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Regina und Karl Faux, beide reisesüchtig und vom Virus Motorrad infiziert, nutzten eine berufliche Veränderung um sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen: Eine Reise rund um Europa. Mit ihrem selbst ausgebauten Hardcore-Wohnmobil und ihren Motorrädern im Gepäck, machten sie sich auf den Weg. Zunächst führte die Route kreuz und quer durch den Italienischen Stiefel bis nach Sizilien, den südlichsten Punkt der Reise. Über Sardinien und Korsika ging’s zurück aufs Festland. Nach Durchquerung der Pyrenäen führte die Reise entlang der französischen Westküste in die Normandie. Weiter auf Nordkurs erreichten sie am Geirangerfjord in Norwegen den nördlichsten Punkt der Tour EU-round. Von nun an hieß das Ziel Griechenland. Die Route führte weiter durch Deutschland, Polen, Tschechien und die Slowakei, bis sie in Rumänien die höchst gelegene Gebirgsstraße des Landes, die Transfagaras, er“fuhren“. Schließlich kämpften sie sich über Bulgarien zum östlichsten Punkt ihrer Rundreise, zur Insel Thassos, durch. Die Autoren schildern mit einem ironischen Augenzwinkern die Eigenheiten der bereisten Länder und deren Bewohner. Dass auf solch einer langen Reise nicht immer alles glatt geht, ist selbstredend, im Buch wird von diesen kleinen Pannen genauso berichtet wie über die schönen Erlebnisse auf dieser einzigartigen Tour.
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Seitenzahl: 392
Veröffentlichungsjahr: 2013
Regina Faux
Karl Faux
30.000 Kilometer mit Camper und Motorrad rund um Europa
Books on Demand
Über das Buch
Regina und Karl Faux, beide reisesüchtig und vom Virus Motorrad infiziert, nutzten eine berufliche Veränderung um sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen: Eine Reise rund um Europa. Mit ihrem selbst ausgebauten Hardcore-Wohnmobil und ihren Motorrädern im Gepäck, machten sie sich auf den Weg. Zunächst führte die Route kreuz und quer durch den Italienischen Stiefel bis nach Sizilien, den südlichsten Punkt der Reise. Über Sardinien und Korsika ging’s zurück aufs Festland. Nach Durchquerung der Pyrenäen führte die Reise entlang der französischen Westküste in die Normandie. Weiter auf Nordkurs erreichten sie am Geirangerfjord in Norwegen den nördlichsten Punkt der Tour EU-round. Von nun an hieß das Ziel Griechenland. Die Route führte weiter durch Deutschland, Polen, Tschechien und die Slowakei, bis sie in Rumänien die höchst gelegene Gebirgsstraße des Landes, die Transfagaras, er“fuhren“. Schließlich kämpften sie sich über Bulgarien zum östlichsten Punkt ihrer Rundreise, zur Insel Thassos, durch.
Die Autoren schildern mit einem ironischen Augenzwinkern die Eigenheiten der bereisten Länder und deren Bewohner. Dass auf solch einer langen Reise nicht immer alles glatt geht, ist selbstredend, im Buch wird von diesen kleinen Pannen genauso berichtet, wie über die schönen Erlebnisse auf dieser einzigartigen Tour.
Vorwort
Die Vorgeschichte
Der Abschied
Es geht los
Emilia Romagna
Toskana
Umbrien
Wieder in die Toskana
Lazzio
Abruzzen
Apulien
Kampagnia
Kalabrien
Sizilien die Sonnige
Korsika
Nochmal Italien
Pyrenäen
Frankreich
Belgien
Holland
Deutschland
Dänemark
Schweden
Norwegen
Deutschland
Tschechei
Slowakei
Rumänien
Griechenland
Was ich noch zu sagen hätte
Daten und Fakten
Mit unserem spartanisch ausgestatteten Hardcore Wohnmobil, einem VW LT 40 den wir selbst ausgebaut haben, starteten wir am 17. April 2009 unsere Europareise. Mit im Gepäck zwei Motorräder. Eine KTM 690 SMC und ein Yamaha Tricker XG 250.
Bereits in der Vorbereitungsphase begann ich damit, die Reise zu dokumentieren, diese Aufzeichnungen setzte ich während der gesamten Reisedauer fort. In die Notizen, die ich während unserer 6-monatigen Euround Europe Tour niederschrieb, ließ auch Karli seine Gedanken und Betrachtungsweise einfließen. Das Endergebnis ist ganz sicher kein Reiseführer, vielmehr stellt es unsere persönlichen Eindrücke dar, so wie wir die Reise eben erlebt haben.
Dennoch wird vielleicht der eine oder andere Motorradbegeisterte bzw. Campingfreak ein ihn ansprechendes Reiseziel in diesem Buch entdecken. Anhand der Beschreibung ist es ohne weiteres möglich, die Routen nachzuvollziehen. Für Wohnmobile sind manche Strecken nicht geeignet, ebenso wie einige Passagen für Strassenmotorräder nicht zu empfehlen sind.
Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und hoffen, dass wir euch bei der Verwirklichung eurer Reiseträume ein bisschen unterstützen können.
Reisen beginnt im Kopf – so sagt man. Oft schon haben wir darüber geredet, wo wir hinfahren würden, falls wir Zeit und das nötige Kleingeld hätten. Immer deutlicher hat sich dabei herauskristallisiert, dass es Europa sein würde, in welcher Form auch immer. So viele Länder, die wir noch nicht bereist haben, so viele Städte, die es lohnt zu besichtigen, so viele Gegenden, Regionen und Straßen, die wir mit unseren Motorrädern noch nicht erfahren haben. Denn eines stand immer fest, wenn wir je so eine Reise in Angriff nehmen sollten, dann käme für uns nur die Variante mit ausgebautem Bus und zwei Motorrädern, die wir im Bus verstauen können, in Frage. So träumten wir dahin, immer mit dem Finger und Blick auf der Landkarte.
Ein wichtiges Gespräch
Im Herbst 2008 kursierten in der Firma in der ich arbeitete Gerüchte, dass diese verkauft werden sollte und das möglichst rasch. Dieser Umstand behagte mir so überhaupt nicht. Mit dem Hintergedanken an unsere so sehr herbeigesehnte Reise, fasste ich mir im Dezember 2008 ein Herz, marschierte ins Zimmer meines Chefs und sprach mit ihm (die Weihnachtszeit ist für derartige Gespräche ganz besonders geeignet). „Gut, dass sie kommen“, sagte er, „ich wollte schon die ganze Zeit mit ihnen reden“. Das war doch eine gute Basis. So brachte ich mein Anliegen vor. Mein Boss reagierte sehr verständnisvoll, als ich ihn erklärte, dass ich frei sein wollte, und willigte ein. Auch die gesamte Abfertigung sollte ich bekommen. Seit 23 Jahren arbeitete ich schon in dieser Firma.
An diesem Tag bin ich sofort nach Dienstschluss in die nächst gelegene Buchhandlung gepilgert und habe mir das Buch „1000 Places to see bevor you die“ gekauft. Freudestrahlend bin ich mit der frohen Botschaft und mit diesem Buch in der Tasche nach Hause gekommen. Von nun an konnten wir also beginnen, unseren Traum in die Tat umzusetzen.
Bis Anfang Jänner hat es dann doch noch gedauert, bis alles in schriftlicher Form unter Dach und Fach war, so dass ich mit Ende Februar die geheiligten Hallen, in denen ich mein halbes Leben verbrachte, verlassen konnte.
Die Vorbereitungen
So ging ich also in den ersten Jännertagen abermals in die Buchhandlung, besorgte eine riesige Europakarte, nebst Europa Reiseatlas. Ich klemmte mich vors Internet, begann damit sämtliche europäischen Fremdenverkehrszentralen anzuschreiben und um Reiseinformationen zu bitten. Ich verfasste ein Mail an den ÖAMTC, in dem ich vage unsere geplante Reiseroute bekannt gab, erwähnte, dass wir mit Caravan und Motorrädern unterwegs sein würden. Zwei Tage später erhielt ich ein gar nicht so kleines Paket, mit allen nur möglichen Länderinformationen und Landkarten. Wir gingen auf die Ferienmesse, dort heimsten wir alles nur erdenkliche Material ein, das wir kriegen konnten. Zu Hause saß ich dann, versuchte unsere Beute nach Ländern zu ordnen und in eine Klappbox zu quetschen.
Nun konnten wir uns daran machen, unsere Route genauer zu definieren. So viel stand fest, es wird die südliche Richtung werden. Unser erstes Ziel würde Italien sein. Als ungefährenAbreisetermin fassten wir Mitte April ins Auge. Bis es aber so weit war, gab es noch 1000 Dinge zu erledigen.
Ich begann mit meinen Aufzeichnungen, schrieb ab und zu etwas in das Reisetagebuch, das mir Susanne zu Weihnachten geschenkt hatte. Auch dieses Buch hieß „1000 Places to see bevor you die“. Im Bus war noch einiges zu tun, ich wünschte mir mehr Stauraum. In welcher Form wir mehr Platz schaffen würden, darüber waren wir uns noch nicht ganz einig. Ein GPS fürs Motorrad stand noch auf der Liste, eine neue Kamera musste ins Haus und und und. Eigentlich sollte das Buch, in das ich schreibe – 1000 Dinge, die noch zu erledigen sind bevor man verreist – heißen.
Auch in der Firma begann man langsam zu begreifen, dass es nur mehr 2 1/2 Wochen sind, bis ich mich verabschiede. Dementsprechend groß war plötzlich der Arbeitsanfall. Ich bemühte mich meine mir angeeigneten Kenntnisse nach bestem Wissen und Gewissen weiter zu geben. War dann abends eher geschlaucht, als dass ich der Welt noch einen „Haxen“ hätte ausreißen können. Sehnlichst wünschte ich mir den März herbei, damit auch ich mich voll und ganz auf unsere Reise konzentrieren konnte.
Mein Mann Karl (von mir und allen anderen Karli genannt) war ja zu dem Zeitpunk bereits zu Hause. Die Firma, in der er gearbeitet hat, wurde kurzerhand geschlossen, die Produktion ins Ausland verlegt, wie das halt so oft vorkommt in diesen Tagen. Als Produktionsleiter ins Ausland zu gehen, wollte er aber nicht. Paradox eigentlich, wenn man an unser Vorhaben denkt, aber es sind eben zwei verschiedene Paar Schuhe, im Ausland zu arbeiten oder ins Ausland zu reisen.
Ich schrieb mir auf alle Fälle eine Liste, auf der alles stand, was wir noch besorgen wollten. Jedes Mal freute ich mich, wenn ich etwas davon streichen konnte und jedes Mal wenn ich etwas davon gestrichen hatte, kamen wieder mindestens drei Dinge dazu, die wir „unbedingt“ noch mitnehmen wollten. Da waren zum Beispiel der gusseiserne Bräter, den ich mir einbildete (wie sich später herausstellte hat sich diese Investition wirklich gelohnt), MTB Schuhe standen auch noch auf der Liste (die Ausgabe hätte ich mir allerdings sparen können). Dafür wurden bereits angeliefert oder zumindest geordert: ein Safe, ein Laptop, eine Mega Maglite, eine wärmere Motorrad Goretex Hose, Augenarzt und neue Brillen konnte ich schließlich auch von der Liste streichen und mit unseren Jahresausgleichen war ich so ziemlich durch.
Mein letzter Arbeitstag rückt immer näher, seit Tagen sitze ich am Abend über Kochbücher gebeugt und versuche, Speisen für das Abschiedsbuffet, das ich meiner Kollegenschaft unbedingt selber zubereiten will, auszuwählen. So fahre ich, bestückt mit Töpfen, Schüsseln und Zutaten, an meinen vorletzten Arbeitstag nach Wien. Ich bin euphorisch nervös, denn ich weiß, bald beginnt ein neuer, interessanter Lebensabschnitt für mich, ein neuer Teil meines Lebens. 23 lange Jahre Tretmühle werden ab Montag für mich Vergangenheit sein.
Um die Mittagszeit ist es dann so weit. Meine Kollegen traben der Reihe nach an, wünschen mir alles Gute, umarmen mich, einige von ihnen zerquetschen sogar die eine oder andere Träne. Das sind schon sehr emotionale Augenblicke für mich, verbindet mich doch mit einigen mehr, als dass wir nur zufällig in ein und derselben Firma aus dem Fenster schauen. So finde ich mich nach diesen berührenden Momenten also wieder, mit Blumen, Kuverts und Päckchen in den Händen. Das Buffet, das ich vorbereite, ist ein Riesen-Erfolg, man mutmaßt bereits darüber, dass ich meine Brötchen nach meiner Rückkehr mit Catering verdienen könnte. Was natürlich völlig verfrüht ist, denn wir sind ja noch nicht einmal weg. Auf alle Fälle haben sich meine Berufskameraden mächtig ins Zeug gelegt. Als Erinnerung erhalte ich ein selber gebasteltes Fotoalbum, von der Firmenleitung bekomme ich Gutscheine von einem renommierten Elektronikhandel, von den Mitarbeitern Geld für MTB Schuhe und von meiner Chefin, extra noch, einen tollen Italien Reiseführer.
Einmal muss ich also nur noch morgens um 1/2 6 aufstehen, einmal noch nach Wien fahren, einmal würde ich noch an meinem Arbeitsplatz sitzen und zumindest das Telefon bedienen, denn mit dem PC kann ich nicht mehr arbeiten, dieser hat genau zum richtigen Zeitpunkt – ebenso wie ich – seinen Dienst quittiert und das ohne mein Zutun. Noch einmal gehe ich durch die Räume, die so lange ein Teil meines Lebens waren, ich schüttle Hände, umarme, gebe meinen Schlüssel ab und bin frei.
Es gibt noch so viel zu tun
Die Gutscheine fürden Elektrohandel werden gleich am übernächsten Tag eingelöst. Davon werden angeschafft: Ein neues Autoradio mit USB Anschluss, eine Induktionsplatte fürden Bräter, den ich mittlerweile auch gekauft habe und eine externe Festplatte, die wir zur Sicherung unserer Fotodateien benötigen werden.
Es ist inzwischen die zweite Märzwoche herangebrochen und wir haben katastrophales Wetter. Es schneit und schneit, eine dicke weiße Decke überzieht die Wiesen, auf denen zu dieser Zeit normaler Weise bereits die ersten Primeln zu sehen sind. Täglich werden wir vom Schneepflug geweckt, der durch unsere Gasse schert. Leute verrichten Sisyphusarbeiten, in dem sie versuchen ihre Autos, die unter den Schneemassen begraben sind wieder freizulegen. Aus den Nachrichten erfahre ich, dass es auch in der nächsten Woche nicht viel besser wird. Dabei hätten wir gerne unseren Bus aus seinem Winterquartier geholt. Zumal an und in ihm noch einige Dinge zu erledigen sind. Da wir das große Auto wegen akutem Parkplatzmangel, der bei uns im Winter herrscht, nicht vor dem Haus stehen lassen können, haben wir es auf dem Grundstück eines Bekannten untergebracht. Als es endlich ein bisschen milder zu werden scheint und die Schneeschmelze beginnt, starten wir das Projekt Autorückholung. Aber Autos die den ganzen Winter über nicht gefahren werden, neigen dazu im Frühjahr nicht anzuspringen. So auch der Bus, die Batterie ist leer. So ähnlich haben wir uns das auch gedacht und uns mit Starterkabeln bewaffnet. Nur wenn ich versuche mit meinem Auto Starthilfe zu geben, stirbt es ab, es ist einfach zu schwach dazu. Also wird die Batterie ausgebaut, mit nach Hause genommen und über Nacht an das Batterieladegerät angeschlossen. Am nächsten Morgen traue ich meinen Augen nicht, es schneit – und wie! Dass wir den Bus heute holen, können wir uns gleich in aller Früh abschminken.
Nichts desto Trotz gibt es auch Erfolgserlebnisse zu verzeichnen. Karli gibt seine KTM LC4 zur Versteigerung frei, er hat endlich ein Gebot drauf, das heißt, sie ist auf alle Fälle verkauft. Das ist die eine Sache, die andere ist die, dass jetzt noch ein neues Motorrad für die Reise angeschafft werden sollte. Seit geraumer Zeit geistert in seinem Kopf die KTM 690 SMC herum. Er sucht und informiert sich bereits eifrig. Natürlich gibt es auch einen Plan B., falls Karli in Sachen neues Motorrad nicht fündig wird. Nachdem auch ich zwei Motorräder mein Eigen nennen kann, nämlich den Tricker und eine KTM LC 4, die ich mit Wechselkennzeichen betreibe, müssten wir eben die beiden Fahrzeuge getrennt von einander anmelden, so dass sich Karli die KTM von mir mitnehmen könnte. Aber das brauchen wir noch nicht zu entscheiden, denn wir haben ja noch Zeit.
Ich habe auch Zeit dazu, den neuen Bräter in Verbindung mit der Induktionsplatte ausgiebig zu testen. Das System ist super. Dank des Deckels, der die Funktion des Aufgießensübernimmt, gelingen auch Gerichte wie Schweinsbraten, Rindsrouladen und faschierter Braten ausgezeichnet in diesem gusseisernen Topf.
Im Großen und Ganzen haben wir an Gerätschaften jetzt alles was wir wollen und brauchen. Ausständig sind noch sämtliche Servicearbeiten an unseren Fahrzeugen, und das sind ziemlich viele. Entweder müssen sie noch für die Reise fit gemacht werden (Tricker, KTM und Bus) oder darauf vorbereitet werden, dass sie für längere Zeit unbeachtet ihr Dasein in der Garage verbringen werden. Außer den Fahrzeugen, die wir auf der Reise mit dabei haben werden, besteht unser Fuhrpark noch aus zwei weiteren Autos und drei zusätzlichen Motorrädern, da fällt an Servicearbeit doch einiges an. Das Schlimme ist nur, dass diese Arbeiten im Freien durchgeführt werden müssen, Wetter und Temperaturen lassen aber mehr als zu wünschen übrig.
Auch die Garage, die wir im Haus, in dem mein Bruder wohnt, angemietet haben und in der sich mittlerweile Dinge angesammelt haben, die wir weder bei uns im Keller noch in der Garage, geschweige denn in der Wohnung untergebracht haben, müssen wir räumen, denn sie wurde uns vom Hausbesitzer aufgekündigt.
Etwa drei Wochen vor Reisebeginn lege ich mir einen Kalender an, in dem ich alles, was noch zu erledigen ist, eintrage und es bleibt – wie nicht anders erwartet – kein Tag unbeschrieben. Täglich fallen uns neue Dinge ein, die wir noch kaufen und mitnehmen wollen.
Mittlerweile haben wir aber zumindest den Bus aus dem Winterschlaf erweckt. Die Aktion hat aber noch einiges an Nerven gekostet. Als das Wetter doch wieder besser wird, fahren wir mit aufgeladener Batterie zum Stellplatz. Das Einbauen der Batterie ist dann auch nicht das Problem, anspringen tut das Auto auch, nur wegkommen ist nicht, denn der Boden auf dem Grundstück ist so aufgeweicht, dass sich die Räder sofort im Matsch eingraben. Da hilft es auch nicht, dass wir Holzplanken unter die Räder klemmen, da fährt der Bus zwar drüber, nur um gleich wieder im Matsch zu versinken. Es nützt alles nichts, unser Bekannter mit seinem Allradfahrzeug muss her, um uns da herauszuziehen. Der erste Versuch missglückt, das Schleppseil reißt. Erst beim zweiten Anlauf klappt es, schlingernd, und blau qualmend setzt sich der Bus in Bewegung.
Relativ erfolglos kehren wir von der Campa in Tulln zurück. Hier wollen wir noch einige Dinge für die Reise besorgen. Wir möchten zwei Klappstühle, eine Hängetasche für das Kartenmaterial sowie Micropur für das Frischwasser und Kunststoffbiergläser besorgen. Enttäuschend wenig an solchen Utensilien werden auf dieser so angepriesenen und beworbenen Messe präsentiert. Aber zum Glück gibt es Internet und große online Versandshops, die das Gewünschte im Programm haben, noch dazu relativ preiswert.
Als nächstes steht ein Ereignis auf meiner Liste, auf das ich mich schon sehr freue: der Abschiedsstammtisch. Ungefähr einmal im Monat treffen wir uns mit vielen unserer Motorradfreunde, um Benzin zu reden, gemütlich beisammen zu sitzen und Spaß zu haben. Viele sind gekommen, um uns Glück für die Reise zu wünschen. Von Maria, einer guten Freundin aus Salzburg, bekommen wir eine Torte, die die halbe Welt darstellt, und an deren Vernichtung sich nachfolgend die ganze Bande beteiligt. Es wird viel über unser bevorstehendes Abenteuer - Europareise - geplaudert, wir werden mit vielen guten Tipps versorgt und mit vielen Fragen rund um dieses Ereignis bombardiert, die wir versuchen so gut wie möglich zu beantworten, denn eigentlich wissen wir ja selbst noch nicht, was da alles auf uns zukommt. Auf alle Fälle ist es ein gelungener Abend, an den ich mich später gerne zurück erinnere.
Das Vorzelt muss mit
Ein weiteres Kapitel unserer Reisevorbereitungen schreibt sich, als wir das Vorzelt, das wir von meiner Schwiegermutter geschenkt bekommen, in Betrieb nehmen wollen.
Karlis Mutter, Besitzerin eines Wohnwagens und passionierte Camperin, hat im Laufe der Zeit bereits drei Vorzelte erworben und sie hat einen Franzi, ihren Mann, der immer, wenn sie auf Campingplätzen unterwegs sind, eines dieser Vorzelte aufstellt, wieder abbaut und somit auch das gesamte Zubehör, bestehend aus Gestänge, Abspannseilen und Heringen verwaltet. So pilgern wir an diesem Montag nach Obergrafendorf, um uns von Franzi zeigen zu lassen, wie das Aufbauen eines solchen Vorzelts denn überhaupt funktioniert und ob so etwas für uns eigentlich passend ist. Schließlich will man ja nicht die Katze im Sack mitnehmen. Bei klirrender Kälte stehen wir im Garten, harren der Dinge, die da kommen und trauen unseren Augen nicht, als Franzi einen Sack voll Zeltgestänge anschleppt, bunt gemischt, von jedem der drei Vorzelte ein bisserl was, teilweise gekürzt, passend gesägt, neu vernietet oder verschweißt. Schlichtweg das pure Chaos. Kaum eine Zeltstange die zu dem Vorzelt, das wir bekommen sollen, passt. Ein paar wichtige Teile fehlen überhaupt. Unmöglich aus diesem Tohuwabohu ein Gerüst für das Vorzelt zusammen zu bauen. Franzi wird immer hektischer, wie ein aufgescheuchtes Huhn rennt er zwischen all den Zeltstangen hin und her, hebt ein Rohr auf, um es gleich wieder beiseite zu schleudern. Karli ist genervt. Meine Schwiegermutter und ich verziehen uns ins Warme. Das hören und sehen wir uns nicht länger an. Kurze Zeit später stößt auch Karli zu uns, er lässt Franzi vorerst mal alleine werkeln, denn je mehr er versucht Ordnung in das System zu bringen, um so hektischer und nervöser wird Franzi. Außerdem haben wir ausgemacht, uns mit Mika – unserem Haus-, Hof-und Automöbeltischler - in St. Pölten zu treffen, um den weiteren Innenausbau unseres Busses, der morgen über die Bühne gehen soll, zu besprechen und das nötige Material dafür zu besorgen. Wir werden am Abend nochmal nach Obergrafendorf kommen und sehen, wie weit das Projekt Vorzelt gediehen ist uns dann entscheiden, ob wir das Ding mitnehmen oder nicht. Als wir wieder kommen, steht das Zelt zumindest, auch die gestohlen geglaubten Teile sind wieder aufgetaucht. Wir packen den ganzen Krempel kurzerhand ein, um uns zu Hause in aller Ruhe damit auseinanderzusetzen.
Letzte Arbeiten am Auto
Der Möbelbau am darauf folgenden Tag geht reibungslos über die Bühne. Wir haben jetzt einen Aufsatz für das Kästchen in dem Porta Potti und andere sperrige Dinge aufbewahrt werden, er ist zwar etwas windschief geraten, passt aber somit bestens zum unteren Teil, der schon vorhanden ist. Der Tresor wird eingebaut und mit dem Boden verschraubt, daneben geht sich noch eine Lade aus, in der ich später den Bräter verstauen werde. Eine Esszeuglade wird gebastelt, ich werde im Laufe unserer Reise täglich an Mika denken, denn sie klemmt bei jedem Mal öffnen. Ich bekomme auch mehr Arbeitsfläche, mittels einer weg- und herklappbaren Arbeitsplatte, vor dem Eingangsbereich. Das was mir noch zu tun übrig bleibt, ist das Lackieren der neuen Möbelstücke. Dieses Unterfangen setze ich zwei Tage später in die Tat um.
Inzwischen war der Bus beim Service und die LC4 wurde erfolgreich versteigert. Wieder zwei Dinge, die ich als erledigt auf meiner Liste abhaken kann.
Die Außenarbeiten
Endlich passt auch das Wetter, wir können die Außenarbeiten in Angriff nehmen. Als erstes packen wir unser Vorzeltproblem beim Schopf. Mein Bruder kommt vorbei, um uns dabei behilflich zu sein. Zu dritt werken wir einen ganzen Nachmittag lang, damit wir alles auf die Reihe bekommen. Da wird vernietet, gesägt und geschraubt. Die Zeltstangen werden farblich markiert und ein Plan wird gezeichnet, so wissen wir, wo welche Stangen hingehören. Geschlaucht aber relativ zufrieden über unser heutiges Tagewerk, sitzen wir abends bei uns im Garten und schlürfen genüsslich ein Bier, als Karlis Mutter und Franzi vorbeikommen, um uns Ingrids (die Schwester meines Mannes) Festplatte, auf der sie alle mögliche Musik gespeichert hat, vorbei zu bringen. Als Franzi in die Nähe des - probehalber aufgebauten - Vorzelts kommt und sich daran zu schaffen machen will, bekommt er von Karli einen scharfen Verweis, der ihn sofort wieder von dannen ziehen lässt.
Als nächstes beginnen wir damit, den Bus außen mit Schriftzug und Logo zu bekleben, Karli hat Aufkleber entworfen und über Internet bestellt. Auch bei dieser Aktion hilft mein Bruder tatkräftig mit. Er kommt mit einer speziell gemischten Flüssigkeit angetanzt, die es ermöglicht, den aufgebrachten Schriftzug im Nachhinein noch zu verschieben. An den Seiten des Busses prangt jetzt groß die Aufschrift „Winnerwaldgang on tour“. Über einen Hügel, auf dem ein mächtiger Baum steht, springt ein Endurofahrer in die gleißende Sonne. Das Auto ist blau, der Schriftzug in orange und weiß gehalten, Endurofahrer, Hügel und Baum sind schwarz, die Sonne orange. Die Beklebung kommt gut.
Winnerwaldgang, was ist das für ein Name? Sind wir eine kriminelle Bande? Keine Angst, wir sind zwar manchmal etwas ausgelassene, aber im Grunde genommen harmlose, Motorradfahrer. Der Name Winnerwaldgang entstand vor einigen Jahren, wir waren in einem großen österreichischen Motorradforum ziemlich aktiv. Es bildeten sich mehrere Gruppen, die österreichweit Stammtische veranstalteten und Ausfahrten organisierten. Wir gründeten damals den Motorradstammtisch im Wienerwald. Neben den Stammtischen wurden auch Veranstaltungen mit Wettbewerben, die so genannten Olympiaden, abgehalten. Gruppen aus allen Bundesländern nahmen daran teil, so auch wir. Um den Gegnern schon von vornherein das Fürchten zu lehren und um festzuhalten, dass wir keinesfalls looser sind, musste ein passender Name für unsere Gruppe gefunden werden, so wurde der Name Winnerwaldgang geboren. Wir haben uns aus dem Forum wieder zurückgezogen, die Olympiaden gibt es nicht mehr, geblieben ist unser Stammtisch und die Winnerwaldgang.
Unsere beiden Autos werden nun ebenfalls zum Service gebracht. Meines – ein kleiner Clio – wird sofort hergerichtet, das von Karli – ein Kangoo – bleibt bei der Firma auf Kommission stehen, es soll nach erfolgter Reparatur verkauft werden.
Wer die Wahl hat, hat die Qual
Karli hat endlich zugeschlagen. Er hat eine KTM 690 SMC erstanden. Sie hat nur ganz wenige Kilometer auf dem Tacho, ist ein 2008er Baujahr und geht ab wie die Sau. Am letzten Sonntag vor unserer Abreise machen wir noch eine kleine Ausfahrt. Ich fahre mit meiner KTM und mir kommen erste Zweifel, ob ich die richtige Wahl damit getroffen habe, dass ich den Tricker auf unsere Reise mitnehmen werde. Noch habe ich Gelegenheit mich anders zu entscheiden. Lange wiege ich das Für und Wider ab. Die KTM, die ich wahnsinnig gerne auf der Straße bewege, ist bei meiner Größe für das Fahren im Gelände ungeeignet, auch ist sie straßenbereift. So wie ich Karli kenne, werden wir aber sicher den einen oder anderen Abstecher in die Endurowelt machen. Für Schotterstraßen und unwegsames Gelände wiederum gibt es nichts Tauglicheres als den Tricker, dafür ist er auf langen Geraden, auf steilen Bergauffahrten und beim Überholen eine lahme Ente. Für drei Motorräder ist aber im Bus kein Platz, obwohl mir das die allerliebste Variante wäre. In diese Richtung gehen meine Gedanken, ich weiß wirklich nicht, was ich machen soll, welches meiner beiden Fahrzeuge schlussendlich dann im Bus landen wird. Am Ende entscheide ich mich fürden Tricker, bis auf ein paar wenige Ausnahmen bereue ich diese Entscheidung nicht.
Die Endphase
Wir liegen nun in der Endphase unserer Vorbereitungen. Ich besorge ein Formular, damit wir keine Einschreibebriefe während unserer Abwesenheit erhalten, das Internet und das Kabelfernsehen sind gekündigt, wir müssen nur noch das Modem zurücksenden, alle unsere Fahrzeuge haben die jährliche Überprüfung hinter sich und somit das Pickerl. Auch sämtliche grüne Versicherungskarten haben wir bei unseren Papieren. Die Lebensmittel sind entweder im Bus verstaut oder verschenkt, der Kühlschrank ist ausgeräumt, die Pflanzen unter Bekannten und Verwandten verteilt. Die Kleiderkisten sind eingepackt, beim AMS sind wir abgemeldet – kurz – wir sind reisefertig.
Am letzten Abend vor unserem Aufbruch kommen Karlis Schwester Ingrid und unser Schwager Bernd nach Pressbaum, um noch einmal gemeinsam essen zu gehen. Wir bekommen von Ingrid ein wunderschönes, in Leder gebundenes Reisetagebuch. Auf die erste Seite hat sie einen tollen Spruch geschrieben, der passender nicht sein könnte, er lautet:
„Es kommt mehr darauf an, wie du kommst, als wohin du reisest; deshalb sollten wir unser Herz nicht einem bestimmten Ort verschreiben. Es gilt die Einsicht als Lebensgrundsatz zu machen, dass man nicht für einen einzelnen Winkel geboren ist, sondern dass die ganze Welt unser Vaterland ist.“
Dieser Spruch stammt von einem weisen Mann namens Seneca und wurde im 1. Jhd. n. Chr. verfasst.
Als wir uns schließlich von den beiden verabschieden sagt Bernd: Egal wo ihr seid, so lange ihr in Europa bleibt, kann ich euch holen. Diese Aussage geht uns sehr nahe, es tut gut zu wissen, dass es da jemanden gibt, der für einen da ist.
Ein schlechter Start
Es ist der 17. April und endlich, endlich geht es los. Ich mache noch einmal einen Rundgang durch die Wohnung, leer sieht sie aus, ungewöhnlich leer. Karli macht sich am Sicherungskasten zu schaffen, alles wird abgeschaltet, außer der Sicherung, an der unser Deckenfluter hängt, der sich von nun an mittels Zeituhr am Abend einschalten wird. Wir bringen noch ein paar Dinge zur Post, ziehen uns Geld aus dem Bankomaten und trinken noch einen Abschiedskaffee bei Daniel. Schnell sind wir dann auf der Außenringautobahn und lassen Wien hinter uns. Es geht südwärts. Als heutiges Ziel haben wir Venedig auf den Wunschzettel geschrieben. Es ist ruhig im Auto, wir reden kaum etwas. Jeder hängt wohl seinen eigenen Gedanken nach, geht im Kopf nochmal durch, ob alles erledigt wurde, ob alles, was wir für die Reise benötigen werden, mit an Bord ist. Obwohl das völlig egal ist, denn unterwegs kann man gewisse Sachen so wie so nicht mehr ändern.
Zu Hause habe ich uns einige Brote für unterwegs hergerichtet. Wir kommen gerade bei der Raststation Arnwiesen vorbei, beschließen uns zu stärken und uns die Beine zu vertreten. Wir fahren eine scharfe Linkskurve als uns ein eigenartiges Geräusch aufhorchen lässt. „Ist das normal?“ frage ich, und bekomme ein „Nein“ zur Antwort. Beim Einparken lässt sich das Auto kaum noch lenken. Etwas an der Servolenkung muss defekt sein. Als Karli den Behälter dafür kontrolliert, ist dieser leer. Wo zum Kuckuck sollen wir jetzt die Flüssigkeit herbekommen, die wir brauchen, um weiter fahren zu können.Es hilft alles nichts, der ÖAMTC muss her. Nach 1 1/2 Stunden biegt der gelbe Engel auf den Parkplatz. Er wirft einen sachkundigen Blick unter die Motorhaube unseres Hardcore Wohnmobils und teilt uns mit, dass die Sache schlimmer ist, als wir denken. Flüssigkeit nachfüllen hilft überhaupt nichts, denn es ist eine Hydraulikleitung geplatzt. Wir können es gar nicht glauben. So soll also unsere Reise beginnen? Der Wagen, der zur Erstbegutachtung bei uns ist, kann uns aber nicht abschleppen, er ist zu schwach für das riesige Auto. Ein anderer, stärkerer Abschleppwagen wird verständigt. Nach weiteren 1 1/2 Stunden des Wartens ist auch dieser vor Ort. Sehr freundlich und kompetent wird unser Bus verladen, während wir in die Fahrerkabine des Abschleppwagens klettern. Schon auf der Fahrt nach Graz checkt der ÖAMTC Mitarbeiter, wo wir das Riesen-Auto hinbringen können und vor allem, wo es eventuell heute noch repariert werden kann. Eine VW-Werkstätte in Graz Nord ist unser Ziel. Dichter Verkehr herrscht auf den Straßen von Graz. Geschickt manövriert der Fahrer den Schleppwagen durch so manche enge Gasse. Die Zeit läuft, mittlerweile ist es vier Uhr nachmittags. Ich habe Zweifel, dass das mit der Reparatur heute noch klappt. Noch während unser Auto vom Schlepper abgeladen wird, ist der Meister des Hauses bei uns, mit ihm vier Lehrlinge, die den Bus zur Schadensbegutachtung über die Montagegrube schieben. Der Meister treibt seine Buben zur Eile an und bald schon stellt sich heraus, dass es immer noch schlimmer kommen kann. Trotz zahlreicher Telefonate, die der Meister führt, ist die Hydraulikleitung alleine nicht aufzutreiben, sondern wir brauchen die gesamte Lenkung. Inklusive Einbau soll das 2.000 Euro kosten. Die Alternative –wir schauen, dass wir irgendwie wieder nach Hause kommen, am besten mit dem Zug, versuchen das Teil aufzutreiben, lassen es der Werkstätte zukommen, die repariert das Fahrzeug und wir können weiterfahren. In unseren Köpfen schlagen die Gedanken Purzelbäume. Noch dazu müssen wir uns schnell entscheiden, denn alles, was heute bis 17:00 beim Gneralimporteur von VW bestellt wird, ist bis morgen im Haus, andernfalls wird das Ersatzteil erst am Montag ausgeliefert. Wir ziehen uns in eine ruhige Ecke zurück, um zu beratschlagen. Enttäuschung, Wut, Ohnmacht, unsere Gefühle spielen verrückt. Wo ist die sprichwörtliche deutsche Qualität? Wie kann es sein, dass eine Hydraulikleitung einfach durchrostet? Warum gibt es die Leitung nicht als Ersatzteil? Warum muss die komplette Lenkung getauscht werden, wegen eines Teils, der wenige EURO kostet? Egal, man kann es drehen und wenden wie man will, eine Entscheidung muss getroffen werden. Zurück nach Hause zu fahren würde eine Verzögerung von mindestens 2 Wochen bedeuten. Auch wenn es uns gelingt, eine gebrauchte Leitung aufzutreiben, die Reparaturkosten betragen immerhin ca 700 EURO.
Wir entscheiden uns fürden Komplettaustausch der Lenkung. Es wird uns versprochen, alles Menschenmögliche zu tun, damit die Reparatur morgen zu Mittag fertig ist. Kulanter Weise wird uns von der Werkstätte ein Ersatzwagen zur Verfügung gestellt, damit wir mobil sind. Wir wollen damit zu Ingrid und Bernd nach Güssing fahren, um abgelenkt zu sein. Auf der Fahrt dorthin steht ein Regenbogen über der Autobahn, der schönste, den wir je gesehen haben. Irgendwie wissen wir, es wird alles gut werden.
Die weiseste Entscheidung, die wir gestern getroffen haben, war zu Ingrid und Bernd zu fahren, um noch einen gemütlichen Abend mit ihnen zu verbringen und um uns etwas trösten zu lassen. Wären wir alleine gewesen hätten wir uns gegenseitig vermutlich nur runtergezogen, so wie wir drauf waren. Obendrein bekommen wir hier nochmal so ein richtig tolles Frühstück, die Sonne lacht bereits in aller Früh durch die riesigen Glasfenster, das kann doch nur Gutes bedeuten – oder? Nach dem Anruf in der Autowerkstätte wissen wir es. Die Reparatur ist abgeschlossen, wir können unser Auto noch vor 12:00 abholen. Wir bezahlen mit beiden Bankomatkarten, den Rest gibt’s bar auf die Kralle. Als ich ein paar Euro Trinkgeld geben will, lautet der Kommentar: „Nein, nehmen wir nicht, die Reparatur war auch so schon teuer genug.“
Wir sind also wieder „on the road“. Wir fahren durch den 10 Kilometer langen Plabutschtunnel der ein Teilstück der Phyrnautobahn ist, Richtung Klagenfurt, machen in der Raststation des Dreiländerecks Österreich – Slowenien – Italien halt, wo wir nochmal so richtig deftig einheimisch essen. Es gibt Schweinsbraten für mich und Schnitzel für Karli. Wer weiß wann wir das nächste Mal so etwas zwischen die Zähne bekommen. Weiter fahren wir durch das wunderschöne Kanaltal. Es trennt die karnischen von den julischen Alpen und den Karawanken. Dementsprechend bergig gestaltet sich auch die Landschaft rings um uns. Leider ist es grau und wolkenverhangen, so dass wir so manche Bergspitze gar nicht sehen können. Zeitmäßig wird es sich wohl für heute so ausgehen, dass wir in Venedig unser erstes Nachtlager aufschlagen. Ich suche den entsprechenden Campingplatz aus dem Campingführer und liege mit meiner Wahl genau richtig. Es ist ruhig hier und er liegt direkt am Meer. Von unserem Standplatz aus hören wir am Abend das Rauschen der Wellen.
Die Lagunenstadt – Venedig
Den nächsten Ausfall haben wir gleich am Morgen, die Wasserpumpe hat ihren Geist aufgegeben und ich muss Wasser fürden Kaffee vom Wasserhahn, der draußen ein paar Meter vom Bus entfernt steht, holen. Der Boden auf dem Platz ist sehr sandig, als ich das Wasser aufdrehe kommt es mit enormem Druck aus der Leitung, spritzt auf diesen sandigen Boden und gleichzeitig meine Hose von oben bis unten voll. Den Boden unseres Busses ziert bereits jetzt eine dünne Sandschicht. Nach dem dritten Mal aufkehren geben wir vorläufig auf. Wir nehmen lieber eine ausgiebige Dusche, nach der die Lebensgeister wieder zurückkehren, Karli besorgt uns frisches Brot für ein spätes Frühstück. Ohne ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen ist das Brot aber nicht hinunter zu bekommen. Die dünne Sandschicht paart sich nun mit den Bröseln des trockenen Brotes. Egal, wir sind gestärkt und können uns auf den Weg nach Venedig machen.
An der Rezeption des Campingplatzes kaufen wir zwei Venedigtickets, damit können wir jedes Verkehrsmittel einen Tag lang benutzen. Nicht weit weg von unseren Campingplatz in Cavallino befindet sich die Busstation. Von hier fahren wir nach Sabbioni und weiter mit der Fähre nach Sao Marco.
Wie oft sind wir schon auf einem der riesigen Fährschiffe, die von Venedig nach Igoumenitsa in Griechenland ablegen, gestanden und haben auf die kleinen Fährboote, die an uns vorbei gezogen sind, hinunter fotografiert. Heute fotografieren wir auf die Sofokles, eine Fähre der Anek Lines, hinauf.
Venedig, die Lagunen-Stadt, deren Häuser, Paläste und Kirchen auf Pfählen errichtet wurden, durch die sich mehr als hundertsiebzig Kanäle mit einer Gesamtlänge von ca. 38 Kilometer ziehen, die immer wieder überflutet wurde und wird, die seit 1987 auf der Liste des UNESCO Kulturerbes steht. Diese Stadt hat was und es wäre schade, ihr keinen Besuch abzustatten, sie nicht zu ergehen. Ich bin nun schon das vierte Mal hier, aber zum ersten Mal sehe ich sämtliche Gebäude, die den Markusplatz umgeben ohne Baugerüste und Netze, die bisher stets die wunderschönen Fassaden verborgen hielten. Der Markusplatz ist übrigens der einzige Platz, der die Bezeichnung Piazza trägt, alle anderen Plätze werden mit Campi benannt. Das kommt daher, dass der Markusplatz früher der einzige gepflasterte Platz der Stadt war. Wie bei jedem Venedigbesuch tummeln sich auch heute – trotz Regen – eine Menge Touristen aus aller Herren Länder, rund um den Platz. Da werden Schirme und Fähnchen in den verschiedensten Farben hochgehalten, so weiß der gemeine Tourist stets, wo sich seine Gruppe befindet. Wir aber schlagen uns schon bald in die engen verwinkelten Gassen abseits des Trubels, die zu erkunden es immer wieder lohnt. Faszinierend die wunderbar dekorierten Auslagen der Geschäfte und Läden. Hier hängen Karnevalsmasken in allen nur erdenklichen Farben und Formen, dort schimmert uns das wohl jedem bekannte Muranoglas in seinen verschiedensten Facetten entgegen. Sei es als Schmuckstück, Bilderrahmen oder Deckenleuchte. Bei jedem Blick in eine dieser Auslagen entdeckt man neue Kleinode und es fällt schwer, nicht jedes Geschäft zu stürmen.
Die Seufzerbrücke verbindet den Dogenpalast mit dem neuen Gefängnis. Über diese Brücke führte man die Gefangenen, die von hier aus noch einmal einen letzten Blick auf den Canale Grande und auf die verloren gegangene Freiheit werfen konnten, man sagt, dass sich angesichts dieser Tatsache bei so manchem Delinquenten ein tiefer Seufzer aus dessen Brust löste. Der Name der Brücke leitet sich davon ab. Heute sehen wir die Brücke von Werbeplakaten einer Kosmetikfirma umgeben. Alles in blau gehalten, sieht toll aus.
Auch die Rialtobrücke, die den Canale Grande überspannt und die ebenfalls auf Pfählen errichtet ist, wird von unzähligen Menschen bevölkert. Venedig ist überhaupt eine der häufigst besuchten Städte Europas. Kein Wunder, kann man sich doch hier nur zu Fuß oder zu Wasser fortbewegen. Keine rote Ampel bremst uns beim Durchschlendern der vielen Gassen, es gibt keinen Verkehrslärm, der in den Ohren dröhnt. Gemütlich setzen wir uns vor ein kleines Cafe, bestellen Cappuccino und Espresso und beobachten das bunte Treiben um uns. Ein Pärchen veranstaltet eine Fotosession auf der nahe zum Cafe gelegenen Brücke. Sie fotografiert ihn, nach Begutachtung des Fotos meint der männliche Part: „Hey! What are you doing? I like my feet!“ Sie muss also nochmal ran, diesmal dürfte das Bild gelungen sein, auch die Füße sind drauf. Durch romantische, verschlafene Gässchen und über unzählige Brücken, von denen wir immer wieder den Blick auf einen der vielen Kanäle werfen können, schlagen wir uns durch bis zum Hauptbahnhof Santa Lucia, wie immer herrscht auch hier reger Publikumsverkehr. Als wir wieder beim Fähranleger ankommen, sind wir doch schon vier Stunden lang marschiert und beschließen, nicht mehr nach Burano, wie ursprünglich geplant, zu fahren. Karli mault zwar ein bisschen, weil wir das Venedigticket nicht ausgewunden haben, gibt sich aber rasch geschlagen. Ich glaube, dass ihm auch schon die Füße wehtun. Ich frage einen Fährangestellten, ob die Fähre, die eben anlegt, nach Sabbioni fährt und erhalte zur Antwort ein schlichtes „no“. Erst als ich frage, ob die richtige Fähre auf der anderen Seite ablegt, bekomme ich ein „si“ zur Antwort. Er war halt nicht zum Plaudern aufgelegt. Diese Begegnung sollte aber die einzige unfreundliche auf unserer Reise bleiben.
Unsere nächsten Ziele wären Rimini und San Marino, als wir aber den Reiseführer durchblättern, entdecken wir, dass diese zwei Destinationen nicht so gut abschneiden, viel mehr sollte man sich, wenn man schon in die Emilia Romagna fährt, Ravenna ansehen. Wir finden einen Campingplatz in der Nähe der Stadt am Lido di Dante. Hier checken wir für drei Nächte ein und stellen zum ersten Mal das Vorzelt auf. Zum Glück ist hier noch kein Betrieb und keiner sieht uns zu. Nach 1 1/2 Stunden ist das Werk vollbracht, das Vorzelt steht auf seinem Platz. Ob es morgen auch noch da sein wird, wird sich weisen. Aber für heute sind wir geschützt vor dem immer wieder herabprasselnden Regen. Ich krame Induktionsplatte und Bräter hervor und bereite uns die im Supermarkt gekauften Koteletts samt Eierschwammerlsoße zu. Außer dass es einmal die Sicherung schmeißt, gelingt das Gericht hervorragend.
Den nächsten Vormittag nutzen wir zu einem langen ausgedehnten Strandspaziergang. Am naturbelassenen, kilometerlangen Sandstrand, der sich über die gesamte Küstenlinie erstreckt und der von einer italienischen Umweltschutzorganisation zu einem der 11 schönsten Strände Italiens gekürtwurde, liegen Muscheln so weit das Auge reicht. Natürlich wandert das eine oder andere Exemplar in meine Jackentasche. Viel Treibholz und Unrat wurde hier auch angeschwemmt, aber man ist dabei, alles wieder in Ordnung zu bringen und für die kommende Saison vorzubereiten. Aber noch gehört der Strand beinahe uns alleine. Ab und zu aalt sich ein einzelner nackiger Sonnenanbeter zwischen den Sanddünen, ein Abschnitt des Strandes ist nämlich FKK Gelände, bitte, wers mag. Wir bummeln ein bisschen durch den Ort, der noch sehr verlassen wirkt, dafür liest man alle Nase lang, dass es Appartements und Zimmer zu mieten oder zu kaufen gibt, ein typischer Urlaubsort eben. Wie es hier in der Hochsaison, in den Monaten Juli und August zugeht, will ich gar nicht wissen. Ein eigenartiger Typ verfolgt uns als wir später wieder den Strand entlang marschieren. Er bleibt überall dort stehen, wo wir auch stehen bleiben und beobachtet uns, ich fühle mich plötzlich nicht mehr wohl. Was will der von uns? Ich dränge zur Rückkehr. Immer noch ist er hinter uns – ein unbehagliches Gefühl. Erst als wir das Tor zum Campingplatz erreichen, dreht er um, dieser Spanner.
Nachmittags zeigen sich wieder erste Wolken am Himmel, der Wind wird zusehends stärker. Zum Abendspaziergang müssen wir unsere dicken Jacken überziehen. Wir sehen einigen Kiternzu, für die diese Wetterbedingungen optimal zu sein scheinen. Sie flitzen mit ihren Brettern und Schirmen mit rasanter Geschwindigkeit über die Wellen.
In der Nacht nimmt der Wind noch an Stärke zu und unser Vorzelt wird auf eine harte Probe gestellt, aber es steht auch am Morgen noch da, wie ein Fels in der Brandung. Ab und zusieht man bereits blaue Flecken am Himmel und wir brechen ins 12 Kilometer entfernte Ravenna auf.
Ravenna
Diese Stadt ist in unserem Reiseführer als sehenswert beschrieben und gehört zum UNESCO Kulturerbe. Vorerst kämpfen wir aber mit den italienischen Autobussen und mit dem Verkehr schlechthin. Wie in jeder italienischen Stadt herrscht das Chaos. Wir wissen noch nicht, dass wir im Laufe unserer Reise in diesem Punkt noch Ärgeres erleben werden. Wir finden eine Abstellmöglichkeit für unsere Motorräder, versperren sie und marschieren los. Natürlich in die völlig verkehrte Richtung, nämlich weg von der Innenstadt. Aber unter Zuhilfenahme des GPS können wir uns dann doch orientieren. Zunächst kommen wir an der Basilica di Sant Apollinare Nuovo vorbei. Die 8,50 EURO, die fürden Eintritt verlangt werden, sind uns dann doch zu viel und wir begnügen uns damit das Gebäude von außen zu betrachten. Wir erreichen die Piazza Popolo – diese Bezeichnung werden wir in Italiens Städten noch öfter finden – im Zentrum der Stadt. Von hier schlagen wir uns in die kopfsteingepflasterten Seitengassen und stehen schließlich vor dem gedeckten Markt, der sich in einem wunderschönen Gebäude befindet. Wir kommen an der achteckigen Kirche San Vitale vorbei. Gebaut wurde sie im 6 Jhd. und zählt zu den bedeutendsten Kirchenbauten dieser Zeit. So, damit schließen wir den Kulturrausch in Ravenna ab und fahren zur 5 Kilometer außerhalb der Stadt liegenden Basilica di Sant Apollinare in Classe. Schon von weitem sieht man diesen imposanten Bau. Der Eintritt soll 3 EURO betragen. Doch noch während wir um unser Geld kramen, legt uns die Dame beim Schalter 2 Eintrittskarten her und sagt, dass der Eintritt heute gratis ist. Die Kirche ist – wie schon von außen erkennbar – riesengroß. Über den Altar befindet sich die gewaltige, mosaikgeschmückte Kuppel. Ich dachte zuerst, dass es Malerei ist, erst beim zweiten, genauerem Hinsehen entdecke ich die feine Legearbeit.
Mit dem Besuch dieser Kirche beenden wir das Kulturprogramm in dieser Gegend für heute definitiv. Wir setzen uns auf eine Parkbank und genießen die wärmenden Sonnenstrahlen. Im Ort selbst ist nicht viel los also schwingen wir uns auf die Motorräder und fahren zum Campingplatz zurück.
Heute sitze ich das erste Mal mit kurzen Ärmeln auf unserem Stellplatz, Lorbeer gibt’s hier gleich vor der Bustüre, das Sauerkraut dazu haben wir von zu Hause mitgebracht, die Bratwurst in Schneckenform im Supermarkt gekauft, zusammen ergibt das ein tolles Menü. Der abendliche Strandspaziergang wird heute zum Spießrutenlauf. In Scharen fallen die Gelsen über uns her. Na klar, wir sind ja so ziemlich die einzigen „Touristen“ hier. Da hilft nur noch die chemische Keule.
San Marino
Mal fallen ein paar Tropfen, dann hört es wieder auf zu regnen, aber die Sonne mag sich heute nicht so wirklich durchsetzen. Wir nehmen San Marino dennoch in Angriff und zwar zweirädrig. In Classe biegen wir zuerst einmal verkehrt ab, fahren plötzlich gegen eine Einbahn, was uns durch hektisches Armgefuchtel eines Straßenarbeiters klar gemacht wird. Endlich finden wir doch den richtigen Abzweig nach Rimini. Wir versuchen die Küstenstraße zu fahren, was uns nicht so recht gelingen mag, denn entlang der so genannten italienischen Riviera ist alles zubetoniert und es wird weiter fleißig gebaut. Dutzende Kräne stehen hier, um noch weitere Hotelburgen in die Höhe schnellen zu lassen, damit sich in den Sommermonaten noch mehr Touristen an den Stränden tummeln können, geschlichtet wie die Ölsardinen auf den Liegestühlen unter den Sonnenschirmen, die man hier für teures Geld mieten kann. Wir geraten jedenfalls unweigerlich auf die Autobahn Richtung Rimini, an deren Ende wir nach Verucchio abbiegen. Über etliche Kreisverkehre erreichen wir den Staat San Marino, die älteste Republik der Welt. Was mir zuerst ins Auge sticht, sind die Autokennzeichen – blaue Schrift auf weißem Hintergrund – vor der eigentlichen Nummer prangt das Staatswappen. Über einige Serpentinen – die richtig zu fahren uns der Autobus vor uns verleidet – erreichen wir schließlich San Marino Stadt. Sie liegt auf dem Berg Monte Titano in 650 Metern Höhe, über ihr thront die Festung La Guaita. Vor dem Tor, durch welches wir die Stadt betreten, steht ein Polizist und regelt den Fußgängerverkehr. Ich habe noch nie zuvor einen Gesetzeshüter gesehen, der die Armbewegungen so anmutig ausführt, als wäre er bei Nurejew persönlich in die Lehre gegangen. Wir schlendern durch die engen, steilen Gassen, die von Andenkenläden, in denen stets das Gleiche feilgeboten wird, gesäumt sind, vorbei an der Basilica gelangen wir zum 2. Turm der Festung. Er beherbergt ein Waffenmuseum, das wir uns ansehen. Immer wieder haben wir herrliche Ausblicke, auf der einen Seite weit ins Land, auf der anderen sehen wir bis nach Rimini. Auf dem Rückweg kommen wir am Regierungspalast vorbei, vor dem die Wachen in ihren schmucken Uniformen stramm stehen. Bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen, erstehen wir in einem der Andenkenläden einen San Marino Aufkleber, es ist der Erste, der die Frontwand unseres Busses zieren wird.
Dicke schwarze Wolken begleiten uns auf der Heimfahrt, 15 Kilometer bevor wir den Campingplatz erreichen, entladen sie ihre mitgeführte Last. Es stürmt und regnet. Plötzlich können die italienischen Autofahrer nur noch mit 40 km/h dahinschleichen. Ein Überholen ist aufgrund des herrschenden Gegenverkehrs kaum möglich. Als wir endlich ankommen, sind wir durch und durch nass und ausgefroren. Der Sturm hat das Vorzelt aus einigen Verankerungen gerissen, der Schaden hält sich aber in Grenzen und ist rasch wieder behoben. Die erste Aktion ist, den Heizlüfter voll aufzudrehen, die zweite, eine heiße Suppe zu essen. Langsam kehren die Lebensgeister wieder, und wie zum Hohn scheint die Sonne.
Heute werden wir Lido di Dante den Rücken kehren, um uns auf den Weg in die Toskana zu begeben. Zwei Stunden dauert es, bis wir alles verstaut haben. An dieser doch langen Zeit ist das Vorzelt maßgeblich beteiligt. Zuerst fahren wir durch Forli, danach immer weiter Richtung Firenze. Die Straße, die wir befahren, wäre die ideale Motorradstrecke, nur das Wetter wäre derzeit überhaupt nicht ideal. Wenn es 10 Grad hat, dann ist das viel. Gleichzeitig mit dem Regionswechsel – wir kommen von der Emilia Romagna in die Toskana – ändert sich das aber und das Fleece wird an den Haken gehängt, die Sonne lacht uns vom strahlend blauem Himmel zu.
Der Campingplatz, den wir ursprünglich ins Auge gefasst haben, liegt östlich von Florenz. Schon als wir die Stadt auf der Autobahn umfahren, wird uns klar, dieser Platz ist zu weit weg für die anstehende Stadtbesichtigung. Wer weiß, ob es von dort eine direkte Busverbindung in die Stadt gibt, spricht Karli seine Gedanken laut aus. Wir disponieren um, suchen unter Zuhilfenahme von sämtlichen verfügbaren Materialien einen Stellplatz unmittelbar in Florenz heraus. 41 Kilometer weit müssen wir bereits jetzt zurück fahren, dabei wären wir noch lange nicht auf dem ursprünglich ausgewählten Campingplatz gewesen. Eine weise Entscheidung also, direkt den in der Stadt zu nehmen. Die genaue Adresse ist uns natürlich nicht bekannt, aber der Platz ist super beschildert, und ohne viel Federlesens erreichen wir ihn. Er liegt hoch über der Stadt und man hat einen herrlichen Blick auf und über die Dächer von Florenz, das wir morgen besichtigen werden. Für heute begnügen wir uns damit zur nahe gelegenen Piazza Michelangelo zu marschieren, von der aus man ebenfalls einen herrlichen Ausblick auf die Stadt, die am Arno liegt, hat. Auf der Piazza werden Souvenirs in Hülle und Fülle angeboten. Ich erspähe ein Leonardo da Vinci T-Shirt, das mir gefällt. Auf der Vorderseite prangt das wohl bekannteste Motiv dieses Universalgenies, der vitruvianische Mensch. Heute kann ich noch widerstehen, aber morgen?
Florenz
Zeitig in der Früh bin ich schon wach, koche Kaffee, packe meine Sachen und gehe unter die Dusche. Als ich stadtfein wieder zurückkomme ist auch Karli schon aus den Federn gekrochen. Es verspricht ein wunderschöner Tag zu werden,
