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Die Wohnung oder das Haus der Eltern, der Mutter oder des Vaters auflösen − eine Aufgabe, die von vielen Betroffenen als schwierig, zuweilen gar als bedrohlich wahrgenommen wird. Wo fange ich an? Wie soll ich das schaffen? Was darf ich überhaupt? Und was, wenn ich mit Geschwistern in Streit gerate? Was muss weg, was darf bleiben − und wie entscheide ich das? Christina Erdmann vermittelt zwölf zentrale Schritte, mit denen es gelingt, das Auflösen des Elternhauses umsichtig, zügig und ohne Stress zu bewältigen. Sinnvoll aufeinander abgestimmte, unmittelbar umsetzbare Handlungsempfehlungen und hilfreiche Checklisten zur Vorgehensweise ergänzen die psychologischen Ratschläge.
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Seitenzahl: 250
Veröffentlichungsjahr: 2023
Christina Erdmann
Elternhaus auflösen – sortieren, wertschätzen, loslassen
Wo fange ich bloß an? Was kann weg, was darf bleiben? Und: Wie soll ich das nur schaffen? Diese und noch viele andere Fragen beschäftigen fast alle, die die Wohnung oder das Haus der Eltern, der Mutter oder des Vaters auflösen müssen. Was darf ich überhaupt? Was tue ich, wenn ich mit Geschwistern in Streit gerate? Was, wenn ich auf böse Überraschungen stoße? Und wie gehe ich angesichts langer To-do-Listen mit meinen Gefühlen, z. B. Trauer und Wut, um?
Christina Erdmann vermittelt in diesem Buch zwölf zentrale Schritte, mit denen Betroffene das Auflösen des Elternhauses umsichtig und ohne Stress bewältigen. Konkrete Handlungsempfehlungen, hilfreiche Checklisten und psychologische Tipps machen dieses Buch zu einem unverzichtbaren Begleiter für alle, die vor der großen Aufgabe stehen, ihr elterliches Zuhause aufzulösen.
Dr. Christina Erdmann, geboren 1965 in Berlin, ist promovierte Diplompädagogin und arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren als Führungskräftecoach und Organisationsentwicklerin. Seit einigen Jahren begleitet sie auf diese Art und Weise insbesondere Angehörige der Babyboomer-Generation beim Auflösen ihres Elternhauses. Die Autorin lebt in Bochum.
Anmerkungen
Alle Arbeitshilfen unterliegen dem Copyright der Autorin. Gewerbliche Nutzung ist nur nach Rücksprache erlaubt.
Die Empfehlungen in diesem Buch sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Sie ersetzen weder eine Rechtsberatung noch eine therapeutische Unterstützung. Eine Haftung ist ausgeschlossen.
Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Hamburg, September 2023
Copyright © 2023 by Rowohlt Verlag Gmbh, Hamburg
Covergestaltung zero-media.net, München
Coverabbildung FinePic®, München; Anthony Bradshaw/Getty Images
ISBN 978-3-644-01819-8
Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation
Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp
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Widmung
Einleitung
Gebrauchsanleitung
Ihr Elternhaus: Was damit gemeint ist
Wie Sie dieses Buch am besten nutzen
Sie stehen noch ganz am Anfang oder lesen dieses Buch zur Vorbereitung, weil das Thema demnächst auf Sie zukommen wird
Sie haben schon angefangen und begegnen ersten Schwierigkeiten
Sie haben das Gefühl, dass bei Ihnen alles «ganz anders» ist und durcheinandergeht
Wenn Sie unter Zeitdruck stehen …
Reagieren Sie flexibel
An wen sich dieses Buch wendet: Eine notwendige Anmerkung zum Sprachgebrauch
Anleitungen und Arbeitshilfen
Erste Phase
Erster Schritt
Das beschäftigt Töchter und Söhne gerade
Am Anfang geht es nur um Sie
Machen Sie aus der «Not» eine Tugend
Begreifbare Erinnerungen: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte
Anleitung und Arbeitshilfen
Sie und Ihre Bedeutsamen Anderen in diesem Schritt
Literatur-Empfehlungen
Arbeitshilfe 1.1
Arbeitshilfe 1.2
Zweiter Schritt
Das beschäftigt Töchter und Söhne gerade
Das A und O: Sicher handeln können
Klares Vorhaben oder noch alles offen? Ihr Ziel beim Elternhaus-Auflösen
Reden statt surfen
Sie und Ihre Bedeutsamen Anderen in diesem Schritt
Anleitung und Arbeitshilfen
Widerstehen Sie der Versuchung, in diesem Schritt Vermisstes zu suchen oder Erinnerungsstücke zu bergen
Literatur-Empfehlungen
Arbeitshilfe 2.1
Arbeitshilfe 2.1
Arbeitshilfe 2.2
Arbeitshilfe 2.3
Dritter Schritt
Das beschäftigt Töchter und Söhne gerade
Verschaffen Sie sich Überblick und Handwerkszeug
Anleitung und Arbeitshilfen
Sie und Ihre Bedeutsamen Anderen in diesem Schritt
Arbeitshilfe 3.1
Arbeitshilfe 3.1
Arbeitshilfe 3.2
Arbeitshilfe 3.2
Arbeitshilfe 3.2
Arbeitshilfe 3.2
Vierter Schritt
Das beschäftigt Töchter und Söhne gerade
Maroon 5, Bundesliga und richtige Hilfe zum richtigen Zeitpunkt
Sorgen Sie für gezielte Hilfe
Anleitung und Arbeitshilfen
Wie Sie Ihre Bedeutsamen Anderen bei diesem Schritt einbinden können
Je weniger, umso mehr: Auflösen unter Zeitdruck
Arbeitshilfe 4.1
Arbeitshilfe 4.2
Arbeitshilfe 4.3
Arbeitshilfe 4.3
Zweite Phase
Fünfter Schritt
Das beschäftigt Söhne und Töchter gerade
Überwindung oder Erlösung: Ihr Start im Elternhaus
Katzenbilder, Kunstpflanzen, Häkeldeckchen oder: Ein gelungener Anfang
Ihr Anfangserfolg: Die wichtigsten Punkte vorab
Der Anfangserfolg und Ihre Bedeutsamen Anderen
Anleitung und Arbeitshilfen
Wenn nichts möglich scheint: Themen, die immer funktionieren
Bevor Sie den nächsten Schritt in Angriff nehmen
Empfehlungen zum Weiterlesen
Arbeitshilfe 5.1
Sechster Schritt
Das beschäftigt Töchter und Söhne gerade
Entdecken Sie Ihre Vorgehensweise
Der Mietvertrag oder: Wie Kategorien und Routinen die Arbeit erleichtern
Die Vorgehensweisen: (M)Eine Empfehlung und zwei Alternativen
Eine besondere Kategorie: Sammlungen
Im doppelten Sinn des Wortes: Die «Schlüssel»-Kategorie
Und wenn die anderen nicht mitspielen? Tipps für den Umgang mit Ihren Bedeutsamen Anderen
Anleitung und Arbeitshilfen
Literatur-Empfehlung
Arbeitshilfe 6.1
Arbeitshilfe 6.2
Arbeitshilfe 6.2
Arbeitshilfe 6.2
Arbeitshilfe 6.3
Arbeitshilfe 6.3
Siebter Schritt
Das beschäftigt Töchter und Söhne gerade
Der Moment, um den sich alles dreht: Entscheidungen fällen
Die «Fünf V» beim Elternhaus-Auflösen
Mutig entscheiden und abschließen
Anleitung und Arbeitshilfen
Entscheiden mit Ihren Bedeutsamen Anderen
Empfehlungen zum Weiterlesen
Arbeitshilfe 7.1
Achter Schritt
Das beschäftigt Töchter und Söhne gerade
Hitze im Kopf und blankes Entsetzen?! Stellen Sie sich dem Unerwarteten
Sprachlos und im Mark erschüttert?!
Was passiert da in mir? Das Gefühlschaos erkennen und in den Griff bekommen
Die fünf Phasen der Schock- und Trauerverarbeitung
Anleitung
Ihre Bedeutsamen Anderen bei diesem Schritt
Literatur-Empfehlungen
Neunter Schritt
Das beschäftigt Töchter und Söhne gerade
Frühstück zu Hause und Fotos im Keller
Bleibt alles anders oder: Keine Ahnung, was ich gerade fühle?!
Wertschätzung für Sie selbst?!
Anleitung und Arbeitshilfen
Literatur-Empfehlungen
Arbeitshilfe 9.1
Arbeitshilfe 9.1
Arbeitshilfe 9.2
Dritte Phase
Zehnter Schritt
Das beschäftigt Töchter und Söhne gerade
Vorbereitung auf den Abschied: Was Sie noch entscheiden müssen
Überlegen Sie, Geld in die Hand zu nehmen
Beauftragen Sie spätestens jetzt eine Maklerin
Beauftragen Sie einen Entrümpler
Anleitung und Arbeitshilfen
Bedeutsame Andere: Wenn plötzlich alles (doch noch) schiefzugehen scheint
Das Unglück im letzten Moment
Literatur-Empfehlungen
Elfter Schritt
Das beschäftigt Töchter und Söhne gerade
Der letzte Moment: Wie soll er sein?
Damit bin ich doch längst durch! Mein letzter Tag im Elternhaus
Ihre letzte Runde
Anleitung und Arbeitshilfe
Anregungen für Abschiedsrituale
Sie und Ihre Bedeutsamen Anderen in diesem Schritt
Literatur-Empfehlungen
Zwölfter Schritt
Das beschäftigt Söhne und Töchter gerade
Bleibt alles anders: Neu ankommen in der alten Welt
Erinnerungsstücke und was damit (nicht) geschehen soll
Anleitung
Ihr Abschluss spätestens nach einem Jahr
Empfehlung zum Anschauen
Epilog
Dank
Literatur
Monografien und Zeitschriftenbeiträge
Online-Quellen
Romane über das Auflösen eines Elternhauses
Fotografische Arbeiten zum Elternhaus-Auflösen
Literatur zum Thema Heldenreise
Sonstige Monografien und Zeitschriftenbeiträge
Weitere Onlinequellen
Meinen Eltern, Großeltern
und all meinen Ahnen
Heldenreise (und) Elternhaus
Die letzten Tage, Wochen oder Monate haben Ihre gesamte Aufmerksamkeit in Anspruch genommen.
Der schwere Sturz der Mutter und die notwendige Operation, seit der nichts mehr so ist wie zuvor. Von heute auf morgen haben Sie einen Pflegeplatz und hundert andere Dinge organisiert. Schließlich soll sich Ihre Mutter nach ihrem Umzug in das Pflegeheim halbwegs wohlfühlen.
Die zunehmende Demenz Ihres Vaters: Irgendwann war der Tag da, an dem es so nicht mehr weitergehen konnte. Unmöglich, ihn weiter allein im Haus wohnen zu lassen. Die monatelange Suche nach einem guten Pflegeheim – und plötzlich musste alles rasend schnell gehen. Sie haben versucht, ihn bei seinen Entscheidungen zu unterstützen: Was mitnehmen aus dem großen Haus in das kleine Zimmer? Schnell wurde klar: Sie müssen entscheiden und alles Notwendige erledigen.
Das sich langsam ankündigende Sterben Ihrer Mutter, der plötzliche Tod Ihres Vaters: Sie wussten, dass es bald vorbei sein würde – oder standen von einem Tag auf den anderen fassungslos vor dem Sarg. Notarzt, Bestatter, Trauerkarten, Beerdigung, die Verwandten mit ihren Beileidsbekundungen und guten Ratschlägen: Wie eine große Welle sind diese Tage und Wochen über Ihnen zusammengeschlagen.
Was auch immer mit Ihren Eltern geschehen ist: Ihr eigenes Leben hatte in dieser Zeit weitgehend Sendepause. Das Einzige, was gerade wirklich helfen würde, wäre ein langer Urlaub, um endlich Luft holen und die Ereignisse überhaupt erst einmal verarbeiten zu können.
Stattdessen stehen Sie nun dort, wo Ihre Eltern gelebt haben, zusammen oder allein. Sie lauschen den wohlbekannten Geräuschen des Hauses oder der Wohnung. Die Möbel befinden sich seit einer gefühlten Ewigkeit am selben Platz. Der vertraute Geruch hängt immer noch in der Luft. Die Räume atmen Erinnerung. Sie spüren, wie es Ihnen ging mit den Menschen, die hier gelebt haben. Die alten Geschichten: So lebendig in Ihnen, als ob es gestern gewesen wäre.
Aber jetzt? Sie müssen all das hier auseinanderreißen, diesen Ort auflösen. Für all die Gefühle, die das in Ihnen hervorruft, fehlen Ihnen die Worte. Und zwei Fragen schießen Ihnen dabei immer häufiger durch den Kopf: Wie soll ich das schaffen? Und: Wo fange ich bloß an?
Hierbei will Ihnen dieses Buch helfen. In zwölf Schritten, die auf den Gemeinsamkeiten basieren, die allen Elternhäusern zu eigen sind – ohne die individuellen Besonderheiten Ihres Elternhauses zu übergehen. Die zwölf Schritte zeigen Ihnen, wann und wie Sie in Ihrem Elternhaus den Ort und die dort befindlichen Dinge sortieren, wertschätzen und loslassen können. Sie erfahren, was notwendig ist, damit Sie dabei die unausweichliche emotionale, organisatorische und zumeist auch finanzielle Belastung von Anfang an gut in den Griff bekommen. Sie sparen wertvolle Zeit, indem Sie bewusst und strukturiert Ihre eigene Vorgehensweise entwickeln, mit der Sie gut vorankommen. Mit Hilfe dieses Buches wissen Sie in jedem Moment, was Sie als Nächstes tun sollten, selbst wenn es zwischendurch richtig schwierig wird. Sie lernen, konsequent die notwendigen Entscheidungen über die Dinge Ihrer Eltern zu fällen und sie auch umzusetzen. Und Sie verabschieden Ihr Elternhaus auf für Sie stimmige Art und Weise, sei es hochemotional oder aber routiniert-nüchtern, in jedem Fall jedoch bewusst gestaltet. Das erspart Ihnen die Erfahrung, am Ende die Haustür Ihres Elternhauses hinter sich zugezogen zu haben und sich später über eine verpasste, unwiederbringliche Chance zu ärgern.
Die Reihenfolge der zwölf Schritte in diesem Buch ist kein Zufall. Sie basiert auf dem bereits in den 1940er Jahren entwickelten Konzept der Heldenreise. Zugegeben: Auf den ersten Blick hat eine Heldenreise erst einmal überhaupt nichts mit Elternhäusern zu tun. Dieses Buch vermittelt Ihnen also einen völlig neuen Ansatz, indem es die Verbindung zwischen beidem herstellt: Denn das Elternhaus-Auflösen folgt zum ganz überwiegenden Teil bestimmten Regeln, die völlig unabhängig von den Besonderheiten Ihres Elternhauses sind. Damit Sie nachvollziehen können, wie ich darauf gekommen bin, muss ich bei mir beginnen.
Vor mehr als zehn Jahren habe ich mein eigenes Elternhaus aufgelöst; nicht allein, sondern zusammen mit meiner Schwester – und meinen Eltern. Diese hatten sich schweren Herzens durchgerungen, ihr Haus, das sie Ende der 1970er Jahre selbst gebaut hatten, aus gesundheitlichen Gründen aufzugeben. Monatelang mit ihnen zusammen auseinanderreißen zu müssen, was für die beiden mehr als drei Jahrzehnte lang ihr Lebensmittelpunkt gewesen war, entpuppte sich auch für meine Schwester und mich als schwierig und ungemein anstrengend.
Nachdem meine Eltern dann umgezogen waren und das Haus schon längst den neuen Eigentümern gehörte, begleiteten mich die Erfahrungen dieser Zeit weiter. Freunde und Bekannte mussten ein paar Jahre später ebenfalls ihre Elternhäuser auflösen. Ich bot ihnen die Checklisten und Pläne an, die ich mir beim Auflösen meines Elternhauses abends auf dem Sofa «zusammengebastelt» hatte, um irgendwie den Überblick zu behalten. Erstaunt stellte ich fest, dass die Unterlagen offenbar auch anderen Töchtern und Söhnen gute Dienste leisteten. Einigen schienen wichtige Schritte leichterzufallen, wenn sie vorher andere Aufgaben erledigt hatten. Andere hingegen stießen ständig auf neue Hindernisse und kamen nur langsam voran.
Ich nahm das so hin und kümmerte mich erst einmal nicht weiter darum. Ich suchte auch nicht bewusst nach einer Erklärung für diese Beobachtung, als ich eines Tages zufällig auf die Heldenreise stieß. Sie wurde zum ersten Mal in den 1940er Jahren von Joseph Campbell beschrieben, einem US-amerikanischen Mythenforscher. Er identifizierte in Sagen, Dichtungen und Überlieferungen aus der ganzen Welt Gemeinsamkeiten, die all diese unterschiedlichen Geschichten verbinden. Ihm fiel auf, dass die Helden stets die gleichen Phasen in einer bestimmten Reihenfolge durchlaufen, bevor am Ende «alles gut» wird. Jahre später definierte Christopher Vogler, Experte für Drehbuchentwicklung, basierend auf Campbells Erkenntnissen mit der Heldenreise zwölf grundlegende Schritte, die seitdem in der Entwicklung von Filmdrehbüchern eine wichtige Rolle spielen, aber auch weit darüber hinausreichen. «In den Prüfungen, die Helden in Literatur und Mythos zu bestehen haben, erleben [Menschen; Ergänzung CE] die Wiederentdeckung der seit Urzeiten erprobten Strategien für Überleben, Erfolg und Glück …» (Christopher Vogler: Die Odyssee der Drehbuchschreiber, Berlin 2018, S. 11).
Voglers Hinweise auf «die erprobten Strategien für Überleben, Erfolg und Glück» ließen mich hellhörig werden. Ich verglich die einzelnen Schritte der Heldenreise inhaltlich mit dem, was Freunde und Bekannte beim Auflösen ihrer Elternhäuser erlebt und bewältigt hatten – und war überrascht, wie reibungslos sich beides ineinanderfügte. Mir wurde klar: Die Heldenreise und ihre zwölf Schritte eignen sich als hilfreiches Grundmuster, um ein Elternhaus aufzulösen.
Der Übersichtlichkeit halber habe ich diese zwölf Schritte auf drei Phasen aufgeteilt: Sortieren – Wertschätzen – Loslassen. Alles, was Sie in Ihrem Elternhaus tun müssen, lässt sich bei genauer Betrachtung einem dieser drei Begriffe zuordnen.
In der ersten Phase stellen Sie sich auf die Situation ein und starten dabei mit sich selbst (erster Schritt). Sie ordnen Dokumente und klären die Sachlage (zweiter Schritt). Sie verschaffen sich einen Überblick darüber, was an Arbeit auf Sie wartet (dritter Schritt). Und Sie bereiten alles vor, um den Rücken frei zu haben und bei Bedarf genau die tatkräftige Unterstützung zu bekommen, die Sie wirklich entlastet (vierter Schritt).
In der zweiten Phase starten Sie mit dem Räumen (fünfter Schritt) und legen Ihre Vorgehensweise fest (sechster Schritt). Sie anerkennen die Entscheidungen Ihrer Eltern über die Dinge – und fällen Ihre eigenen (siebter Schritt). Sie akzeptieren Unerwartetes (achter Schritt) und würdigen, was Sie in den bisherigen Schritten erreicht haben (neunter Schritt).
In der dritten Phase fällen Sie die letzten großen Entscheidungen und bereiten die Über- bzw. Rückgabe Ihres Elternhauses vor (zehnter Schritt). Sie verabschieden sich von Ihrem Elternhaus auf für Sie passende Art und Weise (elfter Schritt). Zurück in Ihrem bisherigen Leben nehmen Sie die notwendigen Nacharbeiten in Angriff. Sie sorgen für den endgültigen Verbleib von Erinnerungsstücken und schließen das Auflösen Ihres Elternhauses mit einigen gezielten Aktivitäten endgültig ab (zwölfter und letzter Schritt).
Einige der zwölf Schritte dieses Buches werden Sie herausfordern und sich sehr ungewohnt anfühlen. Das ist normal, lassen Sie sich nicht entmutigen. Elternhaus-Auflösen ist kein Hexenwerk, aber auch nichts, was Sie mit links oder nebenher erledigen können. Selbst wenn Sie alles genau so umsetzen, wie hier im Buch beschrieben, wird es Situationen geben, in denen Ihre individuelle Situation vorübergehend für Ratlosigkeit oder Schwierigkeiten sorgen kann. Auch in diesem Fall gilt: Lassen Sie sich nicht beirren – und bleiben Sie am Ball.
Ihr Weg führt zum Ziel
Bevor es losgeht: Dieses Buch ist weder ein Rechts- noch ein Vorsorge-Ratgeber. Es kombiniert die Frage, wie man am besten beim Auflösen des Elternhauses vorgeht, mit Hinweisen, wie Sie dabei mit Ihren Empfindungen und Gefühlen klarkommen können. Natürlich kann es dabei keine Wunder vollbringen. Es übernimmt ausdrücklich keine Garantie dafür, dass Ihnen mit den zwölf Schritten alles «wie von selbst» gelingt. Die Gründe dafür sind so einleuchtend wie vielschichtig:
Ihre persönliche Geschichte mit Ihrem Elternhaus und seinen Bewohnern ist einzigartig. Ihre eigenen Erfahrungen und Erinnerungen beeinflussen maßgeblich, wie Sie mit diesem Ort während des Auflösens klarkommen.
Ihr Elternhaus als Wohnort Ihrer Eltern ist genauso einzigartig. Die Art und Menge der vorhandenen Dinge stellt Sie dementsprechend vor individuelle Herausforderungen.
Hinzu kommen noch die Ereignisse, die überhaupt erst dazu geführt haben, dass Sie jetzt vor dieser Aufgabe stehen: Erkrankung oder Tod der Eltern und das, was im Zusammenhang mit Pflege, Todesfall und Trauer eine Rolle spielt. Nicht zu vergessen die notwendige Abstimmung hierzu mit Ihren Geschwistern oder mit anderen relevanten Personen.
Dieses Buch kann deswegen zwangsläufig keines der vielen, für Sie individuell bedeutsamen Details berücksichtigen. Aber die zwölf Schritte geben Ihnen eine Struktur an die Hand, mit der Sie die grundsätzlichen Themen erfolgreich bewältigen.
Das Elternhaus ist, ganz einfach, der Ort, den Sie als Ihr Elternhaus oder als Wohnung Ihrer Eltern bezeichnen. Ihr Elternhaus kann auch der Ort sein, den Sie – aus welcher individuellen Geschichte heraus auch immer – als Ihr Elternhaus oder wie Ihr Elternhaus empfinden, egal, ob Sie dort jahrelang oder nie gelebt haben.
Dabei ist es unerheblich, ob Ihren Eltern Haus oder Wohnung (immer noch) gehört oder ob sie dort als Mieter gelebt haben. Lediglich im zweiten und zehnten Schritt (siehe dort) ergeben sich aus dieser Differenz unterschiedliche Aufgaben.
Darüber hinaus funktionieren viele meiner Empfehlungen auch in vergleichbaren Situationen. Wenn Sie also das Haus Ihrer Patentante, Ihrer Großeltern oder auch von «Fremden» wie z.B. der besten Freundin auflösen müssen, können Sie ebenfalls von diesem Buch profitieren.
Es hilft Ihnen auch dann weiter, wenn in Ihrer Erinnerung vor allem Unverständnis, eisiges Schweigen, Kälte, Wut, Aggression oder sogar pure Gewalt das Leben in Ihrem Elternhaus geprägt haben. Kein einziger der folgenden zwölf Schritte setzt voraus, dass Sie ein gutes Verhältnis zu Ihren Eltern oder Ihrem Elternhaus (gehabt) haben. Egal, was auch immer Sie – nicht – empfinden: An keiner Stelle werden hier Ihre Gefühle und Einstellungen Ihrem Elternhaus und Ihren Eltern gegenüber bewertet. Vielmehr werden Sie ausdrücklich dazu ermuntert, auch zu solchen Gefühlen zu stehen, die Außenstehende als unangemessen oder sogar als schockierend empfinden könnten: «Wie kannst du so etwas sagen/fühlen/wollen, es ist doch dein Elternhaus!?» Äußerungen dieser Art von Dritten helfen Ihnen nicht weiter. Lassen Sie sich daher davon nicht beeindrucken – auch wenn Ihnen das schwerfällt.
In allen zwölf Schritten dieses Buches finden Sie außerdem Anmerkungen und Empfehlungen für Ihren Umgang mit Ihren Bedeutsamen Anderen bei den anstehenden Aufgaben. Mit diesem Begriff sind Menschen gemeint, die mit Ihnen um Erinnerungsstücke und die Deutungshoheit darüber streiten, was mit dem Elternhaus geschehen soll – und die, das ist entscheidend, auch ein nachvollziehbares Recht dazu haben. In der Regel handelt es sich dabei um Ihre Geschwister. Denkbar sind aber auch Menschen, die Sie zwar zunächst als «Außenstehende» empfinden, die aber aus rechtlicher Sicht tatsächlich ein Wörtchen mitreden dürfen. Das kann z.B. jemand sein, dem Ihre Eltern vor Ewigkeiten eine Vollmacht ausgestellt haben, welche nie widerrufen wurde. In dieser Situation spielt es keine Rolle, welches Verhältnis – rechtlich oder emotional – Sie selbst zu diesem Menschen haben.
Zur Gruppe Ihrer Bedeutsamen Anderen gehören auch Personen, die Ihr Vater und/oder Ihre Mutter zu Ihren Mit-Erben eingesetzt haben – selbst wenn Sie die Gründe hierfür nicht nachvollziehen können und die betreffenden Menschen nicht mögen oder noch nicht einmal kennen.
Die meisten Hinweise in diesem Buch helfen beim Umgang mit allen Personen, mit denen Sie sich abstimmen müssen. Der Begriff Bedeutsame Andere soll Sie daher davor bewahren, die entsprechenden Hinweise zu diesem Personenkreis beim Lesen zu überspringen, nur, weil Sie Einzelkind sind.
Machen Sie sich mit den einzelnen Schritten vertraut. Wenn Sie die zugrunde liegende Logik verstanden haben, wird es Ihnen leichtfallen, alle Schritte umzusetzen und diese bei Bedarf auf Ihre persönliche Situation anzupassen.
Lassen Sie sich nicht von den Besonderheiten Ihres Elternhauses dazu verführen, das «Pferd von hinten aufzuzäumen». Widerstehen Sie der Versuchung, die ersten vier Schritte auszulassen und direkt mit dem Räumen zu starten. Sie kommen dann wahrscheinlich nur schleppend und mühsam voran.
Lesen Sie hierzu zunächst in jedem Kapitel den einführenden Abschnitt «Das beschäftigt Töchter und Söhne gerade». Wenn Sie sich in einem davon wiedererkennen, lesen Sie das gesamte Kapitel zu diesem Schritt. Fällt es Ihnen schwer, die dortigen Empfehlungen nachzuvollziehen oder auf Ihr Elternhaus anzupassen, prüfen Sie, welche der zuvor beschriebenen Schritte Sie bisher nicht unternommen haben, und holen Sie sie möglichst nach.
Das könnte daran liegen, dass Sie bisher zu viele Punkte gleichzeitig und/oder einzelne zum falschen Zeitpunkt angegangen sind. Nehmen Sie sich in diesem Fall einen Moment Zeit und notieren Sie die drei oder vier Fragen, die Ihnen aktuell gerade am meisten zu schaffen machen.
Lesen Sie dann in allen Kapiteln jeweils den Kapitelabschnitt «Das beschäftigt Söhne und Töchter gerade».
Ordnen Sie Ihre Fragen im Anschluss jeweils dem Kapitel zu, in dem Ihre Frage bzw. Ihr Problem thematisiert wird. Verteilen sich Ihre Fragen auf mehr als zwei Kapitel, arbeiten Sie an zu vielen unterschiedlichen Themen gleichzeitig.
Haben Sie z.B. Ihre drei drängendsten Fragen auf den zweiten, siebten und zehnten Schritt verteilt, lesen Sie zunächst das zweite Kapitel. Holen Sie die dort sowie die im ersten Schritt beschriebenen Aktivitäten nach. Verfahren Sie entsprechend mit den Aufgaben im siebten und zehnten sowie den diesen Schritten vorangehenden Aufgaben.
Auf diese Art und Weise bringen Sie Ordnung in Ihr Handeln und werden leichter vorankommen.
Bei Zeitdruck gilt grundsätzlich: Je weniger Zeit Sie für die Arbeit in Ihrem Elternhaus zur Verfügung haben, umso gründlicher sollten Sie sich darauf vorbereiten. Die ersten vier Schritte zeigen Ihnen, wie das geht, und im vierten Schritt finden Sie für diesen Fall noch genauere Anregungen.
Jedes Elternhaus stellt Sie vor individuelle Herausforderungen. Deshalb ist es unmöglich, präzise vorherzusagen, wie lange Sie insgesamt brauchen werden. Im vierten Schritt bekommen Sie einen Eindruck davon, wie lange es in Ihrem Fall dauern könnte.
Dabei macht dieses Buch keine Vorgaben, wie lange jeder einzelne Schritt mindestens dauern sollte oder wie viel Zeit Sie höchstens auf ihn verwenden sollten. Für einige Schritte brauchen Sie länger als für andere. Einige fallen Ihnen möglicherweise leicht, andere dagegen treiben Sie vielleicht zur Verzweiflung. Verfallen Sie also nicht in Panik, wenn ein Schritt länger dauert als ein anderer.
Wenn Sie rechtlich «auf der sicheren Seite» sind (was Sie gleich im zweiten Schritt klären), werden Sie die ersten vier Schritte eventuell mühelos an einem Tag erledigen können. Liegen Sie jedoch im Clinch mit Ihren Geschwistern, können sich alle Schritte – und insbesondere die rechtliche Klärung im zweiten Schritt – hinziehen, auch wenn Ihnen das schrecklich auf die Nerven geht.
Kein Elternhaus der Welt hält seine Herausforderungen in genau der hier dargestellten Reihenfolge parat. Einige Schritte werden Sie vielleicht mehrfach in Angriff nehmen müssen. Wenn irgend möglich, sollten Sie jedoch die ersten fünf und die letzten drei Schritte wie beschrieben angehen.
Die Schritte dazwischen, also den sechsten bis neunten Schritt, können Sie flexibel unternehmen, so, wie Sie sie gerade brauchen.
In diesem Buch geht es also nicht darum, dass Sie sich sklavisch an die hier dargestellte Schrittfolge halten, egal, wie schlecht Sie sich damit fühlen. Sie können variieren. Wichtig ist nur, dass Sie sich zuvor mit allen zwölf Schritten und der dahinterliegenden Dynamik des Ablaufs wirklich vertraut gemacht haben.
Sehen Sie es mir bitte nach: Ich gendere in diesem Buch nicht.
Dieses Buch will Sie darin unterstützen, ein Problem zu lösen, das vielleicht schon Stress bedeutet, wenn Sie nur daran denken. Ich habe mich daher dazu entschlossen, alles wegzulassen, was das schnelle Lesen und Verstehen der Inhalte dieses Buches erschweren könnte. Daher verzichte ich bewusst auf jede typografische Darstellung (Genderstern, Unterstriche oder Doppelpunkt) dessen, was für mich eine Selbstverständlichkeit ist: Aus tiefster Überzeugung und vollem Herzen spreche ich mit diesem Buch Menschen aller Geschlechter, sexuellen Orientierungen sowie aller Hautfarben, Religionen usw. an. Alles andere wäre in meinen Augen absurd und respektlos.
Und weil wir gerade bei Respekt sind: Wir Angehörigen der gerade ihre Elternhäuser auflösenden Generation haben in einer Zeit Lesen und Schreiben gelernt, in der «gendern» als Begriff den allermeisten vermutlich unbekannt war. Ich möchte Ihnen deshalb ein Buch, in dem sich alles um «Verlassenschaften» dreht (damit meine ich Gegenstände, Dokumente, Möbel, Kleidung usw., also wirklich alle Dinge im Haus Ihrer Eltern), in einem Schriftbild anbieten, das unseren Eltern noch vertraut wäre, würden sie dieses Buch lesen. Deshalb freue ich mich umso mehr, wenn Sie diese Seiten auch aufgrund dieser Entscheidung als gut lesbar wahrnehmen. Und ich hoffe, dass Sie meine Entscheidung akzeptieren, abwechselnd die männliche und weibliche Form, Begriffspaare wie «Töchter und Söhne» zu nutzen sowie an der einen oder anderen Stelle nur die männliche oder nur die weibliche Form zu lesen, weil ich beim Schreiben dann gerade einen Menschen dieses Geschlechts vor Augen hatte.
Dieses Buch enthält eine Reihe von Arbeitshilfen und Checklisten, die Sie beim Erledigen der anstehenden Aufgaben unterstützen. Damit Sie beides im Buch schnell finden, ist die Überschrift zu diesem Textabschnitt jeweils grau unterlegt: Anleitung.
Die Arbeitshilfen und Checklisten habe ich durchnummeriert und diese Zahlen etwas vergrößert dargestellt. Sie finden damit schnell die entsprechenden Seiten und können sie auch nach dem Ausdrucken eindeutig dem jeweiligen Schritt zuordnen. Die erste Zahl verweist dabei auf den Arbeitsschritt, zu dem sie gehört, die zweite Zahl macht deutlich, die wievielte Anleitung für diesen Schritt Sie gerade in Händen halten. Das sieht am Ende dann z.B. so aus: Arbeitshilfe 3.2 (= die zweite Arbeitshilfe aus dem dritten Schritt).
Sie können alle Arbeitshilfen direkt im Buch bearbeiten. Alternativ fertigen Sie Kopien an. Wenn Ihnen das zu aufwendig ist, können Sie die Arbeitshilfen auch einfach herunterladen und digital nutzen oder ausdrucken. Sie finden alle Dokumente unter chah2023.adieuelternhaus.de.
Genug der Vorrede. Vor Ihnen liegt viel Arbeit. Ich danke Ihnen, dass ich Sie dabei begleiten darf. Lassen Sie uns anfangen.
Sortieren
Sie selbst statt nur die Dinge – Sortieren Sie Ihre Erinnerungen
Sie scheuen davor zurück, überhaupt irgendetwas in Ihrem Elternhaus anzufassen. Ab und an versuchen Sie, ein paar Dinge wegzuräumen. Aber schnell geben Sie diesen Versuch wieder auf. Manchmal steigt Panik in Ihnen auf: Wie soll das alles gehen? Da ist so vieles, was Sie tun müssten, doch Ihnen fehlen Mut und Energie.
Das Haus fühlt sich mit einem Mal fremd und kalt an. Die Dinge Ihrer Eltern stehen noch am angestammten Platz. Dennoch: Was früher Gewissheit und Sicherheit geboten hat, existiert nicht mehr. Keine Ihrer üblichen Routinen hilft Ihnen weiter. Manchmal flüchten Sie sich in Erinnerungen, die Sie von alldem ablenken und «Damals» wieder lebendig werden lassen. Aber so richtig hilft Ihnen auch das nicht weiter. Im Gegenteil: Diese Mischung unterschiedlicher Gefühle haben Sie noch nie erlebt. Ihnen fehlt Orientierung. Und ein Anfangspunkt, von dem aus es weitergehen könnte.
Jede Heldenreise startet aus der vertrauten alten Welt des Helden. Von hier aus wird er in sein Abenteuer aufbrechen. Sie ist sein innerer Ankerpunkt, die Quelle aller Erinnerungen. Er trägt diese inneren Bilder in sich – ganz egal, welchen Herausforderungen er bei allem, was noch kommt, begegnen wird.
Elternhaus-Auflösen fängt nicht in den Räumen Ihrer Eltern an. Es beginnt mit Ihnen selbst.
Neben Ihrem Job und/oder Ihren familiären Verpflichtungen sollen Sie nun ein weiteres «Projekt» stemmen, bei dem Sie lauter Dinge tun müssen, die Sie vielleicht noch nie oder bisher nur sehr selten getan haben: Möbel selbst abbauen und zerlegen, einen gemieteten Transporter viele Male zum Sperrmüll fahren, Makler und Entrümpler aussuchen usw. Und vor allem: über unzählige Dinge entscheiden, die bisher Ihren Eltern gehörten. Das allein wäre schon anstrengend genug. Aber das, was das Auflösen eines Elternhauses zur wirklichen Anstrengung macht, sind nicht die Möbel und all die vielen Dinge Ihrer Eltern, sondern Ihre Erinnerungen und Empfindungen, die Sie mit ihnen und diesem Ort verbinden. Und die Sie immer dann einholen, wenn Sie etwas sortieren, Entscheidungen treffen oder einfach nur Dinge wegwerfen wollen.
Vieles kommt Ihnen plötzlich fremd oder unangenehm vor. So, als ob mit dem Auszug oder Tod der Eltern die Räume selbst aufgehört hätten zu leben. Die staubigen Flächen und abgenutzten Ecken. Die schiefen Schranktüren, die in die Jahre gekommenen Vorhänge. Bis vor Kurzem war das meiste einfach alt. Jetzt wirkt es plötzlich vernachlässigt und geradezu ungepflegt. Versteckte Scham, sogar stiller Zorn blitzen auf: Warum haben wir nicht früher …?
Aber da ist noch mehr. Einiges andere in den Räumen der Eltern kam Ihnen schon lange überflüssig, unangenehm oder sogar eklig vor. Aber jetzt, wo das Haus leer steht und nie wieder so sein wird wie früher, betrachten Sie diese Dinge mit einem Mal mit anderen Augen. Viele Male haben Sie versucht, Ihren Vater dazu zu bewegen, endlich die uralte, muffige Wolldecke zu entsorgen, die seit Jahren unbenutzt über der Lehne seines Lieblingssessels hängt. Jetzt könnten Sie das mit einem Handgriff selbst erledigen. Stattdessen streichen Sie wehmütig über den filzigen Stoff und brechen vielleicht sogar in Tränen aus.
Wo also könnten Sie bei all dem am besten anfangen?
Wenn es Ihnen in Ihrem Elternhaus schon genau so oder ähnlich ergangen ist, verabschieden Sie sich für einen Moment davon, möglichst schnell möglichst viel erledigen und schaffen zu wollen. Erlauben Sie sich stattdessen, Ihren Erinnerungen und Empfindungen den Raum zu geben, den beides offenbar braucht. Tun Sie das auch, wenn Sie Ihr Elternhaus unter Zeitdruck, z.B. an nur ein oder zwei Wochenenden auflösen müssen. Gerade dann ist das entscheidend, um anschließend gut voranzukommen.
