde zu etwas hin-konditioniert, oder hat es selbst angenommen. Ich meine sogar gelesen zu haben, dass der Mensch, wenn er zur Welt kommt, ein weißes Blatt Papier ist. Es gibt genetische Einflüsse, aber die machen maximal 25% aus, was aus meiner Sicht eventuell erklärt, warum wir Menschen nach Orientierung suchen, weil wir sie uns nie selber geben können. Wie auch sonst sollte man das Gute erkennen, ohne das Schlechte zumindest ein wenig erlebt zu haben? Oder wie bei Temperaturen: Was ist eine Angenehme? Wir wissen es nicht, bis wir heiß und kalt kennen; was denkt ihr beiden darüber?
Dr. Ralph Hannes: Jetzt lasse ich dir aber den Vortritt …
Heraklit: Na gut, einverstanden. Charakter bedeutet mehr oder weniger in deutscher Sprache, Prägung. Da steckt Einiges drin, was du eben sagtest. Ich leitete damals ein paar Grundelemente ab, um sie in menschliches Temperament zu überführen. Es hat mir viel Kopfzerbrechen bereitet, Empedokles hat es dann später besser integriert, wie sich Feuer, Erde, Wasser und Luft im Menschen wiederfinden lassen, was wir dann die Lehre der vier Körpersäfte nannten, sprich gelbe Galle, für Feuer (Cholera) gleichzusetzen mit feurigem Verhalten, schwarze Galle, mit Melancholia, dem Schwermütigen, dem Geerdeten, also der Erde entsprechend, Blut mit der Luft und Schleim mit Wasser. Aus diesen vier Elementen, besteht das individuelle Temperament, der Rest ist Prägung, aber auch Entscheidung, meine Wahl, wer ich sein will, je nachdem wie gut es mir gelingt, das zu erkennen und frei zu wählen. Alte Mechanismen und Verhaltensweisen sind traditionell schwer abzulegen, oder sich abzugewöhnen. In anderen, meinen Worten: Niemand kann seine Verantwortung von sich schieben und sagen, ich bin unschuldig. Noch dazu empfinden wir, Ralph nannte das „Sensorik“. Wir haben Gefühle, mehr als nur eine Ahnung für die Dinge. Vielleicht hat man das heute verlernt, mit der vielen Technik, die die Menschen umgibt …
Dr. Ralph Hannes: Ihr alten Griechen habt schon versucht viel zu bedenken; heute sind wir über 2000 Jahre weiter. Und auch heute gibt es immer wieder Ideen und Gewissheiten die verworfen werden, weil es immer neue, immer mehr Fragen gibt. Um Gutes erkennen zu können brauchen wir nur ein Sensorium das uns angenehme Gefühle beschert. Das bemerkst du dann. Auch wenn du vorher noch nie Hitze und Kälte erfahren hast.
DT: Ihr kennt das Stück "Das letzte Band / Crapps last tape" das Theaterstück von Samuel Beckett, wo ein, sagen wir Rentner, eine ganze Reihe von Audiotapes durchsieht, zum Teil anhört und mit Selbstgesprächen sein Leben reflektiert, ein Stück mit ziemlich viel Tiefgang, wie ich finde. Kommt dir dein eigenes Leben heute manchmal ähnlich vor?
Dr. Ralph Hannes: Die Antworten auf deine Fragen können jeweils ganze Bücher füllen. Ich schreibe, also bin ich? Und was ist, wo bin ich, wenn ich gerade mal nicht schreibe? Usw...
Heraklit: Denken entfernt uns von unserem Selbst, von unserer Natur … Wir müssen Maß halten, mit der Grübelei, sie bringt uns sonst nicht weiter … Es gibt nun mal nicht auf Alles Antworten, heute genauso wenig, wie damals, zu unserer Zeit …
DT: Ist das nicht herrlich? Sich Gedanken machen zu können......welch Geschenk …
Dr. Ralph Hannes: Aber wo führt das hin? Ich fürchte irgendwann - in den Wahnsinn. Man muss nur dranbleiben. Wer immer strebend sich bemüht, denk an den hebephrenen Kerl in Cochem und oder Van Gogh …
DT: Gute Frage! In den Wahnsinn (V.Gogh / Faust) oder in die Glückseligkeit. (Cochem): Als steile These könnte man es wie folgt formulieren … Wenn man glaubt, alles verstehen und beantworten zu müssen, dann führt es vermutlich tendenziell eher in den Wahnsinn. Wenn man die vielen Fragezeichen ertragen kann, sie vielleicht sogar als Erleichterung / Glück ansieht, DAS man so viel nicht weiß, nie wissen kann, dann kann es sich auch unglaublich erleichternd anfühlen, man könnte sogar einfach als Epikur-Freund / Hedonist das Leben genießen, sich daran erfreuen … Wir landen eventuell wieder dort, wo schon Heraklit und Sokrates vor über 2400 Jahren waren …
Dr. Ralph Hannes: Soll ein ziemlich verwahrloster Kauz und wohl auch natur-bekloppter Sonderling gewesen sein. Was man über ihn weiß stammt nur aus Berichten von Zeitgenossen. Für mich war der sokratische Dialog stets eine höchst produktive Technik.
Heraklit: Wenn ich dir zuhöre, dürfte das auch für mich zugetroffen haben, nur ist davon kaum was erhalten, will sagen, niedergeschrieben worden. So zu tun, als wisse man nichts, dementsprechend unbelastet Fragen zu stellen, die Welt um uns herum zu beobachten, kann nur ein Gewinn sein, denn man muss wissen …
Dr. Ralph Hannes: Es kommt mal wieder darauf an, wie Herr Epiktet sagte, auch schon so lange her: Es sind nie die Dinge/Situationen selbst, die uns ängstigen, sondern immer die Art wie wir darüber denken. Dann kann es in den Wahnsinn oder in die Glückseligkeit führen. Beide sehen den selben Film. Was für ein Spielraum, den wir da haben …
DT: Ganz genau und was für ein unendlicher Themenkomplex … Ein Abend, nein, natürlich viel mehr noch als das, in Wahrheit eine mehr als nur ein Leben füllende Thematik, wie du schon zum Anfang sagtest … Ich finde wir landen immer wieder bei der Sprache … Ohne sie können wir uns nicht verständigen … Seit vielen Jahren lese ich immer wieder, das uns Sprache alleine nicht hilft, jemand anderen zu verstehen … Wir müssen immer den Menschen im Gesamtkontext sehen, wie es ihm geht, wo er sich befindet, mental und physisch, um zu wissen, was er wirklich meint und nicht nur entschlüsseln, was er sagt, nicht zu vergessen: Unterschiedliche Werte und Kulturen … Manches ist doch kaum in Worte zu fassen, geschweige niederzuschreiben … Grenzt es da nicht manchmal an ein Wunder wenn wir Menschen uns verstehen? Hat die jahrelange Arbeit mit Menschen eure Wortschätze und Horizonte erweitert, euch fühlbar bereichert? Oder muss man eure Arbeit weniger poetisch verklärt betrachten, eher praktisch wie ein Handwerker, der seine Werkzeugkiste öffnet und dann loslegt?
