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"Setz dich, wir müssen reden." Dieser Satz sollte mein Leben auf den Kopf stellen. Schon seit langen wusste ich das es um unsere Ehe nicht zum besten bestellt war. Früher wähnte ich mich immer auf der sicheren Seite. Das kann mir doch nicht passieren. Nun musste ich bitter erfahren das eine Ehe nicht selbstverständlich ist. Eine Geschichte aus dem Leben. Meine Geschichte. Erst Weltuntergangstimmung, dann lernte ich damit umzugehen. Ein Erfahrungsbericht. Die Geschichte spielt in der heutigen Zeit. Für Männer die gerade sich trennen wollen bzw. müssen.
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Seitenzahl: 68
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Mario Schade
Abserviert
Ein Mutmacher für gehörnte Männer
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
14.10.2009
Epilog
Impressum neobooks
Setz dich wir müssen reden. So oder ähnlich könnte das Leben von jedem von uns auf den Kopf gestellt werden. An jenem 14. Oktoberabend war ich vollkommen unvorbereitet, obwohl ich mich selbst länger schon mit einer möglichen Trennung von meiner Ehefrau befasst hatte. In diesem Moment gehen 1000 Dinge durch den Kopf und man ist trotzdem wie gelähmt. Wie soll es weitergehen, was wird aus dem Nachwuchs, gibt es überhaupt ein Leben danach? Im vorliegendem Tatsachenbericht schildere ich den Versuch nach der Trennung wieder auf die Beine zu kommen. Er soll Mut machen für Männer die in derselben Lage sind, und zeigt dass das Leben trotzdem weiter geht. Ich habe alle Namen der im Buch vorkommenden Personen geändert, nichtsdestotrotz spielte sich vorliegende Geschichte genau so ab.
Setz dich, wir müssen reden, sagte Juliette zu mir als ich nach der Spätschicht nach Hause kam.
An ihrem Gesichtsausdruck erkannte ich sofort was die Stunde geschlagen hatte.
„Was hältst du davon wenn wir uns eine Zeit lang trennen?“
Jetzt also war es ausgesprochen, schon seit Monaten hatte dieser Satz drohend über uns gestanden.
Wie stellst du dir das denn vor fragte ich.
Ich ziehe aus sagte Juliette zu mir.
In mir war jedes Gefühl wie taub. Dann können wir uns ja gleich scheiden lassen, schlug ich vor.
Wie soll das denn alles funktionieren fragte ich. Juliette schlug vor das ich mich später noch im Internet informiere.
Das war ein Schlag für mich, obwohl ich seit Monaten wusste das unsere Ehe am ende war.
Wie oft hatte auch ich in den vergangenen Wochen und Monaten mit dem Gedanken gespielt mich von Juliette zu trennen. Letztendlich blieb es aber immer nur bei dem Gedanken.
Später nach dem duschen, suchte ich im Internet nach ersten Informationen was denn in unserer Lage zu tun ist. Dieser Abend wurde noch lang und mir brannten meine Augen, zudem fühlte ich mich selber auch völlig ausgebrannt und leer.
Halb drei ging ich ins Bett und konnte doch keinen Schlaf finden, so das ich eine Stunde später wieder auf stand und versuchte mir einen Schlummertrunk zu „brauen“. Nachdem ich mir einen schwarzen Tee mit Rum gekocht hatte, setzte ich mich ins Wohnzimmer auf die Couch und brütete vor mich hin.
„Hier sollst du also in Zukunft alleine leben“ sagte ich mir, aber es wollte keine Traurigkeit aufkommen, ich war innerlich so leer, das ich nicht mal mehr zu trauern in der Lage war.
Ich legte mich wieder in mein Bett und irgendwann gegen fünf Uhr muss ich wohl eingeschlafen sein.
15.10. 2009
6 Uhr 15, der Wecker von Juliette klingelt, Jannis, unser zehn jähriger Sohn muss für die Schule geweckt werden. Ich versuche wieder einzuschlafen – vergebens, meine Gedanken drehen sich wie ein Karussell. Ich wälze mich von einer auf die andere Seite, doch der Schlaf stellt sich nicht mehr ein. Als Jannis gegen halb acht das Haus verlässt und Juliette mit unserem Hund Sam Gassi geht, quäle auch ich mich aus dem Bett. Ich habe absichtlich so lange gewartet, an diesem Morgen hätte ich Jannis nicht in die Augen sehen können – mir tut es in der Seele weh.
In der Küche brühe ich mir erst mal einen starken Kaffee, ein Brötchen mit Wurst belegt, würge ich runter. Aber der Kaffee tut gut. So sitze ich vor der Glotze und meine Gedanken kreisen immer wieder um das eine: „Alles Vorbei?“
Draußen an der Tür dreht sich der Schlüssel im Schloss, unser Hund Sam kommt mit wedelndem Schwanz angesprungen, begrüßt mich und möchte gestreichelt werden.
Juliette kommt herein und sagt: „Guten Morgen, du bist schon wach“? Ich denke „was ist wohl gut an diesem Morgen“ antworte aber auch mit „Guten Morgen“. Hast du im Internet etwas gefunden, fragt sie mich gleich. Ich antworte das ich zumindest mal weiß das wir zu einem Rechtsanwalt gehen sollten. „Dann ruf ich gleich mal bei der Tanja an“ sagt sie und telefoniert auch schon. Wenig später erfahre ich das wir für zehn Uhr einen Termin haben. Nun herrscht wieder, wie seit Wochen schon Schweigen.
Gegen dreiviertel Zehn hole ich das Auto aus der Garage und fahre mit Juliette nach Erlenbach. Auch jetzt haben wir uns mal wieder kein Wort zu sagen. Die Rechtsanwältin, eine Bekannte von Juliette hat auch gleich Zeit für uns und so finden wir uns in ihrer Kanzlei wieder.
Nun erfahren wir das die Rechtsanwältin nur einen von uns vertreten kann. „Wen soll ich den eigentlich vertreten“ fragt sie uns. Ich antworte: „Ja ich denke doch wohl Juliette“ und meine Frau nickt bekräftigend. Ob ich mir denn wohl auch einen Anwalt nehmen sollte, geht mir durch den Kopf. Währen des nun folgendem Gespräches erfahren wir, das wir ein Trennungsjahr durchlaufen müssen, und werden gefragt ob wir dies in unserem bisherigen Haushalt durchlaufen wollen, oder ob einer von uns auszieht. Juliette sagt das sie sich eine neue Wohnung suchen wolle und ich ergänze das sie das Haus, welches wir gemietet haben nicht unterhalten kann, weil es keine Heizung hat und mit Holz geheizt werden muss. Weiter erfahren wir das Juliette mit einem möglichen neuen Mietvertrag zum Sozialamt gehen und Zuschuss beantragen muss. Weiterhin soll Juliette zu einem neuerlichen Gespräch mit der Rechtsanwältin die letzten zwölf Lohnabrechnungen von uns beiden mitbringen damit der Unterhalt ausgerechnet werden kann. Nun werden wir gefragt was wir bisher an Miete bezahlen, und welche Pflichten und Verbindlichkeiten sonst noch bestehen. Wir erklären das wir einen Ratenkredit laufen haben, der jeden Monat ca. 570 Euro verschlingt. Des weiteren haben wir auch noch ein Leasingvertrag für den Citroën C1, der auch 140 Euro im Monat kostet.
Nun gibt uns die Rechtsanwältin noch den guten Rat, unsere Trennung nicht auf dem Rücken von unserem Sohn Jannis auszutragen. Juliette erklärt, das Jannis jederzeit zu mir kommen könne, na wenigstens ein kleiner Lichtblick an diesem trüben Tag, wenigstens sollen mir da keine Steine in den Weg gelegt werden, denn ich hänge sehr an unserem Sohn, was auch seinerseits so ist.
Die Rechtsanwältin rät uns noch für Jannis feste Zeiten einzuplanen an denen er zu mir darf.
Dann ist das Gespräch auch schon vorbei, und wir verabschieden uns.
Wir setzen uns ins Auto und fahren nach Obernburg, wir wollen auf dem Amtsgericht einen Beratungshilfeschein holen, so das die Erstberatung für Juliette bei ihrer Rechtsanwältin nur 10 Euro kostet. Nach einem Fehlanlauf bei dem wir im falschen Gerichtsgebäude waren, bekommt Juliette im anderen Gebäude den Antrag für den Beratungshilfeschein.
Anschließend fahren wir wieder nach Hause zurück, wo uns unser Hund Sam freudig begrüßt.
Nun mache ich mich an die obligatorischen Arbeiten für den Tag, Holz hacken und Asche raus tragen. Danach schmiere ich noch gleich meine Schnitten für die anstehende Spätschicht.
Anschließend fahre ich mit dem Auto zum Arzt, bei dem ich schon am Morgen einen Termin ausgemacht hatte. Nach kurzer Wartezeit werde ich ins Sprechzimmer gerufen und gefragt warum ich denn hier bin. Nun kann ich die Tränen fast nicht mehr zurückhalten und erkläre das ich am vorigen Abend von meiner Frau erfahren habe das sie sich von mir trennen will. Ich sage das ich vollkommen durch den Wind bin und keine Kraft mehr habe. Der Arzt bietet mir sofort an mich erst mal krank zu schreiben, aber ich sage das ich das nicht möchte, zu Hause würden wir uns ja ständig über den Weg laufen. Ich bitte um Tabletten die mich wieder etwas „runter“ bringen. Mein Arzt meint er kann mir eine Spritze geben und falls es mir am nächsten Tag nicht besser geht, soll ich wieder vorbei kommen. Die Spritze lasse ich mir dankend geben und fahre wieder nach Hause wo Jannis inzwischen auch schon von der Schule zurück ist. Bei seinem Anblick läuft mir schon wieder das Wasser in die Augen. „Hi Papa“ sagt er und schaut mich zum Glück nicht an.
„Hallo Jannis“ sage ich, „ich komme gleich zu dir“.
