Zwischen Hölle und Himmel - Kevin Hauser - E-Book

Zwischen Hölle und Himmel E-Book

Kevin Hauser

0,0
8,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Ein authentischer und spannender Bericht eines Manisch-Depressiven. Nach acht "normalen" ersten Lebensjahren erkrankt Kevins Vater und der Junge durchlebt eine schwierige Zeit mit großen Qualen. Doch erst als Kevin selber manisch-depressiv wird, geht er wirklich durch die Hölle. Neben der kranken Seite erlebt er auch die große Faszination eines manischen Schubes, welcher oft von unfassbarer Energie und besonderen Fähigkeiten begleitet wird. Durch ein tiefes, dem Sterben nahes Ereignis entwickelt Kevin im Laufe der Zeit neue Sicht- und Verhaltensweisen, die ihm fast 30 Jahre lang Kraft geben, mit seinem außergewöhnlichen Leben klar zu kommen. Heute lebt er ein zufriedenes und erfülltes Leben. Die turbulente Zeit hat ihm Ruhe und Dankbarkeit geschenkt. Dankbarkeit für jeden neuen Tag.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 108

Veröffentlichungsjahr: 2015

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Impressum

Zitat

Einleitung

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

Dank

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2015 novum Verlag

ISBN Printausgabe: 978-3-99048-022-9

ISBN e-book: 978-3-99048-023-6

Lektorat: Mag. Barbara Büchel

Umschlagfoto: Kevin Hauser

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

www.novumverlag.com

Zitat

Immer ist die wichtigste Stunde die gegenwärtige.

Immer ist der wichtigste Mensch,

der dir gerade gegenüber steht.

Immer ist die wichtigste Tat die Liebe.

(Meister Eckhart, 1260–1327)

Einleitung

Ich kenne und begleite Kevin Hauser seit sehr vielen Jahren. Die meisten seiner schwierigen und teilweise unglaublich belastenden Erfahrungen habe ich aus nächster Nähe miterlebt.

Seinen Erzählungen zuhörend, sagte ich Kevin vor einigen Monaten, er solle doch seine Lebensgeschichte aufschreiben. Einige Wochen später erzählt er mir, er habe das Manuskript seinem Freund zum Lesen gegeben. Dieser habe, obwohl er als Nachbarskind Kevins Geschichte schon kannte, das Gelesene sehr spannend und teilweise genial gefunden. Ich konnte es kaum glauben, er hatte sich tatsächlich während einiger Ferientage hingesetzt und seine Geschichte einfach aufgeschrieben.

Es lohnt sich tatsächlich sehr, all diese Geschehnisse und Situationen aus erster Hand, nämlich dem tatsächlichen Erleben eines Betroffenen, geprägten und gebeutelten „Manisch-Depressiven“ zu erfahren. Als Folge habe ich viel über die Krankheit und die Auswirkungen auf seine Geschwister, seinen Arbeitsplatz, seine Freunde und auf alle, die ihn begleiteten oder ihm geholfen haben, gelernt.

Nun einmal zu erfahren, wie ein Betroffener seine Krisen und wie er darin seine Umwelt erlebt, hat mich tief berührt.

Kevin beschreibt seine Erlebnisse auf klare und reduzierte Weise und ohne zu jammern. Das macht diese kleine Geschichte spannend und einfach zum Lesen bis zum Schluss. In Wahrheit habe ich mehr als einmal während seiner „Schübe“ nicht mehr an eine mögliche Erholung geglaubt.

So traf ich ihn zum Beispiel in Spanien, dem Tode nahe, in der Psychiatrischen Klinik an, er atmete kaum noch, war natürlich nicht mehr ansprechbar und ohne jede Regung. Er hatte wohl Widerstand geleistet, und so wurde er mit seinem großen, starken Körperübersediert. Ich dachte, dass er jetzt sterben würde. Nach meiner Intervention bei der Abteilungsleitung erhielt er eine Spritze, die ihn wieder beleben sollte. Dies geschah dann wirklich. Innerhalb einer Viertelstunde war er unglaublich manisch, schrie herum und schmiss Nachttische an die Wände des Großraums. Ein paar Tage später konnte er dann von der Rega abgeholt werden und ich selbst fuhr sein Auto nach Hause in die Schweiz.

Hätte ich dies alles nicht selbst miterlebt, würde ich eine solche Geschichte, auch eine solch extreme Wirkung von Medikamenten, nicht für möglich halten.

Ich freue mich von Herzen, dass es Kevin nun seit Jahren besser geht, wissend, dass das Gespenst dieser Krankheit nach wie vor und wahrscheinlich sein ganzes Leben lang in der Nähe herumgeistert. Sein Leben bleibt geprägt von dieser Tatsache.

Alle, die Kevin kennen, mögen ihn und seinen charmanten, freundlichen Umgang mit seiner Familie und seinen Freunden und Kollegen am Arbeitsplatz. Es hoffen alle für ihn, dass sich sein Wunsch, gesund zu bleiben, als Anerkennung all seiner Anstrengungen erfüllt.

Paula Keller

1. Kapitel

An einem warmen Spätsommertag erblickte ich das Licht der Welt. Ich wurde in eine liebevolle kleine Familie geboren. Eine Schwester war schon da. Und eine zweite folgte ein gutes Jahr später. Anfangs – im Kleinkinderalter – war unsere Familie intakt und meine Startbedingungen waren vielversprechend.

Wir wohnten damals in einem kleinen Quartier, umgeben von saftigen Wiesen. Inmitten lag ein Weiher, der im Sommer von Schilf umsäumt war. Im Winter wurde er von den Erwachsenen gestaut, sodass man Schlittschuh laufen konnte. Die Leute kamen von der näheren Umgebung, um diesem Vergnügen zu frönen. Auch ich besaß Schlittschuhe, mit denen ich unzählige Runden gedreht habe. Auf einem Hügel in unmittelbarer Nähe stand ein Reservoir. In der kalten Jahreszeit wurde dort – zur Freude von Groß und Klein – ein kleiner Skilift betrieben.

Im nahegelegenen Wald verbrachten wir einen großen Teil unserer Freizeit. Wir bauten eine Baumhütte und wir schwangen uns mit den Lianen weit über dem Boden in die Höhe. Wir alle hatten aber Respekt vor einer imaginären Bande, die in diesem Dickicht anscheinend ihr Unwesen trieb.

Um aufzuwachsen, kann ich mir noch heute keinen schöneren Ort vorstellen. Jede Spielmöglichkeit und überhaupt alles, was sich ein Kind wünscht, war in unmittelbarer Nähe.

Als ich acht Jahre alt war, begann mein Vater zu trinken. Gleichzeitig wurde er krank. Schlagartig war meine wohlbehütete Kindheit vorbei. Nun folgten Jahre der Angst, des Terrors und der Schmerzen. Während mein Vater regelmäßig meine Mutter schlug, verschonte er indes uns Kinder. Bis auf das eine Mal, als ich mich zwischen meine Eltern stellte, um meine Mutter zu schützen. Da traf mich seine Faust mitten im Gesicht.

Meine Schwestern und ich waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Wir hielten zusammen. Und wir hielten zu Mutter, die ich Zeit ihres Lebens geliebt und verehrt habe. Für meinen Vater habe ich jahrelang gebetet. Inzwischen aber drohte unsere Familie auseinanderzufallen. Ich habe sehr gelitten!

Als ich zehn Jahre alt war, wurde mein Bruder geboren. Und zwei Jahre später noch ein Bruder. Beide sind nicht mit uns aufgewachsen.

In dieser Zeit wurde ich vom Pfarrer gefragt, ob ich mich in den Dienst der Kirche stellen möchte. So wurde ich für drei Jahre Ministrant. Dies war eine gute Zeit für mich. Ich hörte etwas über Jesus und fühlte mich aufgehoben und geborgen wie in einer großen Familie. Da wir Ministranten auch an Beerdigungen dienten, wurde ich durch dieses Ehrenamt schon früh mit dem Tod konfrontiert. Die erfreulicheren Anlässe waren die Hochzeiten und da war ich gerne mit dabei.

In der Schule fühlte ich mich recht wohl. Ins Zeugnis der ersten Primarklasse schrieb die damalige Lehrerin: „Kevin hat keine Mühe, mit dem Dargebotenen fertig zu werden. Während er im Schriftlichen überaus sicher und selbstbewusst ist, hält er sich im Mündlichen eher zurück. Schuld daran wird sein ‚S‘-Fehler sein.“ Bei dem von der Lehrerin vermerkten Sprachfehler handelte es sich allerdings um mangelndes Selbstvertrauen. Denn vor versammelter Klasse etwas vorzulesen oder meine Meinung zu äußern, erwies sich als überaus schwierig für mich und bereitete mir jedes Mal einiges Kopfzerbrechen. Unsicherheit war mein ständiger Begleiter. Trotzdem brachte ich immer ausgezeichnete Zeugnisse nach Hause.

Mein Vater jedoch zeigte nie eine Reaktion. Die anerkennenden Worte – die ich mir so sehr gewünscht hätte und die mir viel bedeutet hätten – blieben aus. Vom Lernen aber hielt mich nichts und niemand ab.

Seit mein Vater mit dem Trinken begonnen hatte, ging ich immer angsterfüllt zur Schule. Er hatte schon mehrere Unfälle mit seinem Motorrad gehabt.

Meine Mutter verrichtete Reinigungsarbeiten und ermöglichte uns somit Annehmlichkeiten, die mir aus heutiger Sicht zwar sehr bescheiden vorkommen, die ihr aber bestimmt einige Opfer abverlangt hatten.

Eines Tages feierte meine Heimatstadt ein großes Jubiläum. An der Tombola setzte ich einen Franken ein und gewann ein Transistorradio. Voller Stolz ging ich nach Hause, um die Errungenschaft meinem Vater zu zeigen. Ich hoffte auf seine Anerkennung und dachte, er würde sich mit mir freuen. Doch er hob seine Faust und zerschlug mein Radio in seine Einzelteile. In diesem Moment ist ein Teil von mir abgestorben und die ohnehin schwache Beziehung zu ihm wurde noch gestörter.

2. Kapitel

Mein bester Freund war Pascal. Er wohnte im selben Haus und war zwei Jahre älter als ich. Pascal hatte alles, was mir fehlte: eine intakte Familie, ein eigenes Zimmer unter dem Dach, Spielsachen zuhauf und einen Hund. Fast etwas neidisch beobachtete ich, dass sein Vater die Freizeit oft und gerne mit seinen Kindern verbrachte und viel mit ihnen unternahm. Vor allem aber war der Tisch der Nachbarsfamilie immer reichlich gedeckt, sodass alle satt wurden. Die Familie von Pascal wurde zu meinem Zufluchtsort. Gerne und häufig verweilte ich dort, oft auch während mein Vater, der immer aggressiver wurde und die meiste Zeit betrunken war, unsere Wohnung demolierte. Unter welcher Krankheit er litt, wusste ich damals noch nicht. Auch ahnte ich nicht, welche große Bedeutung sie einst für mich selber haben sollte.

Wieder wurde es Weihnachten. Für mich immer eine schwierige Zeit. Nicht nur, weil wir keine Geschenke bekamen, sondern weil mein Vater wieder zuviel getrunken hatte. Nichtsdestotrotz schmückten wir Kinder den Weihnachtsbaum, derweil Mutter etwas Feines kochte. Nach dem Essen versammelten wir uns im Wohnzimmer, ein Zimmer, das wir Kinder sonst nicht betreten durften. Wir versuchten Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Dann, als mein Vater in einem plötzlichen Anflug von Aggression den Baum packte und ihn durchs geschlossene Fenster warf, verstand ich die Welt nicht mehr und wusste nicht, wie mir geschah. Weihnachten nahm ein jähes Ende.

Es war an einem Montagmorgen desselben Winters, als ich aufwachte, weil meine Mutter fürchterlich weinte. Sie stand im Korridor, in den Händen ihr Wintermantel. Das Futter war herausgerissen und beide Ärmel herausgetrennt. Sofort erkannte ich den Übeltäter dieses Werkes. „Warum um Himmelswillen ruiniert mein Vater auch noch die einzige Winterbekleidung meiner Mutter?“, die sie, wie ich wusste, dringend für ihre Arbeit benötigte.

All diese Jahre flüchteten meine Schwestern, meine Mutter und ich jeweils am Wochenende zu meiner Großmutter. Bei ihr gefiel es mir. Sie lebte allein auf einem ehemaligen Bauernhof und hatte Hühner. Mein Grosi hat ausgezeichnet gekocht. Ich liebte ihre Knöpfli mit einem Stück Fleisch, etwas, das wir zu Hause nie bekamen. Sie war die Güte und die Zufriedenheit in Person. Noch heute erfüllt mich tiefe Dankbarkeit, wenn ich die Familie meiner Mutter beobachte. Ich glaube, dass ich vor allem von dieser Seite meine gesunden Anteile bekommen habe.

Bevor wir jeweils wieder nach Hause zurückkehrten, bekam ich große Angst. Ich nehme an, dass es meinen beiden Schwestern Ursula und Karin ähnlich erging. Unsere Mutter ließ sich nichts anmerken, sie war immer sehr tapfer. Nur wenn wir zu Hause eintrafen und die Lebensmittel aufgegessen waren, die noch für ein paar Tage hätten reichen sollen, weinte sie bitterlich. Um uns ernähren zu können, musste sie oft um Geld betteln. In diesen Jahren habe ich manchmal Hunger gehabt.

Trotzdem habe ich immer für meinen Vater gebetet. Ich stellte mir vor, mit achtzehn Jahren alles zu verstehen. Bis dahin sollte der liebe Gott doch bitte dafür sorgen, dass nichts Schlimmes passiere.

Es war die Zeit, wo uns ab und zu die Polizei besuchte, während Ursula, Karin und ich bei den Nachbarn auf dem Sofa saßen und weinten.

Auch der Pfarrer ermahnte meine Eltern mehrmals. Damals hatte die Kirche noch Einfluss, doch bei uns veränderte sich nichts, im Gegenteil. Vater wurde immer hartherziger, gewalttätiger und kränker.

Wenigstens hatte ich noch Pascal und seine Familie. Oft gingen wir mit seinem Hund Lumpi spazieren, wobei wir höllisch aufpassen mussten, da er schon einigen Damen den Rock zerrissen hatte. Auch Jeans-Hosen hatte Familie Gubser schon bezahlen müssen. Überhaupt war er zwar ziemlich bissig, anscheinend war er vom ehemaligen Besitzer geschlagen worden. Ich aber liebte den Umgang mit Tieren, die in mir schon damals tiefe Gefühle der Freundschaft auslösten. Pascal und seiner Familie bin ich zutiefst dankbar. Ohne diese Momente des Glücks und der Geborgenheit hätte ich die damalige Zeit wohl kaum überstanden.

In unserem schönen Quartier lebten viele Kinder, mehrere jeder Altersklasse. Auch mit Lukas, dem jüngeren Bruder von Pascal, verbrachte ich viel Zeit. Er war ein wildes Kind und kassierte dementsprechend Strafen. Ich hingegen war sehr zurückhaltend, schüchtern und ernst. Wann immer möglich waren wir zwei zusammen unterwegs. Im Sommer war der große Weiher bewachsen und diente uns als Versteck. Die Schilfrohre benutzten wir für unsere Bogen, die wir im nahegelegenen Wald gefunden hatten. Als in der Nachbarschaft ein Haus gebaut wurde, fanden wir Bretter. Daraus bauten wir mehrere Flösse, um auf dem Weiher in See zu stechen. Natürlich zog ich manchmal einen Schuh heraus, auch das gehörte dazu.

Unsere Umgebung lieferte auch das richtige Equipment, um Steinschleudern zu bauen. Lukas hatte immer alte Veloschläuche zur Hand, aus denen wir dann unsere Bewaffnung bastelten. Im Quartier hatten wir genügend Wiesen, wo wir Fußball spielen konnten oder Völkerball auf dem Parkplatz oder Skifahren auf dem Hang nebenan. Mir hat das aber keinen Spaß gemacht. Meine Schuhe waren viel zu groß und ich hatte stets kalte Füße. Außerdem waren die Skier im Vergleich mit denjenigen der anderen uralt.

Oft und mit Freude denke ich an die paradiesische Umgebung meiner Kindheit zurück. Dank Pascal, Lukas und der ganzen Familie Gubser konnte ich in ein Stück heile Welt eintauchen und der harten Realität für kurze Zeit entfliehen.