Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Begleiten Sie die Helden bei ihrem rauen Kampf gegen Outlaws und Revolverhelden oder auf staubigen Rindertrails. G. F. Barner ist legendär wie kaum ein anderer. Seine Vita zeichnet einen imposanten Erfolgsweg, wie er nur selten beschritten wurde. Als Western-Autor wurde er eine Institution. G. F. Barner wurde als Naturtalent entdeckt und dann als Schriftsteller berühmt. Seine Leser schwärmen von Romanen wie "Torlans letzter Ritt", "Sturm über Montana" und ganz besonders "Revolver-Jane". Der Western war für ihn ein Lebenselixier, und doch besitzt er auch in anderen Genres bemerkenswerte Popularität. Joe Rosco macht sich auf die Suche nach dem heimtückischen Mörder seines Vaters, von dem er fast nichts weiß. Joe Rosco liebt seinen Vater über den Tod hinaus, er will keine Rache, er will den Namen des größten Spielers aller Zeiten, seines Vaters, sauber haben. Und darum sucht er über sieben Jahre den Mann, dessen Namen niemand kennt. Joe Rosco besteht bei seiner Suche hundert Abenteuer, jedes einzelne hätte ihm das Leben kosten können, aber er beißt sich durch. Dann stößt er in Colorado auf einen Fellhändler und Jäger Abe Adams, ein Original, von dem er etwas über den Mörder seines Vaters zu erfahren hofft. Doch auch Adams, der überall herumkommt, kennt den Mann nicht, hat ihn nie gesehen. Als drei Kartenhaie den Alten ausnehmen, setzt sich Rosco zu ihnen an den Spieltisch und überführt sie des Falschspiels. In seinem Zorn auf die drei Kerle, die ihn hereingelegt haben, prügelt sie der alte Adams aus der Stadt. Abe Adams wohnt in Laramie, dorthin ist Rosco auf seiner Suche noch nicht gekommen, und so begleitet er den Alten. Aber der Ritt bringt Rosco nichts als Ärger ein, er muss um das nackte Leben kämpfen, als sich die drei Kartenhaie an dem alten Adams und dessen Eigentum rächen. Schließlich stellen sie wenigstens einen der Kartenhaie, aber die beiden anderen entkommen, als die Prärie brennt und in Stampede geratene Rinderherden jede Spur zertrampeln. Jetzt hat er genug, der Spieler und Herumtreiber Joe Rosco, er will nicht mehr. Sieben Jahre sind genug, er will nicht noch sieben Jahre nach einem vielleicht längst gestorbenen Kartenhai suchen. Lustlos, müde – so kommt er nach Laramie. Er will keinen Streit mehr, er will seine Ruhe haben, aber der Alte bittet ihn, noch einmal zu einem übel beleumundeten Fellhändler in Laramie zu gehen. Der Mann heißt Joffrey, er ist ein Gauner, der sich den Teufel darum schert, ob er gestohlene Felle einkauft. Und dem alten Abe Adams haben jene drei Kerle Felle gestohlen. Vielleicht, denkt Adams, sind sie mit meinen guten Fellen zu dem Gauner Joffrey gegangen, vielleicht haben sie meine Fellmarkierung ausgeschabt, was? Adams kann nicht selbst hingehen, ihn kennt jedes Kind in Laramie. Darum bittet er Rosco, einen Besuch bei Joffrey zu machen.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 145
Veröffentlichungsjahr: 2022
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Joe Rosco macht sich auf die Suche nach dem heimtückischen Mörder seines Vaters, von dem er fast nichts weiß. Joe Rosco liebt seinen Vater über den Tod hinaus, er will keine Rache, er will den Namen des größten Spielers aller Zeiten, seines Vaters, sauber haben. Und darum sucht er über sieben Jahre den Mann, dessen Namen niemand kennt.
Joe Rosco besteht bei seiner Suche hundert Abenteuer, jedes einzelne hätte ihm das Leben kosten können, aber er beißt sich durch. Dann stößt er in Colorado auf einen Fellhändler und Jäger Abe Adams, ein Original, von dem er etwas über den Mörder seines Vaters zu erfahren hofft. Doch auch Adams, der überall herumkommt, kennt den Mann nicht, hat ihn nie gesehen. Als drei Kartenhaie den Alten ausnehmen, setzt sich Rosco zu ihnen an den Spieltisch und überführt sie des Falschspiels. In seinem Zorn auf die drei Kerle, die ihn hereingelegt haben, prügelt sie der alte Adams aus der Stadt.
Abe Adams wohnt in Laramie, dorthin ist Rosco auf seiner Suche noch nicht gekommen, und so begleitet er den Alten. Aber der Ritt bringt Rosco nichts als Ärger ein, er muss um das nackte Leben kämpfen, als sich die drei Kartenhaie an dem alten Adams und dessen Eigentum rächen. Schließlich stellen sie wenigstens einen der Kartenhaie, aber die beiden anderen entkommen, als die Prärie brennt und in Stampede geratene Rinderherden jede Spur zertrampeln.
Jetzt hat er genug, der Spieler und Herumtreiber Joe Rosco, er will nicht mehr. Sieben Jahre sind genug, er will nicht noch sieben Jahre nach einem vielleicht längst gestorbenen Kartenhai suchen.
Lustlos, müde – so kommt er nach Laramie. Er will keinen Streit mehr, er will seine Ruhe haben, aber der Alte bittet ihn, noch einmal zu einem übel beleumundeten Fellhändler in Laramie zu gehen. Der Mann heißt Joffrey, er ist ein Gauner, der sich den Teufel darum schert, ob er gestohlene Felle einkauft. Und dem alten Abe Adams haben jene drei Kerle Felle gestohlen. Vielleicht, denkt Adams, sind sie mit meinen guten Fellen zu dem Gauner Joffrey gegangen, vielleicht haben sie meine Fellmarkierung ausgeschabt, was?
Adams kann nicht selbst hingehen, ihn kennt jedes Kind in Laramie. Darum bittet er Rosco, einen Besuch bei Joffrey zu machen.
»Nun gut, Abe«, sagt Joe Daniel Rosco, »den Gefallen tue ich dir noch, den letzten, Alter. Sie sind bestimmt nicht bei diesem Joffrey gewesen, aber … ich gehe für dich hin.«
Und dann geht er los, mitten durch die Rinderstadt Laramie.
*
Joe Daniel Rosco geht durch Laramie …
Er hat nicht weit zu gehen, dann erreicht er den kleinen Platz und sieht sofort den falschen Giebel der Fellhandlung Joffreys vor sich. An der Wand neben der Tür zur Fellhandlung sind an Stangen zwei Büffelfelle aufgehängt worden, neben denen einige Iltis- oder Otterfelle baumeln. Das Schild über dem Vordach ist von Wind und Wetter zernagt.
Langsam geht Rosco über den Platz. Er kann niemand auf dem Hof der Handlung, dessen Tor offen steht, sehen. Auch am Haltebalken vor dem Haus ist kein Pferd angebunden. Rosco nähert sich dem Vorbaudach und betritt den im Dämmerlicht liegenden Verkaufsflur, einen langen schlauchartigen Gang, in dem hinten eine Tür auf steht, die anscheinend zu einem Lagerraum führt. Rosco lehnt sich an den Tresen und hustet laut.
»Ich komme schon – Momentchen, Freund!«, sagt eine tiefe Stimme.
Schritte nähern sich. Der Mann, der hinten im Gang auftaucht, ist groß, hat lange Arme und einen völlig kahlen Kopf. Vor dem Bauch trägt er eine blaue Schürze. Er geht hinter den Tresen und sieht Rosco dann blinzelnd an. Joffreys linkes Auge fixiert scheinbar den Eingang, das andere blickt auf Roscos Hut.
»Hallo – Joffrey?«, fragt Rosco und lächelt freundlich. »Ich wollte nur mal hören, ob du noch Felle kaufst, mein Freund. Vor ein paar Wochen traf ich Will Nash in den Bergen – ich bin neu in der Gegend und möchte ein paar Felle an den Mann bringen.«
Will Nash ist einer der Männer, die seit Jahren mit Joffrey in Verbindung stehen, ein Mann, von dem Old Abe Adams gesagt hat, er ginge bedenkenlos an die Fallen anderer Pelztierjäger, ein Gauner also.
»Sieh da, du hast meinen Freund Will getroffen«, erwidert Joffrey mit öliger Freundlichkeit. »Wie geht es ihm denn?«
»Ganz gut, hoffe ich«, gibt Rosco mit ehrlichem Augenaufschlag zurück. »Joffrey, ich bin schon bei Benton gewesen, um mich mal umzuhören, was Felle bringen. Was zahlst du für zwei Dutzend ausgesuchter Marderfelle?«
»Falle oder geschossene?«, fragt Joffrey.
»Falle, keine Verletzung, ich habe einen Stumpfbügel benutzt.«
»Na, sagen wir …, eh – vier Dollar das Fell – wenn es gut ist!«
»Viereinhalb«, antwortet Rosco.
»Hör mal, Joffrey, ist Will wirklich dein Freund?«
»Wa – warum, he?«
»Weil er mir einige Dinge über deine Handelsmethoden erzählte«, grinst Rosco. »Ich sage ja, traue nie einem Freund, aber – das ist deine Sache! Also, viereinhalb – oder? Ich kann ja auch bei Benton verkaufen.«
»Dieser Gauner, dieser Betrüger«, schimpft Joffrey heftig. »Also gut, viereinhalb. Und was hast du noch?«
»Dreißig Bisamfelle, ein halbes Dutzend Bärendecken und … ungefähr fünfzig gute Silberfüchse.«
Es ist heraus – einmal musste er etwas von Silberfuchsfellen sagen, auch wenn er das Gespräch mit Marderfellen begann.
Joffreys Gesicht verändert sich für den Bruchteil einer Sekunde. Also doch …, denkt Rosco – er weiß etwas. Ich bin gespannt, ob er jetzt das tun wird, was Old Abe prophezeit hat.
»Soso!«, macht Joffrey bedächtig. »Bärendecken und Bisamfelle, gar nicht schlecht. Nur, mein Freund, Silberfüchse habe ich in diesem Jahr reichlich eingekauft. Da musst du mir schon einen Nachlass geben, soll ich sie alle nehmen.«
»Nachlass?«, fragt Rosco beleidigt. »Mann, wofür hältst du mich? Will hat mir geraten, so viele Füchse zu erlegen wie ich nur konnte. Und du willst handeln? Die Felle sind gut – vier Dollar muss ich haben.«
»Unmöglich«, zetert Joffrey. »Vier Dollar! Das ist ein Vermögen! Sie werden für drei Dollar vierzig Cent gehandelt, du kannst dich erkundigen. Alles jagt Silberfüchse, der Markt ist vollgestopft mit ihnen. Mehr kann ich dir nicht zahlen.«
»Nicht?«, murmelt Rosco wütend. »Dann hat dein Freund mir verdammt einen Bären aufgebunden. Mir hat man gesagt, dass gute Silberfuchsfelle schlecht zu bekommen wären. Ich wette meinen Hut, meine Felle sind besser als jedes, was du im Lager hast. Wollen wir wetten?«
Wenn er jetzt bereit ist, mich in sein Lager zu lassen, dann behält Old Abe recht, denkt Rosco – dann hat der Kerl noch kein Fell der beiden Halunken dort und nur ein paar Musterfelle gesehen, aus denen sie in aller Eile den Stempel entfernt haben.
»Du meinst, du hast bessere Felle?«, fragt Joffrey lauernd. »Nun gut, dann wollen wir sehen – komm mit!«
Er geht schaukelnd voraus, biegt im Gang um, tritt in den größeren Raum und stößt dann einen Blendladen auf. Felle vertragen kein Sonnenlicht, das jetzt durch das Fenster in breiter Bahn hereinfällt.
Linker Hand hängen an den üblichen Stangen vielleicht vierzig bis fünfzig Silberfuchspelze, von denen Joffrey drei, vier über den Arm nimmt und sie Rosco hinhält.
»Na, sieh sie dir an, sind die schlecht, he? Wenn du bessere hast, dann soll es mich wundern.«
»Meine sind besser«, erwidert Rosco, lässt seine Finger prüfend gegen den Strich fahren. »Die hier taugen nicht viel, Joffrey. Ich denke, du verstehst was von Fellen?«
Er greift nach anderen, hebt sie an und dreht sie bei der Betrachtung.
»Mensch, es gibt keine besseren Felle. Kaum ein brauner Fleck an ihnen.«
»Da irrst du dich – meine sind durch die Bank fast sauber!«, gibt Rosco grinsend zurück. »Was denn, mehr Felle hast du nicht? Ich denke, du hast genug eingekauft?«
»Die Sendung kommt heute oder morgen«, brummt Joffrey unwirsch. »Vielleicht auch erst in drei Tagen, aber in dieser Woche wird sie angeliefert. Bring mir deine Felle, eher werde ich nicht glauben, dass sie besser sein sollen. – Hallo, ich komme schon!«
Jemand betritt den Schlauch des Verkaufsraumes vorn und sagt, als sich Joffrey meldet: »Nicht nötig, Gordon, ich komme nach hinten!«
Joffrey hebt den Kopf, blickt auf die Tür, dann auf Rosco und grinst.
Rosco erwidert sein Grinsen, sieht dann den Mann in der Tür auftauchen und erkennt auf den ersten Blick den Pelztierjäger …
»Hallo, Gordon, alter Junge«, sagt der Mann. »Da bin ich wieder mal. Ich sage dir, so ein gutes Jahr …«
»Du und dein gutes Jahr!«, poltert Joffrey los. »Wer zum Teufel, hat dich geritten, etwas über meine Geschäftsmethoden zu erzählen, Will? Ich denke, du bist mein Freund, aber du schickst mir diesen Mann her und sagst ihm, wie er handeln muss?«
Alle Teufel, denkt Rosco – ich werde verrückt! Das ist Will Nash, der Gauner. Und ausgerechnet jetzt muss er – was mache ich?
»Was fällt dir denn ein?«, fragt da Will Nash auch schon verwundert. »He, wem soll ich etwas über deine Geschäftsmethoden erzählt haben – wen habe ich zu dir geschickt – den hier? Den habe ich nie im Leben gesehen, Mann!«
»Was – du hast ihn niemals …« Joffrey fährt herum, blickt auf Roscos aufgerissene Augen und auf Roscos vor Sprachlosigkeit offenen Mund.
»Was ist das?«, fragt Rosco dann verstört und sieht an Joffrey vorbei auf Will Nash, einen stiernackigen, breitschultrigen Mann. »Ich habe dich auch nie im Leben gesehen, Mann! Joffrey, ist das etwa Will Nash? Das kann …, das ist doch unmöglich! Ich habe Will Nash getroffen, aber der hatte einen roten Bart – ein breitschultriger Mann mit einer Knollennase! Du bist Will Nash? Ich werde verrückt – so etwas gibt es doch nicht!«
»Ich und eine Knollennase?«, flucht Nash wütend los. »Mensch, wen immer du getroffen hast, das ist ein verdammter Betrüger gewesen. Jemand hat sich meinen Namen zugelegt, Gordon, du hörst es doch! Der Mann hat einen Kerl getroffen, der meinen Namen missbraucht! He, Gordon …«
»Moment mal«, sagt Gordon Joffrey da lauernd und schielt Rosco aus einem Auge durchdringend an. »Langsam, Will, nur ruhig! Die Felle – der verdammte Kerl – die Felle!«
Dann kommt er langsam auf Rosco zu und sagt knurrend: »So ist das, mein Freund, aha, darum wolltest du wetten? Zeig mir doch mal deine Hände her, zeig sie her! Will, pass auf, dass er nicht versucht, uns zu entwischen, pass auf, Mann. Der Kerl hat mich hereinlegen wollen. Dem werde ich helfen, hier zu spionieren! Achtung, Will!«
Rosco macht jäh einen Satz auf das Fenster zu, hört hinter sich Joffrey brüllen, seine schweren, schnellen Tritte, die ihm genug verraten und greift nach dem Riegel des Fensters.
Scheinbar verzweifelt an dem Riegel reißend, der sich nicht öffnen will, sieht er sich um.
Hinter ihm kommt Joffrey herangesprungen, hat in die Tasche gegriffen und sein Messer aufgeklappt. Er brüllt vor Wut, holt aus und sieht es zu spät.
Joe Roscos linker Arm fährt herum und kommt einmal unter die Stange, an der die Felle hängen. Im nächsten Augenblick hebt Rosco die Stange aus, wirbelt sie am Ende hoch und schleudert sie dann mit einem Ruck nach der Seite weg. Pelze und Stangen schießen auf Joffrey los.
Er bekommt sie über den Kopf. Felle nehmen ihm die Sicht und Rosco dreht sich blitzschnell um.
Rosco erfasst die Stange am Ende, hebt sie kurz hoch und lässt sie dann zwei-, dreimal auf den brüllenden Joffrey herabsausen. Er trifft den Mann, hört sein Geschrei nicht mehr und sieht zur Tür, vor der sich Will Nash aufgebaut hat und dabei ist, seinen Revolver unter der schweren, aber aufgeknöpften Jacke aus dem Halfter zu ziehen.
Für Rosco ist auch der Pelztierjäger zu langsam. Joe bückt sich, greift nach dem Hocker, der linker Hand steht, und schleudert den Schemel mit einer Drehung herum. Dann lässt er los. Der Schemel saust auf Will Nash zu, er will ausweichen, bekommt den Schemel jedoch vor die Beine und bückt sich, brüllend vor Schmerz, nach seinen Schienenbeinen. Er vergisst sogar, seinen Revolver zu ziehen, torkelt und prallt an die Tür. In diesem Augenblick aber hat Rosco ein halbes Dutzend Felle herabgerissen. Mit einem Schwung befördert Rosco die Felle auf den stiernackigen Nash zu. Der duckt sich, strauchelt und fliegt der Länge nach hin. Rosco stürmt mit vier, fünf langen Sätzen auf ihn zu.
Will Nash greift erneut zum Revolver, zieht die Waffe. In dem Moment ist Rosco bei ihm, schnellt das rechte Bein hoch und tritt einmal unter den Arm.
Nash stößt einen heiseren Schrei aus, seine Hand fliegt zurück, prallt hart gegen die Wand und öffnet sich. Der Revolver poltert zu Boden.
Roscos Revolver ist auf den Kopf von Nash gerichtet, der bleich und heiser keucht. Dann irrt der Blick von Nash jäh ab.
Hinter Rosco poltert es leicht, und Rosco wirft sich zur Seite, ohne nach hinten zu blicken.
Hart an Joes rechter Seite zischt etwas vorbei, trifft dann mit einem dumpfen Aufprall die Wand und bleibt zitternd in ihr stecken.
Aus den Augenwinkeln sieht Rosco in der Drehung das Messer. Im nächsten Moment ist Rosco herum, seine Waffe beschreibt einen Halbkreis und richtet sich auf Joffrey.
Mit zwei, drei schnellen Schritten weicht Rosco nach rechts aus. Er kann jetzt beide Männer sehen und geht auf Joffrey zu.
»Von hinten!«, sagt Rosco, als er weniger als anderthalb Schritt von Joffrey entfernt ist. »Nun, mein Freund, das ist die verdammteste Art, die ich kenne, da hast du etwas …«
Er holt mit der linken Faust aus, trifft den Mann hart und sieht ihn einknicken. Joffrey ist noch nicht ganz unten, als der zweite Hieb kommt und ihn auf den Rücken gegen den Berg Felle am Boden schleudert.
»Das«, sagt Rosco fauchend, »wirst du dir merken, du zweibeinige Ratte. Wenn du das noch mal versuchst, hast du eine Kugel in deinem verrückten Kopf! Lieg still, Nash, sonst drücke ich ab.«
Nash, der versucht hat, unter die Jacke zu greifen, zieht die Hand mit einem heiseren Laut zurück. Vor Rosco stöhnt der schielende Joffrey.
Durch den Gang aber kommen schnelle Schritte. Roscos Revolver ruckt herum. Er wendet sich der Tür zu und hört den Mann, der im Gang nun stehen bleibt, scharf fragen: »Rosco?«
»Ich lebe noch«, erwidert Rosco kühl. »Komm herein, Abe, die Mischung zwischen einer Ratte und einem Fuchs wollte beißen!«
»Oh, die Hölle über den Kerl!«
Adams erscheint im nächsten Augenblick in der Tür. Hinter ihm aber taucht ein Mann auf, der kein Gesicht, sondern nur einen Bart zu haben scheint. Er trägt einen vorsintflutlichen Revolver am Gürtel. Kein Zweifel für Rosco – der weißbärtige Alte muss Zach Newton sein, Old Abes bester Freund.
»Ei, ei, ei«, sagt der alte Weißbart da auch schon und kichert. »Wen sehe ich am Boden liegen und seinen Kopf halten, als wenn ihm die Schlechtigkeit endlich entfliehen will? Meinen guten, lieben Freund Gordon Joffrey – den Erzgauner und Parasiten!«
Er will gleich in den Raum stürmen, aber Old Abe hält ihn fest und starrt nur auf Nash und Joffrey.
»Buh, Junge«, fragt er. »Wie kommt dieser Bursche hierher?«
»Oh, er tauchte auf, nachdem ich Joffrey die feine Geschichte von meinem Treffen mit ihm erzählt hatte. Natürlich war es in derselben Sekunde auch schon mit der Ausfragerei vorbei. Unser Freund Joffrey ist klug genug, ein Spiel zu durchschauen. In der Wand steckt sein Messer, er wollte es mir in den Rücken werfen!«
»Man, Allmächtiger«, ächzt jetzt Newton. »Abe, da ist ja Nash, der Stehler anderer Leute Felle. Wie kommt er dahin, Mann?«
»Er wollte sich hinlegen und etwas suchen«, grinst Rosco. »Ich bin nur nicht sicher, was er verloren hat, Zach!«
Zach Newton wechselt einen Blick mit Old Abe und kichert wieder.
»Du hast nicht zu viel gesagt«, meint er glucksend. »Abe, zwei solche Gauner zu Boden zu bringen, das will etwas heißen. Nash, wie viel Fallen anderer Leute hast du wieder ausgeplündert, he?«
Er tritt auf ihn zu, stößt ihn mit dem Fuß an und zieht dann Joffreys Messer aus der Wand. Als er sich umdreht und die Hand hebt, verliert Joffrey alle Farbe und kreischt: »Nicht werfen – ich habe mein Teil schon bekommen, ich – ich habe genug.«
Das Messer fliegt los, nagelt Joffreys Arm am Boden fest, als es das Hemd durchbohrt und bleibt schnarrend stecken.
»Lass mich fragen, Abe«, murmelt Zach Newton bissig. »Los, du Kaulquappe, mach deinen Mund auf: Wo sind die beiden Strolche?«
»Zwei?«, fragt Joffrey keuchend. »Ich weiß von nichts – der Mann da ist hereingekommen, ich dachte, es sei einer von denen, die mir neulich die Felle gestohlen haben.«
»Was – Mensch, dir hat kein Mensch ein Fell entführt!«, faucht Newton. »Was ist das für eine verdammte Lügerei? Rosco, hat er Felle mit ausgeschabtem Stempel? Joffrey, sperr den Mund auf – die beiden Kerle haben unsere Felle gestohlen und meinen Neffen beinahe erschlagen. Ich will es wissen, sonst passiert dir etwas!«
»Ich weiß doch nichts!«, kreischt Joffrey. »Zach, ich schwöre, ich weiß nichts von Fellen, die euch verschwunden sind. In der vorigen Woche war ein windiger Kerl hier und sah sich die Felle an, er wollte welche verkaufen, sagte er. Am Abend fehlten mir drei meiner besten Silberfuchspelze. Als dieser Mann auftauchte, dachte ich, er sei genauso ein Strolch wie jener und …«
»Er lügt«, mischt sich Rosco kühl ein. »Halt – nicht schlagen, Newton, es gibt andere Mittel, die schneller wirken. Sieh mal her, Joffrey, pass gut auf!«
Er geht hin, stößt das Fenster auf und dreht sich dann scharf nach der Lampe an der Wand um. Als Joffrey ihn den Dochthalter abschrauben und den Zylinder abnehmen sieht, wird er leichenblass.
