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Während meines dreimonatigen Aufenthalts in China, im Speziellen Shanghai, im Jahr 2013, habe ich die ganze Zeit Tagebuch geführt, damit ich mich auch noch im Nachhinein an all die Erlebnisse, Leute, Kuriositäten und Erfahrungen erinnern kann. Nachdem ich die letzten Jahre diese Aufzeichnungen schon so gut wie vergessen hatte, bin ich vor einigen Monaten per Zufall wieder darauf gestoßen und habe mir überlegt sie ein wenig zu überarbeiten, Bilder einzufügen und es dann mit anderen zu teilen. So entstand in der letzten Zeit "Abenteuer China - 3 Monate im Land der Mitte". Beim Bearbeiten wurde ich zurück in die Zeit meines Aufenthalts versetzt und durchlief ich die ganze Zeit noch einmal intensiv. Während meines Aufenthalts führte mich der Weg z.B. auch nach Peking, Hangzhou, Suzhou und Nanjing, wo ich von der Geschichte Chinas immer mehr lernte. Auch Kulinarisch durfte ich einige Neuheiten kennenlernen, wobei ich nicht alle heute noch einmal probieren würde. Für jede einzelne Begegnung mit den verschiedensten Personen bin ich heute noch dankbar. Und auch die Kuriositäten oder Verhaltensweisen bringen mich heute noch zum Schmunzeln, zum Lachen oder helfen mir die Chinesen ein wenig besser zu verstehen.
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Seitenzahl: 220
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Claudia Rother
Abenteuer China
3 Monate unterwegs im Land der Mitte
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
Samstag - 29. Juni
Sonntag - 30. Juni
Montag - 1. Juli
Dienstag - 2. Juli
Mittwoch - 3. Juli
Samstag - 6. Juli
Sonntag - 7. Juli
Freitag - 12. Juli
Samstag - 13. Juli
Sonntag - 14. Juli
Montag - 15. Juli
Dienstag - 16. Juli
Mittwoch - 17. Juli
Donnerstag - 18. Juli
Freitag - 19. Juli
Samstag - 20. Juli
Sonntag - 21. Juli
Montag - 22. Juli
Donnerstag - 25. Juli
Samstag - 27. Juli
Sonntag - 28. Juli
Dienstag - 30. Juli
Mittwoch - 31. Juli
Donnerstag - 1. August
Freitag - 2. August
Samstag - 3. August
Sonntag - 4. August
Montag - 5. August
Donnerstag - 8. August
Freitag - 9. August
Samstag - 10. August
Sonntag - 11. August
Montag - 12. August
Dienstag - 13. August
Donnerstag - 15. August
Freitag - 16. August
Samstag - 17. August
Sonntag - 18. August
Dienstag - 20. August
Mittwoch - 21. August
Donnerstag - 22. August
Freitag - 23. August
Samstag - 24. August
Montag - 26. August
Dienstag - 27. August
Mittwoch - 28. August
Freitag - 30. August
Samstag - 31. August
Sonntag - 1. September
Samstag – 7. September
Sonntag – 8. September
Freitag - 13. September
Samstag – 14. September
Sonntag – 15. September
Montag – 16. September
Mittwoch – 17.September
Samstag – 20. September
Sonntag – 21. September
Montag – 22. September
Impressum neobooks
Vorwort
Eigentlich sieht mein Jahr bzgl. Reisen und Unternehmungen ja ganz anders aus. Ich verbringe meinen Zeit damit, mir die Welt anzusehen, die fremden Kulturen kennenzulernen, neue Dinge auszuprobieren.
Aus bekannten Gründen was das die letzten Monate aber ja nur schwer bis gar nicht möglich. Alle meine geplanten Reisen fielen aus oder wurden verschoben. Auch mit anderen Ausflügen war es eher schwierig.Bilder von früheren Reisen und Erlebnissen sollten mich ein wenig aufmuntern.
Dabei bin ich nicht nur auf die Fotos von meiner damaligen Chinareise gestoßen, sondern auch auf Notizen bzw. ein Tagebuch, das ich damals geführt habe, um all meine Erlebnisse dort festzuhalten.
Mitte 2013 wurde ich als Teil meines dualen Studiums von meiner Firma für drei Monate nach China, im Speziellen nach Shanghai, geschickt. Dort war aber nicht nur arbeiten angesagt. An den Wochenenden waren wir viel unterwegs.Wir? Achso, ich war ja nicht allein. Ich durfte zusammen mit zwei Kollegen fliegen, die ebenfalls ein duales Studium machten: Michael und Andreas (die Namen habe ich aber, wie viele andere, geändert).
Das Durchlesen des Tagebuchs versetzte mich direkt in der Zeit zurück. Ich durchlebte die ganze Zeit noch einmal.
Beim Lesen kam mir immer mehr der Gedanke, wieso meine Erlebnisse und Erfahrungen nicht mit anderen teilen, sie mit auf mein Abenteuer nehmen. Und so wurde die Idee mein Tagebuch zu veröffentlichen mit der Zeit immer mehr zur Realität.
Nach einigen Monaten Überarbeitung bin ich jetzt der Meinung, dass auch andere meine Aufzeichnungen lesen können und ich sie so mit auf meine Reise nehmen kann in ein fernes Land mit vielen ungewohnten Situationen, neuen Eindrücken und eine für mich unvergessliche Zeit.
Samstag - 29. Juni
Ausgemacht war, dass mich der Airportliner um 17:45 Uhr abholt. Schon immer überpünktlich sitze ich somit auch schon um 17 Uhr fix und fertig angezogen und auf gepackten Koffern bereit. Ein kleiner Puffer hat noch nie geschadet. Rein theoretisch könnte es jetzt also losgehen. Den vorerst letzten Tag in Deutschland habe ich ausgiebig mit meiner Familie verbracht. Noch einmal ein schönes deutsches Frühstück mit Brezen, Wurst und Eier. Die werde ich so schnell wohl nicht mehr bekommen. Mit Christian (meinem jüngeren Bruder) habe ich noch viel Zeit mit spielen verbracht. Kaum vorstellbar, dass ich ihn und meine Eltern so lange nicht mehr sehen werde.
Die letzten Minuten verbringe ich jetzt natürlich auch mit ihnen. Wir sitzen gemeinsam im Wohnzimmer, als es plötzlich an der Tür klingelt.
„Mmmh … für den Aiportliner ist es aber doch noch viel zu früh“, meine ich und schaue dabei auf die Uhr.
Mama ist überhaupt nicht überrascht und schlägt vor „Schau doch einfach mal zur Tür.“
Als ich die Tür aufmache, ist es auch nicht der Abholservice. Es sind Jana, Sophie und Thomas, (drei Freunde von mir). Sie sind extra noch einmal gekommen, um sich von mir zu verabschieden. Ich bin wortwörtlich zu Tränen gerührt. Ich bin ja grundsätzlich schon sehr emotional und nahe am Wasser gebaut (kein Film mit Happy End ohne ein paar Tränchen). Mit so etwas hätte ich nie gerechnet. Vor allem, weil sie sich doch schon kurze Zeit davor bei mir per sozialer Medien verabschiedet, mir einen guten Flug und eine gute Zeit gewünscht hatten. Noch einmal wird mir alles Gute gewünscht und noch einmal versichere ich ihnen, dass ich mich regelmäßig melde und auf jeden Fall Fotos schicken werde. Sie bleiben, bis ich ein wenig später dann abgeholt werde.
Der Abschied fällt nun allerdings umso schwieriger. Jeder wird noch einmal kräftig gedrückt. Vor allem aber natürlich meine Eltern. Mein Bruder ist nicht so der Knuddeltyp, aber da muss er jetzt einfach durch.
„Ich melde mich sobald ich kann“, verspreche ich.
Im Moment weiß ich zwar noch nicht wie das Telefon- und Internettechnisch aussehen wird in den nächsten Wochen, aber bezüglich einer Handykarte soll ich mich einfach an die chinesischen Kollegen wenden, wurde mir vor ein paar Tagen als Tipp mitgegeben.
Ich schaffe es zwar meine Tränen zurückzuhalten, allerdings nur bis zur nächsten Kreuzung. Kaum sehe ich mein zu Hause und meine Eltern nicht mehr, muss ich anfangen zu weinen. Ich werde meine Eltern und meinen Bruder schon sehr vermissen. Und als dann per SMS noch einige Verabschiedungen von weiteren Freunden eintreffen, bin ich völlig fertig mit den Nerven. Ein Glück, dass ich noch alleine im Shuttle sitze. Was der Fahrer denkt, ist mir auch egal. Wird der doch sicherlich öfter haben solche Abschiedsszenen. Gott sei Dank habe ich noch Zeit meine Gefühle wieder im Griff zu bekommen bis Michael und Andreas ebenfalls dazusteigen.
Die beiden stoßen gut eine halbe Stunde später an einem Rastplatz hinter Regensburg zu mir. Sie haben ihre Abschiedsszenen auch schon hinter sich.
Die Fahrt zum Münchner Flughafen kommt mir wie eine halbe Ewigkeit vor. Und mit jedem Kilometer steigt die Nervosität mehr und mehr. Bis auf das anfängliche „Hallo“ sind wir alle drei recht ruhig.
Der Fahrer fährt uns direkt an das Terminal der Lufthansa, mit welcher wir in wenigen Stunden Richtung Osten fliegen. Mit unserem Gepäck gehen wir zum Einchecken. Allerdings funktioniert das mittlerweile über Automaten.
„Also ich weiß ehrlich gesagt nicht wie das jetzt genau geht“, gebe ich zu. „Als ich das letzte Mal geflogen bin, bin ich einfach an den Schalter gegangen. Dann haben die das alles für mich erledigt.“
Auch Andreas weiß nicht genau Bescheid.
Michael kann uns aber helfen „Ich habe das schon mal gemacht. Am besten ich fang mal an und dann kriegen wir das schon hin.“
Im Nachhinein waren das Einchecken und die Kofferabgabe gar nicht so schwierig. Die Koffer sind weg und wir haben unsere Tickets.
Auch den Weg zum Gate meistern wir erfolgreich. Bei unserem Glück liegt dieses natürlich am letzten Eck des Flughafens. Mit noch ausreichend Zeit heißt es also nun warten. Das Boarding findet erst ab 21:15 Uhr statt, also noch gut eine Stunde Wartezeit.
Die Wartezeit vertreiben wir uns alle auf eine andere Art und Weise. Während ich mich mit meinem Reiseführer beschäftige, spielt Michael mit seinem Handy und Andreas vertritt sich noch die Beine, indem er an den nächstgelegenen Gates umherläuft. Noch ist die Stimmung etwas kühl und ruhig zwischen uns. Wir sprechen kaum ein Wort miteinander. Während sich die beiden Jungs schon ganz gut kennen, bin ich die "Neue" in der Runde. Natürlich kennen wir uns vom sehen, aber aufgrund der unterschiedlichen Studiengängen und Ausbildungsrichtungen, hatten wir bis jetzt nicht allzu viel miteinander zu tun. Ich hoffe, dass das in den kommenden Wochen noch besser wird. Aber ich denke mir, wenn wir die Nervosität verschwunden ist und ich die sie erst besser kennengelernt habe, wird das schon.
Schon erstaunlich wie sich alle drängen, wenn es kurz vor Boardingzeit ist. Eine riesige Schlange hat sich schon einige Minuten vor Beginn gebildet und jeder will der erste sein. Verstehe ich gar nicht. Sollte man doch meinen, dass wir alle in den Flieger kommen, bevor er startet. Michael, Andreas und ich lassen uns deswegen auch Zeit und sehen uns das Spektakel von unseren Plätzen an bis sich die Schlange um einiges verkürzt hat. Was soll ich mich jetzt schon in das Flugzeug sitzen. Schließlich darf ich das jetzt dann geschlagene zwölf Stunden. Muss ich wahrscheinlich auch nicht verstehen.
Vom Gate aus kann ich schon einen Blick auf den riesigen Vogel werfen, der uns in eine andere Welt bringen soll. Meine bisherigen Flüge gingen ja nur nach Wien und Malta. Da waren die Flieger um einiges kleiner als dieser Airbus.
Die Nervosität steigt immer mehr und ich denke mir „Noch hätte ich Zeit umzudrehen!“, was natürlich Quatsch ist.
Auch bei unseren Sitzplätzen müssen wir bis ans Ende des Fliegers. Wir sitzen alle drei nebeneinander: ich am Fenster, Michael direkt neben mir und Andreas auf der anderen Seite des Ganges. Das Handgepäck verstauen wir über unseren Köpfen. Zum Zeitvertreib lasse ich ein Buch bei mir. Allerdings werde ich das wohl nicht brauchen, wenn ich das Medienangebot so sehe: Filme und Serien aus allen möglichen Genres, Musik und Hörbücher und sogar Spiele. Zudem kann ich jederzeit die Flugstrecke sehen und verfolgen wo wir uns gerade befinden. So werden die zwölf Stunden schon vorüber gehen.
Passend zum Ende von „Iron Man 2“ kommt das Essen: Salat zur Vorspeise, als Hauptmenü habe ich Reis und Fleisch gewählt und einen Quark mit Früchten als Nachspeise. Für Flugzeugessen schmeckt es auch gar nicht mal so schlecht. Ich mache mir noch einmal Gedanken bezüglich des Essens in den nächsten Monaten.
Während sich der Zauberkünstler Oscar mit seinen Begleitern, dem geflügelten und sprechenden Affen Finley und dem Porzellanmädchen, durch das zauberhafte Land Oz schlägt und die böse Hexe bekämpfen will, schlafe ich irgendwo über dem östlichen Teil Europas ein.
Sonntag - 30. Juni
Von richtigem Schlaf kann man ja gar nicht sprechen. Ein paar Stündchen bin ich immer wieder ein wenig eingedöst. Wie soll man auch in einem Flieger entspannt schlafen, das ist einfach nicht gemütlich. Bis zur Ankunft in Shanghai sind es nun noch rund zweieinhalb Stunden. Irgendwann muss ich wohl den Film angehalten haben. Denn als ich den Bildschirm wieder anschalte, setzt der Film mittendrin fort. In Ruhe kann ich mir jetzt also noch ansehen, wie das Land Oz von der bösen Hexe befreit wird.
Dabei „genieße“ ich dann mein Frühstück, zu dem schon wieder Reis gehört. Reis zum Frühstück? Ich bin und war ja noch nie wirklich Fan von Reis. Am Abend ist das zwar schon ok, aber doch nicht zum Frühstück! Reis werde ich aber wohl noch viel bekommen die nächsten Wochen …
Die letzte halbe Stunde des Flugs verbringe ich damit aus dem Fenster zu schauen. Dadurch, dass der Flieger erst einmal über Shanghai hinwegfliegt, bevor wir zum Flughafen gelangen, kann ich schon mal die Skyline von Shanghai betrachten. Einige dieser Wolkenkratzer habe ich schon in meinem Reiseführer gesehen. Und im Gegensatz zu den Hochhäusern, die ich bis jetzt in meinem Leben gesehen habe, sind das hier wirklich Hochhäuser. Das Licht der Nachmittagssonne spiegelt sich in den Fassaden der Gebäude und im Speziellen in den rötlichen Kugeln des Fernsehturms der Stadt, dem Oriental Pearl Tower.
Mit dem Aufsetzen des Fliegers auf der Landebahn freue ich mich immer mehr darauf endlich wieder aufstehen und mir wieder die Beine vertreten zu dürfen. Michael wollte ich einfach nicht aufwecken, nur um mal ein paar Schritte zu gehen.Doch wir fahren noch minutenlang bis zu unserem Gate. Und was für eine Überraschung … auch dieses befindet sich schon wieder am letzten Eck des Flughafens. Allerdings tut das Laufen jetzt richtig gut.
In China gelandet müssen wir jetzt nur noch dort einreisen. Die Passkontrolle steht also an. Doch so einfach ist das gar nicht. Denn die Kamera, die mein Gesicht mit meinem Pass vergleichen soll, erkennt mich nicht auf das erste Mal. Die beiden Jungs sind schon durch und spötteln „Du siehst aber auch nicht mehr ganz so aus wie auf deinem Passbild. Unausgeschlafen und knittrig.“
Ich muss ihnen leider Recht geben. Auf dem Foto sehe ich wirklich frischer aus. Beim dritten Versuch klappt es aber und ich kann auch weiter. Bei dem Beamten, der mir dann meinen Stempel in den Reisepass gibt, geht es dann allerdings auch schneller.
Mittlerweile ist unser Gepäck auch schon angekommen, weshalb wir nicht lange auf unsere Koffer warten müssen. Jedes Mal habe ich ein mulmiges Gefühl, wenn ich am Gepäckband stehe und auf meinen Koffer warten muss. Aber auch dieses Mal habe ich mir völlig umsonst Sorgen gemacht.
Im Ankunftsbereich sollen wir abgeholt werden. Dort stehen haufenweise Personen mit Schildern, die ihre Fahrgäste suchen. Nach einigem Suchen werden wir auch fündig, wir finden unsere Namen auf einem der Zettel.Recht gesprächig ist der gute Mann ja nicht. Wir folgen ihm trotzdem zu seinem Auto, welches direkt vor dem Flughafen in der Sonne geparkt ist. Beim Verlassend des Flughafens spüren wir direkt welches Klima in den nächsten Wochen auf uns wartet. Das schwüle und heiße Wetter schlägt uns direkt ins Gesicht. Es fühlt sich an, als würde man gegen eine Wand laufen.Dass wir einiges an Gepäck dabeihaben, war uns schon klar. Schließlich wird einiges gebraucht für drei Monate. Aber damit, dass wir das ganze Gepäck gar nicht in den Kofferraum bekommen, haben wir nicht gerechnet. Kurzerhand müssen wir uns alle auf dir Rückbank des Wagens quetschen und mein Koffer kommt auf den Beifahrersitz. Oh mein Gott, was für eine Hitze in diesem Auto herrscht! Und Klimaanlage ist für dieses Auto wohl auch ein Fremdwort. Über eine Stunde fahren wir also in diesem Kochtopf bis zu unserer Unterkunft. Dabei bekommen wir auch schon mal einen ersten Eindruck von der Verkehrslage und dem Fahrverhalten der Chinesen. Da kommt schnell die Frage auf „Haben die hier überhaupt Verkehrsregeln?“ Von Blinken haben sie wohl noch nie was gehört. Es wird einfach die Fahrbahn gewechselt. Hupen scheint hier dafür hoch im Kurs zu stehen. Damit erhöht man wohl seinen Anspruch auf Vorfahrt. Der TÜV alle zwei Jahre hat bei uns auch eindeutig seine Berechtigung, wenn man einige Autos hier so sieht. Richtige Klapperkisten, bei denen man nur darauf warten kann, dass sie auseinanderfliegen.
Umso näher wir dem Zentrum Shanghais kommen, desto größer werden auch die Gebäude. Schon vorab habe ich mir angesehen wo ungefähr sich unsere Unterkunft befindet. Mit der U-Bahn sind es etwa 45 Minuten bis zur Station People Square. Also könnte man meinen, dass es nicht gerade zentral ist, wo wir wohnen werden. Wenn man bei uns eine dreiviertel Stunde mit dem Zug von der Regensburg fahren würde, wäre man bei weitem nicht mehr mitten in der Stadt. Doch hier scheint das etwas anders zu sein. So weit außerhalb des Zentrums sind die Häuser immer noch höher als die höchsten in Regensburg. Wahrscheinlich leben alleine hier in der Gegend so viele Menschen wie in ganz Regensburg zusammen. Hier herrschen eindeutig andere Dimensionen.
Im Hotel also endlich angekommen beziehen wir sofort unsere Zimmer. Gott sei Dank hat das alles gut und schnell geklappt mit dem Einchecken. Ich habe ein wirklich großes Zimmer mit Doppelbett, Couch, zwei Sesseln, einem kleinen Schreibtisch, einer Küche und einem Bad. Lust richtig auszupacken und mich häuslich einzurichten habe ich ehrlich gesagt heute nicht mehr. Dafür ist in den nächsten Tagen immer noch genügend Zeit.
Kaum dass ich zur Ruhe gekommen bin und mir ein wenig klar geworden ist, wo ich jetzt bin, klopft es an meiner Tür. Andreas und Michael wollen sich mein Zimmer ansehen. Die beiden hatten nicht so viel Glück wie ich. Eigentlich sollte jeder von ihnen auch ein Einzelzimmer bekommen. Für die nächsten Tage müssen sie aber mit einem Doppelzimmer zurechtkommen, weil es irgendeinen Buchungsfehler gab. Wirklich erfreut sind sie darüber natürlich nicht. Beim Check meines Zimmers fällt Michael eine Sache auf „Du hast ja eine Waschmaschine. Klasse! Wir haben nämlich keine. Dann kannst du ja für uns mitwaschen.“
Ich lache. „Von wegen mitwaschen. Ihr könnt hier gerne waschen, aber sicher wasche ich nicht für euch mit.“
„Achja, was wir noch fragen wollten“, meint Andreas. „Hast du Lust, dass wir uns die Gegend ein bisschen anschauen? Wir könnten dann auch gleich schauen, wo wir was zum Essen herbekommen.“
„Gar kein schlechter Plan. Außerdem könnten wir uns gleich nach einem Laden umsehen, wo wie Getränke kaufen können. Und nach der U-Bahn-Station, mit der ich dann in die Arbeit fahren muss, könnten wir auch gleich schauen.“
Getränke sind schnell besorgt. Und das an einem Sonntag. Das ist schon mal der erste Unterschied zu Deutschland. Keine fünf Gehminuten von unserer Unterkunft finden wir den ersten kleinen Laden, der offen hat. Und gleich gegenüber befindet sich ein kleiner Obstladen. Gut zu wissen. Wir gehen die Straße weiter ab. Die U-Bahn-Station finden wir allerdings nicht. Gut, dass ich morgen eh mit dem Taxi in die Arbeit fahren will.
Angebote fürs Abendessen finden wir einige. Nachdem es mit unserem Chinesisch nicht so weit her ist, sind wir dankbar, dass die Restaurants und Bistros teilweise Bilder von den Mahlzeiten in ihrem Fenster haben.
„Und wo sollen wir jetzt rein? Habt ihr irgendwas gesehen, wo ihr unbedingt reinwollt?“, fragt Michael.
Ich antworte ganz ehrlich „Ne, keine Ahnung. Für mich schauen die Läden und die Essensangebote eh überall gleich aus.“
Nachdem auch Andreas offen für alles ist, gehen wir einfach in das nächstbeste Restaurant. Es ist bis auf die Köche und Bedienungen komplett leer. Ob dass so ein gutes Zeichen ist? Die Bedienung kommt und bringt uns die Menükarte. Gut, dass es auch darauf Bilder gibt, auf die wir nur deuten müssen. So gut wie wir Chinesisch sprechen, sprechen sie in diesem Laden Englisch … also eigentlich gar nicht. Wobei jeder von uns schon ein paar chinesische Wörter kann. Ich habe mir die Zahlen von 1 bis 10 angeschaut, Michael hat sich die Himmelsrichtungen gemerkt und Andreas kann schon „Danke“ und „Bitte“ sagen. Wie in China üblich bestellen wir viele kleine Portionen. So sollte für jeden was dabei sein.
Während wir auf unser Essen warten erzählt Michael, dass seine Eltern an seinem letzten Abend extra Chinesisch gekocht haben. „Als Einstimmung quasi. Besteck gabs dann auch nicht mehr. Ich sollte schon mal mit Stäbchen essen lernen.“
„Achja, das mit den Stäbchen. Das könnte lustig werden. Habe ich noch nie zuvor gemacht“, meint Andreas.
Ich muss ihm zustimmen „Ich habe das auch nie probiert. Wird schon werden.“
„In drei Monaten wollen wir vielleicht gar nicht mehr anders essen“, lacht Michael und Andreas und ich stimmen mit ein.
Das mit Stäbchen ist wirklich noch etwas kompliziert. Kleine Stückchen Fleisch bekomme ich noch nicht zu fassen und von sowas wie Erdnüssen bin ich noch sehr weit entfernt. Aber zumindest schmeckt das meiste, was wir bestellt haben, doch richtig gut. Manches ist mir doch leicht zu scharf, aber dafür ist ja genügend Auswahl da, dass ich das nicht essen muss.
Kurz bevor wir zahlen wollen bekommen wir dann allerdings noch Besuch von einer Kakerlake, die direkt bei uns vorbei an der Wand entlanghuscht. „Ich glaube, dass wir uns für das nächste Mal ein anderes Lokal suchen“, schlage ich vor.
Die beiden Jungs geben mir uneingeschränkt Recht.
Zurück im Zimmer will ich nur noch duschen und dann schlafen. Schließlich ist morgen unser erster Arbeitstag. Da sollten wir schon fit sein. So leicht ist das aber gar nicht mit dem Einschlafen. 22 Uhr hier in Shanghai ist halt eben erst 16 Uhr in Deutschland. Und trotz einer eher schlafloseren Nacht zuvor, liege ich noch lange wach und denke an zu Hause. Ständig bin ich am rechnen wie viel Uhr es dort ist und was meine Eltern und Christian gerade machen.
Montag - 1. Juli
Nachdem ich erst um drei Uhr nachts wirklich eingeschlafen bin, bin ich jetzt um 6:45 Uhr nicht gerade fit. Ich sage nur: scheiß Jetlag! Ich hoffe, dass sich das relativ schnell einpendelt. Am Vorabend habe ich noch meine Anziehsachen zurecht gelegt für den heutigen Tag. Ich merke schnell, dass eine lange Hose eine ganz schöne Herausforderung wird bei der Hitze. Es ist gerade mal 7 Uhr morgens und ich schwitze jetzt schon damit. Aber ich kann doch schlecht mit kurzen Sachen in die Arbeit.
Fertig für die Arbeit gehe ich zur Rezeption. Der Herr von gestern Nachmittag, der wenigstens ein wenig Englisch konnte, ist leider nicht mehr da. Dafür finde ich jetzt eine junge Dame dort, die mich aber mal so überhaupt nicht versteht. Gut, dass ich meinen Reiseführer mitgenommen habe. Ich suche mir das Wort für „Taxi“ heraus und zeige darauf. So scheint sie es zu verstehen und kurze Zeit später ist wirklich ein Taxi für mich da. Dem Taxifahrer zeige ich eine ausgedruckte Mail. Dort steht die Adresse meiner Arbeitsstelle darauf. Ich arbeite für die nächsten Wochen, im Gegensatz zu den Jungs, in einem Bürogebäude relativ zentral in der Stadt. Andreas und Michael müssen hingegen in die Fertigung, welche sich außerhalb von Shanghai befindet. Dafür fährt jeden Morgen ein Bus hin und abends wieder zurück. Zu der Bushaltstelle kommen sie ebenfalls mit dem Taxi. Ich habe aber vor nur heute mit dem Taxi zu fahren. Ich hoffe mir kann dann heute noch einer erklären wie ich an ein U-Bahn-Ticket komme und wo die nächste U-Bahn-Station ist.
Eine knappe halbe Stunde später und einige Nerven weniger (an die Fahrweise der Chinesen muss ich mich wirklich noch gewöhnen) stehe ich dann auch schon vor dem Gebäude, in dem sich anscheinend ein Büro meiner Firma befinden soll. Ich frage einfach den nächstbesten, der mir über den Weg läuft, nach meinem Ansprechpartner. Ich zeige ihm ebenfalls die Mail, die ich ausgedruckt habe. Mit Handzeichen gibt er mir zu verstehen, dass ich in den 21. Stock des Gebäudes muss. Dort angekommen sehe ich auch das richtige Firmenlogo. So falsch kann ich also nicht sein. In die Büros komme ich aber trotzdem noch nicht ohne einen Ausweis, also muss ich wieder warten bis mir jemand begegnet. Nach einigen Minuten öffnet sich die Aufzugtür und endlich steigt eine Frau aus dem Aufzug. Diese versteht aber leider auch nicht was ich von ihr will. Also wieder her mit der Mail. Da stehen ja die Kontaktdaten meines Ansprechpartners darauf. Sie nimmt mich mit ins Büro, wo ich mich schon einmal an einen Tisch setzen soll bis meine Ansprechperson erscheint.
Beim Warten entdecke ich einen LAN-Anschluss. Klasse! Dann kann ich mich doch gleich mal zu Hause melden. Nachdem ich gestern nicht schlafen konnte, hatte ich zwar versucht mit meinem eigenen Laptop ins Internet zu kommen. Es war allerdings auch kein Wunder, dass es nicht funktioniert hat, denn einige der Adern waren einfach nicht angeschlossen.Sobald ich im Internet bin schreibe ich eine Mail nach Hause und berichte vom Flug und meinen ersten Stunden in meiner neuen Heimat. Ein kurzer Blick in die sozialen Medien wage ich auch noch. Ich sehe ein Foto meiner Freunde wie sie den Sonntag bei strahlendem Sonnenschein und selbstgemachten Erdbeerlimes gemütlich ausklingeln haben lassen. Wenn ich nicht am anderen Ende der Welt sitzen würde, wäre ich da wohl auch dabei gewesen wäre. Dabei bekomme ich schon ein bisschen Heimweh.
Kurze Zeit später kommt dann endlich mein Ansprechpartner und ich bekomme einen neuen Platz zugewiesen. Dort werde ich also die nächsten drei Monate sitzen. Da er aber noch keine Zeit für mich hat, besteht meine erste Aufgabe darin, einen deutschen Text ins Englische zu übersetzen. Gut, dass ist ja machbar und ich bin fürs Erste einmal beschäftigt.
Im Laufe des Vormittags zeigt mir dann eine weitere Kollegin, Flora, die auch neben mir sitzt, die ganze Abteilung mit all seinen Büros und Laboren. Sieht schon um einiges anders aus als wie in Regensburg, alles viel kleiner und viel sporadischer.
Den Rest des Vormittags verbringe ich damit im Internet zu surfen und einige Dokumente zu übersetzen. Ich hoffe, dass das noch aufregender wird in der nächsten Zeit.
Zum Mittagessen werde ich von den Kollegen in ein koreanisches Restaurant eingeladen. Wieder verstehe ich nicht was das alles heißen soll in der Menükarte, aber die Kollegen werden mir schon etwas Essbares bestellt haben. Man kann es zumindest essen, selbst mit Stäbchen und Kakerlaken habe ich auch noch keine gesehen.
Nachmittags erwacht die Arbeitswelt in Deutschland, was es mir möglich macht mit einem anderen Kommilitonen im firmeneigenen Chat zu schreiben.
Da ich heute ja schon früher im Büro war, darf ich auch früher gehen. Über den Heimweg habe ich mich in den letzten Stunden ausführlich informiert. Trotzdem bin ich total erleichtert, dass eine Kollegin mich zur U-Bahn-Station bringt. Sie besorgt mit mir auch die Karte, mit der ich ab sofort Taxi, Bus und natürlich U-Bahn fahren kann. Im Prinzip ist es auch gar nicht schwer. Jede Linie hat ihre eigene Farbe und wenn man dann noch weiß in welche Richtung man will, dann ist das einfach. Um die richtige Richtung zu finden, habe ich noch einen Ausdruck des U-Bahn-Netzes. Ich denke, in ein paar Wochen werde ich diesen aber auch nicht mehr brauchen. Mit einer Visitenkarte vom Hotel und etwas durchfragen finde ich auch dort wieder hin. Morgen schaffe ich das auf jeden Fall schon mit der U-Bahn in die Arbeit.
