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Die größte Sehenswürdigkeit die es gibt ist die Welt. Wir, Helga und Friedel, haben sie uns angesehen. Mit dem Kreuzfahrtschiff erlebten wir in vier Monaten eine Weltumrundung, die über fünf Kontinente und 23 Länder verlief. Eine einzigartige Reise führte uns von Europa über das überwältigende Südamerika, durch die exotische und geheimnisvolle Südsee, Australien, Ozeanien und das faszinierende Asien. Wir haben wundervolle Menschen getroffen, aufregende Abenteuer erlebt und atemberaubende Landschaften gesehen. Wir haben unseren Traum wahr werden lassen. Eine Reisegeschichte zum Träumen und Inspirieren ...
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Seitenzahl: 288
Veröffentlichungsjahr: 2020
SO VIEL IST SICHER:
REISEN
TUT IMMER GUT
(Voltaire)
Unvergessliche Abenteuer. Neue Kulturen und Menschen. Atemberaubende Glücksmomente. Ein Koffer voller Erinnerungen ...
5. Januar bis 27. April 2019: 113 Tage
Venedig - Bari - Rom - Marseille - Barcelona - Casablanca - Teneriffa - Recife - Rio de Janeiro - Buenos Aires - Montevideo - Puerto Madryn - Ushuaia/Patagonien - Kap Horn - Puerto Williams - Punta Arenas - Puerto Chacabuco - Puerto Montt - Santiago de Chile - Osterinsel - Pitcairn - Moorea - Papeete - Rarotonga - Tauranga - Auckland - Melbourne - Brisbane - Yorkeys Knob - Slawi Bay - Bali - Singapur - Port Klang - Penang - Phuket - Colombo - Cochin - Goa - Mumbai - Dubai - Muskat - Aqaba - Suez Kanal - Athen - Katakolon - Venedig
Vorwort
Das Abenteuer beginnt ...
3. Januar 2019 Wiesbaden — Venedig
5. Januar Venedig
6. Januar — Bari
7. Januar — Seetag
8. Januar — Rom
9. Januar — Seetag
10. Januar — Marseille
11. Januar — Barcelona
12. Januar — Seetag
13. Januar — Casablanca
14. Januar — Seetag
15. Januar — Teneriffa, Santa Cruz
16. – 20. Januar – Transatlantik – Überque
21. Januar — Recife
22. - 23. Januar — Seetage
24. + 25. Januar — Rio de Janeiro
26. + 27. Januar — Seetage
28. Januar — Buenos Aires
29. Januar — Montevideo
30. Januar — Seetag
31. Januar — Puerto Madryn
1. - 2. Februar — Seetage
3. Februar — Ushuaia
4. Februar — Ushuaia
5. Februar — Beagle Kanal
6. Februar — Punta Arenas
7. und 8. Februar — Seetage
9. Februar — Puerto Chacabuco
10. Februar — Puerto Montt
11. Februar — Seetag
12. Februar — Valparaíso (San Antonio Hafen)
13. - 16. Februar — 4 Seetage
17. und 18. Februar — Osterinsel (Rapa Nui)
19. - 23. Februar — Seetage
21. Februar — Pitcairn
24. Februar — Moorea
25. Februar — Papeete / Tahiti
26. Februar — Seetag
27. Februar — Rarotonga
1., 2. und 3. März — Seetage
4. März — Tauranga
5. März — Auckland
6. – 8. März — Seetage
9. März — Melbourne
10. und 11. März — Seetage
12. März — Brisbane
13. und 14. März — Seetage
15. März — Yorkeys Knob, Cairns
16. – 19. März — Seetage
20. März — Komodo
21. und 22. März — Bali
23. und 24. März — Seetage
25. – 27. März — Singapur
28. März — Port Kelang (Kuala Lumpur)
29. März — Penang
30. März — Phuket
1. und 2. April — Seetage
3. April — Colombo, Sri Lanka
4. April — Cochin, Indien
6. April — Goa / Marmugao
7. April.— Mumbai
8. April — Mumbai
9. und 10. April — Seetage
11. + 12. April — Dubai
13. April — Oman / Muskat
15. – 19. April — Seetage
20. April — Aqaba
21. April /Ostersonntag — Seetag
22. April — Suez Kanal
23. April — Seetag
24. April — Piräus / Athen
25. April — Katakolon
26. April — Seetag
27. April — Venedig
Der Traum einer Weltreise wird wahr ...
Es ist Januar 2018 – draußen klirrende Kälte, sogar ein wenig Schnee liegt hier bei uns im Rheingau – und wir sitzen gemütlich vor unserem Kamin, stöbern in den Fotoalben und Reiseberichten unserer ersten Weltreise.
Die Erinnerungen erzeugen Wehmut und Sehnsucht, dieses gigantische Abenteuer noch einmal zu erleben. Das wäre phantastisch ...
Ab Savona durch das Mittelmeer, Transatlantik, Karibik, Panama-Kanal, die Westküste der USA hoch und weiter über Hawaii, die Südsee, Neuseeland, Australien, Singapur, Malaysia, Indien, Arabien und durch den Suez-Kanal zurück nach Italien. Dies war 2015 grob unsere Route.
Auf einem Kreuzfahrtschiff um die Welt zu reisen, ist unglaublich spannend, komfortabel und erlebenswert.
Einerseits ist es ein großes Abenteuer, andererseits haben wir uns immer gut behütet und sicher aufgehoben gefühlt.
Der Entschluss ist darum schnell gefasst. Wir wollen es noch einmal wagen.
Da die Weltreisen zeitig ausgebucht sind, sollten wir uns für 2020 sputen. Wir entscheiden uns für eine ähnliche Route. Allerdings statt Karibik und USA soll es dieses Mal um Südamerika herumgehen.
Mein Mann Friedel und ich kontakten das Costa Büro in Hamburg, und drei Tage später ist alles „in trockenen Tüchern“.
Das Glück ist auf unserer Seite.
Costa hat heute für 2019 die Route geändert und eine von uns favorisierte Balkonkabine am Heck ist auch noch zu haben. Okay – let‘s go ...
Ehrlich gesagt, ratzfatz verlief das alles und muss erst mal realisiert werden. Aber die Vorfreude setzt relativ schnell ein und die Vorbereitungen können beginnen.
Inzwischen ist es Sommer und wir haben uns mit Karneval in Rio und Tango in Argentinien, Patagonien und Feuerland, den Pinguinen und Walen, Chilenischen Fjorden und Osterinsel, Südseeträumen und dem Great Barrier Reef in Australien auseinandergesetzt.
Ein paar wenige Landausflüge sind schon gebucht, wobei wir doch oft und gerne in Eigenregie unterwegs sind. Aus der ersten Weltumrundung haben wir gelernt, nicht den Ehrgeiz zu entwickeln, alles sehen zu wollen. Das stresst nur unnötig – also wird jetzt ein neuer „perfekter Plan“ erstellt!
Die Visa-Anträge für Australien und Indien haben Zeit bis November und alle erforderlichen Impfungen sind noch gültig. Die Grippeimpfung werden wir dieses Jahr aber gewiss wahrnehmen.
Was die Kleidung betrifft, bin ich ebenfalls deutlich relaxter. Wir reisen mit dem Auto nach Venedig (der Wagen bleibt so lange dort in einer Parkgarage am Hafen), da kommt es auf ein paar Kilo Gepäck mehr oder weniger nicht an. Die Kabinen sind glücklicherweise obendrein recht geräumig, so dass man großzügig eine Menge Zeug mitnehmen kann. Ein regelmäßiger Wäscheservice wird auf dem Schiff außerdem angeboten und der Kleinkram wird an den Seetagen per Hand mal durchs Waschbecken gezogen. In Indien habe ich die Frauen beobachtet, wie sie Kochtöpfe, Kinder und Wäsche nacheinander im Fluss gewaschen haben – insofern werden wir mal nicht so pingelig sein.
Es empfiehlt sich, einige Medikamente als kleine Grundausstattung dabei zu haben. Schmerztabletten, Husten- und Erkältungsmittel, Kohletabletten, Antimückenspray und Desinfektionsmittel für unterwegs. Das wäre es.
Unsere letzte Bord–Apotheke hätten wir quasi dem Ärzteteam zur Verfügung stellen können, um dann möglicherweise das halbe Schiff mit Medikamenten zu versorgen. Nur – die Zipperlein an denen wir hier und da mal erkrankten, na dafür hatten wir natürlich nichts dabei.
Grundsätzlich macht man sich zu viele überflüssige Gedanken, was man alles mitnehmen könnte.
Alle Lieblingsteile der Sommerkleidung gehören ins Gepäck – die schicken Fehlkäufe werden ihren Einsatz an Bord garantiert auch nicht erleben. Beach- und Sportsachen, Gala zum Kombinieren, Pulli und dicke Jacke, wenn wir die Eisberge umschiffen. Kosmetikartikel in passender Menge, um z.B. in der Südsee die Strände und nicht die Supermärkte erkunden zu müssen. Tja – und das war es so in etwa.
Wir haben bei der Buchung sofort eine Komplett-Versicherung bei Costa abgeschlossen, und damit ist alles Wichtige abgedeckt.
113 Tage wird die Costa Luminosa, die „weiße Lady“, dann wieder unsere Heimat werden. Bis dahin genießen wir die Vorfreude und den herrlichen Sommer hier bei uns.
Es ist inzwischen Dezember und wir erfreuen uns auch an dieser wundervollen Jahreszeit. Unser Zuhause ist liebevoll dekoriert und bei unzähligen Lichtlein und Kerzen, dem Duft von frischem Gebäck und leckerem Glühwein, steigert sich das Weihnachtsgefühl – und die Vorfreude auf unsere große Reise.
Ich verschlinge sämtliche Reiseberichte und Informationen, die sich mir anbieten. Nicht direkt zur Freude meines charmanten Gatten: Der meint, ich soll mir doch einfach alles auf der Welt mit meinen eigenen Augen anschauen.
„DIE SCHÖNSTEN MOMENTE EINER REISE SIND DIE, DIE DU NICHT GEPLANT HAST“
(-Unbekannt-)
Na gut, ich reduziere meine Internet-Recherchen auf die notwendigsten Informationen, z.B. wann finden die Wagenrennen im Kolosseum statt, in welchen Häfen dürfen wir von Bord aus Sprotten angeln und wann haben wir die Möglichkeit mit dem Kapitän am Heck des Schiffes Wasserski zu laufen.
Visa für Australien haben wir per Mail ganz locker über EasyETA erhalten und für Indien durften wir wieder in den Genuss der „Gelassenheitslektion“ kommen.
In der indischen Agentur in Frankfurt bekommt man dazu das erste Feeling für „Incredible India“. Puh – aber geschafft!
Auch die Grippeimpfung mit dicken, verdellten Armen ist überstanden und somit können wir uns fröhlich auf die Abreise einstimmen.
Ein paar Jingle Bells und danach irgendwann die Kanonenschläge, um die „bösen Geister“ zu vertreiben - und dann ist es soweit.
So, wir haben den 3. Januar 2019. Die Koffer sind gepackt, unser Muggel ist rappelvoll und die faszinierende Reise kann losgehen.
Wir starten morgens um 8 Uhr – mit einer Rose und Glückskarte an der Windschutzscheibe. Unsere lieben Nachbarn haben uns das mit auf den Weg gegeben. So zauberhaft.
Die Autobahn ist wie leer gefegt und die Sonne begleitet uns bis zu unserem ersten Stopp in Matrei am Brenner.
Hier übernachten wir in einem alten Gasthof, der offensichtlich in hohem Maße der Jagd gewidmet ist. Überall finden sich Geweihe: Als Kerzenhalter, Stuhllehnen, Korbständer und, den Erwartungen entsprechend, in unendlichen Wanddekorationen.
Auf der Speisekarte entdecken wir dann den Rest, der zu den Hörnern gehörte.
Oh je, mein Friedel schnauft mal tief durch und entscheidet sich, heute vegetarisch zu essen. Auch gut, ich nehm‘s locker – und für mich: „Das Dreierlei bitte“.
Ab heute kann das Visum für Sri Lanka online beantragt werden und wir gehen es mit Eifer an.
Im eiskalten Jägerstübchen (die Heizung ist ausgefallen) versuchen wir über beide iPads das recht unkomplizierte Formular auszufüllen – nur, weder „sanftes“ noch „bistduwohlwilliges“ Touch auf dem Bildschirm lässt uns den Antrag möglichst schnell erledigen. Aber irgendwann geht es doch raus und die erteilten Visa sind fünf Minuten später bereits im Posteingang.
Hervorragend!
Am nächsten Morgen geht‘s nach dem Frühstück weiter.
In der Nacht hat es tüchtig geschneit, aber zum Glück habe ich das nicht mitbekommen. Wahrscheinlich hätte ich sonst meinen Friedel wachgerüttelt und mit ihm diskutiert, wie wir morgens über den verschneiten Brenner kommen sollen!
Aber alles problemlos, die Autobahn ist frei, und wir fahren bei schönstem Sonnenschein bis Bardolino am Gardasee.
Wir überraschen unsere Freundin Steffi und ihre Familie in deren Restaurant El Capitel und nach einer fröhlichen Prosecco-Begrüßung essen wir landestypisch zu Mittag. Den gutgemeinten Grappa zum Abschluss verkneifen wir uns tunlichst, sonst lenkt mein Friedel womöglich den Wagen als Gondel bzw. Gondoliere nach Venedig.
Um 15 Uhr kommen wir dann fröhlich in Venedig an.
Von weitem sehen wir schon ein imposantes Gebäude in einem äußerst gepflegten Park. Wow, es ist unser Hotel, die Villa Barbarich!
Wir werden überaus freundlich empfangen und sogleich zu unserem luxuriösen Zimmer geleitet. Na, wenn das kein wunderbarer Einstieg in die Weltreise ist?
Das Hotel ist wahrlich ein Traum und wir genießen den Welcome-Drink an der Bar. Allerdings ist das anschließende Abendessen umso enttäuschender.
Wir entschließen uns für das empfohlene Menü in fünf Gängen. Nach einem hervorragenden Starter folgen undefinierbare Teigwaren schwimmend in einem Brühsud, drei alte runzelige Kartoffelstückchen in Papiertüte, frittierter Billigfisch, dessen Geschmack durch das Öl aromatisiert ist. Ein braunes, suppiges Schaum-Dessert ist der krönende Abschluss.
Möglicherweise hat der Koch mal eine „Fish-and-Chips-Bude“ in Londons Underground betrieben? Wobei ich Fish and Chips in England sehr gerne mag!
Aber egal, der Wein ist ausgezeichnet und wir nehmen das alles mit Humor und Fröhlichkeit ...
6.30 Uhr, der Wecker holt uns aus unseren Träumen - und mein Friedel hat Geburtstag. HAPPY BIRTHDAY!
Heute geht es endlich aufs Schiff. Flottes Frühstück (mit kleinem Kuchen und Kerzchen für die Wünsche), 3 km Fahrt zur Garage, wo wir den Muggel während unserer Kreuzfahrt parken, und dann mit dem Shuttle zum Pier.
Leider ist hier alles anders als in Savona.
Keine „Jungs“ die sich um unser Gepäck kümmern?! Nö – wir schleppen selbst bis zum Checkin. Die acht Gepäckstücke, das wird mir jetzt erst so richtig bewusst, müssen vom Van bis zur Durchleuchtung eigens gehievt werden. Mann-o-Mann, ich bin von der Plackerei fix und fertig ...
So, jetzt bekommen wir aber unsere Boarding Card und sind mit bei den Ersten. Mit der Rolltreppe fahren wir nach oben und dann – großes Staunen!
Also mit edlem Marmorambiente und modernstem Lounge-Flair hat dieses Terminal nichts gemeinsam. Das Gebäude ist ein liebloser Zweckbau ohne Flair und Ausstrahlung. Ein paar wenige eiskalte Metallstühle, die nicht wirklich zum Sitzen einladen, bestücken die Halle.
In einer Ecke entdecke ich einen provisorischen Kaffee-Stand an dem jetzt bereits eine Schlange von Menschen steht. Na das kann ja heiter werden! Es wäre ein Akt der Nächstenliebe, diese Halle durch einen Neubau zu ersetzen.
Nach einer gewissen Zeit setzen die Leute sich ihre Wollmützen auf, verschließen die Jacken bis zum Anschlag und wer hat, wickelt sich einen dicken Schal um.
Andere wiederum haben sich, wie es aussieht, mehr auf tropische Temperaturen eingestellt und harren der Dinge in ihren dünnen Jäckchen.
Aber die Zeit geht vorbei und wir sind ja trotz längerem Warten alle frohgelaunt.
Mitarbeiter der Showtruppe kommen in prächtigen venezianischen Kostümen, um die Gäste zu begrüßen und ein wenig zu bespaßen – recht nett machen sie das. Und dann endlich: Costa öffnet die Tore und der „Run“ geht los ...
Schade, wie überall gibt es ein paar Leutchen, die meinen, dass Frechheit siegt und sie sich mit Ellbogen von letzter an erste Stelle beamen können. Auch gut, die erhalten dafür als Belohnung an Bord hoffentlich die Besenkammer.
Gemütlich spazieren wir los und nach äußerst gründlicher Sicherheitskontrolle erreichen wir das Buffet-Restaurant, zu dem uns Costa zum Mittagessen eingeladen hat.
Ein wunderbarer Platz am Fenster bietet uns ein traumhaftes Panorama auf Venedig, und bei einem Gläschen Wein genießen wir diesen einzigartigen Moment.
So, mein Friedel hütet unsere Wertsachen und ich schlender mal los, um das Speisenangebot zu betrachten.
Unmengen an Vorspeisen, Pizza und Pasta, Grillgerichte, Salate, paradiesische Fruchtdekorationen, Desserts und ich weiß nicht was sonst noch alles. Ich entscheide mich für Fisch mit ein wenig Gemüse, das sollte zu Mittag genügen.
Mit meinem recht überschaubaren Teller drehe ich mich um, und ... schaue in das Gesicht unseres Lieblingskapitäns (der diese Route leider nicht führen wird).
„COMMANDANTE ...“ – entfährt es mir mit allergrößtem Erstaunen. Er strahlt mich an, umarmt und herzt mich, Bussi, Bussi – und mir fällt vor Schreck fast der Teller aus der Hand.
Ja, so isser, und ich strahle wie ein Honigkuchenpferd. Kein bisschen arrogant, nein, ein ganz normaler und freundlicher Kapitän. Wir schwelgen ein wenig in vergangenen Reisen und Erinnerungen und plötzlich – steht unser neuer Kapitän auch noch vor mir, und ich werde ihm vorgestellt. Drei weitere Offiziere gesellen sich ebenfalls dazu.
Nun haben der Kapitän und ich einige lustige Anekdoten zum Besten zu geben, worüber unser Neu-Kapitän und seine Jungs sich mordsmäßig amüsieren.
Unser „Neuer“ gelobt, diese Reise zu toppen, worüber wir uns alle freuen. Das wird aber gewiss schwierig!
Nach diesem fröhlichen Gespräch verabschieden wir uns sehr herzlich und ich wackle wie in Trance, grinsend mit dem inzwischen erkalteten Fisch, zu meinem Mann zurück, der mich schon von Weitem argwöhnisch betrachtet.
Also so eine coole Socke bin ich dann doch nicht, die jetzt zur Tagesordnung übergeht.
Stolz und aufgeregt erzähle ich meinem Friedel von diesem unglaublichen Erlebnis. Er freut sich für mich, allerdings glaube ich, a bisserl gnietschig ist er doch, nicht dabei gewesen zu sein.
Nach dem Mittagessen ist unsere Kabine bezugsfertig und wir ziehen ein. Es wird unser Heim für die nächsten vier Monate sein.
Das Gepäck kommt heute etwas schleppend und somit absolvieren wir erstmal die Seenotübung.
Danach sind alle Koffer da und in Windeseile – dem Friedel ist ganz schwindelig davon geworden und er muss sich hinsetzen, um das Spektakel zu beobachten – verstaue ich den kompletten Hausrat in allen mir zur Verfügung stehenden Schränken und Möglichkeiten. „The Winner is: Helga!“ Ich kann mir dafür mit Sicherheit heute Abend in der „Grand Bar“ einen Preis abholen.
Unser Schiff legt ab – und mit einem Glas Prosecco verabschieden wir uns total romantisch auf unserem Balkon von dem beleuchteten Venedig.
Eine kleine Verschnaufpause, etwas aufhübschen und dann geht es zum Abendessen.
Wir haben einen fabelhaften Platz im oberen Bereich, direkt an der Balustrade und wie gewünscht einen Zweiertisch.
Neben uns sitzt ein italienisches Paar aus Mailand. Die sehen noch ein wenig verstrubbelt aus, haben sicher ihre Koffer noch nicht bekommen, und sind auch in Nullkommanix mit dem Essen fertig. Zack, weg sind sie ...
Nach dem köstlichen Diner kommen einige Waiter singend, mit einer phantastischen Geburtstagstorte für Friedel, angetanzt.
Ach wie schöööön ... und nach einer kleinen Schiffsrunde auf Deck 3 wird mit Geschenken, Lichterketten und Sekt Geburtstag in unserer Kabine gefeiert.
Erschöpft von den ersten Eindrücken schlafen wir glücklich ein und freuen uns auf unser erstes Ziel: Bari in Apulien.
Nach einer geruhsamen Nacht wachen wir früh auf und gehen ausgiebig frühstücken. Wir erhaschen einen sonnigen und ruhigen Platz mit Blick auf das Meer.
Exotische Früchte, Yoghurt, frisch zubereitete Eier, Lachs, Käse, warme Brötchen und Croissants, Marmelade für den Süßschnabel, frischen Saft und Kaffee.
Oh je ... im Geiste sehe ich die „Röllchen“ wachsen, aber solch fiese Gedanken schiebe ich schnell beiseite. Och, mögen doch diese kleinen Kalorienbiester über Nacht fleißig die Kleider umändern, dann passt es schon wieder. Anschließend drehen wir eine gemütliche Runde an Bord.
Um 13 Uhr legt die weiße Lady in Bari an.
Da wir erst vor wenigen Wochen hier waren und uns in Alberobello die berühmten Trullis angeschaut haben, beschließen wir, einen Spaziergang durch die Altstadt zu unternehmen.
Es sind vom Schiff aus nur wenige Schritte bis zur Promenade und man benötigt hier dementsprechend keinen Shuttle.
Wir kennen die Stadt bereits von vorherigen Besuchen und die Stimmung in diesen alten Gassen ist ganz zauberhaft. Die Sonne blinzelt ein wenig durch die Wolken, allerdings bläst uns der Wind fast von der Pier ins Hafenbecken.
Nach 100 Metern fragt mein Mann überaus vorsichtig, ob es nicht besser sei umzukehren und auf dem Schiff gleich Kaffee zu trinken ...?
Oh no – und mein Blick motiviert ihn sogleich wieder im Stechschritt mit mir gegen den Wind anzukämpfen.
Nach einigen Minuten ist die Altstadt erreicht, und das Gemäuer schützt ein wenig von der Zugluft.
Es ist Sonntag und die Gassen sind wie leergefegt.
Die Signoras, die üblicherweise mit Besen oder Einkaufstüten in der Hand mit ihren Nachbarn den neuesten Tratsch hier austauschen, haben vermutlich gerade ihre leckeren Orecchiette Pasta verspeist und widmen sich dem Mittagsschläfchen auf ihren alten bestickten Plüschsofas neben dem Bollerofen.
Tja ... und wir Touris laufen einsam mit ein paar herrenlosen Hunden und streunenden Katzen, durch das kalte Bari.
Ein heißer Cappuccino und dazu möglicherweise eine von diesen leckeren, cremigen und zuckersüßen süditalienischen Köstlichkeiten, wäre jetzt vorzüglich ... *mmhh* ich schmecke es schon förmlich.
Aber wir laufen kreuz und quer, treffen einige Mitfahrer und landen zum Abschluss im Gottesdienst der San Nicola-Basilika.
Diese Kathedrale wurde zwischen 1087 und 1197 errichtet, um den Leichnam des Heiligen Nikolaus aufzubewahren, den Seeleute 1087 aus Myra in Lykien entwendet hatten.
Heute unternehmen wir nur einen ganz, ganz kurzen Ausflug. Bei +2° C aber gefühlten -10° C gehts im Sauseschritt zurück aufs Schiff, und wir genießen vollkommen relaxed den Nachmittag.
Der erste Tag seit Wochen, an dem wir unbedingt mal ausschlafen müssen.
Dafür wird das Frühstück auf Deck 9 im Schnellfutter-Restaurant eingenommen. Das Angebot ist groß, jedoch scheint hier im Vergleich zu dem anderen Restaurant alles etwas hektisch zuzugehen. Es ist äußerst ungemütlich und wir sehen zu, flott wieder das Weite zu suchen.
Unser Schiff navigiert südlich um Kalabrien herum, meist in Landnähe.
Es ist schön anzuschauen. Das Meer ist spiegelglatt, die hohen Berge sind schneebedeckt, die Sonne scheint, und wir genießen die gute Seeluft auf unserem Balkon.
In diesem Gebiet gibt es sogar Telefon-Empfang und daher können wir mit unseren Lieben daheim prächtig kommunizieren. Die Schiffsposition befindet sich derzeit noch in einem erreichbaren WLAN, das wird sich in naher Zukunft aber wahrscheinlich gewaltig ändern.
Der ein oder andere Mitreisende ist uns tatsächlich noch von unserer letzten Weltreise bekannt und aus Gesprächen ergibt sich, dass überhaupt viele „Wiederholungstäter“ dabei sind. Von den uns bekannten Crewmitgliedern wurden wir bereits schon mehrfach recht herzlich begrüßt.
Am Nachmittag passieren wir den Vulkan Stromboli bei klarer Sicht und sehen ihn in seiner vollen Pracht.
Er qualmt wie ein Schornstein und die Leute spekulieren, ob das Wolken sind oder ob er momentan aktiv ist. Es amüsiert uns ein wenig, da Herr Oberschlau und Herr Schulmeister versuchen, sich gegenseitig mit ihrem unterschiedlichen Wissen zu übertreffen.
Auf der anderen Seite sind die Liparischen Inseln zum Greifen nahe — insbesondere Panarea. Panarea gehört zu den Zielen, die auf meiner Reiseliste an oberer Stelle steht. Bisher bin ich nur einige Male vorbeigeschippert und die Fährverbindungen scheinen auch nicht so ganz prickelnd zu sein. Aber vielleicht besteht ja die Möglichkeit, dass ich meinen Friedel eines Tages dazu überreden kann, mich mit einem Bötchen dahinzurudern?
Nachdem wir die Straße von Messina durchfahren sind, geht es in nördliche Richtung mit Kurs auf Civitavecchia bzw. Rom.
Das Abendessen ist wie immer köstlich. Als Vorspeise ein Lachs-Carpaccio, gefolgt von Pasta mit Meeresfrüchten und zum Hauptgang eine Goldbrasse auf zartem Gemüse mit Risotto. Als Dessert: Pannacotta und zum Abschluss: Käsevariation mit Senfmarmelade. Selbstverständlich wird immer ein ausgezeichneter Wein dazu gereicht.
Das Service-Personal ist superfreundlich und bemerkenswert aufmerksam. Uns wurde „Ailyn“ zugeteilt und „Jonrey“ ihr Assistent.
Wir haben uns für die erste Sitzung um 18 Uhr entschieden. Die zweite beginnt um 20.30 Uhr, das ist eher etwas für unsere südländischen Kreuzfahrer. Sie flanieren und verweilen gerne vorher zum Aperitif an der Bar und schwingen mit Vergnügen ein Tänzchen dazu.
Wir bevorzugen es eher umgekehrt. Dementsprechend geht es jetzt in die Piano-Bar. Hier spielt „Paci“ ein Alleinunterhalter – vom Feinsten!
Eine Stimme, die jedem unter die Haut geht, und eine Musikauswahl, die besser hätte nicht sein können. Ein bekannter Hit folgt dem anderen und die Leute sind völlig aus dem Häuschen. Alle swingen, singen und klatschen mit – die kleine Bar füllt sich immer mehr und die Stimmung ist phantastisch.
Zum Abschluss drehen wir eine Runde durch das Casino, vorbei an der Grand Bar, fix durch die Fotomeile und zuletzt werfen wir noch eben einen kurzen Blick in die Boutique, um die Neuware zu begutachten. Wobei, morgen ist ja unser nächster Aufenthalt in Rom mit den allerschönsten Geschäften, und aus diesem Grund möchte ich jetzt mal nicht zu viel Pulver verschießen. Männer sind da nämlich äußerst sensibel, nicht wahr?
Am nächsten Tag wird unsere Tour mit dem schnellen Roma-Express leider nicht stattfinden, mangels Reservierungen. Schade, da die Landschaft auf dieser Bahnstrecke weitaus lieblicher anzuschauen ist als von der Autobahn. Aber gut, nehmen wir eben den Bus.
6.15 Uhr: Der Wecker läutet und wir hüpfen fröhlich aus dem Bett.
Dummerweise ist es aber bereits 7.15 Uhr und damit ist der Blutdruck gleich im oberen Bereich. Okay, ein perfektes Team bekommt das doch locker hin.
Eine Stunde später stehen wir geschniegelt und gestriegelt – und außerdem vorzüglich gefrühstückt – pünktlich zur Abfahrt bereit.
In Civitavecchia gibt es einen kostenlosen Shuttlebus in die Stadt. Uns betrifft das aber heute nicht, wir steigen direkt am Schiff in unseren Reisebus.
Giulia, eine nette Italienerin, versorgt uns unterwegs mit allen möglichen Informationen, bis der Bus das grandiose und pulsierende Rom erreicht.
Die Wetterprognose kündigt uns für heute nur Sonne an, und dies bei 12°-14° C – na bravo!
Am Kolosseum geht es dann los.
Wir nehmen ein Taxi und fahren an der Engelsburg und anderen Sehenswürdigkeiten vorbei bis zum Markt. Ab hier geht es zu Fuß weiter.
Die Händler bieten uns ihre Waren an – nur, was sollten wir mit dem Gemüse und all den köstlichen Delikatessen anschließend machen?
Am Rande des Marktplatzes reihen sich die schönsten Cafés und Restaurants aneinander, wobei eines über die Maßen heraussticht: ein mit Trödel, Kitsch und Antiquitäten eingerichteter Laden, der natürlich sofort unsere Anziehungskraft erweckt. Wir nehmen das quietschrote, abgewetzte Sofa in der ersten Reihe und bestellen bei der niedlichen Bedienung im „Boheme-Hippie-Style“ unseren Cappuccino.
Das neben uns sitzende Pärchen beginnt den Tag mit einem farbenfrohen Cocktail, zu dem kleine Snacks in einem echten Damenlackschuh serviert werden, und hinter uns kredenzen sie krosse Pizzen auf Mini-Holzpaletten — megaoriginell!
Wir schauen entspannt diesem bunten Treiben zu und würden am liebsten noch Stunden hier verbringen.
Durch die Shoppingmeile (das möchte ich jetzt besser nicht näher erläutern) geht es gemächlich Richtung des flippigen und trendigen Bohème-Viertels „Trastevere“. Dieses alte Quartier mit seinen kleinen Gässchen, zahlreichen traditionellen und innovativen Trattorien und Bars ist heute unser Ziel in Rom.
Wir schlendern hier gemächlich durch das dörfliche einstige Arbeiterviertel im alten Rom und bewundern die Kreativität der Italiener, wie sie ihre Geschäfte und Lokale herausputzen bzw. präsentieren. Sensationell!
Zum Mittagessen können wir uns kaum entscheiden, welche der reizvollen Tavernen unser Favorit zur Einkehr werden soll. Aber irgendwann überzeugt uns ein komplettes Team, doch bitte Gast in ihrer kleinen, schnuckeligen Hosteria zu sein.
Die junge Köchin betreibt erst seit kurzer Zeit dieses winzige Restaurant.
Sie bietet uns alle möglichen Gerichte an, so dass uns vom Angebot schon schwindelig wird. Der Kellner serviert Prosecco auf Kosten des Hauses und der Wein folgt subito. Oliven und Bruschetta landen auf dem winzigen Tisch und unsere Pasta ebenfalls.
Inzwischen hat das Wetter gewechselt und strömender Regen ergießt sich über die Stadt.
Wow ... und wir sitzen hier gemütlich bei alten italienischen Schlagern und trällern „O Sole Mio“ und „Cantare“.
Nach dem Essen gibt es zum Abschluss noch einen Cappuccino und – ta taa ... die Sonne ist wieder da.
Wir begeben uns langsam auf den Rückweg und genießen dabei das turbulente Treiben dieser Stadt.
Am Abend erleben wir eine unterhaltsame musikalische Show im Schiffstheater. Vier ältere Herren mit Gitarren und Akkordeon legen hier ein italienisches Spektakel aufs Parkett, so dass die Bühne förmlich qualmt.
Erstklassig und überwältigend – der ganze Saal tobt.
Gemäß Zeitplan, hätte die Luminosa gestern Abend in Civitavecchia ablegen sollen, aber wir befinden uns immer noch im Hafen? Ah, es ist jetzt 6 Uhr, unser Wecker rappelt, und das Schiff setzt sich langsam in Bewegung. Seltsam ... aber nun gut.
Für uns wird es endlich Zeit, das Gym aufzusuchen. Morgens in aller Frühe ist es hier noch angenehm leer und man kann in Ruhe die ungeliebten Polster wieder loswerden. Leider ist es noch dunkel und die Panorama-Sicht somit nachtschwarz.
Danach gibt es einen Schnellkaffee auf Deck 9, Dusche und anschließend Frühstück im Restaurant.
Es wird ein warmer und sonniger Tag. Friedel und ich liegen auf unserem Balkon, sonnen uns und es fühlt sich wie Hochsommer an.
Den Nachmittag vertreiben wir uns mit Lesen und Schreiben und dabei schaukelt es so behaglich.
Ach ist das herrlich, auf diesen schwingenden Wellen dem Meer zu lauschen und die angenehme Brise zu spüren. Mein Mann bringt mir dazu einen Kaffee und eine leckere Süßigkeit – das Leben ist schön.
Inzwischen bin ich ganz in meine Schreiberei vertieft, da ruckt es plötzlich durch das Schiff, als hätten die Jungs da oben auf der Brücke einen Eisberg übersehen.
Heftig erschrocken hüpfe ich hoch, schaue aus dem Fenster und traue meinen Augen nicht. „Waaas bitteschön ist das denn?“ Meterhohe dunkle Wellen, die weiße Gischt wird immer tosender und der Ozean weiter und endloser.
Ich kann mich kaum auf den Beinen halten, Grüne Neune – na das kann ja heiter werden, mach‘s gut. Mir ist von jetzt auf gleich ziemlich flau im Magen und die übelsten Szenarien entwickeln da oben ein Kopfkino.
Was ist, wenn das Schiff jetzt einfach so umfällt, oder eine bedeutend größere Welle über uns schwappt? Mir wird in diesem Moment bewusst, wie es möglicherweise erst recht um Kap Horn werden könnte. Oh nein, alles wird gut!
Mein Friedel möchte jetzt gerne zu Abend essen und ehrlich gesagt, ich fasse es nicht! Da wackelt doch bei diesem Sturm kein Mensch hin, oder?
Okay, um mich abzulenken, ziehe ich mir bequeme Laufschuhe an und folge ihm.
Es ist nicht zu glauben, aber das Restaurant ist rappelvoll. Da sitzen sie alle aufgebrezelt –unser Tischnachbar wie immer stilvoll mit adrett gebügeltem Hemd, Brokatweste und Fliege und dazu weiße rahmengenähte Budapester – und alle tun so, als wenn nix wäre. Na denn, ich setze mich und mach genauso auf obercool.
Das Essen hat mich überraschenderweise wieder hergestellt und die See hat sich zum Glück ein wenig beruhigt.
Wir haben inzwischen Korsika umschifft und der Himmel ist sternenklar, was ja für einen sonnigen nächsten Tag spricht.
Pünktlich um 7 Uhr laufen wir im Hafen ein.
In Rom hatten sie offenbar ein technisches Problem und haben es in der Nacht umgehend repariert. Unser Käpt‘n hat dann in der Tat acht Stunden Gegenwind aufgeholt. Na der kann sich doch glatt zur „Ozean-Rallye“ anmelden.
Nach der üblichen Morgenprozedur ziehen wir uns am Totem ein Ticket für den Bus Shuttle, der uns in den alten Hafen von Marseille bringt.
Die Fahrt dauert etwa 20 Minuten bei strahlend blauem Himmel und herrlichem Sonnenschein.
Wir bummeln ein wenig die Hafenpromenade entlang, biegen dann aber recht bald ab in das pittoreske alte Stadtviertel „Le Panier“. Der Spaziergang führt uns durch kleine enge und steile kopfsteingepflasterte Gassen hoch und runter.
Vor den Häusern stehen überall Pflanzkübel, überwiegend mit Graffiti bemalte alte Metallfässer, und genauso bunt sind auch die meisten Hauswände.
Originelle Kunstobjekte schmücken die Auslagen der Geschäfte und selbstverständlich gibt es in jeder Straße einen Original-Laden mit „Savon de Marseille“.
Ich glaube, bei unserem letzten Besuch habe ich hier tüchtig auf Vorrat eingekauft und deshalb gehe ich jetzt mal entspannt an den Läden vorbei. Mit Sicherheit sammle ich dadurch Bonuspunkte bei meinem Mann! Morgen sind wir schließlich in Barcelona!
Dreihundert reisefreudige Franzosen sind heute auf dem Schiff zugestiegen. Somit scheinen die Weltreisenden jetzt vollzählig mit ca. 1.800 Passagieren an Bord (plus 1.000 Crewmitglieder) zu sein, um einmal quer über den Globus zu gondeln.
Bevor wir zu Bett gehen, wird noch der „Diario di Bordo“ studiert, unser tägliches Infoblättchen.
Leider wurden hier die wichtigsten und aktuellen Nautik-Informationen von der Brücke auf irgendeine Weise vergessen. Ich werde morgen mal dem Kapitän einen freundlichen Brief schreiben und ihn darauf hinweisen, möglicherweise hat das ja noch gar niemand bemerkt?
In der Nacht lassen die uns auf dem Meer mal wieder ordentlich Achterbahn fahren – das nennt man „all-inclusive“!
Nach ein paar Stunden ist der Spuk aber zum Glück wieder vorbei und unsere weiße Lady segelt völlig anmutig weiter in Richtung Spanien, als wäre nie etwas anderes gewesen.
Um 8 Uhr ist der Liegeplatz in Barcelona erreicht. Es gibt zwei Shuttles in die Stadt – von Costa für 10 Euro pro Person, der städtische einige Meter weiter für je 4 Euro.
Es ist noch relativ früh am Morgen und die Stadt erwacht erst so langsam.
Um diese Zeit herrscht noch wenig Verkehr und die Ramblas sind recht leer und überschaubar. Wir waren schon oft hier und ursprünglich war eine Segway-Tour für heute geplant. Aber trotz Sonne ist es empfindlich kalt und somit flanieren wir gemütlich durch dieses Viertel.
Das Wachsfiguren-Museum lädt freundlich zum Besuch ein. Die erotische Marylin oben auf dem Balkon lockt die Jungs mit ihrem wehenden Nichtsdrunter-Kleid in ihr geheimnisvolles, rotes Etablissement. Na, da wird schon der ein oder andere relativ verstohlen und fix da unten im geschichtsträchtigen Hauseingang reinhuschen. Wir sind hier ja auch schließlich im ehemaligen Rotlichtviertel!
Die Cafés öffnen langsam und bieten auf bunten Tafeln ihre Speisen und Getränke an.
Ein Frühstück bestehend aus Kaffee, Sandwich und Ei kann man schon für ca. fünf Euro bekommen. Allerdings sollte man nicht den Fehler begehen, so dusselig wie wir vor einigen Jahren, nur einen gewöhnlichen Kaffee zu bestellen. Mit acht Euro je Tasse seid Ihr dabei! Tja, so steht’s sogar in der Karte – und wer lesen kann, ist klar im Vorteil.
Wir bummeln weiter durch die Seitengassen und entdecken einiges, was sonst durch die Touristenmassen gar nicht zu sehen ist. Leere Dosen sind an Hauswänden zu Kunstobjekten arrangiert, Fahrräder kreativ aus Treibholz zusammengebaut und mit Kunstblumen verziert, die dekorativ in Szene gesetzt sind, und Straßenmusikanten untermalen diese großartige und eindrucksvolle Atmosphäre.
In kleinen Parkanlagen duftet es nach Jasmin und Orangen, die Mimosen blühen in gelber Pracht und die Menschen genießen, auf alten Parkbänken sitzend, das bunte Treiben in der warmen Frühlingssonne.
Um die Mittagszeit erreichen wir den „Mercat La Boqueria“. Ein absolutes „Muss“ in Barcelona.
Beim Eintritt in die etwas dunkle Halle empfängt uns ein Feuerwerk an Farben und Gerüchen.
Gleich vorne steuern wir den bekannten Süßwarenladen an, und gönnen uns ein Tütchen mit den berühmt leckeren Geleefrüchten. Hiervon zwei und davon auch noch drei – und diese roten Himbeeren müssen auch noch dazu – tja und in Nullkommanix hat sich daraus eine ordentliche Tüte entwickelt. Nun, ich muss meinen Friedel ja schließlich bei Laune halten, wenn er beim Shoppen so brav auf dem Stuhl vor der Umkleide sitzt.
Weiter geht‘s an dekorativ aufgetürmten Früchten und Gemüse vorbei, eine farbenprächtige und kulinarische Vielfalt, wie sie nur selten so massig zu sehen ist. Ich frage mich, wie bekommen die das nur so kunstvoll ausgestaltet hin? Bei mir fiele das spätestens in der zweiten Reihe wieder alles zusammen.
Süßliches Gebäck und Brote die jedem Food-Magazin die Show stehlen würden, ganze Serra-no- und Pata Negra Schinken und jede Menge Tapas-Stände lassen jedes Gourmet-Herz höher schlagen.
Die Fischhändler sind unbedingt zu beachten. Frische Seeigel und Algen, Hummer und Langusten, Seeteufel, Doraden und andere exotische Fische, die mir überhaupt nicht bekannt sind.
Also, da könnte man doch glatt in Kaufrausch geraten und lecker drauf los kochen.
Und, es ist Austernsaison!
Na, da lasse ich mir gleich mal drei Stück zubereiten. Die dralle Fischverkäuferin öffnet sie gekonnt, überreicht mir die Muscheln mit frischen Zitronenspalten und wünscht mir mit ihrer sonoren Stimme „buen apetito“.
Köstlich!
Mein Mann guckt dagegen nur skeptisch zu und so ziehen wir flott weiter zum nächsten Stand.
Fish & Chips à la Español, Pulpo und Sardinas runden unser lukullisches Mittagsmahl ab. Nach einem aromatischen Kaffee marschieren wir gemächlich zurück.
Vorbei an anderen Kreuzfahrtschiffen, die ebenfalls hier im Hafen liegen, geht es wieder an Bord. Den Nachmittag genießen wir gemütlich auf unseren sonnigen Balkon mit herrlichem Blick auf Barcelona.
Es ist sonnig und die Route führt an der spanischen Küste entlang in Richtung Marokko. Die See ist ruhig und wir trödeln heute mal so gemütlich durch den Tag.
