Abenteuer Watzmann - Kathrin Thoma-Bregar - E-Book

Abenteuer Watzmann E-Book

Kathrin Thoma-Bregar

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Beschreibung

Die Sage. Das Wetter. Die Ostwand. Die Todesopfer. Und still ruht der See. Eine bildgewaltige und facettenreiche Liebeserklärung an das majestätische Bergmassiv inmitten des Nationalparks Berchtesgaden. Mit authentischen Texten und Interviews z.B. zur Winterüberschreitung von Ines Papert, zum schnellsten Ostwand-Durchstieg oder der schnellsten Gipfelüberschreitung genauso wie zum Almabtrieb und zum Leben rund um und auf dem Berg durchs ganze Jahr. Ein Muß für alle Bergfreunde.

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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2021

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ABENTEUER

WATZMANN

Naturwunder, Mythos, Schicksalsberg

»Groß und mächtig, schicksalsträchtig«, schrieb der österreichische Liedermacher Wolfgang Ambros in seinem Musical »Der Watzmann ruft« und beschreibt damit das gewaltige Bergmassiv im Süden des Berchtesgadener Landes in treffenden drei Worten.

Inhalt

VORWORT FRANZ RASP

EINLEITUNG

Salzbergbau und Holzhandwerk

Von Fürsten, Säumern und Schnitzern

»In die Berg’!«

Als der Tourismus nach Berchtesgaden kam

Pioniere des Watzmanns

Legenden der Berchtesgadener Berge

DER NATIONALPARK BERCHTESGADEN UND DER KÖNIGSSEE

Herzstück des Nationalparks Berchtesgaden

Unter Schutz gestellt – Watzmann und Königssee

Türkisfarbenes Juwel – der Obersee

Idyllischer Winkel hinter dem »großen Bruder«

Die Weite der Kührointalm

Wanderziel mit Blick zum Watzmanngrat

Am Sonnenbankerl auf der Schapbachalm

Schüsselkäse unterm Sternenhimmel

Im Reich des Steinadlers

Eleganter König der Lüfte

Vom einfachen Leben – auf der Saletalm

Das Glück der Bodenständigkeit

Die Steinböcke von der Wasseralm

Von Lebens- und Kletterkünstlern

FRÜHLINGSERWACHEN

Vom Eise befreit – wenn das Mankei erwacht

RUND UM DAS WATZMANN-MASSIV

Ein Berg, vier Ansichten

Wo sich eine versteinerte Königsfamilie versteckt

Steile Wildnis am Königssee

Im Osten – das Königseetal

Felsenwellen eines Karstplateaus

Im Süden – das Steinerne Meer

Ein Tal in Bewegung

Im Westen – das Wimbachtal

Sanfter Tourismus und Naturschutz

Im Norden – das Bergsteigerdorf Ramsau

SOMMERGLÜCK

Hochgebirgsspezialisten und Überlebenskünstler

BIG WALL – DIE OSTWAND

Was für eine Wand!

Felsgigant und Naturschönheit

Im Höhenflug

Portrait: Philipp Reiter, Bergläufer

Familientreffen im Fels

Portrait: Helmut und Korbinian Rieser, Bergführer

»Ein alter Bergsteiger ist ein guter Bergsteiger!«

Portrait: Thomas sen. und die Huberbuam, Berglegenden

Der König der Ostwand

Portrait: Heinz Zembsch, Rekordhalter

Nachfahre einer Watzmann-Legende

Portrait: Franz Kuchlbauer, Kederbacher-Ururenkel

HERBSTGLÜHEN

Liebesglück im Farbenrausch

DIE ÜBERSCHREITUNG

Trutzburg unter dem König

Das Watzmannhaus als Basislager

Auf Grenzgang

Königliche Überschreitung eines Giganten

Überflieger mit Bodenhaftung

Portrait: Anton Palzer, Bergläufer und Skibergsteiger

Die »Watzmann Family Traverse«

Portrait: Ines Papert und Luka Lindič, Extrembergsteiger-Paar

WINTERZAUBER

Mal glitzernd, mal unberechenbar

SAGENHAFTER WATZMANN

Von Mythen und Märchen im Berchtesgadener Land

Impressum

Seite 2/3: Blick auf das Watzmann-Massiv zwischen Bischofswiesen und Aschauerweiher.

Vorwort

Hast du dem Watzmann auch einmal gegrollt?«, fragte mich die Autorin dieses Buches Kathrin Thoma-Bregar kürzlich. Mein Vater Franz Rasp hat am Neujahrstag 1988 als Bergführer zusammen mit seinem langjährigen Gast in der Watzmann Ostwand sein Leben verloren. Dabei hat er nicht nur seine Ehefrau, sondern auch seine drei Kinder, ich war als Ältester 15 Jahre alt, zurückgelassen. Insofern ist das durchaus eine naheliegende Frage.

Für mich persönlich ist die Antwort geprägt von dem, was mir mein Vater beigebracht hat: Der Berg kann nichts dafür, darum brauche ich ihm auch nicht Grollen. Das Credo meines Vaters war: Einen Berg kannst du nicht bezwingen, du kannst nur deine persönlichen Ambitionen erreichen oder an ihnen scheitern und damit lernen. Und du brauchst Glück.

Er vermittelte mir früh, was der Satz von Paul Preuss »Das Können ist des Dürfens Maß« in den Bergen bedeutet: Für den exzellenten Alpinisten und bei passenden Verhältnissen sind Turnschuhe auf dem Watzmann durchaus erlaubt, für den Einsteiger oder bei drohendem Schlechtwetter sicherlich nicht. Wer sich in der Watzmann Ostwand perfekt auskennt, kann sie auch bei schlechten Sichtverhältnissen gefahrlos durchsteigen, wer neu in diesem Labyrinth aus Rinnen und Graten, aus Felsbändern und senkrechten Passagen ist, hat auch bei Sonnenschein eine ernsthafte alpine Aufgabe vor sich.

Mein Vater hat den Watzmann und seine Ostwand geliebt und stets respektiert, auch wenn er ihn gern als »auch nur ein Steinhaufen« bezeichnete.

Als ikonisches Felsmassiv ist der Watzmann derzeit unbestritten Mythos, alpinistische Herausforderung, Sehnsuchtsort und Identifikationssymbol zugleich. Seiner Faszination kann man sich schwerlich entziehen.

Der Watzmann muss aber auch Herhalten als Werbeabbildung auf Käsepackungen und als Bild Bayerns in der Welt. Zweifellos gehört er für viele Alpinisten zu den Bergen, die man bestiegen haben »muss«. An einem schönen Sommertag wird man deshalb schwerlich allein auf dem Gipfel stehen, egal wie früh man aufsteht. Gemeinsam müssen wir aufpassen, dass diese Beliebtheit nicht dazu führt, die Ernsthaftigkeit einer Watzmannbesteigung oder gar Überschreitung aller drei Gipfel zu unterschätzen.

Am Watzmann sehen wir heute bei vielen Bergsteigern nahezu täglich, wie weit der persönliche Anspruch auf das Erreichen des Gipfels oft von der Realität der eigenen Fähigkeiten entfernt ist.

Für mich persönlich ist es immer wieder ein grandioses Erlebnis, die Watzmann Ostwand zu durchsteigen, oder wie der Einheimische voller Understatement sagt: sie zu »gehen«. Dennoch bin ich immer wieder froh, wenn ich keinen Unfall vor allem wegen der allgegenwärtigen Steinschlaggefahr hatte und wieder alle wohlbehalten ins Tal zurückgekehrt sind.

Der Watzmann gibt viel: in Form von Erlebnissen, die über den Tag hinaus nachwirken. Der Watzmann kann aber auch vieles nehmen: Illusionen, Träume und die eigenen Ambitionen. Manchem nimmt der Berg auch alles in Form des eigenen Lebens.

Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen eine Tour auf den Watzmann unternehmen, vielleicht auch nicht, auf jeden Fall aber freue ich mich auch wenn ich ihn einfach aus dem Tal anschauen kann. Im Angesicht des Watzmanns leben und arbeiten zu dürfen, empfinde ich als Privileg, das in mir tiefe Dankbarkeit auslöst. Für alle, die hier ihre Heimat haben bedeutet das auch die Verantwortung, unseren Kindern diese Heimat unversehrt zu hinterlassen.

Damit auch sie später ihre eigenen Geschichten erzählen können.

Frank Rasp

Der Watzmann, eine zu Stein gewordene grausame Königsfamilie, so die Sage. Auf Bergsteiger übt der formschöne Gebirgszug, hier vom Grünstein aus gesehen, seit jeher eine große Anziehungskraft aus.

Der Watzmann ist in den Wolken verdeckt, nur der Gipfel der Watzmannfrau ist in diesem Blick vom Jenner-Gipfel aus zu sehen.

Das Eisbachtal zieht sich vom Fuß der gewaltigen Watzmann-Ostwand (Bildmitte) bis zur Halbinsel St. Bartholomä im Königssee.

Vom Gipfel des Großen Hundstods im Steinernen Meer schweift der Blick hinüber zur Südseite des Watzmanns und ins Wimbachtal (links im Bild).

Winterzauber am Aussichtspunkt Malerwinkel: Erst nach vielen eisigen Tagen bildet sich zaghaft eine dünne Eisdecke über dem Königssee, der nur selten ganz zufriert.

EINLEITUNG

Blick vom Hocheck auf die Mittelspitze. Der Watzmanngrat ist lang, ausgesetzt und anspruchsvoll. Hinten links im Bild erhebt sich die markante Pyramide der Schönfeldspitze im Steinernen Meer.

Schon aus der Ferne beeindruckt die unverwechselbare Silhouette des Watzmanns.

Salzbergbau und Holzhandwerk

Von Fürsten, Säumern und Schnitzern

Der Watzmann thront über Berchtesgaden, weithin sichtbar prägt er das Bild des Ortes im südöstlichen Zipfel Deutschlands. Ein rauer, hochalpiner, schwer zugänglicher Ort. Erst im 12. Jahrhundert, mit Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts, gelang es, das unwegsame Gelände rund um Watzmann und Königssee zu besiedeln.

Bis zur Säkularisierung 1803 war Berchtesgaden eine Fürstpropstei. Es gehörte weder zu Bayern noch zu Salzburg – sehr zum Leidwesen des mächtigen Nachbarn, der stets ein gieriges Auge auf die reichen Salzvorkommen hatte. Zumal die Region Berchtesgaden in drei Himmelsrichtungen an das Salzburger Land grenzt.

Bis zum 16. Jahrhundert geriet es immer wieder in Konflikt mit dem Hochstift Salzburg. In dieser Zeit entstanden Wehranlagen, sie sollten das Chorherrenstift vor dem Zugriff der Salzburger Fürstbischöfe schützen. Gleichzeitig wurde der Rückhalt der Bayern stärker, bis schließlich wittelsbachische Prinzen als Fürstpröpste in Berchtesgaden regierten. Allerdings hielten sie sich nur gelegentlich und dann vor allem zur Jagd im Berchtesgadener Land auf. 1802 ging die Fürstpropstei dann doch an das Fürstentum Salzburg, 1805 kam das Berchtesgadener Land zum Kaisertum Österreich, und seit 1810 gehört es endgültig zu Bayern.

Wie viele andere Stifte und Klöster dienten die Konventgebäude in Berchtesgaden zunächst als Kaserne. 1818 gelangte der Komplex in den Besitz des Hauses Wittelsbach, dem es bis heute gehört. Die Propstei wurde fortan Sommerresidenz der bayerischen Königsfamilie. Seit 1988 sind Teile des Schlosses und die Stiftspfarrkirche St. Andreas als Museum zugänglich.

Unwirklich und unwegsam: Felswände, dunkle Wälder, umherziehende Nebelschwaden.

DAS »WEISSE GOLD«

Durch die Salzgewinnung ging es den Bergwäldern rund um Berchtesgaden im Mittelalter an den Kragen, denn für das Sieden des Salzes wurden Unmengen Brennholz benötigt, um die Sudpfannen einzuheizen. Die schweren Baumstämme beförderte man über den Wasserweg aus dem unwegsamen Gelände. Holztrift nennt man das. Für die Knechte war es eine beschwerliche und sehr gefährliche Arbeit. Immer wieder verkeilten sich Bäume, insbesondere an den engen Stellen. »Fuchs« hieß so ein zusammengeschobener Holzhaufen, der von den Knechten entwirrt werden musste. Oft standen die Männer dabei bis zum Bauch im eisigen Wasser oder gerieten gar unter die Stämme. So manch einer verlor bei dieser Arbeit sein Leben.

Bunte Herbstwälder, goldenes Licht und erster Schnee am Watzmannmassiv.

Auch am Königssee zu Füßen des Watzmanns wurde Holz getriftet, sogar gut 370 Jahre lang bis ins Jahr 1970. Die intensive Holzrodung hatte Auswirkungen auf die Struktur der Wälder, die bis heute sichtbar sind. Denn Kahlschlagflächen wurden damals mit Nadelbäumen wie Fichte und Lärche aufgeforstet, da diese schnell wachsen und sich leichter triften lassen. Tanne, Buche und andere Laubbaumarten gingen zurück, auch lange nachdem kein Sudholz mehr benötigt wurde. Naturnahe Mischwälder sind deshalb eines der wichtigen Ziele des 1978 gegründeten Nationalparks Berchtesgaden.

Das Salz, das so wertvoll war, dass man es mit Gold aufwog, wurde von Berchtesgaden übers Gebirge gebracht, von einfachen Händlern, den Salzsäumern. Meist gab es keine breiten Wege, geschweige denn Straßen, und so musste die wertvolle Fracht mühevoll auf Packtiere gebunden und über Berg und Tal getragen werden. Später setzte man auch kleine Fuhrwerke ein. Ein wichtiger Handelsweg führte über den Hirschbichlpass in Ramsau und weiter in den österreichischen Pinzgau und nach Italien. Was nicht ungefährlich war: Muren und Steinschlag machten die Strecke im Sommer zum Abenteuer, und im Winter waren es die Lawinen, die Mensch und Tier bedrohten.

Wenn das Salz auch die ehemalige Fürstpropstei Berchtesgaden unabhängig und sogar reich machte, die bäuerliche Bevölkerung im Berchtesgadener Talkessel blieb arm. Die steilen Berghänge waren mühevoll zu bewirtschaften. Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben. Die Flächen im Tal reichten für die Viehhaltung nicht aus, deswegen trieb man die Tiere im Sommer auf die Almen. Die Bergbauernhöfe waren Lehen, Land und Äcker gehörten meist der Kirche. Im Berchtesgadener Tal liehen sich die Bauern Grund von den Stifts- und Fürstpröpsten. Im Gegenzug verpflichteten sie sich zu Dienst und Gehorsam – und gaben einen Großteil ihrer Ernte ab. Während die Lehen im Lauf der Zeit von den Bauern als Eigentum erworben wurden, sind die Almflächen bis heute staatliches Eigentum.

DIE BERCHTESGADENER WAR

Vor allem im Winter, der arbeits- und brotlosen Zeit, waren die Bauern auf zusätzlichen Erwerb angewiesen. Das reichlich vorhandene Holz bot sich als billiges Arbeitsmaterial an, und die Berchtesgadener stießen eher zufällig auf eine Marktlücke: Aus der Gelegenheitsproduktion der »Berchtesgadener War« wurde ein florierendes Gewerbe mit mehreren Handwerkszweigen. Die Bauern fertigten bunt bemalte Spanschachteln, Grobschnitzereien, Flöten, Heiligen- und Krippenfiguren, Löffel, Geschirr und Truhen und einfaches hölzernes Spielzeug. Diese Figuren zieren bis heute jeden typischen Berchtesgadener Christbaum. Am bekanntesten ist das »Arschpfeifenrösserl«, ein Reiter auf einem Pferd, bei dem der Schweif eine Pfeife ist.

Die Herstellung der Berchtesgadener War war streng in Zünften geregelt. Das Recht wurde vom Vater auf den Sohn übertragen oder auf einen Gesellen oder durch Heirat einer Meisterwitwe oder Meistertochter. 1695 zählte allein die Zunft der Schachtelmacher 150 Meister, 62 Gesellen und 17 Lehrlinge. Bald jeder vierte Einwohner der Fürstpropstei übte irgendein Holzhandwerk aus.

Aussichtspunkt Jennergipfel: ein beeindruckender Blick auf den Watzmann, den Königssee und St. Bartholomä.

Seit jeher bewirtschaften Bergbauern den Berchtesgadener Talkessel.

»In die Berg’!«

Als der Tourismus nach Berchtesgaden kam

»König Watzmann« wird er genannt, wegen der Sage. Aber es waren tatsächlich Könige, die sich an des Berges Fuß tummelten und den Tourismus nach Berchtesgaden brachten.

Im bayerischen Königshaus liebte man Berchtesgaden, gab sich in der Sommerresidenz und bei diversen Hofjagden ein munteres Stelldichein. Allen voran König Ludwig I. hielt sich gern im Jagdrevier am Königssee auf. Auch sein Sohn, König Max II., fühlte sich in Berchtesgaden pudelwohl. Mit ihm kamen Künstler, Industrielle, Schriftsteller wie Ludwig Ganghofer und Gelehrte wie Sigmund Freud.

Bayerns Märchenkönig Ludwig II. begleitete seinen Vater häufig, und seine Mutter, Königin Marie, erklomm 1854 gar das Watzmann-Hocheck. Sie war eine leidenschaftliche Bergsteigerin. Ludwig II., der nicht nur für sein Leben gern Schlösser baute, lagen auch Kulturdenkmäler am Herzen. Als der nach der Säkularisierung stark in Mitleidenschaft gezogenen Kapelle in St. Bartholomä am Königssee der Abbruch drohte, stellte er Mittel für die notwendigen Reparaturen zur Verfügung. Ihm ist der Erhalt der Wallfahrtskirche zu verdanken.

Mit der Anbindung an das Eisenbahnnetz 1888 entwickelte sich der Tourismus in Berchtesgaden und in den umliegenden Gemeinden neben dem Salzabbau und dem Holzhandwerk immer mehr zum wichtigen Standbein. Es wurde der erste örtliche Verschönerungsverein – ein Vorgänger der Fremdenverkehrsvereine – ins Leben gerufen, die Alpenvereinssektion Berchtesgaden gegründet und die Bergwelt mit befestigten Wegen für den Alpinismus erschlossen. Alpenreisen waren schwer in Mode, jeder wollte ins Gebirge.

Pioniere des Watzmanns

Legenden der Berchtesgadener Berge

Sitz der Götter oder Fluch? Lange Zeit war den Menschen die Bergwelt nicht geheuer, auch der Watzmann nicht.

Fremd, feindlich, voller Gefahren, so stellte man sich bis weit ins 18. Jahrhundert die Bergwelt vor. Antike Religionen vermuteten hoch oben auf den Gipfeln den Sitz ihrer Götter.

Das Christentum übertrug die Motive von Schuld und Bestrafung auf die Berge, und so wurden ganze Almen von Gletschern deswegen begraben, weil die Sennerinnen Lebensmittel verschwendet hatten. Oder grausame Könige wie der Watzmann samt Familie versteinert. Erst Aufklärung und Romantik brachten ein neues Naturverständnis. Jetzt zog es die Menschen regelrecht ins Gebirge. Zunächst vor allem für wissenschaftliche Messungen und naturwissenschaftliche Beobachtungen. Um 1850 herum folgte dann die Generation, die das Bergsteigen um seiner selbst willen betrieben.

SPONTANE ERSTBESTEIGUNG

Auch den Erstbesteiger des Watzmanns trieb es für Studien in die Höhe. Valentin Stanič, Theologe, Philosoph und Kaplan am Salzburger Stift Nonnberg, lernte während seines Salzburg-Aufenthalts die Berge lieben. Gern bot er sich als physikalischer Gehilfe für Lagebestimmungen von Gipfeln oder für barometrische Höhenmessungen an. Wenige Tage nachdem Stanič 1800 auf dem Großglockner gestanden hatte, soll er als Erster den höchsten Punkt des Watzmanns, die Mittelspitze, erklettert haben. Der Slowene war mit einer Gruppe auf dem Hocheck, zu dieser Zeit ein bekannter Wallfahrtsort. Ein Marienbild mit Opferstock stand neben dem Kreuz. Spontan setzte Stanič, mit seinen Messinstrumenten beladen, den gefährlichen Weg fort, kraxelte hinunter und hinauf und über steile ausgesetzte Felsstufen hinüber zu Mittelspitze. Eine Gedenktafel an der Südseite des Watzmannhauses würdigt die Erstbesteigung Staničs.

Winzig klein in einem Meer aus Fels und Stein: das Watzmannhaus.

Während in den Schweizer und den französischen Alpen der Leistungsalpinismus zu dieser Zeit immer populärer wurde, blieb es im Berchtesgadener Land die