2 Become 1 - Marco Schabel - E-Book

2 Become 1 E-Book

Marco Schabel

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Beschreibung

Alison steckt seit 10 Jahren in einer Beziehung mit Mike. Als sie ihren Arbeitskollegen Emil näher kennenlernt, wachsen ihre Zweifel, ob sie die Partnerschaft beenden möchte, denn eigentlich hatte sie schon immer ein Problem mit ihrem Freund. Eine tiefgehende Kurzgeschichte über innere Konflikte und die jugendliche Liebe, basierend auf wahren Begebenheiten. Die Geschichte ist Teil einer kommenden Anthologie, welche bekannte Songtitel als Kurzgeschichten verschiedener Genres umsetzt. In diesem Fall "2 Become 1" von den Spice Girls.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis

2 Become 1 - Der Anfang vom Ende

Impressum

2 Become 1 - Der Anfang vom Ende

"Ich weiß nicht, ob ich noch mit dir zusammen sein möchte." Der Aussage wohnte Angst inne, vor dem Ungewissen, vor der eigenen Unfähigkeit, eine klare Meinung zu finden. Sie stand über ihrem Koffer, um für die kommenden Tage zu ihrer Freundin zu ziehen. Die Frau erinnerte sie sich zurück, wie sie ihrem Partner vor einigen Wochen nach dieser Botschaft tief in die Augen blickte. Sie saß mit geradem Rücken auf ihren Knien auf dem Bett, als hätte sie sich an einen Esstisch in Japan gehockt. Ihre blaugrünen Augen suchten in den seinen nach einer Antwort, lauerten auf Wut und wüste Beschimpfungen, Verzweiflung oder Flehen. Die blonden, schulterlangen Haare hingen offen und platt herab, verdeckten die leicht abstehenden Ohren, der schmallippige Mund war angespannt, die zarten Hände, mit kleinen Schwielen vom Zeichnen, er betonte stets, wie komisch sie den Stift doch hielt, krallten sich in ihre eigenen Oberschenkel. Sie hatte lange über ihren Ausspruch nachgedacht, ihn sich sorgsam zurechtgelegt. Wieder und wieder, ohne sich zu trauen, ihn auszusprechen. Nun hatte sie doch allen Mut zusammengetragen. Waren die Worte erst einmal ihrem Munde entflohen, fiel ihr ganz sicher eine Last von der Seele, so hoffte sie, welche sie so lange schon erdrückte. Ein Aufatmen, welchem zu ihrem Leidwesen neue, weitaus schwerere Lasten folgten.

Gerade noch lag sie mit dem Mann, der sie bereits seit mehr als zehn Jahren begleitete, im Schlafzimmer ihrer gemeinsamen Wohnung. Kürzlich erst hatte der dreißigjährige, mit kurzen, roten Haaren, einem schmalen, rahmenden Bart und der ihr schon so lange als Dorn im Auge erscheinenden Wampe, seine Anstellung verloren. Er arbeitete zuvor in einem Betrieb, in welchem sie selbst, er hatte sie letztlich dazu überredet, auch beschäftigt war. Sie hatten auf einen Fleck weißer Farbe an der vergilbten Decke ihrer viel zu kleinen, aber doch so günstigen und gut gelegenen Wohnung gestarrt, welcher als Überbleibsel eines misslungenen Renovierungsversuches Zeugnis über die handwerkliche Ungeschicktheit beider ablegte. 

Sie studierte seit sechs Jahren, er hatte sein Studium bereits vor langer Zeit abgebrochen, sich anderen Abenteuern gewidmet, welche ihn glücklich gemacht hätten, hätten sie nur mehr Geld eingebracht. Sei es als Journalist, Streamer oder Schriftsteller. In all der Zeit fragte sie sich so oft, was sie mit ihm verband, wieso sie damals, als sie gerade sechzehn wurde, ihr Leben einige drastische Zäsuren erleiden musste, zustimmte, seine Partnerin sein zu wollen. Sie konnte sich nie des Gefühls erwehren, nur in diese Beziehung hineingerutscht, nur aus Gewohnheit, Angst vor der Einsamkeit geblieben zu sein, einen großen Fehler zu machen. Er entsprach wahrlich nicht gänzlich ihrem Typ, war sie doch deutlich attraktiver, jünger und geselliger als er, der die meiste Zeit an seinem Computer saß, Videospiele spielte oder illusionären Träumen nachjagte. Während er, nicht zuletzt aufgrund einer Knieverletzung, welche ihm die Fähigkeit raubte, großartig Sport zu treiben, an Anmut verlor, wurde sie ob ihrer schlanken, gesunden Figur und nicht zuletzt der breiten Hüften unentwegt angebaggert, fotografiert, in fremde Betten eingeladen. Sie stand selbst eher auf sportlichere, größere Männer. Auch mochte sie seinen Geruch kaum, roch ihr erster Freund doch um so vieles besser. Niemand hat bisher wieder so einen berauschenden Duft besessen, ein Odor, welches ihr sofort den Verstand raubte, ihr Herz schneller schlagen ließ. 

Zumindest bis vor vier Monaten, als sie auf der Weihnachtsfeier ihres Unternehmens Emil kennenlernte. Emil arbeitete in der Abteilung ihres Freundes, hatte dort aber erst kurz vor dessen Kündigung angefangen. Eigentlich machte sie sich nichts aus ihm, grüßte höflich, wenn sie an seinem Platz vorbeiging, lächelte und vergaß ihn gleich wieder. Nach der Feier benötigte sie jedoch eine Mitfahrgelegenheit und ihre Chefin schlug vor, sie könne sich doch mit dem Kollegen ein Taxi teilen. Widerwillig hatte sie damals zugestimmt, sich nichts weiter gedacht, außer nicht mit einem Fremden fahren zu wollen. Dann jedoch, als er gleich neben ihr Platz nahm, witterte sie es. Denselben Duft, den sie schon seit ihren Teenagertagen schmerzlich vermisste. Sie blickte den eigentlich fremden Mann neben sich beinahe erschrocken an und freute sich, dass dieser gerade aus dem Fenster und nicht ihre Grimasse sah. Ohne sich dagegen wehren zu können, zog er sie an. Sie suchte nach Worten, welche sie sagen konnte, um ein Gespräch zu beginnen, wollte ihn plötzlich näher kennenlernen, doch fiel ihr nichts ein. Die gemeinsame Fahrt endete bereits nach wenigen Minuten und Emil stieg aus dem Fahrzeug aus, verabschiedete sich mit einem höflichen Lächeln. “Ein großer Mann, der auch noch gut riecht”, dachte sie, ein wenig beschämt, als sie wieder alleine war und das Taxi auch sie heimfuhr. Er maß sicher mehr als 1,90 Meter, hatte recht kurze, dunkelbraune Haare und einen Bartschatten.

---ENDE DER LESEPROBE---