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Gibt es eine zweite Chance für die erste Liebe einer Lady?
Die charmante Regency Romance voller Gefühl und Humor
Für die Leserinnen ihres beliebten Magazins Goodes Leitfaden für Verfehlungen ist „Mrs. Goode“ eine Expertin in allen häuslichen Angelegenheiten. Haushaltsführung, Wohnkultur, Unterhaltung … es gibt nichts, wozu sie keine Meinung hat. Wer könnte dem Earl of Bennett, der zum Vormund seiner Nichte und seines Neffen ernannt wurde, besser dabei helfen, sein Haus in ein Heim zu verwandeln?
Die verwitwete Lady Tabetha Manwaring ist alles andere als eine ehrwürdige Expertin in der Haushaltsführung. Doch ausgerechnet Tabetha soll sich im Auftrag der wahren Autorin der Zeitschrift als Mrs. Goode ausgeben. Widerwillig stimmt sie zu und muss dann überrascht feststellen, dass der Auftraggeber kein geringerer als Kit Killigrew ist, ein Freund aus Jugendtagen. Und alte Gefühle und eine neue starke Anziehung flammen auf …
Kit Killigrew, der neue Earl of Bennet, ist der Frau seiner Träume nach Jahren der Trennung endlich wieder nah. Doch kann die wachsende Liebe der beiden auch nach der Enthüllung von Tabethas falscher Identität bestehen?
Erste Leser:innenstimmen
„Die Funken zwischen Tabetha und Kit sprühen von der ersten Begegnung an – ein wahrer Genuss für Regency-Fans!“
„Ein wunderbar witziger und romantischer Regency-Roman mit einer charmanten Heldin und einer herzergreifenden zweiten Chance für die Liebe.“
„Die Idee mit der vorgetäuschten Identität und den süßen, chaotischen Kindern hat mich sofort begeistert. Eine herzerwärmende Liebesgeschichte.“
„Dieser historische Liebesroman hat alles: Witzige Dialoge, knisternde Anziehung und eine Heldin, die man einfach lieben muss.“
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Seitenzahl: 153
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Für die Leserinnen ihres beliebten Magazins Goodes Leitfaden für Verfehlungen ist „Mrs. Goode“ eine Expertin in allen häuslichen Angelegenheiten. Haushaltsführung, Wohnkultur, Unterhaltung … es gibt nichts, wozu sie keine Meinung hat. Wer könnte dem Earl of Bennett, der zum Vormund seiner Nichte und seines Neffen ernannt wurde, besser dabei helfen, sein Haus in ein Heim zu verwandeln? Die verwitwete Lady Tabetha Manwaring ist alles andere als eine ehrwürdige Expertin in der Haushaltsführung. Doch ausgerechnet Tabetha soll sich im Auftrag der wahren Autorin der Zeitschrift als Mrs. Goode ausgeben. Widerwillig stimmt sie zu und muss dann überrascht feststellen, dass der Auftraggeber kein geringerer als Kit Killigrew ist, ein Freund aus Jugendtagen. Und alte Gefühle und eine neue starke Anziehung flammen auf … Kit Killigrew, der neue Earl of Bennet, ist der Frau seiner Träume nach Jahren der Trennung endlich wieder nah. Doch kann die wachsende Liebe der beiden auch nach der Enthüllung von Tabethas falscher Identität bestehen?
Deutsche Erstausgabe März 2025
Copyright © 2025 dp Verlag, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH Made in Stuttgart with ♥ Alle Rechte vorbehalten
E-Book-ISBN: 978-3-98998-753-1
Copyright © 2023, Susan Kroeg Titel des englischen Originals: Nice Earls Do
Published by Arrangement with KENSINGTON PUBLISHING CORP., NEW YORK, NY 10018 USA Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30161 Hannover.
Übersetzt von: Jeanette Mey Covergestaltung: ArtC.ore-Design / Wildly & Slow Photography unter Verwendung von Abbildungen von: shutterstock.com: © Elenamiv, © PhiloPhotos, © faestock periodimages.com: © Mary Chronis, VJ Dunraven Productions & PeriodImages.com Korrektorat: Katrin Ulbrich
E-Book-Version 09.05.2025, 15:58:22.
Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.
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Zum Auftakt dieser neuen Reihe danke ich meiner Agentin Jill Marsal, die mich während der Zeit des Schreibens unterstützt hat, Esi Sogah, die mir geholfen hat, diesen Traum zu verwirklichen, und Liz May, die den Ball über die Ziellinie trug. Auch meinen Autorenfreundinnen im Drawing Room für historische Liebesromane schulde ich Dank: Amy fürs Zuhören, Lesen und alles andere; meiner Mutter, meiner Tochter und vor allem meinem Ehemann, die mich unerschütterlich dazu ermutigen, meinen Traum zu leben, und dafür, dass sie weitergemacht haben, als mein Zeitplan alles auf den Kopf gestellt hat.
Und natürlich danke ich all meinen Lesern.
An Brad,
meinen Helden
Kit hatte den Brief schon mindestens ein Dutzend Mal gelesen. Ein erneuter Blick darauf würde ihm nichts Neues verraten – nicht zuletzt, weil er seine Lesebrille unten vergessen hatte. Unruhig zog er das Papier dennoch aus seiner Brusttasche und entfaltete es.
Das Kauderwelsch kaum leserlicher Worte hätte genauso gut zu dem anderen, ähnlich lebensverändernden Brief gehören können, den er vor fast einem Jahr erhalten hatte, als man ihn über den Tod seines jüngeren Bruders in Kenntnis setzte.
Diese Nachricht war keineswegs überraschend gekommen. Ein Leben voller Rebellion und Risikofreude konnte zu keinem anderen Ergebnis führen. Dennoch hatte Kit Edmunds Verlust betrauert, und er tat es immer noch. Die Welt hatte einen ihrer Sterne verloren. Edmunds Gaben hätten zu einem besseren Zweck dienen können. Damals wie heute war Kit dankbar, dass seine Eltern nicht erlebt hatten, wie es ihrem Liebling ergangen war.
Verloren in seinen Gedanken hörte er nicht, wie Mrs Rushworth den Raum betrat.
„Lord Stalbridge?“, fragte die Haushälterin besorgt.
Kit faltete den Brief zusammen, steckte ihn wieder in seine Tasche und sah sie kurz an, bevor er seine Aufmerksamkeit auf die Kisten und Verschläge richtete, die sie umgaben – verschiedene Überbleibsel aus dem Leben eines anderen Mannes. „Ich möchte, dass dieses Zimmer leergeräumt, gründlich geschrubbt und wieder in Ordnung gebracht wird, Mrs Rushworth.“
„Natürlich, Mylord“, antwortete sie und neigte den Kopf. Aber sie drehte sich nicht sofort um und ging. Das hatte er auch nicht von ihr erwartet. „Darf man fragen, warum?“
Der frühere Earl, ein entfernter Cousin, den Kit nie kennengelernt hatte, war ein bekannter Reisender und Sammler gewesen. All seine Schätze wurden im obersten Stockwerk von Ferncliffe aufbewahrt. In den vier Jahren, die vergangen waren, seit er sein unerwartetes Erbe angetreten hatte, war Kits Aufmerksamkeit auf andere Teile des Anwesens gerichtet gewesen. Dem Haus selbst hatte er wenig Aufmerksamkeit geschenkt, schon gar nicht diesem Raum. Er hatte ihn nicht gebraucht. Bis jetzt.
„Weil das Kinderzimmer bald belegt sein wird, Mrs Rushworth.“
„Oh?“ Spekulatives Interesse ersetzte die frühere Besorgnis in Mrs Rushworths Stimme.
„Edmunds Kinder werden Ende des Monats hier einziehen“, erklärte er. Schweigen lag in der Luft und vermischte sich träge mit den Staubmotten. „Ich bitte um Verzeihung, Mylord“, sagte sie schließlich, „ich wusste nicht, dass Ihr Bruder sich eine Braut genommen hat.“
Kit räusperte sich. Die Ehrbarkeit der Haushälterin passte noch besser zu ihr als das anthrazitfarbene Wollkleid, das sie trug. Wenn er nicht aufpasste, würde sie kündigen – oder ihn zumindest das Kinderzimmer allein aufräumen lassen.
„Das hat er“, erwiderte er, zweifelte jedoch selbst am Wahrheitsgehalt seiner Aussage. Wahrscheinlich hatte die Trauung unter den wachsamen Augen des Vaters eines armen Mädchens stattgefunden – oder vor dem Lauf seines Jagdgewehrs oder der auf ihn gerichteten Spitze eines Schwertes.
„Die Kinder und ihre Mutter lebten mit Edmund in Sizilien“, erklärte er und tätschelte den Brief in seinem Mantel. „Während sie ihn pflegte, ist sie an demselben Fieber erkrankt und starb einige Monate später. Ihre Freunde wussten zunächst nicht, wem die Kinder übergeben werden sollten.“ Das einzig Erstaunliche daran war, wie viel Zeit verstrichen war, bevor ihn jemand gebeten hatte, einen weiteren – und hoffentlich letzten – Schlamassel seines Bruders aufzuräumen.
Zu seiner Überraschung seufzte Mrs Rushworth. „Dann sind die armen Dinger Waisen.“
„Ja.“ Kit betrachtete den trostlosen, schmutzigen Dachboden. „Ich würde gerne einen angemessenen Empfang für meine Nichte und meinen Neffen arrangieren, Mrs Rushworth.“
„Natürlich, Sir“, sagte sie, obwohl die enorme Größe der Aufgabe etwas von ihrer üblichen Zuversicht zu nehmen schien. Von seiner eigenen ebenso.
Wie konnte ein Mann von fünfundvierzig Jahren, ohne Ehefrau und Heiratsabsichten, ohne Erfahrung in der Erziehung und mit einem Haus, in dem selbst er sich nicht willkommen fühlte, zwei kleinen Kindern das Heim geben, das sie brauchten?
„Sie brauchen Mrs Goode“, erklärte die Haushälterin.
War das wieder einer von Mrs Rushworths Verkupplungsversuchen? Seit er den Titel geerbt hatte, wies die Haushälterin gnadenlos auf die Notwendigkeit einer Lady Stalbridge hin.
Kit hatte der Ehe zwanzig Jahre zuvor abgeschworen, als das Mädchen, das er liebte, einen anderen geheiratet hatte. Er hatte gelernt, zu lächeln, zu nicken und ihr sanftes Drängen höflich zu ignorieren.
Diesmal aber platzte er heraus: „Wie bitte?“
„Mrs Goode“, wiederholte Mrs Rushworth, als wäre die Identität der Frau offensichtlich. „Von Mrs Goodes Leitfaden für die Haushaltsführung“, fügte sie zur Erklärung hinzu, obwohl sie sichtlich erstaunt schien, überhaupt eine solche abgeben zu müssen. Schließlich zwang sie sein verwirrter Gesichtsausdruck, ihre Niederlage einzugestehen. „Es ist ein Buch, Mylord. Sehr populär. Unverzichtbare Ratschläge, wie man den Haushalt führt, gestaltet und für jeden Gast oder Anlass vorbereitet.“
„Ah. Schade, dass diese Mrs Goode nicht persönlich zu uns kommen kann.“ Kaum hatte er den Scherz ausgesprochen, sah er sich ernüchtert im Raum um. „Wir brauchen alle Hilfe, die wir bekommen können.“
Mrs Rushworth machte ein Geräusch, dessen Bedeutung für ihn nicht zu entziffern war. „Ich kümmere mich sofort darum, Sir.“ Sie verbeugte sich und eilte dann davon.
Obwohl der Winterwind durch das zerbrochene Fenster pfiff und die Luft um ihn herum abkühlte, blieb Kit auf dem Dachboden. Er dachte nicht an die Arbeit, die vor ihm lag, sondern an Edmund und die Abenteuer, die sie in einem solchen Raum erlebt hätten, als sie noch kleine Jungen waren. Damals war seine größte Herausforderung gewesen, seinen Bruder vor Schnittwunden, Splittern und Rissen in seiner Kleidung zu bewahren. Die Leute – und auch er selbst – sahen in Kit Killigrew immer einen ernsten, berechenbaren, geordneten Mann.
Warum war dann in seinem Leben nichts so gelaufen, wie er es geplant hatte?
***
Tabetha Holt Cantwell, Dowager Viscountess Manwaring, starrte auf das graue Pflaster drei Stockwerke tiefer und seufzte. London im November stellte ihre Geduld auf die Probe. Ihre Freunde hatten sich längst zu den Herbstvergnügen aufs Land zurückgezogen, und die Weihnachtsfeiertage ließen noch Wochen auf sich warten. Sie lief Gefahr, der Ennui zu erliegen.
Um die Wahrheit zu sagen, allmählich fiel es ihr ebenso schwer, die Langeweile in den anderen elf Monaten des Jahres zu bekämpfen.
Zu Beginn ihrer Witwenschaft hatte London eine unvergleichliche Anziehungskraft gehabt. Der Landsitz ihres verstorbenen Mannes, in dem sie den größten Teil der zwanzig Jahre verbracht hatte, besaß nicht einmal eine Bibliothek. London aber bot Theaterstücke, Vorträge, Bücher und Menschen. Sie hatte die Freuden der Stadt verschlungen wie eine hungrige Frau, der man einen Teller Windbeutel vorsetzt.
Und jetzt hatte sie Bauchschmerzen.
Am anderen Ende des Raums stieß ihr Stiefsohn Oliver, Lord Manwaring, einen ähnlichen Seufzer aus. Oder vielleicht sollte man das Geräusch, das er gemacht hatte, besser als Keuchen bezeichnen. Oliver hatte einen Hang zum Dramatischen, das war klar. Als sie zum Fenster gegangen war, hatte er müßig in seiner Korrespondenz geblättert. Er war nicht die Sorte junger Mann, die sich über die Post echauffierte.
Jedenfalls brachte das Geräusch sie dazu, sich umzudrehen. Normalerweise war seine Körperhaltung träge, in diesem Moment aber saß er so kerzengerade, wie sie es noch nie gesehen hatte, auch wenn er den Kopf über einen Brief gebeugt hielt. Nein, zwei Briefe, einer in jeder Hand. Während sie ihn musterte, knüllte er die Papiere in einer Faust zusammen und fuhr mit den zitternden Fingern der anderen Hand durch seine dunkelbraunen Locken.
Sie begann, auf ihn zuzueilen, doch dann zwang sie ihre Schritte zu einem mäßigeren Tempo. Sie war so lange Olivers Beschützerin gewesen, zuerst vor seinem Vater und später vor dem Rest der Welt, dass der Impuls, ihm die Haare aus der Stirn zu streichen und seine Probleme zu lösen, zur zweiten Natur geworden waren. Manchmal vergaß sie, dass er nun ein erwachsener Mann war und die Einmischung vielleicht nicht mehr schätzte.
„Was gibt es, mein Lieber?“
Sie musste die Frage wiederholen, bevor er von den Papieren aufsah, und als er es tat, funkelten seine braunen Augen fast schon wild. „Es scheint, als wäre ich in Schwierigkeiten geraten, Mamabet“, sagte er und verzog die Lippen zu einem selbstironischen Lächeln.
Er hatte den Namen für sie am zweiten Abend ihrer Bekanntschaft ausgesucht, indem er die Anrede, auf die sein Vater bestanden hatte, mit einer Kurzversion des Namens kombinierte, die Familie und Freunde immer verwendet hatten.
Sie hatte Oliver erlaubt, sie im Privaten so zu nennen.
Tabetha legte eine Hand auf die geschwungene Lehne eines grün–gold gestreiften Sessels.
„Welche Art von Schwierigkeiten?“
„Die Art, die dem Namen von Manwaring schadet, fürchte ich.“ Er unterstrich den Satz mit einem humorlosen Lachen.
Schädlich für den Namen Manwaring. Der Satz seines Vaters – sie hatten ihn beide oft genug gehört. Er bezog sich auf Olivers Verhaltensweisen, auf sein mangelndes sportliches Können und seine Abneigung gegen das Schießen mit dem Gewehr, und in letzter Zeit auf sein Versäumnis, eine Braut zu wählen und seine Pflicht dem Titel gegenüber zu erfüllen. Olivers Wünsche und sein zukünftiges Glück interessierten seinen Vater nicht.
Der verstorbene Lord Manwaring war beileibe kein idealer Ehemann gewesen, aber für Oliver war er ein wahrhaft schrecklicher Vater.
Sie hatte ihn geheiratet im Besitz aller wünschenswerten Fähigkeiten, die eine junge Dame erwerben konnte – Tanzen, Zeichnen, moderne Sprachen – und mit einer klaren Vorstellung von dem, was von ihr erwartet wurde.
Zumindest hatte sie das gedacht.
Wie sich herausstellte, waren die Bücher über Philosophie, die sie aus der Bibliothek ihres Vaters gestohlen hatte, und die Versteckspiele, die sie mit den Nachbarskindern gespielt hatte, eine bessere Vorbereitung gewesen. Der alte Viscount hatte sie nur aus einem Grund geheiratet: um einen zweiten, akzeptableren Sohn zu zeugen. Tabetha, die Kinder sehr mochte und sich auf die Mutterschaft gefreut hatte, beklagte nicht, dass sie ihrem Mann nicht das geben konnte, was er sich am meisten wünschte. Nach seinem Tod hatte sie die Riten vollzogen, die die Gesellschaft erwartete, aber im Herzen trauerte sie nicht um ihn.
Oliver lehnte sich in seinen Sessel zurück, dem Gegenstück zu dem, an dem Tabetha jetzt lehnte, und legte ein Bein über die gepolsterte Armlehne. Seine Haltung glich seiner üblichen entspannten Pose, nur der tödliche Griff um die Briefe verriet ihn.
„Sie haben von Mrs Goodes Leitfaden für die Haushaltsführung gehört?“, fragte er und wich ihrem Blick aus.
Tabetha gehörte zu der Sorte Mensch, die die Entscheidung über den wöchentlichen Speiseplan gerne ihrer Haushälterin überließ. Sie war lieber Gast denn Gastgeberin. Und als es darum ging, das gemeinsame Stadthaus neu zu dekorieren, hatte sie Oliver freie Hand gelassen.
Dennoch hätte man schon in einer Höhle leben müssen, um nicht von Mrs Goodes Ratgeber gehört zu haben. Nicht nur aufgrund seiner Allgegenwärtigkeit, sondern auch wegen der Kontroverse, die er ausgelöst hatte, indem er die Geheimnisse eleganter Dekoration und der Gaumenfreuden für jeden zugänglich machte, der sich das Buch leisten konnte: Sechs Schilling für die Broschüre, zehn Schilling und sechs Pence für ein gebundenes Exemplar.
Wer hätte gedacht, dass Haushaltsführung eine solche Leidenschaft wecken könnte?
Sie nickte, und obwohl Oliver sie nicht wirklich ansah, schien er ihre Antwort vorausgesehen zu haben.
„Nun, dies“, sagte er und schob mit dem Daumen den obersten Brief nach vorn, „ist von einer treuen Leserin, der Haushälterin eines unverheirateten Herrn, der kürzlich zum Vormund der Kinder seines verstorbenen Bruders ernannt wurde. Sie sagt, er würde bei der Vorbereitung seines Kinderzimmers von Mrs Goodes Hilfe profitieren.“
„Und was, wenn ich fragen darf, hat das mit dir zu tun?“ Während sie sprach, trat Tabetha um den Sessel herum und setzte sich, da sie befürchtete, Olivers Antwort könnte dies erfordern.
Er schenkte ihr ein schiefes Lächeln und zuckte mit einer Schulter. „Ich bin Mrs Goode.“
Ihr Mund öffnete und schloss sich wieder, als würde das Scharnier ihres Kiefers von einer Feder angetrieben, über die sie keine Kontrolle hatte. Aber es kamen keine Worte. Nur ein ersticktes Geräusch des Erstaunens entrang sich ihrer Kehle.
„Das heißt“, fuhr er fort, ohne zu bemerken, dass sie aussah, wie ein Fisch, der auf dem Trockenen nach Luft schnappt, „ich habe den Leitfaden für die Haushaltsführung geschrieben.“
Mit noch immer aufgerissenen Augen sah sich Tabetha im Raum um. Vor vier Jahren, nach dem Tod ihres Mannes, hatten sie und ihr Stiefsohn sich nach einer Veränderung gesehnt. Oliver hatte vorgeschlagen, in das selten genutzte Stadthaus der Familie am Berkeley Square umzusiedeln, und versprochen, dass es bezugsfertig wäre, wenn ihre Trauerzeit vorüber war. Schon immer hatte er ein Gespür für Farben und Textilien gehabt, dafür, den Dingen ein besonderes Flair zu geben – sehr zum Leidwesen seines Vaters. Tabetha hatte zugestimmt, auf dem Land zu bleiben, während Oliver jedes Material und jeden Stoff aussuchte. Er hatte die Handwerker beaufsichtigt. Und er hatte das Abenteuer in einer Reihe amüsanter Briefe an sie festgehalten, die den langen, tristen Winter erträglich machten.
Vielleicht hätte seine Enthüllung über das Buch sie nicht so überraschen dürfen, wie sie es tat.
„Weiß es sonst noch jemand?“, fragte sie und richtete ihren Blick wieder auf ihren Stiefsohn.
Seine Lippen verzogen sich zu einem vorwurfsvollen Lächeln, das ein Grübchen in einer seiner Wangen zum Vorschein brachte, als ob er ahnte, dass sie die Antwort bereits kannte. „Nicht einmal mein Verleger. Wir haben über Pläne für einen zweiten Band verhandelt.“
Er hielt ihr die beiden Briefe hin. „Und bevor diese Pläne umgesetzt werden, besteht er darauf, dass Mrs Goode nach Hertfordshire geht. Er glaubt, es wäre eine ausgezeichnete Werbemaßnahme.“
Tabetha überflog die Briefe. Die Drohung – wie könnte man sie sonst nennen? – war nicht explizit. Aber offensichtlich hing die Bereitschaft des Verlegers, Olivers zukünftiges Werk zu kaufen, davon ab, ob Mrs Goode dieser, dieser … Bitte nachkam. Sie vermutete, dass es zumindest zum Teil ein Schachzug war, um die Identität von Mrs Goode aufzudecken. Aber der Verleger würde nicht zufrieden sein mit dem, was sein kleiner Plan hervorbringen würde.
Es war nicht der Fakt, dass Mrs Goodes Leitfaden von einem Mann geschrieben worden war. Gentlemen mischten sich immer in die Angelegenheiten der Damen ein, sagten ihnen, was sie tun, anziehen oder kaufen sollten. Dass ein Mann ein Buch mit Ratschlägen zu solchen Themen vorlegte, war nicht weiter bemerkenswert. Aber Gentlemen hatten sich nicht für solche weiblichen Kleinigkeiten wie Wohnkultur, Rezepte und Pelzmäntel zu interessieren. Wenn sich herumsprach, dass Oliver Mrs Goodes Leitfaden aus echter Begeisterung für das Thema geschrieben hatte, würde er mit Spott, Hohn oder Schlimmerem rechnen müssen. Er wäre gezwungen, eine weitere seiner Leidenschaften aufzugeben, nur, damit andere in Frieden leben konnten.
„Was wirst du tun?“
Er zuckte mit den Schultern, als wäre ihm die Angelegenheit völlig gleichgültig, so als stünde nicht ein Teil seines Glücks auf dem Spiel.
Sie hatte dieses Achselzucken schon einmal gesehen.
„Ich werde an deiner Stelle gehen“, bot sie voreilig an. „Ich kann vorgeben, Mrs Goode zu sein.“
Eine seiner Augenbrauen schoss in die Höhe. „Sie wissen, dass ich Sie liebe, Mamabet. Aber nein, das können Sie nicht.“
Zögerte er um ihretwillen oder um seiner selbst willen? Wollte er sich nicht an einer Täuschung beteiligen, die dem Charakter seiner Stiefmutter schaden könnte? Oder fürchtete er, dass ihr Geschmack so abscheulich war, dass Mrs Goodes guter Ruf ruiniert würde?
„Wir könnten uns einen Vorwand einfallen lassen, damit du mich begleiten kannst“, schlug sie vor. „Auf diese Weise könntest du immer noch alle wichtigen Entscheidungen treffen, während ich nur die öffentliche Rolle spiele.“
„Wenn ich in der Lage und geneigt wäre, mich als Zofe zu verkleiden“, spottete er, „könnte ich wohl auch eine passable Mrs Goode abgeben.“
„Nicht als mein Dienstmädchen“, sagte sie, richtete sich auf und begann, umherzulaufen. „Als mein … mein Bräutigam?“
Er schürzte die Lippen, und Abscheu durchzuckte seine geschmeidige Gestalt.
„Mein Diener also. Oder – oh, ich weiß! Mein Sekretär! Sicherlich beschäftigt jemand, der so erfolgreich ist wie Mrs Goode, einen Sekretär?“
