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Poledance und Aerial Hoop zu lehren und zu unterrichten ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die mit vielen Herausforderungen verbunden ist. Beim Training der Tricks und Figuren im Ring und an der Pole dürfen auch didaktische Grundlagen und Sicherheitsvorkehrungen nicht zu kurz kommen. Das Eingehen auf unterschiedliche Lerntypen ist ebenso wichtig, wie ein nachvollziehbarer Kursaufbau. Mit diesem Buch erhalten Trainer und Trainerinnen ein umfangreiches Nachschlagewerk zu all diesen Themen. Auch die Rolle des Trainers / der Trainerin an sich und wie man es schafft jeden Kurs gleichermaßen motiviert zu leiten, kommt in den behandelten Themen nicht zu kurz. Somit eignet sich das Buch sowohl für die Vorbereitung von Unterrichtsinhalten, als auch für das schnelle Nachschlagen wichtiger Punkte während der Kursstunden.
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Seitenzahl: 270
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Aerial PassionTrainerguide
Nadine Rebel
Aerial PassionTrainerguide
Das Handbuch fürPoledance- und Aerial Hoop-Trainer
Tipps, Tricks und Anleitungenzur Kursgestaltung
Trainingsprogramme und Empfehlungen stellen die Meinung und Erfahrung der Autorin dar. Sie können eine individuelle Trainingsberatung und -betreuung, sowie eine fundierte Trainerausbildung nicht ersetzen. Eine medizinische Beratung vor dem Beginn intensiver sportlicher Betätigung wird dringend empfohlen. Weder Autorin noch Verlag können für eventuelle Schäden, die aus den gegebenen Empfehlungen hervorgehen könnten, in Haftung genommen werden.
Das Buch richtet sich an Trainer und Trainerinnen. Es gilt jeweils für alle Geschlechter ohne Einschränkung. Es soll sich im Buch jeder gleichermaßen angesprochen fühlen. Die ausschließliche Abbildung weiblicher Personen in den Bildern des Buches stellt dabei keine Diskriminierung des männlichen Geschlechts dar. Für das Buch fungierten die Trainerinnen Nadine und Sophie Rebel als Models.Dies mag bitte berücksichtigt werden. Vielen Dank.
Vollständige E-Book-Ausgabe der im Copress Verlag erschienenen Printausgabe (ISBN 978-3-7679-1234-2).
Umschlaggestaltung: Verlagsservice Peter Schneider unter Verwendung eines Fotos von Bärbl Kypke
DTP-Produktion und Layout (Printausgabe): Verlagsservice Peter Schneider / Satzwerk Huber, Germering
Lektorat: Jürgen Rudwill (Dipl. Pädagoge, Studienrat a.D.)
Wir produzieren unsere Bücher mit großer Sorgfalt und Genauigkeit.
Trotzdem lässt es sich nicht ausschließen, dass uns in Einzelfällen Fehler passieren.
Sollten Sie in diesem Buch einen Fehler finden, so bitten wir um einen Hinweis an [email protected]. Für solche Hinweise sind wir sehr dankbar, denn sie helfen uns, unsere Bücher zu verbessern.
Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2018 Copress Verlag in der Stiebner Verlag GmbH, Grünwald
Alle Rechte vorbehalten.
Wiedergabe, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags.
Gesamtherstellung: Stiebner, Grünwald
ISBN 978-3-7679-2065-1
www.copress.de
Vorwort
Der Trainer
Trainerrolle
Checkliste Trainerfähigkeiten
Verhaltenskodex für Trainer
Checkliste Verhaltenskodex für Trainer
Work-Life-Balance für Trainer
Der kranke Trainer
Poledance und Aerial Hoop
Zwei Seiten derselben Herausforderung?
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Mobilität des Trainingsgeräts
Static Pole versus Hoop
Wer wird denn gleich in die Luft gehen?
In luftigen Höhen
Gefahren
Die Höhe der Aufhängung
Freiraum
Die Area um die Pole
Die Stockwerke beim Hoop
Der Reifen
Getapt oder nicht getapt?
Die Pole
Fixierung an der Decke
Polerinas und Hooperellas
Der Unterricht
Vorurteile und gedankliche Verbindungen
Zusammenfassung
Grundlagen der Anatomie
Sehnen und Bänder
Knochen
Gelenke
Die Richtungen der Bewegungen
Muskeln
Knie, Schulter und Halswirbelsäule – Hier ist besondere Vorsicht geboten
Knie
Schulter
Halswirbelsäule
Eine aufreibende Angelegenheit
Gelenkschonendes Training
Zusammenspiel
Mehrwert des Trainings an Hoop und Pole
Kraft und Rumpfstabilität
Rückgrat beweisen
Flexibilität
Koordination
Selbstwertgefühl
Gefahren
Gefahr 1 – zu wenig trinken
Gefahr 2 – zu wenig Muskeltraining
Gefahr 3 – ruckartige und schnelle Bewegungen, Kreuzschritte
Gefahr 4 – mehr auf Beweglichkeit und weniger auf Muskulatur setzen
Kontorsion
Fehler von Trainern
Häufige Fehler von Trainern und Teilnehmern
… zu wenig loben
… zu viel loben
… keine klaren Regeln
Warm-Up und Cool-Down unpassend gestalten
Einseitiges Üben
Falsche / keine Hilfestellung
Take a picture (Kraftbemessung)
Kurse und Kursgestaltung
Kursvorbereitung
Vor Kursbeginn – Aufgaben des Trainers / Studioinhabers
Vorbereitungsmaßnahmen beim Eintreffen der Teilnehmer
Haftungsausschluss
Direkt vor Stundenbeginn
Der Kurs beginnt
Warm-Up
Wann Teilnehmer vom Kurs ausgeschlossen werden können
Die ersten Kursstunden: Höhe des Hoops – Static Modus der Pole
Der Hoop
Die Pole
Grundhaltung der Teilnehmer
Zeit lassen
Downgrades und Alternativen
Inversion Readiness
Kurse selbst gestalten
Zeitmanagement
Einfache Moves mit Bodenkontakt zu Beginn
Warme Stangen / warme Hoops bieten mehr Halt
Mosaikarbeit versus Flow
Vier Bereiche (Spins / Pirouetten, Floorwork, Climbs und Lifts, Haltefiguren)
Hauptaugenmerk auf einen oder zwei Bereiche versus Allround-Stunden
Zeitfresser
Der Handstand und der Unterarm-Stand
Side Spin und Cradle Spin (Pole) und Kombinationsdrehungen
Inversion Readiness
Hilfestellung
Zeitfüller
Dance and Flow
Wiederholungen
Vermehrtes Üben auf der »anderen« Seite
Neue Kombinationen bekannter Spins oder Übungen
Floorwork
Kursdurchführung
Warm-Up
Auf was man im Warm-Up verzichten sollte
Dauer
Unterschiedliche Arten des Warm-Ups
Übungen für das Warm-Up
Hauptteil
Floorwork
Spins an der Pole/Pirouetten am Hoop
Lifts and Climbs
Haltefiguren / Tricks
Moderationssätze zu Beginn und für das Ende
Welche Inhalte für Kursstunden?
Grundhaltung und Griffe
Basic Grip – Grundhaltung Vorwärtsdrehungen
Grundhaltung Rückwärtsdrehungen
Cup Grip
Push Down Grip
Elbow Hold
Twisted Grip
Strong Hold Grip
Sicherheitsvorkehrungen bei Inverts
Richtig erklären
Die magische »4« beim Kuchen backen
Die Reihenfolge des Erklärens – erneut die magische »4«
Verschiedene Lerntypen und metaphorische Umschreibungen
Metaphern für alle
Ansagen und Kommandos
Richtig vorzeigen
Bewegungen stückeln
Bewegungen in Zeitlupe ausführen
Bewegungen einfrieren
Großen Muskelgruppen den Vorzug geben
Beispielanleitung Basic Climb (Pole)
Beispielanleitung Pull-Up Lift Back (Aerial Hoop)
Das Invertieren
Grundregeln für das Erlernen von Inverts
Upgrades, Downgrades, Add-ons
Downgrades von Spins
Upgrades von Spins
Downgrades von Haltefiguren
Upgrades von Haltefiguren
Add-ons
Achtung: Häufige Missverständnisse
Hilfestellung richtig lehren und lernen
Um Erlaubnis bitten
Fest zugreifen
Bestimmt sein
Klare Ansagen abwarten
Niemals denken, der Teilnehmer sei sicher
Hilfestellung von anderen Teilnehmern überprüfen
Beispiele für Kursinhalte
Rahmenbedingungen für Poledance- und Aerial Hoop-Kurse
Gestaltung von Kursen
Kursstunde für Newbies
Kursstunde für erfahrene Neulinge
Kursstunde für Neulinge im Intermediate Level
Kursstunde für den Intermediate Level
Kursstunde für Profis
Cool-Down
Saubere Überleitung zum Cool-Down
Vorgehensweise im Cool-Down
Anleitungen zur Dehnung des Nackens
Anleitungen zur Dehnung der Beine
Anleitungen zur Lockerung der Hüfte
Anleitungen zur Lockerung des Rückens
Zusammengefasst
Umgang mit schwierigen Teilnehmern und Verhalten bei Unfällen
Umgang mit schwierigen Teilnehmern
Akademische Viertelstündler
Lotusteilnehmer
Co-Trainer und karitative Teilnehmer
Zwangsverpflichtete
Jammerer
Übermütige Helden
Besserwisser und Machtkämpfer
Coaching-Klienten und Verantwortungsverschieber
Zusammengefasst
Umgang mit Unfällen und Verletzungen
Kollateralschäden
Zerrungen und stärkere Prellungen
Stürze
Zusammengefasst
Zusatztraining und Tipps fürs Studio
Zusatztraining
Yoga
Pilates
Krafttraining
Funktionales Training
Stretching und Flexibilitätstraining
Tipps und Tricks fürs Studio
Eingangsbereich
Sauberkeit und Wärme
Glasflaschen und Getränke
Zusatzmaterialien
Portfolio Poledance und Aerial Hoop
Portfolio Übersicht Poledance
Floorwork (Newbies)
Floorwork (Intermediate)
Floorwork (Profi)
Spins (Newbies)
Spins (Intermediate)
Spins (Profis)
Lifts and Climbs (Newbies)
Lifts and Climbs (Intermediate)
Lifts and Climbs (Profi)
Haltefiguren / Tricks (Newbies)
Haltefiguren / Tricks (Intermediate)
Haltefiguren / Tricks (Profis)
Portfolio Übersicht Aerial Hoop
Floorwork (Newbies)
Spins (Newbies)
Spins (Intermediate)
Lifts and Climbs (Newbies)
Lifts and Climbs (Intermediate)
Lifts and Climbs (Profis)
Haltefiguren / Tricks (Newbies)
Haltefiguren / Tricks (Intermediate)
Haltefiguren / Tricks (Profis)
Checklisten
Checkliste: Trainerfähigkeiten
Checkliste: Kursgestaltung
Checkliste: Vor dem Kurs
Checkliste: Warm-Up
Checkliste: Während des Kurses
Checkliste: Hilfestellung
Checkliste: Umgang mit schwierigen Teilnehmern
Checkliste: Verletzungen und Unfälle
Checkliste: Musik
Checkliste: Studio und Hardware
Checkliste: Kommandos
Checkliste: Cool-Down und Verabschiedung
Checkliste: Vorbereitungsübungen
Anhang
Schlusswort
Trainerausbildungen
Danksagung
Über die Personen in diesem Buch
Bildnachweise und Models
Literaturliste und Links
Sponsoren
Herstellernachweise – Polebekleidung
»Ein Lehrer ist besser als zwei Bücher« – so lautet ein deutsches Sprichwort. Wieso also überhaupt ein Buch? Warum ein Trainerguide, also ein Buch über das Dasein als Trainer?
Niemals aufgeben. Das gilt gleichermaßen für Trainer und für teilnehmende Personen.
Ein Trainer im Sportbereich hat zahlreiche Aufgaben und übernimmt bis zu einem gewissen Grad Verantwortung für die Teilnehmer.
Der Bereich der Luftakrobatik, zu denen auch der Polesport und das Trainieren mit dem Aerial Hoop gehören, nimmt dabei eine Sonderrolle ein. In jedem Fitnesskurs ist es wünschenswert, dass die teilnehmenden Personen die Übungen möglichst korrekt ausführen, doch Fehler in der Haltung oder der Technik führen in klassischen Fitnessstunden oder auch bei Yoga und Pilates selten zu akuten Problemen. Anders beim Unterrichten von Poledance und Aerial Hoop. Ein ungesicherter Teilnehmer, eine falsche Handhaltung, ein falsches Landen nach einer Drehung, all das kann zu Verletzungen führen, deren Ausmaß im Einzelfall nicht benannt werden kann. Insofern macht es Sinn, sich die Trainerrolle für diese Sportarten näher zu Gemüte zu führen.
Die Erfahrungen haben gezeigt, dass es eklatante Unterschiede in Bezug der Qualitätsstandards von Trainern gibt. Ein guter Trainer bemüht sich, jede auftretende Frage in einer Kursstunde zu beantworten. Er vermittelt sowohl Wissen als auch Fähigkeiten und Selbstvertrauen. Er kümmert sich um die gute Stimmung und ist auf Sicherheit bedacht. Ganz nebenbei darf der Spaß ja auch nicht zu kurz kommen, denn immerhin sprechen wir hier von Trainern, die Sportler betreuen, die in der Buchung einer Kursstunde einen Ausgleich zum beruflichen Alltag suchen, bzw. den Sport als Freizeitbeschäftigung ansehen.
Der Trainerguide bietet Antworten auf Fragen, enthält Checklisten, Anleitungen und weiterführende Hinweise sowie Literaturtipps.
Aufgrund der vielen Gemeinsamkeiten, sowohl der Sportart Poledance als auch der Sportart Aerial Hoop, dient dieses Buch Trainern beider Sportarten als Nachschlagewerk und Anleitung für die Gestaltung von Kursstunden.
Wie baue ich Kurseinheiten sinnvoll auf?
Was ist wichtig bei der Hilfestellung?
Wie kann ich ein Warm-Up modifizieren, so dass es zu jeder Witterungslage passt bzw. die Teilnehmer und Teilnehmerinnen bestens auf die Inhalte der Kursstunde vorbereitet?
Wie stelle ich sicher, dass die Gelenke während des Trainings geschützt sind?
Wie geht man mit unterschiedlichen Teilnehmertypen um?
Wie geht man auf die diversen Lerntypen bestmöglich ein?
Wie vermeidet man typische Fehler?
Welche Kursregeln sind sinnvoll?
Wo muss man Grenzen setzen?
Welche Rolle spielt die Kleidung für Warm-Up und Cool-Down und eben noch vieles mehr?
Die meisten Kursstunden geben einem Trainer genau das, was er von seinem Job erwartet: Glückselige Gesichter; Teilnehmer, die über sich hinauswachsen; Zeit, die verfliegt; Figuren und Tricks, die aufgrund der richtigen Erklärung auf einmal klappen; Personen, die sich mit der Hilfestellung des Trainers trauen, etwas zu wagen, was sie sich alleine nicht zutrauen würden und eine Gruppe von Kunden, die zufrieden und mit guter Laune das Studio wieder verlässt.
Die Anforderungen an Trainer sind vielfältig, wollen diese kompetent lehren und unterrichten.
Und dann gibt es noch die anderen Kursstunden, die genauso normal sind und durch die ein Trainer auch durch muss: Teilnehmer, die nicht ganz so konzentriert bei der Sache sind; Moves und Tricks, die auch nach der gefühlten 100sten anders gewählten Erklärung seitens des Trainers oder der Tainerin dem Kunden oder der Kundin wie ein Buch mit sieben Siegeln erscheinen; eine Stimmung, die wie das in die Köpfe gezogene Novemberwetter erscheint und die sich niemand so richtig erklären kann.
Oder aber man hat es als Trainer selbst nicht ganz einfach, weil es einem nur schwer gelingt, den beruflichen und familiären Alltag vor der Studiotür zu lassen, um ganz für seine Kunden und Kundinnen da zu sein. Die To-Do-Liste der Dinge, die nach den Kursstunden noch erledigt werden sollen, ploppt immer wieder auf, die Sorgen und Gedanken sind wie dumpf wimmernde Stimmen, die ihren Tribut zollen.
Für derartige Divenanwandlungen ist kein Platz in einer Kursstunde. Ein Trainer ist Dienstleister, seine Aufgabe ist es zu dienen und zu leisten und für die Zeit des Kurses oder der Kurse komplett in der doch meist freiwillig gewählten Aufgabe aufzugehen.
Normale Kollateralschäden, die einen Trainer eben auch betreffen, gilt es auszublenden. Man kann keine schlechtere Leistung bringen, nur weil einem von der letzten Fortbildung noch alles weh tut, im Bauch eine Messerstecherei herrscht oder man müde ist und sich der Körper gerade überlegt, ob er eine Erkältung ausbrüten soll oder nicht.
Die Gründe, die eine Person dazu bewegen, Trainer zu werden, oder Trainer sein zu wollen, sind unterschiedlich. In vielen Fällen geht diesem Beruf eine Berufung voran. Es ist der Wunsch, das was man selbst als wertvoll erachtet, auch an andere weitergeben zu wollen.
Die positiven Empfindungen, die man selbst in der Ausübung der Sportart erlebt, möchte man auch anderen zukommen lassen, um und dabei zusehen zu können, wie diese Personen wachsen, über sich hinaus wachsen, eigene Denkzäune einreißen, die eigenen Grenzen überwinden und immer besser werden.
Die in diesem Falle einsetzende Dankbarkeit dem Trainer oder der Trainerin gegenüber nimmt man dabei natürlich gerne mit.
Dabei sind die anfänglichen Vorstellungen oftmals romantisch verzerrt. Trainer sein bedeutet viel mehr als eine Handvoll Moves und Tricks, Spins und Haltefiguren erklären zu können und soweit wie möglich sicherzustellen, dass alle Teilnehmer den Kursraum ohne größere Schäden an Leib und Seele wieder verlassen.
Seit Mitte Oktober 2017 gilt Poledance als anerkannte Sportart. Aerial Hoop, Silks (Tuchakrobatik) und andere Luftsportarten folgen vielleicht in den nächsten Jahren oder hatten nie das Problem, welches Poledance hatte, da man letztere immer schon eher mit Zirkusakrobatik als mit irgendetwas anderem assoziiert hatte.
Somit wachsen auch die Anforderungen an den Trainer. Bisher waren viele Personen der Meinung, es reiche aus, sich einen Raum zu mieten, ein bis x Stangen dort aufzustellen, sich Trainer zu nennen und Kunden zu bekommen. Mit der wachsenden Anerkennung wachsen die Aufgaben und auch die Ansprüche, die an Trainer dieser Sportarten gestellt werden.
Etwas selbst zu können bedeutet nicht gleichermaßen, es einer anderen Person auch vermitteln oder lehren zu können. Empathie, didaktische Grundkenntnisse, soziologisches Wissen sind fundamentale Bestandteile eines Trainerdaseins und werden häufig vernachlässigt oder in vielen Fällen gar nicht als notwendig angesehen.
Neben sportlichen Fähigkeiten sind auch didaktische und psychologische Kenntnisse notwendig.
Immer wieder fällt auf, dass die Kompetenz, einen Move auszuführen oder einen Spin besonders lange zu halten, mit der Fähigkeit dieses Können als Wissen weitergeben zu können gleichgesetzt oder verwechselt wird.
Die Rolle eines Trainers ist dabei vielschichtig. In vielen Fällen ist der Trainer auch Koordinator oder gar Studioinhaber. Seine Aufgaben umfassen nicht nur die Betreuung der Teilnehmer in einer Kursstunde.
In der Rolle eines Trainers ist man Zuhörer, Motivator, Kümmerer, Empath, Tröster, Diskjockey, Choreograph, Teammanager und manchmal ein bisschen Psychotherapeut.
Das Trainerdasein auf das Fundament der eigenen sportlichen Fähigkeiten aufzubauen, reicht nicht aus.
Ein Trainer ist Förderer und Forderer, Entertainer und Mädchen für alles. Wer bereit ist, die eigenen sportlichen Fortschritte zugunsten des Fortschritts der Kursteilnehmer in den Hintergrund zu stellen und die Vielschichtigkeit des Trainerdaseins als gegeben hinzunehmen, der hat gute Voraussetzungen, mehr als ein paar Monate in diesem Beruf tätig sein zu können.
Sind die Grundvoraussetzungen gegeben, kann das Fachwissen jederzeit erworben werden.
Fehlen die Grundvoraussetzungen, die klare Linie, die Bereitschaft zu einem klaren »Ja« zum Beruf, aber auch die Fähigkeit an den richtigen Punkten »Nein« sagen zu können, so sollte man auf alle Fälle weiterhin seinem geliebten Sport treu bleiben, den Wunsch, Trainer zu werden aber gegebenenfalls nochmals überdenken.
Nice to have – aber leider nicht ausreichend:
beherrscht den Sport sehr gut
verfügt über ein ansprechendes Äußeres
kann ein Repertoire an Fähigkeiten vorweisen, welches das Maß der Fähigkeiten vieler anderer übersteigt
Was ein guter Trainer benötigt:
Präsenz im Auftreten
natürliche Autorität
eine gut verständliche Stimme
Geduld
die Bereitschaft, mehrere Rollen annehmen zu können
Fähigkeiten als Coach
Fähigkeiten als Choreograph
Fähigkeiten als Teammanager
Organisationstalent
Improvisationstalent
Fähigkeit, zuhören zu können
ein wachsames Auge (besser zwei)
Bereitschaft, den eigenen Fortschritt hinter den der Kunden stellen zu können
eine hohe Frustrationstoleranz
am besten ein soziales Umfeld, welches für die Tätigkeit Verständnis zeigt
Ein Trainer ist Vorbild, das bringt die Natur der Sache mit sich. Diese Vorbildfunktion beschränkt sich allerdings nicht auf die ausgeführten Moves und Tricks, sondern geht weiter als man zunächst vermuten mag.
Ein Trainer repräsentiert den Sport im Allgemeinen und das Studio in welchem er oder sie tätig ist. Es ist also nicht allein die Verantwortung während der Kursstunden, die ein Trainer zu tragen bereit sein sollte. Als Aushängeschild für die Sportlergemeinschaft und Repräsentant hat er oder sie mehr immanente Aufgaben als der Person zunächst bewusst sein mag.
Wie in jedem anderen Unternehmen auch, sollte klar sein, dass betriebsinterne Informationen weder Dritten zugänglich gemacht werden dürfen, noch dass freimütig über betriebsinterne Abstimmungsprozesse während, vor oder nach den Kurseinheiten gesprochen werden sollte.
Eine regelmäßige Auffrischung des Wissens um aktuelle und hoffentlich nie notwendig werdende Erste-Hilfe-Maßnahmen gehört ebenfalls zu den Pflichten eines Trainers.
Im Kurs selbst spielt die Wahl der Kleidung eine nicht unerhebliche Rolle. Möchten wir als Repräsentant einer Sportart erscheinen, so sollten wir auch auf Sportbekleidung zurückgreifen. Niemand soll sich hier in irgendeiner Form gegängelt fühlen, dennoch muss der Gedankengang gestattet sein, inwiefern ein authentisches Gesamtbild einer anerkennenswerten Sportart entstehen kann, wenn der Trainer in den knappsten Brazilshorts und Oberteilen erscheint, die spätestens bei Überkopf-Figuren die Oberweite nicht mehr dort halten, wo sie während der sportlichen Aktivitäten zu bleiben hat.
Die Geduld eines Trainers wird häufig strapaziert, ja manchmal überstrapaziert. Dennoch darf man sich das nicht anmerken lassen.
Ein guter Trainer erkennt auch das Ende der eigenen Kompetenzfahnenstange. Offenheit im Umgang mit fehlendem Wissen und die Bereitschaft, Antworten auf offene Fragen in Erfahrung zu bringen gehört ebenfalls zu seinen Aufgaben. Spätestens hier zeigt sich, dass die Arbeitszeit eines Trainers eben nicht auf die reine Nettozeit einer Kursstunde beschränkt ist, sondern weit darüber hinaus ausgedehnt wird oder werden kann.
Im Small-Talk vor und nach den Kursstunden ist ein Trainer darum bemüht, politische und religiöse Themen auszuklammern. Sollte man als Trainer Geschichten über andere Studios oder Trainer zu Ohren bekommen, hat man diplomatisch zu schweigen oder neutral zu reagieren. Was sich auf dem Papier sehr einfach liest, ist in der Realität manchmal mit erheblichen Bissen auf die Unterlippe verbunden.
Es gehört schlichtweg zum guten Ton und souveränen Auftreten von Trainern, Wissen über andere Studios und gegebenenfalls divergierende Ansichten über Training, Trainingsgestaltung, Trainerkompetenz und Ähnliches nicht mit oder vor den Kunden zu thematisieren.
Hier kann es durchaus die ersten Widersprüche geben. Ein Kunde fragt den Trainer beispielsweise, ob dieser oder jener Trick, den er durch einen anderen Trainer eines anderen Studios so zu Gesicht bekommen hat, richtig ist? Was tun, wenn man hier komplett anderer Ansicht sein sollte?
Greift nun der Punkt, der oben erwähnt wurde, dass Fragen auf alle Fälle zu beantworten sind, oder verweigert man die Aussage, weil es in die Kategorie »Lästern über andere Studios« fällt?
Man darf sich hier gerne jederzeit auf den eigenen Stil berufen. Es gibt nicht die allumfassende Wahrheit, wissenschaftlich erforscht und bewiesen, die nur eine Art des Lehrens und Weitergebens als richtig erachtet. Jeder Trainer, jedes Studio hat seinen eigenen Stil. Und hier hat man immer Möglichkeiten, sich elegant auf dünnem Eis zu bewegen.
Für Kunden ist es wichtig zu wissen, warum es in einem Studio so gelehrt wird, wie es gelehrt wird. Hier sollten auf alle Fälle Argumente vorhanden sein, die vom Kunden auch nachvollzogen werden können (sicherer für die Gelenke, leichter auszuführen, benötigt ein geringeres Maß an Grundflexibilität, minimiert die Verletzungsgefahren oder Ähnliches).
Man kann nur das Maß an Respekt von anderen erwarten, was man ihnen auch selbst entgegenbringt.
Ein Trainer sollte den »Show-off-Modus«, also Angeberei in jeder Form vermeiden. Auch dieser Punkt erscheint plausibel und nachvollziehbar, allzu oft kann man allerdings feststellen, dass die Pferde mit einem durchzugehen scheinen. Man hängt in einer Figur und plötzlich verspürt man den inneren Drang hier noch eine Figur anzuhängen, einen halsbrecherischen Übergang einzufügen, zu zeigen, was man aus dieser Figur noch so alles machen kann.
Im Wissen, dass die anderen Teilnehmer gerade zugucken, erscheint die Möglichkeit, die eigene Eitelkeit streicheln lassen zu können, doch oftmals sehr verlockend. Wann immer es geht, sollte man dies vermeiden. Es bringt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht weiter. Im Normalfall hat man sich als Trainer bereits vorher seinen Stand und seine Anerkennung bei den Teilnehmern und Teilnehmerinnen verdient, so dass es nicht notwendig ist zu beweisen, dass man auch wirklich etwas kann. Wohl aber läuft man Gefahr, Teilnehmer zu demotivieren oder schlicht angeberisch zu wirken.
Ein Trainer übernimmt Verantwortung für seine Kunden und Kundinnen und hat deren Wohl stets im Auge. Kein Kunde wird je zu etwas gezwungen noch verleitet. Selbst wenn man als Trainer das unerschütterliche Wissen hat, dass ein Teilnehmer einen Trick sehr wohl ausführen könnte, dieser aber mental einfach noch nicht dazu bereit ist, so bietet man ihm oder ihr Hilfestellung an, überlässt aber die Entscheidung, den Move vollkommen frei und selbständig auszuführen, immer dem Kunden oder der Kundin.
Hat es der Trainer geschafft, ein gutes Vertrauensverhältnis aufzubauen, so wenden sich die Kunden und Teilnehmer mit vielen Fragen an ihn. Als Trainer hat man allerdings immer zu bedenken, dass man keinerlei ärztliche Ratschläge zu geben hat, noch irgendwelche Therapievorschläge unterbreitet. Im Zweifel und bei schwierigen Fragestellungen verweist man immer auf die Kompetenz eines Arztes. Medikamente werden im Training nicht ausgegeben. Wenn ein Teilnehmer eine Kopfschmerztablette von einem anderen Teilnehmer annimmt, so ist das in Ordnung. Als Trainer sollte man allerdings stets vermeiden, selbst Medikamente in irgendeiner Form auszugeben.
Natürlich lehnt ein guter Trainer auch Doping in jeglicher Form ab. Ein Traubenzucker zur Nervenberuhigung, ein Müsliriegel bei einem akut einsetzenden Hungerast oder das Angebot, Magnesium gegen Krämpfe zu nehmen, bleibt davon natürlich unberührt.
Der Trainer ist Vorbild.
Der Trainer übernimmt Verantwortung.
Der Trainer ist sich seiner repräsentativen Funktion für den Sport im Allgemeinen bewusst.
Betriebsinterne Informationen werden Dritten nicht zugänglich gemacht.
Der Trainer verfügt über aktuelles Wissen in Bezug auf Erste-Hilfe-Maßnahmen.
Der Trainer trägt angemessene Kleidung im Unterricht.
Der Trainer übt sich in Geduld, ist bereit auftretende Fragen zu beantworten und erkennt die Grenzen der eigenen Kompetenz an.
Der Trainer vermeidet es, seine Meinung über Mitbewerber kundzutun.
Der Trainer vermeidet es, mit Können anzugeben.
Der Trainer verweist bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die über das Normalmaß hinausgehen, stets auf die Notwendigkeit, diese Fragen ärztlich klären zu lassen.
Der Trainer gibt keinerlei Medikamente aus und lehnt Doping in jeder Form ab.
Inflationär in Gebrauch. Da hätte man ja auch gleich das Wort »Burn-Out« in den Mund nehmen können. Wer sich dazu entschließt, Trainer zu werden, der fasst diesen Entschluss sicherlich nicht, um sich zusätzliches Stresspotential zu schaffen, sondern sieht in dieser Tätigkeit – ob nun haupt- oder nebenberuflich ausgeübt – sicherlich (zunächst) einen Gewinn für die Work-Life-Balance und eine Senkung des Stressniveaus. Man tut schließlich, was man liebt und hat noch dazu die Möglichkeit, damit etwas zu verdienen oder das eigene Einkommen zu verbessern. Ist also das Thema nicht einfach nur fehl am Platze?
Ein Trainer ist Vorbild- und Vertrauensperson zugleich. Diese Kombination kann unter Umständen dazu führen, dass hohe Erwartungen an den Trainer gestellt werden, gepaart mit der immanenten Erwartung, dass diese auch immer (sofort) erfüllt werden.
Die Beantwortung von Fragen, die anders geartete Erklärung eines bestimmten Tricks oder Moves, damit dieser nun doch klappt, die persönliche Büroassistenz und vieles mehr. Schafft man es als Trainer, ein Vertrauensverhältnis zu seinen Teilnehmern und Teilnehmerinnen aufzubauen, so ist das zunächst als absolut positiv zu bewerten. Gerade in den Bereichen der Akrobatik (Poledance, Aerial Hoop) die ein solcher Trainer unterrichtet, geht es ohne Vertrauensverhältnis nicht.
Das Vertrauen bezieht sich hierbei auf die geistige, aber auch auf die körperliche Ebene. Ein Teilnehmer sollte dem Trainer Glauben schenken, ihm zuhören und ihn (oder sie) nicht permanent in Frage stellen. Das wären nicht die besten Voraussetzungen für Fortschritte im Sport. Ein Teilnehmer vertraut dem Trainer aber auch im körperlichen Bereich. Da gerade in der Hilfestellung eine gewisse körperliche Nähe sein muss, ist auch dies zunächst eine durchaus wünschenswerte Entwicklung. In der Hilfestellung kann dieses Vertrauen allerdings dazu führen, dass der Teilnehmer sich in vollem Vertrauen im wahrsten Sinne des Wortes fallen lässt. Der Trainer muss allein schon hier die körperliche Stabilität aufweisen, um Verletzungen auf beiden Seiten zu vermeiden. All das darf den Trainer nicht aus der Bahn werfen, er/sie ist der Fels in der Brandung. Und hier schließt sich der Kreis.
Auch ein Trainer sollte darauf achten, das Gleichgewicht zu halten. Nicht nur im Hoop oder an der Pole.
Zieht ein Trainer (selbst in einer nebenberuflichen Tätigkeit) nicht klare und unmissverständliche Grenzen, so wird aus dem Vertrauensverhältnis ohne böse Absicht ein energieübergriffiges Verhältnis. Die Offenbarung persönlicher Probleme gepaart mit dem stumm formulierten Wunsch auch hier Ratschläge zu erhalten, die WhatsApp Nachrichten am Wochenende kurz vor Mitternacht, weil der Teilnehmer nicht mehr weiß, welchen Workshop er am Sonntag gebucht hat, die Erwartung, dass der Trainer an alles denkt (Gripmittel, Anziehsachen zum Leihen, das Rundum-Sorglos-Paket im »Spa-Bereich«, die Leihstulpen, die Leihleggings, die Erwartung, den Sport doch etwas weniger anstrengend gestalten zu können und vieles mehr).
In dieser Kombination kommt das natürlich selten vor, aber klare Grenzen sind nicht nur für die körperliche Regeneration eines Trainers wichtig.
Zur Work-Life-Balance gehören feste persönliche Trainingszeiten. Trainingszeiten, in denen man keinen Kurs vorbereitet, keine neue Choreographie einstudiert, um diese an Kunden und Kundinnen weiterzugeben, sich nicht auf einen Auftritt vorbereitet. Ein Trainer sollte sich in regelmäßigen Abständen Zeit für das nehmen, was einem (einst) so viel positive Energie, so viel persönliches Wachstum, so viel Selbstvertrauen geschenkt hat. Das mag gerade für Personen, die sich mit dem Gedanken tragen, als Trainer tätig zu werden oder für Personen, die erst seit kurzem Trainer sind, zunächst vollkommen unsinnig und auch unnötig erscheinen. Allein vom hoffentlich andauernden Zuspruch der Kunden und Kundinnen lässt sich allerdings auf Dauer keine Work-Life-Balance aufrechterhalten. Eine geliebte Sportart, die in der Rolle eines Trainers an Teilnehmer und Teilnehmerinnen weitergegeben werden soll, kann zu einem Zeit-, aber auch zu einem Energiefresser werden. Keine Kursstunde ist je gut genug vorbereitet, nie schafft man es alle Tipps und Tricks zu generieren, sich alle im Umlauf befindlichen Tutorials anzusehen und selbst auszuprobieren, die Playlist stets aktuell und auf die Wünsche der Kunden zugeschnitten zu halten. Setzt man als Trainer keine klaren Grenzen, kann sich schnell das Gefühl der Unzulänglichkeit einschleichen und das Gebäude des Trainerdaseins auf ein wackeliges Fundament stellen.
Spätestens, wenn ein Trainer nicht mehr konzentriert arbeiten kann, weil er sich auf»Arbeitsniveau« gedopt hat, sollte er / sollte sie auch den Teilnehmern zuliebe eine Pause einlegen und gegebenenfalls auch Kurse absagen.
Wenn ein Trainer liebt, was er oder sie tut, dann will er darauf nicht verzichten. Gepaart mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein kann dies eine ungünstige Konstellation ergeben.
Als Trainer sagen wir immer wieder, dass es unverantwortlich ist, wenn Kunden halbkrank zum Training kommen: Unverantwortlich der eigenen Gesundheit gegenüber, unverantwortlich den anderen Teilnehmern gegenüber und letztlich auch unverantwortlich dem Trainer gegenüber. Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben und dem Körper Ruhe gönnen, damit dieser wieder genesen kann.
Und wir Trainer? Unser Körper ist unser Kapital und er wird oftmals sehr strapaziert. Ein kleiner Schnupfen, Regelbeschwerden oder ein verzwickter Wirbel werfen uns so leicht nicht aus der Bahn. Oftmals steht ein Trainer vor dem Kurs und wenn er sich objektiv die Frage stellen würde, dann müsste er gestehen, dass er selbst nicht ganz auf der Höhe ist. Das bringt der Beruf mit sich.
Umso wichtiger ist es, auch hier Grenzen zu setzen, immerhin sollten wir ja noch Vorbild für unsere Teilnehmer sein. Wenn der Körper eine Auszeit verlangt, dann muss man diese ihm geben. Davon wird die Welt nicht untergehen und wir werden auch nicht morgen unseren Job verlieren oder das Studio für immer schließen müssen.
Poledance und Aerial Hoop sind artistische Turn- oder Tanzrichtungen und immer mehr Pole-Studios erweitern ihr Angebot um Aerial Hoop-Kurse. Dabei ist es interessant zu sehen, dass kaum jemand weiß, was man mit diesem Reifen macht.
Poledance und Aerial Hoop weisen sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede auf: Bei beiden Sportarten handelt es sich um Formen der Akrobatik. Diese können turnerisch oder tänzerisch interpretiert werden. Sowohl bei Poledance wie auch bei Aerial Hoop ist die Rumpfstabilität wie auch die Körperspannung Grundvoraussetzung dafür, dass man die eigenen Bewegungen kontrollieren kann. Man arbeitet bei beiden Sportarten mit dem eigenen Körpergewicht, welches es zu halten, zu heben und zu bewegen gilt und man versucht bei beiden Akrobatik-Spielarten gegen die Schwerkraft anzukämpfen.
Die Tiefenmuskulatur wird gestärkt, durch das Arbeiten mit dem eigenen Körpergewicht können muskuläre Dysbalancen ausgeglichen werden.
Einer der bedeutendsten Unterschiede liegt wohl in der weitaus größeren Mobilität des Reifens. Während die Pole eine feste Verbindung zwischen Boden und Decke aufweist, Boden und Decke die Fixpunkte sind, zwischen denen die Pole gespannt wird, so dass man sich als Teilnehmer darauf verlassen kann, dass die Stange am Anfang einer Übungseinheit senkrecht steht und am Ende (hoffentlich) auch noch, ist der Reifen viel unberechenbarer. Er hängt einfach in der Luft und man selbst mit ihm – mehr oder weniger kontrolliert ...
Es macht zwar einen kleinen Unterschied, ob man mit einem Single Point Hoop (eine Aufhängung in der Mitte des Reifens) oder einem Double Point Hoop (zwei Aufhängungen des Reifens auf ca. 10:00 und 14:00 Uhr – wenn man sich den Reifen als Zifferblatt einer Uhr vorstellt, wobei die Mitte oben 12:00 Uhr darstellt) arbeitet, aber die permanente Ausgleichsbewegung des Reifens bleibt ein Moment, welches stets mit einberechnet werden muss.
Beginnt man bei Poledance häufig mit einer statischen Stange und wechselt in vielen Kurssystemen erst dann zu einer Spinning-Stange, wenn man schon ein Gefühl für die Rumpfstabilität hat und eventuell auch schon ein wenig mehr Muskulatur aufgebaut hat, so dass man gegen die Fliehkraft erfolgreich ankämpfen kann, so ist der Reifen immer in Bewegung.
Pole und Hoop. Beide Trainingsgeräte weisen sowohl Ähnlichkeiten wie Unterschiede auf.
Zusätzlich zu den Seitbewegungen des Reifens (nach vorne und hinten, nach rechts und links) kommt das Drehmoment dazu, welches durch den sogenannten Wirbel entsteht, der ein Verdrehen der Bandschlingen, an welchen der Reifen aufgehängt ist, verhindert. Je besser die qualitative Beschaffenheit des Wirbels, desto gleichmäßiger, aber auch schneller wird die Rotation des Reifens.
Da kann einem schon schnell mal schwindelig werden.
Der größte Unterschied zwischen Pole und Hoop ist allerdings im Verlassen des Bodens zu sehen. Während man die ersten Kletterversuche an der Pole mit der Unterstützung von Händen und Beinen macht, dabei meist aufrecht bleibt und es auch zunächst einmal nicht wichtig ist, ob man sich 5 oder 50 cm vom Boden hebt, so ist der Hoop etwas unerbittlicher: Entweder man möchte aufrecht bleiben und nicht gleich kopfüber gehen, dann muss man definitiv einen Klimmzug beherrschen, um sich in den Reifen setzen zu können, oder aber man wählt den etwas weniger kraftintensiven Aufgang, bei welchem man das Bein seitlich einhängt und sich dann zum Sitzen hochzieht (Delilah), was allerdings bedeutet, dass man dazu für einen kurzen Moment nahezu in einer invertierten Position (kopfüber) hängt. Für Neulinge in der Akrobatik stellt das bereits eine große Überwindung dar, und angstfrei war ich beim ersten Mal auch nicht.
Und wie beim Poledance auch kommen viele Personen, die Aerial Hoop (oder auch Lyra genannt) ausprobieren wollen, mit der Vorstellung, bereits in den ersten Einheiten die verrücktesten Sachen machen zu können.
Die Mühen, den Reifen zu erklimmen, werden allerdings mit einer echten Verschnaufpause belohnt. Klettert man die Pole hinauf, so muss man sich an der Stange mit der Klemmkraft der Beine halten können. Die Anspannung bleibt, die Anstrengung auch. Hat man es beim Hoop geschafft, den Reifen zu erklimmen, sitzt man relativ bequem wie in einer Schaukel. Man kann durchatmen und die Bauart des Reifens bietet die Möglichkeit, sich rechts UND links festzuhalten. Im Unterricht hört man dann oft den Vergleich: »Ui, das ist wie Spielplatz. Wie früher beim Schaukeln.« – und die beseelt lächelnden Gesichter, in die man blickt, belohnen sowohl den Trainer als auch die Trainierenden für die Mühen.
Hat man den Hoop erklommen, wird man mit einer relativ gemütlichen Sitzposition belohnt, die Kindheitserinnerungen weckt.
Bevor man allerdings sprichwörtlich in die Luft geht, beginnt man mit den Füßen am Boden und gibt die vertraute Bodenhaftung langsam Stück für Stück auf. Die Möglichkeiten an der Pole sind hier scheinbar vielfältiger als beim Hoop. Man kann um die Pole herumlaufen, sich an der Pole festhalten, ein Bein um die Pole schlingen, sich an der Pole zu Boden gleiten lassen, mit Hilfe der Pole wieder aufstehen und vieles mehr. Klappen die ersten Drehungen an der Pole noch nicht so gut, weil man einfach noch nicht weiß, wie und woher man den Schwung nehmen soll, so kann man dennoch üben und sich Stück für Stück verbessern. Im Gegensatz dazu sind die Möglichkeiten am Hoop etwas eingeschränkter. Auch bei den einfachsten Übungen (Plank mit dem Brustkorb zur Decke gerichtet, die Hände befinden sich am Hoop) wird ein größeres Maß an Körperspannung gefordert.
Pirouetten mit oder ohne Bodenhaftung erfordern Bauchspannung und Rumpfstabilität. Nahezu gleich ist bei den Übungen mit Bodenhaftung die Belastung der Schultern und Arme, wobei der Hoop den Vorteil der Gleichmäßigkeit aufweist, während man an der Pole immer auf die Notwendigkeit, beide Seiten zu trainieren hinweisen muss, um den oben beschriebenen muskulären Dysbalancen entgegenzuwirken.
Durch die Mobilität des Reifens und das Drehmoment, welches auf den Körper wirkt, weisen Hoop und Pole ähnliche Gefahren auf. Landet man nach einer Drehung falsch, so kann das für das Knie böse enden. Da der Hoop sich in alle Richtungen drehen kann, darf die Gefahr der Patellaluxation (umgangssprachlich eine herausgesprungene Kniescheibe) unter keinen Umständen unterschätzt werden. Eine saubere Körperhaltung und ein Landen auf Zehenspitzen stellt die beste Vorbeugung dar. »Point your toes« – gilt also auch beim Hoop – nicht nur aus ästhetischen Gesichtspunkten.
