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Alison steckt seit 10 Jahren in einer Beziehung mit Mike. Als sie ihren Arbeitskollegen Emil näher kennenlernt, wachsen ihre Zweifel, ob sie die Partnerschaft beenden möchte, denn eigentlich hatte sie schon immer ein Problem mit ihrem Freund. Eine tiefgehende Kurzgeschichte über innere Konflikte und die jugendliche Liebe, basierend auf wahren Begebenheiten. Die Geschichte ist Teil einer kommenden Anthologie, welche bekannte Songtitel als Kurzgeschichten verschiedener Genres umsetzt. In diesem Fall "2 Become 1" von den Spice Girls.
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Seitenzahl: 28
Veröffentlichungsjahr: 2023
Marco Schabel
2 Become 1
Der Anfang vom Ende
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Inhaltsverzeichnis
Titel
2 Become 1 - Der Anfang vom Ende
Impressum neobooks
"Ich weiß nicht, ob ich noch mit dir zusammen sein möchte." Der Aussage wohnte Angst inne, vor dem Ungewissen, vor der eigenen Unfähigkeit, eine klare Meinung zu finden. Sie stand über ihrem Koffer, um für die kommenden Tage zu ihrer Freundin zu ziehen. Die Frau erinnerte sie sich zurück, wie sie ihrem Partner vor einigen Wochen nach dieser Botschaft tief in die Augen blickte. Sie saß mit geradem Rücken auf ihren Knien auf dem Bett, als hätte sie sich an einen Esstisch in Japan gehockt. Ihre blaugrünen Augen suchten in den seinen nach einer Antwort, lauerten auf Wut und wüste Beschimpfungen, Verzweiflung oder Flehen. Die blonden, schulterlangen Haare hingen offen und platt herab, verdeckten die leicht abstehenden Ohren, der schmallippige Mund war angespannt, die zarten Hände, mit kleinen Schwielen vom Zeichnen, er betonte stets, wie komisch sie den Stift doch hielt, krallten sich in ihre eigenen Oberschenkel. Sie hatte lange über ihren Ausspruch nachgedacht, ihn sich sorgsam zurechtgelegt. Wieder und wieder, ohne sich zu trauen, ihn auszusprechen. Nun hatte sie doch allen Mut zusammengetragen. Waren die Worte erst einmal ihrem Munde entflohen, fiel ihr ganz sicher eine Last von der Seele, so hoffte sie, welche sie so lange schon erdrückte. Ein Aufatmen, welchem zu ihrem Leidwesen neue, weitaus schwerere Lasten folgten.
Gerade noch lag sie mit dem Mann, der sie bereits seit mehr als zehn Jahren begleitete, im Schlafzimmer ihrer gemeinsamen Wohnung. Kürzlich erst hatte der dreißigjährige, mit kurzen, roten Haaren, einem schmalen, rahmenden Bart und der ihr schon so lange als Dorn im Auge erscheinenden Wampe, seine Anstellung verloren. Er arbeitete zuvor in einem Betrieb, in welchem sie selbst, er hatte sie letztlich dazu überredet, auch beschäftigt war. Sie hatten auf einen Fleck weißer Farbe an der vergilbten Decke ihrer viel zu kleinen, aber doch so günstigen und gut gelegenen Wohnung gestarrt, welcher als Überbleibsel eines misslungenen Renovierungsversuches Zeugnis über die handwerkliche Ungeschicktheit beider ablegte.
