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Vier Wochen Freiheit! Was im deutschen Alltag nur schwer realisierbar ist, wird möglich, sobald man die ersten Kilometer im 20 Jahre alten VW Bulli unterwegs ist. "Entschleunigung" lautet das Zauberwort! Eine Familie beschreibt ihre ganz persönliche Tour durch Norwegen, Finnland und Schweden. Vorbei an atemberaubenden Fjorden, die tief in die norwegische Landschaft hinein führen, über die Lofoten, das Reich der Mitternachtssonne, in dem man schnell die Zeit vergisst und einem Besuch beim Weihnachtsmann am Polarkreis in Finnland. Schnee anfassen im Sommer? Baden im Meer? Wanderungen zum ewigen Eis? Wilde, unberührte Natur? All das ist möglich und wird in diesem sehr persönlichen Bericht detailliert dargestellt. Stellplätze und Sehenswürdigkeiten sind dabei mit Adresse und Koordinaten hinterlegt, alles veranschaulicht mit über 200 farbigen Bildern einer ganz besonderen Familienreise.
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Seitenzahl: 112
Veröffentlichungsjahr: 2017
4 Wochen — 8.000km — 7m² Ein Abenteuer!
Als Familie mit dem Bulli durch Skandinavien
Kathleen Weigel
Als Familie mit dem Bulli durch Skandinavien
links: Ausblick vomWikingermuseum in Borg, Lofoten
rechts: Blick vom SvartisvanetRichtung Svartisen-Gletscher
„Abenteuer füllen Seelen“, las ich erst kürzlich - und da ist sicher etwas dran... rückblickend ist es wirklich unglaublich, was so eine Reise mit einem macht.
Vier Wochen waren wir unterwegs, sind über 8.000km mit dem Bulli durch Skandinavien getourt, haben zu viert auf nur 7m² gelebt und eine ganz wunderbare Zeit gehabt. Wir konnten uns vorher so vieles davon nicht vorstellen. Wie würde es sein, auf so engem Raum miteinander zu leben? Zuhause haben wir ein großes Haus, jeder seinen eigenen Rückzugsraum, der auch gerne und regelmäßig genutzt wird. Wie wird es sein, als „hektischer Deutscher“ mit nur 80 bis maximal 100 km/h durch die Gegend zu tuckern? Wird das, was in unserer Fantasie so traumhaft scheint, sowohl für uns als auch für die Kinder zu einem großartigen Erlebnis?
Ein wenig Erfahrung im Urlaub mit dem Camper haben wir schon. Bereits 2012 sind wir, damals noch mit nur einem Kind, zwei Wochen lang durch Luxemburg, Belgien und die Niederlande gefahren. Zwei Jahre später verschlug es uns zu viert erstmals für zwei Wochen nach Dänemark und Schweden. Beides waren ganz wunderbare Urlaube und wir haben es geliebt, diese vorzubereiten, sowie im Nachhinein von den Erinnerungen zu zehren.
Leider erlaubten es unsere finanziellen Mittel nicht, häufiger als einmal in zwei Jahren eine solche Reise zu machen. Und seitdem wir nun auch noch ein Schulkind haben, spitzte sich diese Situation noch einmal mehr zu, da „normale Wohnmobile“ für vier Personen in den Sommerferien nahezu unbezahlbar sind. Wir haben lange und viel überlegt, wie Alternativen für uns aussehen könnten und an welcher Stelle wir bereit sind, Abstriche zu machen. Letztlich war für uns klar, dass wir die Dauer unserer Reisen eher ausdehnen als kürzen möchten, da wir nur so auch entlegenere Ziele erreichen können. Das wiederum bedeutete, dass wir eine Camper-Alternative benötigten. Nach vielen Recherchestunden im Internet stießen wir dann eher zufällig auf das Angebot einer lokalen Privatperson, die drei ältere VW Busse zur Vermietung anbietet.
Schnell war ein Termin ausgemacht und wir vollkommen gefangen im Bann des Bulli-Zaubers :-) Und ehe wir uns versahen, konnte die Reise losgehen.
Bevor ihr Schritt für Schritt unsere Reise nacherleben könnt, möchte ich uns ein wenig vorstellen:
Wir sind Andreas (geb. 1984) und Kathleen (geb. 1986) aus einem kleinen Dörfchen in Sachsen. Unsere Kinder Jannis und Jara sind zum Reisezeitpunkt 8 und 3 Jahre alt, Jara geht in die Kindertagesstätte, Jannis in die Grundschule, was bedeutet, dass wir (leider) an die sächsischen Ferien gebunden sind.
Wir sind beruflich relativ flexibel, sodass wir ziemlich problemlos auch einmal vier Wochen am Stück unterwegs sein können. Im Gespräch mit Bekannten und Freunden sorgt dieser Fakt immer für die größte Verwunderung - bei allen anderen scheint das, was für uns „normal“ ist, leider nicht möglich zu sein.
Wir träumen davon, auch noch viel länger unterwegs zu sein und zu reisen, gerne auch mal zwei oder drei Monate, und wir hoffen, dass sich das zeitnah realisieren lässt. Arbeitstechnisch ist das für uns nur möglich, wenn wir in Länder fahren, in denen ein guter Internetzugang gewährleistet ist. In Skandinavien haben wir diesbezüglich durchweg positive Erfahrungen gemacht.
Was die Auswahl unserer Reiseziele betrifft, so sind wir uns als Familie zum Glück immer ziemlich einig. Wir mögen keine Pauschalreisen, Allinklusive-Hotels und überfüllten Badestrände, dafür aber umso mehr unberührte Natur, das wilde Meer und tourismusarme Gegenden. Mit diesen Wünschen ist man in Skandinavien genau richtig :-) Letztendlich bot uns diese Reise eine einzigartige und wunderbare Mischung aus Sehenswürdigkeiten, einsamen Badebuchten, rauer Natur, spannender Tierwelt und nicht zuletzt Action und Spaß!
Wir wünschen uns, dass wir noch so viel mehr erleben können und unseren Lesern wünschen wir nun erst einmal viel Spaß beim Lesen :-)
Die ganze Familie vor der Abfahrt
Vier Wochen später: alle sind erholt, glücklich und voll positiver Energie
Etwa drei Monate bevor die Reise losging, haben wir diese genauer in Etappen unterteilt und geplant.
Skandinavien als Reiseziel war schon länger klar. Nachdem wir bereits 2012 zwei Wochen da verbracht hatten, damals aber überwiegend in Schweden, zog es uns alle unbedingt wieder in den Norden. Dieses Mal wollten wir vor allem Norwegen erkunden.
Außerdem hatten wir nun vier Wochen Zeit dafür eingeplant :-) So ein langer Urlaub sollte auch für uns das erste Mal sein.
Es gibt ja Reisende, dir wirklich nur spontan herum fahren, dort bleiben, wo es ihnen gefällt usw. - zu denen gehören wir nicht ;-) Zumindest nicht, wenn es für uns in „fremde Gebiete“ geht. Das heißt, ich erstelle vorweg immer einen Plan, der uns zeigt, wann wir wo sein „müssen“, um die geplante Tour - und bei Skandinavien betrifft das für uns ja auch die Fährverbindungen - locker und bequem zu schaffen. Selbstverständlich darf der Plan zwischendurch anders verlaufen, als gedacht - er dient vor allem der Orientierung.
So haben wir diesmal schon sehr zeitig etwa zwei Tage „heraus gefahren“, weil wir flotter unterwegs waren, als geplant. Doch ihr werdet merken, dass wir etwas mit unserer Zeit anzufangen wussten ;-)
Unseren Reiseplan für 2016 möchte ich euch nun hier vorstellen. Am Ende des Buches werdet ihr dann noch die tatsächliche Variante unserer Tour finden - so kann sich jeder ein Bild machen, wie „der Plan“ manchmal verlaufen kann und wer die Route nachfahren möchte, kann so zwischen den beiden Varianten wählen.
Reiseplanung
Unsere bisherigen Camper-Urlaube haben wir immer mit vergleichsweise großen Gefährten unternommen. Das Leben auf so engem Raum war also nun Premiere und es musste gut überlegt werden, was alles mit auf die Reise kommen darf. Sicher setzt hier jeder andere Prioritäten, aber ich möchte euch unsere individuelle Liste vorstellen. Sie erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber für uns hat es sich so bewährt.
Vielleicht entdeckt auch ihr die eine oder andere Sache, die dabei für euch nützlich ist.
Bei der Auswahl unserer Kleidung haben wir uns am Bedarf für eine Woche orientiert. Nahezu jeder Campingplatz bietet einen Waschraum und mindestens eine Waschmaschine, sodass wir unsere Sachen einfach zwischendurch gewaschen haben.
Und auch wenn wir das vorher nicht erwartet hatten: es gab dennoch Sachen, die vor allem die Kinder nicht einmal angezogen haben. D.h. man kann eigentlich sogar hier und da noch etwas weniger einpacken.
Der Platz für die Kleidung selber war in unserem Bulli nie das Problem.
Wenn man s i c h b emüht, das dafür vorgesehene F a c h i m Bulli immer mal aufzur ä u m e n , dann reicht es aus. Als es dann in Schweden immer wärmer wurde, haben wir einige Sachen noch einmal komplett umgeräumt, um im eigentlichen Kleiderfach für etwas mehr „Luft“ zu sorgen.
Besonders für Kinder empfehle ich temperaturregulierende Unterwäsche/ Unterhemden aus Wolle-Seide (gibt’s z.B. bei Hans-Natur). Dieses Material ist sehr angenehm zu tragen, hält bei Bedarf wunderbar warm und leitet die Feuchtigkeit bei mehr Bewegung nach außen. Außerdem muss es nicht gewaschen, sondern nur gelüftet werden, was im Campingurlaub besonders einfach umzusetzen ist.
Je nachdem, was man im Urlaub unternehmen möchte, braucht man dafür mehr oder weniger wettergeeignete Kleidung.
Schuhparade am Strand auf den Lofoten
SCHUHE
- Wanderschuhe
- Gummistiefel
- Sandalen
- Badelatschen
Wir wollten viel draußen sein, die Natur erleben, wandern usw. und haben deswegen Wetterjacke, Wander- und Regenhose, sowie Wanderschuhe mit eingepackt.
Allerdings stellten Schuhe für uns schon ein kleineres Platzproblem dar, immerhin müssen wir alles viermal mitnehmen. Wir Erwachsenen hatten deswegen diesmal keine Gummistiefel dabei, haben dies aber bei windigem Wetter am Meer bereut.
Abhängig von der Jahreszeit kann man natürlich auch auf Sandalen verzichten - aber da wir in Schweden Temperaturen um die 30°C hatten, waren wir sehr froh, welche dabei zu haben.
Die Badelatschen wurden für den Besuch von öffentlichen Bädern und Duschen auf Campingplätzen eingepackt.
Wäre es doch einmal sehr viel kälter als erwartet geworden, hätten wir auf den klassischen Zwiebellook zurück gegriffen :-) Für die Kinder lagen dafür ein paar Leggins bereit - da beide diese aber nicht einmal angezogen haben, wurden sie für zukünftige Urlaube wieder von der Liste gestrichen.
Was leider auch noch ziemlich viel Platz wegnimmt, aber trotzdem unbedingt gebraucht wird, sind Badehandtücher. Egal ob am Strand oder beim Duschen - man braucht mindestens so viele, wie Personen mitreisen. Außerdem noch mindestens zwei kleine Handtücher. Wir hatten nur eines eingepackt und haben uns dann in Finnland noch zwei gekauft.
Sehr praktisch für Camping- und Wanderurlaube finden wir auch die schnelltrocknenden und sehr saugstarken Handtücher, die es in gut ausgestatteten Outdoorläden gibt.
Wo auch immer wir uns vor der Reise über Norwegen informiert haben, stand die unbedingte Empfehlung, Mückenspray einzupacken. Wir haben uns dem widersetzt ;-) und nur ein paar Citronella-Kerzen mitgenommen.
In Norwegen empfanden wir die Mückensituation auch alles andere als problematisch. Nur in Finnland wurden wir einen Abend sehr gequält und sind dann zeitnah in den Bulli geflüchtet. Auf die nächste Tour nehmen wir auf jeden Fall selbst gemachtes Anti-Mückenspray mit!
Ein wahrer Schatz unserer Reise - besonders mit Kindern - war unser WC-Eimer. Was für eine geniale „Erfindung“, die uns in mancher Situation wirklich „gerettet“ hat.
Schnelles Anti-Mücken-Spray
Zutaten:
- Alkohol, mind. 40%
- Wasser
- hochwertige ätherische Öle (z.B. Citronella und Eukalyptus)
- Glas-Sprayflasche, etwa 100ml
Mische 4 Esslöffel Alkohol mit 10 Tropfen ätherischem Öl. Gegen Mücken haben sich Citronella und Eukalyptus bewährt. Ich nutze meistens 6 Tropfen Citronella-Öl und 4 Tropfen EukalyptusÖl.
Der Rest der Flasche wird mit abgekochtem Wasser aufgefüllt - fertig :-)
Zu kaufen gibt es den Eimer mit passenden Toilettenbeuteln für wenig Geld in vielen Online-Shops. Das Prinzip ist dabei denkbar einfach. Man kann den Sitz des Eimer abnehmen, klemmt den Toilettenbeutel hinein und steckt den Sitz wieder drauf. Nach Benutzung kann man den Beutel einfach herausheben, zuknoten und vergraben, da er kompostierbar ist. Nun muss man nur noch bei der Stellplatzsuche darauf achten, das Fahrzeug so zu parken, dass man ein wenig Sichtschutz hat ;-)
Es gibt ähnliche Reise-WCs auch zum Zusammenklappen, für uns war der Eimer aber so optimal, da wir ihn während der Fahrt entweder als zusätzlichen Stauraum oder als Fußablage genutzt haben :-)
Unsere Reiseapotheke hingegen hätten wir (zum Glück) auch zu Hause lassen können. Sicherlich werden wir das bei der nächsten Reise weiter minimieren. Ohnehin sind wir sehr zurückhaltend mit der Medikamentengabe und hatten lediglich Pflaster, Rescue-Gel und wenige Globuli dabei.
Duschgel nehmen wir immer zweifach mit, da auf Campingplätzen oftmals getrennte Sanitäreinrichtungen für Männer und Frauen vorhanden sind und somit jeder mit einem Kind zeitgleich duschen gehen kann :-)
TECHNIK
- Handy + Ladekabel
- Laptop + Ladekabel
- Tablet + Ladekabel
- eReader + Ladekabel
- Kamera + Ladekabel + Objektiv + Stativ
- Ersatz-Speicherkarte
- ggf. Filme für den Laptop
- CDs / mp3 / USB-Stick
- mp3-Player + Ladekabel + Kopfhörer
- Wasserkocher
- ggf. Verteiler für Zigarettenanzünder
Technisch sind wir sehr „ordentlich“ ausgestattet gewesen. Einige Camper wählen hier ganz bewusst eine Technik-Auszeit, doch bei uns ist das zum Einen aus beruflichen Gründen nicht möglich, z u m A n d e r e n wollen wir in Notfällen natürlich erreichbar sein und selber auch die Möglichkeit haben, ggf. Hilfe zu holen. Wenn man mit einem alten Bulli unterwegs ist, weiß man ja nie ;-) Außerdem dient uns unser Mobiltelefon als Navigationsgerät. Wer diese Möglichkeit nicht via Handy hat, sollte ein externes Navigationsgerät mitnehmen oder zumindest über geeignetes Kartenmaterial verfügen. Letzteres hatten wir zusätzlich dabei, waren aber froh, hier fast immer die moderne Variante der Straßenkarte wählen zu können. Bei einigen Navigations-Apps muss man Karten vorab herunterzuladen, um sie dann im entsprechenden Land offline nutzen zu können.
Das wohl schönste „stille Örtchen“ unserer Reise
Da wir beide beruflich nicht komplett für vier Wochen „von der Bildfläche verschwinden“ können, hatten wir unsere Laptops dabei. Außerdem ermöglichte mir das, abends gleich einen kleinen Tagesbericht in digitaler Form niederzuschreiben, Fotos zu übertragen und auszusortieren und so einen Teil der immer sehr umfangreichen Arbeit nach dem Urlaub nicht mit nach Hause nehmen zu müssen. Wenn wir sehr lange Strecken am Stück gefahren sind, dann durften die Kinder außerdem immer mal einen kleinen Film o.ä. schauen.
Ähnlich verhielt es sich mit dem Tablet, auf welchem die Kinder während längerer Fahrtzeiten gelegentlich etwas spielen durften.
