40 Tage - Reisetagebuch einer Auszeit - Stefan Taleiche - E-Book

40 Tage - Reisetagebuch einer Auszeit E-Book

Stefan Taleiche

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Beschreibung

November 2013, - alleine für unbestimmte Zeit -mindestens aber für 6 Wochen - mit dem Wohnmobil nach Spanien fahren und mal so richtig abschalten. Das erste Mal in meinem inzwischen fast 30-jährigen Berufsleben habe ich die Möglichkeit so lange ich will (oder kann) Urlaub zu machen. Etwa 9 Jahre lang war ich jetzt in der Geschäftsleitung (und als Gesellschafter) in einem kleinen mittelständischen Betrieb tätig, wobei alleine diese neun Jahre Stoff für eine ganze Buchreihe hergeben. Aus den verschiedensten Gründen, die letztlich aber alle gesundheitliche Auswirkungen hatten, habe ich Mitte 2013 beschlossen alles aufzugeben (sowohl den Job als auch die Unternehmensanteile) und dem Leben zu vertrauen, dass es einen Weg und eine Lösung für mich bereithält. Jetzt ist es soweit und es geht los. Geplant und doch überraschend - wie Weihnachten. Auf ins Land der im Wohnmobil überwinternden Rentner und Briten ... Begonnen als Reisetagebuch und tägliche Mailberichterstattung nach Hause, entwickelte sich zunehmend ein "augenzwinkernder Blick" auf meine Umgebung. Natürlich ist das eine oder andere in den Tagesberichten ein wenig ausgeschmückt, manches war aber auch noch viel extremer, z.B. die weihnachtlichen blauen LED-Lichterketten und die weihnachtliche Motive zaubernden computergesteuerten Laser der Briten. Es hat sich aber alles so zugetragen und ich möchte nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich nichts gegen Rentner oder Briten habe. Ich habe in den 40 Tagen sehr viele supernette Menschen unterschiedlichster Art kennengelernt und möchte nichts und niemanden davon missen (auch nicht die Lache von Claudia, die auf ihre Art ihren ganz eigenen Charme hatte).

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Veröffentlichungsjahr: 2014

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Stefan Taleiche

40 Tage - Reisetagebuch einer Auszeit

BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Einleitung

Ich möchte mich bereits an dieser Stelle bei allen bedanken, die mir diese Auszeit überhaupt ermöglicht haben. Hauptsächlich natürlich bei meiner Frau und meiner Tochter, ohne deren moralische (und telefonische) Unterstützung ich meine Reise bestimmt schon eher abgebrochen oder erst gar nicht unternommen hätte. Mein Dank gilt aber auch jenen Freunden, die mich oder meine Familie in dieser Zeit im Hintergrund -teils ohne mein Wissen- unterstützt haben.

 

Und ganz wichtig: Ohne meine Coachin (gibt es das Wort überhaupt oder heißt es weiblicher Coach?) hätte ich gar nicht erst den Mut entwickelt diesen Weg zu gehen.

 

Ich danke euch!

Stefan

 

 

HINWEIS:

 

Natürlich ist das eine oder andere in den Tagesberichten ein wenig ausgeschmückt, manches war aber auch noch viel extremer, z.B. die weihnachtlichen blauen LED-Lichterketten und die weihnachtliche Motive zaubernden computergesteuerten Laser der Briten. Es hat sich aber alles so zugetragen und ich möchte nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich nichts gegen Rentner oder Briten habe. Ich habe in den 40 Tagen sehr viele supernette Menschen unterschiedlichster Art kennengelernt und möchte nichts und niemanden davon missen (auch nicht die Lache von Claudia*1), die auf ihre Art ihren ganz eigenen Charme hatte).

 

*1) Namen habe ich selbstverständlich weggelassen oder manchmal geändert

 

Prolog

Nun ist es also soweit. In wenigen Tagen geht es los meinen bereits vor Monaten gefassten Entschluss in die Tat umzusetzen - alleine für unbestimmte Zeit -mindestens aber für 6 Wochen - mit unserem Wohnmobil nach Spanien zu fahren und mal so richtig abzuschalten. 

 

Das erste Mal in meinem inzwischen fast 30-jährigen Berufsleben habe ich die Möglichkeit so lange ich will (oder kann) Urlaub zu machen. Etwa 9 Jahre lang war ich jetzt in der Geschäftsleitung (und als Gesellschafter) in einem kleinen mittelständischen Betrieb tätig - nur mein (Ex-)Kollege und Namensgeber des Betriebes war der irrigen Meinung das wäre wohl schon ein Konzern. Genau das wird aber Inhalt des nächsten Buchs, wobei diese neun Jahre Stoff für eine ganze Buchreihe hergeben.

 

Aus den verschiedensten Gründen, die letztlich aber alle gesundheitliche Auswirkungen hatten, habe ich Mitte diesen Jahres beschlossen alles aufzugeben (sowohl den Job als auch die Unternehmensanteile) und dem Leben zu vertrauen, dass es einen Weg und eine Lösung für mich bereithält. Die Zeit -bis das Leben mir genau diese Lösung präsentiert- wollte ich einfach mal für mich nutzen. 

 

Obwohl ich diese Reise schon seit Monaten vorgehabt habe, habe ich die Vorbereitungen immer wieder beiseite gedrängt. Und so kam der Tag der Abreise dann doch irgendwie überraschend - ein wenig wie Weihnachten, da weiß man vorher ja auch immer nicht, dass man die Geschenke rechtzeitig besorgen sollte.

 

Tag 1 - Die Abfahrt und erste Etappe

Es geht los. Eigentlich wollte ich vor dem Beginn der Reise nochmal so halbwegs ausschlafen und dann in aller Ruhe losfahren. Dafür war dann aber die Aufregung doch zu groß. Ich genauso früh wie sonst auch aufgestanden, habe mich fertig gemacht und bin dann zeitig los. Gefühlte 10x alles kontrolliert und nachgeschaut ob ich alles dabei habe. Es sollte sich jedoch bereits nach wenigen Tagen zeigen, dass ich nicht alles dabei hatte.

 

Kurz vor der Autobahn noch schnell einen Tankstop eingelegt und wieder einmal diesen Tankstutzen des WoMos verflucht. Warum muss man an einem Wohnmobil der Oberklasse einen Universal-Tankeinlass auch für den Dieseltank nehmen? Es gibt doch bestimmt weltweit irgendeinen Zubehörhersteller, der auch für Diesel-Zapfpistolen etwas Passendes herstellt. Der ausschwappende Diesel traf natürlich zielgerichtet und mit Schwung und in ausreichender Menge Schuhe und Hose. Macht ja nichts, noch habe ich genug Kleidung zum Wechseln - nur der Gestank ...

 

Jetzt aber wirklich ab auf die Autobahn. Nach ca. 5 Minuten Fahrt war mir vollkommen unklar warum ich vorher so aufgeregt war: Es war einfach nur eine langweilige Fahrt auf deutschen Autobahnen im strömenden Regen - 6 Stunden lang! Mit maximal Tempo 100. Denn dank deutscher Gesetzgebung ist mein WoMo für höhere Geschwindigkeiten zu schwer. Viel schlimmer aber ist, dass ich vom LKW-Überholverbot betroffen bin, während jeder Bus (größer, schwerer und vor allem viele Menschen an Bord) locker vorbeiziehen darf.

Irgendwann dann die Ankunft in Trier, eine sehr schöne Stadt, die Mosel führt schon Hochwasser - kein Wunder es regnet ja auch und kalt ist es. Mit großartig spazierengehen ist es dann leider auch nicht mehr, es ist ja schon wieder fast dunkel. Der Stellplatz ist allerdings sehr schön und modern: bezahlen, Strom buchen, Toilette und Dusche nutzen - alles über eine RFID-Karte. Den Platz muss ich mir merken. Im Spätsommer an der Mosel ist es hier bestimmt sehr schön.

 

Das geplante Etappenziel für morgen: Dardilly in meinem so "geliebten" Frankreich, ich werde berichten ob die wirklich schon den EURO akzeptieren. Ich habe da ja so meine Zweifel. Frankreich und ich, wir werden wohl nie so richtige Freunde. Und das obwohl wir mit Franzosen befreundet sind.

 

Tag 2 - Frankreich und die Maut

Nach dem frühen Aufstehen habe ich erst einmal die Dusche auf dem Stellplatz lange gequält und das heiße Wasser genossen. Dann auf die Schnelle das Frühstück erledigt und auf geht es.

 

Was hat sich heute gegenüber gestern verändert? Das Land, ansonsten eine langweilige Fahrt auf französischen Autobahnen im strömenden Regen.

Die französischen Autobahnen sind nicht besser als deutsche, nur teurer. Die erste Etappe in Frankreich heute: 48,00€. Für alle Fälle ist auf den Quittungen aber auch noch der Preis in Franc genannt (ich habe es geahnt!).

 

Ab Dijon wurde es gelb - nein, nicht wegen des Senfes (aus Dijon), sondern die Sonne zeigte sich zaghaft für eine Stunde.

 

Dann mein Tageshighlight (und das vieler LKW-Fahrer hinter mir ;-) : die Mautstation in Lyon (Péage, wie der Franzose sagt). Ich, wegen der WoMo-Breite immer den LKW hinterher, nur die haben hier wie in Österreich Mautboxen - ich nicht, damit blieb die Schranke direkt vor mir zu. Keine Chance an dieser Durchfahrt anderweitig zu bezahlen oder manuelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Also blieb mir nichts anderes übrig als mit diversen 40-t-LKW im Heck wieder rückwärts zu fahren. Ihr glaubt ja nicht was die in ihren LKW so alles an Freudenfanfaren und Jubelhupen haben. Dank Rückfahrkamera und Hörsturztaubheit -nach einer gefühlten Viertelstunde- vorsichtig quer über die Spuren zu einer Spur laut Beschilderung mit Kartenzahlung. Das ging so lange gut bis mich der Balken mit der "maximal 2m Höhe-Beschriftung" und den Piktogrammen "nur PKW und Motorräder" direkt auf Augenhöhe stoppte. Also wieder rückwärts und aller guten Dinge sind 3.

Aber ich denke, dass lag ausschließlich an mir, wo der Franzose ja als Freund internationaler und guter Beschilderung bekannt ist.

 

Jetzt von der Autobahn runter und rein in den ersten Kreisel. Frankreich: Die Verkehrsregeln gelten hier nur bedingt. Nachdem ich das begriffen und genügend Mut gefasst hatte, klappte das auch mit dem Kreisel. Hier gilt ganz klar: nicht bange sein! Augen zu, Kupplung langsam kommen lassen, sowas ähnliches wie den Hauch einer Lücke abwarten und Vollgas! Nur dann, bei ernsthaft drohender Kollision gingen die Franzosen auch vom Gas und es bot sich die Chance in den Verkehr einzureihen. Der Campingplatz ist laut Navigationssystem in der Nähe und nur noch drei weitere Kreisel entfernt.

 

Dafür habe ich hier einen schönen Campingplatz (verkehrsnah direkt an der Autobahn) und immerhin schon 20 Grad Außentemperatur.

 

Jetzt ist es dunkel und ich werde hier mal rumstreunen, vielleicht findet sich ja noch ein Bistro oder Kiosk.

 

Morgen ist Andorra als nächstes Etappenziel geplant.

 

Tag 3 - Frankreich, immer Richtung Süden

Augen auf und ...? Strahlend blauer Himmel (zu sehen durch die Dachluke vom Bett aus). Und das Schöne daran, die Sonne blieb noch eine ganze Zeit, bis etwa Höhe Narbonne, dann zog es sich leider zu. Aber bei 22 Grad, jammern auf hohem Niveau ;-) Ab Montpellier dann wieder sonniger. Soviel zum Wetter.

 

Die Tour heute ging durch wunderschöne Landschaften: Die Bourgogne, Rhône, Languedoc mit den Weinbergen, vorbei am historischen Canal de midi und Olivenhainen. Frankreich hat durchaus auch schöne Seiten, das will ich gar nicht abstreiten. Persönlich finde ich zwar, dass der französische Wein überschätzt wird, aber das ist wie so viele Dinge Geschmacksache. Die Landschaften verströmen jedenfalls schon so etwas wie Urlaubsgefühl.

 

Jetzt aber zum Wichtigen: Die frz. Mautstellen und ich werden keine Freunde mehr. Abfahrt kurz vor der spanischen Grenze Richtung Andorra und nochmal 23€ Gebühr (einmal durch Frankreich 48€ + 38€ + 23€, ich sage nie wieder was gegen die Alpen-Raubritter). Ich also an die richtige Station gefahren, Ticket in den Automaten - gut so einfach war das an dieser Station nicht! Ich hatte die Wahl: aus dem Fenster fallen bei dem Versuch den Ticketschlitz für PKW unten zu erreichen oder verrenken um nach oben an den für richtige LKW zu kommen. Verrenken war die Entscheidung, also raus aus dem Fahrersitz; mit dem Po rauf auf die Ablage (bei meiner Sonnenbrille stehen die Bügel jetzt nach unten, die lag nämlich griffbereit auf der Ablage), Ticket rein, jetzt die VISA, die wurde natürlich abgelehnt, also nochmal von vorne, gleiches Ergebnis. Jetzt Bargeld , wo? Unterhalb (!!) des Ticketschlitzes für PKW. LKW-Fahrer zahlen in Frankreich ja wahrscheinlich nie in bar - das ist für mich die einzige Erklärung. Was blieb mir übrig als auf der Beifahrerseite auszusteigen, ums Wohnmobil zu sprinten und einen auf die Schnelle gegriffenen 50€-Schein einzulegen - um 27€ in kleinen Münzen zurückzuerhalten :-( An das freundliche Grüßen durch betätigen der Hupe hatte ich mich ja schon gewöhnt - Danke ihr lieben Franzosen.

 

Auf dem Weg über Landstraßen nach Andorra bin ich dann in St. Jean Pla de Corts hängengeblieben. Hier bin ich einfach einer Campingplatzbeschilderung gefolgt und tatsächlich, der Platz hat wie ausgeschildert ganzjährig geöffnet. Hier habe ich den schönen warmen Spätnachmittag genossen. Am späteren Abend hat dann leider das WoMo-Türschloss beschlossen nicht mehr zu schließen, das ist unglücklich. Ich habe also im Dunkeln mit Taschenlampe begonnen die Türverkleidung zu entfernen und versucht die komplexe Türschlossanlage, bestehend aus elektrischen und mechanischen Komponenten, zu verstehen. Irgendwann hatte ich den Übeltäter gefunden: eine kleine unscheinbare und anscheinend schlecht produzierte Feder war gebrochen. Natürlich nicht irgendeine Feder, die man vielleicht mit ein bisschen Geschick durch eine Kugelschreiberfeder hätte ersetzen können. Nein, es war schon so eine Spezialfeder. Also die Reste entfernt, danach war zumindest die mechanische Blockade verschwunden und die Tür schloss wieder - ließ sich aber nicht mehr abschließen/verriegeln, weder von innen noch von außen. Ich habe die Türverkleidung trotzdem wieder montiert - sah irgendwie besser aus ;-) und die Tür dann von innen mit einer selbstgebastelten Konstruktion aus Isolierband und Biteinsatz für einen Schraubendreher mechanisch blockiert. So konnte ich wenigstens in Ruhe und Sicherheit schlafen - ich war schließlich in Südfrankreich, wo die WoMo-Fahrer immer im Schlaf ausgeraubt werden (zumindest wenn ich den WoMo-Zeitschriften glauben darf).

 

Und morgen geht es weiter bis Dénia (hoffe ich).