101 Dinge, die man über Golf wissen. - Michael F. Basche - E-Book

101 Dinge, die man über Golf wissen. E-Book

Michael F. Basche

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Beschreibung

Haben die Schotten wirklich Golf erfunden? Was ist das "19. Loch"? Was hat ein Albatros mit Golf zu tun? Und wo findet sich der Sweet Spot? Die Antworten auf diese und viele weiteren Fragen beantwortet dieses Handbuch der anderen Art. Hoch informativ und ebenso unterhaltsam versammelt es 101-mal Wichtiges und Kurioses rund um das Spiel auf den auf den Fairways und Grüns. 101 Aha-Erlebnisse für echte Golfer.

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Seitenzahl: 201

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Glücksfall Golf: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, wusste schon Friedrich Schiller.

Michael F. Basche

101 Dingedie man überGolfwissen muss

Inhalt

Vorwort

1Das Märchen vom gelangweilten Schäfer |Die Golf-Frühzei

2Gowf und die „wilde 13“ |Die Wiege des Spiels

3Gents und grobe Gesellen |Die Gründerväter

4Der Allvater |Old Tom Morris

5It’s All About the Money |Golf und Geld

6Der Kronprinz im Kurpark |Die Geburt von Golf in Deutschland

7Tee to Green |Die Komposition einer Golfbahn

8Loch an Loch mal 18 |Die Partitur des Platzes

9Große Oper |Architektur und Design

10Mehr als nur Rasenmähen |Das Greenkeeping

11Schwingel und der Kuckuck |Braunes Gras ist besseres Grün

12Refugien für Fauna und Flora |Golf und Ökologie

13Golfer haben gern ’nen Vogel |Begriffe von Tee bis Fahne

14Das Runde muss ins … Runde |Der Ball und das rechte Maß

15Knüppel, Kellen, Klingen |Das Golfbesteck im Lauf der Zeit

16Länge, Loft und Lie |Der moderne Golfschläger

17Soweit die Bälle fliegen |Das Problem der Längen-Inflation

18Luxus im Bag |Die teuersten Schläger der Welt

19The Outer Space |Bälle auf dem Mond und schwarze Löcher im Bag

20Play the Ball as It Lies |Golf als Spiegelbild des Lebens

21Das Spielfeld zwischen den Ohren |Golf ist zuerst Kopfsache

22Rotation auf schiefer Ebene |Der Golfschwung

23Die Lehrmeister |Die Gilde der Golfcoaches

24Vom Doktor verschrieben |Golf und Gesundheit

25Schönes Spiel, Kurzzeitfreund |Das Tages-Du und andere Sitten

26Die Gralshüter |R&A, USGA und andere

27Schwere Kost |Das Regelwerk

28Rickie Fowlers Hemd |Die Etikette

29Gleichmacherei als Rechenspiel |Das Handicap

30Das Spiel der Gentlemen |Amateurgolf

31Die neun Leben der Großkatze |Tiger Woods

32Mr. Consistency |Bernhard Langer

33Der Tiger seiner Zeit |Tom Morris Jr.

34Der goldene Bär |Jack Nicklaus

35„Der König unseres Spiels“ |Arnold Palmer

36Wolf mit dem Engelsgesicht |Robert Tyre „Bob“ Jones Jr.

37The Black Knight |Gary Player

38The Hawk |Ben Hogan

39Die Erben |McIlroy, Koepka und Co.

40Der verrückte Wissenschaftler |Bryson DeChambeau

41Mädchen für alles |Die Caddies

42Jeder Sport hat seine Exzentriker |John Daly und Walter Hagen

43Der G.O.L.F.-Unsinn |Die Frauen und das Spiel

44Die No. 10 |Annika Sörenstam

45Das Fräuleinwunder |Thompson, Henseleit und Asiens Übermacht

46Der moderne Grand Slam |Die Majors bei Herren und Damen

47Das Über-Turnier |The Masters

48Macht, Moneten, Mauschelei |Der Augusta National Golf Club

49Kuhweiden-Billard mit 200 Ians |Die Open Championship

50Der härteste Test im Golf |Die US Open

51Das Major-Leichtgewicht |Die PGA Championship

52Eine Frage der Ehre |Ryder Cup und Solheim Cup

53Abschlag im Zeichen der Ringe |Golf und Olympia

54Kannen, Kübel, Kuriositäten |Die Siegestrophäen im Golf

55Prädikat königlich |Die royalen Golfclubs

56Arnie und das Aschenbrödel |Golf begründet Sportmarketing

57Das Millionenspiel |Der Profizirkus

58Reben, Rosse, Rasenbau |Die Nebengeschäfte der Profis

59Die Komponisten |Große Golfplatzarchitekten

60Da Vinci auf dem Dozer |Die Kunst des Golfplatzbaus

61Golf für den guten Zweck |Charity-Programme und Stiftungen

62Kuratierte Passion |Golf in der Kunst

63Taschenratten und Goldfinger |Golf im Film

64Virtuose Erzählkunst |Golf in der Literatur

65Rauer Stein, kreatives Design |Ikonische Clubhäuser

66Das Bewahren der Flamme |Golf im Museum

67Das Wasser des Lebens |Golf und Whisky

68Golfimbul und sein Kopf |Golf in Mythen und Märchen

69Ich golfe, also bin ich |Prominenz am Ball

70Fairways für Feinschmecker |Golf und Kulinarik

71US-Präsidenten und andere |Golf und Politik

72„Lasst mich einfach spielen“ |Rassismus im Golfsport

73Hast du noch Sex …? |Golf und Klischees

74Das Partyloch von Phoenix |Einmal sind die Golffans Hauptdarsteller

75Spaß im zweiten Stock |Das Phänomen Topgolf und andere Ranges

76Wenn zwei sich streiten |Die großen Duelle im Golf

77Golfwelt auf Knopfdruck |Das Spiel am Simulator

78„Ich kann’s“ |Witze über Golf

79Spieltrieb |Trickgolfer, Fußball- und Disc-Golf

80Auf Sand gebaut |Linkskurse und andere

81Die Alma Mater |Der Old Course in St. Andrews

82Georgia on My Mind |Der Kurs von Augusta National

83Die Wiege des Spiels |Schottland

84Smaragd-Insel |Die beiden Irland

85Die Meisterschüler |England und Wales

86Grand mit Dreien |Kontinental-Europa

87Die Mischung macht’s |Deutschland

88Kontinent der Vielfalt |Afrika

89Anfang unterm Apfelbaum |Nordamerika Ost

90Juwelen am Pazifik |Nordamerika West

91Qual der Wahl im tiefen Süden |Süd- und Mittelamerika, Florida und Co.

92Sandkastenspiele |USA, Mittlerer Westen

93Extraklasse in Down Under |Australien und Ozeanien

94Boom-Markt der Golfwelt |Asien, indischer Subkontinent

95Drama, more Drama, Baby! |Drei Beispiele für spektakuläres Golf

96Abschlag unter Lebensgefahr |Die gefährlichsten Plätze

97Neue Spieler braucht das Land |Golf im Wandel von Gesellschaft und Freizeit

98Kleine Fläche, großes Golf |Kurzplätze und Reversible Courses

99Sie wollen bloß spielen |Der Golfclub als Auslaufmodell?

100Das Rundum-Wohlfühl-Programm |Golfresorts

101Die Resilienz des Spiels |Golf in der Zukunft

Bildnachweis | Quellen

Impressum

Vorwort

„Golf ist trügerisch einfach und unendlich kompliziert; es befriedigt die Seele und frustriert den Intellekt. Es belohnt und macht gleichzeitig verrückt – und es ist ohne Zweifel das großartigste Spiel, das die Menschheit je erfunden hat.“

Arnold Palmer

Wohl keine seiner Leidenschaften ist dem Homo ludens, dem spielenden Menschen, zu einem solchen Facettenreichtum gediehen wie Golf: Athletik und Ästhetik, Konzentration und Koordination, Architektur und Literatur, Kunst und Kultur, Begegnung und Business, Lebensart und Lebensfreude … Der vorliegende „101 Dinge“-Band ist diesem Kaleidoskop gewidmet. Er soll Geschichte und Geschichten erzählen und ein Spiel vermitteln, das man vornehmlich gegen sich, seine Befindlichkeiten und Attitüden, allenfalls noch gegen den Platz und die Natur spielt. Bei dem der Weg das Ziel ist, die beinahe suchthafte Suche nach der einen Runde. Das uns unterwegs schonungslos mit dem eigenen Charakter konfrontiert, wenn man Reflexion zulässt. Dessen Wesen die Imperfektion ist – ohne Aussicht auf Erlösung.

So wie mein Spiel von meist erheiternder Unvollkommenheit ist, erhebt auch dieses Buch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Golf-Gesamtheit auf nicht mal 200 Seiten zu entfalten, wird umgehend zur Qual der (subjektiven) Wahl. Vieles greift ineinander, manches überschneidet sich, etliches ist zu verallgemeinern, Auslassungen sind unvermeidlich. Etablierte „Tiger“-Golfer sollen Interessantes finden, „Rabbit“-Neulinge Essenzielles. Idealerweise ist für alle was dabei. Und womöglich animiert das eine und andere Thema ja zu tiefer gehender Neugier. Oder gar zum Griff nach dem Schläger. Dann hätten meine Zeilen ihren Anspruch übererfüllt; mehr kann sich ein Autor nicht wünschen.

Zu guter Letzt: Vorworte sind für persönliche Anmerkungen da, und so gilt von Herzen ein inniger Dank den Menschen, die mich aus nächster Nähe (nicht nur) durch mein Golfjournalisten-Leben begleiten. Die Betreffenden wissen, wer gemeint ist. Ein großes Dankeschön geht zudem an jene Freunde und Partner, die mich bei der Bereitstellung von Fotos unterstützt haben – sie sind im Bildnachweis aufgeführt und verdienen freundliche Berücksichtigung.

Und nun: Vergnügliche Lektüre und schönes Spiel!

Köln, im Sommer 2020Michael F. Basche

1 Das Märchen vom Schäfer

Die Golf-Frühzeit

Es war einmal … So fangen gemeinhin Märchen an, auch dieses: Es war einmal ein schottischer Schäfer, der auf den Küstenwiesen vor der Stadt seine flauschigen Schützlinge hütete und zum Zeitvertreib mit dem krummen Ende des Hirtenstabs Kiesel in Kaninchenlöcher drosch – voilà, Golf war erfunden! Eine andere Fama besagt, dass schottische Soldaten einen Vorläufer namens Chole kennenlernten, während sie in der Schlacht von Baugé 1421 die Franzosen beim Hundertjährigen Krieg gegen England unterstützten.

Oder Golf wurde einfach durch den Wollhandel mit den Niederlanden „eingeschleppt“. Denn dort kannte man das „Spel metten Kolven“ schon, da schlugen sich die Tartan-Clans noch lieber den Schädel ein als spielend durch die Dünen zu toben. Das ist amtlich: Am 26. Februar 1297 fand in Loenen aan de Vecht ein Wettspiel statt, bei dem ein Lederball in ein entferntes Ziel zu bugsieren war.

Wollige Wurzeln: Entweder hat’s ein gelangweilter schottischer Schäfer erfunden, oder Golf wurde durch den Handel mit den Niederlanden „eingeschleppt“.

Spel metten Kolven: Schon im 13. Jahrhundert trieben die Holländer Kugeln über Wiesen und übers Eis. Schlagballspiele sind so alt wie die Menschheit.

Was die Holländer auf ihren Wiesen und winters auf gefrorenen Kanälen veranstalteten, sah eher nach Hockey und Eishockey aus, aber die Menschheit amüsiert sich sowieso von jeher mit Ball und Stock: Hurley, Shinty, Cambuca auf den britischen Inseln, Pele Mele in Italien, woraus die Franzosen Jeu de Mal und die Engländer Pall Mall machten. Krocket und Baseball, Exoten wie Lacrosse und das baskische Pelota sind so entstanden. Vor über tausend Jahren betrieben die Chinesen ein golfähnliches Spiel namens Chuiwan mit mehreren Schlägern. In Archiven findet sich der Hinweis auf einen Fürsten, der seine Tochter angewiesen haben soll, als Ziel ein Loch zu graben.

Jedenfalls trieb alsbald ganz Schottland mit Feuereifer den Ball vor sich her, Adel und betuchtes Bürgertum auf abgegrenzten Arealen, das gemeine Volk durch die Gassen und im Gelände. 1457 sah sich König James II. gezwungen, Golf und Fußball zu verbieten und das Training mit Pfeil und Bogen anzumahnen, weil er im ewigen Zwist mit England um die Wehrhaftigkeit seiner Untertanen fürchtete. „Ye futbawe and ye gowf be uterly cryt done and not usyt“, heißt es im Parlamentsbeschluss; „Fußball und Golf sind absolut zu verurteilen und werden nicht praktiziert“: Der Satz gilt den Schotten als Beginn ihrer Golf-Zeitrechnung.

2 Gowf und die „wilde 13“

Die Wiege des Spiels

Schottland im Jahr 1502: Das Parlament unter König James IV. hat Golf freigegeben, es herrscht ein wackeliger Friede mit den englischen Nachbarn. Für die High Society galt das Verbot sowieso nie. Der Monarch selbst liebte das Spiel in den Grünanlagen vor seinen Gemäuern und trug sich als erster Golf-Nerd in die Geschichtsbücher ein. Was durch Aufzeichnungen von Schatzmeister David Beaton belegt ist, beispielsweise über 14 Schilling als Bezahlung eines Bogenmachers in Perth für „clubbes“ aus Buchenholz.

Maria Stuart, die Enkelin von James, soll gar kurz nach der Ermordung des zweiten Ehemanns Lord Darnley im Februar 1567 schon wieder gegolft haben – mit ihrem Vertrauten und mutmaßlichen Gattenmörder Earl of Bothwell. Die „Queen of Scots“ prägte angeblich den Begriff Caddie, entlehnt von den Schläger schleppenden Militärkadetten (Cadets) beim Jeu de Mal am Hof zu Fontainebleau während ihres Erziehungs-Exils in Frankreich. Es gab indes in Schottland bereits Tagelöhner, die sich Caddies nannten, und als Ausrüstungsträger angeheuert wurden.

Golf grassierte. Vor allem Menschen mit Tagesfreizeit und gesichertem Einkommen strömten auf die Links, die kommunalen Brachen der Küstenstädte, buddelten Ziellöcher, markierten sie durch Stöcke und schlugen mit Stecken aus Dornbaum oder Esche drauflos. Es ging drunter und drüber, schiere Anarchie. „Long Gowf“ nannte sich das, die frühen Bälle aus Holz flogen indes eher flach, wenn überhaupt. Ein gewisser Sir Robert Maule ist als der erste nicht-royale Golfer belegt, er spielte um 1527 auf den Barry Links vor Carnoustie. Längst war Golf auch nach England geschwappt. 1513 bereits erwähnte Katharina von Aragon, die erste Frau des Wüstlings Heinrich VIII., in einem Schreiben an Kardinal Wolsey die zerstreuende Wirkung: „I thank God, to be busy at the Golf.“

Golf in Kurz: Der Adel spielte anfangs das dem Krocket ähnliche, eingegrenzte Jeu de Mal und überließ das originär wüste „Long Gowf“ dem Gutbürgertum.

Über Stock und Stein: 1744 vereinheitlichten die 13 ersten Golfregeln ein anarchisches Geländespiel.

1552 dann gab Erzbischof John Hamilton jene Wiesen vor der schottischen Universitätsstadt St. Andrews offiziell für allerlei Sportbetrieb frei, die als Old Course zur Legende werden sollten. Golf-Gesellschaften gründeten sich: Herrenzirkel, vereint in Spieltrieb und Trinkspaß. Das weibliche Gutbürgertum schwang ebenso die Schläger; zumindest wurden Frauen erwähnt, wenn die Kirche den heiligen, spielfreien Sonntag anmahnte. Derweil verfasste der Medizinstudent Thomas Kincaid 1687/88 in Edinburgh mit seinen Tagebucheinträgen die erste schriftliche Spielanleitung.

Am 7. März 1744 schließlich veröffentlichten die Gentlemen Golfers of Leith als verbindliche Grundlage für ein Wettspiel die 13 Ur-Golfregeln, brachten Ordnung ins Cross-Country-Chaos und legten damit das strukturelle Fundament für einen Welterfolg.

3 Gents und grobe Gesellen

Die Gründerväter

Weber, Zimmerleute, Landarbeiter: Wenngleich Golf seit jeher als Gentlemen’s Game gilt, waren es die sogenannten kleinen Leute, die das Spiel in seinen Anfängen prägten – sofern sie denn unmittelbar damit zu tun hatten. Menschen wie Allan Robertson, der in St. Andrews bei seinem Vater das Handwerk des Schlägerund Ballmachers sowie die Aufgaben eines Caddies erlernt hatte und als bester, ja unbesiegbarer Golfer seiner Epoche galt.

Gehen wir zurück ins Schottland der 1850er-Jahre, in die Gesellschaft der durch den Wollhandel mit Festlandeuropa prosperierenden Küstenstädte. Den Müßiggang eines zeitintensiven Geländespiels konnten sich nur Herren von Stand leisten, überdies war die Ausrüstung teuer. Allein der „Featherie“, eine in mühsamer Handarbeit mit nassen Federn gestopfte empfindsame Lederkugel von minimaler Haltbarkeit, kostete nach heutigem Kurs zehn bis 20 Dollar. Für den Otto Normalbürger in St. Andrews oder Prestwick war das unerschwinglich. Ohnehin gab’s nur sonntags Freizeit, und die sollte dem Kirchgang und der Familie vorbehalten sein. Auch war Golfspielen am Tag des Herrn unschicklich und deshalb zumeist verboten, die Links als kommunale Fläche wurden dann der Allgemeinheit zugänglich gemacht.

So begründeten notwendiger Schlendrian und nötiges Kleingeld schon damals das Bild vom Vergnügen für Privilegierte. Robertson und Co. wiederum, die Insider, fertigten das Spiel-Zeug, trugen den Gentlemen auf der Runde die Schläger hinterher und waren nicht selten fürs Herrichten des Geländes zuständig.

Der Gigant aus St. Andrews: Golf-Handwerker Allan Robertson galt zu seiner Zeit als unbesiegbar.

Gentlemen in geselliger Runde: Den Müßiggang eines zeitintensiven Geländespiels konnten sich nur Standesherren leisten, zudem war die Ausrüstung teuer.

Wer so nah dran ist am Wesen eines Spiels, der entwickelt beinahe naturgemäß enormes Verständnis und ausgeprägte Fertigkeit. Bald spielten die Arbeitsbienen besser als ihre Drohnen und wurden für das spielwütige und wettsüchtige Establishment zu begehrten Partnern im Golfduell mit anderen Gentlemen. Oder man ließ sie wie bei Hahnenkämpfen gleich direkt aufeinander los, befeuert von der Aussicht auf Anteile an den horrenden Wetten.

Berufsgolfer setzten die Standards

Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang der 14. Earl von Eglinton, ein großer Sponsor und leidenschaftlicher Zocker, sowie Oberst James Ogilvie Fairlie – von beiden wird noch die Rede sein. Auf der anderen Seite brachten es die ersten Berufsgolfer – Mungo, Willie Park Sr. und Willie Park Jr. aus Inveresk oder Willie Dunn Sr. aus Musselburgh, nicht zuletzt St. Andrews’ Golfgigant Allan Robertson selbst – auf diese Weise zu Wohlstand und setzten die sportlichen Standards. Als Robertsons Lehrling in St. Andrews übte sich seit 1835 zudem einer im Golfhandwerk, der im Lauf seiner gewaltigen Karriere zum „Allvater“ und Schutzheiligen des Golfspiels werden sollte und bis heute als Patron der Golfplatz-Architektur und als Wegbereiter des Turniergolf um Siegprämien und Preisgelder verehrt wird: Old Tom Morris.

4 Der Allvater

Old Tom Morris

Die Karriere des Golf-Patriarchen begann mit einem Rausschmiss. Weil Tom Morris den gerade erfundenen Kautschukball spielte, deutlich günstiger und haltbarer als die Featherie-Produkte seines Lehrherren. Und von diesem dabei erwischt wurde. Worauf der berühmte Allan Robertson den Azubi umgehend feuerte. 1851 soll das gewesen sein. Als „Custodian of the Links“ in St. Andrews und bester Golfer seiner Zeit verdiente Robertson mit Wettspielen, Schlägerbau, Greenkeeping und vor allem mit der Featherie-Herstellung gutes Geld. Mitarbeiter Morris war somit ein Nestbeschmutzer.

In Prestwick an der Westküste freute man sich. Die angehende Golf-Koryphäe, durch Teammatches mit Robertson schon einigermaßen berühmt, war frei. Der bereits erwähnte Oberst Fairlie vermittelte Morris an den Heimatclub. Im selben Jahr noch trat der damals 30-Jährige seinen Dienst an und machte in der Folge aus Prestwicks Golfwiese einen ordentlichen Platz. Auf dem Zwölf-Loch-Kurs fand 1860 die erste Open Championship statt, um den sportlichen Nachfolger von Allan Robertson zu ermitteln, der inzwischen verstorben war. Morris wurde bei der Premiere Zweiter und gewann dreimal, bevor er Ende 1864 nach St. Andrews zurückkehrte, wo man ihm den verwaisten Job des „Links-Hüters“ angedient hatte. 50 Pfund jährlich plus 20 Pfund Budget für Fremdleistungen gab es dafür. Ein beachtliches Salär. Die Einnahmen aus dem Pro-Shop flossen sowieso in Morris’ Tasche.

1867 holte sich der notorisch schlechte Putter trotzdem in Prestwick die vierte Open und zog fortan mit Schubkarre und Schaufel über seinen geliebten Old Course. Oder reiste per Eselskarren und später per Eisenbahn bzw. Dampfschiff als Golfplatz-Architekt durch die Gegend. Für das Tageshonorar von einem Pfund plus Spesen nahm er allerorten das Gelände in Augenschein und bestimmte die Positionen von Tees, Greens und Bunkern. Morris soll bei fast der Hälfte der 109 Linksplätze, die um 1900 auf den britischen Inseln existierten, die Hand im Spiel gehabt haben.

Siegertyp: Old Tom Morris bereitete der Open Championship in Prestwick die Bühne und gewann viermal.

Der Patriarch des Golfsports: Thomas Mitchell Morris war bis zum seinem Tod 1908 spielerisch und als Platzarchitekt auf den britischen Inseln aktiv.

Tod durch Treppensturz

Den von Mutter Natur schon nahezu perfekt hingelegten Old Course polierte Old Tom im Lauf seiner 39-jährigen Tätigkeit durch Umbauten und revolutionäre Pflegemaßnahmen zum Platz der Plätze auf. Er machte das strategische Design zum Standard, führte das Besanden von Fairways und Grüns ein, erfand die Grassoden-Bauweise der Pottbunker und den Locheinsatz fürs Grün. Clever war Morris auch. Er bezog eine Rente zu vollen Bezügen. Und jeder Club, dem er seine Unterstützung angedeihen ließ, war verpflichtet, Schläger und Bälle nur aus seinem Shop zu beziehen. Thomas Mitchell Morris starb am 24. Mai 1908, hochbetagt mit 87 Jahren, als er im New Golf Club von St. Andrews auf der Treppe stürzte. Seine Legende jedoch ist unsterblich.

5 It’s All About the Money

Golf und Geld

Über Geld soll man ja bekanntlich nicht reden, aber es muss sein. „Nach Golde drängt, Am Golde hängt doch alles …“, ließ Goethe 1808 bei der Uraufführung des „Faust“ sein Gretchen sinnieren, das passt auch zeitlich ganz gut: Ohne den schnöden Mammon wäre Golf immer noch eine Nischennummer wie viele Vorgänger. Der Wettwut zuvorderst verdankt das Spiel seine frühe Beliebtheit – nebst dem Umstand, dass es keine aufwendigen Arenen brauchte, bloß genug Gelände. Das britische Establishment zockte, was die Portemonnaies hergaben. Boxen, Pferderennen, Hunde- und Hahnenkämpfe oder Bogenschießen indes waren olle Kamellen; dieses so schön als Schlagum-Schlag- und Loch-um-Loch-Duell (Matchplay) orchestrierbare neue Spiel kam gerade recht. Die groben, wenig gesellschaftsfähigen Gesellen störten etwas, man wusste sich allerdings zu helfen. Als Colonel Fairlie 1860 die erste Open Championship in Prestwick inszenierte, staffierte er die acht Kombattanten von teils zweifelhaftem Ruf, wenig Bildung, aber hoher Schlagfertigkeit mit grobwollenen Arbeiterjacken aus, um sie einigermaßen manierlich wirken zu lassen.

Pfand für die Wandertrophäe

Bezeichnenderweise bekam der jeweilige Gewinner anfangs keine Siegprämie: Er musste vielmehr gar ein Pfand für den kostbaren Gürtel des Champions hinterlassen, den der Earl of Eglinton als erster Großsponsor der Sportgeschichte gestiftet hatte, um die Rückgabe der 25 Pfund teuren Wandertrophäe (in heutiger Währung 1.600 Euro) zur nächsten Open-Auflage sicherzustellen.

Sowieso machten die Cracks ihren Profit als Gladiatoren und als gefragte Partner der Herren von Stand und Finanzstatus. Bei privat arrangierten Wettspielen ging es durchaus um damals horrende Börsen von mehreren hundert Pfund. Bereits aus dem Jahr 1681 ist ein sportlicher Zwist des Duke of York mit zwei englischen Gentlemen auf den Links von Leith um das Prestige der besseren Golf-Nation überliefert. Der spätere Stuart-König holte sich eine lokale Größe zur Unterstützung, den Schuhmacher James Paterson. Prompt gewann das Duo; und Patersons Preisgeld fiel derart hoch aus, dass er sich den Kauf eines Adresslage-Hauses in Edinburgh leisten konnte. Mit dem Zaster wurde Golf zum Profisport, die heutigen Promoter des Spiels folgen letztlich nur diesem historischen roten Faden. Der flamboyante amerikanische Berufsspieler Walter Hagen (1892–1969) gilt als erster Preis- und Antrittsgeld-Millionär. Er protegierte seine Zunft mit allerlei exzentrischen Aktionen wie einem gemieteten und als Garderobe genutzten Luxusauto, das er bei der Open Championship 1920 per Chauffeur demonstrativ vor dem für die Profi-Parias nicht zugänglichen Clubhaus im englischen Kent parken ließ.

Cracks von hoher Schlagfertigkeit: Das Foto aus dem Jahr 1905 zeigt die meisten damals noch lebenden Open Champions, darunter Old Tom Morris (mit Stock).

Golf fördert das Geschäft

Die Zugehörigkeit zu den Golf-Gesellschaften blieb dem „gemeinen“ Volk lange versagt, selbst wenn es noch so gut spielte. Also gründete die britische Arbeiterklasse beispielsweise ihre eigenen Handwerkerbünde, die sogenannten Artisan Clubs, um an der gemeinschaftlichen Nutzung der meist kommunalen Golfplätze teilhaben zu können. Über ein Jahrhundert lang galt zudem die Weisheit, dass sich beim Golf bestens Geschäftskontakte knüpfen lassen. Schon Belgiens König Leopold II. förderte die Handelsbeziehungen mit England, indem er die per Schiff anreisenden Kaufleute mit dem 1888 angelegten Koninklijken Golf Club Oostende empfing, einem feinen Linksplatz. Auch in der Moderne gönnten sich Firmenlenker und Top-Manager eigene Kurse oder Business-Turniere zu Kontaktpflege und mehr, bis verschärfte Compliance-Richtlinien den Spaß verleideten.

6 Der Kronprinz im Kurpark

Die Geburt von Golf in Deutschland

In Bad Homburg hat’s begonnen, irgendwann Ende 1880: „An einem Frühlingsabend fuhr an einem der neuen Luxushotels eine Equipage vor“, notierte einst der legendäre Journalist und Platzarchitekt Bernhard von Limburger. „Es entstieg ihr ein gut aussehender Engländer. Zu seinen unzähligen Gepäckstücken gehörte auch ein Segeltuchköcher mit sechs merkwürdig aussehenden Instrumenten.“ In den folgenden Tagen amüsierte sich der Gentleman mit seinen Schlägern im Kurpark, und so flogen erstmals Grasfetzen, die „Divots“, aus einer deutschen Wiese. In Kur zu fahren war damals „en vogue“, aber Kurorte gab’s in England kaum, jenseits des Kanals hingegen etliche. Doch nur in Bad Homburg und im belgischen Spa konnte man nebst Nutzung der Heilquellen und Amüsement im Casino auch Golf spielen. Was Wunder, dass die „Sommerfrischler“ aus England in Hessen quasi eine Kur-Kolonie gründeten. Allein Albert Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha, später König Edward VII., weilte als Prince of Wales und hingebungsvoller Golfer 32-mal zur Erholung in Bad Homburg. Unter Berties „Aufsicht“ entstand auch Deutschlands erster Golfplatz. Major-General Robert William Duff und Colonel Gordon legten 1889 im Kurpark den „Old Course“ an, der bis 1981 in Betrieb war.

Als Golfclub freilich trugen sich die Bad Homburger erst 1899 ins Vereinsregister ein. So gebührt dem benachbarten Wiesbadener Golf Club 1893 die Ehre des ältesten deutschen Golfclubs. Es folgten Berlin-Wannsee und Bremen-Vahr, wo ab 1895 offiziell gegolft wurde.

Am 26. Mai 1907 schließlich riefen in Hamburg acht deutsche Golfclubs den Deutschen Golf Verband (DGV) ins Leben. Erster Präsident war der Hamburger Johann Vincent Wentzel. „Mit eisernem Fleiß spann Wentzel die Fäden zwischen den deutschen Clubs und knüpfte Beziehungen zum Ausland an“, schrieb Vereinsmitglied Alfred Vorwerk. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der DGV wie alle anderen deutschen Sportorganisationen von den Alliierten aufgelöst. In Bad Ems erfolgte dann 1949 die Wiedergründung des neuen (West-)Verbands. 1975 schließlich zog Golf ins deutsche Fernsehen ein: ZDF-Mann Harry Valérien zeigte den Erfolg des Engländers Maurice Bembridge bei der German Open. Das seit 1911 ausgetragene Turnier war 70 Jahre lang eine Angelegenheit der ausländischen Gäste, vom grandiosen Harry Vardon (England) als Premierensieger über Berühmtheiten wie Henry Cotton (England), Bobby Locke (Südafrika) oder Peter Thomson (Australien) bis zum großen Spanier Severiano Ballesteros 1980.

Vorkämpfer für Golf im TV: ZDF-Mann Harry Valérien initiierte 1975 die erste Turnier-Übertragung.

Organisierter Sport: Am 26. Mai 1907 gründeten in Hamburg acht deutsche Clubs den Deutschen Golf Verband, erster Präsident war Johann Vincent Wentzel.

Bernhard Langer und die German Open

Als Professional in Berlin-Wannsee vertrat der fünffache englische Sieger Percy Alliss wenigstens ein bisschen auch die deutschen Farben. 1981 dann schlug die Stunde von Bernhard Langer. Er wurde im Hamburger Golf-Club Falkenstein erstmals Internationaler Deutscher Meister und ließ bis 1993 vier weitere German-Open-Titel folgen.

7 Tee to Green

Die Komposition einer Golfbahn