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Ständige Müdigkeit, Muskelschmerzen, Gewichtsprobleme und Schlafstörungen sind nur einige der vielen belastenden Symptome, von denen millionen Hashimoto-Betroffene weltweit heimgesucht werden. Trotz ihrer starken Verbreitung ist bisher nur wenig über die komplexe Autoimmunerkrankung bekannt, daher stößt die schulmedizinische Behandlung der Krankheit häufig schnell an ihre Grenzen. Die gute Nachricht ist, dass die Betroffenen selber viel tun können, um den Verlauf der Erkrankung positiver zu gestalten. Dieses Buch erklärt leicht verständlich die medizinischen Grundlagen der Erkrankung und deren Behandlung. Auch mögliche Begleiterkrankungen und andere Ursachen für fortbestehende Symptome werden erläutert. Zusätzlich bietet das Buch zahlreiche Informationen und Ratschläge für eine ganzheitliche Behandlung der Erkrankung.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 137
Veröffentlichungsjahr: 2020
Dieses Buch ist für alle Hashimoto-Betroffenen und alle, die mehr über die Erkrankung erfahren möchten.
Ich danke Joana Parrington für die außerordentlich gute Zusammenarbeit, besonders für das wundervolle Cover. Weiterhin danke ich Jacqueline K., Manuel S., Mirko S. und Sven S. für die Unterstützung, nicht nur im Rahmen dieses Buches.
Hinweis:
Dieses Buch ersetzt keinen ärztlichen Rat und auch keine ärztliche Behandlung. Vor jeglicher Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten sollte Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gehalten werden, um mögliche Kontraindikationen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten abzuklären.
Einleitung
Die Schilddrüse
Lage und Aufbau
Funktion der Schilddrüse
Steuerung der Schilddrüsenfunktion
Schilddrüse und Nebennieren
Was ist eine Hashimoto-Thyreoiditis?
Effekte der Schilddrüsenunterfunktion
Effekte der Schilddrüsenüberfunktion
Symptome der Immunstörung
Diagnose und Verlaufskontrollen
Anamnese und körperliche Untersuchung
TSH-Test
Die freien Hormone
TPO-Antikörper
TG-Antikörper
TRAK-Antikörper
Probleme in der Diagnosestellung
Ursachen
Genetische Disposition
Jod
Umweltgifte
Rauchen
Stress
Hormonelle Veränderungen
Medikamente
Hormonersatztherapie
Folge und Co-Erkrankungen
Autoimmunerkrankungen
Oxidativer Stress
Kryptopyrrolurie
Störungen der Sexualhormone
Die weiblichen Sexualhormone
Progesteron
Störungen der weiblichen Sexualhormone
Östrogendominanz
PCO-Syndrom
Endometriose
Hashimoto und Schwangerschaft
Störungen der männlichen Sexualhormone
Testosteron
Zusammenfassung möglicher Beschwerdeursachen
Ernährung
Makronährstoffe
Kohlenhydrate
Proteine
Nahrungsfette
Sekundäre Pflanzenstoffe
Polyphenole
Ballaststoffe
Funktionen von Ballaststoffen
Gluten
Was Sie noch wissen sollten
Abnehmen
Die Darmflora
Sport
Zink
Eisen
Vitamin D
Selen
Vitamin B12
Schlusswort
Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die weltweit am häufigsten anzutreffende Autoimmunerkrankung. Alleine in Deutschland sind Schätzungen zufolge etwa 8 Millionen Menschen von Morbus Hashimoto betroffen und jedes Jahr kommen um die 100.000 Krankheitsfälle hinzu. Trotz der hohen Anzahl an Betroffenen, ist die rein schulmedizinische Behandlung der Krankheit häufig nicht ausreichend.
Hinter der vermeintlich harmlosen Schilddrüsenentzündung verbirgt sich eine ernstzunehmende Autoimmunerkrankung, welche häufig mit anderen entzündlichen Erkrankungen und verschiedenen Hormonstörungen vergesellschaftet ist. Wie man mittlerweile weiß, ist die Schilddrüsenunterfunktion lediglich das Hauptsymptom der komplexen Erkrankung. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass bei vielen Betroffenen trotz der Behandlung mit Schilddrüsenhormonen fortbestehende Symptome an der Tagesordnung sind.
Betroffene, welche aufgrund der belastenden Beschwerden wiederholt einen Arzt aufsuchen, sehen sich häufig mit Aussagen konfrontiert, wie: „Gegen Hashimoto kann man eben nichts weiter machen“ oder „Finden Sie sich einfach mit ihrer Krankheit ab“.
Nun, jeder der die wirklich hässlichen Seiten der Erkrankung bereits am eigenen Leibe erfahren hat, weiß, dass man sich mit diesen unmöglich einfach abfinden kann.
Die gute Nachricht gleich vorweg: das müssen Sie auch nicht. Der Verlauf der Erkrankung lässt sich oftmals durch recht einfache und alltagstaugliche Maßnahmen sehr gut beeinflussen.
Hierzu bedarf es lediglich ein wenig Disziplin und ein paar grundlegende Kenntnisse über das Wesen der Erkrankung und ihren Einfluss auf den Körper.
Dennoch möchte ich gleich vorwegnehmen, dass es kein Allheilmittel gegen Hashimoto gibt und jemals geben wird. Diese Illusion muss ich Ihnen leider von Anfang an nehmen. Jeder Körper und jeder Krankheitsverlauf sind verschieden. Kein Glutenverzicht, keine Paleo-Diät und auch keine Nahrungsergänzungsmittel können Ihnen eine Verbesserung ihres Befindens, geschweige denn eine Heilung, garantieren. So einfach ist es leider nicht. Mit der richtigen Behandlung haben sie aber gute Chancen auf ein weitestgehend beschwerdefreies Leben.
Dieses Buch soll Ihnen dabei helfen, Ihre Erkrankung zu verstehen und nicht länger als einen Feind zu betrachten, dessen ausschließliches Ziel es ist, Ihnen das Leben möglichst schwer zu machen.
Ich hoffe, die nachfolgenden Inhalte können Ihnen dabei helfen, Ihre Gesundheit wieder ins „Lot zu bringen“ und wünsche Ihnen viel Spaß mit „Ahoi Hashimoto“.
Die Schilddrüse („Glandula thyreoidea“) ist eine der wichtigsten Hormondrüsen unseres Körpers und ist von zentraler Bedeutung für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Das schmetterlingsförmige Organ liegt im Hals unterhalb des Kehlkopfes und besteht aus zwei Drüsenlappen, welche rechts und links der Luftröhre liegen. Die beiden Lappen sind durch eine Art Brücke, genannt Isthmus, miteinander verbunden.
Das Volumen der gesunden Schilddrüse ist abhängig von verschiedenen Faktoren, wie Geschlecht, Alter, Körpergröße- und Gewicht. Bei Frauen beläuft sich das gesunde Volumen im Schnitt auf 12-18 ml, während der Normbereich für Männer bei etwa 15-25 ml liegt. Die Drüse wird schützend von einer Bindegewebskapsel umgeben. Die innerhalb dieser Kapsel angesiedelten, kleinen Bläschen, auch Follikel genannt, bilden die wichtigen Schilddrüsenhormone.
Die ebenfalls in der Schilddrüse ansässigen C-Zellen sind für die Bildung von Calcitonin zuständig. Dieses wiederum nimmt Einfluss auf die Steuerung des Aufbaus und Abbaus unserer Knochensubstanz. Die C-Zellen sind nicht Ziel der Antikörper bei Hashimoto, daher bleibt ihre Funktionstüchtigkeit erhalten. Das von ihnen gebildete Calcitonin spielt vielmehr eine große Rolle bei der Diagnostik und Verlaufskontrolle von speziellen Krebserkrankungen der Schilddrüse.
An der Rückseite der Schilddrüse befindet sich der Nervus laryngeus recurrens, auch Kehlkopf- oder Stimmnerv genannt. Zur Vermeidung von Störungen der Atmung und der Stimmbildung, muss bei operativen Eingriffen an der Schilddrüse unbedingt auf die Unversehrtheit des Nervs geachtet werden.
Die linsengroßen Nebenschilddrüsen, welche sich jeweils an der oberen und unteren Rückseite der Drüse befinden, beeinflussen über die Bildung des Parathormons den Kalziumstoffwechsel im Körper. Das Parathormon reguliert die Konzentration von Kalzium im Blut, sowie dessen Aufnahme und Ausscheidung. Die Nebenschilddrüsen befinden sich außerhalb der schützenden Bindegewebskapsel.
Auch die Nebenschilddrüsen bleiben vom Angriff der Antikörper verschont, daher werden diese bei einer Hashimoto-Thyreoiditis nicht in ihrer Funktion beeinträchtigt. Bei Operationen an der Schilddrüse wird stets versucht, die Nebenschilddrüsen zu erhalten, da es bei einer Entfernung oder Beschädigung dieser zu einer Mangelversorgung des Körpers mit Kalzium kommt. Diese äußert sich durch Kribbeln an z.B. Gesicht und Händen oder starken Krämpfen in den Gliedmaßen und muss unbedingt ausgeglichen werden.
Die Funktion der Schilddrüse liegt in der Produktion der lebenswichtigen Hormone Tetrajodthyronin, auch Thyroxin oder T4 genannt, und Trijodthyronin (T3). Die Namen beider Hormone leiten sich jeweils von der Anzahl der Jodatome in ihrem Molekül ab.
Während Tetrajodthyronin vier Jodatome enthält, besitzt Trijodthyronin drei dieser Atome. Das für die Produktion der Hormone notwendige Jod kann unser Körper nicht selber herstellen, daher müssen wir dieses über die Nahrung aufnehmen.
Die Aminosäure Tyrosin ist der zweite Baustein beider Hormone und wird ebenfalls über die Nahrung zugeführt. Unsere Schilddrüse bildet jeden Tag in etwa 100 μg T4 und 10 μg T3. Der Bedarf an Schilddrüsenhormonen ist sehr individuell und hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Aktivitätslevel, Geschlecht und dem Körpergewicht ab. Je höher der Bedarf ist, desto mehr Hormone werden produziert.
Die Funktion der Schilddrüsenhormone besteht in der Regulierung zahlreicher Stoffwechselvorgänge, Organfunktionen und in der Entwicklung von Zellen. Die Hormone steigern den Grundumsatz aller menschlichen Körperzellen. Sie erhöhen den Sauerstoffverbrauch und kurbeln den Umsatz von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen in unserem Körper an. Oder anders ausgedrückt: Sie sorgen dafür, dass unsere Nahrung effizient in Energie umgewandelt wird. Das T4 stellt die Vorstufe oder auch die Speicherform des stoffwechselaktiven T3 dar.
Das Verhältnis von T4 zu T3 im Blut liegt beim gesunden Menschen etwa bei 10:1.
Der Transport von Thyroxin und Trijodthyronin in unserem Blutkreislauf erfolgt über sogenannte Transportproteine, an welche die beiden Hormone zu über 99% gebunden sind.
T4 liegt etwa zu 0,03% in freier Form im Blut vor, bei T3 sind es 0,3%. Der Anteil des freien T3 in unserem Blut ist höher, da dieses physiologisch erheblich aktiver als sein Kumpan T4 ist. Aus diesem Grund ist die Halbwertszeit von T3 mit einem Tag erheblich kürzer, als die von T4 (ca. 1 Woche)
Ein kleiner Anteil des T3-Bedarfes wird direkt in der Schilddrüse gebildet. Der Großteil aber wird in anderen Organen, wie der Leber, dem Darm und den Nieren, aus T4 hergestellt. Hierbei fällt zusätzlich reverses T3 (rt3) an, ein „Abfallprodukt“, welches biologisch weitestgehend unwirksam ist. Ganz unwichtig ist rt3 jedoch nicht, da es an die T3-Rezeptoren andocken und diese für das aktive T3 blockieren kann.
T3 entsteht durch die Abspaltung eines Jodatomes aus dem T4-Molekül durch die sogenannten Dejodasen. Hierbei handelt es sich um selenabhängige Enzyme. Dies ist nur einer der vielen Gründe, weshalb die gute Versorgung mit dem Spurenelement Selen sehr wichtig für Hashimoto Patienten ist.
Wie bereits angesprochen, übernehmen die Schilddrüsenhormone zahlreiche wichtige Funktionen in unserem Körper und sind an zahlreichen lebenswichtigen Abläufen beteiligt.
Hier ein kleiner Einblick in das Aufgabenspektrum der Multitalente:
Steigerung von Grundumsatz und Sauerstoffverbrauch
Förderung der Wärmeproduktion
Beteiligung an der Regulation der Atmung
Beteiligung an der Blutproduktion
Förderung der Darmmotilität (Bewegung des Darmes)
Regulation des Herzschlages
Steuerung von Muskelkontraktion- und Entspannung
Steigerung der Lipolyse (Fettverbrennung)
Steuerung von Abbau und Synthese von Cholesterin
Steigerung der Energiebereitstellung durch Glucose
Stimulation des zentralen Nervensystems
Interaktion mit anderen Hormonen
Erstaunlich, welchen riesigen Einfluss zwei so unscheinbare Hormone in unserem Körper haben, oder?
Liegt eine gesunde Funktion der Schilddrüse vor, so bildet diese eine ausreichende Menge an Hormonen für alle notwendigen Körperfunktionen. Dieser Zustand wird von Medizinern als „Euthyreose“ bezeichnet. Die Aktivität der Schilddrüse wird von unserem Gehirn, genauer gesagt von der Hypophyse und dem Hypothalamus überwacht.
Der Hypothalamus ist der zentrale Vermittler zwischen unserem Nervensystem und unserem Hormonsystem und steuert zahlreiche Körperfunktionen, wie den Schlafrhythmus, die Körpertemperatur, das Sexualverhalten und die Nahrungsaufnahme. Er sammelt wie ein Computer permanent diverse Informationen über verschiedene Funktionen in unserem Körper, wie z.B. die aktuelle Temperatur, und übermittelt diese entsprechend an die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse).
Geht beim Hypothalamus nun zum Beispiel die Information ein, dass die Körpertemperatur zu niedrig ist, bildet dieser das Hormon TRH. Diese Abkürzung steht für „thyrotropin releasing hormone". Hierbei handelt es sich um einen Botenstoff, welcher die Ausschüttung von TSH durch die Hypophyse stimuliert.
TSH wiederum bedeutet Thyreoidea- stimulierendes Hormon und ist das Hormon, welches die Schilddrüse zur Bildung ihrer Hormone antreibt, welche dann schlussendlich die Körpertemperatur anheben. Das beschriebene System funktioniert, ähnlich wie ein Thermostat, nach dem Prinzip der negativen Rückkopplung. Treffen beim Hypothalamus also Daten über die Körperfunktion ein, welche daraufhin deuten, dass ausreichend Schilddrüsenhormone im Körper vorhanden sind, so wird die Ausschüttung der Hormone entsprechend gedrosselt.
Betrachtet man die Fülle an Aufgaben der Hormone T3 und T4 wird schnell klar, warum wir uns derart mies fühlen, wenn diese nicht mehr in ausreichender Menge gebildet werden. Unser Stoffwechsel läuft nur dann noch auf Sparflamme, wird fühlen uns dauermüde und antriebslos. Alles, was wir vorher mit links gestemmt haben, ist nur noch mit großer Anstrengung zu schaffen.
Da die langfristige Unterversorgung unseres Körpers mit T3 und T4 noch erheblich unangenehmere Konsequenzen haben würde, muss dieses Defizit schnellstmöglich medikamentös behoben und die Schilddrüsenwerte regelmäßig kontrolliert werden. Wichtig: schwangere Frauen müssen ihren Hormonspiegel unbedingt engmaschig überprüfen lassen, da die Schilddrüsenhormone ebenfalls unentbehrlich für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft und die gesunde Entwicklung des Babys sind.
Die Nebennieren sind kleine, paarige Hormondrüsen, welche jeweils auf den oberen Enden unserer Nieren sitzen. Trotz ihrer Nachbarschaft mit diesen, handelt es sich um eigenständige Organe, welche nur indirekt an der Nierenfunktion beteiligt sind. Jede Nebenniere besteht aus zwei funktionellen Einheiten: dem Nebennierenmark (innen) und der Nebennierenrinde (außen).
Das Nebennierenmark besteht aus umgewandelten Nervenzellen. Dort werden die sogenannten Katecholamine Noradrenalin und Adrenalin gebildet. Deren Funktion wiederum besteht darin, in Stresssituationen benötigte Körperfunktionen für die Bewältigung der Herausforderung zu steigern. Die beiden „Stresshormone“ steigern kurzfristig alle Körperfunktionen, welche in brisanten Lebenssituation auf Hochtouren laufen müssen. So erhöhen sie die Herzfrequenz, die Freisetzung von Glucose und fördern die Erweiterung der Bronchien. Das Nebennierenmark erhält den Impuls zur Bildung der Katecholamine durch den Sympathikus. Störungen im Katecholaminhaushalt sind ein nachgewiesener Risikofaktor für die Entwicklung einer Hashimoto-Thyreoiditis.
Die Nebennierenrinde setzt sich aus drei Schichten zusammen und macht mehr als 75% der Nebennieren aus. In der innersten Schicht, der Zona reticularis, werden hauptsächlich die männlichen Sexualhormone, wie Testosteron und DHEA, gebildet. Die Bildung der Glukokortikoide, wie Kortisol, findet in der mittleren und breitesten Schicht, der Zona fasciculata, statt. In der Zona glomerulosa, der äußersten Schicht, erfolgt die Produktion des Mineralokortikoides Aldosteron. Dieses wiederum ist beteiligt an der Steuerung des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes, des Blutdrucks und des Blutvolumens.
Wie einige von ihnen wahrscheinlich schon gehört haben, scheinen die Nebennieren eine erhebliche Rolle bei der Entwicklung stressbedingter Erkrankungen zu spielen.
An sich ist Stress nichts Negatives, ganz im Gegenteil. Er ist sehr wichtig für unsere körperliche und geistige Entwicklung. Der Stressforscher Hanse Selye bezeichnete Stress als jede „unspezifische Reaktion auf jegliche Anforderung“. Eine sehr gut gewählte Definition, wie ich finde, denn Sie ermöglicht einen neutralen Blick auf das negativ belastete Wort.
Ohne Anforderungen durch unsere Umwelt wäre eine ausreichende Entwicklung von Immunsystem, Muskeln, Gedächtnis und Durchhaltevermögen nicht möglich. Die Art von Stress, welche sich also förderlich auf unsere Gesundheit auswirkt, bezeichnen wir als Eustress. Das Problem ist vielmehr anhaltender und vor allem als negativ empfundener Stress, der sogenannte Disstress.
Im Folgenden wollen wir darauf eingehen, warum sich anhaltender Disstress ohne ausreichende Erholung negativ auf unsere Gesundheit auswirkt.
Wird unser Körper mit einer Anforderung konfrontiert, so werden vom Gehirn ausgehend zwei parallel ablaufende Prozesse in Gang gesetzt, welche zusammengefasst als Stressreaktion bekannt sind. Hier dominieren in der Kurzzeitwirkung das Adrenalin und das Noradrenalin aus dem Nebennierenmark und in der Langzeitwirkung dominiert das Kortisol aus der Nebennierenrinde.
Die Nebennierenrinde erhält den Impuls zur Bildung des Kortisols durch den Hypothalamus und die Hypophyse. Letztere erhält durch das im Hypothalamus gebildete Hormon CRH das Signal zur Bildung des Hormons ACTH. Die Freisetzung des Hormones in unserem Körper unterliegt Schwankungen im Tagesverlauf.
Das ACTH stimuliert letztendlich die Ausschüttung des Kortisols durch die Nebennieren. Kurzfristig handelt es sich hierbei um eine sehr wichtige Reaktion, da das Kortisol Energiereserven freisetzt, welche wichtig für die Bewältigung von Stresssituationen sind. Es handelt sich hierbei um eine evolutionär erworbene Reaktion, welche, vor allem für unsere Vorfahren, extrem wichtig war, um in lebensgefährlichen Situationen fliehen oder kämpfen zu können.
Nach überstandenen Stress normalisiert sich der Kortisolspiegel wieder und der Körper kehrt in seinen ursprünglichen „Ruhezustand“ zurück. Aber was passiert, wenn die Ruhe ausbleibt? Ein anhaltend hoher Kortisolspiegel, verursacht durch andauernde Belastungen, schwere Grunderkrankungen, beruflichen Stress oder familiäre Probleme, kann sich sehr negativ auf unsere Gesundheit auswirken. Das Steroidhormon spielt eine zentrale Rolle für die Funktion des menschlichen Körpers. Sowohl ein Mangel, als auch ein Überschuss können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.
Hier einige Beispiele für die Folgen eines langfristig erhöhten Kortisolspiegels:
Immunschwäche
Verschlechterung der Schilddrüsenfunktion
Bluthochdruck
Schlaf- und Konzentrationsstörungen
Zyklusstörungen und Impotenz
Spannungskopfschmerzen
Fetteinlagerungen, primär am Körperstamm
Bei den genannten Symptomen handelt es sich um ernstzunehmende Warnsignale unseres Körpers, welche auf eine erhöhte Stressbelastung hinweisen und nicht allzu lange ignoriert werden sollten.
Forscher vermuten einen Zusammenhang zwischen einer dauerhaft erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen und der Entstehung zahlreicher chronischer Erkrankungen. Dauerhaft erhöhte Pegel an Kortisol steigern die Konzentration von entzündungsfördernden Botenstoffen im Körper, welche ihrerseits wiederum zur Entstehung von verschiedenen unschönen Erkrankungen beitragen können. Es wird vermutet, dass auch der Ausbruch der Hashimoto Erkrankung durch diesen Mechanismus gefördert werden kann.
Erschwerend kommt hinzu, dass Hashimoto Betroffene ein erhöhtes Risiko haben, an einer Autoimmunerkrankung der Nebennieren namens Morbus Addison zu erkranken. Bei dieser, glücklicher Weise seltenen Erkrankung, kommt es zu einer Zerstörung der Nebennierenrinde durch bestimmte Antikörper. Hierdurch kommt es zu einem folgeschweren Mangel an lebenswichtigen Hormonen, welcher unbedingt ausgeglichen werden muss, da die Krankheit ansonsten tödlich verlaufen würde.
Wie gesagt, es handelt sich bei Morbus Addison zum Glück um eine selten anzutreffende Erkrankung. In Anbetracht des erhöhten Risikos für Hashimoto Betroffene, sollten Sie die Erkrankung aber im Hinterkopf behalten und umgehend einen Arzt aufsuchen, wenn Sie Symptome entwickeln, welche auf die Addison-Krankheit hindeuten können.
Morbus Addison ist nämlich eine sehr tückische Erkrankung, welche sich typischer Weise erst zeigt, wenn bereits mindestens 90% der Nebennierenrinde zerstört sind. Die primäre Form der Erkrankung tarnt sich zusätzlich, indem Sie den Betroffenen eine „gesunde Bräune“ verleiht, weshalb diese auch unter dem Namen „Bronzehauterkrankung“ bekannt ist. Zu der irreführenden Braunfärbung der Haut kommt es infolge einer erhöhten Melatoninausschüttung durch eine vermehrte Freisetzung von ACTH. Die vermehrte ACTH Produktion wiederum ist eine Folge des krankheitsbedingten Kortisolmangels.
Allgemein zeigt sich die Erkrankung an folgenden Symptomen:
Schwindel
anhaltende Müdigkeit und Energielosigkeit
psychische Beschwerden (Depressionen, Reizbarkeit)
Blutdruckabfall, Kreislaufzusammenbrüche
niedriger Blutzucker und Neigung zur Unterzuckerung
Bauchschmerzen
Verdauungsstörungen und Übelkeit
Fieber
Appetitlosigkeit
Gewichtsverlust
Vielleicht haben einige von Ihnen schon mitbekommen, dass in der Welt der Wissenschaft seit geraumer Zeit eine recht langatmige Diskussion darüber ausgetragen wird, ob es eine weitere Form der Nebenniereninsuffizienz gibt, welche durch anhaltenden körperlichen oder seelischen Stress ausgelöst werden kann. Befürworter dieser als „Adrenal Fatigue“ bezeichneten Störung der Nebennierenfunktionen gehen davon aus, dass die Nebennieren durch anhaltende Überlastung erschöpfen können.
Bei Betroffenen von autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen scheinen häufiger Funktionseinschränkungen der Nebennieren vorzukommen, welche sich nicht auf das
