Aha sagt man überall - Elmar Stracke - E-Book

Aha sagt man überall E-Book

Elmar Stracke

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Beschreibung

Aha sagt man überall - Eine Weltreise voller Staunen, Wissen und überraschender Einsichten. Warum sitzt man in Ostasien beim Essen auf dem Boden? Wie fühlt es sich wirklich an, mit Flussdelfinen zu schwimmen? Warum ziehen in Südkorea Megakirchen Millionen Menschen an? Und weshalb zahlt man für das Leben im Paradies eine Extrasteuer? In diesem Buch nimmt Elmar Stracke die Leserinnen und Leser mit auf eine dreimonatige Weltreise über vier Kontinente und durch 14 Länder. Entstanden ist kein klassisches Reisetagebuch und kein nüchterner Reiseführer, sondern ein erzählendes Sachbuch, das persönliche Reiseerlebnisse mit überraschenden Alltagsbeobachtungen, Fakten und Hintergründen verbindet. "Aha sagt man überall" erzählt von halbautomatisierten Restaurants und ungezählten Mauern in China, von zahmen Hirschen und heiligen Schnipseln in Japan, von Höhenkrankheit in den Anden und Fata Morganas in der Salzwüste, von Cocktails an der Copacabana und Nächten im brasilianischen Regenwald - und von Gehversuchen im Mikrokosmos Kreuzfahrtschiff zwischen den Kontinenten. Neben den erzählenden Kapiteln enthält das Buch einen umfangreichen Praxisteil mit Reisetipps, 34 farbige Seiten mit Fotos und Illustrationen und 10 Ideen zum Nachahmen für Deutschland und Europa. Das Buch richtet sich an alle, die gerne reisen oder davon träumen, die neugierig auf andere Kulturen sind und die Freude daran haben, die Welt nicht vorschnell zu erklären. Ein Buch über das Staunen als Haltung - unterwegs in der Welt und im eigenen Denken.

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Seitenzahl: 287

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhaltsverzeichnis

Aha sagt man überall

1. Fragen an die Welt

2. Ostasien

Reiseplanung Peking

Reiseplanung Japan und Korea

2.1 Peking

Sag mir, wie viele Mauern stehen

Small Brother is Driving You

Hotpot mit Robot

Abmahnen und Teetrinken

Löwen ohne Löwen

2.2 Korea

K-Pop im Rücken und Kim Jong-un vor der Nase

Tierisch gute Cafés

Was ein Foto auslöst

Voll Bock auf Hanbok

Kirchblüte statt Kirschblüte

Bares ist Rares – aber Notwendiges

Bad Day für den Bad-Tag mit Tattoo

Haut wie Koreaner-Popo

Jesu auf Jeju

Manches geht durch den Magen

Soju-ng kommen wir nie wieder zusammen

Willkommen im menschlichen Insektenhotel

Kaffee bis der Tod euch enteise

Da haben wir den Obstsalat – leider nicht

Pachinko oder wo die Geschichte spielt

Härte und Verheerte

Eine Reise in die Zukunft ist eine Reise ins Altertum

Zwischen Himmel, Meer und sehr viel Verkehr

Koi-Karpfen in der U-Bahn

2.3 Japan

Junge Haut nicht nur für junges Gemüse

Reisen in geordneten Bahnen

Highlife mit Highball

Märchenhaftes vom Fuji

Atemloses vom Aso

Auf dem Boden der Esssachen

Feuer und Flamme für den Goldenen Tempel

Souverän Geld umgehen und mit Geld umgehen

In jedem von uns steckt ein kleiner Buddha

Stempelgeschichten I: Stempeljagd in Japan

Welche Form hat unser Verstand?

Koan Mitleid mit der Katze

Wenn die Zeit wie im Zug vergeht

Waschecht und bezahlbar

Foreigners not welcome

Tierisch was los in Shinjuku

Die Sache mit den Masken

In Japan ist nicht gut Kirschen essen

Mit leeren Händen nicht nur dastehen

Die Kreise der Spielhölle

Ein kleiner Junge und ein kleines Mädchen

Stadt der wieder aufgehenden Sonne

Sake und Staune

Überfall der Hirscharen

Feuer und Flamme für einen weiteren Tempel

Das Torii zum alten Japan

Das Beste aus vielen Welten: teamLab

3. Hawaii

Reiseplanung Hawaii

Aloha sagt man überall

Neues Land, neuer Planet

Eine Kaffee-Ananas-Nuss-Fahrt ist lustig

Paradies mit Paradies-Steuer

Vater des Surfsports und Nationalheiliger von Hawaii

Der mittlerweile sichere Hafen der Geschichte

Himmlischer Wind und militärische Ehren

Verrückt teuer, aber wieder eine Tasse im Schrank

4. Südamerika

Reiseplanung Südamerika

4.1 Peru

Ordentlich Höhenmeter machen

Die Inka-Fahne – der andere Regenbogen

Akropolis der Anden aber nicht der Antike

Ausnahmezustand kommt von Ausnehmen

Höhenflug im Höhenzug: Der steinige Pfad zur Wolke 7

Sehr, sehr, sehr langsam in Fahrt kommen

Was ist die Nationalblume Deutschlands?

Heute wird’s nicht regnen, stürmen oder schneien

… denn hier strahlt immer Sonnenschein – und ein Anti-Schliemann

4.2 Bolivien

Höhenmeter und Höhepunkte

Über den Dingen schweben in La Paz

See und Segen

Schön und schön kalt auf der Sonnenseite des Lebens

Zinn und Weg in Bolivien

Da wird der Reisende in der Salzpfanne verrückt

4.3 Chile

Hippiger wird’s nicht mehr

Das Nie wieder von Chile

Alles andere als halbe Portionen

4.4 Argentinien

Hier purzeln die Pesos und nicht die Pfunde

Tango-Show: umherwerfend gut

Nie abebbende Fälle der Begeisterung

4.5 Brasilien

Zuckerhut statt Salzhut

Die Schöne und das Fest

Rosa und doch nicht süß

Frühshoppi und schauen wir Mall

Klasse – aber nicht klassenlos

Kolonialismus mit gutem Gewissen?

Im Kreuzfeuer der Geschichte

Salvador und doch kein Retter

Salvador und vielleicht sein Retter

Niemand hört dich schreien

5. Per Schiff über den Atlantik

Zum Ende der Reise auf dem richtigen Dampfer

Läuft – recht unfallfrei – auf dem Schiff

Kreuzfahrttraum auf engstem Raum

Unerwartete Wendung auf hoher See

Wie die Zeit vergeht

Kein Grund zu versumpfen

Kap Verde ist weder Kap noch Verde

Fußball, Flora und Fauna als Inselbegabungen

Der Ort, an dem 1000 Jahre fehlen

Erstaunlich schön, erstaunlich alt, erstaunlich günstig

Auf und Ab in Lissabon

Stadt mit Wohnfühlfaktor

Ab hier Schirm statt Schirmchen

Être Être Fahrradkettre

Leichte Panik in der Stadt der Titanic

Stress auf den letzten Metern

6. Allgemeine Weltlage

Aha sagt man wirklich überall

Stempelgeschichten II: Digitalisierung frisst Stempel

Was es wirklich überall gibt

Globalkultur in Malzform

Woran erkennt man, wie isoliert und abgeschieden ein Ort ist?

Beim Weltreisen sollst du nicht ruhen, sondern

Gut und günstig kann so nah sein

TripAdvisor – Vorhof zur Reise-Hölle

Weltsprache Englisch? Ein deutscher Traum

Reisen geht durch den Magen

Das Ende des Ichs und der Anfang der Welt

Schmuggeln mit gutem Grund

Zum Glück kein Kaffee von vorvorvorgestern

Lebensstatt Rauchzeichen

Sag mir, wo die Kinder sind

Eine schwere Frage zur Weltreise

7. Reisetipps

Klook und klüger reisen!

Appsolut hilfreich

Alles für eine packende Reise

Wer rastet, rostet – doch wer reiset, kostet

Gold und Platin wert: Flughafen-Lounges

Fantastische Welten für eine fantastische Welt

Die Reise in trockenen Tüchern

Nutzlos auf Reisen

8. Ideen für Deutschland und Europa

Danksagung

Über den Autor

Für Catherine. Möge unsere Reise nie enden.

Aha sagt man überall

Liebe Reise-, Welt- und Weltreise-Interessierte,

dies ist kein übliches Reisetagebuch. Es ist vielmehr das in drei Monaten und 14 Ländern angehäufte Staunen über die Wunder und Wunderlichkeiten der Welt: drei Monate voller Aha-Erlebnisse aus Peking, Südkorea, Japan, Hawaii, Peru, Bolivien, Chile, Argentinien, Brasilien sowie per Stippvisiten aus Kap Verde, Spanien, Portugal, Frankreich und Großbritannien.

Jedes Kapitel war damals und ist noch heute ein Grund „Aha“ zu sagen. Das können Zusammenhänge sein, die mir vorher nicht klar waren, das können Orte sein, von denen ich noch nie gehört hatte, das können Ideen sein, die wir bei uns in Deutschland auch dringend übernehmen sollten, oder aber ein Wortspiel, das mir einfach nicht mehr aus dem Kopf geht.

Ich habe stets versucht, das anfängliche Staunen nach bestem Wissen und Gewissen um Hintergründe und Fakten anzureichern, sodass Sie bei der Lektüre direkt einen fundierten, wenngleich keinesfalls abschließenden Eindruck haben können. Das Buch soll ein Appetitanreger sein und Lust machen, die verschiedenen Länder und Facetten der Erde genauer unter die Lupe zu nehmen und in Zukunft, in Gedanken oder, falls Sie schon dort waren, in Ihren Erinnerungen, selbst einzutauchen.

Es ist völlig klar, dass dieses Buch nicht die Gesamtheit der Komplexität des jeweiligen Landes und seiner Gesellschaft erfassen kann. Viele besuchte Länder kennen etwa enorme Konflikte und Probleme, die hier aber nur und auch nur sehr oberflächlich behandelt werden, insofern sie uns auch begegnet sind. Auch viele schöne Seiten sind uns sicher in der Kürze der Zeit verborgen geblieben. Aber der Anspruch ist nicht, eine komplexe oder gar repräsentative Gesellschaftsanalyse zu bieten, sondern neugierig zu machen.

Wie der Buchtitel sagt, gibt es überall einen Anlass, „Aha“ zu sagen. Jedenfalls dann, wenn Sie in Ihrem Reisegepäck Fragen und Neugier mitbringen – und nicht schon vorgefertigte Antworten. Deswegen möchte ich Sie dazu ermuntern, der Welt mit fragender Neugier und vor allem mit Staunen zu begegnen. Reisen bedeutet Fragen – oder man bleibt geistig zu Hause (und ganz im Ernst: Kein Gesprächspartner ist langweiliger als jemand, der schon alles weiß und durchschaut hat).

Das heißt nicht, dass man sein Weltwissen vor der Reise ablegen und als unbeschriebenes Blatt aufbrechen sollte. Es heißt, dass man die Reise als Chance begreift, auf dem bisherigen Wissen aufzubauen und nicht nur nach Bestätigung zu suchen. Das heißt auch nicht, dass man für politische und gesellschaftliche Verhältnisse die rosarote Brille aufsetzen sollte. Es heißt aber, dass man der Welt mit wohlwollender Neugier und nicht mit missgünstiger, herablassender Voreingenommenheit begegnet (der Buchtitel lautet aus Gründen nicht „Haha sagt man überall“). Missgunst ist genauso verzerrend wie die rosarote Brille mit einem entscheidenden Unterschied: Es macht keinen Spaß. Und den sollten sie sich zumindest als Tourist oder Touristin unbedingt erhalten.

Damit das Buch nicht nur vielseitig, sondern auch vielseitig einsetzbar ist, gibt es neben den Berichten aus und über die jeweiligen Orte einen Ratgeber-Teil mit Tipps und Tricks für die eigene Weltreise-Planung sowie einen Teil mit Ideen für Deutschland und Europa.

In der Summe gibt es also mehrere Möglichkeiten, dieses Buch zu lesen:

• Sie können es als erzählendes Sachbuch lesen und die Anekdoten und Fakten nutzen, um entweder die Welt im Kleinen oder im Großen zu verbessern oder einfach um Ihre Gesprächspartner bei der nächsten Party zu beeindrucken.

• Sie können es als Ideengeber für die nächste eigene Reise nutzen, sowohl was mögliche Ziele und Programmpunkte angeht als auch mit Blick auf die Tipps zur Reiseplanung.

• Sie können es als klassisches Reisetagebuch lesen und lose nachverfolgen, was wo passiert ist und was wo gedacht wurde.

• Sie können in Erinnerung schwelgen, wenn Sie diese Orte bereits selbst besucht haben.

• Sie können es als Ausdruck von Dankbarkeit darüber lesen, dass Freunde, Familie, Kollegen und gesellschaftliche Umstände diese Auszeit ermöglicht haben und

• Sie können es als Ausdruck von Liebe für diejenige Frau lesen, mit der ich diese Reise begehen durfte und mit der die noch größere Reise hoffentlich niemals enden wird.

Nach Platon ist das Staunen der Anfang der Philosophie, nach Bacon ist das Staunen der Samen des Wissens und nach diesem Buch ist das Staunen hoffentlich noch mehr als zuvor Teil Ihrer Reisehaltung.

Sie werden sehen: Aha sagt man überall. Hoffentlich gilt das auch bei der Lektüre dieses Buches!

Ihr

Elmar Stracke

PS: Ich hoffe, Sie haben Freude an Wortspielen!

1. Fragen an die Welt

Die Weltreise dauerte drei Monate von Februar bis Mai 2025 und führte uns jeweils für kürzer oder länger in die folgenden Länder:

• China (Peking)

• Südkorea

• Japan

• USA (Hawaii)

• Peru

• Bolivien

• Chile

• Argentinien

• Brasilien

• Kap Verde

• Portugal

• Spanien

• Frankreich

• Großbritannien

Was würde sich besser eignen, um Ihre fragende Neugier gleich zu Beginn zu stimulieren, als ein paar Quiz- und Schätzfragen zur Reise?

1. Wie viel Kilo nimmt man bei drei Monaten Weltreise zu oder ab?

a) -2 kg

b) 0 kg

c) 2 kg

d) 4 kg

e) 6 kg

Antwort auf Seite 234.

2. Welches der besuchten Länder hatte das höchste Preisniveau?

Antwort auf den Seiten 114 und 153.

3. Welches der besuchten Länder war das günstigste?

Antwort auf Seite 201.

4. Was zahlt man circa für diese dreimonatige Weltreise pro Person?

a) 9.000 Euro

b) 12.000 Euro

c) 15.000 Euro

d) 19.000 Euro

e) 22.000 Euro

Antwort auf Seite 244.

5. Was gibt es wirklich überall?

a) Zeugen Jehovas

b) Free Walking Tours auf Spanisch

c) Marihuanageruch in der Luft

d) Taxi-Dienste wie Uber / Didi / Bolt / Lyft

e) Jemand, der am Straßenrand Sonnenbrillen verkauft

f) Souvenirmagneten

g) „Nett hier, aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?“-Aufkleber

Antwort auf Seite 216.

6. Wie viele Schritte geht man bei drei Monaten Weltreise im Durchschnitt pro Tag?

a) 10 000 Schritte

b) 12 000 Schritte

c) 14 000 Schritte

d) 16 000 Schritte

e) 18 000 Schritte

Antwort auf Seite 219.

7. Die Speisen und Speiseerlebnisse in welchen Ländern haben uns besonders überzeugt?

Antwort auf Seite 224.

8. In welchem Land haben wir uns auf der Reise das erste und einzige Mal den Magen verdorben?

Antwort auf Seite 43.

2. Ostasien

Reiseplanung Peking

Die Reise beginnt, wie der Klappentext versprochen hat, erstaunlich: in Peking in China – obwohl die Stadt und das Land auf dem Einband gar nicht genannt wurden. Wir waren nur einige wenige Tage dort, weswegen es im Sinne des Erwartungsmanagements unangemessen erschien, Ihnen einen breiten Strauß an Fakten und Funfacts zu versprechen. Daher hoffe ich, die Überraschung ist gelungen, getreu dem Motto: Pekinganfang und nicht nur Pekingente!

Die Reiseplanung für die chinesische Hauptstadt war grundsätzlich recht simpel. Wir kamen bei Freunden unter, die dort als Expats leben. Wir konnten bei ihnen übernachten und dank eigener Schlüsselkarte den Tag recht frei und etwas später beginnen: Jahresurlaub und Homeoffice sind nämlich wenig günstig bemessen in China, sodass die beiden an den Wochentagen vom Büro aus arbeiten mussten. Glücklicherweise hatten wir uns auf Empfehlung vorher in Deutschland schon einschlägige Apps wie AliPay oder Didi heruntergeladen, die einem das Leben und Bewegen vor Ort sehr einfach machen: Man benötigt weder Bargeld noch Busfahrpläne.

Abends nach Abschluss unseres eher intensiven Kulturprogramms gestalteten die beiden dankenswerterweise den (teilweise ebenso intensiven) gemütlichen Teil mit ihren besten Empfehlungen zum Essen und Trinken. Und auch wenn’s dabei später wurde, konnten wir am nächsten Morgen mit ein paar Bahnen im Schwimmbad des Komplexes für die nötige Frische sorgen.

Hatten wir uns auf dem Hinweg noch mit der U-Bahn durchgeschlagen, bewegten wir uns danach fast ausschließlich mit Didi. Es ist einfach viel komfortabler und schneller. Auf Dauer ist es auch deutlich kostspieliger (20 Minuten Fahrt kosten rund 5 Euro), aber für eine Woche vor Ort kann es einem das wert sein.

Was wir nach einiger Diskussion allerdings doch nicht gemacht haben, war eine Fahrt mit Leihrädern. In Deutschland sind wir passionierte Fahrradfahrer in der Stadt und ich fand die Idee sehr schön, auch mal durch Peking geradelt zu sein. Die Infrastruktur ist an vielen Stellen auch wirklich nicht schlecht. Einzig gab es einen berechtigten Einwand: Es fehlte nicht nur ein Helm im wuseligen Großstadtverkehr, sondern die öffentlichen Leihräder haben auch allesamt kein Licht, was im Februar durchaus ein relevanter Punkt hinsichtlich des eigenen Überlebens ist. So schön es ist, einmal durch Peking zu radeln, so schade wäre es doch, wenn die Weltreise an Tag 3 beendet wäre. Also weiter mit Didi und zu Fuß

Reiseplanung Japan und Korea

Japan und Korea haben den Ruf, sehr sauber, sicher und gut organisiert zu sein. Das ist auch in der Wirklichkeit absolut zutreffend. Und diese Rahmenbedingungen sind für die Reiseerfahrung viel bedeutender als etwa die Englischkenntnisse der Leute vor Ort. Zumal die Sprachbarriere dank diverser Übersetzungs-Apps auf ein Minimum reduziert ist und man dank Apple und Google Maps kaum noch nach dem Weg fragen muss (was in gewisser Weise auch schade ist).

Insofern haben wir uns entschieden, diese beiden Länder, wie so viele schon vor uns, komplett alleine und ohne Reisebüro oder Reiseleitung zu bereisen. Das hat wunderbar funktioniert und ist sehr zu empfehlen. Einige Tipps, Tricks und Kniffe finden sich dazu auf den nächsten Seiten sowie im Kapitel Reisetipps. Was definitiv eine sehr entspannende Wirkung hat: die exzellente Infrastruktur für öffentliche Toiletten. In jeder U-Bahn-Station und an vielen anderen erwartbaren und unerwarteten Orten gibt es saubere, sichere, kostenlose Toiletten.

Die Erfahrung früherer Roadtrips lehrte uns, die Hotels vorab zu buchen und damit der Reiseroute eine gewisse Struktur zu geben. Ansonsten ist es doch häufig so, dass man einen großen Teil des Tages gedanklich oder tatsächlich mit der Frage verbringt, wo man am nächsten Tag sein will und welches Hotel denn wohl das beste aus der unübersichtlichen Auswahl sei.

Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, diesen Zeitaufwand in die Reisevorbereitung zu legen. Ich sehe sowieso nicht, dass ich in Seoul am Bahnhof aussteige und mich vom Panorama inspirieren lasse, um zu entscheiden, wo ich denn heute Nacht schlafen möchte. Als ob ich in irgendeiner möglichen Welt ohne weitere Recherchen beurteilen könnte, welcher Stadtteil nett oder empfehlenswert ist. Wenn ich mir dann noch vorstelle, dabei erst mit dem Koffer großzügig um die Hochhäuser zu ziehen, wird es ganz besonders romantisch.

Was wir hingegen in der Tat spontan gemacht haben, war, die Tage mit Programm und Inhalten zu füllen. Das klappt grundsätzlich einwandfrei. Aber sich für einige Dinge lohnt es, das Ticket oder die Reservierung zumindest 1 bis 2 Tage im Voraus zu besorgen, mindestens die Tickets für den Shinkansen. Auch die infrage kommende Aufführung für die klassische Kabuki-Oper in Kyoto hatte leider nur noch einen Platz, als wir uns erst eine Stunde vorher darum kümmern wollten.

Am Ende sind beide Länder ganz zauberhaft und ganz zauberhaft zu bereisen. Wenn der eine Programmpunkt spontan nicht klappt, gibt es noch tausend andere wunderbare Entdeckungen, die alternativ warten!

PS: In Japan darf zwar nicht in der Öffentlichkeit geraucht werden, aber dafür auf manchen Zimmern im Hotel. Obacht bei der Buchung!

2.1 Peking

Sag mir, wie viele Mauern stehen

Das bekannteste Bauwerk Chinas ist die Chinesische Mauer. Je nachdem, wen man fragt, ist sie zwischen 5000 Kilometer und 20 000 Kilometer lang. Das liegt daran, dass nur einige historisch gut ausgebaute und heute gut erhaltene Abschnitte in der Nähe von Peking wie in unserer Vorstellung aussehen: mächtige hohe Mauern, die in die Unendlichkeit führen, unterbrochen von ebenso gewaltigen Türmen, die alle erst aus dem 16. Jahrhundert stammen. Mauern ist auch korrekter als Mauer. Was wir Chinesische Mauer nennen, ist ein Sammelbegriff für allerlei Mauern, die chinesische Herrscher zwischen 700 v. Chr. (Qi-Dynastie, von der unser Wort China kommt) und 1600 (Ming-Dynastie, die mit den Vasen) haben erbauen und ausbauen lassen, manche miteinander verbunden, andere für sich stehend, manche filigran und groß genug für Pferdefuhrwerke, andere klein und aus Lehmziegeln.

Viele Abschnitte sind in schlechtem Zustand und dienten der Bevölkerung über Jahrhunderte als Steinbruch, was dem Mauerdasein im wahrsten Sinne auch abträglich ist. Was die exakte Länge angeht, verhält es sich wie bei jeder anderen Küstenlinie oder Landgrenze: Wenn man das Lineal auf der Weltkarte anlegt, ist sie kürzer, als wenn man die Länge auf der Landkarte abmisst. Denn auf der Weltkarte sind viele Windungen nicht abgebildet. Je genauer man hinschaut, desto länger wird jede solche Linie (bei der Küste Norwegens liegt die Spanne zwischen 2500 und 25 000 Kilometern!).

Hinzu kommt bei der oder den Chinesischen Mauern das stete Wiederentdecken von archäologischen Formationen, die dann auch dazugezählt werden. Alle diese Mauern sollten irgendwen vor irgendetwas schützen. Gegen wen sie jeweils gerichtet waren, ist nicht abschließend geklärt. Wie viele Mauern es sind, auch nicht. Aber dass es sehr, sehr, sehr viele, teils sehr steile Stufen sind, kann ich aus gesicherter Quelle bestätigen.

Small Brother is Driving You

Heutzutage ist es schwer, sich vorzustellen, wie noch vor einigen Jahren ein China-Aufenthalt ablief. Mit Verlassen des Flughafengebäudes verließ man den internationalen Sektor, in welchem man sich mit westlichen Kreditkarten, Dollar und Englisch durchschlagen konnte. Hinter der Schiebetür begann eine Welt, in der man stets hoffte, dass die paar chinesischen Silben, die man sich mühevoll angeeignet hatte, in den Ohren der Zuhörer nicht schlussendlich als Beleidigung klangen. Wer es weniger waghalsig mochte – das waren wohl die meisten – griff auf örtliche Guides zurück, die sich um Inhalte und Logistik kümmerten. Heute könnte es dank digitaler Technologie kaum einfacher sein.

Die Freunde, die wir besuchten, hatten uns mit einigem Aufwand freundlicherweise Tickets für die Pekinger Metro nach Deutschland geschickt. Mit diesen könnten wir zumindest zu ihnen nach Hause fahren und dann würde man weitersehen. Was wir sahen: Es sollte die einzige Fahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr bleiben. Denn immer, wenn wir das Gebäude verließen oder uns in Bewegung setzen wollten, wartete auf uns schon der kleine Bruder, Chinesisch Didi. Anders als ein echter kleiner Bruder, den viele ältere Geschwister eher als nervig beschreiben würden, macht Didi das Leben des reisenden Westlers unglaublich bequem.

Didi ist eine Taxivermittlung wie Uber. Nur: Sie ist deutlich einfacher und unkomplizierter als Uber. Und sie ist für westliche Touristen in einem Land wie China Gold wert. Der Verkehr in Peking ist zwar kein Sojasoßenschlecken, aber meist ist man doch deutlich schneller als mit den Öffentlichen. Und wenn man den ganzen Tag mit Wanderungen zu, in und durch Museen und Sehenswürdigkeiten verbringt, ist man dankbar über die kurzen Phasen, in denen man sitzen kann. Der entscheidende Vorteil ist aber das Überwinden der Sprachbarrieren. Die App übernimmt die gesamte Kommunikation zwischen Fahrer und uns: für uns auf Englisch, für den Fahrer auf Chinesisch. Die Fahrten sind sicher, zuverlässig und so günstig, dass auch ferne Ziele in die Nähe rücken, die Autos sind fast ausschließlich elektrisch. Für den Tagesausflug zur Chinesischen Mauer nach Mutianyu haben wir pro Strecke umgerechnet 15 Euro bezahlt: für jeweils 90 Minuten Fahrt.

Klar, man ist in diesen Taxis weder anonym noch inkognito unterwegs. Aber das ist man in China ohnehin nie – und bei uns vermutlich auch nicht.

Insofern: Wenn schon überwacht, dann wenigstens bequem.

Hotpot mit Robot

Glücklicherweise konnten wir die Woche in Peking bei Freunden verbringen, die uns nicht nur ein Dach über dem Kopf und Zugang zum Schwimmbad in ihrem Expat-Apartment-Komplex gaben, sondern uns auch in kürzester Zeit eine beeindruckende gastronomische Vielfalt offenbarten. An Tag eins gingen wir Hotpot essen: eine koreanische Darreichungsform, bei der Fleisch und Gemüse an den Tisch gebracht und eigenhändig in einem siedend heißen Becken gekocht werden. So weit, so nicht ungewöhnlich, auch in den Metropolen hierzulande.

Doch der Unterschied fährt (nicht fällt) schnell ins Auge: die Roboter. Nachdem man über ein Tablet die Bestellung aufgegeben hat, legt ein Roboterarm die gewünschten Speisen auf einen voll automatisierten Servierwagen, der sie an den Tisch fährt. Der Clou: Die letzte Armlänge übernimmt dann wieder eine Kellnerin, reicht die Speisen an, beantwortet Fragen und steht für Smalltalk zur Verfügung. Da sie nicht ständig zwischen Küche und Tischen hin und her läuft, hat sie entsprechend auch mehr Zeit dafür. Aus Kundensicht das Beste aus beiden Welten: Automatisierung und menschlicher Kundenkontakt.

Zum Stichwort „menschlicher Kontakt“ entdecken Sie beim besonderen Hinsehen auf dem dazugehörigen Foto ein besonderes Detail: ein Plüschtier. Menschen, die alleine essen, können sich in vielen Restaurants ein großes Plüschtier ausleihen, das mit ihnen isst. Einerseits fühlt man sich weniger allein. Andererseits kann wie auch in Deutschland der Eindruck entstehen, dass man aus Verzweiflung und Mangel an Freunden alleine essen geht. Das Plüschtier kann hier etwa das Signal senden, dass man sich bewusst für die Allein-Zeit entschieden hat.

Im Hintergrund laufen für alle gleichermaßen an den hohen Wänden des Restaurants, welches im Keller gelegen war und entsprechend keine Fenster hatte, Projektionen. Aber kein Fußball, kein Snooker und auch keine Nachrichtensendungen, bei denen man ständig hinschauen muss – ob man will oder nicht. Vielmehr waren es Zeichentrickdarstellungen von Tieren im Wald oder animierte Kunstwerke mit angenehmen Farben und Lichtstimmung – immer mit gerade so viel Bewegung, dass es stets etwas zu entdecken gab, man es aber auch gut ausblenden konnte.

Es war auch in jeglicher Hinsicht ein geschmackvoller Aufenthalt.

Abmahnen und Teetrinken

Obligatorisch beim Pekingaufenthalt ist ein Besuch des Tiananmen-Platzes und der Verbotenen Stadt. Das Mao-Mausoleum haben wir leider verpasst, weil wir nicht damit gerechnet hatten, dass es morgens um 11 Uhr schließt (!), um den Staatsgründer zurück in die Kühlkammer zu fahren. Für alles Weitere haben wir über GetYourGuide eine Tagestour gebucht, die schlanke vier Stunden dauerte. Eine solche Tour zu buchen, empfiehlt sich auch aus organisatorischen Gründen. Denn mittlerweile kann man nur noch mit Vorregistrierung und nach einer Sicherheitsschleuse auf den Tiananmen-Platz. Das Hauptaugenmerk gilt dabei möglichen Flaggen und anderen politischen Symbolen im Rucksack.

Der Guide erzählte in hervorragendem Englisch, mit viel Wissen und einigem Witz von der Architektur und Geschichte der Orte wie auch vom heutigen und früheren politischen System. Über Themen wie staatliche Kontrolle oder sensible historische Ereignisse, auch solche mit lokalem Bezug, sprach er erstaunlich gelassen. So störe sich die Regierung nicht grundsätzlich daran, wenn ein kleiner Teil der Bevölkerung westliche Medien konsumiere oder kritisch die Führung und die Geschichte hinterfrage. Wichtig sei nur, dass es ein kleiner Teil bleibt. Deswegen könne er problemlos einen VPN benutzen und auf Englisch zu Ausländern frei sprechen. Das werde wohl kaum das chinesische Volk aufwiegeln. Wenn gewisse Grenzen überschritten werden, werde man zum „Teetrinken“ bestellt, das netter klingt als es ist. Diese Ermahnung sei eine ernste Sache, dürfe man sich aber auch nicht wie in Nordkorea vorstellen.

Dort war er schon und bevorzugt definitiv das Leben in China.

Löwen ohne Löwen

Auch wenn sich die japanische Winkekatze als fester Einrichtungsgegenstand von chinesischen Restaurants in Europa etabliert hat, ist die wichtigste Katze Chinas der bekannte Wächterlöwe. Als mythisches Schutztier darf er an keinem chinesischen Palast fehlen. Er ist so wichtig, dass er auch immer zu zweit steht: stets ein männlicher Löwe, der mit einer (Welt-)Kugel spielt, und ein weiblicher, der ein Löwenjunges behütet. Was ihn in der langen Reihe nationaler mythischer Schutztiere so besonders macht: Es gibt im Land selbst gar keine Löwen. Die Idee des Löwen als Symbol der Stärke kam spätestens über den Buddhismus im 3. Jahrhundert nach China. Nur wusste man leider nicht so genau, wie denn so ein Löwe aussehen würde. So entstand eine besondere Interpretation, die die Eigenschaften des Löwen mit einheimischen Tieren verband. Ich empfehle eine Google-Suche nach dem Stichwort: „Pekinese“.

Die Peking-Ente bei der Zubereitung

Hier wäre Platz für eine steile These.

Roboterunterstützung, angenehme Hintergründe und die gute Gesellschaft von Garfield und Panda

Koikarpfenteich in der U-Bahn

Ich weiß nicht, ob Waschbären immer so friedlich sind.

Teambuilding

Every menu has pork / seafood in it.Man sollte in jedem Essen in Korea mit Fisch oder Schwein rechnen.

Immerhin ist die Kommunikation recht klar.

In der Joseon-Zeit im Kaiserpalast

Der UN-Soldatenfriedhof in Busan

Im Jimjilbang

Die Sky Capsule und der Wolkenkratzer LCTThe Sharp in Haeundae (Busan)

Die Weihnachtsgeschichte…

Der Blick nach Nordkorea

… und Palmsonntag auf Koreanisch

Die Chinesische Mauer bei Mutianyu

Der Wächterlöwe in der Verbotenen Stadt

Ein Gottesdienst der Yoido Full Gospel Church in Seoul

2.2 Korea

K-Pop im Rücken und Kim Jong-un vor der Nase

Es ist vollkommen unproblematisch, von der südkoreanischen Seite aus an die Grenze zum Norden zu fahren und bei einem Kaffee oder Yuzu-Tee den Klassenfeind zu beobachten. Die Tour führt unter anderem auch zu einem Infiltrationstunnel, den die Nordkoreaner unter der Demilitarisierten Zone (einer vier Kilometer breiten Pufferzone) gegraben haben. Er ist ein Besuchertunnel, über den man bis auf zwei Meter an die Grenze herankommt. Am Ende vereinnahmt der Kapitalismus den kommunistischen Eifer. Die Nordkoreaner scheinen mit Schallwaffen die grenznahe Bevölkerung im Süden zu terrorisieren, die Südkoreaner lassen 24 Stunden lang K-Pop über Lautsprecher laufen. An der Grenze ist Folklore eingekehrt. In den Ausführungen der Guides hört man kein Bedrohungsbewusstsein heraus. Eher heiteren Zynismus. So heiter, dass direkt an der Demilitarisierten Zone im Süden ein Vergnügungspark steht.

Im Norden ist die Welt anders, wie uns eine nordkoreanische Überläuferin schilderte. Ihr zufolge erfährt das Regime anders als vor 20 Jahren kaum noch Unterstützung. Drakonische Strafen, penible Überwachung und der dortige, man glaubt es kaum, Kapitalismus verhindern den Kollaps: Von Montag bis Samstag müssen alle von 8 bis 18 Uhr für staatliche Einrichtungen arbeiten. Am Abend produzieren sie dann unter staatlicher Duldung für den Schwarzmarkt, um die Mangelwirtschaft auszugleichen. Etwa Anbau von Lebensmitteln oder Handwerk. Am Sonntag ist dann Schwarzmarkttag, an dem man die Waren handelt und tauscht.

Übrigens: Was denken Sie? In welchem Stock sollte man in Nordkorea wohnen?

Nicht zu hoch – der Wasserdruck reicht in der Regel nur bis in den ersten Stock. Alle anderen laufen mit dem Eimer runter. In diesem scheint in Nordkorea vieles zu sein.

Tierisch gute Cafés

Den Statistiken zufolge sind die Lebenserwartungen in Korea und Japan besonders hoch. Das gilt aber sicherlich nicht für Aktivistinnen und Aktivisten von PETA. Die hohe Dichte von Tier-Cafés würde sie reihenweise in den Herzinfarkt führen.

Das erste dieser Cafés besuchten wir in Seoul. Nach einer Einweisung und Händedesinfektion konnte man sich in einem allgemeinen Bereich aufhalten, der wie die meisten dieser Cafés in einem Schichtbetrieb aufgebaut war. Damit die Tiere nicht zu sehr von den Besucherinnen und Besuchern gestresst werden, werden die meisten von ihnen nur zu bestimmten Zeiten und mit ausreichenden Pausen unter Aufsicht aus ihren zoo-ähnlichen Gehegen geholt. Dann sitzt man möglichst still, während das Personal den Fuchs oder Waschbären zunächst auf den Schoß, dann auf den Kopf lockt und ein schnelles Foto ermöglicht. Im zweiten Stock durfte man Zwergkängurus füttern und sich – mit geleerten Taschen und nach einer weiteren Einweisung – zu den Meerkatzen ins Gehege setzen: wirklich nur setzen, abgesehen vom Fotografieren nicht bewegen und auf keinen Fall ein Tier in die Hand nehmen.

Für die Tiere sind wir in diesem Fall, so wirkte es, eine Art warmer Felsen, den man erst erkundet und dann nach Gelegenheiten zum Höhlenbauen absucht (Tipp: Die Hose sollte nicht zu locker sitzen). Im Laufe der Zeit fangen die ersten dann an, sich im Schoß schlafen zu legen, während andere das Interesse verlieren.

In einem Eulencafé lernt man für ein kurzes Zeitfenster jede Eule mit Namen kennen, erfährt, welche Eulenart auf welche Weise gestreichelt werden will (merke: Uhu hinter den Ohren, Barteule an den Wangen) und lernt, dass sie anscheinend ihre Nachtaktivität verlieren, wenn sie nicht mehr selbst jagen müssen. Angeblich geht man mit ihnen auch regelmäßig draußen im Park fliegen.

Ob das wirklich so ist? Wer weiß. Ist das tiergerecht oder Quälerei? Sagen wir: Jedes Tier in diesen Cafés führt ein deutlich besseres Leben als jedes Tier im Pekinger Zoo, die Pandas eingeschlossen. Und für jedes bisher beschriebene Tier ist es deutlich erträglicher als für die Hunde im Puppy-Café.

Denn während Meerkatzen (in Seoul), Mikro-Schweine (in Fukuoka) oder Eulen (in Tokio) vermutlich keine besonders innige Beziehung zu uns wechselnden Besuchern aufbauen, scheinen die Hunde im Hundecafé emotional höchstgradig irritiert und überwiegend verhaltensauffällig. Das ist dann auch als Besucher nicht schön.

Man verlässt die Tiercafés auch aufgrund des strengen tierfreundlichen Reglements (Aufenthaltszeit, Pausen, Bewegungen, hohe Personaldichte und strenge Aufsicht) zwar nicht mit einem offensichtlich schlechten Gewissen. Aber es ist schon okay, wenn wir sie allzu schnell nicht in Europa einführen.

Was ein Foto auslöst

Auf der langen Liste der nervigsten Geräusche befindet sich bei den meisten Menschen eines stabil recht weit oben: das Auslösegeräusch beim digitalen Fotografieren. Es steht so weit oben, dass es vermutlich jeder Mensch der Welt an seinem Telefon deaktiviert hat. Wenn man kann!

In China fing mein iPhone auf einmal an, dieses Geräusch auch im Stummmodus zu machen. In Korea blieb es so, in Japan auch. In meinen Augen konnte es nur ein Defekt oder ein Versehen sein, da niemand diese Einstellung freiwillig aktivieren würde. Auch ich nicht. Denn von Freiwilligkeit kann man kaum sprechen.

Der Grund: In China ist es zwar nicht landesweit vorgeschrieben, aber einige SIM-Karten-Betreiber geben die Einstellung vor, dass das Klickgeräusch beim Fotografieren auch im Stummmodus erhalten bleibt. In Korea und Japan hingegen ist es unmöglich das Geräusch zu deaktivieren.

Denn heimliche und übergriffige Fotoaufnahmen zum Zwecke sexueller Belästigung, etwa auf Toiletten, sind immer noch ein großes Problem. Daher ist wichtig, dass die Umgebung mitbekommt, wenn jemand ein Foto macht.

In meinem Hobbyfotografen-Leben ist zum Glück seit Hawaii wieder Ruhe eingekehrt – außer, wenn ich den Flugmodus anmache. Dann vermutete das Telefon vermutlich, dass ich es austricksen will, und verfiel in alte Muster (wie sich später herausstellte: Es gab noch ein altes japanisches eSIM-Profil. Seit dieses gelöscht ist, ist wirklich wieder Ruhe im Karton).

Voll Bock auf Hanbok

Das Hanbok – nicht zu verwechseln mit Hanok, den traditionellen Wohnhäusern in Seoul – ist die traditionelle Kleidung der Joseon-Zeit (ca. 1400 bis 1900). Sehr schick und durch einige koreanische Seifenopern und andere Serien wieder absolut trendy.

Rund um den Kaiserpalast in Seoul gibt es diverse Läden, in denen man sich diese leihen kann – von der Hausmeisterklasse „niederer Adel“ (siehe mich auf dem Buchrücken) bis Ninja oder Kaiser (eine attraktive Anmaßung, aber für meinen Geschmack doch eine Spur zu teuer).

Die große Nachfrage hängt mit einer – wie ich finde sehr klugen – Entscheidung zusammen: Wer in traditioneller Tracht kommt, erhält kostenlosen Eintritt. Dementsprechend machen viele von diesem Angebot Gebrauch und tragen damit zu einer ganz besonderen Atmosphäre im Palast bei. Kleider machen Leute und lassen Leute in andere Zeiten eintauchen. Wenn man dadurch einen besseren Zugang zur Geschichte ermöglicht, ist das unbedingt zu begrüßen. Es gibt dabei auch keinen Bruch in der Authentizität: Auch der Palast ist nach vielen Zerstörungen, zuletzt im Koreakrieg, ein originalgetreuer Nachbau.

Ich halte das für eine ziemlich starke Idee. Klar, nicht alle historischen Stätten eignen sich für ein solches Reenactment.

Aber wieso nicht auch mal auf einem bayerischen Schloss oder einem Museumssegelschiff die Besucher auf Wunsch kostümieren?

PS: Wenn man in Deutschland davon erzählt, ist die Chance recht groß, dass jemand den Begriff „kulturelle Aneignung“ in das Gespräch einführt – entweder mit Augenrollen (viele) oder mit echter Sorge (wenige). Um das Thema einmal angesprochen zu haben: Augenhöhe und Respekt sind Trumpf.

Es ist nicht grundsätzlich verwerflich, Symbole und Praktiken bei anderen abzuschauen und nachzuahmen, weiterzuentwickeln, zu verändern und zu verschmelzen. Die ganze Menschheitsgeschichte ist nur als Amalgam verschiedener Einflüsse, Erfindungen und Neuerfindungen zu verstehen.

Aber dass man im 21. Jahrhundert Dinge kritisch hinterfragt und differenziert sieht, ist ebenfalls eine berechtigte Anforderung. Nicht die Aneignung an sich ist problematisch (oder jedenfalls nur bei nicht mehrheitsfähigen Hardlinern). Sondern die Umstände und Randbedingungen sind es.

Die allermeisten Fälle kultureller Aneignung, bei welchen man kopiert und nachahmt und Konzepte, Ideen und Traditionen verschmilzt, sind unkritisch, weil man einander auf Augenhöhe und mit Respekt und Wertschätzung für die Beiträge der anderen begegnet – und dies auch entsprechend zum Ausdruck bringt. Diese wertschätzende Aneignung löst eher Stolz darüber aus, dass die eigenen Traditionen an anderen Stellen weiterleben und als nachahmenswert geschätzt werden.

Problematisch ist, wenn es ein begründetes Misstrauen dahingehend gibt, dass der Aneignungsprozess eben nicht auf Augenhöhe geschieht und eben nicht von Respekt und Wertschätzung getragen ist. Nachvollziehbarerweise wird die Aneignung dann als Herablassung oder dreister Diebstahl von Traditionen und Heiligtümern verstanden. Das Problem liegt dann aber tiefer auf der Ebene der grundsätzlichen Beziehung.

Kurz: Mein oberflächlicher Eindruck war, dass die ganze Situation von Wohlwollen, Neugier und Wertschätzung getragen war. Ich für meinen Teil würde mir genau das von meinen Gästen und Besuchern wünschen.

Kirchblüte statt Kirschblüte

Während die Kirschblüte in der koreanischen Kultur kaum eine Rolle spielt, blühen die Kirchen umso mehr. Allerdings nicht die klassischen katholischen oder evangelischen Kirchen unserer Breitengrade, sondern Frei- und Pfingstkirchen. Das sind anders als bei uns keine Garagen-Gemeinden, sondern Mega-Kirchen mit einer Anziehungskraft, wie sie die Kirchen bei uns zuletzt im 14. Jahrhundert hatten – und mit einer Empore für ausländische Besucherinnen und Besucher, die mal einem Gottesdienst der Yoido Full Gospel Church beiwohnen wollen.

Mega ist zumindest für die Dimensionen der richtige Ausdruck. In dieser Kirchengemeinde mit rund einer Million Mitgliedern werden sonntags Gottesdienste wie am Fließband gefeiert: 20 000 Menschen passen in den Konzerthallen-artigen Dom. Und das bis zu zehnmal am Tag. Wie in einem Stadion ist der Altarraum umrahmt von allerlei säkularen Räumlichkeiten wie kleinen Geschäften, Ausstellungen oder Tagungsräumen. Die Toilettenanlage im Keller ist definitiv größer als in jedem Stadion, welches ich bisher von innen gesehen habe. Eine Heerschar von weiß gekleideten Freiwilligen lotst die Menschenmassen auf ihre Plätze und erklärt den interessierten Ausländern, wie man die Kopfhörer für die Simultandolmetschung in zehn (!) Sprachen richtig einstellt: Neben Englisch, Französisch und Spanisch gibt es auch Hindi und Mongolisch. Dass es auch einen Livestream gibt, ist vermutlich nicht überraschend.