Adaptogene - David Winston - E-Book

Adaptogene E-Book

David Winston

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Beschreibung

Der definitive Leitfaden zu adaptogenen Heilpflanzen

»Wir brauchen Adaptogene - Heilmittel, die behutsam, aber bei längerer Anwendung hochwirksam unsere Gesundheit auf vielfältige Weise wiederherstellen und schützen.«
Christopher Hobbs, Verfasser von Handmade Medicines

»Ein wirklich hervorragendes Buch.«
David Hoffmann, Verfasser von Medical Herbalism

Unser Körper stellt sich jeden Tag aufs Neue den Anforderungen, die auf ihn einprasseln. Gleichzeitig strebt er nach Gleichgewicht, Kraft und Gesundheit, doch chronischer Stress und der daraus resultierende Anstieg von Stresshormonen sind nachweislich nicht nur bei Erschöpfung und Gewichtszunahme wichtige Faktoren, sondern spielen auch bei vielen chronischen und degenerativen Krankheiten eine zentrale Rolle.

In diesem international führenden Leitfaden für adaptogene Heilpflanzen bieten der klinische Pflanzenexperte David Winston und der Forscher Steven Maimes einen umfassenden Einblick in die Welt der Adaptogene, also Pflanzen wie Ginseng, Eleuthero und Ashwagandha, die dem Körper helfen, sich an die vielen Einflüsse, die auf ihn einstürmen, zu »adaptieren« und besser mit Belastungssituationen umzugehen. Adaptogene verbessern das Durchhaltevermögen und den Energiehaushalt, sie geben den kognitiven Fähigkeiten Schub, reparieren das Immunsystem und wirken Alterungseffekten entgegen. Das gilt umso mehr, wenn darauf geachtet wird, die pflanzlichen Heilmittel in ausgewogenen Kombinationen zu sich zu nehmen.

Das Buch beginnt mit der Geschichte der Adaptogene und ihrer Verwendung beim Ayurveda, in der chinesischen und der russischen Medizin. Die umfangreiche Materia medica enthält ausführliche Abhandlungen über 25 Adaptogene, darunter Eleuthero, Ginseng, Ashwagandha, Rhodiola, Schisandra, Süßholz, Reishi und Heiliger Basilikum sowie ergänzende nervenberuhigende Mittel, belebende Tonika und Nootropika wie Hafermilch, Astragalus, Johanniskraut und Ginkgo. Jede Abhandlung enthält die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse und geht bei jeder Pflanze auf die Ursprünge ein, die traditionelle und klinische Nutzung, die Wirkungsbereiche, die Eigenschaften, die Zubereitung und die empfohlene Dosierung. Außerdem finden sich im Buch adaptogene Behandlungsansätze für unsere Haustiere.

Das Buch richtet sich nicht nur an Kräuterkundler, sondern an jeden, der an natürlicher Gesundheit interessiert ist. Es dient Ihnen als Leitfaden, damit Sie diese pflanzlichen Heilmittel sicher und wirksam einsetzen können, um Ihre Gesundheit zu verbessern und Ihre Aussichten zu steigern, ein langes, gesünderes und ausgewogeneres Leben zu führen.

»Großartig! Gründlich recherchiert, voller Informationen, die eher schwer zu finden sind, gleichzeitig praxisorientiert und leicht verständlich. Den Verfassern ist es gelungen, traditionelles Wissen und aktuelle wissenschaftliche Informationen in einem sehr umfassenden und informativen Text zu verschmelzen. Dies wird ein Klassiker werden, ein maßgebliches Werk zu dieser ungeheuer wichtigen Gruppe von Arzneipflanzen.«
Rosemary Gladstar, Gründerin von United Plant Savers und Verfasserin von Herbal Healing for Women

»Eine Pflichtlektüre für jeden, der mit Adaptogenen zu tun hat, sei es in behandelnder Funktion oder als Verbraucher. Dies ist die erste umfassende Einführung in die Adaptogene. Sie präsentiert solides pflanzenheilkundliches Wissen und seriöse wissenschaftliche Forschung gänzlich ohne Hype! Ein wirklich hervorragendes Buch.«
David Hoffmann, BSc, FNIMH, Verfasser von Medical Herbalism und Herbal Prescriptions after 50

»Auf der Suche nach gesundheitlichen Verbesserungen in unserer stressgeplagten Gesellschaft können adaptogene Heilpflanzen ungemein hilfreich sein. Das Buch von David Winston und Steven Maimes liefert endlich Erklärungen und Argumente für die Anwendung und die positiven Wirkungen dieser wichtigen Heilpflanzen.«
James A. Duke, Verfasser von The Green Pharmacy

»Mit Adaptogene haben David Winston und Steven Maimes dieses wichtige Heilungskonzept endlich einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Wir brauchen Adaptogene - Heilmittel, die behutsam aber bei längerer Anwendung hochwirksam unsere Gesundheit auf vielfältige Weise wiederherstellen und schützen. David Winstons enormes klinisches und praktisches Heilpflanzenwissen macht dieses Buch umso wertvoller.«
Christopher Hobbs, Verfasser von Handmade Herbal Medicines und Natural Therapy for Your Liver

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Veröffentlichungsjahr: 2019

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1. Auflage Mai 2019 JAHR Copyright © 2007 by Herbal Therapeutics Inc. and Steven L. Maimes Published by Arrangement with INNER TRADITIONS INTERNATIONAL LTD., Rochester, VT USA. Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30161 Hannover. Copyright © 2019 für die deutschsprachige Ausgabe bei Kopp Verlag, Bertha-Benz-Straße 10, D-72108 Rottenburg Titel der amerikanischen Originalausgabe:Adaptogens – Herbs for Strength, Stamina, and Stress Relief Alle Rechte vorbehalten Übersetzung: Angelika Orpin Lektorat: Christina Neuhaus Satz und Layout: Martina Kimmerle Covergestaltung: Stefanie Beth ISBN E-Book 978-3-86445-674-9 eBook-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

Gerne senden wir Ihnen unser Verlagsverzeichnis Kopp Verlag Bertha-Benz-Straße 10 D-72108 Rottenburg E-Mail: [email protected] Tel.: (07472) 98 06-0 Fax: (07472) 98 06-11Unser Buchprogramm finden Sie auch im Internet unter:www.kopp-verlag.de

Widmung

Ich widme dieses Buch meinem verstorbenen Neffen Nathaniel Hall.

Sein Humor, die Art, wie er mit Schwierigkeiten umging, sein Wachsen als Mensch und sein Kampfgeist haben mein Leben und das Universum reicher gemacht.

Er wird allen fehlen, die ihn kannten.

David

Ich widme dieses Buch meiner Familie und der kommenden Generation.

Steven

Danksagung

Danksagung

Ich danke meinem Co-Autor Steven Maimes, dass er dieses Buch angeregt hat, meiner Sekretärin Eileen Zollo, dass sie so unermüdlich mein Gekritzel entziffert und in leserliche Form gebracht hat, außerdem meinen Freunden und Kollegen in der Welt der Heilpflanzen, der Naturheilkunde und der Tiermedizin, die zu diesem Buch beigetragen haben, besonders: Kathy Abascal, Mary Bove, Chanchal Cabrera, Barbara Fougere, Thomas Avery Garran, Christopher Hedley, Christopher Hobbs, Nick Larkens, Bill Mitchell, Stacey Small, Kevin Spellman, Jill Stansbury, Alan Tillotson und Roy Upton.

David

Die Pflanze, die mir die Augen für Adaptogene öffnete, war Heiliges Basilikum. Man könnte auch sagen, dass die Existenz dieser Heilpflanze mich dazu brachte, dieses Buch zu schreiben.

Als Forscher auf dem Gebiet der pflanzlichen Adaptogene danke ich den vielen Pflanzenheilkundlern, die über Heilpflanzen und Adaptogene geschrieben haben, unter anderem meinem Co-Autor David Winston, der sein reiches Wissen zum Thema beigesteuert hat. Ganz besonders haben auch die Kräuterkundler Kerry Bone und Paul Schulick meine Arbeit unmittelbar beeinflusst.

Nicht zuletzt gilt mein Dank der Großen Tradition, der Weisheit der Jahrtausende und den Heilpflanzen, die Gott geschaffen hat. Sowie der Losung: Erinnert euch, haltet die Dinge einfach, seid gütig.

Steven

Einführung

Einführung

Alle Pflanzen enthalten adaptogene/tonisierende Substanzen, denn auch Pflanzen müssen sich in hohem Maß gegen Stress behaupten.

James DukeNaturwissenschaftler und Ethnobotaniker

Stress gehört für uns alle zum Alltag, und unser Körper ist bemüht, dem Rechnung zu tragen, das innere Gleichgewicht zu bewahren und gesund zu bleiben.

Eine bestimmte Kategorie von Pflanzen, die sogenannten Adaptogene, ermöglicht es dem menschlichen Körper, besser mit Stress umzugehen, die normalen Stoffwechselprozesse aufrecht zu erhalten und das Gleichgewicht zu bewahren. Sie steigern die Widerstandskraft des Körpers gegen physikalische, biologische, emotionale und umweltbedingte Stressoren und begünstigen einen normalen Ablauf der physiologischen Funktionen.

Um diese Pflanzen geht es in diesem Buch. In der Vergangenheit nannte man sie verjüngende Pflanzen, Qi-Tonika, Rasayanas oder Stärkungsmittel. Die moderne Forschung hat nachgewiesen, dass viele dieser Pflanzen medizinisch von Bedeutung sind und zur Vorbeugung und Behandlung einer Reihe von weit verbreiteten Erkrankungen eingesetzt werden können.

Man könnte fast meinen, diese Beschreibung der adaptogenen Pflanzen höre sich zu schön an, um wahr zu sein: Das Spektrum ihrer positiven Wirkungen auf die Gesundheit ist so breit gefächert, dass es praktisch alle Bereiche des Körpers umfasst. Sobald man sich aber eingehender mit der Geschichte dieser Pflanzen befasst, wird klar, dass sie mit gutem Grund seit Tausenden von Jahren eingesetzt werden. Die Heiler vergangener Zeiten waren mit diesen Pflanzen vertraut und verwendeten sie häufig. Jetzt ist es an uns, dieses Wissen wieder aufleben zu lassen, es zu erweitern und das Gelernte wieder anzuwenden.

In diesem Buch liegt das Hauptgewicht auf den Adaptogenen, den besonders wirksamen Heilpflanzen, die auf eine lange Tradition erfolgreicher Anwendung zurückblicken können. Darüber hinaus enthält es Informationen zu zwei weiteren Pflanzenkategorien, die die Adaptogene in ihrer Wirkung ergänzen – den Nervina (nervenstärkende Pflanzen) und den Nootropika (Pflanzen, die das Zentralnervensystem anregen).

Natürlich gibt es auch zu anderen Arten von Heilpflanzen viel zu sagen. Es sind einige ausgezeichnete Bücher erschienen, die das Wissen rund um dieses Thema vertiefen können. Zu unseren Favoriten gehören Medical Herbalism von David Hoffmann, Principles and Practice of Phytotherapy von Simon Mills und Kerry Bone sowie Herbal Therapy & Supplements: A Scientific and Traditional Approach von Merrily Kuhn und David Winston.

Literatur und Quellen

Für dieses Buch haben wir die verschiedensten Quellen herangezogen (unter anderem Naturwissenschaftler, Akademiker, Autoren und Angehörige des Gesundheitswesens) und die Forschungsergebnisse so aufbereitet, dass sie in einem leicht zu lesenden und verständlichen Format präsentiert werden konnten. In den meisten Fällen enthält der Fließtext keine Quellenangabe, denn für die Mehrzahl der Leser ist nicht die Angabe der Quellen wichtig, sondern die daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen. Die genauen Quellenangaben sind im Literaturverzeichnis des Buches aufgeführt. Bei Textstellen, in denen auf bestimmte Quellen hingewiesen wird, werden Autor und Datum der Veröffentlichung genannt; der Leser kann dann im Literaturverzeichnis die ausführliche Quellenangabe mit detaillierten Angaben zur Veröffentlichung nachschlagen. Dieses Buch ist kein akademischer Text, sondern richtet sich an eine breitere Öffentlichkeit. Wir haben uns bemüht, die meisten weniger bekannten Begriffe im Fließtext an Ort und Stelle zu erklären. Zudem finden Sie am Ende des Buches ein Glossar zum Nachschlagen. Die Informationen in diesem Buch wurden Forschungen und Quellen entnommen, die wir für das jeweilige Fach- und Sachgebiet für seriös halten. In den meisten Fällen haben wir für die zitierten Forschungsergebnisse mehr als eine Quelle konsultiert.

Bezeichnung der Adaptogene

Dieses Buch wird Ihr Verständnis der pflanzlichen Adaptogene – auch als Pflanzenadaptogene bezeichnet – vertiefen. In den meisten Fällen verwenden wir der Einfachheit halber den Begriff Adaptogene.

Im Text verwenden wir überwiegend die Trivialnamen der jeweiligen Adaptogene. So sprechen wir nicht von der Panax-ginseng-Wurzel, sondern im Allgemeinen von Asiatischem Ginseng.

In Tabelle I.1 führen wir für alle in diesem Buch behandelten Adaptogene jeweils den lateinischen botanischen Namen und die verwendeten Pflanzenteile auf.

In Tabelle I.2 sind weitere gebräuchliche Namen für die jeweiligen Adaptogene angegeben, und im Abschnitt »Materia medica« (Teil 2) finden Sie noch weitere Namen.

Tabelle I.1.

In diesem Buch behandelte Adaptogene

Adaptogen

Botanischer Name

Verwendeter Pflanzenteil

Amerikanischer Ginseng

Panax quinquefolius

Wurzel

Amla*

Emblica officinalis

Frucht

Ashwagandha

Withania somnifera

Wurzel

Asiatischer Ginseng

Panax ginseng

Wurzel

Astragalus*

Astragalus membranaceus

Wurzel

Cordyceps

Cordyceps sinensis

Pilz, Myzel

Dang Shen

Codonopsis pilosula, C. tangshen

Wurzel

Eleuthero

Eleutherococcus senticosus

Wurzel, Stängel, Rinde

Guduchi

Tinospora cordifolia

Wurzel, Stängel

He Shou Wu*

Polygonum multiflorum

Wurzel

Heiliges Basilikum

Ocimum sanctum, O. gratissimum

Kraut

Jiaogulan

Gynostemma pentaphyllum

Kraut

Lycium*

Lycium chinensis, L. barbarum

Frucht

Mumijo

Asphaltum bitumen

Pech

Prince Seng*

Pseudostellaria heterophylla

Wurzel

Reishi

Ganoderma lucidum

Pilz, Mycel

Rhaponticum

Rhaponticum carthamoides

Wurzel

Rhodiola

Rhodiola rosea

Wurzel

Schisandra

Schisandra chinensis

Frucht, Samen

Shatavari*

Asparagus racemosus

Wurzel

Süßholz

Glycyrrhiza glabra, G. uralensis

Wurzel

* Mögliche Adaptogene

Für die in Tabelle I.1 mit Hinweissternchen als »mögliche Adaptogene« bezeichneten Pflanzen existieren bisher nicht so viele wissenschaftliche Untersuchungen zu ihrer Verwendung wie für die als Adaptogene anerkannten Pflanzen. Zu ihnen ist weitere Forschung erforderlich. Dennoch wirken auch diese Pflanzen regulierend auf das neuroendokrine und das Immunsystem, schützen gegen Stress und befähigen den Menschen, die optimale Homöostase weitestmöglich aufrechtzuerhalten. Zudem sind sie sämtlich hoch geschätzte Tonika oder Rasayanas (ayurvedische regenerative Heilmittel), und haben eine lange Tradition im Hinblick auf Sicherheit und Wirksamkeit. In diesem Buch behandeln wir sowohl die möglichen Adaptogene als auch die Adaptogene, deren Wirkung in klinischen Studien nachgewiesen wurde. Außerdem ist festzuhalten, dass es über die in Tabelle I.1 aufgeführten und in diesem Buch behandelten Heilpflanzen hinaus noch weitere Pflanzen gibt, die als mögliche Adaptogene gelten. Dazu gehören unter anderem Aralia manshurica, Hippophae rhamnoides(Sanddorn),Hoppea dichotoma, Lepidium meyenii(Maca-Pflanze),Morinda officinalis, Oplopanax elatus(Japanische Teufelskeule),Pfaffia paniculata(Suma) und Trichopus zeylanicus. Es steht zu hoffen, dass in Zukunft weiter zu diesen und anderen tonisierenden Heilpflanzen geforscht wird.

Bei der Behandlung der Adaptogene nehmen wir immer wieder Bezug auf das Ayurveda oder die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Der Grund dafür ist, dass achtzehn der einundzwanzig hier behandelten Adaptogene als Heilmittel entweder in der ayurvedischen Praxis oder der Traditionellen Chinesischen Medizin Anwendung gefunden haben. Da diese Traditionen bereits Jahrtausende alt sind, ist ihre Anwendung vielfach historisch belegt und glaubhaft verbürgt. Tabelle I.2 führt die Adaptogene mit ihren chinesischen und ayurvedischen Bezeichnungen sowie weiteren Trivialnamen auf.

Viele populäre Bücher und Webseiten führen Adaptogene unter unterschiedlichen Trivialnamen auf. So findet sich Lycium in unterschiedlichen Quellen als Gogibeeren, Gojibeeren oder Wolfberry. Das kann zu Verwirrung und Missverständnissen führen. Die beste Methode, eine Pflanze eindeutig zu identifizieren ist, ihren botanischen Namen (in Tabelle I.1 aufgeführt) zu verwenden.

Im Alten Testament ist im Buch Prediger zu lesen: »Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was getan wurde, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne.« Pflanzliche Adaptogene selbst sind nicht neu; nur ist es so, dass viele von uns diese Pflanzen und ihre Verwendung nicht kennen. Wir sind beeindruckt von der Kraft und Weisheit, die diesen Pflanzen innewohnt, und dankbar, dass wir ihre Geschichte weitergeben können.

Tabelle I.2.

Namen der Adaptogene in verschiedenen Teilen der Welt

Trivialname

Chinesischer Name

Ayurvedischer Name

Weitere Namen*

Amerikanischer Ginseng

Xi Yang Shen

Sang seng

Amla*

Yu Gan Zi

Amla, Amalaki

Indische Stachelbeere

Ashwagandha

Ashwagandha

Winterkirsche Schlafbeere

Asiatischer Ginseng

Ren Shen

Koreanischer Ginseng Chinesischer Ginseng

Astragalus*

Huang Qi

Tragant

Cordyceps

Dong Chong Xia Cao

Chinesischer Raupenpilz

Dang Shen

Dang Shen

Codonopsis

Asiatische Glockenblume

Eleuthero

Ci Wu Jia

Sibirischer Ginseng

Guduchi

Kuan Jin Teng

Guduchi

Indische Tinospora

He Shou Wu*

He Shou Wu*

Fo-Ti

Vielblütiger Knöterich

Heiliges Basilikum

Luo le

Tulsi

Königsbasilikum

Indisches Basilikum

Jiaogulan

Jiao Gu Lan

Gynostemma

Lycium*

Gou Qi Zi

Goji

Wolfberry

Mumijo

Shilajit

Mumijo

Prince Seng*

Tai Zi Shen

Pseudostellaria

Reishi

Ling Zhi

Ganoderma

Glänzender Lackporling

Rhaponticum

Maralwurzel

Hirschwurzel

Leuzea

Saflor-Bergscharte

Rhodiola

Hong Jing Tian

Rosenwurz

Goldene Wurzel

Schisandra

Wu Wei Zi

Chinesisches Spaltkörbchen Chinabeere

Shatavari*

Tian Men Dong**

Indischer Spargel

Süßholz

Gan Cao

Yashtimadhu

Glycyrrhiza

* Weitere Namen in den Einzelmonographien in Kapitel 7.

** Asparagus cochinchinensis aus China ist eine verwandte Spezies mit vielen Ähnlichkeiten und ähnlicher Verwendung.

Teil 1 – Pflanzliche Adaptogene

Teil 1
Pflanzliche Adaptogene

© Shutterstock: marilyn barbone

Kapitel 1: Pflanzenheilkunde in aller Welt

Kapitel 1
Pflanzenheilkunde in aller Welt

© Shutterstock: marilyn barbone

Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt … Und Gott sah, dass es gut war.

1. Mose 1, 12

Beginnen wir mit einem Überblick über einige der grundlegenden Begriffe, die in einer Diskussion über Pflanzenheilkunde auftauchen:

Ein pflanzliches Mittel ist eine Substanz, die aus einem Pflanzenteil, also aus der Rinde, der Wurzel oder den Blättern gewonnen wird. Ein Kraut ist eine Pflanze ohne dauerhaft verholzten Stamm (also kein Baum oder Strauch).

Pflanzenheilkunde ist jedes medizinische System, das mit Kräutern oder anderem pflanzlichem Material als Rohstoff für Heilmittel arbeitet.

Mit dem Begriff traditionelle Medizin werden althergebrachte Formen der Medizin bezeichnet (in der Regel basierend auf der Verwendung von Arzneipflanzen), die in vielen Gemeinschaften und Ländern bis heute praktiziert werden.

Phytotherapie ist der Begriff, der hauptsächlich in Europa für die Behandlung von und Vorbeugung gegen Krankheiten mit pflanzlichen Arzneimitteln gebräuchlich ist. Die Vorsilbe Phyto bedeutet Pflanze.

Überall auf der Welt wachsen Heilpflanzen. Dr. James Duke, der bis zu seinem Ruhestand als Botaniker für das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten tätig war, hat eine Datenbank von 80000 Pflanzen und über 20000 Spezies aus der ganzen Welt zusammengestellt, für die eine Verwendung zu medizinischen Zwecken nachweisbar ist. In Nordamerika, Mexiko nicht mitgerechnet, gibt es etwa 2200 Pflanzenspezies, die in einem traditionellen Kontext für medizinische Zwecke genutzt wurden.

Pflanzenheilkunde ist eine der ältesten Formen gesundheitlicher Versorgung, die die Menschheit kennt. Im Verlauf unserer Geschichte haben alle Kulturen in erster Linie Pflanzen als Heilmittel eingesetzt, und sie spielen auch heute noch in der Medizin eine bedeutende Rolle. Berichten der Weltgesundheitsorganisation zufolge sind etwa 75 Prozent der Weltbevölkerung für ihre medizinische Grundversorgung auf pflanzliche Mittel angewiesen. In einer Reihe von Ländern bilden Heilpflanzen sogar einen wichtigen Bestandteil des Gesundheitssystems.

Seit Jahrtausenden werden Pflanzen als Arzneimittel genutzt. Vor der Einführung der modernen pharmazeutischen Medikamente gehörten die pflanzlichen Arzneimittel zu den wenigen zuverlässigen Heilungs- und Behandlungsmethoden, die es gab.

Auch heute werden noch etwa 25 Prozent der modernen Arzneimittel aus Pflanzen hergestellt, die ursprünglich in der traditionellen Medizin genutzt wurden. Das heißt, diese enthalten mindestens einen Bestandteil, der aus einer Blütenpflanze gewonnen wird.

Die Pflanzenheilkunde war in den Vereinigten Staaten weit verbreitet, bis ab etwa 1920 die Pflanzen zunehmend von pharmazeutischen Medikamenten verdrängt wurden. Seit Ende der Sechzigerjahre nimmt das Interesse an Heilpflanzen allerdings wieder kontinuierlich zu.

Verwendung pflanzlicher Heilmittel weltweit

Die meisten Menschen, die Heilpflanzen nutzen, leben in China und Indien. Mehr als 300 der heute in diesen Ländern gebräuchlichen Heilpflanzen haben als solche eine mindestens zweitausendjährige Geschichte. Auf der Grundlage der in dieser Zeit gesammelten Erfahrungen wurde ihre klinische Anwendung perfektioniert. Chinesische Studien ergaben, dass sowohl diese als auch andere Pflanzen, die im Laufe der Jahrhunderte in die Liste nützlicher Heilmittel aufgenommen wurden, die Wirksamkeit moderner Pharmazeutika erheblich steigern, ihre Nebenwirkungen verringern und sie in manchen Fällen sogar völlig ersetzen können.

Etwa 500 Pflanzenspezies sind in China als offizielle Arzneimittel zugelassen. Weitere 5000 Spezies kommen als traditionelle Heilmittel, Volksheilmittel oder örtlich begrenzt bei ethnischen Minderheiten in einigen Teilen Chinas zum Einsatz. Traditionelle pflanzliche Zubereitungen machen 40 bis 60 Prozent des Verbrauchs an Heilmitteln aus, und nach der westlichen (sogenannten allopathischen oder Schulmedizin) ist die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) das am zweithäufigsten praktizierte medizinische System. Immer mehr Menschen in der westlichen Welt wenden sich wegen des reichen Erfahrungsschatzes und der hohen Wirksamkeit dieser Form von Naturheilkunde chinesischen Heilpflanzen und Arzneimitteln zu.

In Indien praktizieren 60 Prozent der zugelassenen Ärzte nichtallopathische Medizin. Es gibt fast 400000 zugelassene ayurvedische Ärzte im Land, und die ayurvedische Medizin ist heute das drittgrößte medizinische System weltweit. Fast 70 Prozent der modernen Arzneimittel, die heute in Indien eingesetzt werden, basieren auf Naturprodukten.

In Japan haben 80 Prozent der Ärzte im vergangenen Jahr ein traditionelles chinesisches Medikament verschrieben, meist in Form der sogenannten Kampo-Präparate. Etwa 200 Kampo-Präparate besitzen in Japan die offizielle staatliche Zulassung. Nach Aussage der Weltgesundheitsorganisation hat Japan bei pflanzlichen Arzneimitteln den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch weltweit.

In über 70 Ländern gibt es nationale Bestimmungen hinsichtlich pflanzlicher Heilmittel. Der internationale Vergleich zeigt, dass die Definitionen für medizinische Produkte oder Heilpflanzen von Land zu Land variieren und hinsichtlich der Zulassung, Verabreichung und Herstellung dieser Produkte unterschiedliche Maßstäbe gesetzt werden.

Pflanzenheilkunde in Europa

In Europa, besonders in Deutschland, werden pflanzliche Arzneimittel (die hier als Phytopharmaka bezeichnet werden) genau wie andere Medikamente verschrieben und finden breite Unterstützung durch Wissenschaftler und Ärzte. Pflanzenheilkunde ist für alle Medizinstudenten in Deutschland Pflichtfach, und etwa 80 Prozent der deutschen Ärzte behandeln ihre Patienten regelmäßig mit pflanzlichen Medikamenten. In England sind Phytotherapeuten als Teil des Gesundheitswesens anerkannt, dasselbe gilt für Australien.

Da Deutschland, Frankreich und Italien die wichtigsten Märkte für Phytopharmaka sind, werden die meisten Forschungsartikel auf diesem Gebiet in europäischen, nichtenglischsprachigen Zeitschriften publiziert. In den letzten Jahren werden Forschungen jedoch zunehmend in englischer Sprache veröffentlicht.

Die meisten in den Vereinigten Staaten als Nahrungsergänzungsmittel vertriebenen Pflanzenextrakte gelten in Europa als Medikamente und unterliegen dort strengeren Zulassungsvoraussetzungen. Schätzungen zufolge hat der europäische Markt für Phytopharmaka einen Jahresumsatz von mehr als 8 Milliarden US-Dollar, wobei über 70 Prozent dieser Umsätze in Deutschland generiert werden, einem Land mit einer reichen Tradition in der Pflanzenheilkunde. Eine Marktstudie zeigte, dass 76 Prozent der deutschen Frauen zur Förderung ihrer Gesundheit Kräutertee trinken.

Pflanzenheilkunde in den Vereinigten Staaten

Im Laufe des 19. Jahrhunderts gab es in den Vereinigten Staaten einige Gruppen von Ärzten, die Pflanzenheilkunde praktizierten. Dazu gehörten die Thomsonianer oder Botanic Physicians, ihre Nachfolger, die Physiomedicalists, und als bekannteste Gruppe die Eclectic Physicians.

Von ungefähr 1830 bis etwa 1930 war die Praxis der eklektischen Medizin weit verbreitet. Ihr Begründer, der Arzt Wooster Beach, lehnte die damals üblichen medizinischen Verfahren wie Zur-Ader-Lassen, Ansetzen von Blutegeln, Purgieren und die Anwendung giftiger Medikamente wie Arsen und Quecksilber ab. Stattdessen wandten sich Beach und seine Anhänger der Materia medica (»heilende Substanz«) der amerikanischen Flora zu. Eklektische Ärzte machten in den 1890er-Jahren 10 Prozent der gesamten Ärzteschaft der Vereinigten Staaten aus. Ihre Erfahrung bei der Behandlung von Millionen von Patienten in mehr als hundert Jahren wurde in ihrem umfangreichen Schrifttum festgehalten. Es stellt heute eine wertvolle Sammlung experimentellen Wissens dar, die die erfolgreiche klinische Anwendung von pflanzlichen Heilmitteln zu einer Zeit dokumentiert, in der Antibiotika und die Errungenschaften der modernen Medizintechnik noch unbekannt waren.

Die Naturheilkunde (die die Anwendung pflanzlicher Arzneimittel einschließt) geht zum Teil auf dieselben historischen Wurzeln wie die Eklektische Medizin zurück und vereint heute traditionelle therapeutische Wirkstoffe natürlichen Ursprungs mit den modernen wissenschaftlichen medizinischen Diagnoseverfahren.

Von den Zwanziger- bis hinein in die Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts kam die medizinische Nutzung von Pflanzen in den USA praktisch zum Erliegen. Nach dieser Periode eines nahezu vollständigen Desinteresses an natürlichen Heilmitteln haben wir in dieser Hinsicht eine erstaunliche Renaissance erlebt.

1994 wurde in den Vereinigten Staaten das Gesetz über Nahrungsergänzungsmittel (Dietary Supplement Health and Education Act – DSHEA) verabschiedet. Es ordnet pflanzliche Produkte einer behördlich eindeutig festgelegten Kategorie von Nahrungsergänzungsmitteln zu, in die auch eine Reihe anderer Produkte fallen, unter anderem Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren. Als das DSHEA verabschiedet wurde, gab es nach Schätzungen der amerikanischen Lebens- und Arzneimittelbehörde (Food and Drug Administration – FDA) etwa 4000 Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Seit der Verabschiedung dieses Gesetzes ist ihre Zahl auf über 30000 angestiegen, und alljährlich kommen mehr als 1000 weitere hinzu.

Der Markt für pflanzliche Produkte ist schwer einzuschätzen. 2003 betrug der Weltmarkt für pflanzliche Arzneimittel über 60 Milliarden US-Dollar pro Jahr (Quelle: Weltgesundheitsorganisation) und wächst seither kontinuierlich. Allein in den USA ist in den vergangenen 15 Jahren der Markt für pflanzliche Heilmittel auf das Zehnfache angewachsen.

Das Interesse an Komplementär- und alternativer Medizin und damit auch an Pflanzenheilkunde nimmt zu. Medizinische Fakultäten und Fachleute verzeichnen steigende Teilnehmerzahlen bei Kursen über Pflanzenheilkunde. Die American Herbalists Guild vertritt die Ziele und Ansichten zahlreicher klinischer Phytotherapeuten, die American Herbal Products Association ist das Sprachrohr der Hersteller von pflanzlichen Arzneimitteln und das National Center for Complementary and Alternative Medicine, das den National Institutes of Health angehört, leistet Forschungs- und Aufklärungsarbeit auf dem Gebiet der Komplementär- und alternativen Medizin (einschließlich Heilpflanzen) für die Öffentlichkeit.

Die Zukunft der Pflanzenheilkunde in den Vereinigten Staaten sieht also recht gut aus. Allerdings stuft die FDA pflanzliche Mittel weiterhin als Nahrungsergänzungsmittel ein und untersagt den Herstellern, ihre Produkte als Mittel für die Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten zu bewerben. Einige Pharmaunternehmen und Ärzte plädieren dafür, pflanzliche Mittel wieder als Medikamente und nicht mehr als Nahrungsmittel einzustufen.

Forschung

Die überwiegende Mehrheit der heute gebräuchlichen Heilpflanzen war auch Anfang des 19. Jahrhunderts schon bekannt. Etwa 2000 Spezies sind in Forschungsarbeiten als Heilpflanzen dokumentiert, aber weitere 18000 Spezies wurden bisher nicht oder kaum auf ihre chemischen oder biologischen Eigenschaften untersucht.

In den vergangenen 20 Jahren wurden die klinischen Forschungen zu pflanzlichen Arzneimitteln überwiegend in Deutschland, Frankreich, Osteuropa, Thailand, Japan, China und Indien durchgeführt. Wie bereits erwähnt sind die meisten Studien in den Vereinigten Staaten nur schwer zugänglich oder nie ins Englische übersetzt worden. In den traditionellen medizinischen Systemen in Indien und China ist der Einsatz pflanzlicher Mittel zwar umfassend dokumentiert, allerdings wurden klassische westliche Methoden klinischer Forschung bei ihrer Untersuchung bisher nur in begrenztem Umfang angewandt.

In den Vierziger- und Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts investierten Pharmaunternehmen auf der Suche nach neuen Rohstoffen für Medikamente Millionen von Dollars in unsystematische Screenings von pflanzlichen Wirkstoffen. In einigen wenigen Fällen führte das zum Erfolg, aber die meisten Programme waren Fehlschläge. Nur selten führten solche Zufallsscreenings zur Entwicklung eines neuen Medikaments. In den vergangenen zehn Jahren haben Pharmaunternehmen nun erneut begonnen, das Pflanzenreich im Hinblick auf neue Wirkstoffe zu untersuchen. Man erkannte, dass sich Naturvölker diese Pflanzen seit Jahrtausenden für die Behandlung von Krankheiten zunutze machen und dass die Erforschung traditioneller Heilmittel sinnvoller ist als Zufallsscreenings. Bedauerlicherweise versuchen diese Pharmaunternehmen, wenn sie tatsächlich etwas Nützliches gefunden haben, nur eine bestimmte chemische Substanz zu isolieren und lassen die übrige Pflanze ungenutzt. Dies steht indes im Widerspruch zur traditionellen Pflanzenheilkunde, die vorzugsweise die gesamte Pflanze verwendet.

Moderne Phytotherapeuten in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Australien haben begonnen, ihre klinischen Erfahrungen sorgfältig zu dokumentieren und klinische Studien von begrenztem Umfang zu Behandlungen mit pflanzlichen Mitteln durchzuführen.

Traditionelle Pflanzenheilkunde

Was ihre Wirksamkeit angeht, haben traditionelle medizinische Systeme wie das Ayurveda, die TCM, die Tibetische Medizin und die graeco-arabische Medizin (Unani-Medizin), die Eklektische Medizin und die japanische Kampo-Medizin eine lange und eindrucksvolle Geschichte. Auch weniger bekannte Traditionen, unter anderem der Physiomedicalism, die Tradition der Ureinwohner Amerikas und Afrikas und die Siddha-Medizin (Sri Lanka) tragen einen reichen Wissens- und Erfahrungsschatz bei, auf den wir zurückgreifen können. Moderne Forschungen bestätigen den Nutzen und die Sicherheit der Methoden, die ein großer Teil der Weltbevölkerung zum Schutz ihrer Gesundheit anwandte und anwendet.

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die traditionelle Pflanzenheilkunde sich sowohl in der Theorie als auch in der Praxis von der der westlichen Medizin unterscheidet. In traditionellen Systemen der Pflanzenheilkunde galten Arzneimittel (die größtenteils pflanzlichen Ursprungs waren) häufig als Mittel, um Störungen der inneren Harmonie zu korrigieren und nicht, um lediglich Symptome zu behandeln wie in der westlichen Medizin. Störungen der inneren Harmonie galten als subjektiv und wurden oft mit Konzepten wie Yin und Yang, den Doshas und den Körpersäften beschrieben – Begriffe, die in der Bevölkerung allgemein bekannt waren. Der Kräuterkundige hatte es also mit Störungen der inneren Harmonie zu tun und setzte Pflanzenarzneien ein, um dieses Ungleichgewicht und damit auch die Symptome zu behandeln. Solche Störungen betrafen Körper und Geist gleichermaßen, so dass eine einzige Störung der inneren Harmonie sich in einer Vielzahl von Phänomenen äußern konnte. Das in der westlichen Medizin gängige Konzept einer Trennung von Körper und Geist gab es nicht.

Pflanzenheilkunde aus heutiger Sicht

Einzelne Pflanzen, etwa Traubensilberkerze, Echinacea, Knoblauch, Kava, Mariendistel, Sägepalme und Johanniskraut haben in den letzten 20 Jahren an Beliebtheit gewonnen, die Pflanzenheilkunde dagegen nicht. Das Verständnis der Pflanzenheilkunde in der Öffentlichkeit, bei Ärzten und in den Medien ist immer noch wenig ausgeprägt.

Nach einer kurzen Zeit der Begeisterung, in der Pflanzen als »Wunderheilmittel« propagiert wurden, mehren sich inzwischen die Artikel, die über die Gefahren von Heilpflanzen berichten. Wie in den meisten Fällen verstellen Sensationsberichte in den Medien, schlechte oder nur halbverstandene wissenschaftliche Veröffentlichungen, übertriebene Behauptungen und unser natürlicher Widerstand gegen neue Ideen den Blick auf die Wahrheit.

Die Vorstellung, dass pflanzliche Heilmittel entweder Allheilmittel oder giftig seien, macht uns blind für die Realität: dass sie nämlich in den meisten Fällen weder das eine noch das andere sind. Der Mangel an Erfahrung, Bildung und zuverlässiger Information über Heilpflanzen macht die Verbraucher zu leichten Opfern von Marketingtricks und Mythen über Heilpflanzen. Derselbe Mangel an Erfahrung und Information führt bei vielen Ärzten und anderen konservativen Angehörigen des Gesundheitswesens zu Misstrauen und Unbehagen, besonders was die übertriebenen Behauptungen über Wunderheilungen durch die Mittel ohne Wirkungsnachweis angeht, die ihre Patienten einnehmen.

Zwischen der Verwendung einer Heilpflanze in der Allopathie und seriöser pflanzenheilkundlicher Praxis besteht ein ganz grundsätzlicher Unterschied. Beide Systeme der Pflanzenheilkunde haben ihre eigene Herangehensweise, aber meistens sind ihnen drei Dinge gemeinsam.

Erstens basieren sie auf einer Philosophie, die das Fundament und die Struktur für die medizinische Praxis liefert. Meistens liegt dieser Philosophie eine Überzeugung zugrunde, deren Schwerpunkt das von der Naturheilkunde als vis medicatrix naturae bezeichnete Phänomen, also die heilende Kraft der Natur, bildet. Dieses Ideal war ein zentrales Dogma der Medizin, wie sie von Hippokrates, Moses Maimonides, dem deutschen Arzt Christoph Hufeland und dem frühen amerikanischen Arzt Jacob Bigalow gelehrt wurde. Viele medizinische Systeme gehen davon aus, dass der Körper nicht nur angeborene Selbstheilungskräfte besitzt, es besteht zudem eine bedeutsame Beziehung zwischen den physischen, emotionalen und spirituellen Aspekten jedes einzelnen Patienten. In der Chinesischen, der Tibetischen und der Cherokee-Medizin (der sogenannten nvwoti) gilt die Aufmerksamkeit unter Umständen auch möglichen äußeren Einflüssen und den Auswirkungen von Familie, Gemeinschaft und Umfeld auf den jeweiligen Patienten.

Der zweite und dritte Aspekt traditioneller medizinischer Systeme – ihr energetischer Aspekt und ihr differenzialdiagnostisches System – greifen ineinander. Die Energetik ist ein erfolgreicher Weg zum Verständnis einer Heilpflanze, und zwar nicht aufgrund ihrer Bestandteile, was höchst problematisch sein kann, sondern aufgrund ihrer Wirkungsweisen und deren Effekte im menschlichen Körper. Der Begriff Energetik beschreibt die Wirkmechanismen und die Eigenschaften einer Pflanze. Verstärkt (stimuliert) oder verringert (sediert) sie Körperfunktionen, verstärkt sie die heilsame Wirkung guter Nahrung, kräftigt sie ein Organ oder versorgt sie trockenes Gewebe mit Feuchtigkeit? Diese traditionelle Form der Pharmakologie wird zusammen mit unterschiedlichen Arten der Differentialdiagnostik angewandt. Damit wird ein Verständnis des zugrundeliegenden Ungleichgewichts, also der Erkrankung, erreicht, und die Behandlung ist jeweils spezifisch auf den Patienten abgestimmt. Gute Pflanzenheilkunde behandelt Menschen, nicht Krankheiten.

Offizielle Standards für Pharmazeutika

Zur genauen Bestimmung von Heilpflanzen und ihrer korrekten Dosierung wurden verschiedene Arzneibücher verfasst und im Laufe der Jahre immer wieder aktualisiert. Ein Arzneibuch (oder Pharmakopöe) ist eine offizielle Sammlung von technischen Informationen zu bestimmten medizinischen Substanzen (sowohl pflanzlichen als auch pharmazeutischen).

Die United States Pharmacopeia

Die United States Pharmacopeia (USP) ist eine Publikation, die als das offizielle Arzneibuch öffentliche Standards und Bestimmungen für sämtliche verschreibungspflichtigen und frei verkäuflichen Medikamente und sonstige Gesundheitsprodukte festlegt, die in den Vereinigten Staaten hergestellt und verkauft werden. Monographien zu einigen Nahrungsergänzungsmitteln und Inhaltsstoffen werden in einem separaten Teil der USP veröffentlicht.

Die FDA erkennt die USP und das National Formulary (NF) als offizielle Normen an, und diese werden inzwischen in einem gemeinsamen Band veröffentlicht (der USP-NF). Die USP-NF wird zudem in über vierzig Ländern außerhalb der Vereinigten Staaten staatlich anerkannt.

Die USP wurde erstmals 1820 veröffentlicht und enthielt Beschreibungen pflanzlicher, mineralischer und tierischer Substanzen, die für Arzneipräparate verwendet wurden. Im Laufe der Zeit kamen neue Substanzen hinzu, andere wurden herausgenommen. Bedauerlicherweise betrafen viele der Streichungen pflanzliche Substanzen. Zwischen 1870 und 1900 fiel die Zahl der aufgeführten pflanzlichen Mittel von über 600 auf 169, im Jahr 1970 auf 68 und auf 25 im Jahr 1990.

2005 enthielt das USP 95 Monographien zu pflanzlichen und nicht-pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln.

2013 hat die USP das »Herbal Medicines Compendium« (HMC) online gestellt. Das Kompendium in Form einer Datenbank steht der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung.1 Das HMC stellt die derzeit gültigen Standards für Inhaltsstoffe in pflanzlichen Arzneimitteln bereit und wird laufend aktualisiert.

Warum wurden so viele pflanzliche Mittel aus der USP gestrichen?

Ab etwa 1880 traten pharmazeutische Medikamente an die Stelle der Pflanzenheilkunde. Zum Teil lag dies am Fortschritt der modernen pharmazeutischen Industrie und an der Entdeckung hochwirksamer synthetischer Teerfarbstoffverbindungen durch deutsche Forscher. Nach der Jahrhundertwende galten Heilpflanzen als rückständig, als Relikte der Vergangenheit. Die Zukunft der Gesundheitsversorgung war jetzt eng mit dem Labor und der Wissenschaft verbunden. Zudem müssen die in der USP veröffentlichten Monographien, und insbesondere Monographien zu Pflanzenheilmitteln, zwei Kriterien erfüllen: Sie müssen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, und die Wirksamkeit der Medikamente muss nachgewiesen sein. Bedauerlicherweise erfüllten die meisten pflanzlichen Heilmittel nicht die strengen Anforderungen der USP, da in vielen Fällen eine wissenschaftliche Überprüfung der Ergebnisse fehlt.

Die USP räumt ein, dass einige pflanzliche Medikamente seit Jahrhunderten, sogar seit Jahrtausenden angewendet werden, fährt aber fort:

Wissenschaftliche Belege für die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Produkte sind unter Umständen nur in geringer Zahl vorhanden oder fehlen völlig. Ein Großteil der Informationen über pflanzliche Mittel in den Vereinigten Staaten besteht aus Aufzeichnungen, Einzelberichten und Fallbeispielen, die sich auf ihre Verwendung in der Vergangenheit beziehen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt existieren in der medizinischen Literatur der Vereinigten Staaten nur wenige randomisierte, kontrollierte klinische Studien zu pflanzlichen Mitteln, und viele der vorliegenden Studien sind nur von begrenztem Nutzen, weil die Zahl der Stichproben oder die Behandlungsdauer nicht ausreichend war. Werden Aussagen in Bezug auf die Eigenschaften der als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzten pflanzlichen Mittel gemacht, so muss in Betracht gezogen werden, wie beweiskräftig das vorgelegte Material ist.

Die Herausgeber der USP sind nicht gewillt, als Grundlage für die Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit von Heilpflanzen, andere als placebokontrollierte Doppelblind-Studien zu akzeptieren. Bei Placebo-Studien wird einer Gruppe von Probanden das zu untersuchende Medikament verabreicht, einer anderen dagegen eine bekanntermaßen wirkungslose Substanz. Bei Doppelblindstudien wissen weder die Forscher noch die Probanden, wer welches Medikament erhält. Bei Einfachblindstudien wissen es die Forscher, die Probanden jedoch nicht. Näheres finden Sie in unserer Diskussion zur wissenschaftlichen Forschung in Kapitel 4.

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Kapitel 2: Adaptogene: Ein Überblick

Kapitel 2
Adaptogene: Ein Überblick

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Adaptogene sind natürliche Substanzen mit bemerkenswerten Eigenschaften: Sie helfen dem Körper, sich an Stress anzupassen, unterstützen die normalen Stoffwechselfunktionen und tragen zur Regeneration des inneren Gleichgewichts bei. Sie erhöhen die Widerstandskraft des Körpers gegen physikalische, biologische, emotionale und umweltbedingte Stressoren und ermöglichen eine Abwehrreaktion bei akutem oder chronischem Stress. Von anderen Substanzen unterscheidet sie ihre einzigartige Fähigkeit, das endokrine Hormonsystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen, die Immunreaktion zu modulieren und dem Körper die Aufrechterhaltung einer optimalen Homöostase zu ermöglichen.

Das Wissen über Adaptogene ist Jahrtausende alt und hat seinen Ursprung im alten Indien und China. Eine seriöse wissenschaftliche Erforschung dieser Substanzen begann allerdings erst Ende der Vierzigerjahre des letzten Jahrhunderts, als sowjetische Wissenschaftler die heilsame Wirkung dieser Pflanzen bei der Bewältigung von Stress, der Vorbeugung und Eindämmung von Krankheiten, der Aufrechterhaltung der Homöostase und der Vitalisierung des Körpers untersuchten.

Adaptogene: Eine Definition

1947 definierte Dr. Nikolai Lazarev ein Adaptogen als einen Wirkstoff, mit dessen Hilfe der Körper gegen schädliche physikalische, biologische oder emotionale Stressoren vorgehen kann, indem er die unspezifische Widerstandskraft gegen diese Art von Stress erhöht und damit dem Organismus die »Adaptation« an die belastenden Umstände ermöglicht.

1968 formulierten Israel I. Brekhman und I. V. Dardymov (Kapitel 3 geht ausführlicher auf diese Pioniere der Adaptogen-Forschung ein) folgende funktionale Definition der Adaptogene:

Ein Adaptogen ist für den Behandelten nicht toxisch.

Ein Adaptogen erzeugt im Körper eine unspezifische Reaktion – eine Erhöhung der Widerstandskraft gegen mannigfaltige Stressoren einschließlich physikalischer, chemischer oder biologischer Einflüsse.

Ein Adaptogen hat einen normalisierenden Einfluss auf die physiologischen Vorgänge im Körper, unabhängig von der Richtung der vom Stressor verursachten Abweichung von physiologischen Normen.

Ganz einfach ausgedrückt: Adaptogene sind nicht toxisch, bewirken eine unspezifische Reaktion auf Stress und haben einen normalisierenden Einfluss auf den Körper. Adaptogene, die der Definition entsprechen, stellen eine neue Klasse von natürlichen, homöostatischen Stoffwechselregulatoren dar.

Noch immer arbeiten zahlreiche Wissenschaftler mit dieser Definition, die in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts veröffentlicht wurde. Eine verbindliche Definition für den Begriff Adaptogen existiert allerdings bis heute nicht. Keine anerkannte pflanzenmedizinische oder wissenschaftliche Organisation hat bisher eine endgültige Definition vorgelegt. Deswegen ist es so wichtig, die Aussagen genau zu prüfen, die sowohl die Wissenschaft als auch die traditionelle Medizin zu adaptogenen Eigenschaften macht. In manchen Kreisen bleibt es einfach der (mehr oder weniger genauen) Einschätzung des Einzelnen überlassen, ob eine Pflanze adaptogene Eigenschaften besitzt. In diesem Buch werden die Adaptogene aus unterschiedlichen Blickwinkeln vorgestellt. Wir hoffen, dass die Analyse letztendlich sowohl die wissenschaftliche als auch die traditionelle Sichtweise bestätigt.

Brekhmans und Dardymovs Definition der Eigenschaften von Adaptogenen ist etwa vierzig Jahre alt. Die grundlegenden Kriterien für Adaptogene blieben unverändert, bis in den letzten Jahren neue Forschungen und ein neu erwachtes Interesse zu neuen Interpretationen der ursprünglichen Definition geführt haben. Auf einige dieser Klarstellungen und Interpretationen gehen wir im Folgenden ein.

Adaptogene sind nicht toxisch

Adaptogene sollten nicht toxisch (nicht schädlich) sein. Sie dürfen nur minimale Nebenwirkungen auf die körperliche oder geistige Gesundheit haben. Diese Anforderung ist so gut wie unstrittig, bei dieser Norm ist die Akzeptanz anscheinend besonders hoch.

So gibt es beispielsweise Belege, dass die Wurzel der Zaunrübe (Bryonia alba) möglicherweise adaptogene Eigenschaften besitzt. Da diese Pflanze jedoch potenziell giftig ist, haben wir beschlossen, sie nicht in unsere Liste der Adaptogene aufzunehmen. Ihre Verwendung als homöopathisches Mittel ist weit verbreitet.

Adaptogene rufen eine unspezifische Abwehrreaktion gegen Stress hervor

Zur Klarstellung: Eine unspezifische Reaktion in einem Organismus setzt voraus, dass er die Fähigkeit zur Abwehr oder Anpassung besitzt – dass er genügend »Anpassungsenergie« aufbauen kann, um das Gleichgewicht des Körpers zu wahren, wenn er multiplen Stressoren oder schädlichen Einflüssen ausgesetzt ist. Eine unspezifische Reaktion bedeutet zudem, dass Adaptogene eine Reaktion, unter anderem die Bildung einer Reserve an adaptiver Energie, auf mehr als eine Weise anregen, aktivieren oder fördern.

Im Idealfall kommt diese Reserve zum Einsatz, wenn sie für die Reaktion auf einen akuten Stressor erforderlich ist, ohne dass den Zellen lebensnotwendige Energie entzogen wird. Stimulanzien wie Amphetamine beispielsweise sind Substanzen, die den Zellen die lebensnotwendige Energie rauben können.

Adaptogene haben einen normalisierenden Einfluss auf den Körper

Einige Forscher sind der Ansicht, dass Adaptogene die natürliche Fähigkeit des Körpers zum bipolaren homöostatischen Ausgleich steigern und belastete physiologische Systeme dabei unterstützen, unabhängig von der Richtung der Abweichung den Normalzustand wiederherzustellen. Dieser normalisierende Einfluss setzt voraus, dass Adaptogene die Eigenschaft haben, bidirektional auf physiologische Funktionen einzuwirken. Dies ist ganz einzigartig und hat einige Beobachter zu der Aussage veranlasst, Adaptogene besäßen »Intelligenz«. Tatsächlich stellt dieser Einfluss auf die homöostatische Steuerung des Körpers viele konventionelle westliche Pharmakologen vor ein Rätsel.

Adaptogene bewirken Veränderungen im Körper, weil sie verschiedene Systeme anregen und ins Gleichgewicht bringen, unter anderem das neuroendokrine und das Immunsystem. Sie können bei einer Überfunktion die Aktivität eines Systems dämpfen oder bei Unterfunktion dessen Aktivität verstärken und wirken somit normalisierend.

Der Asiatische Ginseng ist ein Beispiel für ein Adaptogen, das nachweislich die Fähigkeit besitzt, auf verschiedenen Stoffwechselwegen bidirektional und dadurch normalisierend zu wirken. Zu den in Asiatischem Ginseng enthaltenen Wirkstoffen gehören die sogenannten Ginsenoside. Die Pflanze enthält Ginsenosid Rg1, das das Nervensystem stimulieren kann, und Ginsenosid Rb1, das es beruhigt. Daraus folgt das Potenzial des Asiatischen Ginsengs, multiple bidirektionale Aktivitäten auszulösen.

Wirkt im Gegensatz dazu eine Pflanze oder ein Arzneistoff nur unidirektional, so erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass Probleme auftreten oder bereits bestehende Erkrankungen sich verschlimmern. Aus diesem Grund werden Adaptogene in der Regel nicht zur Erzielung eines einzigen therapeutischen Effekts verabreicht. Statt Adaptogene ausschließlich gegen Bluthochdruck anzuwenden, können sie auch zur Normalisierung des Blutdrucks eingesetzt werden, unabhängig davon, ob er leicht erhöht oder zu niedrig ist.

Adaptogene müssen einen normalisierenden Einfluss auf die Regulierungssysteme des Körpers aufweisen, unter anderem auf das neuroendokrine und das Immunsystem. Sekundär wirken sie unter anderem auf Leber, Herz-Kreislauf-System, Nieren und Bauchspeicheldrüse.

Zudem weiß man, dass die meisten, wenn nicht alle Adaptogene, antioxidative Eigenschaften besitzen. Viele Adaptogene wirken zudem hepatoprotektiv (leberschützend) oder kardioprotektiv (herzschützend), schützen vor den Nebenwirkungen einer Chemo- oder Strahlentherapie und haben antikanzerogene (krebshemmende) oder entzündungshemmende Eigenschaften. Tatsächlich stellen wir bei genauerer Untersuchung fest, dass Adaptogene ebenso gesundheitsfördernd wie vielseitig sind.

Tonika, Antioxidantien und Amphotere

Viele Heilpflanzen können adaptogene oder stärkende Eigenschaften besitzen, ohne echte Adaptogene zu sein.

Da Adaptogene die Anpassungsenergie erhöhen, können sie als Tonika gelten, in Übereinstimmung mit der Definition von Tonika als Substanzen, die körperliche Schwächezustände lindern. Stärkende Heilpflanzen spielen eine große Rolle in der Chinesischen Medizin, in der ihre wichtigste Funktion der Ausgleich von Mangelzuständen und die Erhöhung von Energie und Wohlbefinden ist. Ein Tonikum kann jeden Tag eingenommen werden und ist in der Regel nebenwirkungsfrei.

Eine Theorie besagt, dass die Funktion der Adaptogene in erster Linie auf ihrer antioxidativen Wirkung beruht sowie auf ihrer Eigenschaft als Radikalfänger. Diese Theorie ist zwar teilweise zutreffend, bietet aber keine hinreichende Erklärung für die gesamte Brandbreite der Wirkungen dieser Heilmittel. Folglich sind Adaptogene zwar Antioxidantien, aber antioxidative Eigenschaften (wie sie zum Beispiel grüner Tee, Rosmarin und Heidelbeeren besitzen) allein machen eine Substanz noch nicht zu einem Adaptogen.

Adaptogene können auch amphotere Wirkung haben. Ein Amphoter ist eine Substanz, die die Funktion eines Organs oder Systems im Körper normalisiert. Stellen Sie sich Amphotere als »gesunde Kost für ein Organ« vor. Beispiele hierfür sind unter anderem Weißdorn für Herz und Kreislauf oder Grüner Hafer im Milchstadium für das Nervensystem. Diese Pflanzen sind Amphotere, aber sie sind keine Adaptogene.

Adaptogene fungieren in lebenden Organismen als Breitband-Amphotere, wobei ihre Wirkung nur selten auf ein einziges spezifisches Organ oder System beschränkt ist. Das Konzept »ein Mittel für eine Krankheit« gilt für den Einsatz von Adaptogenen nicht.

Unterschiedliche Sichtweisen auf Adaptogene

Um die Bedeutung des Begriffs Adaptogen zu erfassen, gilt es, viele unterschiedliche Sichtweisen zu berücksichtigen. Ayurvedische Heiler erklären, dass bestimmte Rasayanas allgemein verjüngende Eigenschaften besitzen. Vertreter der Traditionellen Chinesischen Medizin sagen, dass Qi- oder Blut-Tonika die Organe nähren und die schützende Energie des Körpers kräftigen. Nach Aussage russischer Wissenschaftler erhöhen Adaptogene die Widerstandskraft des Körpers gegen ein breites Spektrum von Stressoren und normalisieren die Körperfunktionen. Westliche Forscher und Wissenschaftler untersuchen, wie Adaptogene die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse (HPA-Achse) und das sympathoadrenale System regulieren. (Diese Begriffe werden in Kapitel 5 behandelt.) Klinische Phytotherapeuten setzen Adaptogene zur »Neuregulierung« des neuroendokrinen und des Immunsystems ein, um die Heilung zu fördern und stressbedingten Erkrankungen vorzubeugen.

Tabelle II.1.

Zusammenfassung unterschiedlicher Sichtweisen

Sichtweise

Begriff

Beschreibung der Wirkung

Ayurvedische Heiler

Rasayana

Verjüngt

Vertreter der Traditionellen Chinesischen Medizin

Qi-Tonikum, Hohe Heilpflanze

Stärkt und stimuliert die Immun- und Abwehrfunktionen des Körpers

Russische Wissenschaftler

Adaptogen

Erhöht die körpereigene Widerstandskraft gegen ein breites Spektrum von Stressoren und normalisiert Körperfunktionen

Westliche Wissenschaftler

Adaptogen

Reguliert das System der HPA-Achse und das sympathoadrenale System

Klinische Phytotherapeuten

Adaptogen

Neuregulierung bei Störungen der Harmonie im neuroendokrinen und Immunsystem

In der westlichen Medizin ist Adaptogen vielfach kein akzeptierter Begriff. Ein Grund mag sein, dass, ungeachtet einer Reihe fundierter Studien zum Thema, die Abgrenzung der Adaptogene von anderen Kategorien wie Immunmodulatoren, Tonika, Anabolika oder Antioxidantien oft schwerfällt. Die meisten Forscher stimmen darin überein, dass es pflanzliche Substanzen gibt, die die Eigenschaft haben, bestimmte Phasen des Allgemeinen Anpassungssyndroms zu modulieren, wie es von dem Mediziner Hans Selye (siehe Seite 112 ff. in Kapitel 5) definiert wurde. Diese Substanzen vermindern entweder die Stressreaktionen während der Alarmphase oder verhindern das Eintreten der Erschöpfungsphase und bieten somit einen gewissen Schutz gegen lang anhaltenden Stress. Die ayurvedische, die chinesische und die westliche Sichtweise auf Adaptogene gehen sämtlich von einer immunmodulierenden Aktivität aus. Wenn die normale Immunfunktion gestärkt wird, ist auch die Vitalität erhöht.

Einige Forscher sind der Ansicht, dass die Messung der antioxidativen Wirkung und der Immunmodulation, die die Verwendung pflanzlicher Adaptogene hervorruft, als Methode für eine funktional relevante Qualitätsprüfung der Wirksamkeit von Adaptogenen dienen kann. In dieser Diskussion sind die Beiträge klinischer Phytotherapeuten von großer Bedeutung. Ihre Sichtweise der Adaptogene beruht auf der Praxis. In ihrer Arbeit mit Patienten haben sie die Ergebnisse des Einsatzes von Adaptogenen beobachtet (siehe die Fallgeschichten in Kapitel 10). Einige Phytotherapeuten haben die ursprüngliche russische Definition der Adaptogene erweitert, andere haben sie ergänzt oder vereinfacht.

Moderne Sichtweisen

Nachfolgend einige neuere und unter Umständen hilfreiche Definitionen von Adaptogenen:

Adaptogen:(1) Ein Wirkstoff, der durch Stärkung des Immun-, Nerven- und Drüsensystems die Fähigkeit des Körpers steigert, sich an umweltbedingten und inneren Stress anzupassen. Er stärkt die Widerstandskraft eines Organismus gegen Stress, Krankheit und Umwelt, normalisiert zudem Stoffwechselunktionen und erhöht die Stoffwechseleffizienz.

(2) Ein Prophylaktikum, das auf unspezifische Weise die Widerstandkraft des Organismus gegen verschiedene Umwelteinflüsse und –reize erhöht und/oder die Neigung zu und die Anfälligkeit für Krankheiten senkt.

(3) Steigert die unspezifische Widerstandkraft des Körpers gegen externen Stress oder schädliche physi-kalische, chemische oder biologische Einflüsse.

Singh, Hoette, mit Miller / 2002

Adaptogen: Eine Substanz, die die Widerstandkraft des Körpers gegen physikalische, chemische, emotionale oder biologische Stressoren erhöht und die normale physiologische Funktion fördert.

Bone / 2003

Adaptogen: Eine Pflanze, die Widerstandskraft und Resilienz bei Stress erhöht und damit dem Körper ermöglicht, einen Kollaps zu vermeiden, weil er sich an das Problem anpassen kann.

Hoffmann / 2003

Ein Adaptogen ist eine Substanz, die dazu beiträgt, den Körper in einen Zustand der Harmonie mit seiner Umgebung zu bringen, indem sie auf chemischer, zellulärer und Systemebene ein Gleichgewicht schafft. Diese harmonisierende Funktion vermindert die Auswirkungen ungünstiger Bedingungen und regt die körpereigenen Immun-und Heilungsfunktionen an. Diese adaptogenen Substanzen unterstützen den Körper bei der Anpassung an verschiedene umweltbedingte Belastungen und mindern die dadurch im Körper verursachten Schäden. Tendenziell fördern sie die körpereigene Fähigkeit zur erfolgreichen Stressbewältigung und damit längere Phasen des Wohlbefindens.

Teeguarden / 1998

Adaptogene sind stärkende Pflanzen, die das körpereigene Gleichgewicht wiederherstellen, unabhängig von der Richtung der Abweichung. Sie verbinden stärkende und ausgleichende Eigenschaften. Beispiele sind unter anderem die Rinde der Sibirischen Ginsengwurzel (Eleutherococcus senticosus) und Blätter/Stängel von Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum).

Tillotson / 2005

Adaptogene ist der Begriff für nicht toxische Substanzen, die unspezifisch die Widerstandskraft eines Organismus gegen ein breites Spektrum schädlicher Einflüsse erhöhen und seine Funktionen normalisieren.

Weil / 2006

Adaptogene bilden eine neue Klasse von Stoffwechselregulatoren (natürlichen Ursprungs), die die Fähigkeit zur Anpassung an und zur Vermeidung von Schäden durch Umweltfaktoren erhöhen.

Panossian / 2003

Pflanzliche Adaptogene sind Verbindungen, die die Fähigkeit eines Organismus erhöhen, sich an Umweltfaktoren anzupassen und Schädigungen durch solche Faktoren zu vermeiden. Die positiven Wirkungen der Verabreichung mehrfacher Dosen von Adaptogenen sind in erster Linie verbunden mit der Hypothalamus–Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse), einem Bestandteil des Stresssystems, dem eine entscheidende Rolle bei den Reaktionen des Körpers auf wiederholten Stress und der Anpassung daran zugeschrieben wird.

Panossian und Wagner / 2005

Adaptogene im Überblick

Es gibt viele Möglichkeiten, Adaptogene zu klassifizieren. Im nächsten Abschnitt geben wir einen Überblick über ihre geographische (nach Vorkommen der Adaptogene) und botanische Klassifizierung (nach derzeitigem Wissensstand der Botaniker). Danach folgt ein ausführlicherer Abschnitt über die phytochemische Zusammensetzung der Adaptogene.

Weitere Informationen zur Verwendung der Adaptogene in verschiedenen medizinischen Systemen (in chinesischen, ayurvedischen, westlichen)und ihrer Energetik finden Sie in den Einzelmonographien in Teil 2 und weitere Informationen zur Klassifizierung der Adaptogene nach gesundheitlichen Wirkungen und Körpersystemen in Kapitel 6.

Wo und wie Adaptogene vorkommen

Adaptogene sind an ihr natürliches Habitat angepasst, auch an kalte Witterung in großen Höhen und andere widrige Bedingungen. Wenn diese Pflanzen so anpassungsfähig sind, können sie vielleicht auch dem Menschen helfen, sich an die gegenwärtigen extremen Veränderungen des Weltklimas anzupassen.

Einige Adaptogene finden sich in kargen Gebirgsregionen (Amerikanischer Ginseng, Cordyceps, Rhodiola und Mumijo). Einige Cordyceps-Arten wurden in über 4500 Meter Höhe gefunden, und Rhodiola wächst in Sibirien auf 3000 Meter über dem Meeresspiegel. Rhodiola ist ein Beispiel für eine Pflanze, die sich an ungünstige Bedingungen von großer Höhe, extremer Kälte, niedrigem Sauerstoffgehalt und intensiver Sonneneinstrahlung angepasst hat. Diese Einflüsse haben sich mit Sicherheit auf die chemischen Merkmale der Pflanze ausgewirkt und bestimmen ihre Eigenschaften bei der Verwendung als pflanzliche Arznei.

Andere Adaptogene besitzen heilkräftige Wurzeln, deren Reifung viele Jahre in Anspruch nimmt. Dazu gehören: Amerikanischer Ginseng (mehr als sieben Jahre), Asiatischer Ginseng (fünf bis zwölf Jahre), Rhodiola (fünf bis acht Jahre), Astragalus (vier bis fünf Jahre), He Shou Wu (drei bis vier Jahre), Süßholz (drei bis vier Jahre), Rhaponticum (drei bis vier Jahre), Shatavari (drei Jahre) und Dang Shen (drei Jahre). In den Wurzeln speichern die Pflanzen konzentrierte Energie und Nährstoffe, und die reifen Wurzeln sind das Endergebnis von Jahren des Wachstums und der Anpassung.

Etwas untypisch für Adaptogene sind Ashwagandha, Heiliges Basilikum und Jiaogulan, denn sie sind völlig unproblematisch im Anbau und in weniger als einem Jahr erntereif.

Die meisten bekannten Adaptogene sind endemisch2 in China, Indien, Korea und Russland. Einige kommen auch in Europa und Nordamerika vor. Im Zuge der weiteren Erforschung der über 250000 bekannten Pflanzenarten wird man höchstwahrscheinlich noch weitere Adaptogene in Afrika, Australien und Nord- und Südamerika entdecken.

Die Klassifikation von Pflanzenarten

Alle Pflanzen, auch die Adaptogene, werden nach einem wissenschaftlichen System, der sogenannten botanischen Nomenklatur, klassifiziert.

Pflanzen werden auf der Grundlage gemeinsamer Merkmale in Kategorien eingeordnet. Jede Spezies gehört zu einer Pflanzenfamilie, deren Namen jeweils auf -aceae endet (der lateinischen Endung, die eine Pflanzenfamilie bezeichnet). Jede Spezies hat außerdem ein lateinisches Binomen – einen aus zwei lateinischen Bezeichnungen bestehenden Namen.

Die United States Pharmacopeia ebenso wie die U.S. Food and Drug Administration verwenden die Standardtrivialnamen, die in Herbs of Commerce aufgeführt sind, einer Publikation der American Herbal Products Association, die seit Januar 2006 in Kraft getreten ist. Die Angabe dieser Namen auf den Etiketten kommerzieller Nahrungsergänzungsmittel ist obligatorisch. Allerdings benutzen einige Phytotherapeuten lieber andere in der jeweiligen Region verbreitete und traditionell verwendete Namen. Mit wenigen Ausnahmen stimmen die in diesem Buch verwendeten Namen mit Herbs ofCommerce überein.

Tabelle II.2.

Adaptogene nach Pflanzenfamilie, botanischem und Trivialnamen

Pflanzenfamilie

Botanischer Name

Trivialname

Araliaceae

Eleutherococcus senticosus

Eleuthero

Araliaceae

Panax ginseng

Asiatischer Ginseng

Araliaceae

Panax quinquefolius

Amerikanischer Ginseng

Asteraceae

Rhaponticum carthamoides

Rhaponticum

Campanulaceae

Codonopsis pilosula

Dang Shen

Caryophyllaceae

Pseudostellaria heterophylla

Prince Seng

Clavicipitaceae

Cordyceps sinensis

Cordyceps

Crassulaceae

Rhodiola rosea

Rhodiola

Cucurbitaceae

Gynostemma pentaphyllum

Jiaogulan

Euphorbiaceae

Emblica officinalis

Amla

Fabaceae

Astragalus membranaceus

Astragalus

Fabaceae

Glycyrrhiza glabra, G. uralensis

Süßholz

Ganodermataceae

Ganoderma lucidum

Reishi

Lamiaceae

Ocimum sanctum, O. gratissimum

Heiliges Basilikum

Liliaceae

Asparagus recemosus

Shatavari

Magnoliaceae

Schisandra chinensis

Schisandra

Menispermaceae

Tinospora cordifolia

Guduchi

(Kein botanisches, sondern ein Naturprodukt)

Asphaltum bitumen

Mumijo

Polygonaceae

Polygonum multiforum

He Shou Wu

Solanaceae

Withania somnifera

Ashwagandha

Solanaceae

Lycium chinensis

Lycium

Adaptogene und sekundäre Pflanzenstoffe

Die Pharmakologie ist die Wissenschaft von Arzneistoffen und ihrer Wirkung auf den menschlichen Körper. Ein Arzneistoff ist eine Substanz, die zur Behandlung von oder zur Vorbeugung gegen eine Krankheit verabreicht wird. Die Wissenschaft von der chemischen Zusammensetzung der Pflanzen wird als Phytochemie und die Wissenschaft von aus der Natur gewonnenen Arzneistoffen als Pharmakognosie bezeichnet.

Pflanzen enthalten sowohl primäre als auch sekundäre Metaboliten, das heißt, Substanzen, die für den Stoffwechsel – die Energieerzeugung der Pflanzen – erforderlich sind. Die primären Metaboliten sind für das Überleben der Pflanze nötig, zu ihnen gehören Enzyme, Proteine, Lipide, Kohlenhydrate und Chlorophyll. Zu den sekundären Metaboliten gehören entscheidende Gruppen von chemischen Substanzen, die für den Menschen von medizinischem Nutzen sein können. Die Phytochemie der sekundären Metaboliten ist komplex, und wir werden einige der wichtigsten aktiven Metabolitenverbindungen in adaptogenen Pflanzen kurz behandeln.

Wegen der vielfältigen Ansatzpunkte und Wirkmechanismen dieser Pflanzen war es ein anspruchsvolles und komplexes Unterfangen herauszufinden, welches die Verbindungen sind, auf denen die bioaktiven Wirkungen von Adaptogenen beruhen. Die phytochemischen Abläufe der beobachteten Wirkungen der Adaptogene sind nicht geklärt, und die Studien liefern keine schlüssigen Informationen darüber, welche Verbindungen in den einzelnen Pflanzen für ihre adaptogene Aktivität verantwortlich sind. Einige Studien haben gezeigt, dass Bestandteile, die man für den wichtigsten Wirkstoff eines Adaptogens hielt, in Wirklichkeit eine Mischung ganz anderer unterschiedlicher und häufig vorkommender pflanzlicher Komponenten sind. Die Forschungen auf diesem Gebiet dauern an.

So entdeckten zum Beispiel in den letzten Jahren russische, japanische und südamerikanische Forscher hoch wirksame anabole3 Eigenschaften in bestimmten Pflanzen, die ein pflanzliches Sterol namens Ecdysteron enthalten. Sterole sind feste Steroidalkohole, zum Beispiel Cholesterin, die in Pflanzen und Tieren vorkommen. Vorfeldstudien haben gezeigt, dass bestimmte Pflanzensterole einen adaptogenen biologischen Wirkmechanismus besitzen und möglicherweise für verbesserte sportliche Leistungen und Muskelwachstum verantwortlich sind. Nur wenige Adaptogene wurden bisher auf pflanzliche Sterolkomplexe untersucht; in Guduchi und Rhaponticum wurden sie nachgewiesen. Auch die südamerikanische Suma-Pflanze (Pfaffia paniculata) enthält hohe Konzentrationen und einen hoch wirksamen Komplex von Pflanzensterolen.

Biochemische pflanzliche Substanzen in Adaptogenen

Triterpensaponine

Derzeitige Forschungen legen die Vermutung nahe, dass die pflanzlichen Stoffe, die adaptogene Eigenschaften aufweisen, in zwei Klassen eingeordnet werden können – Terpene und Polyphenole. Zu den Polyphenolen gehören auch die sogenannten Flavonoide, und viele dieser Verbindungen besitzen antioxidative Eigenschaften. Die Terpene bilden die größte Gruppe sekundärer Metaboliten, sie machen es möglich, dass die Pflanzen in ihrer jeweiligen Umgebung gedeihen können. Zu den Triterpenen gehören die Saponine, und eine besondere Klasse innerhalb der Saponine bilden die Triterpensaponine.

Bei seinen Untersuchungen der Adaptogene entdeckte Israel Brekhman, dass es sich bei den aktiven Verbindungen in den meisten der von ihm untersuchten adaptogenen Pflanzen um Triterpensaponine mit niedriger Toxizität und geringem Suchtbildungspotenzial handelte.

Bei einigen Triterpensaponinen wurden adaptogene Eigenschaften festgestellt. Außerdem wirken Triterpensaponine entzündungshemmend, leberschützend und immunmodulierend. Einige stärken auch die Nebenniere, in der sie die Aktivität des adrenocorticotropen Hormons (ACTH) imitieren. Dieser Vorgang ist äußerst wichtig für die Behebung der unterschiedlichsten Probleme im Zusammenhang mit Stress.

Zu den Adaptogenen, die Triterpensaponine enthalten, gehören Amerikanischer Ginseng, Asiatischer Ginseng, Astragalus, Dang Shen, Eleuthero, Heiliges Basilikum, Jiaogulan, Süßholz und Reishi.

Polysaccharide

In der Biochemie werden Zucker und Kohlenhydrate meist als Saccharide bezeichnet. Monosaccharide sind die einfachste Form von Zucker. Polysaccharide enthalten multiple Monosaccharideinheiten. Polysaccharidhaltige Pflanzen wirken immunstimulierend; sie stärken die Gesundheit des Immunsystems und bewirken eine Steigerung der Immunität. Auf biochemischer Ebene ermöglichen es diese Saccharide den Zellen, mit dem Immunsystem zu kommunizieren. Astragalus ist ein Beispiel für eine polysaccharidreiche Pflanze, und es gibt umfangreiche Forschungen zum Nachweis ihrer immunstärkenden Wirkung.

Polysaccharidreiche Pflanzen werden schon lange in traditionellen medizinischen Systemen wie der chinesischen Pflanzenheilkunde eingesetzt. Sie regen nicht nur das Immunsystem an, sondern werden auch zur Stärkung der Lebensenergie eingesetzt und gelten als Qi-Tonika. Weitere Beispiele für polysaccharidreiche Adaptogene sind unter anderem Eleuthero, Reishi, Dang Shen und Cordyceps.

Von Polysacchariden wurden anregende Wirkungen auf folgende Elemente des Immunsystems berichtet: Zytokine (Interferon, Interleukin), Tumor-Nekrose-Faktor, natürliche Killerzellen, B- und T-Lymphozythen, tumorinfiltrierende Lymphozyten, Lymphokin-aktivierte Killerzellen, Makrophagen (Immunzellen), Granulopoese (die Bildung von Granulozyten im Knochenmark) und Thrombopoese (die Bildung von Blutplättchen im Knochenmark).

Jüngere Forschungen haben bestätigt, dass Polysaccharide eine immunstärkende Wirkung besitzen, aber ihre Verabreichung scheint problematisch zu sein. Nach Aussage einiger Forscher ist die Verabreichungsform mit dem höchsten therapeutischen Nutzen ein injizierbares Präparat. Orale Präparate (Tinkturen, Tees, Kapseln) sind unter Umständen weniger wirksam.

Zu den polysaccharidhaltigen Adaptogenen gehören Amerikanischer Ginseng, Asiatischer Ginseng, Astragalus, Cordyceps, Eleuthero, Süßholz Lycium, Prince Seng, Reishi, Rhaponticum und Shatavari.

Ganze Pflanzen oder isolierte sekundäre Pflanzenstoffe

Phytotherapeuten arbeiten in der Regel mit Extrakten aus ganzen Pflanzen. Sie gehen davon aus, dass in vielen Fällen die ganze Pflanze wertvoller ist als ihre einzelnen Bestandteile und die meisten sekundären Pflanzenstoffe in ihrer natürlichen Matrix wirksamer sind als in isolierter Form.

Bei der Betrachtung der unterschiedlichen Ansätze im Umgang mit Heilpflanzen muss man sich den Unterschied zwischen traditionellen kräuterheilkundlichen Ansätzen und dem westlichen pharmakologischen Ansatz vor Augen halten. Traditionelle Kräuterheiler bevorzugen die Einnahme der ganzen Pflanze oder eines Extrakts aus der ganzen Pflanze. Westliche Pharmakologen untersuchen in der Regel die Pflanze, identifizieren den Bestandteil, den sie für den aktiven halten, extrahieren ihn und untersuchen dann die isolierte Substanz.

Dieser letztere Ansatz bringt erhebliche Nachteile mit sich. Erstens enthält keine Pflanze nur einen aktiven Bestandteil. Es können Dutzende oder sogar Hunderte sein. Selbst nicht aktive Bestandteile können im Wirkmechanismus der Pflanze eine Rolle spielen, indem sie die Verwertung im Körper fördern, die Toxizität senken oder schädliche Wirkungen verhindern.

Ein gutes Beispiel hierfür bietet der immunstärkende Pilz Maitake. Forscher untersuchten mehrere seiner Polysaccharidfraktionen und schrieben einer bestimmten Fraktion die höchste Aktivität zu. Als sie allerdings diese Fraktion mit einem Extrakt aus dem ganzen Pilz kombinierten, stieg die Aktivität um mehr als 80 Prozent. Eine reduktionistische pharmakologische Sicht auf Heilpflanzen ergibt häufig ein falsches Bild.

Ein weiteres Beispiel für dieses Problem liefern die deutschen Forschungen zum Weißdorn, einer Pflanze, die als Nerven- und Herz-Kreislauf-Tonikum eingesetzt wird. Bei ihren Versuchen, die aktiven Inhaltsstoffe dieser Pflanze zu identifizieren, kamen die Forscher zu dem Schluss, dass deren wichtigste sekundäre Pflanzenstoffe die Flavonoide seien, besonders eines mit dem Namen Vitexin-0-Rhamnosid. Nachdem man diese Substanz isoliert und extrahiert hatte, stellte man fest, dass sie keinerlei Aktivität aufwies. Interessanterweise blieb eine Wirkung ebenfalls aus, als Forscher in einem Versuch die Pflanze ohne diese spezielle chemische Substanz Tieren verabreichten. Es stellte sich heraus: der aktive Bestandteil des Weißdorns ist nur die ganze Pflanze.

Tabelle II.3.

Die wichtigsten und bekannten aktiven Inhaltsstoffe

Adaptogen

Aktive Inhaltsstoffe*

Amerikanischer Ginseng

Ginsenoside

Amla

Ellagsäure / Phyllemblin / Quercetin / Emblicol / Flavonole

Ashwagandha

Withanolide / Sitoindoside / Withaferine / Somniferien / Withanin / Anaferin

Asiatischer Ginseng

Ginsenoside

Astragalus

Astragalane / Glucuronsäure / Astragaloside / Flavone / Isoflavone

Cordyceps

Cordyceps-Säure / Galactomannane / Polyamine / Ecdysteron

Dang Shen

Tanshenoside / Atractylenolide / Adenosin

Eleuthero

Eleutheroside

Guduchi

Tinosporoside / Tinosporin / Tinosporon / Tinosporsäure / Cordifoliside / Syringen

He Shou Wu

Antioxidative Polyphenole

Heiliges Basilikum

Ursolsäure / Rosmarinsäure / Oleanolsäure / Flavonoide

Jiaogulan

Gypenoside

Süßholz

Glycyrrhizin / Genistein / lindernde Polysaccharide / Flavonoide

Lycium

Zeaxanthin / Cryptoxanthin / Flavonoide

Prince Seng

Taizishen / Heterophyllin / Polysaccharide / Saponine / Pseudostellarin

Reishi

Ganoderane / Ganoder- und Ganoderensäure / Ling zhi-9 – Protein

Rhaponticum

Ecdysone: Ecdyson / Turkesteron / 20-Hydroxyecdyson

Rhodiola

Rosavine (Rosavin / Rosin / Rosarin) / Salidroside / Flavonoide

Schisandra

Lignane: Schisandrine / Gomisine / Schisenhenol

Shatavari

Shatavarin / Sarsapogenin / Diosgenin

Mumijo

Huminsäure / Dibenzo-alpha-pyrone / Biphenyle

* In dieser Tabelle sind die wichtigsten aktiven Inhaltsstoffe aufgeführt. Ausführliche Angaben finden Sie unter »Inhaltsstoffe« in den Einzelmonographien in Kapitel 7.

Wie Adaptogene wirken

In diesem Kapitel haben wir die Adaptogene definiert und klassifiziert. Andere Kapitel befassen sich mit der Geschichte der Verwendung von Adaptogenen, ihren Wirkungen und gesundheitlichen Vorteilen. Aber worauf beruht die Wirkung der Adaptogene?

Die von der Wissenschaft am häufigsten diskutierte Erklärung lautet: Die Wirkung der Adaptogene basiert darauf, dass sie über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-(HPA)-Achse und das sympathoadrenale System eine unspezifische Reaktion gegen Stress auslösen. Aber wie genau läuft das ab?

Verschiedene in Adaptogenen vorkommende sekundäre Pflanzenstoffe wurden isoliert und untersucht. Ein Großteil der wissenschaftlichen Forschungen wurden an Tieren (in vivo) und im Labor (in vitro) durchgeführt und in asiatischen oder europäischen Sprachen publiziert. Es gab klinische (Human-) Studien, die die Ergebnisse der Tierstudien bestätigten, allerdings waren es nur wenige Studien mit wenigen Probanden. Zum Glück wurden zu einigen Adaptogenen umfangreiche Forschungen durchgeführt, unter anderem zu dem Asiatischen Ginseng, Eleuthero, Reishi, und Rhodiola. Es ist auch möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass verschiedene Adaptogene unterschiedliche Wirkmechanismen aufweisen.

Hier führen wir ein Beispiel für die Aussagen von Wissenschaftlern an, bei dem sie ihrer Meinung nach die wichtigsten aktiven Inhaltsstoffe des Asiatischen Ginsengs isoliert haben – die Ginsenoside. Die Forschungen in China wurden von Dr. C. Lui im Journal of Ethnopharmacology (1992) zusammengefasst, in dem er schrieb, dass im Asiatischen Ginseng 28 Ginsenoside gefunden wurden, die »auf das Zentralnervensystem, das Herz-Kreislauf-System und die Ausschüttung von endokrinen Hormonen einwirken, die Immunfunktion fördern und Wirkungen in den Bereichen Anti-Aging und Stressabbau aufweisen.«

Daraus schließen wir, dass die verschiedenen aktiven Bestandteile in den pflanzlichen Adaptogenen über multiple Stoffwechselwege das neuroendokrine und das Immunsystem anregen. Sie beeinflussen das Gehirn, die Nerven, die endokrinen Drüsen (Hypophyse, Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Nebennieren, Thymus-, Zirbel- und Bauchspeicheldrüse, Eierstöcke und Hoden) und das Immunsystem, indem sie deren Funktion neu regulieren, normalisieren und intensivieren. Es gibt viele Theorien hinsichtlich der genauen Abläufe, und selbst die Wissenschaftler sind sich diesbezüglich nicht sicher. Wir überlassen es ihnen, das Geheimnis der Wirkungsweise dieser Substanzen zu entschlüsseln.

Phytotherapeuten wissen seit Langem, dass Adaptogene tatsächlich wirken. Sie wissen, dass sie mit der Verwendung qualitativ hochwertiger adaptogener Pflanzen, der richtigen Zubereitung von Extrakten aus diesen Pflanzen und der angemessenen Dosierung bemerkenswerte therapeutische Erfolge erzielen können.