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Wie eng muss ein Kletterschuh wirklich sitzen? Welche Sicherungssysteme gibt es? Was ist ein Move? Wozu dient das Crashpad? Welche Knotenarten gibt es? Und wo liegt die Crux? Die Antworten auf diese – und viele weitere Fragen – liefert unser Universalnachschlagewerk rund ums Klettern. Mal ernst, mal launig, immer top recherchiert und informativ, versammelt es 101 wichtige Dinge für alle, die gern mit Seil und Haken in steiler Wand unterwegs sind.
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Seitenzahl: 236
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Vorwort
1AbkletternOder: Nicht nur alpinistische Form des Abstiegs
2AblegereifeOder: Von Herstellergarantien und Blauäugigkeit
3AbstiegOder: Abseilen oder Ablassen?
4AlpenrallyeOder: Klettersport ist Motorsport
5»Alzheimer-on-Sight«Oder: Vorstellen, erinnern, klettern
6ArbeitOder: Was ist Geld ohne Zeit?
7AufwärmenOder: So wär’s eigentlich richtig
8BallastOder: Travel light ’n’ fast!
9BergrettungOder: Helfer in Bergnot, qualifiziertes Ehrenamt
10BewegungsanweisungOder: Warum Kletteranfänger Kehrbesen brauchen
11BewegungsvorstellungOder: Sortieren, filtern, bewerten
12BodennäheOder: To clip or not to clip?
13BohrhakenOder: Der Mord am Unmöglichen
14ChalkOder: Vom Lügen- zum Kultpulver
15ClipstickOder: Der noch größere Mord am mir Unmöglichen
16DeoOder: Für Kletterer eine völlig unnötige Erfindung?
17DopingOder: Von Amphetaminen bis zur (Sport-)Zigarette
18EinbindenOder: Wie hältst du’s mit dem Sicherungsring?
19EindrehenOder: Schulterdrehung statt dicker Bizeps
20ElternOder: … haften für ihre Kinder
21EntspannungOder: Ohne Atmung kein Durchstieg
22ErfahrungOder: Sind alte Hasen auch immer erfahrene Hasen?
23FlaschenzugOder: … war gestern, Bodyhauling ist’s heute
24FixpunktOder: Was müssen Zwischensicherungen und Standplätze halten?
25FixpunktsicherungOder: Warum das Sicherungsgerät an die Wand gehört
26FledermausOder: Am liebsten geräuchert
27GeländeformenOder: Des einen Leid, des anderen Freud’
28GewichtsunterschiedOder: Drum prüfe, wer sich (zusammen-)bindet
29GrounderalarmOder: Eine fatale Kombination
30GurtordnungOder: Das, was wo wie am Klettergurt hängt
31HalteformenOder: Form- und Kraftschluss an den Griffen
32HautOder: Ein Besuch im »Hautlabor«
33HeelhookOder: Hakl’n fürs Entlasten
34HeiratenOder: Beste Aussichten auf ein abruptes Karriereende
35HüfthochOder: Warum hüfthohes Seilklippen Vorteile bringen kann
36Innere SicherheitOder: Keine Politik, aber eine Frage der Haltung
37JamOder: Wie die Hände bestens in den Rissen klemmen
38KaffeeOder: Integraler Bestandteil des Klettersports
39KampfgeschreiOder: Alles Prana?
40KarabinerkücheOder: Was täten wir ohne die metallenen Schnappringe?
41KinderOder: Gemeinsam unterwegs?
42KommandosOder: Kommunikation ist alles
43KöpferlschlingeOder: Auf den Winkel kommt es an
44KörperrissOder: Eng, anstrengend und voller Rätsel
45KörpersicherungOder: Wann man das Sicherungsgerät am Klettergurt einhängt
46KopfkinoOder: Angst fressen Seele auf
47Kraft sparenOder: Vom Pullen zum Ansaugen
48LaktatOder: Sind wir nicht alle ein bisschen Popeye?
49LandungOder: Der Sichernde verlinkt Pendellänge und Anprall
50LehrmeinungOder: Das, was mir mein Kursleiter beibringt
51MaterialermüdungOder: Wenige Fäden, schnelles Durchscheuern
52MariazellerOder: Wenn für Yoga keine Zeit ist
53Metal on metalOder: Andere Länder, andere Sitten
54Mobile SicherungenOder: Gut gesichert – auch ohne Bohrhaken
55NagelknipserOder: Wie eng sind deine Kletterschuhe?
56NachziehsackOder: So macht Mehrseillängensport Spaß
57NähmaschineOder: Pfaff oder Singer?
58NormalhakenOder: Ein gepflegter Anachronismus?
59OlympiasiegerOder: Wer ist der beste Kletterer?
60OrtsfrageOder: Wohin mit dem Sichernden am Wandfuß?
61PumprisseOder: Wenn das Menschenmögliche sich nicht an Regeln hält
62RegelnOder: Es gilt die Felsverkehrsordnung
63RelativkraftOder: Salatblatt und Reiswaffel
64RessourcenOder: Vom Scheitern trotz Bärenkräften
65RestsOder: Wer rastet, der rüstet (sich)
66RingbandrissOder: Stellst’n, dann hälst’n?
67RisikoOder: Des passt scho …
68Rock ’n’ RollOder: Ohne Mucke läuft nichts
69RotpunktkletternOder: Kurt Albert – ein Erbschleicher?
70RoutenbewertungOder: Herzblutdiskussionen im Kletterrudel
71RoutentaktikOder: Überschlagen klettern oder Blöcke bilden?
72Schädel-Hirn-TraumaOder: Helm oder Mütze?
73SchulterluxationOder: Schildkröte vs. Schwanenhals
74SeilOder: Zwischen Hanf und Polyamid
75SeilreibungOder: Licht und Schatten in der Sicherungskette
76SeilrissOder: Wenn das Undenkbare doch passiert
77SicherungsbedarfOder: Wenn ohne Eigensicherung nichts mehr geht
78SicherungsgerätOder: Don’t play belay!
79SimultankletternOder: Wenn Nachstieg doppelt fordert
80SkyhookOder: Geschenk des Himmels im steilen Gemäuer
81Socken und KletterschuheOder: »Happy feet« contra Buttersäure
82Sonnenbrille & Co.Oder: Because style matters
83SpottenOder: Platsch, das war sein letztes Wort …
84SprüngeOder: Augenblicke der Schwerelosigkeit
85StandardbewegungOder: Drüber und rauf!
86StandplatzOder: Der Hafen im Felsenmeer
87SteinschlagOder: Schädeldecken-Roulette am Wandfuß?
88TaktikOder: Richtiges Tempo für den Durchstieg
89Thera-BandOder: Je oller, desto doller?
90TurmbauOder: Über Steigbäume und Baustellen
91ToehookOder: Was dem einen die Ferse, sind dem anderen die Zehen
92TrainingOder: Viele reden darüber …
93Tür zu!Oder: Weniger Drehmomente dank cleverer Fußwahl
94UnfallOder: Was passiert, wenn’s passiert …
95UnverwundbarkeitOder: Über das Balzverhalten hormongeschwängerter Männer
96VerantwortungOder: Kinder sichern Kinder?
97VerhauerOder: Wo ein Haken, da ein Weg?
98VerzichtOder: Mehr Konsum oder Mut zur Umkehr?
99VieraugenprinzipOder: Partnercheck statt Partner weg
100YogaOder: Der kleine Unterschied
101ZwergentodOder: »It goes, boys …«
Register
Impressum
Mit der linken Hand blockiere ich eine Leiste, gerade mal zwei Fingerkuppen haben Platz. Der rechte Fuß ist weit ausgespreizt, der linke steht auf Reibung, ich bin nur noch Körperspannung. Einmal tief durchschnaufen. Konzentrieren auf den Moment. Mein Partner feuert mich an, aber ich höre und sehe jetzt nichts außer diesen einen nächsten Zug. Die rechte Hand schnappt nach oben, greift nach dem Henkel, ich nehme mit links die Exe vom Gurt, klinke in den Haken ein, Seil durch – und dann bin ich oben. Jetzt noch den Partner raufsichern, wir fallen uns in die Arme, der Gipfel ist erreicht! So geht es mir beim Klettern.
Beim Biathlon ist es ganz ähnlich, diese Konzentration auf den Moment: Vor dem Schießstand ein letzter Anstieg, ich schwinge die Arme hoch hinauf, damit ich die volle Kraft auf die Stöcke bringe. Dann ein explosiver Beinabruck, schnelle Hüftstreckung, Gleitphase. Ich laufe in das tobende Stadion ein, richte mich auf der Schießbahn Nummer eins ein. Tausende Fans jubeln, mein Puls pocht, zwei, dreimal tief ausatmen – und plötzlich werde ich ganz still – so wie das ganze Stadion. Der Finger liegt am Abzug, mein Auge fixiert das Zielbild, der Schuss bricht wie von allein aus dem Gewehr, klack, klack, klack, klack, klack – fünf weiße Scheiben gehen hoch, das Publikum jubelt, Gewehr umschnallen, über die Ziellinie spurten – der Sieg ist mir gewiss!
Die beiden Sportarten sind so unterschiedlich, und doch haben sie so viel gemeinsam. Es geht um den Moment, den Fokus auf den Augenblick, das Erleben im Hier und Jetzt. Deshalb ist Klettern für mich viel mehr als nur ein Sport. Es geht um ein Lebensgefühl, um Erfolge, die ähnlich intensiv sein können wie eine Goldmedaille. Und weil ich eine leidenschaftliche Kletterin und Bergsteigerin bin, weil ich in jeder freien Minute am Fels, am Berg unterwegs bin, ist es für mich eine Ehre, dieses Vorwort zu schreiben.
Ob ich im Biathlonzirkus an den Start gehe, irgendwo zwischen Ruhpolding, Oslo oder Pyeonchang, oder ob ich zum Klettern unterwegs bin, bei mir daheim im Oberreintal, in der Salathe am El Capitan im Yosemite Valley oder in Peru, am Alpamayo, auf 6000 Metern im Biwak: Für dieses Buch bleibt immer Platz, es ist immer gut im Rucksack verstaut. Es bringt mich, egal, wo ich bin, gedanklich an den Fels, an den nächsten schweren Zug, an das Erleben der Bewegung im Moment.
Ich hoffe, euch Lesern geht das genauso – und wünsche euch daher zum einen mit dem Buch viel Freude und Erfolg. Und zum andern viele schöne, erfolgreiche und sichere Kletterabenteuer, wo auch immer ihr unterwegs seid.
Eure
Laura Dahlmeier
Garmisch-Partenkirchen
Oder Nicht nur alpinistische Form des Abstiegs
Ein Klassiker! In Windeseile geht es hoch, dem Ziel entgegen. Später dann, beim Rückweg über die Aufstiegsroute, wird es ungeahnt eirig: Die Füße finden schlechter Halt, die Übersicht geht verloren, wir lehnen uns bergwärts, statt wie im Aufstieg hinauslehnend das Trittangebot zu prüfen.
Kein neues Phänomen – die Tour endet unten. Wie schon bei der Planung des Aufstiegs lässt sich die Planung des Abstiegs in drei Phasen unterteilen: daheim, am Berg und beim nächsten Schritt. Daheim erfolgt die grobe Planung anhand von topografischer Karte, Kletterführern, Web-Recherche usw. Wir verschaffen uns einen Überblick über die geplante Route und deren Abstieg.
Am Berg treffen wir vor Ort die Geländewahl – ist es diese Rinne über die der Abstieg erfolgt, oder eine weiter östlich? Wegmarkierungen, vor allem aber Weg- und Trittspuren erleichtern uns hier die Orientierung. Topos, Wandbilder und Abstiegsbeschreibungen können uns helfen und sollten auf jeden Fall mit dabei sein. Doch Achtung: Das Gelände lässt sich nur bedingt unmissverständlich durch Worte beschreiben. Das Gespür für die richtige Richtung, für die Dimensionen scheinbar markanter Orientierungspunkte in einer Wand muss sich beim Anfänger erst entwickeln. Daher gilt in erster Linie: Augen auf und die Umgebung groß- und kleinräumig genau betrachten! Mit gebanntem Blick immer noch tiefer in die mitgeführte Beschreibung zu versinken, liefert wirklich selten die benötigte Information.
Ist die Geländewahl getroffen, klettern bzw. steigen wir ab. Doch Vorsicht, vorab solltet ihr zwei Dinge kurz checken: Wie groß ist die Mitreißgefahr, wenn einer aus der Truppe stürzt, und besteht Steinschlaggefahr durch bzw. für über oder unter uns kletternde Mitstreiter?
Je schwerer Abkletterpassagen sind, umso eher wird die Mitreißgefahr zu berücksichtigen sein. Entweder ihr klettert einzeln, wobei der Erste im sicheren Bereich auf den Nachfolgenden wartet, oder ihr entscheidet euch eng beieinander zu bleiben, wobei der Untere dem Oberen die guten Tritte ansagen kann und ihn sozusagen hinunter coacht. Die dritte Variante wäre, den schwächeren Kletterer vorweg zu schicken, während der Zweite mit dem am besten schon zum Sichern vorbereiteten Seil wartet, bis der Untere die Stelle erfolgreich abgeklettert ist. Dann klettert er dem Ersten hinterher. Sollte bei der dritten Variante Sicherungsbedarf entstehen, kann man sozusagen von oben aus einschreiten und sichern, was dem voran Abkletternden erst nach erneutem Aufstieg möglich wäre.
Personen über uns sind potenzielle Kanoniere, genauso wie wir unter uns befindliche Personen mit losgetretenen Steinen beschießen können. In diesem Fall: Tempo raus! Alles was hängen bleiben und Steine lösen kann, wird weggepackt, d. h. der Gurt wird bis auf die wirklich notwendigen Ausrüstungsgegenstände leergeräumt. Was gebraucht wird, wird möglichst kurz an den Gurt gehängt, um nicht über runterhängende Schlingen etc. zu stolpern. Auf diese Weise präpariert und mit einem Helm auf dem Kopf, haben wir ordentliche Karten, um mit möglichst geringem Steinschlagrisiko weiterzumachen.
Beim Abklettern gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Mit dem Gesicht zur Wand oder mit der Wand im Rücken. Je schwerer und vor allem je steiler es wird, umso eher dreht man sich mit dem Gesicht zur Wand. Leider geht dabei die große Übersicht verloren, weshalb man sich gelegentlich umwenden sollte, um sich erneut einen Geländeüberblick zu verschaffen. Das Umwenden fällt beim taloffenen Abklettern weg. Konkave Geländeformen lassen sich oft effizient vorlings abklettern. Unangenehme Abkletterpassagen finden sich häufig im Übergang von flachem zu steilem Gelände – das können sehr hohe Stufen sein, aber auch der Beginn einer längeren Steilpassage. Wenn man dann damit beginnt, solch einen Übergang rücklings abzuklettern, lehne man sich mit dem Hintern nach hinten raus. Auf diese Weise kann man die gewünschte Belastungsrichtung (einwärts/abwärts) für die Tritte beibehalten und rutscht selbst bei Reibungstritten nicht ab.
Kaum zu glauben
Paul Preuss ist die Kleine Zinne (2857 m; bis IV+) in den Dolomiten nach der Erstbegehung auch wieder abgeklettert!
Boulderer und gelegentlich auch Sportkletterer sind regelmäßig mit dem Thema »Abklettern« konfrontiert. Eine Grundidee, bevor ich mich mit einem Boulderproblem beschäftige, besteht darin, den Abstieg von dem Block auszukundschaften. Im Zuge des Erkundungsausflugs teste ich gern den Abstieg, indem ich dort hochklettere. Beim Sportklettern passiert es immer wieder, dass ich eine Passage falsch anklettere oder nach einem anstrengenden Klipp nochmals zum Ruhepunkt darunter zurückkehre, um Kraft zu tanken.
Es zeigt sich: Abklettern ist anders und darf deshalb auch gern geübt werden.
Oder Von Herstellergarantien und Blauäugigkeit
Ich hänge an meinem alten Kram, denn viele meiner alten Ausrüstungsgegenstände erzählen eine Geschichte. Diese Geschichten sind es, die die Verbindung zu meinem alten Gurt, einem Klemmkeil oder Friend ausmachen. Sentimentalität ist natürlich erlaubt, hat aber da, wo es um überlebenssichernde Schutzausrüstung geht, nichts verloren. Unsere Ausrüstung ist häufig hohen Belastungen und Beanspruchungen ausgesetzt, Materialermüdung und -versagen kann in unserem Sport zum frühzeitigen Ableben führen. Deshalb unterliegt ein Großteil der Bergsportausrüstung strengen Normen. Um in den Ländern der Europäischen Union verkauft werden zu können, müssen Seile, Helme, Gurte usw. der Euro-Norm entsprechen. Bergsportausrüstung unterliegt häufig den Richtlinien für persönliche Schutzausrüstung (PSA). Die PSA wird laut Richtlinie in drei Kategorien unterteilt. Ab Kategorie II muss ein Produkt vor der Markteinführung einmalig einer sogenannten Baumusterprüfung unterzogen werden. Für Ausrüstungsgegenstände, die der Kategorie III zugeordnet werden, sind zusätzlich zur Baumusterprüfung weitere produktionsbegleitende dokumentierte Qualitätskontrollen durch die Hersteller vorgeschrieben.
Und was hat das alles mit mir zu tun? Ich kann davon ausgehen, dass mein Seil im Neuzustand den Normforderungen entspricht. Allerdings verschlechtern sich die Seil-Skills mit jedem Nutzungstag – die Kantenfestigkeit nimmt ab, die Seillänge (ohne Abschneiden) ebenso, die Oberflächen pelzen zunehmend auf, womit die Reibung in der Sicherungskette und im Sicherungsgerät zunimmt … und irgendwann ist das Ablaufdatum erreicht. Die Frage ist nur: wann? Im Beipackzettel zum gerade erworbenen neuen Teil müssen je nach Produkt u. a. folgende Informationen enthalten sein: die Bedeutung der auf dem Produkt angebrachten Markierungen, die ermittelten Werte der Baumusterprüfung, eine Gebrauchsanweisung sowie Angaben zur Instandhaltung und Lebensdauer. Jetzt sind wir bei Pudels Kern: Ist die Herstellerangabe bzgl. der Lebensdauer abgelaufen, verfällt die Gewährleistungspflicht des Herstellers. Häufig wird die Lebensdauer in Abhängigkeit von der Verwendungshäufigkeit des Produkts angegeben. Bei Seilen streuen die Angaben zur Lebensdauer von maximal zehn Jahren ohne Nutzung bis hin zu weniger als einem Jahr bei professioneller Nutzung.
Prima, dann gehe ich jetzt in den Keller, fahre anschließend direkt zum Wertstoffhof und entsorge mein gesamtes Lager? Nein, da hängen doch meine ganzen Erinnerungen dran … !
Oder Abseilen oder Ablassen?
Oft seilt der Kletterer und ganz besonders der alpine Sportkletterer über die Route ab, über die er zuvor hinaufgeklettert ist. Manchmal auch umgekehrt: erst wird abgeseilt und dann wieder hinaufgeklettert. Zunehmend komplexer wird die Geschichte, wenn wir an einem anderen Ort abseilen, als wir hochklettern, und uns somit in unbekanntes Gelände hinunterseilen.
Für die meisten von uns steht das Verfahren dabei fest: Knoten in die demnächst unten hängenden Seilenden, die oberen Seilenden zusammenknoten, Seil runterschmeißen, gegebenenfalls Kurzprusik und Abseilgerät einhängen, umlasten auf das Abseilgerät, Selbstsicherung aushängen – und los geht die wilde Fahrt.
Erst nach gefühlten sieben, acht Abseilmetern steht der erste Stopp an. Das Seil ist hinter einer Felsschuppe verklemmt – okay, Befreiungsaktion und dann erneut aufschießen. Dann auswerfen, blockierten Prusik lösen und weiter abseilen. Es läuft super, bis sich fünf Meter tiefer ein Knoten gordischen Ausmaßes dem Abseilgerät nähert. Sapperlot! Wieder anhalten, Knoten aus dem Seil lösen, Seil noch mal aufschießen und werfen. Jetzt reicht es bis zum anvisierten Standplatz. Leider hat sich das Seil beim dritten Wurf in einem aus der Wand herauswachsenden Baum unterhalb verfangen und lässt sich nicht mehr hochziehen. Also mit Gewalt und Engagement anreißen. Ein kleiner Ast vom Baum bricht ab, während sich die Seilschlaufen um die grünen Blätter winden. Das Seil selber wird auch schön grün. Nach weiteren fünf Minuten Ziehen und Zerren ist auch die letzte Seilschlaufe durchgezogen, die beiden Seile liegen abziehbereit voneinander getrennt auf dem Standgesims.
Kaum zu glauben
Beim Abseilen an kleinen Abseilringen bzw. Hakenösen, durch die der Verbindungsknoten oben nicht hindurchpasst, reicht übrigens ein Sicherungsknoten am unteren Seilende. In welchem der beiden Enden muss der Knoten nun sein, im abzuziehenden oder im anderen Strang? Ganz wichtig: Das Seil wird immer auf der Seite des oberen Knotens abgezogen! Vor dem Abziehen aber immer daran denken, den Knoten am unteren Ende zu lösen!
Nun ein Gegenvorschlag: Ablassen! Zuerst sortiert ihr die Seile auseinander, bevor ihr die unten liegenden Enden durch den Abseilring fädelt und zusammenbindet. Dann bindet sich der Erste in die beiden oben liegenden Seilenden ein. Mittels Tuber oder HMS wird abgelassen, wobei beide Seile getrennt vom Boden zum Fixpunkt laufen, um keinen Steinschlag zu produzieren. Wirklich ganz wichtig ist, dass die Verständigung zwischen oben und unten ordentlich funktioniert! Ruf- oder besser noch Sichtkontakt erleichtert das Leben dabei enorm. Der Abzulassende hat seine Selbstsicherungsschlinge immer griffbereit und kann sich jederzeit an einem Fixpunkt einhängen. Der Vorteil dieses Verfahrens?
1.Es funktioniert auch bei starken Aufwinden, z. B. während eines Sturms, ohne das die Seilenden nach oben geblasen werden und sich dort evtl. sogar verhängen.
2.Als Abgelassener kann ich, wenn es das Gelände erlaubt, jederzeit umdrehen und wieder hochklettern.
3.Es entstehen viel, viel weniger Knoten, und es verheddert sich auch nichts, da kein Seilwurf notwendig ist – im Gegenteil.
4.Gut ausgeführt, nimmt die Steinschlaggefahr unterhalb von euch ab.
Oder Klettersport ist Motorsport
Wann bist du das letzte Mal mit dem Zug zum Klettern gefahren? Mit 16! Und heute? Auto, was denn sonst. Mal kurz überschlagen: München–Arco sind 380 Kilometer einfach, Fahrzeit ohne Stau gut vier Stunden. Vor Ort in die einzelnen Gebiete kommen an einem Wochenende locker nochmals 80 Kilometer dazu. Macht mit Heimfahrt in Summe 840 Kilometer, das Ganze mal 0,30 plus 18 Euro Maut (retour) für die Brennerautobahn in Österreich, plus 25,20 Euro für die italienische Maut bis Rovereto (retour), macht über den Daumen 295,20 Euro Fahrtkosten. D. h. bei einem Ausflug zu zweit rechne ich mit ca. 150 Euro Fahrtkosten pro Nase für den Arco-Wochenend-Klettertrip.
Um meinem Sport zu frönen, lege ich jährlich ca. 20 000 Kilometer mit dem Auto zurück. Überspitzt gesagt: Das Automobil ist mein »Hauptausrüstungsgegenstand«, wenn es um die Sportausübung geht. Und da wir ja immer zeitoptimiert unterwegs sind, d. h. die Verweildauer im Klettergebiet maximal ausdehnen, wird die österreichische Aufputschlimonade zum ständigen Wegbegleiter. Im Schnitt kommt pro Wochenende mindestens eine längere Nachtfahrt zustande. Das macht pro Nachtfahrt zwei Dosen Flügellimonade, die an der Tankstelle (woanders hab ich noch nie Flügellimonade gekauft) pro Stück 2,10 Euro kosten. Die Kostenstelle »Aufputschmittelbedarf/Heimfahrt« wird demnach mit jährlich ca. 210 Euro gebucht.
Und so langsam dämmert es: Die im Klettersport landläufigen Athleten-Sponsoren aus der Outdoor- oder Limonadenbranche sind ein alter Hut, weil – wie aufgezeigt – der Limonaden- und Hardwareumsatz im Vergleich zu den Mobilitätskosten gesamtwirtschaftlich von geringer Bedeutung ist. Quasi eher Kleinvieh. Bisher wird die Zielgruppe der Kletterer von den Automobilherstellern und Mineralölkonzernen sträflich vernachlässigt und damit natürlich auch die kletternde Weltelite als Werbeträger. Dabei ließe sich mit den zugehörigen Werbekampagnen sicher der ökologische Nutzen geringer Emissionswerte bewerben, besser noch der Hybridfahrzeugmarkt im Van-Sektor ankurbeln, weil der leistungsorientierte Elitekilometerfresser von heute der naturverträglich abbaubare Familienvater von morgen ist. Nicht zuletzt den Sportwagenherstellern bietet der Kletter-Habitus große, nicht von der Hand zu weisende Schnittmengen für zielführenden Imagetransfer. »9,81 m/s2 war in der Wand, 500 Nm Drehmoment am Heimweg …«
Übrigens: Der neueste Sticker auf den Stirnbändern der Sportkletternationalmannschaft trägt demnächst bestimmt das DB-Logo.
Oder Vorstellen, erinnern, klettern
Befragt nach den klettersportlichen Zielen, geben wir oft die Antwort: »Endlich meinen ersten 7er (oder 8er) klettern!« Später, vor Ort in unserem Routenprojekt, beobachten wir dann, wie unsere Hand den versteckten Seitgriff um die Ecke nicht findet, wie wir die für den Kletterzug notwendigen Tritte vergessen haben oder wie unsere Position statt eingedreht doch frontal ist … Kurzum: Willkommen im persönlichen »Alzheimer-on-Sight«.
Dabei gibt es durchaus Mittel und Wege, um die beschriebene Situation in ihrer Häufigkeit zu reduzieren. Hört, hört! Zuerst einmal müssen wir lernen, uns Griff- und Trittkombinationen zu merken und diese dann zu reproduzieren. Dafür gibt es ein paar Übungen, z. B. das Spiel »Kofferpacken für Kletterer«: Dabei wird beginnend von einem Startgriff wechselseitig in der Gruppe immer ein neuer Kletterzug hinzugefügt, nachdem die Griffabfolge vorab geklettert wurde. Es entsteht ein immer länger werdender Boulder. Spielt zu Beginn nur mit den Griffen, später mit den Griffen und Tritten und zuletzt mit Griffen, Tritten und der zum Weitergreifen gehörenden Kletterposition. Eine weitere Übung besteht darin, (erst mal kurze) Boulder zu klettern, auf den Boden zurückzukehren und übereinstimmend mit dem Vorversuch erneut zu klettern, wobei der Kletterpartner am besten per Videoaufnahme Rückmeldung zum Gelingen gibt. Als Variante hierzu könnt ihr auch euren Partner in einem euch fremden Boulder genau beobachten, um dann selbst seine Ausführung haarscharf zu imitieren.
Alle drei Übungsformen haben das Thema »Verbesserung der Bewegungsvorstellung« als Grundlage. Eine präzise Bewegungsvorstellung ist die Voraussetzung, um Kletterzüge im Gedächtnis ablegen bzw. speichern zu können. Erst die wiederholte Verlinkung von Bewegungsausführung und -beobachtung bzw. -wahrnehmung verbessert die Steuerungsqualität unseres »Hauptprozessors« Gehirn und eröffnet uns den Zugriff auf unsere »Steuerprogramme«. Der nächste Schritt bei der Abschaffung von »Alzheimer-on-Sight« besteht im kompletten und richtigen Erinnern der in der Route auszuführenden Züge. Vor dem Start, noch am Boden stehend, stelle ich mir vor, wie ich die betreffende Bewegungssequenz klettere. Dabei geht es darum, die Griffabfolge und – fast noch wichtiger – die Trittabfolge, das Bewegungstempo, die Körperpositionen und -spannung im Kopfkino in Übereinklang zu bringen. Sollten hier Lücken bestehen, d. h., sollte der Film sprunghaft laufen bzw. sogar Risse haben, ist die Chance groß, dass der Bewegungsfluss an den betreffenden Stellen abbricht. Unnötiger Kraftverlust und eventuelle Stürze sind die drohenden Konsequenzen.
Eine Hilfe oder Zielkontrolle bei der Erstellung eines derartigen Ablaufplans ist die sogenannte Routenskizze. Auf ihr können wir die Griff- und Trittreihenfolgen, die Belastungsrichtungen der Kontaktpunkte, die Positionen und sogar unsere Selbstinstruktionen etc. notieren und als Erinnerungshilfe bzw. eingebettet in ein Startritual dann wieder benutzen.
Zum Schluss fehlt nur mehr der passende Selbstbefehl: »A muerte!« Soll heißen: Ich bin aufgewärmt, wach und überaus motiviert, alles zu geben – los geht’s!
Oder Was ist Geld ohne Zeit?
Früher war das so: Mit dem Zehn-Gang-Kalkhoff, schwer beladen mit Zelt, Schlafsäcken und Klettermaterial, ging es am Freitagnachmittag um 13:34 Uhr nach der Schule los. Das Wochenende stand bevor, der Tonbandwetterbericht des Alpenvereins und der Wetterbericht in der Süddeutschen waren gut, und wir radelten im Belgischen Kreisel (also den Windschatten nutzend) Richtung Norden nach Konstein. Dort angekommen, ging’s sofort rauf zur Oberland-Wand und zum Einstieg ins Henkerdach. Dann folgte das Abendessen: zweimal »Feuerzauber Texastopf«. Morgens gab’s Ravioli, dann wurde bis Sonntag 15 Uhr weitergeklettert, und am Montagfrüh um 7:44 Uhr noch die Mathe-Hausaufgabe abgeschrieben … life is beautiful!
Kaum zu glauben
Mikrozyklus Trainingsplan / VP II
Montag: Laim, Bouldertraining; MKA; 6 Boulder à 5 WH; 12–15 Züge; 2 Min. Pause; Halteformen: offen/Zweifingerlöcher/Leisten/Untergriffe und Zangen
Dienstag: Außenanlage Thalkirchen; 4 Boulder-Quergänge; KA; 30°-Wand; Wiederholungsmethode; 3 Versuche/Quergang ca. 7a+/7b
Mittwoch: Extensiver Lauf 2 Std.; dehnen; Ausgleichstraining Schulter, Bauch, Beine, Po
Donnerstag: Pause
Freitag: Kochel, Projekttag; 5–7 Versuche »Atlantis«
Samstag: Schüsselkarspitze, »Bayrischer Traum«
Sonntag: Schüsselkarspitze, »Knapp/Köchler«
Heute? Freitagnachmittag, Stau am Mittleren Ring. Ich habe Termine. Erst zum Verlag. Der Verkehr fließt schleppend. Es wird knapp. Ok, knapp geschafft. Im Verlag kurz ein, zwei Dinge besprechen, Abgabetermin verschoben. Gut! Da brennt es schon mal weniger. Rein ins Auto und weiter. Bergführer-Theorielehrgang. Hallo! Heute machen wir Stoffwechsel und seine Anpassung. Danach Feldstufentest auf der 400-Meter-Bahn. Die Jungs laufen locker, bei mir keucht’s. Nun ja, ich kann vielleicht nicht mehr schnell, dafür aber lange. Blutabnahme, auslaufen, duschen, Testauswertung. Stundenprotokoll und Abrechnung unterschreiben, dann auf in den Berufsverkehr. Jetzt habe ich »Rücken«. Unterwegs telefonieren und klarmachen, was die Klettergruppen-Teilnehmer morgen mitbringen sollen: Helm, Klettersteigset, Regenjacke, steigeisenfeste Bergschuhe sind nicht unbedingt notwendig, nein, morgen um 7:30 Uhr mit der ersten Bahn, Treffpunkt um 8 Uhr am Parkplatz. Jetzt aber noch Laptop an den Strom hängen, E-Mails gucken, Rechnungen vorbereiten … Stopp! Was ist bloß passiert? Klar, Studium, Beziehung, Hochzeit, Selbstständigkeit, Kinder, VW-Bus, Verantwortung, Bausparer, Scheidung, Kredit, neue Beziehung … Willkommen in der Rushhour deines Lebens! Manchmal, aber bloß manchmal erinnere ich mich an meine einstige »To-do«-Liste. Und dann? Dann packe ich meinen Rucksack … nur für eben schnell mal am Nachmittag.
Oder So wär’s eigentlich richtig
Das Aufwärmen dient einerseits der optimalen Vorbereitung des Körpers auf die gesteigerte körperliche Aktivität und andererseits der Vorbeugung von Verletzungen. Gut gebrüllt, Löwe! Wer die Augen offen hat, wird bemerken, dass bei einem Großteil von uns Kletterern das Aufwärmen einen eher geringen Stellenwert hat. Auf der anderen Seite zeigt mir die Erfahrung, dass es sich lohnt, möglichst lange und gesund unseren (Kletter-)Späßen nachzugehen. Ganz nach dem Motto: Mehr aufwärmen, länger Freude haben! Zuerst ein paar Allgemeinplätze zum Unterschied zwischen allgemeinem und speziellem Aufwärmen:
Das allgemeine Aufwärmen zielt auf die großen Muskelgruppen ab und versetzt unseren Organismus in einen Zustand allgemeiner Leistungsbereitschaft. Das gelingt z. B. durch Warmlaufen, Anreise per Fahrrad, Seilspringen in der Halle oder einen entsprechenden Zustieg, wenn wir uns dabei über mindestens sechs Minuten kontinuierlich mit einem Puls von 130 BPM + x bewegen.
Das spezielle Aufwärmen stellt unser Hirn und die Arbeitsmuskulatur sehr gezielt auf das Klettern ein. Die entscheidenden Partien dabei sind die fingerbeugende Muskulatur der Unterarme sowie die Schulter-, Rücken und Rumpfmuskulatur. Leichtes kurzes Dehnen ist erlaubt, aber nicht zwingend notwendig. Vorteilhaft hingegen ist es, die großen Gelenke aktiv und unter Spannung mit zunehmenden großen Gelenkausschlägen zu mobilisieren. Das allgemeine Aufwärmen geht dem speziellen Warm-up immer voraus. Aufwärmen wirkt in vielfacher Hinsicht:
Aufgemerkt
• Die Aufwärmzeit verlängert sich, je älter bzw. trainierter ein Kletterer und je kühler die Umgebung ist.
• Selbst effizientes Aufwärmen für schwere Versuche an der persönlichen Leistungsgrenze dauert mindestens 30 Minuten.
• Frühestens 6–8 Minuten nach dem Beginn des allgemeinen Aufwärmens sollte mit dem Klettern begonnen werden.
• Das Einklettern (= spezielles Aufwärmen) soll mindestens 120 Kletterzüge bzw. 3 Routen umfassen. Steigere die Schwierigkeit langsam und schrittweise. Je geringer der Umfang des allgemeinen Teils, umso leichter und länger sollte das spezielle Aufwärmprogramm starten bzw. dauern.
HERZ-KREISLAUF-SYSTEMDie Pumpleistung des Herzens wird erhöht, wodurch mehr Blut zirkuliert. Blutdruck und die Schlagfrequenz steigen, genauso die Auswurfmenge pro Schlag und die Fließgeschwindigkeit. In der Folge wird die Arbeitsmuskulatur besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Es entsteht ein Stoffwechsel-Fließgleichgewicht auf höherem Niveau, wodurch z. B. das Stoffwechsel-Zwischenprodukt Laktatbesser gepuffert oder weiter verstoffwechselt werden kann. Das heißt: erst später dicke Arme dank besserem Aufwärmzustand.
NERVENSYSTEMDie Koordination, also das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln, von Steuerung und ausführendem Organ, wird verbessert. Eine bessere Bewegungssteuerung senkt den Energiebedarf, verzögert Ermüdungserscheinungen und steigert die Reaktionsgeschwindigkeit.
KÖRPERTEMPERATURMit 38,5–39 °C erreichen wir mit dem Aufwärmen die optimale Betriebstemperatur fürs Klettern. Unter diesen Temperaturbedingungen laufen unsere physiologischen Reaktionen am effektivsten ab.
GELENKE UND BÄNDERUnsere Gelenkflüssigkeit, eine Art Schmiermittel, wird bereits durch mittelintensiv ausgeführte Bewegungen im Wechsel mit zu- und abnehmendem Druck passiv im Gelenk verteilt. Der Gelenkknorpel nimmt dabei an Umfang zu, weshalb der unter Belastung wirkende Druck auf die Knorpel flächiger verteilt wird. Verglichen mit schlecht geschmierten Kaltstarts, ist langfristig betrachtet im aufgewärmten Zustand mit geringerem Knorpelverschleiß zu rechnen. Zudem werden Sehnen und Bänder durch den Anstieg der Körpertemperatur elastischer.
MUSKELNDie Muskeln an sich werden besser durchblutet, sie sind leistungsfähiger und weniger anfällig für Verletzungen, wie z. B. Zerrungen oder Muskelfaserrisse.
PSYCHEMit der Zunahme des Blutangebots und den damit verbundenen hormonellen Veränderungen rund um unsere »CPU« steigen Konzentration und Wahrnehmungsfähigkeit, d. h., Klettersituationen können schneller erfasst und gelöst werden. In diesem aktivierten Gesamtzustand sind wir motivierter, lockerer, weniger verkrampft und entspannter als unaufgewärmt.
Oder Travel light ’n’ fast!
Neulich in der Kletterhalle: Ein junger Mann steigt neben mir ein. Am Gurt ein ATC und ein Alpine-Up (zwei Sicherungsgeräte), Prusikschlingen, drei, vier Expressschlingen, zwei Maillon-Rapide, zwei Karabiner als Aufhängung für den Chalkbag und die fix installierte Selbstsicherungsschlinge. Seine Sicherungspartnerin spottet mit hochgestreckten Armen. Der junge Mann rutscht vor dem ersten Klipp mit dem Fuß vom Tritt. Seine Partnerin greift reflexartig Richtung Hüfte des Stürzenden. Sie fädelt mit dem Daumen am Alpine-up-Karabiner ein, der Daumen wird nach hinten gebogen – aua! Ihr Kletternachmittag ist damit beendet.
