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Unter Abstinenz verstehen die meisten Menschen eine Enthaltsamkeit vom Alkohol, mehr nicht. So dachte ich vor 25 Jahren auch noch, als mir die Notwendigkeit eines Lebens ohne Alkohol bewusst wurde. Dass sich hinter diesem Begriff viel mehr verbergen kann, habe ich für mich im Laufe der Jahre lernen dürfen. Leben neu erfahren, die Perspektive wechseln, den Blickwinkel verändern, Vertrauen zurückgewinnen, sich selbst entdecken und noch vieles mehr kann Abstinenz sein. Komm - ich nehme Dich mit in mein Leben und meine Gedankenwelt, lasse Dich teilhaben an meiner Lebensphilosophie, die es mir ermöglicht entspannt ohne Alkohol und Nikotin zu leben. Nutze Du meine Erfahrungen und Sichtweisen, damit dieses Mysterium Abstinenz für Dich nicht weiter nebulös und schleierhaft bleibt. Begreife, dass ein Leben ohne Suchtmittel etwas Gewinnbringendes und Lohnendes ist. Nehme Abschied vom Irrglauben des Verzichts und folge mir in meine abstinente Welt.
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2021
Mysterium Abstinenz
Angst
Wege entstehen dadurch, dass man sie geht
Resilienz
Eine veränderte Identität
Kompetenzen
Erwartungen
Wille – Mut – Erfolg
Von Innen nach Außen
Verantwortung
Persönlichkeitsentwicklung
Kraftquellen
Kognitive Fähigkeiten
Resonanz
Auseinandersetzung mit dem Ernstfall
Macht und Machtlosigkeit
Bewusstheit
Abstinenz ist das, was Ich daraus mache
Nachwort
Abstinenz wird im allgemeinen Sprachgebrauch als Enthaltsamkeit oder Verzicht bewertet.
Für mich als trockener Alkoholiker bedeutet Abstinenz hingegen Freiheit, die Abwesenheit von körperlicher Abhängigkeit und eine gesunde Geisteshaltung.
Der Begriff Abenteuer ist bezeichnend für eine risikoreiche Reise oder Erkundung. Ich habe beide Begrifflichkeiten bewusst gewählt und zum Titel dieses Buches gemacht.
Während meiner Trinkerzeit konnte ich mir ein Leben ohne Alkohol und Zigaretten nicht vorstellen. Zu anstrengend erschien mir der Verzicht auf meine geliebten »Stützen des Alltags«. Ich gehörte noch zu der Bevölkerungsgruppe, die mit Alkohol und Nikotin, persönliche Freiheit, Entspannung, Geselligkeit, Lebensqualität, Genuss und die legale Möglichkeit sehen, sich in einen anderen Erlebniszustand zu versetzen. Dass es auch eine andere Sichtweise zu den Suchtmitteln gab, war mir schon klar, doch ich war der Meinung, dass ich noch jung bin und nicht immer nur vernünftig sein wollte. Vernünftig und korrekt musste ich schon während der Arbeit sein und in wichtigen Situationen des Alltags und gesellschaftlichen Lebens. In meiner Freizeit nahm ich mir die Freiheit auf bestimmte Werte und Normen zu verzichten, begehrte als Jugendlicher auch gegen die Regeln der Erwachsenenwelt auf. In dem Zustand des Angetrunkenseins meinte ich Abenteuer erleben zu wollen, traute mich Hemmschwellen zu überschreiten und Regeln zu brechen. Bis ich mich an beide »Begleiter« gewöhnt hatte und der Alltag ohne sie nicht mehr denkbar war.
Als die gesundheitlichen, sozialen und psychischen Probleme durch meinen Alkoholkonsum überhandnahmen und ich mich durch Druck von außen (Ehefrau, Arbeitgeber, Freunde) genötigt sah, zeitweise auf »meinen Freund« zu verzichten, meinte ich immer noch Herr über mein Denken und Handeln zu sein. Die quartärlichen Abstinenzphasen dienten dazu mein Umfeld zu beschwichtigen und mir die falsche Sicherheit zu geben, dass ich alles im Griff hatte. Eine selbstgewählte Abstinenz schien mir damals undenkbar, jenseits meiner Vorstellungskraft. Die Not, Scham und Willenskraft, halfen mir über Tage, Wochen, manchmal Monate, ohne »meinen Stoff« zu leben. Bis ich in eine Phase trat, in der ich selber einsah, dass der Verzicht auf Alkohol notwendig war. Für mich gab es aber nur eine Art der Abstinenz: »Den unbedingten Willen zum Verzicht«. War diese Willensenergie aufgebraucht, meistens nach wenigen Wochen, rutschte ich wieder in gewohnte Trinkmuster und die Rückfälle wurden immer brutaler, bis hin zu Krampfanfällen und Wahnvorstellungen. Ich sehnte mir langfristige Trockenheit herbei, hielt aber an der Alleingültigkeit der Willensentscheidung fest. Es konnte nur über den unbedingten Willen zum Verzicht gehen, so meine Sichtweise. Nach 2 Jahren (8 Entgiftungen, Krampfanfällen und unzähligen Rückfällen) war ich so hilflos und wehrlos, dass ich es zuließ, dass mir geholfen wurde.
Meine Entscheidung mir helfen zu lassen ist aus der Angst geboren, dass ich mich totsaufen könnte. Nicht nur in dieser Phase meines Lebens bestimmte Angst mein Denken und Handeln, auch schon vorher, in der Kindheit und der Pubertät bis in das Erwachsenenalter. War es in der Schule die Angst vor Versagen und schlechten Noten, so entwickelte sich diese Angst weiter in der Ausbildung und im späteren Berufsleben. Ich stellte mir häufig die Fragen: Bin ich gut genug? Ist mein Chef zufrieden mit mir? Kann ich das alles leisten? Selbstzweifel waren in meinem Lebensalltag Normalität, solange ich nüchtern war. In angetrunkenem Zustand konnte ich diese Zweifel und Ängste überdecken, beiseiteschieben, vergessen. Zumindest für einige Stunden. Angst war ein vertrauter Begleiter über die Jahre und ich meinte, sie gehört einfach zu mir und meinem Wesen dazu und ich könne daran nichts ändern. Die Gesellschaft und mein Umfeld stellten bestimmte Erwartungen an mich und ich müsse diese erfüllen, damit ich akzeptiert, respektiert und gemocht werde. Mit dem Älterwerden würde diese Angst schon weggehen, so hoffte ich zumindest. Dieses Gefühl bestimmte also mein Denken und mein Handeln. Lieber nichts machen, bevor ich etwas falsch mache. Lieber ängstlich anstatt mutig sein, lieber in der Masse mitschwimmen, nur nicht auffallen. Ein defensives Leben habe ich geführt. Warten bis andere mir Aufgaben übertragen, ein typischer »Befehlsempfänger«, der dann mit Eifer versucht die Erwartungen anderer zu erfüllen. Weitere Fragen waren: Was wird von mir erwartet? Wie habe ich zu sein? Phasenweise konnte ich aber auch Anerkennung und Wohlwollen erhaschen. In der Endphase meiner Schulzeit hatte ich einen Lehrer, der mir das Gefühl gab, dass ich gut war und was konnte. Jahre später hatte ich einen Vorarbeiter, der mir Verantwortung übertrug und mich in die Rolle hineinwachsen ließ. Ich lebte auf, war stolz auf mich, weil ich viel leistete. In dieser Zeit war Alkohol nicht so wichtig. Wichtig war diese Anerkennung und Wertschätzung, die ich so sehr brauchte. Bis ich meinte, dass ich so gut war, dass ich diesen Arbeitsalltag auch mit Alkohol bewältigen konnte. Dann kam sie zurück, die Angst. Insgesamt bin ich 16 Jahre vom Alkohol, von meinen Ängsten und meinen Selbstzweifeln begleitet worden.
Den Begriff einer »zufriedenen Abstinenz« habe ich das erste Mal während meiner stationären Therapie gehört. Doch keiner konnte mir genau sagen, was das eigentlich ist, wie man das macht oder wie das gehen soll. Das ist nun 24 Jahre her.
Seit dieser Zeit habe ich das Glück, zufrieden ohne Alkohol leben zu können, erlebt. Allerdings habe ich mir auch die Fähigkeiten dazu erarbeitet. Es ist also nicht nur Glücksache oder günstige Umstände, ein wohlwollendes Umfeld oder Disziplin.
Was ist eine zufriedene Abstinenz?
Frage ich 10 Personen, bekomme ich vermutlich auch 10 unterschiedliche Erklärungen mit abweichenden Schwerpunkten.
Ich möchte in diesem Buch meine Erlebnisse beschreiben, meine Erfahrungen schildern und meine »Haltung« mitteilen.
Habe ich in meinem letzten Buch »Mach Dich un-abhängig, vom Sollen zum Wollen«, noch die möglichen Wege aus der Sucht beschrieben, möchte ich diesmal einen Schritt weitergehen. Wie gelingt es mir und anderen trockenen Alkoholikern, langfristig zufrieden ohne Alkohol zu leben? Was bedeutet Abstinenz für mich und was kann sie für Dich sein?
Im Laufe der Jahre habe ich viele Gespräche geführt, beeindruckende Lebenswege gehört, an unzähligen Meetings teilgenommen, tolle Menschen kennengelernt und dadurch auch viele unterschiedliche Wege der zufriedenen Abstinenz erfahren. So unterschiedlich diese Menschen mit einer Suchtbiographie auch sind, so eint sie doch ein gemeinsamer Glaube. Der Glaube, dass eine langfristige zufriedene Abstinenz, meistens nur über eine zufriedene Lebensführung möglich ist.
»Sein Haus aufräumen«, »sich ehrlich machen«, Vergangenheit aufarbeiten«, »im Hier und Jetzt leben«, »Kapitulieren und Akzeptieren«, »Nicht mehr bereit sein die Konsequenzen zu tragen«, »Nein sagen«. Das sind nur einige Schlagworte und Redewendungen, die mir immer wieder begegnen und Betroffenen helfen.
Auch mir wurde geholfen. Vom Hilfesystem, von Menschen die selber betroffen waren, von Therapeuten, von Selbsthilfegruppen, von Menschen, die es einfach nur gut mit mir meinten. Ohne diese Unterstützung und Begleitung in der Vergangenheit, könnte ich diese Zeilen wahrscheinlich heute nicht schreiben.
»Nur Du alleine schaffst es, doch Du schaffst es nicht allein« ist nur ein Slogan der mir in Online Selbsthilfegruppen begegnet ist. Dieser Satz spiegelt für mich wieder, dass die wenigsten Suchtkranken ohne Hilfe den Weg aus ihrer Abhängigkeit schaffen. Zu sehr sind sie in ihrem Muster gefangen, Probleme bewältigen zu wollen, nach Lösungen zu suchen, Leben zu meistern. Überwiegend werden die Probleme im »Außen« gesucht, anderen Menschen oder bestimmten Umständen die Schuld für ein Scheitern gegeben. Dabei ist man meist selbst das Problem und somit auch die Lösung. Diese Einsicht erfahren viele Menschen erst durch den offenen Austausch mit Gleichgesinnten.
Für mich begann der Weg zur zufriedenen Abstinenz, indem ich mich öffnete, von mir und meinen Gefühlen sprach, mit Menschen die zuhörten, weil sie wussten wovon ich sprach.
Denn: Sie sind wie Ich!
Ein Abenteuer habe ich nicht erwartet, als ich am 08.Oktober 1996 von meinem Suchtberater zur Fachklinik in Salzgitter-Ringelheim gefahren wurde. Dennoch war ich sehr aufgeregt, wusste ich doch nicht, was mich dort erwartet. Niemand konnte mir im Vorfeld schlüssig und klar erklären, was dort stattfindet. Weder die Bekannten, die schon mal eine Therapie gemacht haben, noch der Suchtberater selbst. Irgendwie bekam ich von niemandem die Antworten, die ich haben wollte. Vielleicht fragte ich aber auch nur die falschen Fragen.
Meine Erwartungen gingen dahin, dass dort, irgendwo in einer Schublade, die 10 Gebote für ein Leben ohne Alkohol lagen und ich diese nur auswendig lernen und befolgen musste. Mein Leben irgendwie so weiterführen, nur ohne Alkohol. Irgendwie so müsse es doch gehen, dachte ich.
Klarheit war das was mir fehlte und die ich fast bis Ende der Therapie auch nicht bekam. Erst im letzten Drittel der 19-wöchigen »Entwöhnungsbehandlung« wurde klarer, was »Ich« wollte. Dort, in geschütztem Rahmen, erarbeitete ich mir bestimmte Grundsätze für mein Leben nach dem Alkohol. Dieser Veränderungsprozess war spannend und ich entdeckte mich neu. Ein Ich, welches vergraben, verschüttet und unentdeckt war bis dahin. Eine Seite, oder mehrere Seiten meiner Persönlichkeit, welche ich bis dahin so nicht gelebt habe, weil nicht wahrgenommen in mir schlummerte.
Meine Grundhaltung am Ende der Therapie war klar: Mein Leben wird nur ohne Alkohol nach meinen Vorstellungen gelingen. Ich bin nicht mehr bereit die Konsequenzen des Trinkens zu tragen. Ich verliere nichts, indem ich nicht mehr trinke. Denn: Ich kann nicht verlieren, was ich nicht mehr besitze. Nämlich die Fähigkeit vernünftig mit Alkohol umgehen zu können. Diese habe ich nie besessen oder ich habe mir diese Fähigkeit versoffen. Ich möchte auf meine Gefühle und Bedürfnisse achten und auch danach leben. Als Sicherheit für die Zeit nach der Therapie, habe ich noch eine »Nachsorge« durch die Suchtberatung vor Ort beantragt, um das erste halbe Jahr im neuen Leben nicht ohne professionelle Begleitung zu starten. Mir war bewusst, dass ich am Anfang von etwas stehe und nicht mit Beendigung meiner Therapie schon fertig war und etwas erreicht hatte. Bis dahin war alles nur in meinem Kopf, auch ein wenig im Bauch und in der Brust. Der Kopf hatte Klarheit, Bauch und Brust fühlten Freude, Zuversicht, Lust auf Veränderung und Hunger nach Leben. Eine gewisse Vorsicht und Respekt hatte ich aber auch im Gepäck als ich den sicheren Hort verließ, am 27.02.1997. Die ersten Tage in »freier Wildbahn« arbeitete ich meine Termine ab, welche ich in Absprache mit meinem Therapeuten noch in der Klinik für mich als wichtig und eilig angesehen hatte. Es stellte sich aber schon bald heraus, dass meine Vorstellung vom Alltag nicht umsetzbar war. Meine Frau war psychisch krank geworden und sie konnte die Kinder nicht mehr angemessen versorgen. Schule und Jugendamt schalteten sich ein und ich übernahm im September 1997 die Kindererziehung. Das war während meiner Therapiezeit überhaupt nicht auf meinem Plan.
Doch ich habe diese Aufgabe angenommen, darin auch Erfüllung und Freude gesehen und konnte mich recht gut und schnell mit der Rolle des alleinerziehenden Vaters identifizieren.
In der Zeit von März bis September habe ich meine Nachsorgegruppe genutzt, habe Gruppen- und Einzelgespräche wahrgenommen und mich einer Selbsthilfegruppe angeschlossen. Außerdem habe ich meinen Sucht-Lebensweg aufgeschrieben, um meine Vergangenheit besser zu verarbeiten, neu zu bewerten und hinter mir lassen zu können.
Meine Wohnung war eine Alkoholfreie Zone, ich bin achtsam und bewusst durch die Tage, hatte Menschen mit denen ich reden konnte über Gedanken und Gefühle. Ich habe alles umgesetzt, was ich gelernt habe. Die Kinderbetreuung füllte die Tage aus, doch ich vergaß mich nicht dabei. Ich habe mir eine Fitnessstation zugelegt, um in der freien Zeit mich sportlich zu betätigen, war spazieren, führte Gespräche mit Tiefgang, lernte neue Menschen kennen und schätzen. Den Kontakt zu meinem alten Bekanntenkreis beendete ich, wusste auch kein gemeinsames Thema mehr mit ihnen zu besprechen. Sie waren mir fremd geworden und irgendwie weit weg. Ich hatte eine Aufgabe, die mir Freude bereitete und die sich gut mit meinem Abstinenzwillen verbinden ließ. Als alleinerziehender Vater hatte ich Verantwortung und um diese gewissenhaft zu erfüllen, wollte ich weiterhin zufrieden ohne Alkohol leben. Mein Leben war einfach und überschaubar geworden. Ich hatte mich und mein Leben im Griff. Das war etwas, was ich zu Trinkerzeiten herbeigesehnt hatte. Dieser Wunsch, dieser Traum, diese Sehnsucht hatte sich erfüllt. War ich etwa bei mir und meiner Bestimmung angekommen? Es fühlte sich so an.
Zu euphorisch wollte ich aber nicht werden. Ich hatte mich ja während der Therapiezeit besser kennengelernt, Stärken und Schwächen begriffen und ich wusste von mir, dass es mir nicht zu gut gehen durfte. Zu gut war nicht gut. Zu schlecht aber auch nicht. Mein Ziel war es, in einem gedanklichen und vor allem emotionalen Korridor zu bleiben. Mir durfte es gut gehen, weil ich nicht mehr trank. Begann ich aber dann wieder gedankliche Höhenflüge zu bekommen, klopfte ich mir auf die Finger und holte mich wieder runter, blieb nur ein wenig überm Boden. Ganz auf dem Boden war ich aber im ersten Jahr meiner Abstinenz nicht. Dieses Gefühl der Befreiung von Abhängigkeit ließ mich schon ein wenig schweben, erleichterte mir mein Leben und hatte zur Folge, dass ich mutig auf die Herausforderungen zugehen wollte. Es war schon toll, dieses »neue Leben«. Im Januar 1998 wurde unsere Ehe geschieden und nach anfänglichem »Rosenkrieg« konnten meine Frau und ich erst einen Waffenstillstand vereinbaren und mit der Zeit wurde dann auch ein Friedensvertrag daraus, der bis heute hält. Damit konnte ich auch wieder ein Kapitel der Vergangenheit schließen und hinter mir lassen, befreiter in der Gegenwart sein und zuversichtlich in die Zukunft blicken.
In der dunklen Jahreszeit saß ich gerne abends am PC und habe geschrieben. Darüber, was sich in meinem Leben alles zum Guten gewendet hat, seit ich nicht mehr trank und auch darüber, wie es sich für mich anfühlte. Ich wollte diese Phase meines Lebens festhalten, damit ich in späteren Jahren nachlesen kann, wie es mir in der »Wendezeit« ging. Gedanken sind flüchtig und Erinnerungen verblassen oder verändern sich mit der Zeit. Das wollte ich vermeiden. Außerdem wollte ich weiterhin bewusst Leben, mir Gedanken um mich und meinen Werdegang machen.
Mein Begleiter auf Abstand war Klaus aus Bielefeld. Sein Buch »trocken und clean« drückte mir mein Therapeut vor Weihnachten 1996 in die Hand und riet mir, Kontakt mit dem Herausgeber aufzunehmen. Was ich dann auch noch während der Therapiezeit schriftlich tat. Es kam ein Brief zurück und sinngemäß waren die ersten Worte: »Schön, dass Du dich auch auf den Weg gemacht hast«. Ein wildfremder Mensch beantwortete meine Post und wollte weiter mit mir in Kontakt bleiben. Er hatte mir ungefähr 10 Jahre Abstinenz voraus.
Wir hielten Kontakt. Erst per Brief, später per Mail und Telefon. Klaus war für mich ein wichtiger Ratgeber und Orientierung in meiner Abstinenz. 1999 oder im Jahr 2000 fragte er mich, ob ich eine Diskette für ihn hätte von meinen Berichten. Er wolle etwas von mir in die Homepage seiner Selbsthilfegruppe stellen. Na klar habe ich ihm eine Diskette geschickt und gleichzeitig einen Internetfreak aus meinem Bekanntenkreis gebeten, mir meinen PC internettauglich zu machen, damit ich mein Geschriebenes auch sehen konnte im Netz. So kam ich ins Internet. Und Klaus begleitete mich weiter, bis heute. Danke Klaus!
