700 Jahre Meyhen+ - Jonathan Gablenz - E-Book

700 Jahre Meyhen+ E-Book

Jonathan Gablenz

0,0

Beschreibung

700 Jahre Meyhen+ Motive und Erinnerungen Eine Ortschronik der Gemeinde Meyhen bei Markranstädt

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 199

Veröffentlichungsjahr: 2022

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Danke

Besonderer Dank gilt Frau Elke Burgdorf, Gerhard Eggers, Arnd Steyer, dem Heimatverein Räpitz e.V. und Herrn Markus Cottin, Leiter der Domstiftsbibliothek und des Domstiftsarchivs Merseburg, für die fachliche Unterstützung.

Besonderer Dank gilt den Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung und Religion für ihre Grußworte.

Besonderer Dank gilt den Einwohnern von Meyhen für den Zusammenhalt und das lebendige Miteinander.

Der größte Dank aber gilt den lieben Menschen, die mit so viel Verzicht dieses Buchwerk erst ermöglichten.

Inhalt

Grußworte

Grußwort der Bürgermeisterin der Stadt Markranstädt

Grußwort des Landrats Leipzig Land

Grusswort des Ortschaftsrats Räpitz

Grusswort des Pfarrers des Pfarrbereichs Kitzen-Schkeitbar

Vorwort des Herausgebers

Vorbemerkungen

Meyhen im Mittelalter

Vorbemerkungen

Die Obödienz Meyhen – ein Wegweiser zur mittelalterlichen Überlieferung

Meyhen im Mittelalter. Grundlinien und Überlegungen

Ortsnamenbelege

Gedruckte Quellen

Ungedruckte Quellen

Literatur

Meyhen in Form und Karten

Der Gedenkstein zur 700 Jahr Feier

Der Stein

Die Andacht zur Steinweihe

Frühe Geschichte

Geologische Formung

Frühe Besiedlungsgeschichte

Die erste Siedlung

Die Hermunduren

Exkurs: „Sachsen“

Die slawische Besiedlung

Machtansprüche naheliegender Großreiche

Slawenaufstand

Wendenkreuzzug

Die erste Erwähnung Meyhens

Der Ortsname im Wandel der Zeit

Ursprüngliche Erwähnungen

Mittelalter und Neuzeit bis zum Ende des 2. Weltkriegs

Das frühe Mittelalter

Hochmittelalter

Das Spätmittelalter

Die erste Schlacht nahe Meyhen

Die zweite Schlacht nahe Meyhen

Industrialisierung

Exkurs: Die Nebenbahn nahe Meyhen

Der 1.Weltkrieg

Die Weimarer Republik

Nationalsozialismus und der 2.Weltkrieg

Die Nachkriegszeit bis zur Auflösung der Länder in der DDR

Das Holozän

Die deutsche demokratische Republik

Wiedervereinigung

Das Anthropozän – die Neuzeit der Welt

Das Dorf heute und gestern

Beschreibungen und Ortsansichten

Dorfplatz 1

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 2

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 3

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 4

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 5

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 6

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 7

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 8

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 9

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 10

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 11

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 12,13

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 14

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 15

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 16

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 17

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Dorfplatz 1a

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Meuchener Straße 11

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Meuchener Straße 13

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Meuchener Straße 15

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Eisdorfer Weg 1

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Eisdorfer Weg 2

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Basisinformationen:

Eisdorfer Weg 4

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Eisdorfer Weg 6 (ehemals Meuchener Straße 2)

Objektbezeichnung

Straße, Haus Nr

Postleitzahl

Ort

Flurstücknummer

Eigentümer

Basisinformationen:

Die Teiche Meyhens

Der Schützenteich

Der Dorfteich

Der Angerteich

Das Armenhaus

Der Straßenausbau und fließendes Wasser

Die Friedenseiche

Meyhen – Gedichte

Meyhen – Die Menschen damals

Einführung

Das bäuerliche Leben

Einrichtung der bäuerlichen Häuser

Arbeitsalltag der Bauern

Arbeitsalltag der Bäuerinnen

Eheschließungen, Geburten und Lebenserwartung

Ernährung der Bauern

Leben in der Dorfgemeinschaft

Landwirtschaft im Frühmittelalter

Sicherung der Grundlagen für Ernährung und Kleidung

Landwirtschaft im Hochmittelalter

Technologischer Fortschritt im Hochmittelalter

Dreifelderwirtschaft

Landwirtschaft im Spätmittelalter

Verödete Landstriche

Reaktion der Grundherren auf die Agrarkrise

Aus dem bäuerlichen Leben Meyhens

Handwerk in Meyhen

Todesfälle in Meyhen

Slawa

Das Dorffest 700 Jahre

Unsortierte Szenen der 700 Jahr Feier

Aktuelle Luftaufnahmen von Meyhen

Abbildungsverzeichnis

Stichwortverzeichnis

GRUßWORTE

GRUßWORT DER BÜRGERMEISTERIN DER STADT MAR-KRANSTÄDT

Liebe Bürgerinnen und Bürger von Meyhen, liebe Gäste und Freunde des Ortes,

unser kleinste Ortschaft Meyhen feiert seinen 700sten Geburts-tag.

Als Bürgermeisterin erfüllt es mich mit Stolz, dass ich anlässlich dieses Jubiläums ein paar Grußworte für die Festschrift übermitteln darf. Über Generationen hinweg haben unserer Meyhener aufgrund ihres Zusammenhaltes in allen Lebensbereichen die ständig wandelnden Herausforderungen der Vergangenheit gemeistert. Das Dorfjubiläum bietet daher in vielfältiger Weise Gelegenheit, die historische Entwicklung nachzuvollziehen.

Meyhen liegt kurz vor der Landesgrenze zu SachsenAnhalt und ist seit der Eingemeindung von Räpitz im Jahr 1994 ein Ortsteil von Markranstädt. Gemessen an der Einwohnerzahl ist es unser kleinster Ortsteil. Trotzdem oder auch vielleicht gerade deshalb leben die 55 Einwohner von Meyhen eine aktive und selbstbewusste Dorfgemeinschaft.

In 700 Jahren blicken die Bürgerinnen und Bürger von Meyhen auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Fast jedes politische bzw. kriegerische Großereignis wie beispielsweise der 30jährige Krieg, die Befreiungskriege von 1813 oder die beiden Weltkriege haben Spuren in Meyhen hinterlassen und Land und Menschen beeinflusst. Doch eins haben Sie sich bei alledem erhalten – Ihren reizenden dörflichen Charakter mit einer beeindruckenden Wiese voller Süßkirschbäume, deren Blütentraum besonders im Frühjahr fasziniert. Noch heute prägen die Gehöfte von Damals das Ortsbild. Eine Neubausiedlung, wie sie vielerorts Mitte 1990 entstanden sind, gibt es hier nicht. Meyhen ist für die Einwohner dieses Ortsteils ihre Heimat, sowohl für diejenigen, die hier aufgewachsen sind, als auch für die, die neu zugezogen sind und ihr Herz an Meyhen verloren haben.

Leider hat Meyhen seither noch nie einen Anschluss an den öffentlichen Personennahverkehr gehabt. Ich weiß, dass Sie sich das sehnsüchtig wünschen. Die Realisierung ist nicht einfach. Doch ich darf Ihnen versichern, dass ich jede Möglichkeit, die sich für eine Erschließung Ihres Ortes mit den ÖPNV bieten sollte, nutzen werde.

Den Bürgerinnen und Bürgern von Meyhen wünsche ich für die kommenden Jahre auch weiterhin alles Gute.

Ihre

Nadine Stitterich,

Bürgermeisterin

Abbildung 1 Bürgermeisterin Nadine Stitterich

GRUßWORT DES LANDRATS LEIPZIG LAND

Liebe Leserinnen und Leser,

700 Jahre Meyhen sind ein guter Grund zu feiern, auch wenn Meyhen natürlich schon wesentlich länger besiedelt ist. Es hat eine gute Tradition, das Wissen um die Geschichte des Ortes anlässlich eines solchen Meilensteines niederzuschreiben. Für Meyhen mit seiner nur mehrere Dutzende zählenden Einwohnerschaft, ist dieser Blick in die Vergangenheit auch ein Rückblick auf die Schicksale der eigenen Ahnen. So wird z.B. der 30jährige Krieg aus dem Geschichtsunterricht in seinen Auswirkungen auf die ansässigen Familien ganz konkret erfahrbar.

Weil wir aktuell sehr in der JetztZeit leben, halte ich diesen Blick zurück für wichtig. Er kann das Verständnis für größere Zusammenhänge weiten und unsere Verbundenheit mit der Heimat stärken. Beides brauchen wir als Grundlage für eine gute weitere Entwicklung von Meyhen und unseren anderen Dörfern.

Ob ein Ort stabil in die Zukunft gehen kann, hängt ganz stark von dem Einsatz der Menschen im Dorf ab, davon wie sie ihr alltägliches Zusammenleben gestalten. Eine intakte Dorfgemeinschaft, Familienbande und Nachbarschaftshilfe sind starke Argumente, dort Kinder groß zu ziehen. Das gilt für unsere eigenen Kinder, die darüber nachdenken nach einer auswärtigen Ausbildung zurückzukehren, aber auch für junge Familien, die sich neu einen Platz suchen, um heimisch zu werden.

Für Meyhen wünsche ich auch weiterhin eine lebendige Dorfgemeinschaft, die diesen Wert pflegt und sich auch weiterhin zu helfen weiß – vor allem auch gegenseitig.

Ihr

Henry Graichen

Landrat

Abbildung 2 Landrat Henry Graichen

GRUSSWORT DES ORTSCHAFTSRATS RÄPITZ

Meyhen ist einer unserer kleinsten Ortsteile der Stadt Markranstädt, aber auch ein Ort mit Geschichte.

Im Jahr 1998 feierten wir gemeinsam mit allen Ortsteilen 550 Jahre Meyhen, dies wurde möglich, da uns vom April 1448 eine Ersterwähnungsurkunde vorlag. Nach dem Jahr 2000 ergaben sich neue Erkenntnisse, dass Meyhen bereits 1321 eine Ersterwähnung erfuhr „als Eygen“, im Güter Verzeichnis Stift Merseburg. Der Name wird gedeutet als deutsch Eigen, Eigenbesitz.

Es ist nun so, dass Geschichte nicht immer mit einfachen Worten zu erklären ist. Geschichtsforschung, auch die vergangene, unterliegt oftmals neuen Erkenntnissen, so auch für unseren Ortsteil Meyhen.

Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger von Meyhen, Geschichte und Heimat sind meist untrennbar verbunden. Heimat ist nicht nur der Ort wo man lebt, sondern auch die Landschaft, die einem umgibt.

Werner Dieck, ehemaliger Landrat vom Landkreis Leipziger Land, schrieb 1998 im Grußwort zur 550 Jahr Feier Meyhen: „Das lebendige Miteinander zwischen und in den Orten möge stets erhalten bleiben und zu immer tiefen Heimatverbundenheit beitragen“. Ich denke, diesen Worten muß man nichts mehr hinzufügen.

Im Namen vom Ortschaftsrat Räpitz wünsche ich Ihnen allen ein schönes und friedliches Fest.

Roland Vitz Ihr Ortsvorsteher

GRUSSWORT DES PFARRERS DES PFARRBEREICHS KITZEN-SCHKEITBAR

Die Dorfmitte sind immer die Menschen.

Danke! 700mal Danke! Es war ein kurzfristiger Anruf und ist eine nachhaltige Feier für mich geworden. Ein kurzfristiger Anruf, den ich als seelsorglichen Ruf wahrgenommen habe: Wir hätten gerne geistlichen Beistand. Und wenn ich seelsorglich gerufen werde, versuche ich zu kommen. Und ich sah, dass unsere Kantorin Christine Heydenreich (die ich ja noch kurzfristiger um Instrumentalmusik gefragt hatte), die Musikerin in meinem Pfarrbereich, zu dem auch die Kirchgemeinde Schkeitbar gehört (inklusive Meyhen) – noch jemand mitgebracht hatte, für die Musik, Roland Rost aus Schkölen.

Und ich sah einen vollen Dorfplatz und viele gelöste Menschen. Ich sah, wie die Sonne schien. Ich sah, als ich kam, wie alle Generationen versammelt waren. Und ich hörte, vor meiner Ansprache und meiner Segensbitte für die Dorfgemeinschaft, von der Idee, dass ein Geburtstagskind das Denkmal enthüllen soll. Und ich redete, unmittelbar vor dem „Festakt“, zum Beispiel mit zwei anscheinend ganz unterschiedlichen Menschen: mit Herrn Eggers, der mich sehr freundlich, mit bescheidenem, fröhlichem, aufrichtigem Stolz auf diesen Tag begrüßte, und mit Herrn Gablenz, der mich zu dieser Gedenkstunde eingeladen hatte, er in einem RockmusikT-Shirt: Und schon das ist für mich ein nachhaltiger, schöner Eindruck: Wenn Menschen Dorfgemeinschaft wollen, dann gibt es keine Kleiderordnung, dann gibt es keine Trennungen, dann ist die Freude da, dass unterschiedliche Menschen, einheimische und zugezogene, jüngere und ältere, zurückhaltende und impulsive, konventionelle und unkonventionelle, sächselnde und nicht nichtsächselnde – dass unterschiedliche Menschen das eine nicht nur wollen, sondern auch machen: Die Dorfmitte sind immer die Menschen.

Ein Dorf ist mehr als die Ansammlung von Häusern, anderen Gebäuden, von Feld und Flur. Nach der Segensbitte, am Denkmal, trank ich gerne ein Bier und verspeiste eine Roster und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, was hier auf die Beine gestellt wird. Und ich sah eine Bühne, auf der das Leben sich sehr weiter zu regen begann, und ich sah einen Tisch mit älteren Menschen, zum Beispiel, etwas entfernt und doch dabei, der signalisierte: Hier sind alle willkommen: diejenigen, die so glücklich sind, dass es dieses Dorf, diese Heimat gibt, und dies laut und fröhlich feiern, und diejenigen, die auch glücklich sind, dass es dieses Dorf Meyhen gibt, diese Heimat, und dies eher beschaulich genießen.

Und ich sah, dass Leben jetzt und Freude auf die Zukunft – und die Erinnerung (700 Jahre!) an Menschen, an Zeiten, an Liebe, Scheitern, Frieden, Krieg, Kleines, das die Zeitläufte überdauert hat, ein hübscher Flecken Erde: dass dies alles zusammengehört und ein Bekenntnis ist: Wir denken an die Früheren, die ja in die Dorfgemeinschaft hineingehören, wir nehmen Schmerzen und Lieben hinein, und leben als Heutige. Und ich sah und hörte für mich: Es gibt Zukunft. Es gibt Zukunft Dorf! Und wir tun etwas dafür. Und Unterschiede werden nicht aufhalten, nicht Bedenken, ob es sich lohnt oder nicht. Tun. Einfach tun. Nicht warten. Nicht zu lange warten.

Ich habe gerne um Segen für diese Dorfgemeinschaft, für das Dorf Meyhen gebeten. Und ich danke von Herzen allen, die das Fest vorbereitet haben, allen. Und es war für mich eine Ehre, dabei gewesen zu sein. Gottes Segen für Sie und Euch!

Herzlich,

Pfarrer Oliver Gebhardt

Abbildung 3 Pfarrer Oliver Gebhardt

VORWORT DES HERAUSGEBERS

Meyhen: 51.2494°N 12.199°O auf einer mittleren Höhe von 131m über NN, Gemeindeschlüssel 14729270. Nüchtern betrachtet, fehlen noch die Anzahl der Einwohner (55, Stand Mitte September 2021), die Gemarkungsfläche (138 ha) und der Bodenrichtwert (lebensfremde 13 EUR/m²). Doch bereits bei der Einweihung des Gedenksteins am 21.September des Jahres 2021 zum 700-jährigen Jubiläum fand Pfarrer Gebhardt die richtigen Worte: „Die Mitte des Dorfes sind die Menschen“.

Und so stehen für dieses und in diesem Buchwerk natürlich alle die Menschen im Vordergrund, die – beginnend weit zurück in einer vorchristianisierten Welt – bis heute die Weichen stellten und stellen. Für eine Besiedlung dieses kleinen Flecken Erde, bei der vor allen Dingen die Menschen wichtig sind.

In diesem Sinne versteht sich dieses Buch als fundierter Beitrag einer NEUEN lebenden Geschichte in und rund um die kleine Gemeinde Meyhen in Räpitz nahe der Stadt Markranstädt.

Klaus Bernhard Gablenz

Abbildung 4 Herausgeber Klaus B.Gablenz

VORBEMERKUNGEN

Niemals ist eine solche Chronik in der Lage, alle Sichtweisen, Kenntnisse und Empfindungen derer zu erfassen, die hier in der Chronik angesprochen werden. Die Chronik wurde so fachlich fundiert dies möglich war erstellt; fehlende Inhalte oder nicht korrelierende Sichtweisen sollten zur Diskussion anregen und bei künftigen Neuauflagen Gehör finden, nicht zur Diskreditierung derer, die an diesem Werk mitgearbeitet haben, genutzt werden.

So klein Meyhen auch ist: es war durch die Zeiten ein Spielball großer Mächte und großer Veränderungen. Eine Chronik isoliert nur auf die einzelnen Grundstücke und deren Veränderungen zu richten, wäre im gegebenen Fall nicht sachgerecht. Aus diesem Grunde erfolgt der geschichtliche Abriss in dieser Chronik immer im Zusammenhang größerer Begebenheiten im Umfeld von Meyhen oder Sachsen. Dies ermöglicht es vor allen Dingen auch ortsfremden Lesern, eine ausreichende Sachkompetenz beim Studium der Ausführungen zu erwerben, um das kleine Meyhen in der Weltgeschichte wiederzufinden.

Personenbezogene Daten wurden nur dann aufgenommen, wenn eine eindeutige schriftliche Zusage dazu vorlag. Dies gilt nicht für Personen der Zeitgeschichte aus Meyhen, die heute nicht mehr leben und deren Persönlichkeitsrechte durch die Namensnennung nicht beeinträchtigt werden.

700 Jahre Meyhen + - das Plus steht für den dynamischen Prozess der steten geschichtlichen Fortschreibung in der Gemeinde Meyhen. Der Kerninhalt des Buchs ist sicher eine große Überraschung. Dieses Buch ist der Beginn, aber nicht das Ende.

Abbildung 5 vermutlich älteste Grußkarte aus Meyhen, Quelle: Gerhard Eggers

MEYHEN IM MITTELALTER

von Markus Cottin

Vorbemerkungen

Bei der Beschäftigung mit der mittelalterlichen Geschichte Meyhens hat man sich der Problematik zu stellen, dass es einen gleichnamigen Ort südlich von Naumburg gibt und das benachbarte Meuchen theoretisch die selbe Ortsnamenentwicklung und damit ähnliche oder gleiche Belege aufweisen kann. Es darf vorausgeschickt werden, dass insbesondere die Zuweisung älterer Erwähnungen an Meyhen bzw. Meuchen in Standardwerken wie dem Historischen Ortsnamenbuch für Sachsen oder dem Historischen Ortsverzeichnis für Sachsen nur an wenigen Stellen gelungen ist. Schuld daran trägt ein weiteres forschungsgeschichtliches Problem: Seit 1815 waren Meyhen und Meuchen zwischen Sachsen und Preußen aufgeteilt, lagen also in verschiedenen Staaten. Noch heute ist dies spürbar, verläuft doch zwischen beiden Orten die Landesgrenze zwischen Sachsen und SachsenAnhalt. Diese Randlage führte auch zu einer Randlage in der Forschung und einer häufig eingeschränkten Sichtweise.

So schien der verdienstvolle Paul Fridolin Kehr bei der Edition der Merseburger Urkunden (bis 1357) Meyhen gar nicht zu kennen und wies alle Erwähnungen Meuchen zu. Dabei basierte seine Identifizierung auf den ebenfalls sehr verdienstvollen Forschungen Otto Küstermanns, der erstmals die Urkunden des Merseburger Domstiftsarchivs für eine grundlegende Geschichte des Hochstifts Merseburg ausgewertet hatte. Küstermanns Arbeit sowie Kehrs Edition wirken in den oben genannten Handbüchern bis heute nach. Bei der Erforschung der Geschichte Meyhens im Mittelalter muss man sich daher mit größ-ter Vorsicht den verschiedenen Erwähnungen zuwenden und dabei Schritt für Schritt unter Heranziehung jüngerer Quellen Zuweisungen treffen. An dieser Stelle kann nur exemplarisch vorgeführt werden, wie dabei methodisch vorzugehen ist. Eine ausgebreitete Neubewertung aller Meuchen bzw. Meyhen zugewiesenen Erwähnungen ist hier nicht möglich. Vielmehr sollen nur Leitlinien aufgezeigt und die Entwicklung Meyhens im Mittelalter in die umgebende Landschaft eingeordnet werden.

Die kirchlichen Strukturen ermöglichen aufgrund ihrer Langlebigkeit und ihres Beharrungsvermögens häufig gesicherte Erkenntnisse aus der Rückschau, d.h. von gesicherten jüngeren Ortszuweisungen rückblickend auf ältere Urkunden und Belege. Dies gilt sowohl für die Kirchenstruktur als auch für die Verwaltung des Kirchenbesitzes. An letzteren kann bei der Betrachtung der Erwähnungen von Meyhen angeknüpft werden. Zunächst ist daher von jüngeren Quellen auszugehen, um gesicherte Belege für das mittelalterliche Meyhen zu gewinnen und diese auszuwerten.

Die Obödienz Meyhen – ein Wegweiser zur mittelalterlichen Überlieferung

Abbildung 6 Die Obödienz Meyhen (Eyghen, Eygen) im Einkünfteverzeichnis des Merseburger Domkapitels 1320/30; Universitätsbibliothek Leipzig, Bibliotheca Albertina, Sondersammlungen, Rep. II 130, fol. 305r

Das Merseburger Domkapitel verwaltete seinen Besitz bis zum 19. Jahrhundert in Form sogenannter Obödienzen. In diesen Obödienzen waren Einnahmen aus verschiedenen Stiftungen und Schenkungen aus verschiedenen Zeiten räumlich zusammengefasst. Eine Obödienz war jeweils nach ihrem Hauptort benannt, von dem aus auch benachbarte Einkünfte in Form von Naturalien und Geld verwaltet werden konnten. Jede Obödienz war einem Domherren übertragen, der für die pünktliche Einhebung und Weiterreichung der Abgaben an andere Domherren, Vikare, Altaristen, Choralisten und die Dombaukasse (Fabrik) verantwortlich war. Die Überschüsse durfte er behalten. Von diesem Domkapitelsbesitz war noch der Besitz des Dompropstes, dem ersten Mann im Domkapitel, geschieden. Auch der Bischof von Merseburg hatte eigenen Besitz, das sogenannte Tafelgut, das sich aus unterschiedlichsten Rechten und Einkünften zusammensetzte. Die mittelalterliche Verwaltung dieser Güter durch alljährliche Einhebung und Weiterreichung der auf den Gütern lastenden Einkünfte hatte bis zu den bürgerlichen Reformen des 19. Jahrhunderts Bestand. Im Merseburger Land sind die Abgaben seit 1850 abgelöst worden. So erlauben noch die Quellen des 19. Jahrhunderts Rückschlüsse auf mittelalterliche Zustände, da sich mit dem Vordringen der Geldwirtschaft die Zusammensetzung der Obödienzen seit dem 14. Jahrhundert kaum noch verändert hat. Bis zur Ablösung in der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine „Obedientia Meyen“, die ein Merseburger Domherr verwaltete. In der Summe kamen aus Meyhen von knapp 10 Hufen jährlich Einnahmen in Höhe von 15 Gulden, 19 Groschen und 2 Hühnern. Diese Angaben stimmen auffällig mit denen überein, die das Einkünfteverzeichnis des Domkapitels von 1320/30 wiedergibt.

Das Verzeichnis liegt in zwei nahezu identischen Handschriften in der Domstiftsbibliothek Merseburg (Cod. I, 128) und der Universitätsbibliothek Leipzig (Rep. II 130) vor. Die Merseburger Handschrift gehört zu den Kriegsverlusten der Bibliothek. Unter der mit „Eyghen“ bzw. „Eygen“ bezeichneten Obödienz werden ebenfalls 10 zinspflichtige Hufen aufgeführt, von denen verschiedene Geld- und Hühnerabgaben zu leisten waren. Ein direkter Vergleich mit den Abgaben aus dem 19. Jahrhundert fällt schwer, da im 14. Jahrhundert die Geldabgaben noch in Mark und Groschen angegeben wurden.

Dass sich die Zahl von 20 Hühnern (1320/30) auf zwei reduziert hatte, ist ein normaler Vorgang. Vielfach sind solche Naturalabgaben in Geldzinse umgewandelt worden. Die Zahl der Hufen und das Nebeneinander von Geld- und Hühnerabgaben lassen den sicheren Schluss zu, dass es sich um Meyhen handelt.

Abbildung 7 Eintragung zu Meyhen (Meyen alias Eygen) in der Obödienzenabrechnung Heinrich Medels von Goch; Domstiftsarchiv Merseburg, Obödienzenabrechnung Heinrich Medel von Goch, 1447/48, fol. 12r

Dies findet noch eine zusätzliche Stütze in den Obödienzenabrechnungen, die der Merseburger Domherr Heinrich Medel von Goch von 1447 bis 1452 führte. Auch hier werden stets die aus dem Einkünfteverzeichnis bekannten 10 Hufen erwähnt. Mehrfach nennt Heinrich Medel die Obödienz „Meyen alias Eygen“ und verbindet damit die zu seiner Zeit gebräuchliche Ortsnamenform (mit anlautendem „M“) mit der im Verzeichnis von 1320/30, das ihm sicherlich zur Orientierung über seine Einkünfte vorlag. Der Anlass zur Feier des 700jährigen Jubiläums ist die Identifizierung dieser Vermögensmasse des Domkapitels mit Meyhen (nicht wie früher mit Meuchen). Da das Einkünfteverzeichnis zuweilen zu 1321 datiert wird, ist das Jubiläum auf dieses Datum gelegt worden. Allerdings sind derartige Besitzaufzeichnungen zumeist undatiert und hatten eine lange Benutzungsdauer, so dass eine jahrgenaue Zuweisung schwierig ist. Diese „technischen“ Überlegungen waren notwendig, um die Beschäftigung mit Meyhen im Mittelalter auf eine sichere Grundlage zu stellen, von der aus weitergearbeitet werden kann. Davon konnte Meuchen nicht unberührt bleiben.

Nach den vorgetragenen Befunden wird Meuchen erstmals sicher 1412 in einem Steuerregister des Merseburger Bischofs als „Michen“ erwähnt. Unsicher ist, ob die adlige Familie, die sich lateinisch „de Proprio“ (1198) und deutsch „de Eygene“ (um 1300) nannte, zu Meyhen südlich Naumburg oder zu Meuchen zu stellen ist. Bislang ist erst die im 15. Jahrhundert auftretende Familie „von Michen“ sicher auf Meuchen zu beziehen. Ein Zusammenhang des Ortsnamens Meuchen mit der Wurzel „Eigen“, mit dem die Ortsnamenforschung ohnehin stets Probleme hatte, ist wohl zurückzuweisen. Diese Ortsnamenbedeutung, die auf den Eigenbesitz (also nicht Lehnsbesitz) einer Adelsfamilie verweist, ist nunmehr für Meyhen festzuhalten. Das anlautende „M“ bei „Meyhen“ geht offenbar auf eine vorangestellte Präposition zurück (zum Eigen), die im 14./15. Jahrhundert teilweise mit dem Namen verschmolz. Da Meyhen spätestens 1320/30 Domkapitelsbesitz war, ist späterhin zu fragen, was die Bezeichnung als „adliges Eigentum“ motivierte. Dafür ist zeitlich weiter zurückzugehen und auch die umgebenden Orte in den Blick zu nehmen.

Meyhen im Mittelalter. Grundlinien und Überlegungen

Meyhen liegt in einer Landschaft, die bereits früh in das Licht der schriftlichen Überlieferung trat.

Das Gebiet östlich der Saale war unter den ottonischen Königen Heinrich I. und Otto I. stärker in das Reich einbezogen worden. Wichtigste Pfalz in diesem Raum war Merseburg, das mit der Gründung des Bistums 968 noch weitere Aufgaben, nämlich die Missionierung der vornehmlich slawischen Gebiete zwischen Saale und Mulde, erhielt. Auch wenn das Bistum seit 981 kurzzeitig aufgelöst war, so trat es mit seiner Neugründung 1004 unter König Heinrich II. wieder auf die kirchliche und politische Landkarte. Die Merseburger Bischöfe erhielten schon im ausgehenden 10. Jahrhundert umfangreiche Landschenkungen aus königlicher Hand, um gestützt auf die Dienste und Abgaben der abhängigen Bevölkerung ihre geistlichen Aufgaben zu versehen. So erhielt die Merseburger Bischofskirche 974 den Burgbezirk Zwenkau und einen angrenzenden Wald aus königlichem Besitz geschenkt. 993 werden die Burgwarde Schkölen, Treben und Keuschberg genannt, von denen Teile aus Königsbesitz verschenkt wurden. Burgwarde waren Burgbezirke: von einem befestigten Mittelpunkt aus, wurden die umliegenden Siedlungen weltlich und geistlich integriert. Dies bedeutete, dass an den Burgwardmittelpunkt Dienste und Abgaben zu leisten waren. Ferner besaß jeder Burgward eine Kirche, die für einen großen Sprengel zuständig war. Dabei handelte es sich in aller Regel um königliche oder bischöfliche Gründungen. So errichtete der Merseburger Bischof Wigbert (reg. 1004-1009) in seiner Amtszeit anstelle eines den Slawen heiligen Hains bei Schkeitbar eine dem Romanus geweihte Kirche. Materiell ausgestattet war diese mit den Einkünften aus einem ganzen Dorf, dem sogenannten Pfaffendorf, dessen Name also die Besitzverhältnisse (Pfaffe – Pfarrer) festhält. Zum Sprengel der Schkeitbarer Kirche gehörte auch Meyhen, was ein Bestehen des Ortes zu Beginn des 11. Jahrhunderts zumindest wahrscheinlich macht. Die Durchdringung der Landschaft durch die Merseburger Kirche zeigen aber auch weitere Nachrichten. Bischof Thietmar (reg. 1009-1018), der berühmte Chronist der Ottonenzeit, besaß in