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Nach fast 35 Jahren Erfahrung als Privatanleger stellt sich der Autor der Frage, warum der finanzielle Erfolg in der erhofften Dimension ausgeblieben ist. Stellvertretend für viele Menschen werden drei Protagonisten durch verschiedene Möglichkeiten der Vermögensbildung begleitet. Siegfried, der einen geerbten Betrag anlegen möchte sowie Marcel und Ann-Kathrin, die monatlich etwas für die Altersvorsorge und die Ausbildung ihrer Zwillinge zurücklegen wollen. Anhand von 10 "Mythen der Geldanlage" werden Anlagestrategien an praktischen Beispielen überprüft, wobei immer wieder auf die drei Protagonisten Bezug genommen wird. Die untersuchten "Mythen" reichen dabei vom regelmäßigen Aktienfondskauf über "Insiderfonds", "Gold" und "Exotische Zertifikate" bis zu "Fremdwährungsanleihen". Die beiden Grundsätze des Buches lauten "Gelderhaltung ist am wichtigsten" und "Die Beschäftigung mit dem Vermögensaufbau darf nicht länger als 5 Minuten im Monat in Anspruch nehmen" - vorausgesetzt die grundsätzliche Strategie ist festgelegt. Der Text wird mit zahlreichen Abbildungen veranschaulicht und mit verschiedenen Rechenbeispielen untermauert. Die kurzfristige Spekulation ist nicht Bestandteil des Buches, sondern der langfristige, mindestens 10 Jahre umfassende Vermögensaufbau. Im Schlusskapitel erfolgt die Darstellung und Berechnung einer erfolgversprechenden Geldanlage als Quintessenz der "10 Mythen". Auch die Rolle des Glücks beim Vermögensaufbau bleibt nicht unerwähnt und die Erkenntnisse der Verhaltenspsychologie nach D. Kahneman sind ebenfalls eine steter Begleiter der einzelnen Kapitel. Informationen über steuerliche Aspekte der Investitionen bleiben bei allen Berechnungen und Vergleichen unberücksichtigt und bedürfen einer individuellen Prüfung.
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Seitenzahl: 163
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Volker Gerding
10 Mythen der Geldanlage
Weniger Fehler, mehr Erfolg bei der Vermögensbildung
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Statt eines Vorwortes - gleich zur Sache
Der 1. Mythos – Der Coast-Average-Effekt oder der Zaubertrick der regelmäßigen Geldanlage
Der 2. Mythos: Immer Stopp-Kurse setzen oder „Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen“
Der 3. Mythos: Es gibt Fondsmanager, die ein glückliches Händchen haben.
Der 4. Mythos „Es gibt Trendphasen“ („The trend is your friend“)
Der 5. Mythos „Deutsche Länder- und Staatsanleihen sind ein Fels in der Brandung“
Der 6. Mythos: „Rentenfonds sind eine sichere Anlageform“
Der 7. Mythos – „Insider wissen mehr“
Der 8. Mythos – „Gold, Gold, Gold“
Der 9. Mythos – „Manchmal muss man ausgetretene Pfade verlassen und neues wagen – mit exotischen Zertifikaten zum Renditekick“
Der 10. Mythos –„Es gibt einen Königsweg der Geldanlage“
Weniger Fehler, mehr Erfolg bei der Geldanlage
Der Kreis schließt sich, die Schlussbetrachtung
Das Schlussfazit
Anlagen
Bibliographie
Hinweise
Impressum neobooks
Börsenweisheiten allenthalben, alchimistische Ratschläge wie man durch Geld noch mehr Geld schafft, im Grunde alle ganz einfach, jeder Bankberater kann es, nur man selber scheint lediglich das richtige Händchen für den falschen Augenblick zu haben. Gerade ist der ideale Zeitpunkt gekommen, um in Aktien zu investieren, Anleihen in norwegischer Krone zu erwerben oder gar Fonds zu kaufen, die in Unternehmen investieren, die Seltene Erden fördern. Doch kaum ist die Order aufgegeben, die ersten Tage der erhofften, erzitterten Kurssteigerungen vorbei, schon fällt die Anlage schier ins Bodenlose, bis sie entnervt abgestoßen wird. Natürlich beginnt sie sich ein paar Tage später zu erholen und setzt nach einigen Wochen gar zu einer fulminanten Erholungsrally an….Nach fast 40-jährigem Handeln an der Börse als Privatanleger, einer Zeit in der Aktien, Fonds, Optionsscheine auf steigende und fallende Kurse und Zertifikate ge- und verkauft wurden erschien die Zeit reif für ein kurzes Innehalten und bilanzieren. Ein großer Erfahrungsschatz konnte gesammelt werden, das zumindest, doch der damals wie heute erhoffte monetäre Erfolg blieb dürftig. Dies führte zu der Frage warum die langfristigen Erfolge ausblieben. Welchen Verheißungen, Versprechungen, Ratschlägen, Tipps, ja Märchen, ist der Autor auf dem Leim gegangen, welchen psychologischen Fallstricken konnte er nicht ausweichen und wie kann wenigstens der Erfahrungsschatz genutzt werden - für Sie, liebe Leserin, lieber Leser, aber natürlich auch für den Autor selbst?
AEG
“Ich suche Unternehmen die ich verstehe und von deren Zukunft ich überzeugt bin“ so lautet eine der Weisheiten der Anlegerlegende Warren Buffet. Nehmen wir mal an, sie hätten 1976, wie der damals blutjunge Autor, gedacht, durch den Kauf von Aktien könnte das Geld, das zur Konfirmation geschenkt wurde, gewinnbringend angelegt werden. Warum nicht auf das Rennrad verzichten und ein schönes Motorrad zusammenspekulieren? Die Firma AEG galt damals als solide Weltfirma, deren Produkte den Alltag der Menschen bestimmten und nach einem Gang in die Bank, waren die ersten Aktien gekauft. Doch was passierte mit diesem Unternehmen, dass selbst von jungen Leuten verstanden wurde und von dessen Zukunft man genauso überzeugt war, wie von der eigenen?
15.01.1980(W). In Berlin findet eine ao. Hauptversammlung von AEG-Telefunken statt... Nach Auflösung der zum 31.Dezember 1978 vorhandenen Rücklagen von 499 Mio. DM bestand bei AEG-Telefunken ein Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals. …Die ao. HV beschließt folgende Maßnahmen die… rückwirkend im Jahresabschluss zum 31. Dezember 1979 wirksam werden:
- Kapitalherabsetzung in vereinfachter Form zur Deckung von Verlusten im Verhältnis 3:1, d.h. von rund 930 Millionen DM um 620 Millionen DM auf 310 Millionen DM ("Kapitalabschnitt");
- anschließende Kapitalerhöhung gegen Bareinlage im Verhältnis 1:1 bei einem Ausgabekurs von 150 DM je Aktie im Nennbetrag von 50 DM, d.h. eine Erhöhung des Grundkapitals von 310 Millionen DM auf 620 Millionen DM…
"Das Unternehmen geht Pleite, und der Finanzchef meldet sich krank Im Sommer 1982 überschlagen sich die Ereignisse. Am 21. Juni schockt Finanzchef Horst Brandt seine Kollegen: Mitte Juli werde die vorhandene Liquidität aufgebraucht sein. Einen Tag später tritt er „aus gesundheitlichen Gründen“ zurück….In den Folgemonaten schrumpft das Elektrokonglomerat. Von 32 auf 20 Geschäftsbereiche und von 123000 auf 73000 Beschäftigte verkleinert, überlebt das Traditionsunternehmen – vorerst.“ (DIE ZEIT)
Aus der Traum vom Motorrad, die Aktien sind verkauft, doch nicht viel später schreibt DIE ZEIT
„AEG-Aktionäre geschont
Wenigstens an der Börse hat AEG Telefunken an Renommee zurückgewonnen. Die Aktien des Unternehmens, die monatelang ein Schattendasein geführt hatten und an denen die Hausse spurlos vorüberzuziehen schien, sind in den letzten Wochen sprunghaft gestiegen. Am Jahresschluß 1982 waren sie noch zum Preis von 28,10 erhältlich, inzwischen haben sie mehrfach die 80 Mark Notierung gestreift. Der Tiefstkurs des vergangenen Jahres, als noch offen war, ob ein Konkurs vermieden werden konnte, hatte bei 22 Mark gelegen. Wer damals an die Zukunft der AEG glaubte und ihre Aktien kaufte, kann auf einen Kursgewinn von rund 260 Prozent zurückblicken“.DIE ZEIT, 20.5.1983 Nr. 21
Das Traditionsunternehmen gibt es nicht mehr, Warren Buffet zum Trotz, dennoch wäre der eine oder andere Wunsch in Erfüllung gegangen, wenn man etwas Geduld gehabt hätte. Oder einfach nur Glück? Buffets Regel stimmte für mich nicht. Ein mutiger Anleger jedoch, der sich 1982 gedacht hätte, AEG, dieses Traditionsunternehmen kann doch nicht untergehen und nach 260 % Plus sich an die Weisheit „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden“ erinnerte, ja, der würde sagen, „Der alte Warren, das ist schon ein Fuchs“.
Sino Forest
Vor wenigen Jahren wollte der Autor nochmals einen Versuch mit der Warren Buffet Regel wagen und sie mit eigenem Wissen kombinieren. Durch aufmerksames Lesen der Wirtschaftswoche wurde die Aufmerksamkeit auf das in Kanada gelistete und in China agierende Unternehmen „Sino Forest“ gelenkt.
Die Ausgangssituation
Kaum noch Wald
„Holz ist knapp in China. Nur etwa 13 Prozent der Landfläche ist von Wald bedeckt, der weltweite Durchschnitt liegt bei 35 Prozent. Die chinesische Landbevölkerung deckt 40 Prozent ihres Energiebedarfs mit Holz. Das aber wird auch für die wachsende Produktion von Papier und Holzwerkstoffen benötigt.
Die Waldarmut macht China abhängig von Holzimporten. ..Das kanadische Forstunternehmen Sino-Forest hat diesen Trend früh erkannt. 1994 sicherte sich das Unternehmen für 50 Jahre umfangreiche Forstrechte im Süden Chinas. Sino-Forest bewirtschaftet dort auf einer Fläche von 318 000 Hektar Forstplantagen. Die Kanadier bauen schnell wachsende Holzarten an wie Eukalyptus, Pappel und Kiefer. Sino-Forest arbeitet in China von Beginn an profitabel. Nach neun Monaten 2005 stiegen die Erlöse um 61 Prozent auf 323 Millionen US-Dollar, die operativen Mittelzuflüsse erreichten 138 Millionen Dollar, der Reingewinn verbesserte sich um zwei Drittel auf 54 Millionen Dollar. ….Die Forstaktie ist zuletzt gut gelaufen, bietet aber weiter Potenzial. Anleger sollten eine Cash-Reserve zurückhalten, um bei Schwäche nachfassen zu können. (Wirtschaftswoche, 3.3.2006)
Für mich als gelernten Förster und interessiertem Anleger klang diese Geschichte plausibel und ich kaufte….
Kurze Zeit später jedoch fiel die Aktie und die Wirtschaftspresse lieferte die Begründung.
Peking „Eine Reihe von Skandalen hat das Vertrauen internationaler Anleger in chinesische Unternehmen untergraben. Es geht um die Buchhaltungspraktiken der Firmen. In den vergangenen Tagen haben sowohl die Aktien als auch die Anleihen der betroffenen Firmen dramatisch an Wert verloren.
... Eine Analysefirma hatte dem Forstkonzern allerdings vorgeworfen, den eigenen Waldbesitz in der Bilanz gnadenlos übertrieben zu haben. Seitdem sind die Aktien im freien Fall, haben rund 80 Prozent ihres Wertes eingebüßt“. (Handelsblatt 22.06.11)
„Sino-Forest beantragt Gläubigerschutz nach Muddy-Waters-Report
Der chinesische Holzkonzern Sino- Forest Corp. hat am späten Freitag Gläubigerschutz beantragt. Das Unternehmen plant nun eine Restrukturierung und prüft einen Verkauf.
Die Firma war im vergangenen Jahr ins Zwielicht geraten, nachdem der Leerverkäufer und Analyst Carson Block von Muddy Waters LLC ihr Betrug vorgeworfen hatte.
Block hatte in einer am 2. Juni veröffentlichten Studie erstmals öffentlich behauptet, die Waldbestände der Firma seien geringer als ausgewiesen.
"Es war fast ein kompletter Betrug von vorne bis hinten”, sagte Block in einem Interview im vergangenen Sommer, "von Anfang an haben sie ihre Waldbestände und ihre Holzverkäufe zu hoch angeben”. (Welt-online 03.03.12)
Abb.1: So kann die Anlage in einen vermeintlich sicheren Wert enden.
Die Protagonisten des Buches
Viele eigene Erfahrungen und Beobachtungen des Börsengeschehens, verbunden mit der aktuellen allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit, führten zu der Idee, plausibel klingende Erklärungen rund um die Geldanlage so zu hinterfragen, dass der Besitzer eines kleinen bis mittleren Vermögens vor existentiellen Fehlentscheidungen geschützt wird. Für den Autor ist eine existentielle Fehlentscheidung in Geldangelegenheiten dann gegeben, wenn die Altersvorsorge oder der Ausbildungsplan für die Kinder gefährdet ist oder sogar aufgegeben werden muss. Fehlspekulationen, wie die oben aufgeführten sind ärgerlich, aber auch lehrreich, sofern sich die Verluste im niedrigen Prozentbereich des Vermögens bewegen. Wenn Sie allerdings Ihren Kindern erklären müssen, dass Sie das Medizinstudium deshalb nicht unterstützen können, weil sie Ihr Geld windigen chinesischen Tricksern überlassen haben oder sie, lieber Leser, im Alter, nach vielen Jahren harter Arbeit, auf keine finanziellen Reserven zurückgreifen können, weil die schöne Seifenblase des Fonds-Prospektes doch geplatzt ist – dann stehen sie ernsten Problemen gegenüber.
Auch soll ein Weg aufgezeigt werden, wie ohne großem Zeitaufwand und umfangreichem Börsenwissen ein stetiger Vermögensaufbau möglich ist – sofern die ganz großen Katastrophen der Menschheit ausbleiben.
Das Ziel des Buches ist es, dass der weitaus überwiegende Teil der Geldanlage sehr sicher und quasi automatisch erfolgt. Für den kleineren Anteil des zur Verfügung stehenden Betrages sollennicht mehr als 5 Minuten im Monatverwandt werden. Dennoch soll dieser geringere Teil der Investition, bei begrenztem Risiko, einen wesentlichen Beitrag zur Ihrem Vermögensaufbau leisten.
Bei der Betrachtung der Mythen der Geldanlage oder den „geheimen Formeln des Börsenerfolges“ werden 2 Szenarien angenommen, die für viele Menschen in diesem Land einigermaßen realistisch erscheinen:
Szenario 1
Hildegard, 1923 geboren, leider im Jahr 2012 verstorben, ließ sich in ihrem Sparverhalten von ihren vielfältigen, oftmals nur schwer auszuhaltenden Lebenserfahrungen leiten und legte regelmäßig einen „Spargroschen“ zur Seite. Jupp, einer, der mit 14 seine Lehre im Stahlwerk begann, 50 Jahre ohne Krankheitstag arbeitete , konnte nicht mal mit seiner EC-Karte Geld abheben sondern überließ vertrauensvoll diese Aufgabe seiner Frau. Mehr Luxus als ab und zu einen Urlaub im Sauerland und zweimal Italien, alle 7 Jahre einen neuen Mittelklassewagen (schließlich wollte man auch zeigen, dass man es zu etwas gebracht hat…) versagten sich Oma und Opa jeglichen Luxus und so fiel Enkel Siegfried ein Erbe von 50.000 Euro zu.
Siegfried, 41 Jahre alt, ist verheiratet, 2 Kinder, die gerade mit dem Studium anfangen. Für das Studium hat Siegfried mit seiner Frau jeweils 15.000 Euro angespart und 30.000 sind aus einer Lebensversicherung fällig. Das Erbe und die jetzt fällig werdende Lebensversicherung will Siegfried als Altersvorsorge zurücklegen. Das heißt Siegfried, der die Finanzen in der Familie verwaltet (so ändern sich die Zeiten), hat einen Anlagebedarf von 80.000 Euro.
Szenario 2
Marcel und Ann-Kathrin sind beide 30 Jahre alt, haben gerade geborene Zwillinge, sind berufstätig und haben Eltern, die deutlich signalisieren, dass sich nicht arbeiten um zu vererben. Marcel und Ann-Kathrin, wollen (müssen) selbständig sowohl für ihre Altersvorsorge sorgen, als sich auch Gedanken um die Ausbildung ihrer Kinder machen. Gleichzeitig möchten sie selbstverständlich auch das Leben genießen und sich nicht allzu sehr einschränken. Nach verschieden Kalkulationen und Diskussionen kamen die Ehepartner überein, dass für die Altersvorsorge jeden Monat 200 Euro zurückgelegt werden und für jedes Kind nochmals je 100 Euro.
Der monatlich anzulegende Betrag beläuft sich somit auf 400 Euro, mit dem Ziel der Verfügbarkeit des Geldes für die Kinder in ca. 25 Jahren und des „Altersgeldes“ in 35 Jahren (Marcel und Ann-Kathrin sind mit hohem Optimismus gesegnet).
Bevor wir jetzt Siegfried, Marcel und Ann-Kathrin auf ihrem Weg durch die Mythen der Geldanlage folgen, möchte ich Ihnen die Grundgedanken dieses Buches vorstellen:
- Jegliche Kursentwicklung ist zufällig undniemandkann seriös eine Zukunftsprognose abgeben.
- Sie können über den von Ihnen angestrebten Anlagezeitraum sehr viel Pech haben, verdammt viel Pech.
- Ihr Eltern und Großeltern haben i.d.R. ihr Leben lang hart gearbeitet, sich das Geld auf dem Sparbuch manchmal buchstäblich vom Munde abgespart und jetzt haben Sie, aus Sicht des Autors, auch die moralische Pflicht, dieses Erbe nicht leichtfertig zu verspielen. Die Zukunft Ihrer Kinder hängt möglicherweise davon ab, wie Sie mit dem Ihnen anvertrautem Geld umgehen. Wie Ihr Partner und Sie selbst leben können, ob noch ein paar Extras zu finanzieren sind, die Sie die Beschwerden des Alters vergessen lassen oder ob Sie sich die Zuzahlung für die schmerzlindernden Medikamente leisten können, ist möglicherweise damit verbunden, wie sorgfältig Sie jetzt ihr Geld verwalten.
Daher gilt im diesem Buch:Gelderhaltung ist am Wichtigsten.
Die Candlesticks
Etwas muss an dieser Stelle noch erläutert werden.
Im Buch werden zur Verdeutlichung der Texte an zahlreichen Stellen Kursverläufe (Charts) mit Hilfe der sog. Candlesticks dargestellt werden.
Abb. 2: Japanische Candlesticks
Die aus Japan stammende Analysetechnik der Candlesticks ist bei vielen sogenannten Charttechnikern beliebt und lässt sich in den meisten Darstellungen von Kursverläufen einstellen.
In diesem Buch, in dem es nicht um Charttechnik geht, sollen die „Kerzen“ verwandt werden, um plastisch den Verlauf von Kursen z.B. innerhalb eines Tages, einer Woche oder eines Monats darzustellen.
Sie können, mit ein wenig Übung, auf einem Blick erkennen, wo der Kurs zu Tages-, Wochen- oder Monatsbeginn stand, welches sein höchster sowie niedrigster Kurs und war mit welchem Wert die Aktie, der Index, der Fonds den Monat beendet hat.
Auch die Dynamik des Kursverlaufes innerhalb z.B. eines Monats wird deutlich. Blieben die Kurse in einem engen Kursband, sieht man nur einen kurzen Kerzenkörper, schwankten die Kurse z.B. im Wochenverlauf heftig, so ist der Kerzenkörper sehr ausgeprägt.
Weiße Kerzen symbolisieren einen Kursverlauf, bei dem der Schlusskurs eines Zeitraumeshöherlag als der Anfangskurs, die Kurse somit gestiegen sind.
Schwarze Kerzen zeigen, dass der Schlusskursniedrigerals der Anfangskurs der zu Grunde liegenden Periode war, der Wert im beobachteten Zeitraum also gefallen ist.
Ein Beispiel soll das oben Geschriebene verdeutlichen:
Abb.3: Kursverlauf des DAX®im Wochenchart mit Candlesticks
In der Woche vom 03.06.2012 (1) kam es zu einem deutlichen Kursrückgang des DAX®von 6425 auf 6050 Punkte, was gut am langen roten Kerzenkörper erkennbar ist.
In der Woche vom 08.07.2012 (2) kam es zwar zu einer kräftigen Kursbewegung nach oben, am Ende der Woche, war der Schlusskurs jedoch fast identisch mit dem Anfangskurs, so dass kaum ein Körper erkennbar ist.
Das war es schon an Vorbereitung für die nun folgenden Mythen, die Sie nacheinander, aber auch nach Belieben lesen können – nur den letzten Mythos sollten Sie sich ein wenig aufheben.
Das Buch ist so kompakt wie möglich gehalten, schließlich hängt eine erfolgreiche Geldanlage nicht von der in die Vermögensbildung investierten Zeit ab.
Eines muss noch verdeutlicht werden:
Steuerliche Aspekte bleiben bei allen Vergleichen und Berechnungen außer Betracht, hier ist im Zweifelsfall die professionelle Beratung hinzuziehen.
Nun viel Freude an der Beschäftigung mit den Mythen der Geldanlage und dem vorgeschlagenen Lösungsweg für Ihren Vermögensaufbau.
Wenn Marcel und Ann-Kathrin jeden Monat 200 Euro für die Kinder zurücklegen, haben sie bei einem Anlagehorizont von 15 Jahren am Ende dieser Zeit 36.000 Euro gespart, also für jedes Kind 18.000 Euro.
Von ihrer Sparkasse erhalten sie vielleicht durchschnittlich 2,5 % Zinsen für das eingezahlte Kapital über die gesamte Laufzeit, was zu einem Gesamtergebnis von rund 42.000 Euro führt. Vielleicht, so denken sie, gibt es aber noch etwas Besseres, etwas, das bei hoher Sicherheit, ohne viel Mühe, einen höheren Ertrag ergibt, als diese bescheidenen 21000 Euro pro Kind nach 15 Jahren eisernen Sparens. Natürlich hat der Geldberater, wenn Marcel und Ann-Kathrin mit diesem Wunsch zu ihm kommen, eine gute Idee – der Coast-Average bzw. Durchschnittspreis-Effekt.
Dieser Durchschnittspreis-Effekt wird gerne in den Prospekten der Aktienfonds beworben und ist auf den ersten Blick von beeindruckender logischer Klarheit.
Das Prinzip besteht darin, dass monatlich zu einem festen Geldbetrag Fondsanteile erworben werden, wobei in Zeiten steigender Kurse weniger Anteile für diesen Betrag erhältlich sind und bei schwächerer Börse mehr.
Hierdurch soll der häufig bei Privatanlegern zu beobachtende Effekt ausgeschaltet werden, dass gerade bei stark steigenden Kursen gekauft wird. Nicht nur die Wirtschaftspresse, sondern auch die regionalen Tageszeiten berichten in großen Lettern über die Börse und die Zeiten des leichten Geldverdienens scheinen angebrochen zu sein scheinen. Wenn die Kurse dann fallen, schauen viele Anleger in Schockstarre wie das Kaninchen auf die Schlange auf die Börsenentwicklung und hoffen, dass bald die Einstiegskurse wieder erreicht werden. Diese Hoffnung wird leider meistens enttäuscht und die Aktien kurz vor dem Wendepunkt, wenn die Tageszeitungen diesmal in den dunkelsten Farben von der Börse berichten, wieder verkauft.
Auch kann es passieren, dass in Zeiten stark schwankender Kurse, gerade in den temporären Hochphasen, Fondsanteile erworben und die günstigen Preise nicht genutzt werden.
Durch die Strategie der regelmäßigen Käufe können diese, oftmals emotional beeinflussten Aspekte ausgeschaltet werden und der Anleger erhält eventuell sogar mehr Anteile als bei einer Direktanlage. Dies macht den Cost-Average-Effekt aus.
Ein stark vereinfachtes Beispiel, wie es in ähnlicher Form in Fondsprospekten zu finden ist, soll den Effekt darstellen:
Monatliche Sparrate: 50 Euro
1. Monat: Preis eines Fondsanteils : 50 Euro
Anzahl der erworbenen Anteile : 1
2. Monat: Preis eines Fondsanteils : 25 Euro
Anzahl der erworbenen Anteile : 2
3. Monat: Peis eines Fondsanteils : 50 Euro
Anzahl der erworbenen Anteile : 1
4. Monat: Preis eines Fondsanteils : 75 Euro
Anzahl der erworbenen Anteile : 0,66
Eingezahlte Summe : 200 Euro
Durchschnittspreis der Anteile über die 4 Monate : 50 Euro
Gesamtzahl der erworbenen Anteile : 4,66
Eigentlich hätten Sie bei einer Kaufsumme von 200 Euro und einem Durchschnittspreis von 50 Euro/Stück nur 4 Anteilsscheine besitzen dürfen.
Tatsächlich haben Sie aber 4,66 Anteile – dies ist der Durchschnittskosten-Effekt.
Mal geht es gut und dann wieder nicht
Das hört sich für Marcel und Ann-Kathrin gut an, zumal der „unabhängige“ Geldberater auch gleich die passende Berechnung präsentieren kann.
Er leitet den beiden die Vermögensentwicklung her, wenn sie 1985 mit der Sparplananlage in einem bewährten Fond begonnen hätten und es im Januar 2000 zur Auszahlung gekommen wäre.
„Den Fonds zeichnet eine flexible, nicht starr an Index-Gewichtungen orientierte Anlagepolitik aus. Die Titelauswahl ist Stock Picking pur nach fundamentalem Ansatz. Das Fondsmanagement konzentriert sich auf Standardwerte, so genannte Blue Chips, rund um den Globus und achtet dabei auf eine der Marktlage angemessenen Mischung substanzstarker und wachstumsorientierter Unternehmen“. (Quelle: Fondsweb)
Dies bedeutet, dass Ann-Kathrin und Marcel ihr Geld weltweit in einem der ältesten deutschen Fonds anlegen, sich um Ihre Investition nicht kümmern müssen und gleichzeitig vom Durchschnittskosteneffekt profitieren.
DWS Akkumula
Monatliche Einzahlung : 200 Euro
Startdatum : Januar 1985
Enddatum : Januar 2000
Ausgabenaufschlag : 5 %
Summe der Einzahlungen : 36.200 Euro
Depotwert : 122.897,02 Euro
Performance:
Gewinn in Euro : 86.697,02 Euro
Prozentuale Wertsteigerung insg. : 696,09 %
Prozentuale Wertsteigerung pro Jahr : 14,84 %
(Quelle: Fondsweb)
Das Ergebnis ist beeindruckend. Marcel und Ann-Kathrin könnten zum Auszahlungszeitpunkt über den, in ihren glänzenden Augen Riesenbetrag von 122.897 Euro verfügen. Dies würde rund 61.000 Euro für die Berufsausbildung jedes ihrer Kinder bedeuten, womit gewiss ein großer Teil der Ausgaben z.B. für ein Studium abgedeckt wären.
14,84 % Wertsteigerung pro Jahr über einen Zeitraum von 15 Jahren? Die Zahlen sind nicht fingiert, sondern zeigen, dass so etwas unter glücklichen Umständen möglich ist.
Aber geht es immer gut?
Ist der Cost-Average-Effekt der Garant für hohe Renditen? Können die Anleger bei einer konservativ ausgerichteten Aktienstrategie, die auf exotische Zertifikate (s. 9. Mythos) oder der Investition in Schwellenländer verzichtet, darauf vertrauen, dass die regelmäßige, langjährige Geldanlage so erfolgreich wie im ersten Beispiel ist? Der Erfolg einer risikobehafteten Investition, wie der Kauf von Aktienfonds, ist dann gegeben, wenn der Ertrag deutlich höher ausfällt, als z.B. bei der Sparkassen- oder Volksbank-Festgeldanlage.
Wir bleiben beim oben aufgeführten Beispiel, der Fonds und die Zeitdauer werden beibehalten und nur der Beginn des Ansparens geändert. Dadurch ergibt sich folgendes Bild:
DWS Akkumula
Monatliche Einzahlung : 200 Euro
Startdatum : Januar 1997
Enddatum : Januar 2012
Ausgabenaufschlag : 5 %
Summe der Einzahlungen : 36.200 Euro
Depotwert : 40.788,83 Euro
Performance:
Gewinn in Euro : 4588,83 Euro
Prozentuale Wertsteigerung insg. : 26,23 %
Prozentuale Wertsteigerung pro Jahr : 1,56 %
(Quelle: Fondsweb)
