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Nur Johannes Gutenberg war früher dran. Er erfand die beweglichen Lettern und druckte vor gut 500 Jahren die Bibel. Bei allen sonstigen relevanten Medienschritten war der Autor dieses Buches live dabei: Bei Print, beim Radio, beim Fernsehen, öffentlich-rechtlich und privat im Dualen System, analog und digital. Abenteuer eines Journalistenlebens, aber auch jenseits vom medialen Zirkus und diesseits mit vier Dackeln. Um Olympia 1973 zu popularisieren, wurde in München der Olympia-Dackel eingesetzt. Für die Medien versuche ich es mit meinen vier roten Langhaar. Beim Lesen viel Spaß, denn es ist trotz allem ein "politisch" Buch...
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Seitenzahl: 111
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Gerhard FRIEDL
Jahrgang 1937, Journalist in Freilassing, Traunstein, Salzburg, Innsbruck, Bonn, München und als Chefredakteur Hörfunk im Bayerischen Rundfunk all over the world. Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften, Radio- und Fernsehsendungen, mehrere Broschüren und Bücher.
VORWORT
DIFFUSER START INS MEDIENGLÜCK
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CH HATTE EIN INTERESSANTES
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EBEN
…
UMBRUCH IN DER MEDIENLANDSCHAFT
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CH HATTE MARKANTE
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RLEBNISSE
…
SCHÖNE DIGITALE MEDIENWELT
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CH HATTE NOCH EINIGES ZU TUN
…
JENSEITS VOM MEDIALEN ZIRKUS
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…
VIER DACKEL DIESSEITS
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...
Nur Johannes Gutenberg war früher dran. Er erfand die beweglichen Lettern und druckte vor gut 500 Jahren die Bibel. Bei allen sonstigen relevanten Medienschritten war ich live dabei: Bei Print, beim Radio, beim Fernsehen, öffentlich-rechtlich und privat im Dualen System, analog und digital. Abenteuer eines Journalistenlebens, aber auch jenseits von medialem Zirkus und diesseits mit vier Dackeln.
Um Olympia 1973 zu popularisieren, wurde in München der bunte Olympia-Dackel eingesetzt. Für die spröden Medien versuche ich es mit meinen vier roten Langhaar.
Beim Lesen viel Spaß und Ärger, denn es ist trotz allem ein „politisch“ Buch…
Ich hatte ein interessantes Leben…
…und das hing ganz entscheidend damit zusammen, dass mein Journalistenleben in die Phase einer dynamischen Medienentwicklung fiel, die mich alles erleben ließ, von der Printkultur mit Zeitschriften und Zeitungen über die Rundfunkkultur mit Radio und Fernsehen öffentlich-rechtlich und privat, bis zu den digitalen Medien mit Smartphone und sozialen Netzwerken im Internet. Im Medienbereich ist mir eigentlich nur Johannes Gutenberg zuvorgekommen, der die Buchdruckkunst mit austauschbaren Lettern erfunden hat und 1455 die nach ihm benannte Bibel druckte. Vom Buch bis zu den „in regelmäßiger Folge erscheinenden Druckerzeugnissen“, also Zeitungen, dauerte es einige hundert Jahre. Dann aber überstürzten sich die Ereignisse. Die Medienentwicklung verlief dank der technischen Fortschritte im Sturm und bescherte mir schon in dieser Hinsicht ein spannendes Leben. Es voll und ganz zu erleben war allerdings noch mein Entschluss notwendig, Journalist zu werden.
Das war gar nicht so einfach in einem Ambiente, das ich als „wohlbehütetes Zuhause“ anerkenne, aus dem ein Übertritt ins Gymnasium ermöglicht wurde, der musikbegeisterte Vater aber ganz andere Hoffnungen hegte als der musikalisch weitaus weniger begabte Sohn. Ich sah keine Zukunft für mich zwischen Violin- und Bass-Schlüssel. Eher zufällig fand ich noch während der Schulzeit Anschluss an die Heimatzeitung, die mir für 8 Pfennig pro Zeile Berichte über Versammlungen von Trachtenvereinen, kirchlichen Festen und sonstigen Höhepunkten des lokalen Geschehens abnahm. Die spärlichen Einnahmen erlaubten es mir immerhin bei meinen Kameraden im Gymnasium hin und wieder auszuhelfen, wenn es um ein Glas Bier in einer Freistunde ging, das elterliche knapp bemessene Taschengeld, wenn überhaupt, schon Probleme aufwarf. Da konnte ich mit meinem „Honorar“ einspringen, um am Abend dann wieder in der Volkshochschule zu sitzen und zur Berichterstattung einem Lichtbildervortrag zu lauschen: Reise in den sonnigen Süden.
Journalismus – der Schlüssel zu einem interessanten Leben? Es war ein ziemlich holperiger Start, ein diffuser Einstieg in den Traumberuf. Anleitung oder Orientierungshilfe von außen gab es wenig. Zuhause war die Umgebung ja zu musikalisch. Und die schreibenden „Kolleginnen und Kollegen“, denen ich begegnete, waren in ihrem lokalen Journalismus-Kram so frustriert und eingefroren, dass sie dem jungen Volontär allenfalls rieten, sich möglichst umgehend „etwas Gscheites“, etwas Aussichtsreicheres zu suchen, als sich in Polizeiberichten und Meldungen aus dem Vereinsleben zu erschöpfen. Das hatte ich allerdings auch nicht vor. Und genau so wenig beeindruckte mich das wohlfeile aber ziemlich angelesen wirkende Klischee von der „vierten Gewalt“, zu der man die Presse oft aus verwirrender Verlegenheit in hehre Höhen beförderte. Das war mir damals schon suspekt. Und auch das Motiv der Weltverbesserung lag mir angesichts meiner dürftigen jugendlich-gymnasial beschränkten Werteerkenntnisse ziemlich fern. Vielleicht ein paar Akzente setzen? Aber das stammt eher von späteren Überlegungen. Alle Ansätze erwiesen sich als äußerst mühsam zwischen Kaninchenzüchterverband und Vorstellung eines neuen Schweinestalls.
Ja, was wollte ich eigentlich als Journalist? Suchend begann ich mich umzusehen. Ich beendete vorzeitig das Volontariat in einer lokalen bayerischen Tageszeitung, probierte in Österreich den Boulevard einer Wiener Wochenzeitung, übernahm die Leitung der Redaktion Tirol, sprang ab und landete in Bonn bei einer Agentur für mittlere Tageszeitungen in deren Parlamentsredaktion am Deutschen Bundestag. Das ist alles recht schnell in wenigen Jahren geschehen. Aus meinem ziemlich unsteten Geist und Verhalten wurden aber auch die Beweggründe für meine Berufswahl des Journalisten klarer. Da gab es eine nachhaltige Neugierde auf alles, worüber sich irgendwie und irgendwann schreiben und Menschen informieren ließ. Das war es!
Und das ist es, was den Journalistenberuf und damit mein Leben zu einem interessanten Leben machte: Das Beobachten von Ereignissen, von Geschehnissen, von Entwicklungen, von Schicksalen und Entscheidungen, das Sammeln von Informationen, das Aufspüren und Verstehen von Zusammenhängen und ihre wahrheitsgetreue Weitergabe an Menschen, die unterrichtet sein wollen über das Geschehen in ihrem Umfeld und in der Welt, Kommunikation in welcher Form auch immer, als einfache Nachricht, als Erläuterung von Zusammenhängen, als Orientierungshilfen in komplexen Vorgängen, auch als Meinung, die ich mehr als Wegweiser, denn als giftigen Kommentar verstand.
Und noch eins kam zu dieser breit verstandenen Kommunikation hinzu: Der Kontakt mit interessanten Menschen, die direkt von Ereignissen und Geschehnissen betroffen sind, an ihnen mitgewirkt haben, sie vorantreiben oder bremsen, durch aktive Handlungen oder dadurch, dass sie sich mit diesem oder jenem Problem intensiv befasst haben, es erforscht und ausgeleuchtet haben und nun ihrerseits ihre Erkenntnisse weitergeben wollen. Als Journalist war ich legitimiert, mit allen Menschen zu sprechen, sie anzusprechen und die entsprechenden möglichst sachgerechten Fragen zu stellen. Der Journalist bezieht dieses Privileg aus seiner Rolle als medialer Mittler zwischen Verursacher und Verarbeiter von Informationen. Ich konnte alle ansprechen, vom Bürgermeister bis zum Müllfahrer, vom Künstler bis zum Politiker, vom Landwirt bis zum Apotheker, es gibt keine Beschränkung. In einer freien Gesellschaft muss kein Journalist, sofern er sich als zivilisierter und einigermaßen gemäßigter Mitteleuropäer beweist, ohne Gesprächspartner bleiben, sei es im vertraulichen Hintergrund oder im offenen Interview. Nur ganz selten wird dem Journalisten ein Gespräch verwehrt. In unserer Mediengesellschaft wissen auch die Partner des Journalisten, dass nur das existent ist, was in den Medien ist.
Bleibt noch die Frage nach den Inhalten, mit denen ich mein Interesse am Journalismus füllen sollte und das mich zu einem interessanten Leben führen könnte. Bei meinen Ausflügen in das Lokale und in den Boulevard merkte ich alsbald, dass dies für mich nicht unbedingt das Richtige war. Das eine war mir zu eng, das andere zu krawallig bunt. Und von Sensations- und Skandaljournaille hielt ich schon gleich gar nichts. Aber auch die ursprünglich heiß ersehnte Korrespondententätigkeit am Deutschen Bundestag versackte alsbald in Routine und Langeweile; wenn der Bundeshaushalt zum zweiten Mal aufgestellt und der dritte Etat bereits vorbereitet wird. Na ja, hin und wieder gab es ja einen politischen Aufreger, wie zum Beispiel die „Spiegel-Affäre“, die Franz Josef Strauß seine Bonner Karriere kostete. Aber an den politischen Machtspielen und Machtquerelen hing mein Journalistenherz genau so wenig wie an dem Klein-Klein-Finanzgezerre um die Etats, obwohl es dabei immerhin um Milliarden ging. Ich suchte ein großes Thema, anspruchsvoll im Inhalt und in der Perspektive. Und ich hatte Glück.
Anders kann ich es nicht nennen. Nachdem man Glück bekanntlich nicht herstellen kann, sondern sich Glück – wenn überhaupt – aus den Umständen sehr individuell gewissermaßen einstellen kann, ich hatte das Glück, dass ich Kontakt zu einer Gruppe fand, die sich mit der Frage der „Underdeveloped Countries“ beschäftigte. So lautete der Titel eines Buches des Amerikaners Eugene Staley, das damals in Deutschland nur in einem kleinen Kreis um Ludwig Erhard Aufsehen erregte. Das geringe öffentliche Interesse – wer sollte sich denn auch für „Die unterentwickelten Länder“ in Deutschland interessieren, war man doch gerade dabei, das Gröbste aus Deutschlands im 2. Weltkrieg verursachter „Unterentwicklung“ zu überwinden. Aber in dem gewichtigen Kreis der Freunde Erhards, fanden sich weitdenkende Unternehmer und Politiker, die Ludwig Erhard auf die später dann diplomatisch verträglicher „Entwicklungspolitik“ genannte Schiene setzen wollten. Unterstützen sollte dies ein Publikationsbüro, das eine marktwirtschaftlich orientierte Politik gegenüber der Dritten Welt propagieren musste; im Sinn von Ludwig Erhard, dem ersten Bundeswirtschaftsminister, der gerade seinen Bestseller „Wohlstand für alle“ veröffentlicht hatte, im In- und Ausland als der Schöpfer des „Wirtschaftswundes“ galt, dies aber gar nicht gerne hörte, weil er den Wiederaufstieg Deutschlands nicht als „Wunder“ sah, sondern als Ergebnis seiner Wirtschaftsreform: Der Einführung und Durchsetzung der Sozialen Marktwirtschaft.
Ich fand Zugang zu dieser politischen PR-Maschine. Das Publikationsbüro machte alles, von der auszugsweisen Übersetzung von Staleys „Underdeveloped Countries“ über sachkundige Artikel für Zeitungen und Zeitschriften, Maternseiten und Texte für Heimatblätter, Rundfunksendungen, Tonbildschauen für Volkshochschulen und Schulen, wir entwarfen Filmideen, bauten ein Zeitungsausschnitte-Archiv auf, schrieben Reden für Politiker, und so weiter und so weiter, alles im Sinne Ludwig Erhards, der von einer Asienreise zurückgekehrt tief beeindruckt von der dort erlebten Armut war, aber unerschütterlich daran festhielt,, dass Entwicklungshilfe mehr verlangte als Caritas. Erhard trat von Anfang an dafür ein, dass es ohne Investitionen aus der privaten Wirtschaft nicht gehen könne und deshalb unternehmerisches Engagement mindestens als gleichwertig zu staatlichen Hilfen an zu erkennen sei.
Die Gegnerschaft war groß. Sie reichte von den Kirchen und altruistischen Gruppierungen bis in die SPD, die ihren Godesberger Frieden noch längst nicht gemacht hatte. Aber mit Erhard war die „marktwirtschaftlich orientierte Entwicklungspolitik“ politisches Programm. Als ich wieder einmal mehr plakativ als substantiell fundiert davon sprach, landete das Glück bei mir zum zweiten Treffer. „Sie sollten mal Walter Eucken lesen,“ meinte freundschaftlich so nebenbei wohlmeinend der ältere und erfahrenere Kollege. Und dieser kleine Satz zündete. Ich musste mich zwar erst kundig machen, wer und was Walter Eucken gewesen war. Aber das in unserem Publikationsbüro eingeschlossene Umfeld Ludwig Erhards erleichterte die Spurensuche. In unserem Büro standen sogar einige Bücher Euckens herum, um die sich dann aus der Universitätsbuchhandlung in Bonn weitere einschlägige Werke wie Glasperlen zu einer ordoliberalen Schnur der verantworteten Freiheit ergänzen ließen.
Die Inhalte präsentierten sich in Namen. Neben Walter Eucken, dem Vater des Ordoliberalismus, tauchten mehr oder weniger nahe Gefolgsleute auf, die jedoch in einem unverrückbar einig waren: In der Ablehnung der auf den Neo-Marxismus gestützten „Frankfurter Schule“, deren Repräsentanten von Max Horkheimer über Adorno, Marcuse, Fromm bis zu Habermas reichen. Noch irrlichterte zur Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft als Ganzem die „Diktatur des Proletariats“ auch lautstark auf den Straßen in der Studentenrevolte gegen den Vietnam-Krieg, gegen den amerikanischen Kapitalismus und für eine klassenlose Gesellschaft, damals orientiert an der sowjetischen Doktrin.
Dabei gab es auf den Generalangriff längst eine ebenso ganzheitliche Antwort, allerdings mit anderer Zielrichtung. Ich fand sie in der Ordnungspolitik, die für Walter Eucken und seine ihn umgebenden Gesinnungsfreunde weit über Wirtschaftspolitik hinausging, eben die gesamte Gesellschaft betraf und erfasste. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Freiheit und die Würde des Menschen. Die Ordnung in Wirtschaft und Gesellschaft hat dem Menschen zu dienen und muss ihn befähigen und unterstützen, sein eigenes Schicksal zu gestalten. Da konnte ich aufspringen. Und ich sprang, denn das gewonnene Fundament versetzte mich in die Lage, nicht alle, aber viele Fragen grundsätzlich zu beantworten.
F.A. von Hayek erweist sich als radikaler Streiter gegen jegliche sozialistische Utopien und Bestrebungen. In seinem Buch „Die Verfassung der Freiheit“ geht es ihm um die individuelle Freiheit, die er untrennbar mit Verantwortung verbindet. Der Wohlfahrtsstaat entmündigt am Ende den Bürger. Die Freiheit gibt ihm zwar die Gelegenheit zwischen Möglichkeiten zu wählen, sie bürdet ihm aber auch die Folgen seines Tuns auf. Wilhelm Röpke hält nichts vom Kollektivismus, aber auch nichts vom Laissez-faire. Er verlangt als elementares Steuerungselement den Wettbewerb und nennt sein System „Der dritte Weg“, in dem sich Freiheit und Ordnung treffen. Sinn, Würde und erfülltes Leben entscheiden sich nach Röpke jedoch „jenseits von Angebot und Nachfrage“, wie auch der Titel eines seiner Bücher lautet.
Und dazu Ludwig Erhard in seinem „Wohlstand für alle“: „Ich will mich aus eigener Kraft bewähren, ich will das Risiko des Lebens selbst tragen, will für mein Schicksal selbst verantwortlich sein. Sorge Du Staat dafür, dass ich dazu in der Lage bin.“ Mit dieser klaren Leitlinie wurde deutlich, wie eng die Grundelemente seines Wirtschafts- und Gesellschaftskonzepts bei den Ordoliberalen waren, obwohl es im eigenständigen Umfeld Erhards entstanden war. Die Gemeinsamkeit im Geiste scheint in guter Luft gediehen zu sein, obwohl sie in ihren Anfängen noch im Pulverdampf des 2. Weltkriegs entstanden ist. Nicht zuletzt aus der inhaltlichen Nähe heraus hatte Ludwig Erhard nichts dagegen, gelegentlich als „Ordoliberaler“ bezeichnet zu werden. Auch sein Konzept beruhte auf der Freiheit des Einzelnen. Er ging vom „mündigen Bürger“ aus, dem er Initiative und Verantwortung zutraute und abverlangte. Im Prinzip schlug das auch wieder in die Entwicklungspolitik durch, die wir publizistisch im Sinne Erhards in unserem Publikationsbüro unterstützten. Dass wir dabei Anlaufschwierigkeiten hatten, die Platzierung der entwicklungspolitischen Thematik nur stockend voranging, das verschaffte mir die für mich vorteilhafte Atempause, in der ich mich voll auf die Ordnungs- und Gesellschaftspolitiker konzentrierte und mir dabei weitere gewichtige Protagonisten, wie zum Beispiel Schumpeter und Müller–Armack erschloss. Zeit hatte ich. Gewissermaßen wurde daraus so etwas wie ein Ersatzstudium.
