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Diese Erfahrungsgeschichte einer Mutter beschreibt den sehr emotionalen und anstrengenden Alltag mit ihrem auffälligen Sohn Jakob. Darüber hinaus beinhaltet dieses Buch allgemeingültige Informationen über ADHS und zeigt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten auf - eine wertvolle Unterstützung und Hilfestellung für alle betroffenen Eltern und deren Kinder mit ADHS-typischen Anzeichen. "Wir haben es geschaftt!" zeigt auf wunderbare Weise, wie ein Kind names Jakob mit ADHS trotz aller Schwierigkeiten im Kleinkind-, Kindergarten-, Schul- und Teenageralter in unserer Gesellschaft nicht verloren geht und seinen Platz gefunden hat.
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Seitenzahl: 91
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Vorwort
Erfahrungsgeschichte
Über mich
Hallo Jakob!
Jakobs erstes Lebensjahr
Die sozialen Kontakte
Jakob als Kleinkind
Der Tagesablauf
Der Kindergarten
Die Trennung
Die neue Situation
Die Urlaube
Jakobs Einschulung
Die Diagnose
Die Erniedrigung
Neue Lebenssituation
Die Grundschulzeit
Gesundheitliche Probleme
Das dritte und vierte Schuljahr
Die Realschule
Erste Liebe
Die Wiederholung der siebten Klasse
Die Ernüchterung
Das Loslassen
Der Alkohol und die weichen Drogen
Die Medikamentengabe
Das Ankommen
Im Herbst 2018
Nachträgliche Gedanken zum Thema ADHS
Historie
Definition
Symptome
Diagnostik und vereinbarte Diagnoseverfahren
Entstehungsfaktoren und Ursachen von ADHS
Genetische Faktoren
Pädagogische Faktoren
Ernährungsbedinge Faktoren
Umweltfaktoren
Medikamente und Therapien
Psychosoziale Hilfen
Orthomolekulare Hilfe
Medikamentöse Therapie
Gedanken von Jakobs Vater
Karlas Schlusswort
Literaturnachweis
Liebe Eltern,
um die Erlebnisse mit meinem Sohn Jakob besser verarbeiten zu können, habe ich schon, als er noch sehr jung war, angefangen ein Tagebuch zu schreiben. Der Gedanke, dass ich meine Erfahrungen in einem Buch bündeln wollte, kam erst viele Jahre später. Jetzt liegt es vor euch und ich wünsche mir, dass ihr euch in diesen Zeilen wiederfindet, euch nicht so ohnmächtig und alleine fühlt und Antworten findet. Zudem wünsche ich euch viel Kraft, den Weg mit eurem Kind gemeinsam zu gehen. Zeiten, die mit Liebe und Hoffnung gepflastert sind und euch auch die so schönen und wunderbaren Seiten eures Kindes zeigen. Ich bin dankbar, weil ich einem ganz besonderen Menschen, nämlich meinem Sohn geholfen habe, in sein Leben zu finden. Um ihn zu schützen, habe ich unsere Namen geändert. Alle anderen Namen sind auch erfunden, jedoch nicht die Erlebnisse oder die Personen.
„Ein jeder hat seine eigene Art, glücklich zu sein, und niemand darf verlangen, dass man es in der seinigen sein soll.“
Heinrich von Kleist
Jakob, mein Sohn, ist am 10. Januar 2006 zwölf Jahre jung geworden. Ich, seine Mutter, bin zu diesem Zeitpunkt 43 Jahre alt. Als Jakob gezeugt wurde, war ich eine 31-jährige und selbstständige Frau. Meine eigene Mutter bestand immer auf einer guten Ausbildung und so ging ich nach dem Besuch des Gymnasiums in die weite Welt hinaus. Ich schaffte es bis nach Wuppertal. Drei Jahre später, mit dem Staatsexamen als Hebamme in der Hand, zimmerte ich an meiner Zukunft. Ich arbeitete in verschiedenen Krankenhäusern und mit den Berufsjahren und den daraus resultierenden Erfahrungen breitete ich mein Arbeitsspektrum immer weiter aus: ich betreute Schwangere und junge Mütter auch vor und nach der Geburt – und in meiner eigenen Praxis bot ich verschiedene Kurse für Schwangere und Wöchnerinnen an. Privat schlängelte ich mich durch Hochs und Tiefs, familiär wie auch partnerschaftlich. Eines Tages jedoch, ich hatte meines Erachtens den richtigen Partner gefunden, keimte auch in mir der Wunsch nach einem Baby. Gedacht, gesagt, getan, und ... schwanger! Meine Schwangerschaft läutete einen völlig neuen Lebensabschnitt ein.
An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass man mir als Kind sicherlich auch ADS-typische Symptome hätte nachweisen können. Allerdings hatte ich bis zur Geburt meines Sohnes Jakob noch nie etwas von diesem Erkrankungsbild gehört – wenn es denn auch tatsächlich eine Krankheit ist!
War ich eigentlich die einzige Schwangere, die nur mit der Zeugung eines Kindes schon erschöpft war? Ich schlich mich zur Arbeit, ich schlich im Kreißsaal umher und ich schlich wieder nach Hause. Zwischendurch musste ich ungewöhnlich oft zur Toilette. Diesen ständigen Harndrang konnte ich mir nicht erklären. Ich war gerade erst in der siebten Woche schwanger und spürte das auch eindeutig. Da ich gerne rauchte, musste ich schnell eine Entscheidung fällen. Ich entschied mich für das Wohlergehen meines Babys und hörte mit dem Rauchen auf. Auf die Zigaretten zu verzichten fiel mir leicht, aber die sich dann einstellende Übelkeit war ganz grausam. Ich gehörte zu dieser Sorte von Schwangeren, die sich nie, fast nie übergeben können. Nein, ich hatte nur von morgens bis abends das Gefühl, mich übergeben zu müssen. Keine Morgenübelkeit, wie man sie im Allgemeinen aus der Literatur kennt. Nein, meine Übelkeit begleitete mich überall hin und das nicht nur bis zur zwölften, sondern bis zur 28. Schwangerschaftswoche. Anfänglich bekam ich die Übelkeit ein wenig in den Griff, indem ich Bonbons lutschte. Anschließend versuchte ich es mit Kaugummis. Am besten war sie auszuhalten, wenn ich aß. Also habe ich ständig irgendetwas, natürlich Gesundes gegessen. Zu dieser unsagbaren Übelkeit gesellte sich eine starke Geruchsempfindlichkeit. Es gibt Restaurants, die ich seit dieser Zeit nicht mehr betreten habe.
Ich nervte mit meinem Zustand, der tatsächlich kaum zu ertragen war, alle meine Freunde und Bekannten. Ab der 28. Schwangerschaftswoche, also ab dem achten Monat etwa, ging es mir gut, nein, sehr gut und so war ich dann doch noch in guter Hoffnung. Unser Baby, von dem wir nicht wussten, ob es Männlein oder Weiblein werden würde, war so gut zu mir. Ich wurde nie geboxt, ich bekam immer Luft, ich war energiegeladen und das Kind hat mich nie gestört. Es war immer lieb, wirklich.
Jakob kam zehn Tage nach dem errechneten Termin zur Welt. Es war eine Spontangeburt. Immer wieder wurde ich im Laufe der Jahre nach dem Geburtsverlauf gefragt. Ich gebar unseren kleinen Sohn in nur knapp fünf Stunden. Wenn ich ehrlich bin, hätte man die Geburt dennoch per Zangengeburt oder Saugglocke etwas früher beenden sollen, denn die Austreibungsphase von eineinhalb Stunden war zu lang, die Pressphase soll in der Regel nur eine halbe Stunde andauern. So war Jakob auch sichtlich erschöpft, wollte erst gar nicht regelmäßig atmen und war sehr, sehr schlapp. Nach zehn Minuten hatte er den Weg in diese Welt gefunden und schaute uns sehr ernst, mit einer in Falten gelegten Stirn in die Augen. Irgendwie war uns damals schon klar, dass Jakob ein ganz besonderes Kind ist. Nun gut, das behaupten alle Eltern, die ihr gerade geborenes Kind im Arm halten. Jakobs Blick war tiefsinniger, fordernder und ernster. Ich sah, dass er ganz genau wusste, was er will und was nicht. Sein Gesichtsausdruck war anders als der von mehr als 2.000 Babys, denen ich im Laufe meiner Hebammentätigkeit ins Gesicht geschaut hatte.
Ich stillte Jakob knapp ein Jahr, davon acht Monate voll. An meiner Brust war er ein zufriedenes Baby. In den ersten Wochen konnte ich mein Glück überhaupt nicht fassen. Jakob war gesund und entwickelte sich prächtig. Er schlief zwei bis drei Stunden, um dann nach einer Wachphase von eineinhalb Stunden wieder einzuschlafen.
Wir Eltern unternahmen schon in den ersten Wochen einiges mit ihm. Wir fuhren zu Familienfesten und ansonsten trug ich ihn im Didymos-Tuch überall mit hin. Diese permanente Reizüberflutung machte ihm, aus heutiger Sicht, zu schaffen und seine Schlafphasen wurden kürzer. Dann, in der sechsten Lebenswoche, bekam Jakob seine erste Mittelohrentzündung. Es sollten noch einige folgen. Er hatte Schmerzen und seine Schlafphasen wurden noch kürzer und seine Schreiphasen umso länger. Interessant ist, dass diese Symptome unmittelbar nach seiner ersten Impfung auftraten. War dies etwa alles eine Impfreaktion?
Ich war eine geduldige und nervenstarke Mutter. Aber mit der Zeit hält keine Frau diesen Zustand aus. Mein Nervenkostüm wurde immer dünner und die Arztbesuche häuften sich wie auch seine Erkrankungen. Eine Mittelohrentzündung jagte die nächste und die Infekte gingen übergangslos in die Bronchitiden. Unser bis dato schön geordnetes Leben wurde mächtig durchgerüttelt. Wir und Jakob waren wegen seiner Krankheiten ständig auf den Beinen bzw. bei Ärzten und kamen kaum noch zur Ruhe. Jakob weinte viel, er schrie viel und schlief so gut wie nie. Ich trug ihn und ertrug ihn. Die häufigen Antibiotika-Gaben taten ihr Übriges und nach nur neun Monaten fuhren wir das erste Mal zur Mutter-Kind-Kur nach Borkum. Die Nächte dort waren lang, weil Jakob nicht schlafen wollte oder konnte. Mit seinen neun Monaten war er schon gut zu Fuß, er lief von Stuhl zu Stuhl und bewegte sich mit einer beachtlichen Sicherheit. Ich war angespannt und genervt, aber auch immer noch voller Liebe und Geduld. Woher ich diese Geduld genommen habe, ist mir schleierhaft. Ich denke, ich wollte und musste eine gute Mutter sein und dies galt es zu beweisen. Also, Jakob lief und ich hinter ihm her. Eigentlich sollte es umgekehrt sein, aber das wurde mir erst viele Jahre später klar. Jakob lief, Jakob aß, Jakob zahnte und Jakob entwickelte sich. Auch ich lief, aß, verlor ganz nebenbei einen Zahn und zehn Kilo an Gewicht. Ich war so schlank wie nie zuvor. Da Jakob zu immer wiederkehrenden Infekten und Entzündungen neigte und ich nach viermaliger Gabe ein Hasskäppchen gegen Antibiotika entwickelt hatte, wechselte ich den Kinderarzt. Der neue Kinderarzt betrachtete seine Schützlinge ganzheitlich und behandelte sie in erster Linie pflanzlich und homöopathisch.
Jakob wurde getestet, pflanzlich und homöopathisch eingestellt und alle Allergie auslösenden Lebensmittel wurden gestrichen. Es folgten die Windpocken und dann zum Überfluss auch noch eine Lungenentzündung. Jakob meisterte beides mit den Alternativmedikamenten. Er reagierte sehr gut auf die vielen kleinen Globuli, die ich stündlich in seine Wangentasche geschoben hatte. Seit dieser Behandlung und mit Unterstützung der Homöopathie wurde Jakob von keinem ernsthaften Infekt, keiner Bronchitis oder Lungenentzündung mehr geplagt. Auch ist er seitdem ohne – ich betone – ohne Antibiotika ausgekommen.
Jakob war also mit seinem 15. Lebensmonat das erste Mal so richtig gesund. Er bekam seine Globuli und seine Dinkelprodukte, er aß Schaf statt Kuh und vegetarische Brotaufstriche anstatt Leberwurst. Eier, Weißmehl, Milch, Zucker und Soja waren tabu und auf diese Weise ernährten wir Jakob bis zu seinem fast dritten Lebensjahr. Die Auseinandersetzung mit den Inhaltsstoffen in unseren Lebensmitteln hatte ich gerne in Kauf genommen und stieß dabei auf die Ernährungslehre nach Dr. Max-Otto Bruker – eine vitalstoffreiche Vollwertkost.
Patrick wurde Jakobs erster Freund, er war vier Monate älter und ein ausgesprochen ruhiges und liebes Kind. Seine Eltern und ich unternahmen viel miteinander. Wir fuhren gemeinsam in Urlaub, gingen viel spazieren, fuhren ins Hallen- oder Freibad und besuchten Tierparks, den Panorama Park und hatten viel Spaß miteinander. Jakob wurde durch Patricks Art ruhiger und Jakob motivierte Patrick. Es gab auch häufiger Streit, meist zwischen uns Müttern, weil Jakob oft über die Grenzen von Patrick ging. Jakob war in meinen Augen zu temperamentvoll und rücksichtslos und ich hatte Probleme mit angebrachter Strenge und Konsequenz. Eine Krabbelgruppe gründete sich und so traf man sich einmal wöchentlich. Die Mütter tranken Kaffee und die Kinder spielten. Alle Kinder waren nett und hörten, alle Kinder konnten sich länger mit etwas beschäftigen, alle Kinder aßen vorschriftsmäßig. Nur meiner, meiner war anders. Er war schneller, lauter, unruhiger, nicht unbedingt aggressiv, aber doch recht ungestüm und burschikos. Mich quälten Selbstvorwürfe und ich fragte mich ständig, was ich falsch machte. Ich wollte auch ein braves Kind wie die anderen Mütter haben, eines von der Sorte pflegeleicht, verschmust und folgsam. Jakobs Vater, Henry, sah das Ganze entspannter und ich ließ mich nur all zu gerne von ihm beruhigen. Meine Mutter sprach immer davon, dass sich Jakobs Verhalten „auswachsen“ würde und
