Zwischen den Zeiten - Roland Schmutz - E-Book

Zwischen den Zeiten E-Book

Roland Schmutz

0,0
9,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Was wäre wenn sich zwei Zeiten treffen. Irgendwo in Zeit und Raum passieren Dinge, welche Zukunft und Vergangenheit beeinflussen. Mia gelangt durch ein Wetterphänomen der Zukunft nach 1999 und erlebt unglaubliches. Zeit und Raum verschmelzen zu einer spannenden Reise zurück. Sie lernt das Las Vegas 1999 kennen und lieben. Mia findet ihre Liebe auf einer romantischen Reise auf der Highway No 1. Spannung, Romantik und vielleicht der Beginn eines neuen Zeitalters. Der letzte Teil der Brangolion Sage verspricht unverhoffte Wendungen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



WIDMUNG

für Tanja und Tobias

Ich liebe Euch ewig!

Zwischen den Zeiten

Dritter Band der Brangolion Saga

Roland Schmutz, 2021

Kapitelübersicht

*

Irgendwann im Nirgendwo

*

Auf Brangolion im Sommer 2106

*

Der Weg

*

Das Leben auf Brangolion

*

Keine Pause

*

Kinderträume

*

Schule

*

Zeitlos

*

Rückblick Dezember 2101

*

Las Vegas

*

Das Auftauchen von Jenny Schatz

*

Zimmer No. 751

*

Eine unglaubliche Geschichte

*

Zimmer No. 751 am nächsten Morgen

*

Ägyptologie

*

Die neue Welt

*

Das Tor zur Zeit

*

Die Vorzeit

*

Jeder braucht einen besten Freund

*

Die Notlüge

*

Der Plan

*

Babyträume

*

Im Dschungel

*

Wasser, was für Wasser

*

Mias Weisheit

*

Der Plan für die Zukunft

*

Der Code

*

Im Dezember 1999

*

Die Biegung der Zeitkurve

*

Berkeley, 26. Dezember 1999

*

Hotel Ambassador Hiatt San Francisco

*

US-Navy Base Helseacomatron 3 San Francisco

*

Carmel und der Highway No. 1

*

Szenarien

*

Half Moon Bay

*

Der plötzliche Wechsel

*

Der Morgen des 29. Dezember 1999

*

Der Blitz

*

Monterey

*

Ferne Lichter

*

Big Sur

*

Der Tag der Tage

*

22.54 Uhr

*

22.58 Uhr

*

22.59 Uhr

*

Die Reise

*

Das Tagebuch der Zukunft

*

Irgendwann im Nirgendwo

*

Sie stand da, alleine. Die Kleider waren nass. Die leichte Schminke, welche sie heute Morgen auftrug, lief ihr von den Augenwinkeln über die Wangen und verschmierte den Kragen ihrer hellen Bluse. Es regnete Bindfäden vom grauen Himmel und nirgends war ein Mensch zu sehen. Sie stand irgendwo, im Nirgendwo.

Mia war es gewohnt alleine zu sein. Sie war es auch gewohnt, unübliche Situationen zu meistern. Doch sie war es überhaupt nicht gewohnt aufzuwachen, stehend, komplett durchnässt, an einem Ort wie diesem.

Mitten in einer unbekannten, unwirtlichen Steppe, an einer verlassenen Strassenkreuzung, mit nur einer unaufhörlich, flackernden Strassenlampe. „Wieso flackert die nur so?“ fragte sie sich mehr im Unterbewusstsein, als dass es sie wirklich störte. Es war vermutlich mitten in der Nacht. Sie hatte nichts bei sich ausser ihrer Kleider, welche sie am Leibe trug. Wie sie schnell feststellte, trug sie auch keine Kommunikationsgeräte mehr auf sich. Sie, welche sonst immer pingelig genau alle notwendigen Geräte und Sensoren einpackte. Mia war sich ziemlich sicher heute Morgen alles ordentlich eingepackt zu haben. Doch ihre Taschen waren leer. Träumte sie?

Sie zwickte sich in den linken Oberarm, es schmerzte spürbar und sie wachte nicht auf.

Also war es real. Obwohl Realität und Fiktion sich heute faktisch verschmelzen. Bilder der digitalen Brillen und unsichtbaren Screens vermischen sich mit der realen Umwelt. Dies ist im Jahre 2106 überall anzutreffen. Man wird mit Fiktion berieselt, so aber auch konstant kontrolliert.

Da stand sie nun, an einem ihr unbekannten, einsamen Ort. Von einer Sekunde auf die Andere. Irgendwie musste sie ja hierhin gelangt sein. Doch weit und breit war weder jemand zu sehen, noch zu hören.

Keine Spuren, kein weit entfernter Klang. Totenstille. Für Mia völlig ungewohnt.

Wie wenn sie hier einfach angeknipst wurde.

Peng, und da steht sie.

Sie war kein Mensch, der sich vor lauter Langeweile mit der virtuellen Fantasie beschäftigte. Sie ging niemals in diese Läden, wo einem eine schräge und unmögliche Realität vorgespielt wird.

Wirklich niemals?

Leicht panisch, was ihr völlig ungewohnt war, begann sie auf der Strassenkreuzung hektisch im Kreis zu laufen. Wurde ihr hier möglicherweise etwas vorgespielt? Ist sie gerade jetzt in einem dieser Läden, angeschlossen an eine Virtual Reality Fiktion?

Nein, sie war sich sicher. Sie stand real, hier und jetzt, auf dieser Strasse. Denn sie konnte sie riechen und fühlen.

Wobei Strasse ein fast zu edler Ausdruck war. Der Boden war aufgeweicht, erdig, matschig und in keiner Weise eben. Die Kreuzung glich eher einem breiten, zerstampften Feldweg. Keine Bodenmarkierungen, keine Verkehrstafeln. Nur eine einsame, unaufhörlich flackernde Lampe, mit einem sonderbaren, grün schimmernden, fahlen Licht.

Mia blickte in die Ferne und sah in allen vier Himmelsrichtungen nur den schwachen Schimmer des Horizontes, durch den dichten, unaufhörlichen Nachtregen.

Tränen vermischten sich mit den Regentropfen.

„Wo bin ich hier nur gelandet?“ dachte sie sich und wischte sich die salzigen Tränen aus den Augen.

Auf Brangolion im Sommer 2106

*

Die Sonne scheint über Brangolion. Nathalie und ich, Steven McFerry, wohnen nun seit zwei Jahren im umgebauten Gästehaus nicht weit entfernt vom Haupthaus von Brangolion.

Christopher Lafayette, Nathalies Vater, hat uns zusätzlich noch einen grossen Aussenpool bauen lassen. Auch seine Angestellten könnten wir anfordern. Doch Nathalie und ich wollen möglichst selbständig und eigenständig leben. Selbst kochen, putzen, waschen und alles, was eben zu einem normalen Leben so dazugehört. Wir wollen keine Putzclons und auch keine Bedienstetenroboter nutzen. Seit dem Fund des Pads meines Urgrossvaters, bin ich völlig fasziniert vom Leben anno 2000. Alles war da noch so echt und handfest. Keine Algorhythmen und keine allgegenwärtige Kommunikationstechnologien. Einfach Vintage. Mein Ziel ist es, Traditionen wieder zum Leben zu erwecken um den Lebensstil von damals kennenzulernen.

Heute, im Jahre 2106 laufen die Dinge kontrolliert und komplett durchorganisiert ab. Keine Zufälle, aber auch keine Einfälle mehr. Ich möchte dies, zumindest in meinem Leben ändern. Spontanität und Kreativität gehörten bis anhin nicht unbedingt zu meinen Stärken. Nathalie ist dabei die treibende Kraft. Ihre Einfälle und spontanen Aktionen, vor allem unter der Dusche, sind manchmal doch sehr überraschend, aber nicht unangenehm.

Seit nun die Kinder da sind, ist dies allerdings zumeist wie ein Tanz auf dem heissen Eisen.

Die Kleinste, Lisa, die seit ein paar Wochen laufen kann, ist ein Wirbelwind und steht plötzlich im Badezimmer oder im Türrahmen zum Schlafzimmer. Patrik, der ältere der Zwillinge, ist da wesentlich ruhiger und bleibt in der Regel in seinem vertrauten Revier. Er beginnt erst jetzt langsam, sich vom Krabbeln in Richtung stehen zu begeben. Laufen will er irgendwie noch nicht. Er lässt sich Zeit und beschäftigt sich dafür viel intensiver mit Dingen. Dann ist da noch Juliette, die Erstgeborene. Sie hat etwas spitzbübisches und berechnendes.

Als älteste prescht sie immer wieder vor und lotet ihre Möglichkeiten aus. Darunter leidet vor allem Nathalie.

Seit meiner Einführung in den Rat der 27, am 2. Januar 2100 ist viel Zeit vergangen.

Nathalie und ich wurden im Dezember 2103 das erste Mal Eltern. Juliette ist der ganze Stolz von Granny Julie.

Anfangs hatte sie zwar ein wenig Mühe mit dem Wort Granny. Doch nun hat sie sich dran gewöhnt. Julie ist eigentlich keine Granny. Sie sieht eher aus wie die ältere Schwester von Nathalie.

Juliette hat viel von Julie. Nicht nur den Namen, auch ihr Wesen. Sie ist jemand, welche sofort im Mittelpunkt steht und alle schnell um den Finger wickeln kann. Einmal mit den Augen geklimpert und schon hat sie was sie will. Nathalie kann manchmal nicht glauben, dass Juliette von Julie so verwöhnt wird.

“Ich bekam als Kind niemals so viele Wünsche erfüllt” sprach sie fast ein wenig beleidigt in Richtung ihrer Mutter.

“Dies ist eben das Privileg der Grosseltern”

Nathalie blieb nichts anderes übrig als zu nicken und trottete wie ein begossener Pudel davon. Juliette, die kleine Hexe, wusste schon sehr genau, wie und wann sie zu ihren Wünschen kommen konnte. Und jetzt war Nathalie genau für einen Solchen reif.

“Mum, kannst du mir bitte ein megagrosses Eis mit Schokoladesauce machen. Ich hab dich so lieb.” Augenrollen, Wimpernklimpern, Schmollmünchen und schon stand das Eis vor ihr auf dem Tisch. Eben sehr berechnend und schlagfertig.

Kinder erkennen die Situationen sofort. Das hat so was von Ehrlichkeit, dass wir uns dies heute auch für die Gesellschaft zu Nutze machen. Wir lassen uns von Kindern beraten. Vielfach ist das naive und pragmatische Vorgehen nicht die schlechteste Option!

Für ein paar Minuten war Mum nun die Grösste. Tja, fünfjährige sind eben kleine, sehr liebenswerte Monster. Aber schon während des Eisessens gab es wieder Zoff.

Die Schokoladensauce war plötzlich überall. Auf den Kleidern, auf dem Tisch, auf dem Boden und leider auch auf dem neuen, mit Stoff bezogenen Barstuhl. Inklusive der Armlehnen.

“Juliette!” tönte es aus der Wohnküche. “Kannst du nicht einmal über dem Teller essen. Du bist wirklich ein kleines, nein, ein riesengrosses Ferkel. Wer putzt dies denn nun alles?”

Die Antwort kam blitzschnell aus Juliettes schokoladenverschmiertem Mund geschossen.

“Ruf doch Anna Rosa, sie ist ja dafür angestellt” “Juliette, reiss dich zusammen. Anna Rosa ist nicht deine persönliche Putze. Anna Rosa ist vor allem meine liebe Freundin.”

“Lass nur Nathalie, ich mach das gerne” antwortete Anna Rosa lächelnd.

Sie ist wirklich eine gute und geduldige Seele. Sie liebt Kinder, vor allem aber Juliette ganz besonders. Weil sie eben genau so ist, wie Nathalie mal war. Nur darf dies natürlich niemand jemals laut aussprechen.

Ich weiss es nur von Julies und Anna Rosas Erzählungen. Nathalie war schon als Kleinkind ein Hitzkopf und am liebsten immer und überall gleichzeitig.

Sie stand während des Essens am Tisch, weil sie schon während des Essens wieder etwas anderes in ihrem Köpfchen hatte. All ihre Taschen und Täschchen, sowie ihre Schränke, Schubladen und Tische überquollen vor Utensilien aller Art. Ein riesiges Durcheinander begleitete sie auf Schritt und Tritt. Man sagt wohl nicht umsonst, dass chaotische Menschen voll von Kreativität und Energie seien. Wenn dies zutrifft, so sind sowohl Nathalie und auch Juliette die fleischgewordenen Mustermenschen.

Das mit dem Aufräumen bei Nathalie klappte erst, als Juliette geboren wurde. Dann kam er, der allseits beliebte Mutterinstinkt. Jetzt hatte sie plötzlich auch all ihre Unordnung früherer Jahre vergessen. Mütter vergessen so etwas.

Na ja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Fast als ob sie meine Gedanken lesen konnte, giftete Nathalie mich an.

“Ich weiss genau was du denkst. Behalte es ja für dich.”

Anna Rosa und ich sahen uns an und lachten lauthals raus. Keiner aber gab einen Kommentar ab, sondern wir flüchteten in entgegengesetzter Richtung aus der schokoverschmierten Küche.

Juliette sass nur da und genoss weiterhin ihr Eis, welches nach wie vor über ihre Hände, auf den Küchentisch, über ihre Jeans bis auf den Boden tropfte. Ihr war irgendwie sauwohl dabei.

Und das war gut so.

Der Weg

*

Mia entschied sich, nach gefühlten hundert Runden, welche sie um die Kreuzung wanderte, einen der vier möglichen Wege zu nehmen. Aber welchen? Keiner der holprigen Pfade führte irgendwie sichtbar, irgendwo hin.

Alle Ziele am Horizont sahen genau gleich aus. Steine, Sand, Hügel, Himmel. Kein Zeichen von Leben oder gar Menschen und Siedlungen. Einfach nur Leere und Stille.

Genau diese Stille machte Mia Angst. An allen Orten die sie kennt, ist es nie derart ruhig. Es ist immer irgendwo etwas zu hören. Und wenn es nur das Geräusch eines unsichtbaren Kommunikationsgerätes war. Ein Solarfahrzeug, ein entferntes Piepen einer Ladestation oder das Surren einer Kamera. Aber hier war es aussergewöhnlich still.

Nur der eigene Atem und die eigenen Schritte im Sand. Es wirkt beängstigend. Die Stille schmerzte Mia fast. Immer wieder sprach sie mit sich selbst um sich zu überzeugen, dass sie nicht taub war.

Da Mia weder ein Kommunikaktionsarmband, noch eine GPS Brille auf sich trug, hatte sie keine Ahnung wo sie war. Aber auch nicht, welcher Tag oder welche Uhrzeit gerade war.

Sie entschied sich schliesslich, den Weg in Richtung der am weitesten entfernten Berge zu gehen. In der Hoffnung, dazwischen auf eine Siedlung oder ein funktionierendes Kommunikationsgerät zu treffen.

Mit dem Regen und dem Wind im Rücken liess sich dieser Weg auch am leichtesten angehen.

Mit grossen Schritten lief sie dem wohl grössten Abenteuer, welches ein Mensch je erlebte, entgegen.

Das Leben auf Brangolion

*

“Juliette bringt mich noch an den Rand eines Nervenzusammenbruchs” jammerte Nathalie.

“Sie hört einfach nicht auf mich”

“Reg dich nicht auf. Sie hat eben viel von Dir. Ich denke, deine Mutter hatte es mit dir auch nicht immer einfach.”

“Jaaaa, du hast ja Recht. Aber muss es denn immer solch ein Kampf sein?”

“Lass dich einfach nicht darauf ein. Bleibe cool und nimm alles nicht so ernst. Sie ist so warmherzig und verschmitzt wie du. Aber eben auch sehr stur und selbstsicher.”

Nathalie umarmte mich.

“Ich bin so froh, dass du hier bist. Du bist so anders. Du bist so geduldig. Ich liebe dich.”

Obwohl Nathalie eine unbeschwerte Kindheit genoss, hatte sie doch keine so grosse Bindung zu ihrem Vater. Dieser war mit dem Rat der 27 immer wieder tagelang beschäftigt, oder wochenlang unterwegs.

Juliette, ihre Mutter, versuchte ihr ein warmes Zuhause zu vermitteln. Die engste Bindung hatte sie allerdings mit Anna Rosa, ihrer Nanny und Sereina, der Sicherheitsverantwortlichen auf Brangolion. Anna Rosa war damals ganz jung zu den Lafayettes gestossen und befasste sich anfänglich ausschliesslich mit Nathalie.

Als Nathalie 3 Jahre alt war, wurde Anna Rosa gerade mal süsse siebzehn.

Jetzt hat Anna Rosa selbst eine kleine Familie und lebt nach wie vor auf Brangolion. Sie ist mehr Freundin als Hausangestellte und kümmert sich liebevoll um Juliette und die Zwillinge. Ihre beiden eigenen Kinder, Pablo und Shakira, wachsen mit unseren gemeinsam auf, sind aber ein paar Jahre älter.

Dazu kommen noch die drei Kids, Sahra, Jenny und Max, von Juanita und Carlos, den Sicherheitsberatern von Christopher und dem Rat.

Da auf Brangolion nun so viele Kinder gleichzeitig leben, hat Christopher beschlossen, eine richtige Schule mit zwei vollamtlichen Lehrkräften einzurichten.

Das funktioniert perfekt und alle Kids entwickeln sich prächtig. Brangolion ist jetzt eine grosse Familie.

In dieser weltweit wohl einzigartigen Schule, versuchen wir auch den Musikunterricht zu integrieren. Als Schulfach, wie jedes andere. Ohne Druck und ohne Hochbegabtenförderung. Wir wollen allen Kindern den Spass an der Musik, an Sport, an Geschichte und vielem Weiteren vermitteln.

Eine Hochbegabtenförderung schliesst alle anderen aus und hat das Ziel, nur die Besten zu Fördern. Wir schaffen es so, aus allen Kindern ein Orchester zu bilden, in welchem alle denselben Stellenwert haben. Keines der Kinder wird vorangestellt, keines hinten an.

Diese Lernmethode hatte schon mein Urgrossvater, anno 2015, gefördert und wollte diese institutionalisieren.

Leider aber entwickelte sich die Musik, die Musikausbildung und die Gesellschaft, zu einer Neid und Giergesellschaft, so dass die Kreativitätsklausel im Jahre 2040 durchgesetzt werden musste.

Mehr als 60 Jahre später, beginnen wir die Sache im Sinne von Linus Schatz nochmals von vorne.

Es scheint, als ob die Gesellschaft es nun annehmen könnte und weit weg von all dem Starruhm, eine musikbegeisternde Atmosphäre zu schaffen.

Musik gehört zu unserer Kultur, sollte aber auf keinen Fall wieder ein ausbeuterisches Geschäft werden.

Keine Pause

*

Während Mia der Strasse entlang lief, begann sie zu realisieren, dass hier weder Solarzellen, noch Drohnen, noch irgendwelche Hologramm-Leuchtschriften weit und breit zu sehen waren. Die Strasse war alt, teilweise geteert, dann aber wieder nur bestreut mit Splitt und Mergel.

Manchmal sah sie Getränkedosen oder Müll in der Steppe liegen. Ein ihr völlig ungewohntes Bild.

Sie lief, schnell, ohne Pause und kam doch nie irgendwo an. Einfach eine lange, gerade, öde, löcherige Strasse. Fast schien es, als ob sie niemals an ein Ziel kommen würde. Ein wahrer Albtraum. Ihre Gedanken arbeiteten wie wild.

Wie kam Sie hierhin?

Wieso kam sie hierhin?

Von wo kam sie hierhin?

Was war geschehen?

Wo war sie vor ein paar Stunden?

Alles schien verschwommen, alles weit weg, vergessen, nur noch schemenhaft vorhanden.

Während sie lief, versuchte sie das bruchstückhafte Puzzle ihrer Gedanken wieder zusammenzufügen. Irgendwie.

Sie glaubte sich zu erinnern, wo ihre letzte Erinnerung versteckt lag.

Sie verabschiedete sich von Richard und Martin, am Heliport nahe von Churchtown.

Es war spät. Nach der abenteuerlichen Flucht in einem Boot. Einer der Entführer fiel ins Meer den anderen konnte Martin knapp überwältigen.

Sie rannten vom Bootssteg via Strasse und Urwald in Richtung des vereinbarten Tricopterlandeplatzes. Schnell verabschiedeten sie sich und….

….was geschah dann?

Der Tricopter startete und flog in die Nacht. Dann wurde es dunkel um sie herum.

Mia erwachte hier an der Strassenkreuzung. Völlig alleine in einer ihr unbekannten Umgebung. Sie hatte sogar das Gefühl, es rieche hier anders. Die Erde auf der sie lief fühlte sich anders an und der Himmel leuchtete in anderen Farben.

Sie konnte sich an die Gesichter, ja sogar an den Duft von Treibstoff und feuchtem Wald erinnern. Kein anderer Mensch war dort. Nur der Pilot, Richard, Martin und sie.

Während sie dem Tricopter nachblickte, spürte sie von hinten, einen eiskalten Luftzug, welcher plötzlich, wie aus dem Nichts aufzog. Nur ein Bruchteil einer Sekunde, aber eiskalt.

Ihre Hände und Arme fühlten sich schlagartig taub an und ihr Nacken schmerzte vor tiefer, eisiger Kälte.

Dann kam der komplette Filmriss.