Ahnen auf die Couch - Ingrid Alexander - E-Book
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Ahnen auf die Couch E-Book

Ingrid Alexander

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Beschreibung

Versöhnung mit den Eltern, Aussöhnung mit den Ahnen! Die Botschaften der Ahnen und der Einfluss unserer Eltern verbinden vergangene Welten mit der unseren. Der Generation- Code® offenbart, welch ausgefeiltes Wunderwerk das Beziehungsgeflecht unserer Vorfahren mit seinen ineinandergreifenden Schicksalen darstellt und dass es keinesfalls Zufall sein kann, warum wir in genau diese Familie hineingeboren wurden. Durch die Entschlüsselung des Codes können Verstrickungen in der Herkunftsfamilie geklärt, ungute Verflechtungen gelöst und vererbte Wunden geheilt werden. Die Auflösung des unbewussten Treuevertrages ermöglicht Heilung für das ganze Familiensystem mit neu gestalteten Beziehungen auf Augenhöhe und in gegenseitigem Respekt. So wird ein Leben in echter Selbstverantwortung möglich. Dieses Buch kann auch Sie dabei unterstützen. Der Drang des Kindes, seine Eltern für erlittenes Trauma, erlebte Defizite oder unerfüllte Wünsche zu entschädigen und sie zu »heilen«, führt zur Schließung eines unbewussten Treuevertrages, der mit dem hohen Preis des Stillstandes der eigenen Entwicklung bezahlt wird. In der Hoffnung, Mutter und Vater zu reifen, heilen Eltern machen zu können, die in der Lage sind, dem Kind die Eltern zu sein, die es für seine gesunde Entwicklung braucht, opfert das Kind Teile seiner Persönlichkeit und verschließt seine Gefühle und Wünsche in sich. Die eigene Identitätsentwicklung ist blockiert und die Entstehung einer sogenannten »Scheinidentität« ist vorprogrammiert. Einen solchen Loyalitätsvertrag sind auch die Eltern sowie deren Vorfahren einst als Kind ein gegangen. Aufträge, Botschaften und Delegationen etc. wirken über Generationen weiter fort und jeder Mensch erhält auf diese Weise seinen eigenen spezifischen und individuellen Generation-Code. Generation-Code® ist ein neurobiologisch fundiertes, transgeneratives familientherapeutisches Konzept, das es möglich macht, den Treuevertrag zu lösen.

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Seitenzahl: 345

Veröffentlichungsjahr: 2016

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INGRID ALEXANDERSABINE LÜCK

Ahnenauf die Couch

Den Generation-Code®entschlüsseln undvererbte Wunden heilen

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1. eBook-Ausgabe 2019

2. Auflage 2017

© 2016 Scorpio Verlag GmbH & Co. KG, Munchen

Umschlaggestaltung: FAVORITBUERO, Munchen

Umschlagabbildung: Manuela Schiffner

Layout und Satz: BuchHaus Robert Gigler, Munchen

Konvertierung: Bookwire

ePub: 978-3-95803-101-2

epdf: 978-3-95803-102-9

Das eBook einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Der Nutzer verpflichtet sich, die Urheberrechte anzuerkennen und einzuhalten.

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Ansprechpartner für ProduktsicherheitEuropa Verlage GmbHMonika RoleffJohannisplatz 1581667 Mü[email protected]+49 89 18 94 [email protected]

Jeder Mensch ist nicht nur er selber, er ist auch der einmalige, ganz besondere, in jedem Fall wichtige und merkwürdige Punkt, wo die Erscheinungen der Welt sich kreuzen, nur einmal so und nie wieder. Darum ist jedes Menschen Geschichte wichtig, ewig, göttlich, darum ist jeder Mensch, so lange er irgend lebt und den Willen der Natur erfüllt, wunderbar und jeder Aufmerksamkeit würdig. In jedem ist der Geist Gestalt geworden, in jedem leidet die Kreatur, in jedem wird ein Erlöser gekreuzigt …

Das Leben jedes Menschen ist ein Weg zu sich selber hin, der Versuch eines Weges, die Andeutung eines Pfades. Kein Mensch ist jemals ganz und gar er selbst gewesen; jeder strebt dennoch, es zu werden, einer dumpf, einer lichter, jeder wie er kann. Jeder trägt Reste von seiner Geburt, Schleim und Eierschalen seiner Urwelt, bis zum Ende mit sich hin. Mancher wird niemals Mensch, bleibt Frosch, bleibt Eidechse, bleibt Ameise. Mancher ist oben Mensch und unten Fisch. Aber jeder ist ein Wurf der Natur nach dem Menschen hin. Uns allen sind die Herkünfte gemeinsam, die Mütter, sie alle kommen aus demselben Schlund; aber jeder strebt, ein Versuch und Wurf aus den Tiefen, seinen eigenen Zielen zu. Wir können einander verstehen; aber deuten kann jeder nur sich selbst.

HERMANN HESSE

Inhalt

Vorwort

Einleitung

Mara – Königin der Herzen

1Generation-Code: Eine maßgeschneiderte »Wurzelbehandlung« für den eigenen Stammbaum

Was ist der Generation-Code?

Die Wurzeln unseres Stammbaums

Den Treuevertrag lösen und sich mit den Ahnen versöhnen

Die Heilung der Wurzeln befreit unser ureigenes Potenzial

Geschichtliche Entwicklung

Wer sollte seinen Treuevertrag lösen?

Erfahrungsbericht

2Die Wunden unserer Ahnen

Unsichtbare Bindungen mit unseren Ahnen – mit ihren Schätzen und ihren Wunden

Liebe kann man vererben – das genetische Gedächtnis

Bindung und Seele

Epigenetik, Neurobiologie und Traumaerfahrungen

Wenn die Grenzen zwischen den Generationen verschwimmen – der psychoanalytische Ansatz

Mein Kind soll es einmal besser haben – so reichen wir die Wunde weiter

3Die Erfüllung der Grundbedürfnisse des Kindes und ihre Bedeutung für den Generation-Code

Die Bedeutung der Erfüllung von Grundbedürfnissen für unser erwachsenes Sein

Die Grundbedürfnisse des Menschen

Die fünf Grundbedürfnisse nach Albert Pesso

Bindung und transgenerationale Weitergabe von Erfahrungen

4Feenhafte Heldin – Hüterin von Aggression und Unschuld

Die Entschlüsselung des Treuevertrages

Der Treuevertrag zwischen Lisa und ihrer Mutter

Der Treuevertrag zwischen Lisas Mutter Riecke und deren Mutter

Der Treuevertrag des Vaters von Lisa mit seiner Mutter

Andreas und sein Treuevertrag mit dem Vater

Rieckes Treuevertrag mit dem Vater

Die Versorgung der Ahnen mit dem Heilserum

Rieckes Botschaften-Reihe zum Generation-Code mit der Mutter

Lisas Botschaften-Reihe zum Generation-Code mit der Mutter

Andreas’ Arbeit zu den Botschaften der mütterlichen Ahnenreihe und die Versorgung mit dem Heilserum (Crossover)

Lisas Ahnenarbeit zum Vater

Die Bedeutung des Generation-Codes in der Partnerschaft von Riecke und Andreas

Andreas’ Aufstellungsarbeit mit der väterlichen Ahnenreihe

Die Ahnenarbeit von Riecke mit ihrem Vater

Die Treueverträge im Überblick

Familienthemen, die sich transgenerational auswirken

Ressourcen der Familie

Das erbrachte Opfer

Was das Auflösen der elterlichen Codes für Lisa bedeutet

Die Scheinidentität als Gestalt

Der Gewinn aus Scheinidentität und Rolle

5Der archaische Grundkonflikt

Die Lösung des Kindes: Der Loyalitätsvertrag mit den Eltern

Der archaische Grundkonflikt verschont weder Götter noch Kaiser noch Psychotherapeuten

Amor und Psyche

Kaiser Augustus, ehemals Octavius

Anna Freud

6Das Identifizieren des archaischen Grundkonflikts

Die Schlüsselfragen zum Treuevertrag

Das Überrundungsverbot, die Schlüsselfrage zum gleichgeschlechtlichen Elternteil

Der schmerzlichste Punkt im Leben der Mutter/des Vaters

Das Treuegebot – die Schlüsselfrage zum gegengeschlechtlichen Elternteil

7Das Heilserum und die Macht des unvollendeten Kreises

Die Erstellung des Heilserums

Geheilte Bindungen – das Heilserumband der Generationen

Die Wirkung des Heilserums

8Die Wunden heilen – die Geschichte der Ahnen neu erfinden

Die weibliche Ahnenreihe – die männliche Ahnenreihe

Die Ahnenreihe des gegengeschlechtlichen Elternteils

9Das Opfer für Mutter und Vater

Das erbrachte Opfer identifizieren und als das Ureigene reintegrieren

Die Arbeit mit Triade und Zeitlinie

Die Triadenarbeit

Die Arbeit mit der Zeitlinie

Der Verrat an den Eltern

10Die Scheinidentität

Das Kind füllt die Lücken

Die Erschaffung der Scheinmutter/des Scheinvaters

Das Kind wird zum eigenen Elternteil

Eltern für die Eltern

Model für die Eltern

Das Ideal versorgte Innere Kind der Eltern

Scheinidentität und Burn-out – das neurotische Feuer brennt

Überlegungen zu Identität und Scheinidentität

Die mächtige Eiche und die kleine Walderdbeere – eine Fallvignette

11Der kindliche Größenwahn – das grandiose Kind

Die Entstehung von Pseudoautonomie und Entität

Das introjizierte Introjekt

Wenn Ahnen Täter waren

Die bewachte Giftkapsel im Körper

12Der Gewinn

Das Erlöschen des neurotischen Feuers – die verunsicherte Identität

Das Loslassen des Gewinns

Das Opferritual

13Interventionen und Methoden

Die Systemische Familientherapie

Die Ursprünge der Familienaufstellung

Drei unterschiedliche Aufstellungsmethoden

Klassische Familienaufstellungen

Systemische Strukturaufstellungen

Organisationsaufstellungen

Drei Erklärungsversuche zur Funktionsweise von Aufstellungen

Die Pesso-Boyden-Therapie (PBSP)

14Ein sicherer Boden für den Heilungsprozess

Generations-Code-Seminare in der Praxis

15Generation-Code for Kids

Die Entwicklungsaufgaben des Kindes vor dem Hintergrund seines Generation-Codes

Stufe 1: Das Baby – Vertrauen versus Misstrauen

Stufe 2: Das Kleinkind – Autonomie versus Abhängigkeit

Stufe 3: Das Kindergartenkind – Initiative versus Schuld

Stufe 4: Das Schulkind – Eifer (Werksinn) versus Unterlegenheit

Stufe 5: Der/die Jugendliche – Ich-Identität versus Rollenverwirrung

Das Kind wieder sehen können

Elterngespräche vor dem Hintergrund des Generation-Codes

Klare Orientierung und Hilfestellungen mit unterschiedlichen Interventionen und in verschiedenen Settings

Spielerisches Training für eine gelungene Selbstwahrnehmung mit der »Spiele Apotheke®«

Das Entwickeln von persönlichen und gemeinsamen Ritualen

Generation-Code for Kids und Familientherapie

Svea und die verschlossene Knospe

Generation-Code bei Stief-, Adoptiv- und Pflegekindern

16»Starke Wurzeln« – ein Therapiespiel

Beispiel einer Entschlüsselung des Generation-Codes mit »Starke Wurzeln«

17Generation-Code in der Arbeit mit Senioren

Trauma und Urvertrauen der Kriegskinder

Folgen früherer Traumatisierungen im Alter

Behutsame Biografie-Arbeit mit pflegebedürftigen Senioren

Ressourcenaktivierung und -erhaltung bei Senioren

18Generation-Code und Partnerwahl

Raus aus der Paarkrise – mit der Auflösung des Generation-Codes in eine neue Dimension

19Wirkt die Methode Generation-Code?

Evaluation zur Wirksamkeit der Gruppentherapie Generation-Code

Danksagung

Anhang

Literaturverzeichnis

Quellen

Vorwort

Ohne unsere Ahnen wären wir nicht die Menschen, die wir heute sind. Wir erben nicht nur ihre Reichtümer oder Schulden, ihr Aussehen und ihre körperlichen Dispositionen. Auch die Wunden und Narben ihrer Seelen haben wir von unseren Vorfahren übernommen und meist unbewusst mit einem Treuevertrag besiegelt. Jede Generation versucht auf ein Neues, Heilung und Fortschritt zu bewirken. Wir wollen mehr erreichen als unsere Mütter und Väter, aber wir dürfen den »Glücksrahmen« nicht überschreiten, denn sonst würden wir unsere Eltern an ihrer schmerzlichsten Wunde berühren. Wir machen die Rettung und den Schutz der Eltern und Ahnen zu unserem Lebenssinn und opfern dafür wichtige Teile unseres Selbst.

Um unsere eigenen unerfüllten Wünsche und Sehnsüchte nicht spüren zu müssen, reichen wir den unbewussten Auftrag der Ahnenheilung weiter an unsere Kinder und Kindeskinder. So erkennen wir oft unsere eigenen Kinder nicht, verwechseln uns oder unsere Eltern mit ihnen. Weil wir nicht mehr unterscheiden können, wessen Leben wir eigentlich leben, wessen Sehnsüchte wir erfüllen wollen, zerstören wir Beziehungen, kontrollieren unsere Partner, spornen unsere Kinder zu Höchstleistungen an. Wenn wir den Treuevertrag auflösen, können wir die Verbindung zu uns selbst wieder spüren und unsere Wunden heilen lassen. Dann brauchen wir unsere Kinder und Partner nicht mehr zu denen zu formen, von denen wir glauben, sie so zu brauchen. Dann setzen wir unsere Fähigkeiten und Qualitäten nicht länger für die Rettung der Ahnen ein, sondern für uns selbst und die eigene Lebens- und Beziehungsgestaltung und werden immer freier für echte, hingebungsvolle Liebe, die fließen darf und die den anderen und sich selbst annimmt.

Als wir – Ingrid Alexander und Sabine Lück – uns 1993 zum ersten Mal begegneten, spürten wir sofort eine besondere Anziehungskraft. Voller Leidenschaft machten wir uns gemeinsam auf die Suche nach Antworten auf die Frage nach dem authentischen Sein.

Wir stießen in unserer Arbeit mit anderen Menschen auf den archaischen Grundkonflikt des Kindes und den daraus resultierenden Treuevertrag mit den Eltern. Auch wir lösten unseren Treuevertrag mit Mutter und Vater und setzten damit unser Potenzial frei. Das Schreiben dieses Buches lag uns schon seit vielen Jahren am Herzen und darf nun wie eine wunderbare Blüte endlich aufgehen.

Wir hoffen, dass ihre Saat auf fruchtbaren Boden fällt und unsere Methode vielen Menschen helfen wird, die nach Antworten suchen und wachsen wollen.

Einleitung

Wir möchten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, mit einem Märchen auf das Thema dieses Buches einstimmen. Geschrieben hat es eine Teilnehmerin, nachdem sie ihren Generation-Code mit der Mutter gelöst hatte und zur Unterstützung ihres Heilungsprozesses die Aufgabe erhielt, ein Märchen über ihre geheilte Beziehung zur Mutter zu schreiben. Das Märchen sollte mit dem Satz enden: … und endlich konnte die Prinzessin den ihr zustehenden Platz im Herzen der Eltern einnehmen. Den Namen haben wir – wie in den übrigen Fallbeispielen auch – aus Datenschutzgründen geändert.

Mara – Königin der Herzen

Es lebte einst in einem kleinen Ort eine Prinzessin namens Mara zusammen mit ihren Eltern, dem König und der Königin, und ihrem älteren Bruder, dem Prinzen.

Als sie klein waren, hatten die Königskinder ein unbeschwertes und schönes Leben. Sie konnten sich auf ihre Eltern verlassen. Die Geschwister verstanden sich gut und hatten viele gemeinsame Freunde im Volk. Schöne Tage verbrachten sie auch bei der warmherzigen Großmutter, die leider schon viel zu früh an einer Krankheit starb.

Mara war ein nettes, aufgeschlossenes Mädchen und auch ein mutiges Kind. Sie war gerne mit ihren Spielkameraden draußen in der Natur unterwegs. An die eine Seite des Schlosses grenzte der große Wald des Königreiches, zu dem sie oft mit dem Fahrrad fuhr. Dort war es nie langweilig, allerdings war es nicht ratsam, allzu dreckig nach Hause zu kommen, denn dann wurde die Königin böse.

Die andere Seite des Schlosses wurde durch einen breiten Fluss mit einem Wehr begrenzt. Im Sommer konnte man auf dem Wehr entlang durch knöcheltiefes Wasser bis zu einer Bootsschleuse auf dem anderen Ufer gehen. Durch das fließende Wasser war der Untergrund nicht gut zu erkennen, und Unebenheiten und Löcher im Grund ließen die Freunde immer wieder ins Straucheln kommen. Es war jedes Mal ein kleines Abenteuer, und alle waren froh, wenn sie die andere Seite erreicht hatten, zumal auf dem letzten Stück das Wasser knietief war. Oft reichten sich die Kinder die Hände, um das Gleichgewicht halten zu können.

In der Schule fühlte sich Prinzessin Mara zwar recht wohl, hatte aber doch so ihre Schwierigkeiten mit dem Lernen. Ihre Mutter, die Königin, hatte leider wenig Geduld bei den Hausaufgaben. Vorwürfe und Tränen waren darum keine Seltenheit. Ein Übungsdiktat zu Hause fiel einmal so schlecht aus, dass die Königin böse und ungehalten wurde und die kleine Mara den Auftrag bekam, dieses Diktat mit Unmengen von roten Korrekturstrichen am nächsten Tag dem Lehrer zu geben. Mit den Worten »Schönen Gruß von meiner Mutter, wir müssten uns was einfallen lassen, meine Mutter weiß auch nicht mehr weiter« überreichte Mara ihm den peinlichen Zettel.

Ein Schutzengel beobachtete die Szene und beschloss, der Prinzessin zu helfen. Er erschien in Maras Träumen, ohne dass sie es wirklich merkte. Im Schlaf pflanzte der Engel verschiedene Blumensamen in ihren Körper, sodass nach und nach eine wunderschöne bunte Blumenwiese wuchs, die für das gewöhnliche Auge unsichtbar war. Jede Blume verlieh ihrem Körper und Geist eine besondere Stärke wie Selbstbewusstsein, Kraft, Mut, positive Gedanken, Freundlichkeit, Unverzagtheit, Freude am Tun, Geselligkeit, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Jede Nacht sah der Schutzengel nach Mara und versorgte die Blumen mit Wasser und guter, nährender Erde, sodass sie starke Wurzeln bekamen und prächtige Blüten.

»Die Eigenschaften der Blumen werden dir für immer helfen, dein Leben zu meistern«, flüsterte der Engel jede Nacht abwechselnd in ihr rechtes und ihr linkes Ohr. Und es tat seine Wirkung …

Im jugendlichen Alter klappte es mit der Schule besser, und Prinzessin Mara wurde eine gute Schülerin. Sie war organisiert, zielstrebig, arbeitete selbstständig und wurde erfolgreich. Mit den Klassenkameraden des Volkes bildete sie eine gute Gemeinschaft. Mit einigen Freundinnen verstand sie sich sehr gut und teilte mit ihnen auch manche unschöne Wirklichkeit wie die Tatsache, dass die Königin viel zu oft ihren Kummer im Alkohol ertränkte.

Während die Prinzessin ihren Weg ging und quasi erblühte, schien ihre Mutter, die Königin, zusehends zu welken.

Die Königin litt zeit ihres Lebens unter Angst, Unsicherheit, Unzufriedenheit und wenig Selbstbewusstsein. Darunter litt natürlich auch die Beziehung zum König. Er hatte leider kein Händchen für die Stimmungen und Feinfühligkeit seiner Frau. Irgendwie geriet das königliche Leben damit in Schieflage, und viele Versuche, die Balance wiederzufinden, scheiterten am Ende kläglich.

Statt sich über die positiven Eigenschaften ihrer Tochter zu freuen, schenkte die Königin der Prinzessin nur halbherzige Liebe. Missgunst machte sich breit, und sie konnte es ihrer Tochter nicht aus ehrlichem Herzen gönnen, geliebt zu sein, fühlte sie sich doch selbst nicht stark und liebenswert.

Mara versuchte, ihrer Mutter zu helfen und ihr Mut zu machen. Was gut gemeint war, kehrte sich jedoch ins Gegenteil, da der Königin immer klarer wurde, dass sie selbst nicht aus dem starken, gesunden Holz war, aus dem ihre Tochter geschnitzt war.

Erneut betrachtete der Schutzengel die Situation und kam zu dem Schluss, dass er nochmals handeln musste. Er besuchte die verzweifelte Königin in einer sternenklaren Nacht und erschien ihr im Traum.

»Vertraue mir und mache mit mir eine wunderbare Zeitreise in die Vergangenheit«, flüsterte er ihr ein. »Wir werden gemeinsam deine Wunden versorgen und heilen, indem wir wichtige Erlebnisse in deiner Vergangenheit ausradieren und neu aufschreiben – hier in dieses dicke Buch, in dem deine königliche Lebensgeschichte steht. Ich trage dich auf meinen Flügeln und nehme alle Last und Sorge von dir.«

Der Engel strahlte dabei so viel Liebe aus, dass die Mutter sich magisch angezogen fühlte und bereitwillig ihre Hände in die des Engels legte. Zwischen Traum und Wirklichkeit schwebten sie zusammen davon.

»Zuerst besuchen wir deine Eltern, als du vier Jahre alt warst«, erklärte der Engel der Königin. »Dein Vater kam damals aus dem Krieg zurück, und du hast dich sehr vor dem fremden, großen Mann gefürchtet. Einen Krieg kann ich nicht ungeschehen machen, aber wir ändern die Szene eurer ersten Begegnung jetzt rückwirkend um. Schau genau hin, dann kannst du es sehen.«

Die Königin sah sich als kleines Mädchen auf dem Arm ihrer geliebten Großmutter, wie sie auf Augenhöhe den Vater zaghaft begrüßte. Der Heimkehrer freute sich so unbändig, endlich sein kleines Mädchen in die Arme schließen zu können, und herzte und küsste es behutsam.

»Endlich lernen wir uns kennen«, sagte er zu seiner Tochter. »Nun werde ich immer für dich da sein, mein geliebtes kleines Mädchen.«

Und so entstand für immer ein starkes Band zwischen den beiden, das zur Grundlage für eine liebevolle Vater-Tochter-Beziehung wurde. So kam es, dass im weiteren Verlauf der Zeitreise die Mutter der Königin, die damals eher lieblos und wortkarg mit ihrer Tochter umging, auch sehr viel liebevoller, verständnisvoller und geduldiger wurde. Beide Eltern bestärkten ihre kleine Tochter in ihrer Persönlichkeit und ermöglichten ihr eine gute Schulzeit. Der Abschluss ihrer Schneiderinnenlehre mit Auszeichnung wurde gebührend gefeiert. Alle waren stolz auf sie – welch ein unbeschreiblich schönes und warmes Gefühl!

Die Zeitreise der Königin mit ihrem Schutzengel dauerte die ganze Nacht. Gab es doch so viele Stationen, an denen dringend etwas verändert werden musste, nicht zuletzt die Heirat mit dem König. Und der Morgen dämmerte bereits, als die Reisenden in die Gegenwart zurückkehrten.

Der Engel verließ die Königin mit den Worten: »Nun hast du starke Wurzeln und bist eine geliebte und akzeptierte Tochter. Nutze nun diese Stärken und gönne auch deiner Tochter, geliebt zu sein. Denn du weißt jetzt, wie gut sich das anfühlt. Jemanden lieben und Liebe empfangen zu können, ist das wahre Lebenselixier. Das Holz, aus dem du nun bist, ist genauso wertvoll und stark wie das Holz, aus dem deine Tochter ist. Du stehst ihr in nichts nach.«

Die Königin war wie verwandelt nach dieser Nacht und war ihrer Tochter von nun an selbst eine liebevolle Mutter. Da sie nun stark war, ertränkte sie ihren Kummer nicht länger im Alkohol und sorgte dafür, dass die Beziehung zu ihrem Mann, dem König, geklärt wurde. Beide konnten nun ihre Liebe, die sie füreinander empfanden, zeigen, und eingerahmt von diesen königlichen Eltern konnte Prinzessin Mara auch den ihr zustehenden Platz im Herzen der Eltern einnehmen. Das Volk freute sich mit ihr und jubelte ihrer Prinzessin der Herzen zu.

Ein Märchen von Mara F.

Wie in diesem Märchen werden auch in der Realität bedürftig gebliebene Mütter zu bösen Königinnen oder verletzte Väter zu bedrohlichen Königen. Sie verfolgen in ihren Kindern, was sie selbst nicht haben konnten oder durften. Dann »stirbt« die gute Königin und »verwandelt« sich in eine böse, neidische, verletzende oder einfach nur in eine schwache und unfähige Mutter. So wie im Märchen von Mara, wo die Königin neidisch auf die eigene Tochter reagiert, um ihren Schmerz darüber abzuwehren, dass sie den Eltern und besonders dem Vater nicht wichtig gewesen war. Ein Kind aber tut alles dafür, die gute Königin oder den guten König am Leben zu erhalten, und schließt deshalb einen Treuevertrag.

Maras Treuevertrag mit ihrer Mutter lautete:

»Du darfst keinen wichtigeren Platz im Leben eines von dir geliebten Menschen einnehmen, als es mir vergönnt war, einen wichtigen Platz im Leben eines von mir geliebten Menschen einzunehmen!«

Aus Liebe zur Mutter verzichtete Mara darauf, einen wichtigen Platz im Leben von Mutter und Vater einzunehmen und zu beanspruchen. Fortan drehte sie sich nur um andere, vergaß sich und die eigenen Bedürfnisse. So blieb sie genauso unversorgt wie ihre Mutter und war ihr damit treu. Erst die Versorgung der verwundeten Königin mit dem speziellen Heilserum ermöglichte eine Auflösung der tragischen Verstrickungen und führte zu Autonomie und Selbstentfaltung.

In den folgenden Kapiteln erfahren Sie, wie auch Sie herausfinden können, welchen Treuevertrag Sie einst mit Mutter und Vater geschlossen haben und auf welche Weise es gelingen kann, diesen zu lösen und frei zu werden für das eigene Leben.

Durch die Entschlüsselung des ganz persönlichen Generation-Codes wird eine neue Dimension eröffnet, und es kann endlich werden, wie es niemals war.

1 Generation-Code: Eine maßgeschneiderte »Wurzelbehandlung« für den eigenen Stammbaum

Was ist der Generation-Code?

In den letzten Jahren häufen sich die Publikationen zum Thema transgenerationaler Weitergabe von traumatischen Erfahrungen an die folgenden Generationen, die, ohne es zu wissen, bis heute die Folgen dieser Wunden ihrer Eltern und Ahnen in sich tragen. Die Weitergabe von Traumatisierungen von einer Generation zur nächsten wurde bereits vielfach klinisch belegt. Weitreichende Forschungsergebnisse zeigen die Auswirkungen auf die psychische Entwicklung der Kinder, Enkel und Urenkel der Kriegsgenerationen. Die daraus entstandenen Bindungsstörungen mit ihren Folgen für die Identitätsentwicklung eines Menschen werden heute mit Ergebnissen aus der Psychotherapie, der Hirnforschung, der Epigenetik und Neurobiologie erklärt. Diese unumstrittenen Auswirkungen auf unser Leben belasten viele Menschen, ohne dass sie oder Fachleute wissen, wie man die Folgen für Seele und Körper mindern oder auflösen kann. Es mag hilfreich sein, die Zusammenhänge zu erkennen, doch eine Auflösung der dadurch entstandenen Symptome – dem brüchigen Selbstwert und der blockierten Identitätsentwicklung – bewirkt dies nach unserer Erfahrung nicht.

Zu groß ist die Treue zu den Eltern und Vorfahren – selbst dann, wenn wir längst erwachsen sind, und auch dann noch, wenn die Eltern bereits gestorben sind.

Mit unserer »Entdeckung« des Generation-Codes, der aufgrund eines tiefliegenden archaischen Grundkonflikts entsteht, haben wir einen ganz besonderen und höchst wirksamen Lösungsansatz entwickelt. In diesem Buch wollen wir daher weitergehen und nicht nur Erklärungsmodelle und Forschungsergebnisse darstellen. Wir möchten das Neue, das Innovative an unserem Konzept deutlich machen und vor allem den besonderen Lösungsansatz mit seiner umfassenden und befreienden Wirkung auf die eigene Seins-Erfüllung aufzeigen. Insofern ist dieses Buch nicht nur für Kollegen, sondern auch für alle Menschen gedacht, die sich auf dem Weg zu sich selbst befinden, sich immer wieder den gleichen Hindernissen gegenübersehen und erkennen möchten, wie sie den Weg in eine selbstbestimmte Zukunft für sich ebnen können.

Die Wurzeln unseres Stammbaums

Notieren Sie in einer Stammbaum-Vorlage (siehe Abbildung Seite 22) Namen und Daten Ihrer Vorfahren. Selbst wenn Sie bisher noch keine Ahnenforschung betrieben haben oder kaum Informationen über die Generationen vor Ihnen haben, tragen Sie unbewusstes Wissen in sich, von dem Ihr Leben und Ihre Entwicklung geprägt sind. Wie jeder Baum braucht auch Ihr Stammbaum Wurzeln, damit er Nahrung aufnehmen kann. Hier stehen die Wurzeln für die Fähigkeit und Möglichkeit, Nährendes für eine gesunde Entwicklung der Persönlichkeit des Menschen aufzunehmen. Für jedes Grundbedürfnis finden Sie in der Abbildung symbolisch eine Wurzel: für das Bedürfnis nach Platz, Nahrung, Unterstützung, Schutz und Grenzen.1 An anderer Stelle gehen wir noch näher auf die Grundbedürfnisse und ihre passgenaue Erfüllung als Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung ein. Um ein stabiles Wachstum des Baumes zu garantieren, sind nicht nur die kräftige Saat und ein guter Boden erforderlich, sondern auch eine optimale Versorgung mit Nährstoffen, Mineralien und Wasser sowie eine intakte Umgebung. Jede Erschütterung, jeder Mangel, jedes Trauma hinterlässt Narben in der Struktur des Baumes. Auch die Wurzeln können dadurch geschädigt werden. Und wie bei jeder mehrjährigen Pflanze können die Wurzeln auch schon in vorangegangenen Jahren geschädigt worden und dadurch aktuell in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt sein. Die Auf- und Annahmefähigkeit des gesamten Baumes ist dann beeinträchtigt.

Übertragen auf die Persönlichkeitsbildung des Menschen bedeutet dies, dass für ein Kind auch die Auswirkung der Lebensbedingungen vorangegangener Generationen von großer Bedeutung ist. Die in der Saat angelegten Möglichkeiten, also das ganze Potenzial eines Menschen, können sich nur dann voll entfalten, wenn alle Grundbedürfnisse des Kindes ausreichend erfüllt werden können.

Dafür braucht es liebevolle Eltern, die nicht nur als physiologische Versorger anwesend sind, sondern auch zur Befriedigung seiner Kontakt- und Liebesbedürfnisse zur Verfügung stehen. Nur so lernt das Kind sich selbst und andere zu lieben und Nähe in Beziehungen zuzulassen. Wir nennen das die Bindungsfähigkeit eines Menschen. Unsere Fähigkeit, uns zu binden, also enge und warmherzige Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen, ist von der Bindungserfahrung geprägt, die wir mit unseren ersten Bindungspersonen, den Eltern oder Ersatzbezugspersonen, gemacht haben. Sind diese in ihrer Bindungsfähigkeit eingeschränkt, werden wir selbst auch Schwierigkeiten haben, uns wirklich ganz auf andere Menschen einzulassen. Aus Angst vor Verletzungen unserer Bedürfnisse und davor, zurückgewiesen zu werden, verschließen wir uns und unsere Bedürfnisse. Besonders durch traumatische Erfahrungen, wie zum Beispiel die beiden Weltkriege, entstanden dicke Schutzmauern um die Herzen unserer Vorfahren, und vielen von ihnen gelingt es bis heute nicht, ihre Liebe für Partner und Kinder wirklich fließen zu lassen. Schwer verwundet durch dramatische Ereignisse, den Verlust geliebter Menschen, durch Flucht, Schrecken, Vergewaltigung, Tod, Hunger und vielfältige Grenzverletzungen, haben unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern ihr Urvertrauen eingebüßt. Damit sie nicht täglich von furchtbaren Erinnerungen, Todesängsten, aber auch von unerträglichen Schuldgefühlen heimgesucht werden, haben sie das Trauma tief in ihrem Inneren vergraben. Diese verkapselten Seelenwunden lösen sich jedoch nicht auf, auch wenn sie vielleicht sogar ein Leben lang verborgen bleiben. Der Preis dafür ist der Verlust von Empathie, also die Möglichkeit, sich in andere einzufühlen und sie zu spiegeln. Dies geschieht, da sich der verletzte Mensch von sich und seinen Gefühlen weitestgehend abschneiden muss. Andere wiederum haben durch erlebtes oder beobachtetes Leid ihre Fähigkeit eingebüßt, gesunde Grenzen zwischen sich und der Welt zu schaffen. Sie verschwimmen mit der Außenwelt, fühlen zu intensiv, was der andere fühlt, sind ständig in Aufruhr und leiden, wenn der andere leidet. Das Kind kann dann nicht spüren, wo der Erwachsene beginnt und es selbst aufhört. Es verliert den Zugang zu den eigenen Gefühlen, um die Eltern nicht in emotionale Bedrängnis zu bringen. Das Kind fühlt sich in beiden Fällen in die Mutter, den Vater ein, spürt die hinter dem Verhalten und dem Schweigen der Eltern verborgene Wunde und beginnt, seine Eltern für ihr erlebtes Trauma, erlittene Defizite oder unerfüllte Wünsche zu entschädigen.2 Sein tiefer Wunsch, die Eltern zu heilen, führt zur Schließung eines unbewussten Treuevertrages, der mit dem hohen Preis des Stillstands der eigenen Entwicklung bezahlt wird. In der Hoffnung, die Eltern zu reifen, heilen Menschen machen zu können, die in der Lage sind, ihm die Eltern zu sein, die es für seine gesunde Entwicklung braucht, opfert das Kind Teile seiner Persönlichkeit und verschließt seine Gefühle und Wünsche in sich. Die eigene Identitätsentwicklung ist blockiert und die Entstehung einer sogenannten »Scheinidentität« vorprogrammiert. Der Treuevertrag bestimmt fortan die Entwicklung der Persönlichkeit.

Die Notwendigkeit, einen solchen Treuevertrag zu schließen, ergibt sich aus unserer existenziellen Abhängigkeit von unseren Eltern, die wir für eine möglichst optimale Erfüllung unserer Grundbedürfnisse brauchen. Wir passen uns bereits als Säuglinge an die Bedürfnisse der Eltern an und tun alles dafür, sie zu reifen Eltern werden zu lassen. Dem entgegen steht der ebenso dringliche Wunsch des Menschen nach individueller Selbstentfaltung und Autonomie. So entsteht hier ein tiefer Konflikt, den wir den archaischen Grundkonflikt nennen. Die scheinbare »Lösung« dieses Konflikts ist für das Kind der Loyalitätsvertrag mit den Eltern.

Den Treuevertrag lösen und sich mit den Ahnen versöhnen

Der Drang des Kindes, seine Eltern und Ahnen für erlittenes Trauma, erlebte Defizite oder unerfüllte Wünsche zu entschädigen und sie zu »heilen«, führt, wie oben erwähnt, zur Schließung eines unbewussten Treuevertrages. Einen solchen Loyalitätsvertrag sind auch die Eltern sowie deren Vorfahren einst als Kind eingegangen und haben damit ebenso den Preis des Stillstands der eigenen Entwicklung entrichtet.

Aufträge, Botschaften, Delegationen und Ähnliches wirken über Generationen weiter fort. Jeder Mensch erhält auf diese Weise seinen eigenen spezifischen und individuellen Generation-Code. In der Kette der Generationen wird das »Lebensthema« über die Art der Beziehungsgestaltung miteinander weitergereicht. Ivan Boszormenyi-Nagy, ein ungarischer Arzt und Psychotherapeut, spricht auch von unbewussten »Aufträgen«, Erwartungen oder Schulden der Vergangenheit, die darauf drängen, endlich ausgeglichen zu werden. Die Ahnen müssen »entschädigt« werden, damit transgenerationale Heilung geschehen kann. Dafür scheint das Kind ein tiefes unbewusstes Wissen zu besitzen, wird sozusagen zum Experten dieser speziellen Wundbehandlung für seine Eltern und versorgt diese, indem es jede von den Eltern oder Ahnen benötigte Rolle einnimmt, selbst wenn es zum Zeitpunkt der Vertragsschließung nicht reif genug für diese Aufgabe war. Die eigene Energie steht nicht länger im Dienste des Selbst, sondern im Dienste des anderen. So »verkümmert« die Fähigkeit des Kindes, »nehmen zu können«, fortschreitend. Es wird zum bedürftigen, selbstentfremdeten Erwachsenen, unfähig, seine unbeantworteten Bedürfnisse, die noch immer nach Befriedigung streben, erfüllen zu lassen. So sucht auch dieses Kind als Erwachsener seine Sehnsucht nach einer liebenden Mutter, nach einem Nähe schenkenden Vater im Partner oder im eigenen Kind.

Die Auflösung des Treuevertrages ist notwendig, um die Entwicklung von authentischer Identität doch noch zu ermöglichen. Mit unserem speziellen Konzept Generation-Code gelingt es, das Lebensthema zu fokussieren und den Treuevertrag zu entschlüsseln.

Die Heilung der Wurzeln befreit unser ureigenes Potenzial

Die Vernetzungen der Nerven- und Gedächtniszellen in unserem Gehirn können durchaus mit den Wurzeln unseres Stammbaums verglichen werden. Hier werden Informationen vermittelt, Botenstoffe ausgetauscht, und nur wenn die Versorgung mit Nährstoffen ausreichend geschieht, können diese wichtigen Aufgaben erfüllt werden. Traumatische Erfahrungen behindern in der Folge die Arbeit unseres Gehirns, und so können zum Beispiel Gefühle und Erfahrungen nicht mehr angemessen verarbeitet werden. Bei sehr früh erlebtem Mangel an elterlicher Bedürfnisbefriedigung kann sogar die Ich-Bildung empfindlich gestört sein. Das bedeutet, dass die Grenzen der Ich-Haut durchlässig und löchrig sind und das Kind nicht mehr zwischen dem Ich und dem Anderen (beispielsweise der Mutter) unterscheiden kann. Die Gefühle der Eltern werden dann zu den Gefühlen des Kindes, die es in der Folge als seine eigenen empfindet und lebt.3

2015 wurde das Konzept von Mareike Dietz im Rahmen ihrer Masterarbeit und in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Braunschweig auf seine Wirksamkeit untersucht. Hier konnten erste Hinweise auf eine deutliche Verringerung von Inkongruenz (nach Klaus Grawe4) und eine Verbesserung der Symptombelastung nachgewiesen werden. Weitere Ausführungen dazu finden Sie in Kapitel 19. Die in dieser Studie untersuchte Auswirkung der Generation-Code-Methode zeigte, dass die von Grawe beschriebene Inkongruenz, also das Abweichen der Lebensrealität von den eigentlichen Bedürfniszielen eines Menschen, deutlich sinkt, nachdem der Code gelöst wurde. Das bedeutet, dass die Bereitschaft des Menschen, sich erneut für die Möglichkeit der Bedürfnisbefriedigung zu öffnen, steigt. Durch die nachträglich erlebte Versorgung der Ahnen wird glaubhaft, dass auch die eigenen Bedürfnisse hätten befriedigt werden können und kein Mangel hätte entstehen müssen. Durch diese umfassende »Wurzelbehandlung« wird die Fähigkeit zu nehmen wiederbelebt, und der blockierende Treuevertrag, der den Zugang zum authentischen Selbst versperrte, kann aufgelöst werden.

In unserem Bild mit dem Stammbaum und seinen Wurzeln sind dann die Wurzeln wieder in der Lage, Nährstoffe aufzunehmen und eine gesunde Entwicklung zu gewährleisten.

Die heilende Wirkung durch das emotionale, körperorientierte Erleben ideal versorgter Eltern und Ahnen, die ihr Kind nicht mehr für die Befriedigung der eigenen Bedürftigkeit brauchen, wird als neue »implantierte Erinnerung« in einer hypothetischen Vergangenheit erfahren und wirkungsvoll in den Gedächtnissystemen des Gehirns verankert. Dieses tiefgreifende Erleben ermöglicht eine neue Sicht auf sich selbst und das authentische Potenzial, welches jetzt für die eigene Lebens- und Beziehungsgestaltung genutzt werden kann. So wird es für den Protagonisten glaubhaft, dass die Entwicklung von Urvertrauen und Selbstliebe immer noch möglich ist:

»Wir können endlich sein, wer wir geworden wären.«

Zusammengefasst lässt sich sagen: Der Generation-Code ist ein neurobiologisch fundiertes, transgenerationales, familientherapeutisches Konzept zur Auflösung des archaischen Grundkonflikts und des daraus resultierenden Loyalitätsvertrages des Kindes mit seinen Eltern. Mit diesem Fokus gelingt eine Konzentration auf das Wesentliche, der Ursprung der Identitätsverfälschung wird direkt angegangen. Die Entschlüsselung des Generation-Codes ermöglicht eine ganzheitliche Sicht der transgenerationalen Zusammenhänge auf das eigene Geworden-Sein und bietet daher eine Lösung, die bisher in einer so umfassenden und wirksamen Weise noch nicht vorhanden war.

Geschichtliche Entwicklung

Bereits 1993 stießen wir in unserer gemeinsamen therapeutischen Arbeit beinahe zufällig auf das Kernthema, nämlich die Bedeutung des archaischen Grundkonflikts für die Identitätsbildung von Männern und Frauen. Wir waren damals im Therapiezentrum »Die Brücke e.V.« in Hamburg im Bereich Essstörungen tätig. Gemeinsam führten wir eine spezielle Essstörungstherapie durch, die eine Kombination von Gruppen- und Einzelsettings beinhaltete. In den Therapieverläufen unserer Patientinnen wurde spürbar, dass das erhoffte Gefühl von sinnhafter Daseinserfüllung sich trotz aller Heilungserfolge nicht einstellen wollte. So äußerte eine Patientin nach erfolgreich abgeschlossener Essstörungstherapie, die ihr geholfen hatte, ihre Anorexia Nervosa und die sich daran anschließende Bulimia Nervosa aufzugeben und ein symptomfreies und sozusagen normales Leben zu führen, folgenden Satz: »Nun bin ich so weit gekommen, doch was soll ich hier?« Es klang frustriert und enttäuscht. Durch vorsichtiges Explorieren wurde deutlich, dass sich die Patientin noch immer erhofft hatte, nun endlich zu erreichen, dass die Mutter stolz auf sie sei und erkenne, dass sich ihre Tochter als junges und selbstbewusstes Mädchen wunderbar entwickelt hat. Uns wurde bewusst, dass selbst erfolgreich verlaufende Therapien oft nicht die erhoffte Befreiung mit sich bringen, weil die neu erworbenen Fähigkeiten im Verhalten weiterhin in den Dienst der Elternrettung gestellt und damit nicht für die eigene Identitätsentwicklung genutzt werden. Das Neue wird nicht als etwas Eigenes und Authentisches erlebt und begriffen, weil damit nicht der ersehnte »Glanz im Auge der Mutter oder des Vaters« erzeugt werden kann. Die Treue der Patientin zu ihrer Mutter und der Wunsch, diese heilen zu wollen, ließen uns annehmen, dass hier ein unbewusster Vertrag des Kindes mit seiner Mutter die Entwicklung der eigenen Identität blockierte.

Nicht nur die Eltern, auch die Vorfahren mehrerer Generationen stecken einen Rahmen ab, aus dem geradezu eherne Gesetze erwachsen, deren Überschreitung einem Tabubruch gleichkommen würde. Uns wurde bewusst, dass die Patientinnen ihre Heilungserfolge nicht für die eigene Selbstwerdung nutzen konnten, solange die Eltern nicht »gerettet« waren. Die Erlösung der Mutter oder des Vaters bezieht sich auf deren verletzlichsten Punkt, ihren größten Schmerz. Das eigene Lebensthema ist mit dem Lebensthema der jeweiligen Elternteile verbunden, ebenso mit den Themen der mütterlichen und väterlichen Vorfahren. Mit der Entdeckung des Generation-Codes hatten wir plötzlich einen Schlüssel gefunden, mit dem sich das Tor zum verschütteten Selbst öffnen ließ und wahre Identitätsbildung ermöglicht wurde. In einem über Jahre andauernden Prozess widmeten wir uns der Entwicklung eines speziellen Konzepts, durch welches eine Auflösung des Vertrages, die Rückgabe alter Delegationen und Botschaften und eine Rücknahme des für die Eltern und Ahnen erbrachten Opfers eigener Persönlichkeitsanteile möglich wurde.

Im Rahmen der Arbeit mit unseren essgestörten Patientinnen konnten wir unsere Theorien immer wieder überprüfen und praktische Erfahrungen sammeln.

Unser Konzept beinhaltet heute die über 20 Jahre gesammelten Erkenntnisse, die in unser Wissen aus den Bereichen der systemisch-integrativen Familientherapie, tiefenpsychologischer, psychodynamisch ausgerichteter Psychotherapie, integrativer Körpertherapie sowie hypnotherapeutischer Konzepte (NLP, EMDR, Hypnotherapie nach Milton H. Erickson, PBSP und andere) eingeflossen sind und durch eigene Theorien ergänzt wurden. In Kapitel 13 erläutern wir diese ausführlich. Die Sichtweise der humanistischen Psychologie steht für uns dabei als Leitbild.

Wer sollte seinen Treuevertrag lösen?

Die Weitergabe transgenerationaler Erfahrungen beinhaltet unserer Erkenntnis nach nicht nur traumatische Erlebnisse, sondern bezieht sich auch auf »normale« Lebenserfahrungen mit den zum Leben dazugehörenden Defiziten, Sachzwängen und persönlichen Schicksalsschlägen. Schließlich werden auch Ressourcen und Stärken (Resilienz) weitergegeben, um den Kindern und Kindeskindern eine Weiterentwicklung im Sinne von gesunder Progression zu ermöglichen. Man könnte sogar sagen, dass transgenerationale Weitergabe eine positive Absicht verfolgt, nämlich die, durch Erinnerung an noch unerledigte Themen eine Weiterentwicklung und Heilung des gesamten Stammbaums zu erreichen. Wiederholungen transgenerationaler Muster und die damit einhergehende meist unbewusste Neuinszenierung transaktionaler Familienthemen haben trotz der extremen Belastung für die einzelnen Mitglieder des Clans die scheinbar wichtige Aufgabe, unbearbeitete Themen, Defizite, Schulden oder Konflikte doch noch aufzuarbeiten, um somit rückwirkend eine Versorgung und Entschädigung der Ahnen zu erreichen.

Wir glauben deshalb, dass alle Menschen unabhängig von Kultur, Gesellschaftsschicht oder Religion diesen archaischen Grundkonflikt in sich tragen und einen Treuevertrag mit ihren Eltern eingegangen sind. Deshalb beinhaltet eine Entschlüsselung des Vertrages für jeden die Chance, sich von Delegationen und Aufträgen vorhergegangener Generationen zu befreien und die Entwicklung von authentischer Identität zu ermöglichen.

Wie für jeden Heilungsprozess ist es auch für einen therapeutischen Prozess mit dem Konzept Generation-Code Voraussetzung, dass es einen Heilungswunsch gibt. Ein Mensch, der sich rundum glücklich fühlt, wird sich wohl kaum auf den Weg machen, um den Schlamm am Boden eines ansonsten klaren Sees aufzuwühlen. Unabhängig davon, ob dies gut oder schlecht für ihn wäre, hat er einfach keinen Anlass dazu. Die meisten Menschen brauchen daher erst einen gewissen »Leidensdruck«, um sich auf den Weg zu sich selbst zu begeben. Lohnen tut es sich in jedem Fall.

Seit vielen Jahren erleben wir Menschen in unseren Seminaren, die sich ihre immer wiederkehrenden Lebensmuster und ihre seelische Verfassung nicht erklären können. In ihrer individuellen Entwicklung und ihrer persönlichen Biografie sind keine wirklich stimmig erklärbaren Ursachen erkennbar, gibt es nicht ausreichend nachvollziehbare Gründe, die eine solche seelische Verfassung rechtfertigen würden. Sie sind auf der Suche nach Antworten und Erklärungen für ihr Verhalten, ihre Rastlosigkeit, ihre Unruhe und das quälende Gefühl fehlender Daseinsberechtigung. Seit Längerem suchen sie nach Wegen, sich aus Abhängigkeiten und quälenden Selbstwertzweifeln zu befreien, und hoffen darauf, ihren Kindern bessere Möglichkeiten mitzugeben, als sie sie hatten. Einige dieser Menschen haben wir Jahre später wiedergesehen und gehört, wie es ihnen weiter ergangen ist, nachdem sie ihren Code gelöst haben. In erster Linie sprachen sie davon, dass sie sich nun viel freier und unabhängiger fühlen würden, das sie sich besser von ihrer Familie oder anderen Menschen abgrenzen könnten und sie mit sich selbst nun auf eine wohltuende Weise einverstanden seien. Die meisten von ihnen haben nach den Seminaren sehr viel mehr das verfolgt, was sie im Herzen wirklich interessiert. Das quälende Gefühl, nicht zu genügen und innerlich getrieben zu sein, hat aufgehört. Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten und Qualitäten wurde gestärkt und hat zu einer Stabilisierung des Selbstwertes und eines gesunden Selbstbewusstseins geführt. Sie haben sich von den ihnen auferlegten Bildern oder Zielen gelöst, die nicht ihre eigenen waren.

Erfahrungsbericht

Aus einer Lebenskrise heraus musste ich, Riecke, erkennen, dass vieles nicht so geworden oder gekommen ist, wie ich es mir einmal erträumt habe:

Ein glückliches und erfülltes Familienleben mit Freude und Widerstandskraft habe ich mir gewünscht und wollte ich erreichen, indem ich vieles ganz anders und viel besser als meine Eltern machen würde. Innerlich sehr weit auf Distanz zu meinen Eltern, bin ich ihnen und mir selbst fremd geworden und erkannte in der Krise meine Einsamkeit und die Notwendigkeit zur Umkehr, hin zu meinen Familienwurzeln.

Vor zwei Jahren bin ich im Rahmen des Therapiekonzepts Generation-Code zunächst zum Seminar »Crossover« und in der Folge auch zum Seminar Mutter»mord« gekommen.

Zunächst musste ich mich meiner schmerzlichsten, weil unglücklich empfundenen Beziehung zu Vater und Mutter stellen. Dabei lernte ich selbst erlittene Missstände kennen, wie Mangel, Überforderung, Lasten oder Grenzüberschreitungen. Ich erkannte meine eigene Opferrolle und das Gefangensein in kindlicher Bedürftigkeit aus diesen Missständen heraus.

Vertrauensvoll, liebevoll, verständig, gut geführt und begleitet, konnte ich Mut fassen, in die angstbesetzten Situationen der Kindheit hineinzugehen, sie zu betrauern und zu überwinden. Überwindung, indem die schöpferische Ordnung wiederhergestellt wurde. Heilung durch die liebevolle Hinwendung zu den Ahnen. Unter Achtung der Würde wurden die Beziehungen und Verflechtungen zu ihnen und untereinander geordnet, Fürsorge, Zuständigkeit, Grenzen, Achtsamkeit in die Familiengeschichte in rechter Ordnung integriert und Missstände aufgelöst.

Mit ideal versorgten Ahnen, wie sie aus dem oben genannten Prozess hervorgegangen sind, fühle ich mich geliebt und angenommen, bin ich so, wie ich bin, gut. Ich erfahre Schutz, Liebe und Geborgenheit. Bin ganz, heil und ein Geschenk. Mich mit ideal versorgten Eltern zu erleben, war für mich eine Heilerfahrung, in der Selbstannahme und Urvertrauen auf innige Weise möglich wurden.

In der Folge haben sich viele positive Fähigkeiten in meinem Leben verstärkt: Dankbarkeit empfinden und ausdrücken, Stärkung der Liebe zu mir selbst und zu anderen, Überwindung von Angst. Meine Schwächen besser erkennen und liebend annehmen können. Demut: mir verzeihen und anderen verzeihen können. Freude am Leben, trotz allem, was hindernd da ist. Zugewinn an Freiheit im Glauben: von einer Macht, die größer ist als ich selbst, liebend angenommen sein, so wie ich bin.

Meine Kindheitserfahrungen sind Teil meiner Persönlichkeit und sind für sich genommen nicht mehr wichtig in meinem heutigen Leben.

Ich trage selbst Sorge für meine Bedürfnisse und mein Wohlbefinden. Ich bin endlich ich selbst und wirklich erwachsen!

Da freut sich auch meine Familie: mein Ehemann, die Kinder und auch meine Mutter.

Mit unserem transgenerationalen Therapiekonzept Generation-Code ist Riecke die Auflösung ihres kindlichen Loyalitätsvertrages mit Mutter und Vater gelungen, was es ihr heute möglich macht, mehr und mehr ihr Potenzial zu leben, und ihre Fähigkeit, gesunde Bindungen einzugehen, gestärkt hat. Die Aussöhnung mit den Ahnen hat auch den Blick auf das eigene Kind freigemacht, und mit den wertvollen Erkenntnissen der transgenerationalen Zusammenhänge und der tiefen Erfahrung des Eingebunden-Seins in ihren Familienclan mit seinen generationsübergreifenden Lebensthemen hat eine Neubewertung der eigenen Person begonnen. Mit der Rücknahme ihres Opfers für Mutter und Vater hat Riecke wichtige Anteile ihrer Persönlichkeit für sich zurückerobert und genießt nun die Früchte ihrer Seelenarbeit.

Ein Heilungsprozess, der allen offensteht.

2 Die Wunden unserer Ahnen

Unsichtbare Bindungen mit unseren Ahnen – mit ihren Schätzen und ihren Wunden

Warum wurden wir genau in diese Herkunftsfamilie hineingeboren? Ist es nur ein Zufall, oder hat es einen tieferen Sinn?

Es ist nicht gerade einfach, sich vorzustellen, man hätte sich den prügelnden Vater oder eine im Kindbett sterbende Mutter selbst ausgesucht. Wir wissen es nicht, und doch hat uns die Erfahrung mit dem Generation-Code gelehrt, dass es keinesfalls Zufall sein kann. Wie jedes Lebewesen, die Natur, unsere Erde, das Universum ein in sich ausgefeiltes Wunderwerk ist, so ist auch das Beziehungsgeflecht der Ahnen – die ineinandergreifenden Schicksale, die Wiederholungen, die bis ins Detail in jedem abgebildete Familienwirklichkeit – so minuziös und genau gestaltet, dass wir nur von einem Wunder sprechen können.

Obwohl wir in unserer irdischen Existenz abgegrenzte Individuen sind, leben wir nicht nur unser eigenes Leben. Wir leben in zwei Welten: in der, die wir uns bewusst gestalten, in der wir unsere Ziele formulieren und uns verwirklichen wollen und glauben, das nötige Handwerkzeug dafür zu besitzen, und in der Welt, die erst noch befreit werden will, in der Unrecht, Schulden und Leid es unmöglich machten, dass Vorfahren zur Entfaltung kamen. Der Einfluss unserer Eltern, die Botschaften der Ahnen, die Abhängigkeit des kleinen Kindes verbindet diese Welten und schafft in uns die Notwendigkeit, uns mit der Vergangenheit zu verbinden. In schicksalhafter Weise dirigieren so unsichtbare Bindungen unsere Entscheidungen und Lebenswege. Die Faszination, die immer wieder entsteht, wenn man die Symmetrien in den Stammbäumen von Liebesbeziehungen betrachtet, wenn man erkennt, dass nicht nur Verhaltensweisen vererbt, sondern Schicksale sich über Generationen wiederholen, hat uns immer weiter nach Antworten suchen lassen. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es mehr als Zufall sein muss, und stimmen den Worten des Schweizer Psychoanalytikers und Begründers der Psychoenergetik Peter Schellenbaum zu: »Abhängigkeit ist immer auch Familienschicksal.«

Liebe kann man vererben – das genetische Gedächtnis