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Im Jahr 1924 versucht eine Gruppe Bergsteiger um den erfahrenen Lehrer und Alpinisten George Mallory die Erstbesteigung des Mount Everest. Mit dabei ist auch der junge, unerfahrene Ingenieurstudent Andrew Irvine. Nach zwei gescheiterten Versuchen soll er nun mit Mallory zusammen der erste Mensch auf dem Gipfel werden, doch können sie es tatsächlich schaffen? Eine spannende Kurzgeschichte über den Mut, sein Leben zu riskieren, um in die geschichte einzugehen! Basierend auf wahren Begebenheiten. Die Geschichte ist Teil einer kommenden Anthologie, welche bekannte Songtitel als Kurzgeschichten verschiedener Genres umsetzt. In diesem Fall "Ain't no Mountain High Enough" von Marvin Gaye und Tammi Terrell.
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Seitenzahl: 33
Veröffentlichungsjahr: 2023
Marco Schabel
Ain’t No Mountain High Enough
Ein Leben für den Berg
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Ain’t No Mountain High Enough - Ein Leben für den Berg
Impressum neobooks
Das Eis und die damit verbundene Kälte waren lange nicht das Schlimmste. Der fehlende Sauerstoff machte dem jungen, gerade einmal 22 Jahre alt gewordenen Briten sehr viel mehr zu schaffen. In dieser Höhe zeigte sich die Luft als extrem dünn. Niemand sonst hatte es jemals so weit geschafft, sich so weit auf dieses lebensfeindliche Ungetüm begeben, schon gar kein einfacher Student und Ruderer, wie er es war. Mit seinem Kameraden und Freund stand er auf dem Dach der Welt, machte einige Fotos und kehrte um.
Noch vor vier Jahren tobte der große Krieg. Er selbst musste zu seinem Glück dort noch nicht kämpfen, doch wollte er durchaus seinen Beitrag leisten. Andrew setzte sich damals, während seiner Schulzeit, an das Reißbrett und suchte nach Möglichkeiten, das Leben der Truppen einfacher zu gestalten. Insbesondere jener, welche in den noch recht neuen Flugzeugen ihr Leben riskierten. So entwarf er zum Beispiel ein eigenes Design für ein Unterbrechergetriebe, mit welchem er hoffte, dass sich die Piloten der Royal Airforce nicht länger die eigenen Propeller abschossen. Auch einen Entwurf für eine gyroskopische Stabilisierung legte er dem War Office ihrer Majestät vor. Beide Pläne mochten unter den Ingenieuren des Militärs für Aufsehen gesorgt haben, sahen aber nicht vor dem Waffenstillstand und Ende des Krieges das Licht der Welt.
Andrew war zeit seines Lebens extrem begabt mit seinen Händen, insbesondere, wenn es um technische Dinge ging. Bereits als Kind liebte er es, Maschinen zu zerlegen und anschließend wieder zusammenzubauen. Seien es Radios, Telegrafen, Kameras oder Motoren. Es gab nichts, was der große Kerl nicht zu reparieren vermochte, sehr zur Freude und gleichsam dem Leidwesen seiner Eltern und seines jüngeren Bruders, welcher oft genug Leidtragender des Bastlerwahns wurde. Sein Geschick mochte auch der Hauptgrund gewesen sein, dass man ihn wählte, um einige Offiziere und Wissenschaftler, Bergsteiger und Lehrer auf ihrem zweiten offiziellen Versuch zu begleiten, den höchsten bekannten Berg der Welt zu besteigen, den Mount Everest, welcher die Grenze zwischen Nepal und Tibet markierte.
Eingeladen wurde er schon ein Jahr zuvor von dem Geologen Noel Odell, welchen er bereits früher einmal kennenlernte, als er mit seinem Motorrad auf den 3.000 Fuß hohen Berg Foel Grach in seiner Heimat Wales fuhr und dort auf Odell und dessen Frau traf. Er hatte sich selbst einen fahrbaren Weg erschlossen und verblüffte das Paar, als er dort oben mit dem selbst modifizierten Gefährt eintraf. Selbiger lud ihn wenig später zu einer Erkundungsreise nach Spitzbergen ein, welche ihm Rahmen seiner Studien stattfand. In der Arktis herrschte ebenso eine furchtbare Kälte, aber immerhin vermochte er dort zu atmen, wenngleich ihm jeder Atemzug erschien, als reichte eine grausame Kreatur in seinen Hals, barst seine Krallen in seine Lungen. Die Merton College Arctic Expedition dauerte gut einen Monat, nicht gerechnet die komfortlose Reise, welche die Gruppe dorthin und wieder zurückbrachte. Andrew mochte sich durchaus auf dem Wasser wohlfühlen, nicht jedoch über mehrere Tage eingepfercht auf einer kleinen norwegischen Fregatte im Eismeer Skandinaviens. Er war sehr froh über den Umstand, dass sie den erfahrenen Norweger Isak Isakson zum Kapitän hatten, der eine Bärenkraft besaß und das Polargewässer und die darin herumtreibenden Eisschollen und -berge besser kannte, als seine eigenen beiden Söhne, die ihm auf der Überfahrt zur Hand gingen. Er besaß eine wahrlich unerschütterlich gute Kenntnis seines Faches, was alle Beteiligten mit Zuversicht erfüllte, dass sie ihr Ziel unversehrt erreichen würden.
