Abgründe der Schönheitschirurgie - Dr. Werner Mang - E-Book

Abgründe der Schönheitschirurgie E-Book

Dr. Werner Mang

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Beschreibung

Dr. Werner Mang, Deutschlands bekanntester Schönheits-Chirurg beobachtet seit mehr als 3 Jahrzehnten, wie sich das Geschäft mit der Schönheit verändert.  Teufelslippen, J-Lo-Po-Implantate, immer neue bizarre Beauty-Trends kommen auf den Markt. 12-Jährige, die aussehen wollen, wie Influencer-Stars, Selfie-Süchtige, die ihre Nasen und Kinns verkleinern lassen, weil sie auf Fotos größer aussehen als in der Natur, Rück-Operationen nach verpfuschten Eingriffen - diese Entwicklung beobachtet Dr. Werner Mang sehr kritisch.  In seinem neuen Buch geht es nicht nur um abseitige Wünsche und schlimmen Pfusch, um den Blick hinter verschlossene OP-Türen, sondern auch um die neuen Entwicklungen von Schönheitsidealen und Schönheitswahn, um Sucht nach immer mehr, die durch die digitalen Medien angestachelt und verschärft werden. Ein aufklärendes und zugleich aufwühlendes Buch, das man gelesen haben sollte, wenn man sich selbst mit dem Gedanken an eine plastische Veränderung trägt, oder die eigenen Kinder damit kommen.

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Seitenzahl: 156

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Impressum

© eBook: 2021 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München

© Printausgabe: 2021 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München

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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, sowie Verbreitung durch Bild, Funk, Fernsehen und Internet, durch fotomechanische Wiedergabe, Tonträger und Datenverarbeitungssysteme jeder Art nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Projektleitung: Christof Klocker

Covergestaltung: independent Medien-Design, Horst Moser, München

eBook-Herstellung: Christina Bodner

ISBN 978-3-8338-7899-2

1. Auflage 2021

Bildnachweis

Coverabbildung: Susan Haßmann

Syndication: www.seasons.agency

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Danksagung

Das Buch ist meiner Familie, meinen Kindern und Enkelkindern gewidmet sowie all meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die die Bodenseeklinik in den nächsten Jahren erfolgreich weiterführen werden. Das Buch soll einen Finger in die Wunde ästhetischer Chirurgie zum Wohle aller Patienten legen, die sich überlegen, in Zukunft eine Schönheitsoperation durchführen zu lassen.

Prof. Mang – ein Leben zwischen Falten, Facelift, Fettabsaugen

Es war vor fast 40 Jahren, als mir Werner Mang das erste Mal begegnete. Als junger Reporter besuchte ich ihn, nachdem er Tatort-Star Götz George die gebrochene Nase repariert, Ingrid Steeger das Gesicht geliftet und andere Prominente behandelt hatte. Ich stand neben ihm im OP, als er TV-Star Anja Schüte die Oberlider straffte. Und ich war oft dabei, wenn er neue Methoden der Schönheitschirurgie einführte, die sich danach tatsächlich überall durchsetzten.

So wie zum Beispiel Mitte der 80er-Jahre die völlig neuen Injektionen mit Collagen. Sie ließen Falten verschwinden und revolutionierten die ästhetische Chirurgie. Ambulant und schnell, ohne Skalpell, ohne Narkose, ohne Eingriff. Werner Mang, damals noch Privatdozent und Oberarzt an der Münchner Uniklinik rechts der Isar, galt in Deutschland als Pionier dieser neuen Technik. Er wandte sie nicht nur als einer der Ersten an, sondern untersuchte ihre Wirkung auch wissenschaftlich und publizierte darüber in medizinischen Fachzeitschriften. Das verhalf der Methode zum Durchbruch.

Ich produzierte mit ihm darüber die ersten Presseartikel für Zeitungen und Illustrierte: »Schönheit aus der Spritze – ganz ohne OP«. Die Collagenspritze eroberte vor 35 Jahren die gesamte Schönheitschirurgie – und meine Berichte darüber die Medien. Inzwischen wurde Collagen von Hyaluron und Botox abgelöst. Aber Prof. Mang dominiert die Medien noch immer, wenn es um Schönheit und sein Fachgebiet geht. Seitdem beobachte ich sein Leben zwischen Falten, Facelift und Fettabsaugen.

Doch schon damals lernte ich sehr schnell: In der plastischen Chirurgie wird mit harten Bandagen gekämpft. Das wurde schon in Mangs früherer Klinik »rechts der Isar« besonders deutlich. Die Abteilung für Plastische Chirurgie der Chirurgischen Klinik konkurrierte in den 80er-Jahren lebhaft mit der von Mang neu geschaffenen Abteilung für Plastische Gesichtschirurgie der HNO-Klinik. Die Auseinandersetzung wurde dabei hauptsächlich auf Oberarztebene ausgetragen. Die Chefärzte hielten sich offiziell raus.

An ein kleines Beispiel damals erinnere ich mich noch gut: Wenn die HNO-Klinik zur Pressekonferenz über plastisch-chirurgische Themen lud, wurden die vorübergehend mit Tesafilm befestigten Hinweisschilder in den verzweigten Gängen, die in der verwinkelten großen Klinik den Weg zum Konferenzraum weisen sollten, von unbekannter Hand rasch wieder entfernt. Interessierte Journalisten sollten sich verlaufen. Ich hatte da so meine Vermutungen über die Urheber …

Das Konkurrenzdenken hält bis heute an. So hat der damalige Oberarzt der Plastischen Chirurgie auch danach noch jahrzehntelang kein gutes Haar an Prof. Mang gelassen.

Die schlimmen Gerüchte und Unterstellungen unter Schönheitschirurgen, die ich immer wieder aufschnappte, behielt ich allerdings aus gutem Grund für mich. Sonst hätte ich wahrscheinlich pausenlos als Zeuge vor Gericht erscheinen und in Verfahren wegen übler Nachrede und Verleumdung aussagen müssen. Speziell über Mang waren teilweise abenteuerliche Vorwürfe in Umlauf. Da ich ihn aber oft traf und miterlebte, wusste ich aus erster Hand, dass diese Gerüchte allesamt unzutreffend waren.

Gleichwohl ist dieses Konkurrenzdenken bedauerlich. Denn wenn es um Schönheitsoperationen geht, haben sowohl die Fachbereiche der Chirurgie als auch der HNO-Heilkunde durchaus beide ihre Daseinsberechtigung. Ich persönlich würde mir allerdings meine Nase, wenn überhaupt, bevorzugt nur von einem erfahrenen und plastisch-chirurgisch tätigen Spezialisten mit HNO-Facharzt-Ausbildung korrigieren lassen. Denn hier geht es nicht nur um die Ästhetik und ein perfektes äußeres Aussehen, sondern auch um Funktion. Kann meine operierte Nase nach dem Eingriff noch die Atemluft richtig reinigen? Kann sie noch die Nebenhöhlen belüften und vor Mittelohrentzündungen schützen? Kann ich noch richtig riechen? Gerade das Erhalten dieser vielfältigen Funktionen macht den Eingriff so anspruchsvoll. Nicht ohne Grund ist hier die berühmte »Mang-Nase« zum Markenzeichen geworden.

Im Laufe der Zeit habe ich Werner Mang öfter bei seinen Eingriffen im OP über die Schulter schauen können. Und dabei gestaunt. Denn an der Nase operiert er sozusagen blind. Die wesentlichen OP-Schritte werden im Inneren der Nase ausgeführt. Da kann der Chirurg während des Eingriffs nicht reinschauen. Das muss er im Gefühl haben.

Für dieses Gefühl braucht er eine gute Ausbildung. Die hat Prof. Mang zweifelsohne. Er war lange an beiden Münchner Unikliniken tätig. Dort genoss er nicht nur eine fundierte Ausbildung als HNO-Arzt, sondern auch für plastische Operationen. Der Grund: Sein letzter Chef, Prof. Werner Schwab (1922–2004), den ich auch noch kennenlernen durfte, erkannte den Stellenwert der plastischen Operationen im HNO- und Gesichtsbereich und gründete mit seinem Oberarzt Mang eine entsprechende Abteilung. Ordinarius Schwab entdeckte früh Mangs operatives Talent. Dieses Talent hat man oder man hat es nicht. Es ist so ähnlich wie beim Tennis. Manche schlagen mit dem Schläger nur ein paar Bälle hin und her, andere gewinnen damit Wimbledon. Mang geht mit dem Skalpell um wie ein Wimbledonsieger mit seinem Schläger.

Das operative Talent ist jedenfalls die zweite Voraussetzung, die ein guter Schönheitschirurg neben seiner Facharztausbildung braucht. Schwab hatte gesehen: Mang modelliert fast so wie Michelangelo. Kein Wunder, dass seine neu geschaffene Abteilung im Klinikum rechts der Isar in den 80ern rund 1000 plastisch-chirurgische Eingriffe pro Jahr durchführte.

Durch seine vielen Kongresse und Fortbildungsbesuche im Ausland beherrscht Professor Mang nicht nur die Königsdisziplinen Nasen, Facelifts und Augenlider, sondern alle Schönheitsoperationen auf hohem Standard. Durch seine Hospitationen vor allem in Brasilien und den USA konnte er diese Eingriffe auf höchstem Niveau perfektionieren. Das spiegelt sich wiederum in seinem weltweit anerkannten Lehrbuch der ästhetischen Chirurgie wider.

Nach der von ihm begründeten Mang-Schule wird in der Bodenseeklinik seit über 30 Jahren das ganze Spektrum der ästhetischen Chirurgie erfolgreich durchgeführt. Wobei der Fokus auf wiederherstellenden Eingriffen liegt. Eine Klinik, die sowohl rekonstruktive als auch ästhetische Chirurgie in dieser Form anbietet, gibt es weltweit kaum ein zweites Mal. Ich zumindest kenne keine.

Das alles erfuhr ich sogar aus berufener Quelle. Als Reporter für die BUNTE besuchte ich in den 90er-Jahren unter anderem den berühmten Professor Ivo Pitanguy in Rio de Janeiro und die beiden führenden Schönheitschirurgen George Brennan und Steven Hoefflin in Los Angeles, die nahezu alle Hollywoodstars behandelt haben. Alle drei Koryphäen äußerten sich ähnlich: »Oh, you are from Germany? This ist the country of Professor Mang …«

Man kennt ihn also tatsächlich weltweit. Diese internationale Bekanntheit weckte allerdings den Neid der hiesigen Kollegen und rief viele Anfeindungen und Denunziationen hervor. Doch Mang ließ sich dadurch nicht ablenken und blieb seinem Motto unbeirrbar treu: unermüdlicher Fleiß, Freude an der täglichen Arbeit, Kollegialität und stetige Weiterbildung.

Natürlich hat sein Beruf nicht nur Sonnenseiten. Auch Mang ist kein Halbgott in Weiß und hat immer wieder mal unzufriedene Patienten, die gegen ihn klagen. Sie fordern Geld zurück, obwohl nichts Gravierendes oder Gesundheitsschädliches passiert ist. Subjektive Unzufriedenheit ist kein Behandlungsfehler. Aber selbst der beste Schönheitschirurg ist nicht vor gerichtlichen Auseinandersetzungen geschützt. Damit muss man in jedem Beruf leben. Die Menschen werden immer streitsüchtiger. Unterstützt von Anwälten, die auch was verdienen möchten.

Mang blieb seiner Erfolgsformel immer treu: »Natürliche Schönheit ja, Schönheitswahn nein.«

Als bekanntester Schönheitschirurg hat es Mang naturgemäß mit vielen Prominenten zu tun. An den gelben Wänden seines Sprechzimmers hängen über 400 Fotos. Sie zeigen bekannte Schauspieler, Sänger, Moderatoren, Sportler. Von Naomi Campbell über Niki Lauda bis Siegfried & Roy. Alle lächeln sorgsam gerahmt und hinter Glas. Sind das alles seine Patienten? Da lächelt auch Mang: »Nein. Das sind alles nur private Freunde und Bekannte.«

Doch viele der Fotos tragen eine persönliche Widmung für den Professor. Manche sogar den verräterischen Zusatz: »Vielen Dank …« Und ständig kommen neue Fotos dazu. In der Welt der Schönen, Reichen und Berühmten ist Mang längst zu Hause.

In diesem Buch weist er allerdings auch auf Prominente hin, die es übertrieben haben. Auf Fotos in Zeitungen und Zeitschriften erkennt man zum Beispiel den »Poptitan« Dieter Bohlen kaum wieder. Bei »DSDS« fiel auf: Der 67-Jährige hat keine einzige Falte im Gesicht oder auf der Stirn. Auch Anne Will ist erstaunlich faltenfrei. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: Wie geht das? Botox? Alloplastische Filler? Oder haben die einfach nur gute Gene?

Dieses Buch soll ein Warnsignal für die weitere Entwicklung der Schönheitschirurgie sein. Es beklagt Fehlinformationen im Internet und die Verzerrung der Schönheitsideale durch Influencer. Es stellt Neid und Missgunst und den gegenseitigen Umgang der »Schönheitsärzte« an den Pranger. Es fordert ein neues Zulassungsverfahren zum Medizinstudium und eine bessere Ausbildung der Ärzte auf dem Gebiet der ästhetischen Chirurgie. Es zeigt als abschreckendes Beispiel Horroreingriffe bis hin zu tragischen Todesfällen, die nicht vorkommen dürften. Dieses Buch warnt vor OP-Tourismus und Eingriffen im Ausland. Es gibt darüber hinaus tiefe Einblicke in Mangs 12-Stunden-Tag zwischen Sprechstunde, OP und Klinik. Ein außergewöhnlich erfolgreicher Zeitgenosse voller Tatendrang und Lebensfreude: Eben der Michelangelo vom Bodensee.

Michael Timm ist einer der bekanntesten Medizinjournalisten im Bereich der Printpublikumsmedien. Noch während seines Medizinstudiums (1978–1984) arbeitete er als Reporter für BILD. Seit 1985 war er jeweils langjährig für BUNTE, Focus, tz München, Berliner Kurier, Berliner Zeitung und zahlreiche Illustrierte der Burda-, Bauer- und Springer-Verlage tätig. Für deren Zeitschriften schrieb er als Autor neben unzähligen Medizinreportagen viel beachtete Arzt- und Klinikserien.

Götterdämmerung

Das Buch ist keine Nestbeschmutzung, im Gegenteil. Es ist mein Weckruf zum Wohle der Patienten.

Als Pionier in der Schönheitschirurgie bin ich auf Kongressen immer wieder angeregt worden, doch ein kritisches Buch über die Missstände in der Schönheitschirurgie zu schreiben. In Zeiten von Corona, in denen sämtliche gesellschaftlichen Termine und Veranstaltungen ausfallen, kam mir das gerade recht. Bis vor etwa zehn Jahren war die ästhetische Chirurgie noch eine heile Welt. Was sich aber seitdem bei Ärzten, im Internet und auch in der Vorstellungswelt der Patienten abspielt, ist in höchstem Maß beunruhigend.

Seit bald 35 Jahren verfolge ich die Trends der Schönheitschirurgie mit großem Interesse, doch in der vergangenen Dekade mit wachsendem Entsetzen. Zunächst war es nur eine schreckliche Ahnung meinerseits, doch mittlerweile weiß ich es mit Sicherheit: Die Götterdämmerung hat begonnen. Sie haben richtig gelesen. Wir steuern auf den Abgrund zu. Ein letztes Mal bäumt sich meine Branche auf. Aber wie die Götter der nordischen Mythologie ist die Schönheitschirurgie in ihrer jetzigen Form dem Untergang geweiht. So, wie es ist, kann es nicht weitergehen – ich meine sogar, so, wie es ist, darf es nicht weitergehen! Das Fundament der international anerkannten Bodenseeklinik ist die rekonstruktive Chirurgie an Gesicht, Brust, Bauch und im Bereich der Extremitäten. Sie macht etwa zwei Drittel unserer Eingriffe aus. Das restliche Drittel ist die sogenannte Schönheitschirurgie. Aber nur für diese Operationen und Behandlungen interessieren sich die Medien brennend. Das mediale Interesse richtet sich auf Behandlungen wie Lippenaufspritzungen, Minilifting, Botoxinjektionen, Poimplantate, Fetteinspritzungen, Schamlippenstraffungen, Laserbehandlungen und vieles Weitere.

Das Gruselkabinett der Schönheitschirurgie: Wie aus der einstigen Ohrenanlegung Krakenlippen und Poimplantate wurden

Jeden Tag bin ich Zeuge der schrecklichen Entwicklungen, die unsere Gesellschaft seit einigen Jahren genommen hat. Es ist an Absurdität mittlerweile kaum mehr zu überbieten, welche Wünsche, Forderungen und Vorstellungen der Patienten mir in meiner Arbeit begegnen. Manche verlangen, dass ich ihnen Kinnimplantate einsetze, damit sie ihren Vorbildern Ryan Gosling oder Scarlett Johansson ähnlicher sehen. Andere bitten mich um ein Hinterteil wie Kim Kardashian, auf dem man ein Sektglas abstellen kann. Sixpack-Bauchplastiken, Wespentaillen durch Rippenentnahmen oder zackenförmige Krakenlippen: Es gibt nichts, wonach ich nicht schon gefragt wurde. Patientinnen und Patienten sind oft enttäuscht, wenn ich medizinisch nicht vertretbare Behandlungen ablehne, was in zehn Prozent aller Fälle vorkommt. Ja, richtig: Fast jede zehnte Patientin, die wegen eines Schönheitseingriffs nachfragt, schicke ich wieder nach Hause. Ich bin sehr dankbar, dass ich aufgrund unserer langen Warteliste in der Lage bin, auch mal »Nein« sagen zu können.

Im Gegensatz zu früher werden die Trends immer kurzlebiger und die Wünsche der Patienten stets extremer. Manche scheinen eine Schönheitsoperation gar mit einem Gang zum Friseur zu verwechseln und nicht zu bemerken, dass ihre teilweisen grotesken Vorstellungen von Ästhetik eher in eine Freakshow als in einen Operationssaal gehören.

Die fragwürdigen Begierden vieler Patienten entstehen allerdings nicht allein in ihren Köpfen. Sie werden durch die unbegrenzten Möglichkeiten des Internets hervorgebracht und mithilfe der sozialen Medien verstärkt. Nirgendwo wird so viel gefälscht und manipuliert wie im World Wide Web. Ich spreche mich dafür aus, dass Inhalte entfernt werden, die Jugendlichen schaden. Plattformen wie Instagram und Facebook sollten beschränkt werden, sodass auch Zuckerberg und Co. in die Schranken gewiesen werden. Nicht nur, dass mich Menschen aufsuchen, die extremen Trends nachjagen und sich sehenden Auges verunstalten lassen wollen. Es kommen auch Patienten, die unverantwortlich handelnden Ärzten in die Hände gefallen sind. Bei diesen offensichtlichen Körperverletzungen dürfen meine Kollegen und ich anschließend mit aller Schöpferkraft und Sorgfalt retten, was noch zu retten ist. Unzureichend ausgebildete Ärzte, die den Menschen das Blaue vom Himmel versprechen, halte ich neben der gefährlichen Vorbildfunktion berufsmäßiger »Influencer« von Instagram und Co. deswegen für die schlimmsten Verursacher des Dilemmas, in dem wir stecken.

Die Ausbildung zum plastischen Chirurgen in Deutschland lässt leider sehr zu wünschen übrig. Im schlimmsten Fall hat ein vermeintlich voll ausgebildeter Facharzt für Plastische Chirurgie noch nie selbst eine ästhetische Operation durchgeführt, wenn er seine eigene Praxis eröffnet. Trotzdem darf er dort vom ersten Tag an Schönheitseingriffe durchführen. Wollen Sie so einen »Dr. Frankenstein« an Ihr Gesicht, Ihre Augenlider oder Ihre Hüften lassen? Da ist die Verunstaltung fast schon vorprogrammiert. Nicht nur, dass diese sogenannten »Kollegen« von dem Handwerk, das ich so liebe, wenig Ahnung haben. Sie nutzen die oben genannten Medien und das ganze Spektrum der Bildbearbeitung, um Vorher-Nachher-Fotografien zu erschaffen, die keiner realen Umsetzung entsprechen. Es geht ihnen nicht um den Patienten. Nein, es geht ihnen nur um sein Bestes: Und das ist sein Geld.

Keine Frage, ich bin mit meinem Beruf sehr reich geworden. Doch es ging mir primär immer um eine gute Ausbildung und die Sicherheit der Patienten. Bis zu meinem 38. Lebensjahr habe ich als Oberarzt 7000 D-Mark pro Monat verdient und in der Uniklinik rund um die Uhr dafür gearbeitet. Mit Nichts habe ich mich 1989 selbstständig gemacht. Gründete eine kleine Klinik mit drei Angestellten. Durch eine gute Ausbildung, psychische und physische Fitness und den Glauben an sich und seine Fähigkeiten kann man in Deutschland alles erreichen. Vielen, und leider mittlerweile sehr vielen meiner Kollegen, die besorgniserregende Arbeit verrichten, möchte ich mit Ciceros Worten begegnen, in der Hoffnung, dass sie diese auch verstehen mögen: »Imago est animi vultus.« – »Das Gesicht ist ein Abbild der Seele.« In meinen Augen kommt es einem Unheil gleich, wenn »Scharlatane« an eben diese Gesichter Hand anlegen.

Das nimmt derartige Ausmaße an, dass eine Patientin als Notfall bei uns eingeliefert wurde, die deutliche Rötungen und starke Schmerzen im Bereich der Nase aufwies. Ein vermeintlicher Facharzt hatte ihr bei einem Eingriff einen Schweineknorpel eingesetzt, um den Nasenrücken aufzurichten. Dieses Fremdmaterial hatte sich entzündet und zu einer ausgeprägten Vereiterung geführt. In einem Notfalleingriff mussten wir im Naseninneren die Schleimhaut spalten, aus welcher sich der Eiter entleerte. Der Abstrich ergab, dass die vorhandenen und ursächlichen Bakterien sehr aggressiv waren. Wir entfernten das Fremdmaterial, säuberten den ganzen Nasenbereich, spülten die Wunde mit Antibiotika und legten eine Drainage. Es sollte jedoch vier Tage dauern, bis wir die Entzündung in den Griff bekamen. Gott sei Dank kam die Patientin rechtzeitig zu uns, ansonsten hätten wir Schlimmeres nicht verhindern können.

Als die Entzündung abgeklungen war, galt es, die Nase wiederherzustellen, was mit sehr hohem Aufwand und Kosten verbunden war. Daher warne ich vor übereilten Operationen. Es ist immens wichtig, dass der Operateur auf dieses Gebiet spezialisiert ist. Ein junger Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie hat bis zum Ende seiner Ausbildung in der Regel keine einzige ästhetisch-rekonstruktive Nase operiert. Dennoch darf er es und manche dieser jungen Ärztinnen und Ärzte gaukeln leider nur zu oft etwas vor, was nicht der Realität entspricht.

Mediale Prostitution: Influencer und ihr Einfluss auf die Schönheitsindustrie

Ähnlich gehen auch Influencer vor, wenn sie Bilder von sich bis zur Unkenntlichkeit verändern und so die Aufmerksamkeit naiver Follower auf sich ziehen, damit sie durch Werbung absurde Summen erwirtschaften. Je höher die Anzahl der Follower und ihrer Reaktionen auf die Posts, desto größer der Umsatz.

Auch falsche Vorbilder aus den Medien, von der Yellow Press zu Stars ernannte Nobodys, leben nicht nur vollkommen falsche, sondern sogar gesundheitsschädliche Ideale vor. Fußballerfrauen hungern sich öffentlich zugrunde. Moderatoren lassen sich das Gesicht so straff liften, dass sie wie leblose Fratzen aussehen. Instagram-Sternchen mit Plastikpo und Schlauchbootlippen werden durch das Privatfernsehen in den Adel von Prominenten erhoben und von einer Trash-TV-Sendung in die nächste weitergereicht. Indem die Medien diesen Menschen eine Bühne geben, erlauben sie, dass sich ein neues ästhetisches Normativ in unserer Gesellschaft durchsetzt.