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Finanziell unabhängig! Frauen sind durchschnittlich weniger vermögend als Männer. Ihr Verdienst ist – häufig wegen Teilzeitarbeit – geringer. Dafür haben sie bei unbezahlter Care-Arbeit die Nase vorn. Bei der Rente macht das zusammengenommen den großen Unterschied: Altersarmut ist weiblich. Der Ratgeber zeigt, wie Vermögensaufbau und finanzielle Unabhängigkeit – auch mit eher wenig Geld – gelingen können. Und dass das oft viel einfacher ist, als Frauen vielleicht manchmal denken. Überhaupt damit anzufangen macht den Unterschied! In diesem Ratgeber erfahren Frauen: - Warum Rentenlücken entstehen und wie der Kassensturz klappt, - welche Stellschrauben für eine gute Altersvorsorge wichtig sind, - was bei Trennung oder Scheidung zu regeln ist, - warum die Zeit beim Sparen und Geldanlegen auf ihrer Seite ist, - ob Geldanlagen mit grünem Label lohnen, - dass Erbschaften nicht immer nur finanzielle Vorteile bringen. Vier Frauen stehen für typische Fragestellungen – beim Berufsstart, in der Phase der Familiengründung, bei einer Trennung sowie kurz vor dem Rentenalter. Für jede Lebensphase werden passende Strategien exemplarisch vorgestellt.
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Seitenzahl: 264
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Anke Henrich
Ab jetzt finanziell unabhängig
ISBN Print: 978-3-86336-175-4
ISBN E-Book: 978-3-86336-357-4
Herausgeber
Verbraucherzentrale
Nordrhein-Westfalen e. V.
Helmholtzstraße 19
40215 Düsseldorf
Telefon: 02 11/9 13 80-10 00
www.verbraucherzentrale.nrw
Text
Anke Henrich
Koordination und Lektorat
Dr. Mechthild Winkelmann
Fachliche Beratung
Otto Bretzinger, Astrid Broeker
Layout und Satz
Lala Majidova, Düsseldorf
www.lav-ka.de
Umschlaggestaltung
Ute Lübbeke, Köln
www.LNT-design.de
XML-Produktion
pagina GmbH, Tübingen
www.pagina.gmbh
Druck
AZ Druck und Datentechnik GmbH, Kempten
Redaktionsschluss:
Dezember 2024
Bildnachweis
zitiert nach de.statista.com:
Seite 58: boerse.de, Entwicklung des DAX in den Jahren von 1987 bis 2023, Statista, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/199158/umfrage/jaehrliche-entwicklung-des-dax-seit-1987/
Seite 62: Statista Consumer Insights, Frauen nutzen Finanzprodukte nicht so häufig wie Männer, Statista, https://de.statista.com/infografik/31823/anteil-der-befragten-die-folgende-finanzprodukte-und-anlagen-derzeit-nutzen/
Seite 103: Assekurata. Laufende Verzinsung der Lebensversicherer in Deutschland von 2006 bis 2023, Statista, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/168461/umfrage/ueberschussbeteiligung-der-lebensversicherer-seit-1995/
weitere Urheber: Seite 41, 65: Verbraucherzentrale NRW, Seite 80, 112: Statistisches Bundesamt, Seite 95, 97: Deutsche Rentenversicherung, Seite 120, 148, 186: Privat
Adobe Stock: S. 4, 54: Eléonore H, S. 4, 36: Kateryna, S. 5, 110: taramara78, S. 5, 11, 160: fizkes, S. 6: Grady R/peopleimages.com, S. 8: bnenin, S. 9: Anna Zhuk, S. 10, 138: Jacob Lund, S. 12: Ratko, S. 55: Musarrof, S. 88: sepy, S. 136: ABCreative, S. 182: WavebreakMediaMicro, S. 201: NDABCREATIVITY
Titel: Tom Werner/gettyimages
1. Auflage 2025
© Verbraucherzentrale NRW, Düsseldorf
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung der Verbraucherzentrale NRW. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Die Verwendung des Werks durch Dritte darf nicht zu absatzfördernden Zwecken geschehen oder den Eindruck einer Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale NRW erwecken.
Was Ihnen dieses Buch bringt
Dürfen wir also vorstellen?
Finanzen auf dem Prüfstand
Kassensturz: Was besitze ich?
Analyse: Wo bleibt das Geld?
Reserven für Unvorhergesehenes
Einnahmen erhöhen – aber wie?
Finanzen organisieren: Konten & Co.
Lebensrisiken checken und absichern
Welche Versicherungen brauchen Sie wirklich?
Private Haftpflichtversicherung
Berufsunfähigkeit – Existenz sichern
Risikolebensversicherung – für wen wichtig?
Vorsorge für die Pflege?
Krankenversicherung: Gesetzlich oder privat?
Geldanlage: Sicher und nachhaltig
Anlageprofil
Guter Rat muss nicht teuer sein
Was passt zu mir?
Geld verdienen an der Börse
Kapitalerträge sind steuerpflichtig
Immobilie als sichere Geldanlage?
Nachhaltig anlegen – wie geht das?
Altersvorsorge – Strategien für die Finanzplanung
Die gesetzliche Rentenversicherung
Rentenlücken auf der Spur
Das Drei-Säulensystem der Altersvorsorge
Altersvorsorge mit privaten Versicherungen
Rente als eigene Chefin?
Babyglück und Geldsorgen
Finanzen neu ordnen
Ohne Trauschein glücklich
Mit Trauschein glücklich
Schicksalsschlag: Tod von Vater oder Mutter
Für den Ernstfall: Wichtige Vollmachten
Care-Arbeit reißt Lücken
Kinder kosten
Finanzielle Unterstützung: Geld vom Staat
Die Zukunft der Kinder finanziell absichern
Können wir uns eine Immobilie leisten?
Trennung und Scheidung
Fehler vermeiden
Finanzen neu ordnen
Trennung und Versicherungen
So funktioniert Unterhalt
Scheidung und Schulden
Was passiert mit unserer Immobilie?
Scheidung und Steuern
Versorgungsausgleich
Wichtiger als alles Geld: die Kinder
Keine Angst vor der Rentenlücke
Kassensturz
Welche Rente für wen?
Früher aufhören – der Preis der Freiheit
Gesetzliche Rente nachzahlen
Zahltag: Erspartes für den Lebensabend einteilen
Weiterarbeiten trotz Rente
Weiterarbeiten ohne Rentenbezug
Rente und Steuern
Kranken- und Pflegeversicherung als Rentnerin
Vorhandenes Vermögen umschichten
Immobilie im Alter
Pflegefall: Wer zahlt?
Geldsegen mit Tücken – Erben und Vererben
Grundzüge des Erbrechts
Erbengemeinschaft
Vermögen durch Schenkung übertragen
Vermögen durch Testament übertragen
Erben in der Patchworkfamilie
Nachlasskosten
Erbe ausschlagen
Geerbt – Was tun?
Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e.V.
Ab jetzt finanziell unabhängig – zugegeben, das klingt vielleicht ein bisschen nach Freiheit und Abenteuer. Mein Haus, mein Auto, mein Boot? Leider nein. Sich als Frau um die eigenen Finanzen zu kümmern, ist existenziell. Das zeigen schon diese wenigen Zahlen: Frauen haben im Jahr 2023 in Deutschland pro Stunde durchschnittlich 18 Prozent weniger verdient als Männer. Mit 20,84 Euro erhielten sie einen um 4,46 Euro geringeren Bruttostundenverdienst als Männer (25,30 Euro).
Bei der Geburt ihres ersten Kindes sind Frauen im Schnitt 30 Jahre alt – ab diesem Zeitpunkt stagniert ihr Bruttostundenverdienst nahezu, während er bei Männern weiter fast stetig ansteigt. Mögliche Erklärung: Karrieresprünge und damit höhere Löhne werden für Frauen seltener, weil sie familienbedingt in Teilzeit arbeiten. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die spätere Rente. Das geschlechtsspezifische Gefälle bei den Alterseinkünften, der sogenannte Gender Pension Gap, lag im Jahr 2023 laut Statistischem Bundesamt bei rund 27,1 Prozent. Konkret: Frauen über 65 hatten in Deutschland im Schnitt Alterseinkünfte in [7]Höhe von 18.663 Euro brutto im Jahr. Bei Männern der gleichen Altersgruppe waren es durchschnittlich 25.599 Euro brutto. Nicht verwunderlich also, dass Frauen wesentlich häufiger armutsgefährdet sind.
Frauen werden zudem im Schnitt fünf Jahre älter als Männer – ihre Ersparnisse müssen daher auch länger reichen, um die Lücke zwischen niedriger Rente und den laufenden Kosten für den Lebensunterhalt auszugleichen.
Fakt ist auch, dass mehr als ein Drittel aller Ehen vor dem Scheidungsrichter landet. „Wir lieben uns, dann werden wir das mit dem Geld schon hinkriegen.“ – dieses blinde Vertrauen können sich nur die wenigsten Paare leisten. Und es rächt sich in meist wenig romantischen Auseinandersetzungen, wenn der Ausgleich unterschiedlicher Leistungen der Partner nicht geregelt ist.
Auch ist das vermeintliche Erbe der Eltern keineswegs sicher. Denn wer weiß, ob und wann diese pflegebedürftig werden? Eine Heimunterbringung kostet monatlich schnell mal fast 3.000 Euro, im Eigenanteil! So manches Vermögen schrumpft dann rasch dahin.
Klar also, dass Sie die Themen Finanzen und Geldanlage nicht auf die lange Bank schieben sollten. Ihnen ist aber unklar, wie Sie das angehen sollen? Dieser Ratgeber begleitet Sie durch die Themen Bestandsaufnahme und Kassensturz, Geldanlage, Versicherungen, Vorsorge und Erbschaften. Bevor Sie sich sorgen, dass es zu kompliziert wird: Wir haben vier Protagonistinnen ausgewählt, die sich in ganz unterschiedlichen, aber typischen Lebenssituationen von Frauen Fragen rund ums Thema Finanzen stellen. Sie begegnen Ihnen im Buch immer wieder, wenn es beispielhaft gilt, passende Lösungen zu finden oder Entscheidungen zu treffen. Lernen Sie Elif, Julia, Katharina und Oda kennen – wir hoffen (nein, eigentlich sind wir sicher 😉), dass Sie sich als unsere Leserin ähnliche Fragen auch schon einmal gestellt haben oder angesprochene Pro-bleme angehen wollten. Wir freuen uns aber nicht nur übers Wiedererkennen, sondern auch, wenn Sie das Buch für sich als echten „Finanzplaner“ nutzen.
Elif, 28, hat ihren ersten festen Job mit sicherem Einkommen und wohnt allein in einer Mietwohnung. Seit drei Jahren ist sie mit Tom liiert. Beide können sich vorstellen, dauerhaft zusammenzubleiben und möchten gerne zusammenziehen.
Elif hat ihren Bachelor in Kommunikationswissenschaft gemacht und arbeitet nun im Marketing eines mittelständischen Unternehmens. Sie verdient im Jahr 45.000 Euro brutto und kommt damit gut über die Runden. Elif genießt ihre Unabhängigkeit und ist bereit, Geld für Freizeitaktivitäten und Urlaub Geld auszugeben, würde aber nie ihr Konto überziehen.
Elif wohnt in der Stadt, in der sie studiert hat und kennt daher viele Leute. Für ihre Lebensplanung favorisiert sie das klassische Modell, ihr ist aber bewusst, dass sie dafür noch ein paar Jahre Zeit hat. Ihr ist es wichtig, dass es ihr auch in Zukunft finanziell gut geht. Deshalb ist sie auch bereit, sich mit dem Thema Vorsorge auseinanderzusetzen, auch wenn es nicht ihr Lieblingsthema ist.
[9]Julia, 33, hat nach dem Jura-Studium ihren ersten Job als Personalreferentin begonnen und ist inzwischen Gruppenleiterin eines Teams von sechs Mitarbeitenden. Als Angestellte im öffentlichen Dienst hat sie ein festes Einkommen und einen sicheren Job. Sie ist seit drei Jahren mit Philipp verheiratet, die beiden erwarten jetzt ihr erstes Kind.
Philipp ist im Außendienst eines Brillenherstellers tätig und hat dadurch unregelmäßige Arbeitszeiten. Sie haben zusammen ein Einkommen von etwa 120.000 Euro. Sie wohnen in einer Eigentumswohnung im grünen Vorort einer mittleren Großstadt. Die Immobilie gehört ihnen jeweils hälftig, für die monatliche Abzahlung der Hypothek sind 1.000 Euro aufzubringen.
Nach der geplanten Elternzeit von zwei Jahren will Julia wieder in Teilzeit in den Job einsteigen. Julia möchte nicht, dass sie später – wie ihre Mutter – wegen der Kindererziehung deutlich weniger Rente bekommt und auch über kein eigenes Vermögen verfügt. Ihr ist klar, dass sie und Philipp während der Elternzeit kürzertreten müssen, weil Einkommen wegfällt und neue Ausgaben anstehen. Sie macht sich aber auch Gedanken, was das für ihre Altersvorsorge bedeutet. Vor allem, weil das Paar noch ein weiteres Kind plant und damit der „motherhood gap“ noch größer zu werden droht.
[10]Katharina, 45, Mutter einer pubertierenden Tochter (15) und noch mit Christian verheiratet, befindet sich aber im Trennungsjahr, die Scheidung steht in Kürze an.
Sie lebt mit ihrer Tochter Lina in der Altbauwohnung, die zuvor Familienwohnung war. Christian ist nach der Trennung zu einem Freund gezogen. Er sucht noch nach einer Wohnung, in der auch die gemeinsame Tochter ein eigenes Zimmer bekommen soll.
Katharina ist Erzieherin und arbeitet in einer Mädchenwohngruppe in Teilzeit. Sie liebt ihren Beruf, aber ihre Arbeitszeiten sind durch Wechsel- und Wochenenddienste weder familienfreundlich noch sozial verträglich. Christian und sie hatten kein gemeinsames Konto, die gemeinsamen Ausgaben gingen von seinem Konto ab, bisher hat sie ihm einen Anteil für Miete und Lebenshaltung überwiesen, ihr blieb von ihrem kleinen Gehalt wenig eigene Spielmasse. In ihrer Berufstätigkeit hat sie schon öfter den Arbeitgeber gewechselt und verfügt daher über drei unterschiedliche Altersvorsorge-Verträge.
Ihr Mann Christian ist Grafik-Designer in einer gut gehenden Werbeagentur und der kreative Kopf des Teams. Dies war auch ein Grund für die Trennung, da Katharina das Gefühl hatte, dass er das gute Leben genießt und alle Verpflichtungen an ihr hängen blieben. Mit 45 ist Katharina bewusst, dass eine Teilzeittätigkeit bis zur Rente nicht ausreicht, um sie im Alter zu versorgen. Sie befürchtet, dass sie durch die Scheidung ihren Lebensstandard trotz Unterhalt für sich und ihre Tochter nicht halten kann.
[11]Oda, 56, lebt in einer mittelgroßen Stadt zur Miete in einer kernsanierten Altbauwohnung im gehobenen Segment. Obwohl sie verschiedene Partnerschaften in ihrem Leben hatte, ist sie nun seit einigen Jahren wieder Single. Der Zug der Familiengründung ist für sie abgefahren und sie hat sich emotional damit abgefunden.
Sie liebt ihren Job in der Museumspädagogik, mit ihrem Gehalt kommt sie aufgrund ihrer Vollzeittätigkeit gut aus und legt jeden Monat etwas zurück. Kostspielig sind in ihrem Leben die Fernreisen, die sie einmal im Jahr unternimmt, und auch ihre Wohnung ist verhältnismäßig teuer. Sie ist Einzelkind und wird das Reihenhaus ihrer Eltern erben, in dem zurzeit noch ihr Vater mit einer osteuropäischen Haushaltshilfe lebt, die die Pflege übernimmt. Die Mutter ist vor einigen Jahren verstorben.
Sie weiß nicht, ob das Vermögen ihres Vaters weiterhin für die Pflegekosten ausreicht, oder ob sie das Haus verkaufen oder mit einer Hypothek versehen müssen. Sie stellt sich mit zunehmendem Alter auch die Frage, wie ihre eigene Lebenssituation aussehen wird, wenn sie in Rente geht. Ihr aktueller Rentenbescheid hat ihr einmal mehr vor Augen geführt, dass sie mit der gesetzlichen Rente ihren Lebensstandard nicht wird halten können.
Das Thema Geld nicht weiter auf die lange Bank zu schieben – das haben sich schon viele Frauen oft vorgenommen. Aber womit anfangen? Welche Aspekte sind wichtig? Wie finde ich eine passende Strategie? Und nicht zuletzt: Sind Geldangelegenheiten nicht alle furchtbar kompliziert und kosten obendrein viel Zeit? Mit dem Einstieg in dieses Kapitel bekommen Sie das notwendige Handwerkszeug für Ihren persönlichen Fahrplan rund ums Thema Finanzen.
Starten wir mit unseren vier Protagonistinnen: Während Elif überlegt, wie die gemeinsamen Finanzen organisiert werden, wenn sie mit ihrem Freund Tom zusammenzieht, versucht Julia die Lücken zu schließen, die sich während der Elternzeit oder mit ihrer Stellenreduzierung nach der Geburt des ersten Kindes ergeben. Katharina hingegen muss nach der Trennung den finanziellen Neustart organisieren. Oda hat mit Blick auf den nahenden Ruhestand eher Sorge, dass ihre Rente nicht reicht und sie beim Lebensstandard künftig Abstriche machen muss.
Wenn sich Lebenssituationen ändern, ist es Zeit, die Aspekte finanzieller Ab- und Unabhängigkeit wieder in den Blick zu nehmen. So unterschiedlich die Ausgangssituationen sein können, so einheitlich die Herangehensweise: Für jede Frau steht zunächst mal eine Bestandsaufnahme mitsamt Kassensturz an. Das heißt: Wer seine Finanzplanung solide und effektiv aufstellen will, muss sich einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben, über Erspartes und sonstiges Vermögen verschaffen.
Nur wenn klar ist, welches Vermögen schon vorhanden ist, kann ein Fahrplan mit dem Ziel „Finanzielle Unabhängigkeit“ erstellt werden. Dabei sollten Sie nicht nur auflisten, wie viel Geld etwa auf dem Girokonto oder auf einem Sparbuch geparkt ist. Gibt es schon ein Wertpapierdepot? Oder winken Erträge aus Sparverträgen? Zählt eine Immobilie zum Besitz oder ein Grundstück aus einer Erbschaft? Liegt im Banktresor Gold in Barren oder Münzen? All das wird aufsummiert. Bestehende Schulden – ob Hypothekendarlehen, die Rate für den Autokauf oder noch die Restschuld aus dem BAföG der Studienzeit – werden davon abgezogen.
Eine Hilfestellung dabei bietet das Vermögensverzeichnis – was übrigens auch Grundlage ist, wenn Sie sich um die Übertragung Ihres Vermögens kümmern wollen (p Seite 181).
Unterm Strich sehen Sie dann Ihr Nettovermögen – der erste Schritt beim Kassensturz ist also gemacht.
Stand
Ehefrau (in Euro)
Ehemann (in Euro)
Vermögen
Bargeld
Guthaben auf Girokonten, Sparkonten, Spar- oder Bausparverträgen, Tagesgeld, Festgeld
Wertpapiere, z. B. Fonds, Aktien, Anleihen
Ansprüche aus Lebensversicherungen (nur garantierte Werte auflisten)
Guthaben aus Bausparverträgen
Forderungen aus Darlehen(z. B. Bauspardarlehen, Kreditverträge)
Ansprüche aus Erbschaften
Beteiligungen an Kapitalgesellschaften (z. B. Genossenschaftsanteile bei Volks- und Raiffeisenbanken oder bei Wohnungsbaugenossenschaften)
Grundvermögen (Grundstücke, Eigentumswohnungen, Erbbaurechte)
Autos
Eine bescheidene Lebensführung übersteigende Hausratsgegenstände (zum Beispiel Möbel, Fernsehgeräte, wertvolle Gebrauchsgegenstände)
Rechte oder Ansprüche aus Urheber- oder Patentrechten
Betriebsvermögen
Sonstiges Vermögen
Vermögen insgesamt
Schulden
Verbindlichkeiten gegenüber Banken, z. B. Konsumkredite, Immobilienfinanzierungen, Autoleasing
Verbindlichkeiten aus Bauspardarlehen, Wohnriester (Wohnförderkonto)
Sonstige Verbindlichkeiten gegenüber Dritten, etwa Schulden bei Verwandten oder Freunden
Schulden insgesamt
Sind Sie verheiratet? Dann ist es sinnvoll, für Sie und Ihren Ehepartner jeweils ein eigenes Vermögensverzeichnis anzulegen. Darin sollte festgehalten werden, welche Vermögenswerte bereits vor der Ehe vorhanden waren und welche während der Ehe erworben wurden. Das kann bei einer eventuellen Scheidung auch im Rahmen des Zugewinnausgleichs hilfreich und bedeutsam sein.
Mal ehrlich: Wissen Sie genau, wofür Sie jeden Monat Geld ausgeben? Die meisten Leserinnen schütteln hier vermutlich mit dem Kopf. Fragen Sie doch Ihr Haushaltsbuch!
Haushaltsbuch – das klingt nach Großmutter, Bleistift und mühsam. Ist es aber nicht. Damit verschaffen Sie sich schon in wenigen Monaten den Überblick über Ihre Einnahmen und Ausgaben. Die Plus-Minus-Rechnung führt nicht automatisch zu mehr Geld. Doch sie zeigt, wo Ihr Geld bleibt: Sie führt Ihnen vor Augen, wie viel Sie für Lebensmittel, Versicherungen, Freizeit oder Mobilität ausgeben.
Das Haushaltsbuch hilft auch, Ausgabenspitzen auszumachen und rechtzeitig dicken Löchern gegenzusteuern. Zudem verhindert es Impulskäufe, denn das Ende des Geldes wird deutlich dokumentiert. Entwickeln Sie eine Routine beim Notieren, die zu Ihnen und Ihrer Zeit passt. Die Mühe lohnt sich. Etwa drei Monate lang sollte jede noch so kleine Ausgabe erfasst werden, um die Kostentreiber auszumachen. Zusatzeffekt: Wenn alles gut läuft, bleibt jeden Monat noch eine kleine oder auch größere Summe übrig. Die können Sie dann gleich einplanen, um sich ein finanzielles Polster aufzubauen.
Ein Haushaltsbuch ist schnell organisiert. Manche notieren ihre Ausgaben in ein kleines Heft oder auch nur auf einem Zettel am Kühlschrank. Andere nutzen Exceltabellen als Budgetplaner. Dafür gibt es im Internet auch kostenlose Downloads. Manche Banken bieten ebenfalls Tools zum Führen eines Haushaltsbuchs an.
q Tipp
Mit dem Haushaltsbuch der Verbraucherzentrale können Sie jederzeit einsteigen, um Einnahmen und Ausgaben für zwölf Monate festzuhalten.
www.ratgeber-verbraucherzentrale.de
Vielen macht die Buchhaltung mithilfe einer App auf dem Smartphone mehr Spaß als das Notieren auf Papier. Diese Apps gibt es sowohl für das Betriebssystem Android als auch für iOS.
In der Grundversion sind die Apps in der Regel gratis. Wer vor allem seine Ausgaben verfolgen will, ist damit gut bedient. Der Kauf oder das Abo einer App – sie kosten zwischen 2,99 Euro beim einmaligen Kauf und bis zu 39,99 Euro für ein Jahresabo – bietet dann weitere Funktionen: Damit werden neue Kategorien freigeschaltet oder es lassen sich mehrere Geräte synchronisieren. Außerdem sind manche dann ohne Werbung – die muss man bei den kostenlosen Varianten in Kauf nehmen. Einige Apps können mit den Konten der Nutzerin verknüpft werden, also mit dem Girokonto, der Kreditkarte, dem Tagesgeldkonto oder dem Wertpapierdepot. Dann werden Buchungen automatisch eingepflegt und bestimmten Kategorien zugeordnet. Das verschafft einen schnellen Überblick. Dafür muss der App dann jedoch gestattet werden, auf das oder die angebundenen Konten zu schauen. Angebote mit einem „Vertragswecker“ erinnern rechtzeitig an die Kündigungsfristen für bestehende Verträge.
Allerdings: App-Nutzerinnen geben ihre persönlichen Daten preis. Deren Sicherheit war – so ein Check der Stiftung Warentest im Oktober 2023 – bei allen der acht getesteten Apps – „in angemessenem Umfang" gegeben.
www.test.de/node/5600647-0/
Egal ob auf Papier oder elektronisch, das Prinzip Haushaltsbuch bleibt gleich: Notieren oder erfassen Sie alle regelmäßigen Einnahmen sowie feste und variable Ausgaben. Einmal im Monat ziehen Sie Bilanz.
Machen Sie es sich zur Routine, abends kurz die Zahlen festzuhalten. Sonst wird schnell etwas übersehen oder vergessen.
Einnahmen: Laufende Einnahmen haben die meisten im Kopf. Aber denken Sie auch an Posten wie Kindergeld, Unterhalt, Steuerrückzahlungen oder Nebenkostenerstattungen.
Feste Ausgaben: Das ist die Liste, die beim ersten Mal – aber nur dann – etwas mehr Arbeit macht. Hohe monatliche Kosten wie Miete, Bus- und Bahntickets, Energiekosten, Telefon und Internet oder den Rundfunkbeitrag haben die meisten Menschen im Blick. Aber wissen Sie aus dem Kopf genau, was Sie pro Jahr zum Beispiel für Versicherungen, Kredite, Mitgliedsbeiträge, Streamingdienste und Kfz-Steuern zahlen? Machen Sie es sich leicht und gehen Sie einmal durch Ihre Kontoauszüge der vergangenen zwölf Monate und durch [18]Ihre laufenden Verträge. Rechnen Sie viertel- oder jährliche Ausgaben auf einen Monatsbetrag um.
Budget für variable Ausgaben ermitteln: Ziehen Sie die festen Kosten von Ihren Einnahmen ab. Dann wissen Sie sofort, wie viel Geld Ihnen jeden Monat für wechselnde Ausgaben und Unerwartetes zur Verfügung steht.
Belege sammeln: Notieren Sie alle Ausgaben so vollständig wie möglich. Teilen Sie sie im Haushaltsbuch in Kategorien ein, etwa Essen und Trinken, Kleidung, Schule, Sport, Auto, Hygiene und Kosmetik. Sammeln Sie die Einkaufsbelege. Kleine Beträge ohne Kassenbon notieren Sie auf einem Zettel. Nicht vergessen: Auch Zahlungen mit der EC- oder Kreditkarte müssen eingerechnet werden. Sammeln Sie Belege und Notizen in einer Box. Nehmen Sie sich einmal pro Woche zehn Minuten Zeit und tragen Sie alles in Ihren Budgetplaner ein.
Kassensturz: Jetzt wissen Sie, was Sie im vergangenen Monat ausgegeben haben. Ziehen Sie diese Summe von Ihrem vorher ermittelten Budget ab. Und dann schlägt die Stunde der Wahrheit. Jetzt haben Sie schwarz auf weiß den Überblick über Ihre monatlichen Finanzen.
Wer hat eigentlich wann was ausgegeben? Und warum? Darüber können sich Paare ganz schön in die Haare bekommen. Ein gemeinsames Haushaltsbuch oder eine App können da vorbeugen. Das sorgt für die nötige Transparenz, vermeidet Missverständnisse und schafft Vertrauen. Beide Partner sind dann auf dem gleichen Stand und können gemeinsame Regeln festlegen. Zum Beispiel, wie viel Geld für Lebensmittel, Entertainment oder Sport im Monat ausgegeben werden kann. Und im besten Fall klären sie auch, wie viel Geld jeden Monat auf die hohe Kante kommt.
Vielleicht stellen Sie fest, dass Sie nur haarscharf mit Ihrem Geld auskommen? Oder dass Sie auf Ihrem Girokonto immer wieder in die Miesen rutschen? Dann ist es Zeit zu überlegen: Wo kann ich sparen? Ein gutes Beispiel ist der tägliche coffee to go auf dem Weg zur Arbeit. Schon der summiert sich im Monat locker auf 60 Euro. Das gilt auch für die Nutzung mehrerer Streaming-Dienste oder das Fitnessstudio, in das man doch nicht geht.
[19]Wenn die festen Ausgaben Ihre Einnahmen immer wieder übersteigen, prüfen Sie, welche Verträge Sie kündigen oder mit abgespeckten Leistungen fortführen können.
Welchen Weg zum Kassensturz Sie auch einschlagen: Sie haben nun einen guten Überblick über Ihre Einnahmen und Ausgaben. Und Sie wissen jetzt auch, wie viel Geld Sie für Notfälle zurücklegen und welche Summe Sie für längerfristige Ziele sparen und anlegen können.
Irgendwas ist immer: Die Spülmaschine streikt. Der Eigenanteil an der Zahnarztrechnung ist erschreckend hoch. Eine Klassenfahrt steht an oder das Auto steht still. Von plötzlicher Arbeitslosigkeit oder einem Schicksalsschlag ganz zu schweigen. Wenn Sie dann eine eiserne Reserve haben, können Sie erst einmal tief durchatmen. Notgroschen hieß das früher treffend und ist immer noch sinnvoll: Denn er ist eine Versicherung gegen böse Überraschungen. Wie viel für die eiserne Reserve zurückgelegt wird, hängt immer von der persönlichen Situation ab. Drei Monatsnettoeinkommen könnten eine Größe zur Orientierung sein.
Wie das fast wie von selbst klappt, zeigen wir unter dem Abschnitt „Tagesgeld“ (p Seite 34).
Und Achtung: Festgeld (p Seite 63) ist keine gute Idee für einen Notgroschen. In der Not liegt das Geld – wie es der Name sagt – fest. Sie kommen nur zum Ende der vereinbarten Vertragslaufzeit wieder daran. Finger weg auch von Aktienanlagen beim Notgroschen. Sonst müssen Sie Ihre Aktien im Ernstfall womöglich genau dann verkaufen, wenn die Börsenkurse gerade fallen.
Die Notfallreserve sollte vorhanden sein, bevor über die Vorsorge fürs Alter nachgedacht wird. Bei jungen Frauen wie Elif, die gerade erst am Anfang ihres Berufslebens stehen, kann es auch schon mal etwas dauern, bis ausreichend Polster für Unvorhergesehenes angespart ist. Da ist Geduld gefragt. In der Beratung der Verbraucherzentralen hat sich immer wieder gezeigt, dass viele Menschen auf ihre Altersvorsorge zurückgreifen müssen, wenn sich berufliche oder persönliche Lebensverhältnisse ändern und der Notgroschen fehlt.
Mehr Geld in der Haushaltskasse wäre schön? Dann prüfen Sie doch, ob Sie eine oder mehrere dieser Leistungen und Möglichkeiten nutzen können.
Haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf Wohngeld vom Staat? Das ist eine Sozialleistung, die sich vor allem an Menschen mit niedrigerem Einkommen richtet. Viele Berechtigte nehmen sie aber leider gar nicht in Anspruch. Wenn Sie wenig verdienen und anteilig viel Geld für Ihre Miete oder Ihren Immobilienkredit aufbringen müssen, sind die Chancen am größten. In teuren Großstädten ist die Wahrscheinlichkeit deshalb hoch. Wie viel Wohngeld gezahlt wird, hängt von der Höhe der Miete, dem Einkommen und weiteren Faktoren ab. Die Einkommen aller im Haushalt lebenden Personen werden addiert. Den Zuschuss gibt es nach einem Antrag bei der Wohngeldbehörde Ihrer Gemeinde-, Stadt-, Amts- oder Kreisverwaltung. Dort erhalten Sie auch eine umfassende Beratung.
q Tipp
Auf der Webseite des Bundesbauministeriums können Sie die voraussichtliche Höhe Ihres Wohngelds berechnen
www.bmwsb.bund.de
Suchwort: Wohngeld-Rechner
Hier verhelfen Ihnen Ihr Arbeitgeber und der Staat zu mehr Kapital. Wer auf diesen Zuschuss verzichtet, verschenkt Geld. Die VL fließt allerdings nicht sofort in die Haushaltskasse. Zunächst wird über sechs Jahre monatlich Geld angespart. Im siebten Jahr ruht die Geldanlage. Danach können Sie das Geld unter verschiedenen Voraussetzungen nutzen.
So funktioniert’s: Je nach Tarifvertrag haben Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen gegenüber ihrem Arbeitgeber einen Anspruch auf Vermögenswirksame Leistungen. Diese fließen direkt monatlich vom Arbeitgeber über die Gehaltsabrechnung in einen bestehenden oder neu abzuschließenden Sparvertrag. Die Optionen hierbei reichen von einem Bausparvertrag über einen Bank-sparplan bis hin zu einem Aktienfondssparplan. Die Schuldentilgung von Immobiliendarlehen ist ebenso möglich. Die Höhe der VL regelt ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung. Im Schnitt sind es [21]zwischen sechs und 40 Euro pro Monat. Wird in Teilzeit gearbeitet, kann VL eventuell auch nur anteilig gezahlt werden. Eine verbindliche Obergrenze gibt es nicht. Der Anspruch auf VL ist allerdings bei hohen Gehältern gedeckelt.
Liegt Ihr zu versteuerndes Einkommen unterhalb bestimmter – jährlich neu festgesetzter – Grenzen, können Sie zusätzlich eine staatliche Arbeitnehmersparzulage beantragen. Gefördert werden Bausparverträge oder die Tilgungen von Darlehen für selbst genutzte Immobilien. Auch Fondssparpläne werden unterstützt. Bei der staatlichen Förderung liegt die Grenze bei 40.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen für einen Single und 80.000 Euro für ein Ehepaar. Bei Bausparverträgen winkt zusätzlich eine Wohnungsbauprämie.
Achtung: Das zu versteuernde Einkommen ist wegen diverser Freibeträge niedriger als das jährliche Einkommen! Das heißt, auch wenn Sie etwas über dieser Summe verdienen, könnte die Zulage noch möglich sein. Sie müssen die Arbeitnehmersparzulage jährlich mit Ihrer Einkommenssteuererklärung beantragen. Musterrechnungen und Förderkonditionen sind hier zu finden
www.verbraucherzentrale.de/node/22719
VL-Vertrag
Zuschuss vom Staat
Einkommensgrenzen (max. zu versteuerndes Einkommen) Single/Ehepaar pro Jahr
Geförderte Einzahlungen und Sparraten (bis zu) für Single/Ehepaar pro Jahr
Banksparplan
keiner
Bausparvertrag
Arbeitnehmersparzulage
Wohnungsbauprämie
17.900 €/35.800 €
35.000 €/70.000 €
9 % von maximal 470 €/940 €, höchstens 43 €/86 €
10 % auf maximal 700 €/1.400 €, höchstens 70 €/140 €, VL werden nicht angerechnet
Sparplan für Aktienfonds
Arbeitnehmersparzulage
20.000 €/40.000 €
20 % auf maximal 400 €/800 €, höchstens 80 €/160 €
Tilgung einer Baufinanzierung
Arbeitnehmersparzulage
17.900 €/35.800 €
9 % auf maximal 470 €/940 €, höchstens 43 €/86 €
Frauen fordern zu wenig Gehalt, verlangen seltener Gehaltserhöhungen und selbst wenn sie sich damit durchsetzen, geben sie sich oft mit weniger Geld als ihre männlichen Kollegen zufrieden – bei gleicher Arbeit. Das zeigen Studien immer wieder. „Confidence Gap“ nennt das die Wissenschaft: Frauen gehen weniger selbstbewusst in Gehaltsverhandlungen als Männer.
45 Prozent der Frauen hätten nach einer Erhebung der Online-Jobbörse Indeed noch nie um mehr Gehalt verhandelt. Das ist doppelt fatal. Denn das bisherige Gehalt ist Basis für Verhandlungen bei einem Jobwechsel – und weniger Gehalt heute bedeutet auch weniger Rente morgen. Auch schon nur etwas mehr beim Gehalt hat also einen doppelten Effekt! Deshalb: Verkaufen Sie Ihre Arbeit nicht unter Wert. Ergreifen Sie selbst die Initiative, um mehr Gehalt zu fordern.
Vor dem Gespräch:
Was haben Sie dienstlich eigentlich alles schon geschafft?
Schreiben Sie Ihre Erfolge im Job auf. Wo haben Sie zusätzliche Verantwortung übernommen? Was für Sie selbstverständlich ist, bekommen Vorgesetzte oft gar nicht mit. Nennen Sie Ihre Erfolge selbstbewusst im Gespräch.
Kennen Sie Ihren Marktwert?
Auf Online-Portalen wie Glassdoor und Kununu finden Sie schnell heraus, was andere Unternehmen für vergleichbare Arbeit zahlen. Legen Sie Ihr Zielgehalt fest – und die Untergrenze, unter die Sie sich nicht herunterhandeln lassen wollen.
Üben Sie vorher freundliches, aber hartnäckiges Verhandeln mit einer Freundin oder einem Freund.
Im Gespräch:
Machen Sie sich nicht unabsichtlich klein.
Ausdrücke wie „hätte, würde, sollte“ vermitteln Unsicherheit. „Vielleicht" oder „Ich denke“ machen es nicht besser. Reden Sie Klartext. Formulieren Sie Ihre Argumente und Vorschläge eindeutig.
Schlagen Sie als erstes eine konkrete Gehaltssumme vor.
Reagiert Ihr Gegenüber nicht sofort auf Ihren Wunsch? Das ist oft Teil des Spiels. Halten Sie das Schweigen aus, auch wenn es schwerfällt. Irgendwann wird er oder sie schon reden. Verabreden Sie am Ende des Gesprächs eine schriftliche Zielvereinbarung.
Investieren Sie in Ihre Weiterbildung. Das macht Sie nicht nur für Ihren aktuellen Arbeitgeber attraktiver. Sie qualifizieren sich intern wie extern für besser bezahlte Stellen. Abgesehen davon tut es auch dem Selbstwertgefühl gut. Wer sich fortbildet, zeigt Interesse an Neuem und beweist Durchhaltevermögen.
Sie können sich parallel zu Ihrem Beruf fortbilden oder die Möglichkeit zum Bildungsurlaub nutzen. Der steht Ihnen einmal jährlich gesetzlich zu, wenn Sie mindestens seit sechs Monaten in einem Betrieb mit mindestens zehn Beschäftigten arbeiten. Sie können bis zu fünf Arbeitstage pro Jahr für ihre Fortbildung an einer anerkannten beruflichen oder politischen Einrichtung nutzen. Ihr Gehalt bekommen Sie auch in dieser Zeit gezahlt.
Der Markt für Weiterbildungsmaßnahmen ist riesig.
Einen Überblick über Weiterbildungs- und Beratungsangebote, hilfreiche Online-Tests und Informationen zu Förderungen gibt es im Onlineportal der Bundesagentur für Arbeit: www.mein-now.de
Ab jetzt finanziell unabhängig – wenn Sie sich auf diesen Weg machen, sollten Sie auch das kleine Einmaleins der Bankgeschäfte kennen. Also wissen, welches Konto sich für welchen Zweck anbietet, wie sie funktionieren, was sie kosten und wo sie auch günstig zu haben sind.
Für die Singles Oda und Elif ist klar, dass sie alleinige Kontoinhaberin sind. Sie sollten jedoch Vorsorge treffen, wer über ihre Geldangelegenheiten verfügen kann, wenn sie es selbst nicht mehr können (P Seite 125). Für Julia stellt sich die Frage, ob sie mit Christian ein gemeinsames Konto einrichtet, über das beide verfügen können. Die Unterschiede des „Und“-beziehungsweise „Oder“-Kontos werden im Kapitel „Partnerschaft“ (P Seite 113) erklärt. Katharina muss sich mit der Frage auseinandersetzen, wie die Kontoführung nach der Trennung organisiert werden soll; also wie die Kontovollmachten an die neuen Lebensverhältnisse angepasst werden.
Das Wichtigste zuerst: Ohne Girokonto geht fast nichts in Deutschland. Deshalb gibt es auch rund 114 Millionen solcher Konten, weit mehr also als Einwohner. Ob Gehalt, Rente oder Unterhalt gezahlt, eine Rechnung überwiesen oder ein Dauerauftrag eingerichtet wird – immer ist ein Girokonto nötig. Ohne die dazugehörige Bankkarte gibt es am Geldautomaten auch kein Bares. An jedem Tag wird in Deutschland rund 22 Millionen Mal mit einer Bankkarte bezahlt.
Jede Bank in Deutschland ist gesetzlich verpflichtet, jedem Verbraucher und jeder Verbraucherin, unabhängig von deren jeweiliger finanzieller Situation, ein Girokonto auf Guthabenbasis anzubieten. Das ist das sogenannte Basiskonto. Es muss aber nicht automatisch kostenlos sein.
Für die Banken und Sparkassen sind Girokonten ein gutes Geschäft. Im Schnitt zahlte die Kundschaft 2024 rund 119 Euro für Kontoführungsgebühren im Jahr. Das teuerste Angebot lag bei 307,86 Euro jährlich – so eine Erhebung der Stiftung Warentest im August 2024. Je nachdem, bei welchem Geldinstitut das Konto geführt und wie es genutzt wird, gibt es große Preisunterschiede.
Viele Jahre haben sich die Banken mit günstigen Kontoführungsentgelten überboten. Diese Zeiten sind vorbei. Die Stiftung Warentest hat bei ihrem Girokonto-Kosten-vergleich im August 2024 gerade einmal zehn kostenlose Konten ausgemacht, bei denen Kontoinhaberinnen – abgesehen vom monatlichen Geld-, Gehalts- oder Renteneingang – keine weiteren Bedingungen erfüllen mussten. Vor rund fünf Jahren gab es bei einer vergleichbaren Erhebung noch rund 20 Konten ohne Wenn und Aber.
Es lohnt sich, einmal jährlich zu checken, ob Ihr Geldinstitut wirklich noch das beste Girokonto für Sie anbietet. Bei der Stiftung Warentest finden Sie aktuelle Angebotsvergleiche.
www.test.de/node/5069390-0/
Die Banken sind gesetzlich verpflichtet, Ihnen den Kontenwechsel einfach zu machen, etwa bei Lastschriften und dem Umstellen von Daueraufträgen. Sinnvoll ist es, für ein oder zwei Monate beide Konten zu behalten. So vermeiden Sie Abbuchungen, die ins Leere gehen und Ärger verursachen.
[25]q Tipp
Möchten Sie den Wechsel selbst organisieren, helfen Musterbriefe und Checklisten der Verbraucherzentrale.
www.verbraucherzentrale.de/node/16640
