Adventstories - Beate Müller-Guthof - E-Book

Adventstories E-Book

Beate Müller-Guthof

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Beschreibung

Oh du Fröhliche, oh du Schreckliche...wer kennt sie nicht, die kleinen Katastrophen und grossen Hoffnungen in der Vorweihnachtszeit? Die Helden der Adventsgeschichten jedenfalls kennen sie zur Genüge. Der Weihnachtsmann stürzt mit seinem Schlitten ab und muss sich mutterseelenallein durch Brandenburg schlagen; Pfarrer Kleinert erfährt, dass gerade vor Weihnachten Gottes Wege unergründlich sind; Lena und Gero versuchen sich in der Schnapsidee,vor Weihnachten noch ihre Ehe zu retten; CIA Agent Danny wird es angesichts eine Gruppe backender Mamis angst und bange; Alois Blechzange fürchtet nichts mehr als den Anruf des Weihnachtsmannes...unsere Protagonisten sind meist zu allem bereit, aber nicht unbedingt zu allem fähig, doch sie wissen eines: der Geist der Weihnacht ist unbesiegbar. Aus dem Gästebuch der Adventstories: "Mille fois merci für deine Adventsstories. Was für eine grandiose Idee! Aus dem Leben erzählt, deshalb machen sie mich manchmal ziemlich traurig, doch immer wieder amüsiere ick mir königlich, muss ich glucksen oder laut auflachen (top: Kletterkurs, Etappenziel 2!) nicht selten sehr zum Verwundern meiner Mitwelt im Bus, bei der Elternversammlung, im Wartezimmer,...Vielleicht sollte ich sie nächstes Mal, wenn ich sie in der Öffentlichkeit lese, einfach auch dem Rest der Welt vorlesen... Nur leider ist ja schon morgen Etappe x-mas erreicht und damit auch ein weiteres "Vorbei!". Aber dein FANCLUB will mehr. Hörst du es....? Wir rufen laut: ZUGABE! ZUGABE! ZUGABE!

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Seitenzahl: 107

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Beate Müller-Guthof

Adventstories

Ein Adventskalender von Beate Müller-Guthof

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

1

2

3

4

5

6

7

8

9

11

12

13

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24 2.0

Impressum neobooks

Vorwort

Liebe Leserin & lieber Leser,

Im Kamin prasselt das Feuer

Kalter Wind am Fenster, nicht ganz geheuer

Der Duft von Glühwein, heiß

Ein Komet am Himmel, wer weiss?

In der weiten Ferne Sänger, wunderbare

Und Engel in der Sternenklare

Sie erzählen Geschichten. Wem? Dir!

Ein paar davon, die findest du hier...

1

Das Adventsessen

Er wollte nur einen schnellen Blick werfen und da sah er SIE.

SIE war perfekt.

Wohlgeformt.

Sanft.

Zugleich stark.

Ein Traum.

Ein Muss.

Es war nicht die richtige Zeit.

Es musste ihm egal sein.

Es würde schmerzhaft werden.

Egal, es musste sein.

Er würde seine Frau anlügen müssen.

Ein hoher Preis.

Doch für SIE erschien ihm kein Preis zu hoch.

SIE war einfach zu perfekt, und die Gelegenheit gab es viel zu selten.

Wo warst du so lange, würde seine Frau ihn verstimmt und mit misstrauischem Unterton fragen und die Schwiegereltern würde ihn verstohlen und dennoch tadelnd von ihrem sicheren Sofaplatz über den Rand ihrer Zeitung aus beobachten.

Er würde sich eine gute Ausrede einfallen lassen müssen, denn seine Frau wusste, wie lange er normalerweise brauchte, um den Wein abzuholen. Es musste etwas zwischendurch passiert sein- nur was? Eine alte Dame, die nicht nach Hause gefunden hatte, ein Nagel, der im Reifen steckte, ein betrunkener Weinverkäufer, der die Kasse nicht mehr bedienen konnte?

Er täte gut daran, sich eine perfekte Ausrede einfallen zu lassen, denn seiner Frau konnte er nichts vormachen.

Sie würde seine Lügen aus zehn Meter Entfernung riechen.

Er würde einen guten Anzug und Handschuhe brauchen.

Es lag alles bereit, und er zog sich, als würde ihn jemand beobachten, verstohlen um und sucht krampfhaft nach Gründen für sein Zuspätkommen

Ja, das wars, seine Lippen formulierten leise: „Liebste, es tut mir ja sooo leid, dass ich jetzt erst komme und ihr alle so lange aufs Essen gewartet habt. Aber stell dir mal vor: der Weinladen hatte doch tatsächlich wegen Krankheit geschlossen. Krankheit, also nein, was? Wir wissen doch, dass den alten Berger nichts umhaut, ausser ein schlechter Wein. Naja, und dann wollte ich bei Leysieffer einen anderen Wein besorgen, aber du weißt ja, wie voll es da immer ist und nachdem ich eine Stunde in der Schlange stand, habe ich aufgegeben und bin zur Tankstelle und hab da einfach die teuerste Flasche genommen. Ja, und dann ging da tatsächlich doch meine Karte nicht und ich musste noch mal schnell zur Bank um Bargeld zu besorgen. Es tut mir so leid!“

Ja, es tat ihm tatsächlich leid, seine Frau hatte schon seit Tagen den Menüplan hin und her ent- und verworfen, eingekauft (aber den Wein hatte sie wie immer vergessen), die Wohnung gewienert, vorgekocht und heute seit morgens in der Küche gestanden.

Der Einfall der Schwiegereltern war stets der größte anzunehmende Stressfaktor ihrer Ehe. Und dann das- er war mal wieder nicht da.

Er wischte sich eine kleine Träne der Rührung aus dem Gesicht.

Was sollte er tun- ES war einfach stärker als er.

SIE zog ihn magisch an.

Verflucht, seine Mütze lag zu Hause.

Er konnte es nicht riskieren, sie zu holen.

Es würde ohne Mütze verdammt hart werden.

Der Preis war hoch, doch er war bereit, ihn zu zahlen.

Er betrachtete SIE noch einmal voller Demut und Bewunderung. 

Dann holte er tief Luft, nahm sein Brett und stürzte sich ins eisige Wasser um ihr entgegen zu paddeln.

Seine Vorfreude hatte sich gelohnt:

SIE war tatsächlich DIE PERFEKTE WELLE.

***

2

Yoga

Nach der kleinen Shoppingtour mit Weihnachtsmarkt (Crêpe, Glühwein) ab ins Fitnessstudio, denn ich mache jetzt schon seit einiger Zeit Yoga. Ashtanga? Power? Kundalini? Hatha? Balance? Flow? Bikram? Hormon? Eine Freundin versuchte unlängst sehr interessiert, mir mittels try and error-Verfahren die Form des Yogas zu entlocken, die ich betreibe. Ich sagte ihr, dass ich eben Yoga mache (denn genau das steht auf dem Kursplan meines, zugegebenermaßen nicht äußerst exquisiten Fitness-Studios, welches ich vor allem der fünf Video-Gratisausleihen  pro Monat wegen ausgewählt habe) und das geht so: ein paar duftende Kerzlein funzeln am Boden (und bilden mit dem raumeigenen Schweissgeruch den charakteristischen Yoga-Scent), es tut nach fünf Minuten alles weh und bei der Meditation am Ende schnarche ich jedes Mal weg. Es gibt in dem Fitness-Studio auch einen Kurs namens „Hanteln für Girls“ und einen „Speck-weg-Turbo“. Sonst gibt es eigentlich nur Geräte. Geräte! Nee nee, ich mache jetzt Yoga.

Das mit dem Glühwein vorher war vielleicht nicht so eine gute Idee, denn es begleitet mich ein etwas unangenehmes Aufstossen. Glühwein passt aber ansonsten gut zu dem heutigen Weihnachtsduft (Kerze: „Zeit für Besinnung”) im Raume. Der Yogalehrer macht eigentlich ansonsten in Hanteln, ist aber respektabel beweglich, nur sein militärischer Ton beisst sich etwas mit seinen Worten. Den Atem ganz ruhig fließen lassen- gar nicht so einfach, wenn man als Yogaschüler unwillkürlich unter der Schärfe des Tonfalls zusammenzuckt.

Wir erweisen nicht nur dem Tag, sondern auch unserer Zusammenkunft im Hier und Jetzt die Ehre: mit dem Sonnengruß. Hierzu schieben wir den Nebel und die klirrende Kälte da draußen einfach mal beiseite und lassen die Sonne in unsere Herzen (stillgestanden!). Bei der Dehnung unserer durch unnötige Shoppingtouren und auch des sonstigen dekadenten westlichen Lebensstil stark verkürzten Wadenmuskeln ignorieren wir das unangenehme Gefühl, dass ein zu stark gespanntes Gummiband gleich peng machen wird, indem wir den Atem fließen lassen. Bei den im Sonnengruß integriertem Liegestütz wissen wir, dass wir gut daran getan haben, einen Platz in der hintersten Reihe zu wählen. Ansonsten sind wir ja fitnesstechnisch noch gut dabei, zumindest bei der ersten Übung und wir wundern uns nur, dass selbst diese von Yoga-Stunde zu Yoga-Stunde anstrengender wird.

Mit einem kleinen Aufstosserchen beenden wir den Zyklus und wenden uns der Stellung des Kriegers zu. Wir lassen unsere Blicke zu dem Punkt wandern, an dem sich im Unendlichen zwei Parallelen zwangsläufig schneiden und lassen uns nicht davon abhalten, dass auf dem Weg zum Unendlichen der Blick auf die Passagen fällt und automatisch die Weihnachtseinkaufsliste im Dauerloop vor das geistige Auge tritt. Der Krieger ist –wie der Name schon andeutet- die Heldenstellung und wir arbeiten gerade am visionären Held. Lächeln, auch wenn es anstrengend wird, bellt es vom Instruktor vorne und ich lächele verbissen. Jedoch liegt mir die Position, meine Hüfte bleibt parallel zu den verdrehten Füssen, meine Arme sinken nicht. Mein Lächeln weicht einem triumphierenden Grinsen, jetzt aber doch schade, dass ich in der letzten Reihe stehe. Meinem Vordermann entweicht ein Anstrengungsfürzchen und ich weiche in die vorderen Reihen aus.

Eine Aktion, die ich bei der nächsten Position sofort bereue. Denn es folgt die Schiefe Ebene, die eigentlich ein Liegestütz wäre, wenn man den Bauch nicht Richtung Himmel strecken würde und davon absieht, dass die Arme hier um 180° verdreht sind. Und beim Liegestütz war es ja nur gut, ganz hinten und ganz unbeobachtet zu sein. Ich wechsele also möglichst unauffällig wieder zurück zu meinem alten Platz, mit einem Lächeln im Gesicht und erspare mir durch langsames Gehen nebenbei die Tortur der Position. 

Yoga hält Geist und Körper fit, schallt es uns von vorne entgegen. Und damit der Geist dem fitten Körper nacheilen möge, teilt der Trainer jetzt Hanteln aus und legt eine etwas flottere Musik ein. Und eins und zwei, lächeln, drei und vier, lächeln, fünf und sechs, lächeln, sieben und acht...Ja, warum lächelt denn keiner mehr?

Bevor wir uns dann meinem persönlichen Highlight der Yogastunde (der Meditation) nähern, folgt noch ein besonderes Schmankerl: Die Partnerübung, genauer gesagt die grätschbeinige Vorwärtsbeuge, bei der die Partner sich mit auseinander–gespreizten Beinen gegenüber sitzen. Die Beine müssen  möglichst senkrecht zur Geraden der Arme der Partner, die sich an den Händen anfassen, gegrätscht werden. Ungünstig, wenn einer der Partner weitaus längere Beine hat als der andere. Mr. Pups dreht sich freudig zu mir herum und ich bedeute ihm, dass ich leider gerade ganz schnell aufs Klo verschwinden muss.

Und als ich zurück bin, sind wir auch schon bei meiner Lieblingsübung- der Entspannung. Musik plätschert jetzt leise, Ohrenstöpsel habe ich dennoch immer dabei, um das tiefe, zum Teil röchelnde Atmen der anderen sowie den Feldwebelton des Meisters in ein gechilltes Hintergrundrauschen zu verwandeln. Mit der Entspannung jedoch ist es heute schwierig, der Atem will nicht so recht fließen (hierzu trägt mein Nachbar erheblich bei). Die schon erwähnte Einkaufsliste verschwindet einfach nicht aus meinem Bewusstsein, ich sortiere plakativ meditativ im Geiste meine To-Do’s und mir fällt ein, dass Lumpi (mein Fiat) dringend zur Werkstatt muss. Auch eine SMS von Jana („Hab zufällig Malte getroffen -was nun?“) trägt zu meiner Ablenkung bei. Da aber selbst der unruhigste Geist nichts weiter ist als eine Welle, die irgendwo im Nirgendwo ausläuft, wandert mein Lächeln zögernd, aber unaufhaltsam nach innen, zu meiner kleinen Trauminsel, auf der ich mich jetzt einfach mal in die Sonne lege, bis der Trainer mich wie üblich wecken wird. Doch heute muss ich mich auf eine Tarantel gepackt haben, denn ich fahre wie von letzterer gestochen hoch, rufe laut „Entschuldigung!“ und verlasse unter den unentspannten Blicken der anderen fluchtartig den Raum.

Denn mir ist plötzlich eingefallen, dass mein geliebter Fiat ja noch in der Busspur steht.

***

3

Die Botschaft

Der Prinz, herbeigezaubert aus einer anderen Zeit und Welt, mit dem ich unlängst mit einer Kutsche von Robben und Wientjes durch einen magischen Wald tuckerte, um die Küstentanne für unseren Schulhof abzuholen, ist natürlich in Wirklichkeit gar kein Prinz. Er heisst Matthias und ist Landschaftsgärtner oder –Planer oder irgendetwas in der Art, aber das tut dem Blick aus seinen lapislazuliblauen Augen natürlich keinen Abbruch. Matthias Frau ist auf Kur gefahren, mein Göttergatte Gero auf Geschäftsreise und so hat er (also Matthias) mich zu sich zum Milchkaffee (beste Crema, Kaffee natürlich aus fairem Anbau) eingeladen. Ein paar Schmetterlinge flattern zwar hoffnungsfroh durch den Raum, doch Prinz und die Mutti in den besten Jahren lassen sich durch sie in ihrem REIN PLATONISCHEN Geplänkel nicht stören. Ganz und gar nicht stören.

Die Mutti in den besten Jahren mag ohnehin nichts mit komplizierten Verwicklungen (ein Blick in ihren Lebenslauf jedoch straft diese Aussage Lügen) und ist jetzt gerade dabei, den ganz großen Plänen des Matthias, der gerade mit einem Rotstift verschiedene Stellen einer Berlin-Stadtkarte markiert, zu folgen. Neben den Stadtplan hat Matthias drei grosse DINA3-Pappschablonen(ein Stern, ein Herz und ein Tannenbaum ) gelegt, daneben stehen, unschuldig pfeif, einige Spraydosen in den Farben Rot, Grün und Gold.

Er will, so verkündet Matthias, die Essenz der Weihnachtsbotschaft unter die Menschen bringen. Ein rotes Herz stehe für die Liebe und den Frieden, ein goldener Stern für die Wunder und das Licht und ein grüner Tannenbaum für die Hoffnung und den Glauben. Er habe sich ca. 50 „strategisch“ wichtige Punkte, Hot Spots, herausgesucht. Viele Touristenmagnete, aber auch die Autobahnausfahrt zum Flughafen Schönefeld, unsere Schule und die Gropiuspassagen sind dabei.

„Warum?“ frage ich, doch er scheint meine Frage nicht zu verstehen und antwortet: „Morgen Abend“ und ob ich Zeit und Lust habe, ihn zu begleiten. Er habe doch kein Auto und fahre zwar gerne Rad, aber nicht 100km bei minus fünf Grad.  Bei Facebook habe seine Aktion schon zig Likes und er werde auch nicht auf intakte Mauern sprühen.

Vielleicht, denke ich, ist ja seine Frau nicht einfach mal eben so auf Kur, sondern hatte –so kurz vor Weihnachten- so ihre GRÜNDE. Jedoch -wer weiss, vielleicht ist er ja eben doch ein edler Prinz, getarnt als Landschaftsirgendetwas, und ich befinde mich in einer karmischen Prüfung, die mir auferlegt, das Sein vom Schein zu unterscheiden, also sage ich zu. Ich meine, wie oft hat man in seinem Leben die Chance, mit einem waschechten Prinzen  die Weihnachtsbotschaft in die verschneite Stadt zu tragen.

Am nächsten Abend hole ich mit meinem kleinen Fiat (der übrigens Lumpi heisst) Matthias ab. Er trägt eine dicke Sweatshirt-Jacke mit fest gezurrter Kapuze und ist mit einer riesigen Messenger-Tasche behangen. In der Hand zwei Thermoskannen („Kaffee?“ „Glühwein?“) und eine Dose („Kekse? Hab ich selbst gebacken!“). Ich greife zu und wir starten unsere Mission. Wir beginnen mit der Innenstadt und ich lenke störende Passanten mit dummen Fragen und einem auseinandergefalteten Stadtplan ab, während der Prinz in Aktion tritt. Am Brandenburger Tor wird auf den Boden gesprüht, auf dem Fernsehturm von innen gegen die Scheibe, an der Polizeistation Mitte wagen wir einen Treppen-Tag. Natürlich alles mit ökologisch einwandfreien Lacken. Dann immer noch ein Foto und weiter im Takt.  Zwischendurch machen wir Stop in einer russischen Bar und tanzen auf der überfüllten Tanzfläche.

Mein Prinz und ich.