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Unsere Novität 101 Oslo präsentiert die faszinierende Hauptstadt Norwegens am inneren Oslofjord in all ihren Facetten. Ihre einzigartige Architektur und Kultur zeichnen sie als hypermoderne europäische Metropole aus, die Historie und Moderne vereint: 101 doppelseitige Artikel stellen Stadtviertel und Spaziergänge, Kunst und Kultur, Architektur, Aktivitäten, Shoppen und Ausgehen, Essen & Trinken und vieles mehr vor.
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Seitenzahl: 371
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Ulrich Quack
Geheimtipps und Top-Ziele
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Ulrich Quack
101 Oslo
1. Auflage 2025
ISBN : 978-3-86457-523-5 epdf
ISBN : 978-3-86457-522-8 epub
© Reisebuchverlag Iwanowski GmbH
Salm-Reifferscheidt-Allee 37 • 41540 Dormagen
Telefon 0 21 33/26 03 11 • Fax 0 21 33/26 03 34
[email protected] | www.iwanowski.de
Titelfoto: Die Hafenpromenade und das Opernhaus © Fara_Mohri/Visit Oslo
Alle anderen Farbabbildungen: s. Bildnachweis S. 249
Lektorat: Gudrun Raether-Klünker
Layout: Ulrike Jans, Krummhörn
Umschlagkarte: Klaus-Peter Lawall, Unterensingen
Titelgestaltung: Point of Media, www.pom-online.de
Redaktionelles Copyright, Konzeption und deren ständige Überarbeitung: Michael Iwanowski
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Druck: Hunter Books GmbH, Darmstadt
Printed in Germany
Einleitung
Die Stadt am Fjord, die sich immer wieder neu erfindet
Oslo entdecken
Tourenvorschläge
Stadtviertel und Spaziergänge
1Kvadraturen – die „Altstadt“ Christians IV.
2Jernbanetorget – ein Tiger im Verkehrsgewühl
3Die „Karl Johan“ – Prachtboulevard, Flaniermeile und Besuchermagnet
4Rund um den Stortorvet – Domkirche und Kommerz
5Das Regierungsviertel in Hammersborg – die Wunde der Nation
6Zwischen Stortorvet und Schlosspark
7Am Telthusbakken – Oslos verwunschenes Holzhausensemble
8Vulkan – pulsierendes Leben in der ehemaligen Eisengießerei
9Frogner – Oslos großbürgerliche Wohnstube
10Uranienborg und Homansbyen – Villenviertel am Schlosspark
11Aker Brygge – Vorzeigeprojekt mit Modellcharakter
12Tjuvholmen – von der „Diebesinsel“ zum exquisiten Quartier
13Majorstuen – Shopping, Sport und Studentenleben
14Gamlebyen – die Keimzelle der Hauptstadt
15Sørenga und Sukkerbiten – Freizeitspaß statt Containerhafen
16Grønland und Tøyen – multikulturelle Stadtteile im Wandel
17Grünerløkka – vom Malocherbezirk zum Trendviertel
18Kampen und Vålerenga – Arbeiterquartiere und Sporthochburg
19Halbinsel Bygdøy – Natur, Strände und Museen von Weltruf
20Fornebu – neuer Start für den ehemaligen Flughafen
Kunst und Kultur
21Felsritzungen – die ältesten Kunstwerke der Stadt
22Die Wikinger und ihr Oslo
23Das Norwegische Volksmuseum
24Das MUNCH – der Maler und sein Museum
25Meilensteine der Polarforschung – im Fram-Museum
26Das Kon-Tiki-Museum – auf Expeditionsreise mit Thor Heyerdahl
27In Granit gemeißelt, in Bronze gegossen – Gustav Vigelands Lebenswerk
28Oslo – Stadt der Literatur und Literaten
29Oslo, Alfred Nobel und der weltweit wichtigste Friedenspreis
30Barockes und plüschiges Interieur – im Nationaltheater
31Auf den Spuren der Geschichte – Historisches Museum und Stadtmuseum
32Besatzung und Widerstand – Stätten der Erinnerungskultur
33Pioniere des Wintersports – Historisches im Skimuseum
34Tatort Oslo – Krimis made in Norway
35Street Art – groß, großartig, kostenlos!
36Mit Kultfaktor – die Jazz-Szene
Architektur
37Stabkirche Gol – eine der berühmtesten Kathedralen aus Holz
38Festung Akershus – Renaissanceschloss auf mittelalterlichen Mauern
39Royales Oslo – das Königliche Schloss
40Klassizistisch geprägt – die älteste Universität des Landes
41Das Storting – Norwegens politisches Zentrum
42Die Victoria Terrasse – Pariser Eleganz mit düsterer Geschichte
43Mächtiger Backsteinklotz mit zwei Türmen – das Rathaus
44Der Kunst aufs Dach gestiegen – die Oper, das neue Wahrzeichen der Stadt
45„Barcode“-Minihochhäuser, Klein-Venedig und eine akrobatische Brücke
46Die Deichman-Bibliothek – ein Ort der Begegnung
47Eine ganz große Sache – das neue Nationalmuseum
48Weltberühmt – die Skisprungschanze auf dem Holmenkollen
Grünes Oslo
49Schlosspark und Schlossplatz – Bäume, Skulpturen und Karl Johan
50Der Ekeberg – Freiluftgalerie mit Aussicht
51Botanischer Garten – mit Wasserlilien, Themengärten und einem historischen Herrenhof
52St. Hanshaugen und Erlöserfriedhof
53Es grünt so grün in Grünerløkka – Sofienberg Park und Birkelunden
54Am Akersfluss entlang (I): von der Mündung bis zum Nedre Foss
55Am Akersfluss entlang (II): zwischen Nedre Foss und Arbeitermuseum
56Am Akersfluss entlang (III): zwischen Arbeitermuseum und Nydalen
57Am Akersfluss entlang (IV): zwischen Nydalen und Maridalsvann
58Holmenkollen und Frognerseteren – Oslos Balkon über der Stadt
59Die Nordmarka – Oslos geografisches Zentrum
60Sognsvann und Maridalsvann – mit dem ÖPNV zu den Ausflugsseen
61In der Østmarka – Wanderungen in Norwegens jüngstem Nationalpark
62Im Grorud-Tal – Wanderung durch den Skulpturenpark Rommensletta und zum Stovner-Turm
Oslo im Fahren erleben
63„T-banen“ und „Trikken“ – Oslos Metro- und Straßenbahnsystem
64Mit dem Fahrrad durch die Hauptstadt
65Die schönsten Kanu- und Kajaktouren
66Sightseeing per Bus und Boot
Aktivitäten
67Saunieren vor der Oper und im Fjord
68SNØ – ganzjährig Skifahren in der „Schneestadt“
69Korketrekkeren – Rodeln auf der „Korkenzieher“-Bahn
70Winterspaß auf Eis – Schlittschuhlaufen in der Hauptstadt
71Schwimmbäder und Wellnessoasen
Stilvoll übernachten und essen
72Legendäre Adresse – das Grand Hotel
73Sommerro – modernisierte Art-déco-Perle
74The Thief – Luxus und Kunstgenuss am Wasser
75Hotel Continental – klassische Eleganz mit gastronomischen Highlights
76Das Bristol – Hotel-Institution der Goldenen Zwanziger
77Dr. Holms Vermächtnis – Vier-Sterne-Hotels Holmenkollen Park und Soria Moria
78Lysebu und Voksenåsen – luxuriös übernachten im norwegischen „Nationalgeschenk“
79Cochs Pensjonat und Lorry – Unterkunft und Kneipe (nicht nur) für Künstler
80Grand Café – das Wohnzimmer der Kristiania-Boheme
81Hochgelobt, edel und teuer – das Maaemo und weitere Sterne-Restaurants
82Feinkost und Fingerfood – Mathallen und Oslo Street Food
83SALT – coole Location mit Kultur, Food Stalls, Sauna und toller Aussicht
84Oslos schönste Rooftop-Bars
Attraktionen für Kinder
85Eldorado für Neugierige – Naturhistorisches und Technisches Museum
86Tierische Begegnungen
87Spannend und rätselhaft – Paradox-Museum und The Viking Planet
88Barnekunstmuseet – das internationale Museum für Kunst der Kinder
89TusenFryd und andere Freizeitparks
Ausflüge
90Eidsvoll – ein Herrenhaus, das Geschichte schrieb
91Das Urlaubsparadies vor der Haustür – Inselhopping im Oslofjord
92An der Wespentaille des Fjords – Drøbak und Oscarsborg
93Überraschendes zwischen Drøbak und Hvitsten
94Moss und die Insel Jeløya – kulturelle Highlights am östlichen Oslofjord
95Bærums Verk – Handwerkskunst im alten Eisenwerk
96Fetsund Lenser – Holzfloßmuseum und Binnendelta an Norwegens längstem Fluss
97Borre – Wikinger treffen Metal-Fans
98Åsgårdstrand – die „weiße Perle am Oslofjord“
99Kobalt, Bergbau und ein Wasserfall – das Blaufarbenwerk
100Am Randsfjord – die faszinierende Welt der Glaskunst und ein Winzer
101Spektakuläre Architektur – das Kistefos Museum hat den „Twist“
Anhang
Oslo in Zahlen
Geschichtlicher Abriss
Feste und Festivals
Reisepraktische Informationen
Stichwortverzeichnis
Der Autor
„Uuschluu“ – so sprechen Norweger den Namen ihrer Hauptstadt aus – der „Stadt, die niemand verlässt, ohne von ihr gezeichnet zu sein“ (Knut Hamsun). Sie hat ihr provinzielles Kleid längst abgestreift, sich sozusagen völlig neu erfunden, und präsentiert sich heute in einem überraschend modernen Gewand.
Autor Ulrich Quack
Dabei hat Oslo im Jahre 2000 das tausendjährige Stadtjubiläum gefeiert, ist also älter als alle anderen Metropolen im Norden. Mitte des 19. Jh. mit rund 30.000 Einwohnern noch kein urbanes Schwergewicht, galt Oslo erst ab 1900 als Großstadt. Seitdem hat sich die Einwohnerzahl vervielfacht. Mit 718.000 Menschen in der Kommune, ca. 1,1 Mio. im Großraum und mehr als 1,5 Mio. in der Metropolregion ist sie die mit Abstand größte Stadt des Landes. Hier konzentrieren sich Handel, Industrie, Verwaltung und Kultur, hier haben Parlament und Regierung ihren Sitz, hier residiert die Königsfamilie.
Mit einer Fläche von 454 km2 gehört Oslo zu den größten Hauptstädten des Kontinents. Aber nur ca. ein Fünftel des Areals ist bebaut, bewaldete Flächen überwiegen, und ganze 40 Inseln sowie 343 Seen (!) gehören zum Stadtgebiet. Der Freizeitwert der Umgebung ist folglich fantastisch und ermöglicht im Sommer wie im Winter eine Fülle von (sportlichen) Aktivitäten.
Von allen nordischen Hauptstädten war Oslo zwischen 2000 und 2024 den größten Veränderungen ausgesetzt, sodass viele die Stadt kaum wiedererkennen werden. Das milliardenschwere Fjordbyen-Projekt (= Fjordstadt) betrifft fast alle Uferzonen, von Filipstad im Westen bis Sørenga im Südosten. Mit dem gewaltigen Umbau hat man den Fjord weitgehend in die Stadt integriert; es wurden neue Parkanlagen und Wohnviertel, Brücken und Schiffsanlegestellen, Geschäftslokale, Museen, Hochhäuser und Freizeiteinrichtungen geschaffen. Die Autobahn E18 verschwand aus dem Stadtbild und verläuft nun in einem Tunnel, z. T. unterhalb des Fjords. Und auf bisherigen Kaianlagen, Werftgeländen und militärisch genutzten Flächen entstand – architektonisch anspruchsvoll – das schöne, neue Oslo. Das erste Vorzeigeobjekt war die neue Oper (2008) – inzwischen umgeben von ikonischen Bauwerken wie dem MUNCH, der Deichman-Bibliothek und dem „Barcode“-Viertel.
Zwar zählt Oslo zu den teuersten Städten Europas, es kann Besuchern aber auch einen einzigartigen Gegenwert liefern – einen prall gefüllten Veranstaltungskalender, ein effizientes öffentliches Verkehrsnetz, abwechslungsreiche Stadtviertel, unbegrenzte Shoppingmöglichkeiten sowie Restaurants der Spitzenklasse.
In diesem Band werden in 101 Beiträgen unterschiedliche Aspekte dieser so jungen und doch so alten Stadt beleuchtet – einer Metropole, die Kunst- und Kulturfans, Naturliebhaber und Freunde urbanen Lebens gleichermaßen begeistern wird. Und die immer schon Besuchern gegenüber auf ein Wort besonders großen Wert legte: Velkommen!
Tag 1: Die Karl Johan mit ihren Sehenswürdigkeiten sollte am Anfang eines ersten Oslo-Besuchs stehen. Vormittags Spaziergang vom Bahnhof in Richtung Schloss mit kurzem Abstecher in den Schlosspark. Dann zu den modernen Vierteln Aker Brygge und Tjuvholmen mit Mittagessen. Nachmittags Besichtigung des Rathauses und Bummel durch das Viertel Kvadraturen bis zur neuen Oper. Abendessen im Bahnhofsviertel, eventuell Absacker in der Cocktail-Bar des Plaza Hotels mit tollem Blick auf die Stadt. Tag 2: Vormittags je nach Interesse Besuch des MUNCH oder des Nationalmuseums. Nachmittags mit der Personenfähre zur Halbinsel Bygdøy, wo u. a. das Fram- und das Volksmuseum locken. Abends Spaziergang entlang des Unterlaufs der Akerselva und Abendessen im Szeneviertel Grünerløkka.
Tag 1: Vormittags Spaziergang vom Bahnhof in Richtung Schloss mit kurzem Abstecher in den Schlosspark. Danach Besichtigung des Rathauses und Bummel durch das Viertel Kvadraturen – mit Mittagspause – bis zur neuen Oper. Abendessen im Bahnhofsviertel, eventuell Absacker in der Cocktail-Bar des Plaza Hotels mit tollem Blick auf die Stadt. Tag 2: Vormittags mit Fähre oder Bus auf die Halbinsel Bygdøy. Spaziergänge und Besuch des Fram-Museums, des Volksmuseum (mit Mittagpause) und – sobald fertiggestellt – unbedingt des Museums der Wikingerzeit. Abends Bummel durch die modernen Viertel Aker Brygge und Tjuvholmen mit Abendessen. Tag 3: Spaziergang entlang der Akerselva bis zum Vulkan-Quartier, Mittagessen in der Mathalle. Besuch der Holzhausviertel Damstredet und Telthusbakken sowie des Szenestadtteils Grünerløkka mit Abendessen. Tag 4: Am Vormittag durch den berühmten Vigeland-Park schlendern. Dann mit der Holmenkollen-Bahn bis zur Endstation „Frognerseteren“, Wanderung bergab bis zur Skisprungschanze und dem Skimuseum, von der Station „Holmenkollen“ zurück ins Zentrum – Abendessen auf der Karl Johan. Tag 5: Rundgang durch das moderne Oslo: Von der Deichman-Bibliothek zur „Barcode“-Reihe, anschließend schöne Wanderung (alternativ: mit der Straßenbahn) hinauf auf den Ekeberg mit Skulpturenpark, dann über Gamlebyen zum Viertel Sørenga mit Mittagspause, anschließend weiter zum MUNCH mit Museumsbesuch und eventuell Abendessen.
Für viele gehört zu einem richtigen Norwegen-Urlaub in erster Linie ein Besuch des Fjordlands. Andere schwören auf den Hohen Norden, z. B. mit dem Nordkap und den Lofoten. Aber auch Südnorwegen ist wunderschön und bietet landschaftlich wie kulturell unglaublich viel – und liegt Mitteleuropa deutlich näher. Außerhalb der Hauptsaison ist ein Urlaub im Ferienhäuschen am Oslofjord eine gute Idee – zwischen Larvik und Oslo an der Westküste oder zwischen Drøbak und Oslo an der Ostküste. Und dabei könnte man für die Hauptstadt immer wieder Ausflugstage reservieren, wobei man sogar mit den lokalen Fähren oder Zügen schnell ans Ziel gelangt. Viele der in einem eigenen Kapitel vorgeschlagenen „Ausflüge“ lägen dabei auf dem Weg.
Feuer stellte für die norwegischen Holzhausstädte schon immer eine große Gefahr dar. 1624 legte ein Großbrand das alte Oslo in Schutt und Asche. Der dänische König Christian IV., gleichzeitig Regent über Norwegen, verfügte daraufhin, dass nahe der Festung Akershus eine komplett neue Stadt entstehen sollte: Christiania, benannt nach ihrem Gründer. Dem Idealbild der Renaissance entsprechend wurde diese mit einem rechtwinkligen Straßenraster geplant, statt mit Holz baute man nun auch mit Stein. Für das Viertel zwischen den Straßen Strandgata (Osten), Akersgata (Westen), Myntgata (Süden) und Karl Johan (Norden) hat sich heute der Name Kvadraturen eingebürgert. Geprägt wird es von Institutionen, Banken, Hotels und Botschaften.
Im Osten bietet sich die Havnepromenaden neben der Uferstraße Langkaia als Startpunkt für einen Spaziergang durch Kvadraturen an. Unmittelbar jenseits der Straße strahlt die klassizistische Osloer Börse (Oslo Børs, Tollbugata 2) im alten Glanz. 1826–28 errichtet, war hier von Anfang an die Börse untergebracht. Auffälliger ist der massige Hafenspeicher (Havnelager). 1921 fertiggestellt, zählte das zehnstöckige Gebäude damals zu den größten Skandinaviens und galt als größter Betonbau Europas! Heute beherbergt er Büros und den Zeitungsverlag Dagbladet.
Betritt man nun das Schachbrettmuster der Straßen über den Grev Wedels plass, passiert man als Erstes das ehemalige Militärkrankenhaus (Militærhospitalet), eines der größten Holzhäuser der Hauptstadt. 1807 an anderer Stelle errichtet, wurde es erst 1981–84 an seinen jetzigen Standort verlegt. Der rechteckige Park Grev Wedels plass setzt sich mit seinem Springbrunnen recht hübsch in Szene. Sehenswert ist die Alte Loge (Gamle Logen) von 1836, etwas zurückversetzt hinter dem Militärkrankenhaus. Dieses Haus der Kultur war im Laufe der Zeit Schauplatz größerer Ereignisse, und auch heute noch wird es für Gesellschaften, Konzerte und Konferenzen genutzt.
Vor dem Engebret Café
Mitten in der „Kvadratur“: der Bankplassen
An seinem nordwestlichen Ende geht der Grev Wedels plass in den Bankplassen über, einen weiteren schönen Park. Er wird von Bankpalästen flankiert, die nacheinander als Hauptsitz der Norwegischen Zentralbank dienten. An der Westseite erblickt man das älteste dieser Gebäude (1890), das heute, erweitert durch einen Anbau, das Nationalmuseum für Architektur (Nasjonalmuseet – Arkitektur) beherbergt. 1906 war die Zentralbank in das größere Gebäude umgezogen, das fast die gesamte Südseite des Platzes dominiert. In diesem Bankpalast, ausgeführt in Granit und Marmor, war ab 1990 das Museum für zeitgenössische Kunst zu Hause, bevor dessen Sammlung 2022 ins neue Nationalmuseum (S. 108) überführt wurde. Der heutige Hauptsitz der Zentralbank liegt nur einen Steinwurf entfernt an der Kirkegata.
Auch sonst wirkt der Platz mit Springbrunnen und Skulpturen recht einladend. An seiner Nordostseite versprüht das traditionsreiche Engebret Café nostalgischen Charme. Seit 1857 hat es einen Ruf als Künstlerlokal – zu seinen Gästen zählten u. a. Henrik Ibsen, Edvard Grieg, Knut Hamsun und Edvard Munch. Auch heute kann man hier Berühmtheiten aus der Kulturszene antreffen. In der Nähe ziehen zwei Bronzefiguren die Blicke auf sich: vor dem Café der Schauspieler Johannes Brun und kurz dahinter ein „Mädchen mit Handy“.
In wenigen Gehminuten gelangt man vom Bankplassen auf den Christiania Torv, einen hübsch gestalteten Platz mit Cafés und historischer Bebauung. Ein modernes Denkmal zeigt die überdimensionierte bronzene Hand des dänischen Königs Christian IV., der auf diese Stelle als Standort der zukünftigen Stadt Christiania zeigt. Das auffällige Gebäude im Süden des Platzes ist das Alte Rathaus (Det Gamle Raadhus) von 1641, eines der ältesten Häuser der Stadt. Es diente nicht nur dem Stadtrat, sondern u. a. auch als Versammlungsplatz der Bürgerschaft, Weinschänke, Gebetshaus und Gefängnis. 1856 wurde in der ersten Etage das erste Restaurant eröffnet, das als traditionsreiche Gaststätte Det Gamle Raadhus auch heute noch Gäste bewirtet.
Info
Museum: Nasjonalmuseet – Arkitektur, Bankplassen 3, www.nasjonalmuseet.no.
Essen & Trinken: Engebret Café, Bankplassen 1, 22822525, www.engebret-cafe.no, Mo–Fr 11.30–15.30, Mo–Sa 16–23 Uhr.
Det Gamle Raadhus, Nedre Slottsgate 1, 22420107, www.gamleraadhus.no, Di–Fr 11.30–15, Mo–Sa 16–22 Uhr.
Anlässlich des tausendjährigen Stadtjubiläums im Jahre 2000 wurde Oslos Bahnhofsplatz (Jernbanetorget) mit einem 4,5 m langen bronzenen Tiger geschmückt. Das viel fotografierte Tier steht nahe einem gläsernen Uhrenturm mit der Aufschrift „Ruter“, wo man Informationen zum öffentlichen Nahverkehr bekommt. Die Statue nimmt Bezug auf ein Gedicht von Bjørnstjerne Bjørnson, in dem Oslo als „Tigerstadt“ und damit als gefährlich bezeichnet wird. Dieses negative Image hat Oslo längst abgeschüttelt und ins Gegenteil verkehrt.
So groß der Bronzetiger auch ist: Angesichts des ständigen Menschenstroms kann es passieren, dass man ihn vor lauter Hektik und Gedränge gar nicht wahrnimmt. Zweifellos ist dieser Platz mit 50 Mio. Reisenden pro Jahr der betriebsamste des ganzen Landes. Kein Wunder: Da ist der Bahnhof und nebenan auch der Busbahnhof, es gibt eine U-Bahn-Station, Haltestellen für Tram und Stadtbusse, und auch Taxis, Reisebusse, Fahrräder und E-Roller frequentieren den Platz. Der Jernbanetorget ist aber nicht nur ein Verkehrsknotenpunkt: Er wird auch gesäumt von einigen der größten Hotels und Shoppingcentern der Stadt, und die Eventarena „Oslo Spektrum“ lockt zusätzlich Besucher an.
Ein Wahrzeichen der Stadt: Oslos Bronzetiger
Vom Platz führt eine breite Freitreppe zum Hauptbahnhof hinauf, hier „Oslo Sentral“ oder einfach „Oslo S“ genannt. Er besteht aus der Østbanehallen mit Gastronomie und Touristeninformation sowie dem eigentlichen Kopfbahnhof mit Bahnsteigen für Lokal-, Regional- und Fernzüge. Dieser bietet neben Ticketschaltern und -automaten u. a. Kioske, Bankomaten, eine Wechselstube, Toiletten, Schließfächer und einen 24 Stunden geöffneten Supermarkt. Schon der erste Hauptbahnhof, 1849 eingeweiht, war als Schlusspunkt einer Sichtachse gedacht, die ihn über die schnurgerade Karl Johan gate mit dem Königlichen Schloss verband. Um diesem repräsentativen Anspruch optisch gerecht zu werden, wurde er mehrmals vergrößert und verschönert. Zwischenzeitlich erhielt er den Namen Ostbahnhof (Østbanestasjonen), um ihn vom 1872 eingeweihten neuen Westbahnhof (heute Nobelcenter, S. 71) zu unterscheiden. 2013–16 wurde das Gebäude umfassend restauriert und das Bahnhofskonzept total überarbeitet. In der neuen Østbanehallen wurden innen wie außen alte Materialien und originales Dekor verarbeitet, und wo man früher zu den Zugwaggons strebte, trifft man sich heute in Restaurants und Läden. Wo ehemals die Schalterhalle war, befindet sich nun die Touristeninformation. Durch die Halle oder von außen erreicht man den moderneren Anbau Oslo Sentral, in dem das große Reisezentrum untergebracht ist, von dem es zu den Bahnsteigen geht.
Zukünftig ist am Jernbanetorget Spektakuläres zu erwarten – wenn das Projekt Fjordporten Wirklichkeit wird. An der Schnittstelle von Østbanehallen und Oslo Sentral soll ein baumbewachsener, hauptsächlich aus Holz errichteter Büro- und Hotelturm mit gigantischen Wintergärten entstehen, eine Pergola aus wabenförmigen Holzelementen zu seinen Füßen soll die Verbindung zum Bahnhofsplatz herstellen.
Im Norden des Bahnhofsplatzes liegt das größte und meistbesuchte Einkaufszentrum Norwegens, Oslo City, mit über 90 Shops und zahlreichen Restaurants auf fünf Etagen. In unmittelbarer Nachbarschaft ein weiteres Einkaufsparadies: Byporten Shopping, das mit über 60 Geschäften und einem Dutzend Esslokalen aufwartet – darunter Norwegens größter Filiale der Restaurantkette Egon.
Ebenfalls an der Nordseite des Bahnhofs versteckt sich innerhalb der riesigen Galleri Oslo der Osloer Busbahnhof (Oslo bussterminal – OBT). Regional-, Express-, Flughafen-, Vy- und Flixbusse starten hier zu Destinationen im In- und Ausland – u. a. nach Hamburg.
Schöne Fassade und Gastronomie: im ehemaligen Ostbahnhof
Info
Informationen: Østbanehallen, Jernbanetorget 1, www.ostbanehallen.no.
Oslo S, Jernbanetorget 1, www.banenor.no und www.vy.no, tgl. 3.45–1.30 Uhr.
Oslo bussterminal, Schweigaardsgate 6, https://oslobussterminal.no, das Terminalgebäude ist tgl. 5.15–0.55 Uhr geöffnet.
Einkaufen: Oslo City, Stenersgaten 1, https://oslo-city.steenstrom.no, Mo–Fr 10–22, Sa 10–20 Uhr.
Byporten Shopping, Jernbanetorget 6, https://byporten.no, Mo–Fr 10–21, Sa 10–20 Uhr.
Eines der bekanntesten Werke Edvard Munchs heißt „Abend auf der Karl Johan“ (Aften på Karl Johan, 1892). Das Ölgemälde zeigt einen Abschnitt der Hauptstraße von Kristiania, wie Oslo damals noch hieß (S. 39), in abendlicher Dunkelheit. Vor blaurotem Hintergrund kommt dem Betrachter eine bedrohlich wirkende Menschenmenge entgegen, Männer wie Frauen mit ausdruckslosen, fratzenhaften Gesichtern und weit aufgerissenen Augen. Eine solche Stimmung verströmt der Prachtboulevard heute nicht mehr, stattdessen wirkt er leicht, luftig und großstädtisch. Munch bannte auch diese beschwingte Seite der Straße auf die Leinwand: „Frühling auf der Karl Johan“ (Vår på Karl Johan, 1890) heißt das Bild im Stil des Pointilismus. Das war die Zeit, als man den Straßennamen bereits zu „Karl Johan“ abgekürzt hatte und hier herausgeputzte junge Damen und Offiziere flanierten, als die Crème de la Crème aus Wirtschaft, Politik und Kultur auf dem Boulevard gesehen werden wollte, als Ibsen, Bjørnson, Munch und Hamsun ihn zu ihrem Laufsteg und das Grand Café zu ihrem Wohnzimmer gemacht hatten. Ihre großstädtische Rolle erfüllt die Karl Johan bis heute. An dem Boulevard finden sich einige der wichtigsten Adressen aus Politik, Königshaus, Kultur, Verlagswesen und Hotellerie. Und immer noch bildet die Straße jedes Jahr am 17. Mai den würdigen Rahmen für die Umzüge zum Nationalfeiertag.
Karl Johan: zwischen Parlament und Grand Hotel
Pläne für eine repräsentative Paradestraße existierten seit 1814. Vor allem der Bau des Schlosses machte eine solche notwendig, denn der Königliche Palast lag außerhalb der Innenstadt und musste mit dieser verbunden werden. So legte der Architekt des Schlosses, H.D. Linstow, 1838 Pläne für einen Boulevard vor, die im Wesentlichen im Westteil der Karl Johan umgesetzt wurden. Dass Linstow damit eine Sichtachse zwischen Bahnhof und Schloss geschaffen hätte, wie es oft heißt, stimmt nicht. Die Straße steigt etwa in der Mitte leicht an und ist auch nicht schnurgerade, sodass man nie den einen Endpunkt vom anderen aus sehen kann. Wer Oslos berühmte Flaniermeile am Jernbanetorget (S. 14) betritt, geht heutzutage über eine Fußgängerzone und wird zur Rechten bald die Basarhallen und dahinter den Turm der Domkirche (S. 18) erblicken. Etwas weiter weitet sich die Straße rechts zum kleinen Platz Egertorg, während man linker Hand den Storting (S. 96) passiert. Dieser erste, rund 700 m lange Teil der Karl Johan ist der ältere und lag innerhalb der Mauern, die die Renaissancestadt des Dänenkönigs Christian IV. umschlossen. Vom Stortings plass mit der Sitzstatue des Malers Christian Krohg geht es nun zur Terrasse vor dem Storting hinauf. Dort schweift der Blick über den zweiten, jüngeren Abschnitt der Karl Johan, der einen völlig anderen Charakter hat: Die Häuser sind höher und repräsentativer, und am Ende der Straße erscheint das Schloss als visueller „Riegel“. Der wichtigste Unterschied aber ist der Park, der die Breite des Parlamentsgebäudes aufnimmt und bis zur Stortingsgata auf der anderen Seite wunderschön gestaltet ist.
Das erste eindrucksvolle Gebäude auf der Nordseite ist das edle Grand Hotel (S. 166), mit dem nicht minder legendären Grand Café im Erdgeschoss. Es folgen weitere Nobelherbergen und zur Rechten das Einkaufszentrum Paleet (das Palais) mit 25 Modeshops. Sein Name stammt aus dem Jahr 1869, als Thorvald Meyer seinen Stadtpalast nach Pariser Vorbild erbauen ließ. Meyer, ein Reeder, Großgrundbesitzer, Geschäftsmann und Philanthrop, galt als reichster Mann der Stadt und spielte eine wichtige Rolle als Kunstmäzen. Der gesamte nächste Block wird von der Alten Universität (S. 94) eingenommen, einem klassizistischen Prachtbau. Ihm gegenüber erhebt sich im Park Studenterlunden das Nationaltheater (S. 72), ein kuppelgekröntes Gebäude, das 1891–99 entstand. Außen sieht man Skulpturen der Dramatiker Ibsen, Bjørnson und Holberg, und im Straßenpflaster sind Zitate aus Ibsens Theaterstücken eingelassen: „Vi ejer Tiden, men Tiden ejer ogsaa os“ (Uns gehört die Zeit, aber wir gehören auch der Zeit, aus „Der Bund der Jugend“).
Vom Nationaltheater führt der Weg zu den großzügigen Parkanlagen um den Schlosshügel mit dem Königlichen Schloss (S. 92). Das Reiterstandbild von König Karl Johan schaut vom Schlosshügel auf die Prachtstraße, die seinen Namen trägt: eine der schönsten Perspektiven im Zentrum Oslos.
Und am Ende das Schloss: Flaniermeile „Karl Johan“
Wirklich groß ist der Große Markt (Stortorvet) nicht – schließlich war Christiania, als er 1736 eröffnet wurde, auch noch keine Metropole. Immerhin sorgt das Standbild Christians IV. für historisches Flair: In einer typischen Pose zeigt der Dänenkönig mit dem Finger auf die Stelle, wo „seine“ neue Stadt entstehen sollte. Bis 1889 wurde auf dem Stortorvet der Hauptmarkt abgehalten. Dieser ist inzwischen zum Youngstorget umgezogen, aber immer noch bieten zumindest im Sommer Blumen-, Obst- und Gemüsestände ihre Waren an. Eine Bus- und eine Straßenbahnhaltestelle erinnern daran, dass der Platz von Beginn an auch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt war.
Extra
Die „Schlacht am Marktplatz“
Einen festen Platz in den Annalen der Osloer Geschichtsschreibung hat die „Schlacht am Marktplatz“ (Torvslaget) vom 17. Mai 1829. Damals gerieten auf dem Hauptplatz von Christiania, wie Oslo damals hieß, Polizeikräfte bzw. Soldaten des schwedischen Königs Karl XIV. Johan und Demonstranten aneinander, wobei es zum Glück keine Todesopfer gab. Stein des Anstoßes war das königliche Verbot der Feierlichkeiten zum 17. Mai, dem Tag der norwegischen Verfassung. Trotz einiger Handgreiflichkeiten und etwa 30 Festnahmen war die patriotische Demonstration letztlich erfolgreich: Bis heute wird der 17. Mai als Nationalfeiertag festlich begangen.
Die Ostseite wird vom Osloer Dom (Oslo domkirke) und seinem Kirchhof dominiert. Mit den großen Dombauten in Süd- und Mitteleuropa kann die Kirche nicht konkurrieren, und selbst Norwegen besitzt mit dem Trondheimer Nidaros-Dom eine deutlich schönere und kunsthistorisch wertvollere Kirche, aber der Osloer Dom ist das wichtigste und größte Gotteshaus der Stadt. Nachdem zwei Vorgängerbauten Bränden zum Opfer gefallen waren, wurde der heutige Dom in nur drei Jahren erbaut und 1697 eingeweiht. Außen und innen eher schlicht gehalten, weisen allein die Kanzel, der Altar und der Orgelprospekt interessante Schnitzereien auf. Auch die Steinglasfenster von Emanuel Vigeland sind sehenswert, ebenso die monumentalen, 1.500 m2 großen Gewölbemalereien von Hugo Lous Mohr. Dass die Domkirche trotzdem im Inund Ausland bekannt ist, liegt an Ereignissen wie der Trauung des damaligen Kronprinzen und späteren Königs Harald V. mit Sonja 1968, der Hochzeit des jetzigen Kronprinzen Haakon mit Mette-Marit oder der Trauerzeremonie nach den Anschlägen im Juli 2011.
„Gjæstgiveri“ und Domkirche am Stortorvet
Oslos Domkirche am Stortorvet
Rings um den gesamten Ostteil des Doms herum sind 1840–59 die ungewöhnlichen Basarhallen (Basarhallene) gebaut worden, die am südlichen Ende an der Karl Johan in die alte Feuerwache (Brannvakten) übergehen. Genau wie der Dom sind sie aus rotem Backstein errichtet, und genau wie der Dom hat die Feuerwache einen Turm mit Kupferhaube. Ursprünglich befanden sich hier überdachte Holzstände für Fleisch und andere Lebensmittel. Wegen hygienischer Bedenken wurde der bedeutende Stadtarchitekt Ch. H. Grosch beauftragt, zunächst 24, später dann 50 Läden aus Stein zu errichten. Die Pläne wurden im neoromanischen Stil verwirklicht, wobei das unterschiedlich hohe Terrain berücksichtigt werden musste. So entstand ein Halbkreis von Arkaden, die nach Osten zwei- und zum Kirchhof hin einstöckig sind. Heute bestimmen Cafés, Restaurants, Kunstgewerbe, mitunter auch Antiquitäten den Handel unter den Bogen.
Auf der anderen Seite der Kirche wird die gesamte Nordseite des Stortorvet vom Warenhaus GlasMagasinet eingenommen, das auf eine rund 290-jährige Geschichte zurückblicken kann. 1739 eröffnet und seitdem mehrfach vergrößert und umgebaut – die heutige Gestalt erhielt es 1899 –, offeriert das Haus hauptsächlich Design oder Interieur sowie Mode, Elektronik und Blumen. In starkem Kontrast zum GlasMagasinet steht daneben ein zweistöckiges Gebäude, die Stortorvets Gjæstgiveri. Es wurde fast zur gleichen Zeit wie die Domkirche fertiggestellt und zählt damit zu den ältesten Bauwerken der Stadt. Bis heute beherbergt das Haus Gaststätten sowie den Club „Gamla“ mit DJ oder Livemusik.
Info
Kirche: Oslo Domkirke, Stortorvet, tgl. 10–16, Fr bis 23.30 Uhr.
Essen & Trinken: Stortorvets Gjæstgiveri, Grensen 1, 23356360, https://stortorvet.no, Di–Fr 14–21, Sa 12–21 Uhr, Sa 13.30–16 Uhr oft „Jazz-Café“ mit New-Orleans-Jazz, freier Eintritt.
Einkaufen: GlasMagasinet, Stortorvet 9, https://glasmagasinet.no, Mo–Fr 10–19, Sa 10–18 Uhr.
Läuft man vom Storting (S. 96) drei Blocks nach Norden, gelangt man im Stadtteil Hammersborg zum Regierungsquartier, wo auch das Höchste Gericht und andere Institutionen angesiedelt sind. Zurzeit muss hier allerdings mit Kränen, Bauzäunen und Lärm gerechnet werden. Denn das Regierungsviertel wird bis 2030 umfassend renoviert und umgebaut – ein 55-Mrd.-Kronen-Projekt. Nicht der einzige, aber ein wichtiger Grund für den Umbau waren die Schäden, die das Bombenattentat hinterlassen hatte. Der Abrissbirne zum Opfer fallen nahezu alle der ikonischen Regierungsgebäude, die z. T. mit beachtlicher Kunst am Bau geschmückt sind bzw. waren. Vieles davon wurde gerettet und bekommt einen neuen Platz – so z. B. die beiden riesigen Sandstrahlwerke „Fiskerne“ und „Måken“ von Pablo Picasso.
An die traumatischen Ereignisse erinnert das Zentrum des 22. Juli (22. juli-senteret), ein besonderer Ort der Erinnerung, Information und Begegnung. Im musealen Teil werden durch Fotos, Videos und Dokumente der Ablauf und Einzelschicksale des Dramas rekonstruiert, daneben werden Beweisstücke des Gerichtsverfahrens (u. a. Breiviks gefälschter Polizeiausweis) oder Exponate wie Reste des explodierten Lieferwagens gezeigt. Besonders berührend: die Handys, iPods und anderen Gegenstände, die die Jugendlichen auf ihrer panischen Flucht vor Breivik auf Utøya zurücklassen mussten. Während der Umbauarbeiten ist das Zentrum in ein Ausweichquartier an der Teatergata 10 verlegt worden, soll später aber einen ständigen und würdigen Platz im Regierungsviertel erhalten.
„Internationale Bar“ am Youngstorget in Hammersborg
Neben Regierungsbauten findet man im Stadtteil Hammersborg auch den repräsentative Bau der alten Deichman-Bibliothek, zwei Friedhöfe und gleich drei Kirchen: unmittelbar nördlich z. B. den neogotischen, 1858 eingeweihten Zentralbau der Dreifaltigkeitskirche (Trefoldighetskirken). Mit ihrer hohen Kuppel und den Glasmalereien gehört sie zu den schönsten Kirchen Oslos. Das andere Gotteshaus, nur wenige Schritte entfernt, ist der ebenfalls neogotische, katholische St. Olavs Dom (Akersveien 1) von 1856. Die dritte im Bunde ist die schwedische Margaretenkirche (Svenska Margaretakyrkan) von 1925, direkt neben der alten Bibliothek.
Die Dreifaltigkeitskirche in Hammersborg
Extra
Norwegens Trauma: der 22. Juli 2011
So, wie in den USA der Begriff 9/11 für die Terroranschläge vom 11. September 2001 steht, hat sich in Norwegen das Kürzel 22/7 für die schwerste Gewalttat seit dem Zweiten Weltkrieg eingebürgert. Am 22. Juli 2011 hatte der damals 32-jährige Einzelgänger Anders Behring Breivik, ein rechtsextremer Norweger, einen VW-Lieferwagen im Regierungsviertel abgestellt. Darin befand sich eine selbst gebaute, fast eine Tonne schwere Bombe, die er um 15.25 Uhr zur Explosion brachte. Durch den Sprengsatz wurden acht Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Die Bombe verwüstete das gesamte Regierungsviertel, besonders schlimm traf es das Hochhaus mit den Büros des Premierministers und dem Justizministerium. Anschließend fuhr Breivik zum Binnensee Tyrifjord und setzte mit einer Fähre zur Insel Utøya über. Dort fand zu diesem Zeitpunkt ein internationales Sommerlager der Sozialistischen Jugend statt. Sofort nach Ankunft begann Breivik, als Polizist verkleidet, wahllos auf die Jugendlichen zu schießen. Es dauerte über eine Stunde, bis Anti-Terror-Einheiten auf die Insel gelangten, bis dahin hatte der Attentäter schon 69 Menschen ermordet. 33 wurden z. T. schwer verletzt, sehr viele mehr stark traumatisiert. Im Prozess, der ein Jahr später stattfand, wurde Breivik wegen 77-fachen Mordes zur höchstmöglichen Strafe von 21 Jahren Gefängnis und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Für die norwegische Gesellschaft wurde dieser Anschlag zu einem nationalen Trauma. Das Land hatte nicht nur die Vielzahl an Opfern und immense Schäden zu beklagen. Sondern es musste sich auch mit der Tatsache auseinandersetzen, dass der Attentäter kein Islamist oder ausländischer Terrorist war, sondern ein Bürger aus der Mitte der Gesellschaft im friedliebenden Norwegen.
Info
Gedenkstätte: 22. juli-senteret, Teatergata 10, www.22julisenteret.no, Do–So 11–16 Uhr, Eintritt frei.
Kirche: Trefoldighetskirken, Akersgata 60, Di/Mi 16–18, Sa 12–14 Uhr, Gottesdienst So 19 Uhr.
Eine Alternative zur bisweilen überlaufenen Flaniermeile Karl Johan (S. 16) ist ein Spaziergang über die parallel verlaufenden Straßen vom Stortorvet (S. 18) bis zum Königlichen Schloss. Von dem Platz aus geht es vorbei am traditionsreichen Kaufhaus GlasMagasinet über die Straße Grensen, die nach drei Blocks in die Kristian IVs gate übergeht. Geschäfte, mehrere Hotels und nette Restaurants in den kleinen Querstraßen säumen den Weg, auf dem in schnellem Takt auch Straßenbahnen fahren. Nach einer Weile taucht zur Linken das Norwegische Theater (Det Norske Teatret) auf. 1912 gegründet, ist es nach mehreren Umzügen nun in dem großen Backstein-/Betongebäude von 1985 beheimatet. Weithin bekannt ist das Theater für seine erfolgreichen Musical-Inszenierungen.
Vis-à-vis wird ein ganzer Block vom altehrwürdigen Hotel Bristol eingenommen, einem der traditionsreichsten Hotels der Stadt (S. 174). Sofort dahinter sollte man nach rechts den Abstecher in die kleine Sehesteds gate nicht verpassen, eine der schönsten Verbindungswege zur Kristian Augusts gate. Sie trägt ihren Namen nach Hannibal Sehested (1609–66), dem Schwiegersohn von König Christian IV. und Gouverneur von Norwegen. Nach Plänen des Architekten Paul Due wurden bis 1880 die Wohn- und Geschäftshäuser mit ihren schönen Fassaden errichtet, sodass das Sträßlein wie aus einem Guss erscheint. In der Mitte weitet sie sich zum kleinen Platz Sehesteds plass mit einem Springbrunnen und der Bronzefigur „Ewiges Leben“. Bei der Gestaltung des Straßenzugs im Stil der Neorenaissance ließ sich der Architekt angeblich von der Pariser Place Vendôme inspirieren. Die beiden renommierten Verlagshäuser Aschehoug und Gyldendal liegen sich hier gegenüber, deswegen wird im Königreich „Sehesteds plass“ oft als Metapher für das norwegische Buchverlagswesen genutzt.
Das Café Amsterdam an der Kristian Augusts gate
Am Ende biegt man links auf die breitere Kristian Augusts gate ein. Lust auf Bitterballen, holländische Fritten, Genever, Grolsch oder belgische Trappistenbiere? Im Café Amsterdam bekommt man dies und noch viel mehr, oft herrscht hier ausgelassene Stimmung bis in die frühen Morgenstunden. An der nächsten Querstraße, der Universitetsgata, sieht man zur Linken das große Backsteingebäude der alten Nationalgalerie (1882), deren Sammlungen sich nun im Nationalmuseum (S. 108) befinden. Geblieben ist Gustav Vigelands Bronzeskulptur „Mann und Frau“ vor dem Eingang. Auf der Universitetsgata kann man übrigens auch recht nett einkehren, etwa in die hippe Kafeteria August, im Sommer mit Sitzmöglichkeiten im Freien. Der Name täuscht allerdings: Anstelle einer Cafeteria erwartet einen hier eine Weinbar mit leckerem Essen, guten Cocktails und bester Stimmung, manchmal mit DJ und Tanz. Während sich die Kafeteria August in einem Hinterhof versteckt, offeriert zur Straßenfront hin das Schwesterrestaurant Mon Oncle klassische französische Küche, die vom Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet wurde. Sollte man hier in der Dunkelheit unterwegs sein, lohnt sich der Abstecher bis kurz vor der Pilestredet, wo man links der Lichtinstallation Tullinløkka street light durch die Passage folgen kann.
Klein, aber fein: der Sehesteds plass
Eine Querstraße weiter, an der Frederiks gate, liegt das Historische Museum (S. 74) – nicht nur ein sehenswertes Jugendstilgebäude, sondern für alle Geschichtsinteressierte eine unbedingte Empfehlung. Dahinter durchschneidet die Kristian IVs gate die nordöstliche Ecke des Schlossparks. Wo sie nach wenigen Metern in den Wergelandsvei übergeht, fällt der Blick auf das hochherrschaftliche Gebäude des Geographischen Instituts. Es wurde 1877–80 nach Plänen von Wilhelm von Hanno errichtet und beherbergte später die staatliche Kunstakademie. Gegenüber sowie an vielen weiteren Stellen hat man über diverse Spazierwege ungehinderten Zugang zum Schlosspark (S. 114).
Info
Hinkommen: Das Viertel liegt absolut zentral, nur wenige Gehminuten von der Karl Johan entfernt. Entlang der Straße Grensen fahren die Straßenbahnlinien 17, 18, 19 sowie Bus Nr. 37.
Essen & Trinken: Café Amsterdam, Kristian Augusts gate 12, 40169089, www.cafeamsterdam.no, Di–Do 15–24/1, Fr/Sa 14/13–3 Uhr.
Kafeteria August, Universitetsgata 9 (im Hinterhof), https://kafeteriaaugust.no, Di–Do 11–23, Fr/Sa 11–1 Uhr.
Mon Oncle, Universitetsgata 9, 23898631, https://mononcle.no, Di–Sa 18–23.30 Uhr, Reservierung notwendig.
Wie ein Glucke hockt die altehrwürdige Alte Akerskirche (Gamle Aker kirke) auf dem Hügel Telthusbakken und überblickt ein Idyll, das meilenweit von der hypermodernen City entfernt scheint – dabei braucht es nur wenige Fahrminuten mit der Straßenbahn, um in diese ganz andere und ganz eigene Welt einzutauchen! Das Gotteshaus selbst lohnt eine Besichtigung – immerhin ist es das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. Um 1150 als Klosterkirche errichtet, spricht es eindeutig die Sprache der Romanik. Zwar ist die Form der Kirche nie verändert worden, doch haben Reformation, Brände und Plünderungen ihre Spuren hinterlassen, sodass mehrfach Renovierungen notwendig wurden – zuletzt 2023/24. Seit ältester Zeit waren Kirche und Kirchhof Gegenstand fantasievoller Geschichten. So soll sich unter dem Gotteshaus in einem unterirdischen, von vier goldenen Enten bevölkerten Teich ein Schatz befinden, der von einem Drachen bewacht wird.
Einer Chronik aus dem Jahre 1170 zufolge hat es vor dem Bau der Kirche hier eine Silbermine der Wikinger gegeben, und tatsächlich wurde ein 28 m tiefer, wassergefüllter Felsspalt entdeckt, bei dessen Untersuchung allerdings weder Silber noch Drachen zum Vorschein kamen. Nicht aus dem Bereich der Legenden stammt die Geschichte, dass während des Zweiten Weltkriegs in der Alten Akerskirche der Sarkophag der 1938 verstorbenen Königin Maud vor den Nazis versteckt und erst 1949 wieder ins königliche Mausoleum zurückgebracht wurde. Nicht verpassen sollte man den Friedhof. Er besitzt einige sehenswerte Grabdenkmäler, vor allem aber bietet er einen herrlichen Blick über den östlichen Teil der Hauptstadt. Hier steht auch der steinerne Hinweis mit dem Kreuzsymbol des Olavswegs – dem wichtigsten Pilgerweg Nordeuropas. Er brachte die Gläubigen zum Grab des Heiligen Olav im Trondheimer Nidaros-Dom – 639 km entfernt! Nahe der Kirche bietet das Pilgerzentrum (Pilegrimssenter) den gesamten Service rund ums Pilgern.
Oslos ältestes Gebäude: die romanische Gamle Aker Kirke
Unterhalb des Friedhofs verlaufen die beiden Straßen Damstredet und Telthusbakken, die zu den idyllischsten Oslos gehören. Denn hier findet man noch eine einheitliche Bebauung mit gut 200 Jahre alten Holzhäuschen, die zusammen mit den schmucken Gärten, dem Kopfsteinpflaster und den gewundenen Gassen wie aus einem Freilichtmuseum erscheinen. Der Weg Telthusbakken (Zelthaushügel), der vom Akersveien bis zum Maridalsveien unterhalb der Kirche verläuft, trägt seinen Namen nach einem Militärlager, das sich einst neben der Kirche befand. Die kleinen, größtenteils bewohnten Holzhäuser stehen unter Denkmalschutz. Auch wenn verschiedentlich Brände Lücken gerissen haben (zuletzt 2008), wirkt der Straßenzug immer noch so, wie Edvard Munch ihn 1880 im Ölgemälde „Telthusbakken med Gamle Aker kirke“ festgehalten hat. Zur einen Seite flankiert die Schrebergartenanlage Egebergløkka den Weg. Als während des Ersten Weltkriegs die Lebensmittel knapp wurden, überließ die Stadt das Gelände den Anwohnern, damit diese hier Kartoffeln und Gemüse anbauen konnten. Mitten durch diese älteste Schrebergartenanlage Oslos führt ein Gehweg mit dem romantischen Namen Liebespfad (Kjærlighetsstien). Die andere ausnehmend hübsche Straße heißt Damstredet und führt vom Fredensborgveien zum Akersveien hinauf. Am Ende wird mit einer Plakette das ehemalige Wohnhaus Henrik Wergelands (1808–45) markiert, eines der wichtigsten Literaten des Landes und Vorkämpfer für die kulturelle Eigenständigkeit Norwegens.
Holzhausidylle am Telthusbakken
Das gesamte pittoreske Viertel war früher das Wohnquartier von Unterprivilegierten – ohne Wasser und Kanalisation, und immer wieder von Seuchen wie der Cholera bedroht. Heute entzückt es die Besucher, die es leicht auf einem einstündigen Spaziergang kennenlernen können: über die Damstredet zur Gamle Aker kirke hinauf und über den Telthusbakken wieder zurück.
Info
Hinkommen: Zu Fuß vom Zentrum aus in ca. 20 Min. Ab dem Jernbanetorget mit Bus Nr. 34, 24 u. 70 bis Møllerveien, mit Bus Nr. 37 bis Nordahl Bruns gate und mit der 54 bis Telthusbakken. Die nächste Straßenbahnhaltestelle ist der Schous plass (Linie 11).
Kirche: Gamle Aker kirke, Akersbakken 26, www.kirken.no/sthans, Do 16–18 Uhr (weitere Besuchszeiten können im Pilgerzentrum erfragt werden); Gottesdienst So 11 Uhr.
Pilgerzentrum: Pilegrimssenter Oslo, Akersbakken 30, https://pilegrimsleden.no.
Nein, einen Vulkan gibt es in Oslo nicht. Aber unter diesem Name firmierte seit 1873 die „Eisengießerei und mechanische Werkstatt“ (Vulkan Jernstøberi og mekaniske Verksted). Bis zu seiner Stilllegung 1968 produzierte der Betrieb am westlichen Akerselva-Ufer im Laufe der Jahre u. a. Gewichte, Tresore, Brückenteile sowie Dampfmaschinen und -kessel. Im 19. Jh. kam ihm eine bedeutende Rolle in der industriellen Entwicklung der Region zu. Doch mit dem Niedergang der Schwerindustrie stand das Gelände jahrelang verlassen da und verfiel zusehends. Ab den 1990ern arbeiteten Städteplaner und Architekten dann an einer Umwandlung des gesamten Quartiers im Stadtteil Grünerløkka. Diese Transformation ist so gut gelungen, dass Vulkan heute als erfolgreiches Modell für nachhaltige Stadtentwicklung auf breite internationale Resonanz stößt. Im Mittelpunkt des Umwandlungsprozesses standen die alten Fabrikhallen, in denen sich heute neben Geschäften und Büros auch Kunstgalerien, Gastronomie, ein Tanztheater und eine Markthalle befinden. Die spezielle Ästhetik der alten Industriearchitektur wurde dabei mit modernstem Design kombiniert – eine faszinierende Synthese.
Zu den bekanntesten Einrichtungen des Viertels gehören die Markthalle (Mathallen, S. 186) in der ehemaligen Brückenwerkstatt sowie das Haus des Tanzes (Dansens hus, 2007). Für die Dächer der beiden Häuser haben die Stararchitekten von Snøhetta zwei große, hölzerne Bienenstöcke entworfen – das Projekt „Vulkan bigård“ ist Heimat für zwei Völker mit etwa 160.000 Bienen, deren Honig u. a. in der Markthalle verkauft wird. In anderen Industriegebäuden wie dem ehemaligen Schmelzwerk wurden Kletterwände installiert, ein Gastropub untergebracht und eine Schule eingerichtet.
Zwischen und neben die ehemaligen Fabrikhallen setzte man architektonisch anspruchsvolle und umweltfreundliche Neubauten. Erneuerbare Energiequellen wie Solarstrom und ein 300 m tiefer geothermischer Brunnen stellen die Energieversorgung sicher, hinzu kommen intelligente Konzepte der Abfallentsorgung. Für die soziale Nachhaltigkeit steht die breite Palette von über 100 unterschiedlichen Wohneinheiten – von Sozialwohnungen bis zu Luxusapartments – ebenso wie von kulturellen und sozialen Einrichtungen. Eingerahmt wird das Ganze u. a. von Parkanlagen, Gemeinschaftsgärten und Radwegen. Zu den größeren Projekten zählen das 2010 fertiggestellte Bellona-Hauptquartier, das mit pyramidenartigen Sonnenkollektoren beheizt und gekühlt wird, sowie zwei Hotels, die beide 2011 eröffneten: das Scandic Vulkan, das Hotel mit der besten Energieeffizienz in ganz Norwegen, und das PS:hotell (www.pshotell.no), in dem Menschen mit unterschiedlichen Handicaps angestellt sind. Für Konzerte sowie Tanz- und Theaterveranstaltungen gibt’s die Vulkan Arena (Vulkan 26, https://vulkanarena.no) samt Pub, und neben der Mathallen lockt ein knappes Dutzend Cafés, Kneipen und Restaurants.
Immer gut besucht: die Mathallen
Gute Nachbarn: Jung und Alt im „Vulkan“-Quartier
Frischen Wind haben auch die vielen Studenten in das Viertel gebracht, die zumeist kreative Studiengänge belegen. Unter anderem ist die Einar Granum Kunstfachschule auf dem Vulkan-Gelände untergebracht, und in unmittelbarer Nachbarschaft liegen die Kunstakademie sowie die Architektur- und Designhochschule. Auch das auffällige und höchste Gebäude am Flussufer ist in studentischer Hand: Das Grünerløkka Studenthus diente ab 1953 rund 40 Jahre als Getreidesilo, dann wurde es in ein außergewöhnliches Studentenwohnheim umgewandelt. Die drei Reihen von jeweils sieben Silos ragen 53 m in die Höhe und enthalten 115 runde Ein-Zimmer-Apartments sowie 30 Studios für Paare. Zu Füßen des Komplexes trifft man sich im kleinen Amphitheater. Überhaupt gibt es auf beiden Seiten der Akerselva viel Platz für junges Leben, chillige Kneipen und Veranstaltungsorte wie das Blå (Brenneriveien 9c, www.blaaoslo.no). Hier kann man an DJ-Sets oder Liveacts mit internationalen Indie-, Rock- und Jazzbands teilnehmen oder einfach nur bei einem kühlen Getränk abhängen.
Info
Hinkommen: Zu Fuß vom Zentrum aus in 15 Min., z. B. immer am Ufer der Akerselva entlang. Oder mit den Straßenbahnlinien 11, 12, 13 zum Schous plass in Grünerløkka, dann in 5 Min. über die Nordregate und über die Fluss brücke. Alternativ mit Bus Nr. 34 bzw. 54 bis Møllerveien, wenige Gehminuten vom Dansens Hus entfernt.
Theater: Dansens Hus, Vulkan 1, www.dansenshus.com.
Ursprünglich war Frogner ein landwirtschaftlich genutztes Areal außerhalb der Stadtgrenzen. Doch als Oslo im 19. Jh. wuchs, zog es immer mehr großbürgerliche Familien – Reeder, Kaufleute, Bankiers und Staatsdiener – hierhin, prächtige Villen entstanden. Das Quartier Frogner, seit etwa 1900 definitiv die bürgerliche Wohnstube der Stadt, gilt immer noch als exquisite und fast unbezahlbar teure Wohngegend, auch wenn viele der herrschaftlichen Villen heute internationale Botschaften oder kulturelle Einrichtungen beherbergen.
Ein geeigneter, zentrumsnaher Startpunkt für eine Rundtour durch Frogner ist der Solli plass, den man vom Zentrum zu Fuß in 15 Minuten erreicht. Schneller geht’s natürlich mit der Straßenbahn, die seit 1902 durch das Viertel rumpelt. Am Solli plass kommen die beiden Paradestraßen des Viertels zusammen, die Bygdøy Allé und der Frognerveien, denen der Spaziergang folgen will. Einen kulturellen Akzent setzt am Platz die 1914–22 erbaute Nationalbibliothek (Nasjonalbiblioteket), die wegen ihrer Ausstellungen, Konzerte und des Museumsshops auch für Touristen interessant sein kann. Sie verfügt u. a. über die weltweit größte Sammlung skandinavischer und norwegischer Landkarten. Die Å Café & Bar im 2. Stock ist mit beachtlicher Kunst dekoriert und bietet neben leichten Speisen auch einen schönen Blick von der Außenterrasse auf die beiden Hauptstraßen des Quartiers.
Frogners schöne Fassaden
Vom Solli plass geht es zunächst über den Frognerveien, vorbei an jeder Menge sehenswerter Architektur aus dem 19./20. Jh. Auch gute Beispiele der Osloer Street Art sind zu sehen. Nach einer Rechts-Links-Kurve erscheint linker Hand das Frogner-Kino, das 1926 eingeweiht wurde und als Oslos erstes Stummfilmkino gilt. Nach einer Renovierung konnte es 2019 als privates Stadtteilkino wiedereröffnet werden – und avancierte schnell zum beliebten Treffpunkt der Cineasten. Viele Elemente des Art déco, rote Samtvorhänge und Marmorfriese von Per Krohg machen einen Besuch auch abseits der (nie synchronisierten) Filme zu einem visuellen Erlebnis. Ansonsten überzeugt schräg gegenüber am Frognerveien das intime Restaurant Kolonihagen Frogner mit vorzüglicher ökologischer Küche zum Abendessen und Samstagsbrunch. Die Weinbar ist bis Mitternacht geöffnet, im Sommer sitzt man draußen im schmucken Hinterhof.
Sofort dahinter passiert man rechter Hand die Vika-Oberschule mit ihrer schönen Fassade, dann links die Frogner-Apotheke von 1909 sowie einige prächtige Villen im Jugend- und Schweizer Stil. Nach einem längeren geraden Wegstück gelangt man auf der Hauptstraße dann aber zum Frogner plass, von wo der berühmte Vigeland-Skulpturenpark (S. 66
