Ain't Nobody 1: Halte mich - Anastasia Donavan - E-Book

Ain't Nobody 1: Halte mich E-Book

Anastasia Donavan

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Beschreibung

Annas Leben ist geprägt durch Magersucht, Missbrauch und Gewalt. Ganz allein kämpft sie gegen ihre Dämonen und lässt niemanden an sich heran – bis sie auf Karim trifft. Ihm gelingt das, was sonst kein anderer schafft: Er erhält einen Blick hinter Annas Maske und verliebt sich in sie. Durch diese Begegnung verändert sich ihr Leben schlagartig und es beginnt ein Kampf um Liebe, Vertrauen und Gerechtigkeit. Das dramatische und emotionale Debüt von Anastasia Donavan - Band 1 der zweiteiligen Ain´t Nobody-Reihe.

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Seitenzahl: 672

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© 2017 Amrûn Verlag

Jürgen Eglseer, Traunstein

Covergestaltung: Claudia Toman

Lektorat: Lektorat Engels und Rohlmann

Korrektorat: Tatjana Weichel, Wortfinesse

Alle Rechte vorbehalten

ISBN – 978-3-95869-289-3

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amrun-verlag.de

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in

der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten

sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Ich widme diese Geschichte den Männern,die mich zu den Blacks inspiriert haben.Ihr seid unglaublich. Danke für alles.

Für R. Der Goldfisch liebt den Engel.

Inhaltsverzeichnis

1 Anna

2 Karim

3 Anna

4 Karim

5 Karim

6 Karim

7 Anna

8 Karim

9 Anna

10 Anna

11 Anna

12 Karim

13 Anna

14 Karim

15 Anna

16 Karim

17 Karim

18 Karim

19 Karim

20 Anna

21 Karim

22 Anna

23 Karim

24 Karim

25 Anna

Danksagung

– 1 –

ANNA

Hey Anna, was ist los?«, erkundigt sich Moni besorgt, aber ich winke ab. »Ach, nichts Besonderes.« Ich möchte nicht mit ihr darüber reden. Demonstrativ wende ich den Kopf ab und beobachte einige Typen, die sich auf dem unteren Schulhof lachend hin und her schubsen.

»Von wegen. Los, sag schon«, bohrt sie weiter und zieht mich zur Seite auf den Grünstreifen, der die beiden Schulhöfe voneinander abtrennt.

Ich wollte den Ärger vergessen, aber dank Moni muss ich wieder daran denken und verdrehe die Augen. »Heinz nervt total.«

»Der Penner soll euch in Ruhe lassen!« Aufgebracht stemmt sie ihre Hände in die Hüften.

»Das wird er nicht. Jetzt trägt er ein Foto von mir in seinem Geldbeutel.«

»Was? Woher?«

»Von meiner Mum. Er meinte zu ihr, dass ich für ihn wie eine Tochter sei und ihn mit Stolz erfülle. Von ihr trägt er ja eh ein Bild bei sich.« Ich möchte kotzen bei dem Gedanken daran, dass meine Mutter es ihm gegeben hat.

»Warum merkt sie nix?« Moni mustert mich von oben bis unten und ich weiß, dass ihr meine müden Augen und mein blasses Gesicht nicht entgehen.

»Sie ist blind vor Liebe«, erwidere ich und zucke gespielt gleichgültig mit den Schultern. Ich hasse es, wenn sie mich so mitfühlend betrachtet. Seit der Scheidung meiner Eltern vor fast vier Jahren wohne ich mit meiner Mutter im Kölner Bezirk Nippes. Wir standen uns sehr nahe, aber ihre Beziehung mit Heinz und die Tatsache, dass er bei uns einzog, veränderte alles.

»Wer ist blind vor Liebe?« Tanja gesellt sich, gefolgt von Jasmin, zu uns und begrüßt zuerst Moni, anschließend mich mit einer flüchtigen Umarmung. Jasmin zieht es vor, sich mit ihrem Handy zu beschäftigen und nickt uns nur zu.

»Also, blind vor Liebe?«, ruft sie mir ihre Frage in Erinnerung.

»Keiner«, antworte ich knapp und drehe mich zu Jasmin, um ihre neue Frisur unter die Lupe zu nehmen. Sie hat sich für einen frechen Kurzhaarschnitt entschieden und ihre Haare schwarz färben lassen.

Tanja scheint eine ausführliche Antwort nicht wichtig zu sein, denn sie wechselt das Thema. »Kommt ihr am Samstag mit ins Unique?«

»Was für eine Frage, klar«, antwortet Moni und vergewissert sich bei mir. »Oder?«

»Natürlich, muss sein, sonst halte ich die Woche nicht durch.« Mühevoll unterdrücke ich ein Seufzen.

Jetzt schenkt mir selbst Jasmin ihre volle Aufmerksamkeit. »Oh, da klingt aber eine gestresst.«

»Schule, Familie, im Moment läuft alles nicht so, wie ich will«, gebe ich zu, doch ich möchte auch darüber nicht weiter reden. »Übrigens, schicke Frisur«, lenke ich ab.

Moni nickt zustimmend.

»Danke. Ich fühle mich wie neugeboren«, erwidert Jasmin und fährt sich stolz durch die Haare.

»Was haltet ihr davon, am Wochenende was zu nehmen?«, fragt Tanja. Sofort wissen wir, wovon sie spricht. Für sie und Jasmin gehören zu jeder guten Party Ecstasy oder Pep.

Obwohl ich Moni gut kenne, überrascht sie mich. »Klar, ich bin dabei«, antwortet sie mit einem verschmitzten Grinsen.

»Ich auch, aber keine Ferrari«, stelle ich klar. Selbst ich weiß, dass die Sorte äußerst stark wirken soll und dabei habe ich noch nie etwas mit Drogen am Hut gehabt.

»Keine Sorge, wir nehmen Teletubbies. Die sind so harmlos wie ihr Name«, beruhigt Tanja uns augenzwinkernd, bevor der Gong den Schulbeginn einläutet. Genervt rollt sie ihre braunen Kulleraugen und streicht sich eine rote Haarsträhne hinters Ohr. Gemeinsam mit den anderen Schülern drängen wir uns über den Schulhof Richtung Eingang. Vor zwei Jahren besprayte die Kunst-AG eine der Außenflächen mit dem Porträt von Sophie Scholl. Es macht den grauen Betonklotz weniger trist und passt, denn unsere Schule trägt ihren Namen. Langsam schlurfen wir durch die Gänge zu unserem Klassenraum.

Englisch in den ersten beiden Stunden. Das ist hart, zumal die Stimme unserer Lehrerin die Wirkung jeder Schlaftablette in den Schatten stellt. Tanja fragte mal, ob es sich bei einer ihrer Erklärungen um ein Gebet handle, und alle lachten. Seitdem hat sie schlechte Karten bei Mrs. Green. Doch selbst diese zwei Stunden gehen irgendwann vorbei. Um 13:00 Uhr verlasse ich gemeinsam mit Moni, Tanja und Jasmin das Schulgelände. Wir schlendern auf dem Bürgersteig Richtung Florastraße zur S-Bahn-Station und diskutieren über Jamie Dornans Karriereaussichten, als ein lautes Motorengeräusch ertönt. Jasmin schreit glücklich auf. »Geil!« Sie verfolgt mit ihren Augen gebannt den schwarzen Sportwagen.

»Der Panther?« fragt Moni. Jasmin nickt abwesend, während sie immer noch in Richtung Auto schaut. Dabei ist das längst verschwunden.

»Angeber.« Ich verdrehe die Augen.

»Da kommt Jens.« Tanja deutet auf einen anderen Wagen, der im selben Tempo an uns vorbeirauscht.

»Jens? Ich kannte mal einen Jens«, erinnere ich mich und denke an den schüchternen Nachbarsjungen von damals. Er sprach mich selten an, sondern starrte immer nur intensiv. Sein Verhalten jagte mir Angst ein.

»Na, der war’s bestimmt nicht. Er denkt wie ein Nazi und ist der Todfeind des Panthers«, reißt Jasmin mich aus meinen Gedanken.

»Warum? Es könnte ihr Jens sein«, widerspricht Tanja und wendet sich an mich. »Er lebt in Marienburg. Da hast du doch früher gewohnt.«

Ich überlege kurz. »Heißt er mit Nachnamen Hohenstein?«

»Ja, genau.« Jasmin mustert mich mit hochgezogenen Augenbrauen.

»Er wohnte neben uns. Seine Mutter hat meiner Mum erzählt, dass er mich heiraten möchte.« Belustigt schüttle ich den Kopf bei der Erinnerung und befasse mich mit der Gegenwart. »Krass, dass er jetzt ein Nazi sein soll, kann ich mir kaum vorstellen. Er verhielt sich immer extrem schüchtern. So ein Muttersöhnchen halt.« Sein Vater machte Karriere bei der Polizei und verbrachte genauso wenig Zeit mit seiner Familie wie meiner.

»Tja, vielleicht würdest du jetzt auch so denken, wenn ihr nicht weggezogen wärt. Fast alle da sind rechts«, behauptet Tanja, aber Moni schüttelt energisch den Kopf. »Quatsch, ich kenne genug coole Leute aus Marienburg.«

»Na gut, nicht alle, aber die HK«, erzählt Tanja und spottet: »Hitlers Kinder. Wusstest du, dass Jens sie anführt?«

»Mir sind diese ganzen Möchtegerngangster egal.« Jasmin und Tanja starren mich an, als sei ich ein Alien. »Naja, ich weiß, dass der Anführer der HK der größte Feind vom Panther ist und kenne die Geschichten und Gerüchte. Doch es interessiert mich nicht wirklich«, entgegne ich schulterzuckend.

Jasmin hält es trotzdem für notwendig, mir mehr zu erzählen. »Jens und der Panther haben sich vor ein paar Jahren richtig übel geprügelt. Jens musste daraufhin auf ein Schweizer Internat und der Panther wurde von seinem Vater aus der Familie ausgestoßen. So sagt es zumindest Senna und deren Eltern sind mit den Eltern von Abdul befreundet.« Sie klingt ganz euphorisch, so als würde sie über Popstars sprechen und gestikuliert mit ihren Händen in der Luft herum.

»Aha, und wer ist Abdul?« fragt Moni gelangweilt.

»Er gehört zu den Blacks, den Freunden des Panthers«, antwortet Tanja.

»Sehr interessant.« Gähnend widme ich mich meinem Handy und like ein paar Beiträge auf Facebook. Der Panther und seine Blacks, ein Haufen Marokkaner, die ihre Frauen angeblich im Wochentakt wechseln und kriminell arbeiten. Auf jeden Fall weiß jeder, dass sie und die HK sich bis aufs Blut hassen. Glaubt man den Gerüchten, fehlte nicht mehr viel und der Panther hätte Jens damals gekillt. Eiskalt und erbarmungslos.

»Bestimmt viel Laberei, wie immer bei so was«, glaubt Moni. Ich denke nicht weiter über die HK und Blacks nach, sondern verabschiede mich mit Moni von Tanja und Jasmin.

Während die beiden zu Fuß nach Hause gehen, betreten Moni und ich die Haltestelle Meerfeldstraße, um mit der Linie 15 von Longerich in die Neusser Straße nach Nippes zu fahren.

Fünf Stopps später verlassen wir gemeinsam über die Treppe die Haltestation und gehen nebeneinander nach Hause. »Wir und Ecstasy.« Moni fährt sich kichernd durch ihre langen braunen Haare.

»Ich hätte nicht gedacht, dass wir so was mal machen«, gebe ich zu.

»Warum sollen wir immer brav sein?« Sie reckt ihr Kinn herausfordernd in die Höhe.

»Keine Ahnung. Du hast recht, lass uns herumexperimentieren. Ist schließlich normal mit sechzehn«, stimme ich schmunzelnd zu.

»Check ein!« Moni hebt ihre Hand und ich schlage ein, bevor sie sich von mir verabschiedet. »Wir texten.«

Nach einer Umarmung gehe ich weiter, während sie rechts abbiegt. Wir wohnen nicht weit voneinander entfernt. Moni ist seit meinem 13. Lebensjahr meine beste Freundin und die Einzige, mit der ich offen über mein Leben rede.

Ich stehe vor dem in die Jahre gekommenen Hochhaus, in dem sich unsere Wohnung befindet und schaue hoch zum Wohnzimmerfenster. Eigentlich sollte ich mich hier sicher und geborgen fühlen. Das Gegenteil ist der Fall. Ich nehme einen tiefen Atemzug und schließe die Haustür auf.

»Hallo Anna«, begrüßt mich meine Mum fröhlich und streckt den Kopf aus der Küche.

»Hallo«, presse ich hervor und möchte nur eines: schnell über den schmalen Flur in meinem Zimmer verschwinden.

»Ich habe gebratenen Reis mit Hackbällchen gemacht«, ruft sie mir hinterher.

»Keinen Hunger.« Ich will meine Ruhe, aber selbst die bekomme ich hier nicht.

»Bist du immer noch sauer wegen des Fotos?«

Ich drehe mich im Türrahmen meines Zimmers zu meiner Mutter um. Sie wischt sich die Hände an ihrer Jeans trocken und tritt auf mich zu. Du willst darüber diskutieren? Von mir aus. »Ich find’s nicht in Ordnung, dass du es ihm gegeben hast, ohne mich vorher zu fragen«, erkläre ich ihr mit gestrafften Schultern.

»Aber Heinz gehört zur Familie. Bei Theo würdest du nicht verlangen, dass ich dich um Erlaubnis bitte«, verteidigt sie sich. Ich spüre, wie mir die Galle hochkommt. Sie erwähnt ihren Ex-Mann sonst nie und das zu Recht. Nachdem Theo uns verließ und die Scheidung einreichte, haben wir nichts mehr von ihm gehört. Stattdessen ließ er seine Anwälte alles regeln und wir beschlossen, ihm seinen Status als Familienmitglied zu entziehen.

»Mum, Theo ist mein Erzeuger, Heinz nicht!«, herrsche ich sie wütend an, aber sie versteht mich nicht mehr. Vielleicht möchte sie es gar nicht.

»Ach Anna, was hast du gegen Heinz? Er verhält sich dir gegenüber so nett. Es gibt keinen Grund für deine Eifersucht.«

Ihr mitleidiger Blick macht mich erst recht sauer. Ich und eifersüchtig? Spinnst du? Komm mal überraschend während deiner Nachtschicht heim, dann siehst du, wie nett dein Freund zu mir ist! Natürlich sage ich ihr das nicht. Wir hatten das Thema bereits, nachdem er mich das erste Mal berührte. Damals glaubte meine Mutter ihm mehr als mir. Ich werde das Gespräch nie vergessen, an dem Tag brach etwas in mir und mein Vertrauen in sie bekam einen ersten Riss. Seitdem wird die Kluft zwischen uns mit jedem Tag größer. Schnell verdränge ich den schmerzhaften Gedanken daran. Ich verschränke die Arme vor meinem Körper und widerspreche ihr energisch: »Eifersüchtig? Ich spreche über Tatsachen. Heinz ist nicht mein Erzeuger und erst recht kein Vater!«

Jetzt ist sie es, die wütend reagiert. »So oder so wirst du dich mit ihm abfinden müssen. Wir lieben uns und im Gegensatz zu deinem Erzeuger haut Heinz nicht ab, um die Welt zu erobern«, spottet sie und stemmt die Hände in die Hüften.

Ich zucke zusammen. Theo war seine Karriere wichtiger, aber du sprichst von Heinz, als sei er unser Retter. Instinktiv schüttle ich den Kopf. Für einen Moment erkenne ich Überraschung im Gesicht meiner Mutter und ich habe keine Ahnung, was sie gerade denkt, aber ihre Wut verfliegt und sie lächelt mir aufmunternd zu. »Komm schon, mach es dir und uns nicht so schwer. Wir drei sind ein gutes Team.«

Ein gutes Team? Das war’s. Ich ringe mit geöffnetem Mund um Selbstbeherrschung und stehe kurz davor, meine Mum anzuschreien. Sie zu fragen, in welcher Welt sie eigentlich lebt, aber bevor ich die passenden Worte finde, verabschiedet sie sich von mir.

»Meine Schicht fängt gleich an. Falls du Hunger bekommst, in der Mikrowelle steht Essen. Sag das bitte auch Heinz, wenn er von der Arbeit kommt.«

Nickend drehe ich mich um und schließe meine Zimmertür von innen. Wie kann sie Heinz und Theo miteinander vergleichen?Mein Erzeuger arbeitet als Architekt für Stars und lebt in Miami. Heinz säuft und interessiert sich mehr für mich als für meine Mutter.

Verflucht Theo, warum hast du uns verlassen? Du warst kein fürsorglicher Vater, aber du hast mir mein Leben nicht zur Hölle gemacht.

Es war damals nicht perfekt, denn für Theo standen wir immer nur an zweiter Stelle. Doch ich bin glücklich gewesen und hatte wohlbehütet in einer schicken Villa in Marienburg gelebt.

Ich gucke zu meinem weißen Schreibtisch und dem hellblauen Bürostuhl, der nur darauf wartet, dass ich mich draufsetze. Mir fehlen jetzt die Nerven für Hausaufgaben. Auf dem Weg zu meinem Bett betrachte ich mich im Spiegel meines Kleiderschranks. Irgendwie sehe ich dicker aus, aber die Waage lügt nicht und laut ihr wiege ich weniger als gestern. Der Gedanke, dass ich zugenommen habe, verschwindet so schnell, wie er kam. Musik. Ich brauche jetzt Musik. Ich nehme mein Handy und die Kopfhörer und scrolle zu meiner Playlist. Hip Hop, R&B, Soul, das ist meine Welt. Diese Menschen singen von ihren Problemen, ihren Gefühlen. Es sind ehrliche Songs. Ich liege im Halbschlaf auf meinem Bett, als ich plötzlich Heinz’ Stimme höre.

»Anna, wo steckst du?« Im nächsten Moment steht er in meinem Zimmer. Seine dreckige Hand stützt er an meinem roten Sideboard ab. Den Pullover, den er bereits gestern trug, beschmutzen dunkle Flecken, ebenso wie die abgenutzte Jeans. »Ah, im Bett, wie passend.« Kichernd tritt er näher.

Ich rieche seine Fahne, als ob er sich direkt über mir befindet. Blitzschnell springe ich auf. Nicht heute!

»In der Mikrowelle steht Essen und jetzt geh! Ich muss Hausaufgaben machen«, schleudere ich ihm entgegen und funkle ihn böse an.

»Im Bett? Na, da helfe ich gern.« Seine graublauen, vom Alkohol glänzenden Augen mustern mich gierig.

»Vergiss es - geh!«, verlange ich noch bestimmter und deute mit der Hand durch die offene Zimmertür in den Flur, aber es interessiert ihn nicht.

»Ach, zier dich nicht so.« Schwankend kommt er näher.

Jetzt steigt mir sein Schweißgeruch in die Nase. Sofort spüre ich, wie sich mein Magen verkrampft. Ich atme durch den Mund, um das flaue Gefühl zu vertreiben. »Kapierst du’s nicht? Ich sagte, du sollst verschwinden. Hör lieber mit dem Trinken auf.« Meine Stimme klingt selbstbewusster als ich mich fühle. Mit Erfolg, denn äußerlich fühle ich mich stark.

»Was? He, ich mache, was ich will«, schimpft er.

»Nicht mit mir«, stelle ich klar.

Heinz mustert mich flüchtig und dreht sich um. Ich höre noch ein »Zicke«, bevor er mein Zimmer verlässt.

Elendiger Säufer. Mehr fällt mir dazu nicht ein. Lautstark packe ich meine Schulsachen aus dem Rucksack und beginne mit den Hausaufgaben. Heinz soll nicht auf die Idee kommen, ich hätte gelogen, um ihn loszuwerden. Anfangs fällt es mir schwer, mich auf die Fragen zur Französischen Revolution zu konzentrieren, aber als ich Geschirr klappern höre, beruhige ich mich. Er beschäftigt sich mit Essen und ich muss nichts befürchten.

Kaum habe ich das Geschichtsbuch zugeklappt, hält mich nichts mehr in der Wohnung.

»Wo willst du hin?« Heinz wendet den Kopf vom Fernseher zu mir. Er hat nicht nur gegessen, sondern auch mehr getrunken. Auf dem Beistelltisch stehen zwischen Blumen und Chipstüte zwei Flaschen Billigbier.

»Das geht dich nichts an«, blaffe ich.

Er scheint kein Interesse an einer Konfrontation zu haben. Stattdessen streicht er sich mit seinen Wurstfingern über den fetten Bauch und die herabfallenden Chipskrümel landen auf dem zuvor sauberen Teppichboden.

Schnell ziehe ich meine Jacke und Schuhe an, bevor ich die Wohnung verlasse. Draußen angekommen, schreibe ich Moni eine Nachricht, ob sie Zeit hat, aber sie muss zum Zahnarzt. Also steige ich in die Linie 11 Richtung Neumarkt, erleichtere mein Konto um ein paar hundert Euro und schlendere über die Schildergasse, auf der Suche nach neuen Klamotten. Theo verzichtete zwar bei der Scheidung auf das Sorgerecht für mich, aber er kommt nicht nur seiner gesetzlichen Verpflichtung nach, was den Unterhalt angeht. Er überweist mir zusätzlich jeden Monat zweihundert Euro Taschengeld. Vermutlich, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Dabei würde es mir mehr bedeuten, wenn er mir zu meinem Geburtstag gratulieren oder sich ab und zu melden würde. Wobei ich inzwischen selbst darauf keinen Wert mehr lege, weil er bereits zu lange Robinson Crusoe spielt. Ein Vater, der seit annähernd vier Jahren nichts von sich hören lässt, verdient diesen Namen nicht.

Ich betrachte mich in dem großen Spiegel vor der Umkleide des Jeansplanet. Die meisten meiner Klamotten sind mir inzwischen zu weit. Sehr gut.

Triumphierend drehe ich mich hin und her. Als ich eine Miss Sixty in XS probiere, fasse ich es kaum – sie passt wie angegossen. Irgendwie krass. Seit ich meine Mahlzeiten halbiere oder ganz auslasse, werde ich nicht nur jeden Tag dünner, sondern vor allem stärker. Ich erinnere mich daran, wie ich heute mit Heinz geredet habe. Vor ein paar Wochen wäre ich nicht so mutig gewesen. Es fühlt sich an, als sei ich unbesiegbar.

Ich behalte die dunkelblaue Jeans gleich an. Ebenso wie den leichten, engen Wollpullover und die neuen Skechers, die ich mir im nächsten Geschäft kaufe. Seit Wochen warte ich darauf, jetzt sind die weißen Sneaker mit den aufgestickten Blumen endlich in meiner Größe verfügbar.

Vor dem Schmuckgeschäft drehe ich an meinem Armband mit den Anhängern und denke darüber nach, ob ich mir einen neuen Charm gönne, entscheide mich allerdings dagegen. Stattdessen wähle ich eine Kette. Sie ist filigran und der hellblaue Anhänger in Form eines Tropfens funkelt mit den ersten Aprilsonnenstrahlen um die Wette. Mein Shoppingtrip erzielt die gewünschte Wirkung.

Ich werde mich nicht unterkriegen lassen und es dem Rest der Welt zeigen! Symbolisch entsorge ich meine alte Kleidung im nächsten Mülleimer.

In diesem Moment fühle ich mich wie Rylee aus der Driven-Reihe von Kristy Bromberg. Eigentlich lese ich nicht viel, aber nachdem ich damals die Fifty Shades of Grey-Bücher gelesen hatte, war ich so begeistert, dass ich innerhalb kürzester Zeit auch andere Romane aus diesem Genre verschlang. Mich fasziniert, wie Colton, Rylee und all die anderen Protagonisten ihr Leben meistern und nicht an ihrer traumatischen Vergangenheit zerbrechen. Natürlich handelt es sich nur um Geschichten, aber auch in der Realität gilt: Was dich nicht tötet, macht dich stärker und ich möchte genau so kraftvoll werden.

Aus dem Augenwinkel entdecke ich eine Gruppe Typen, die um einen mattgrauen BMW herumstehen. Was für eine hässliche Farbe!

Die Kerle sehen aus, als würden sie nicht hierhingehören. Sie tragen Springerstiefel, Bomberjacken und entsprechen dem Nazi-Klischee vom perfekten Arier: Groß, blond und blauäugig. Ich beschließe, einen Bogen um die Deppen zu machen.

Plötzlich starrt einer der Typen zu mir. Er überragt die anderen, hat blaue Augen und auf seiner Bomberjacke prangen Embleme wie Proud German, 18 und nordische Runen.

Sind diese Zeichen nicht verboten? Scheiße, der Typ kommt auf mich zu!

Erst jetzt erkenne ich, dass es sich um Jens handelt. Mist, hoffentlich erinnert er sich nicht an mich. Ich habe kein Glück. Showtime!

»Hallo Anna, dich habe ich sehr lange nicht mehr gesehen.« Er strahlt über das ganze Gesicht, als wäre heute Weihnachten und ich sein Geschenk.

»Jens? Ich kann’s kaum glauben.« Abweisend schüttle ich den Kopf. Er könnte glatt als Hitlerdouble durchgehen! Frisur, Bartschnitt, sogar den Gesichtsausdruck dieses gottverdammten Psychopathen kopiert Jens. Er scheint meine Abneigung nicht zu bemerken oder ignoriert sie bewusst.

»Habe ich mich nicht gut gemacht?«, fragt er mit vor Stolz geschwellter Brust.

»Nein, ich hätte niemals gedacht, dass du mal so einer wirst«, werde ich deutlicher und schnaube verächtlich, was seinen Kumpels sofort auffällt.

»Was ist denn das für ‘ne linke Zecke?«, wundert sich ein Typ mit einer wulstigen Narbe am Kinn und spuckt neben sich, aber Jens bedeutet ihm mit erhobener Hand zu schweigen. »Von wegen! Meine Kleine gehört zu uns. Sie ist nur verwirrt, weil wir uns heute zum ersten Mal seit Jahren wiedersehen«, stellt er klar. Er dreht seinen Kopf zu mir und sofort entspannt sich sein Gesichtsausdruck. Grinsend möchte er mir über den Arm streichen, doch ich trete einen Schritt zurück. Ich hasse Berührungen. Freiwillig lasse ich mich von keinem anfassen, außer von meinen Freundinnen und meiner Mutter.

»Du verwirrst mich tatsächlich. Wie konntest du so tief sinken?«, frage ich anklagend. Ich erwarte nicht wirklich eine Antwort, denn Jens wird mir keine geben können. Nichts rechtfertigt eine solche Gesinnung! Ich wende mich ab, um zu gehen, aber er packt mich am Arm und reißt mich herum. Ein Mann, der in diesem Moment an uns vorbeispaziert, hält einen Moment inne, bevor er sich beeilt, uns hinter sich zu lassen.

»Moment mal, meinst du das etwa ernst?« Ungläubig fixiert mich Jens und versucht in meinem Gesicht zu lesen. No way, meine Maske sitzt perfekt, du Schlappschwanz! Innerlich freue ich mich darüber, dass er in meinen Augen keine Antwort auf seine Frage findet, aber äußerlich zeige ich keine Emotionen.

Seine Freunde gehen offenbar nicht davon aus, dass ich scherze. Sie räuspern sich amüsiert und ein Typ mit Dreitagebart stellt spöttisch fest: »Unser Boss und ‘ne linke Ratte – Hammer!«

Wütend gräbt Jens seine Finger in meinen Arm.

Das reicht!

»Lass mich los oder ich schreie«, drohe ich, aber er drückt fester zu.

»Erst, wenn du sagst, dass du stolz bist, eine Deutsche zu sein.«

»Wenn ich so was wie euch sehe, schäme ich mich dafür, dass wir dieselbe Nationalität besitzen«, erkläre ich mit fester Stimme und versuche mich aus seinem starken Griff zu befreien. So ein rechtes Pack macht mich wütend. Ich verstehe nicht, dass es solche Menschen im Jahr 2015 noch gibt.

»Anna, Anna, was ist aus dir nur geworden?« Jens schnalzt missbilligend mit der Zunge und lässt mich endlich los. Ich entgegne nichts, möchte hier nur noch weg. Allerdings komme ich nicht weit, denn das Narbengesicht stellt sich mir in den Weg.

»So nicht, du Antifaschlampe!« Er verschränkt die Arme und grinst dreckig. Wortlos drehe ich mich um. Scheiße! Hinter mir stehen zwei weitere Typen und links von mir Jens. Ich finde keine Fluchtmöglichkeit. Obwohl dutzende Menschen an uns vorbeigehen, kommt es ihnen nicht in den Sinn, stehen zu bleiben und zu fragen, ob es mir gut geht. Stattdessen schauen sie auf ihre Smartphones oder erhöhen ihr Schritttempo und eilen an uns vorbei.

»Was soll das? Los, haut ab!«, fordere ich, aber kaum verklingt das letzte Wort, schubsen sie mich höhnisch lachend hin und her wie einen Ball. Ihre Hände bewegen sich wie Greifer: auf und zu. Ich spüre das Pochen meines Herzens, als wolle es gleich aus meiner Brust springen.

»Hört auf damit!«, schreie ich zornig.

»Gerne.« Jens umfasst von hinten meine Taille. Für ein paar Sekunden verspannt sich mein ganzer Körper. Vor meinem inneren Auge ist es nicht Jens, der mich packt und an sich drückt, sondern Heinz. Panik erfasst mich und ich spüre die schwere Last seiner Finger, als pressen sie mir die Luft aus den Lungen. Hektisch atme ich ein, bevor ich mich wieder fange und langsam ausatme.

»Lass. Mich. Los!« Ich schlage und trete um mich, in der Hoffnung, ihn irgendwo zu treffen, wo es genug schmerzt, damit er mich frei gibt.

Die Passanten in Hörweite senken betreten ihre Köpfe und wechseln schnell die Straßenseite. Als Jens mich abrupt umdreht und küssen will, verpasse ich ihm eine schallende Ohrfeige.

Geschafft!

Von wegen.

In der nächsten Sekunde spüre ich einen stechenden Schmerz. Er hat einfach zurückgeschlagen. Mit seiner Faust! Einen Moment lang fühle ich mich betäubt. Wie in Zeitlupe wische ich mir mit der Hand das Blut weg, das aus meiner Nase tropft, oder stammt es von meiner Lippe? Schockiert betrachte ich meine Finger und begreife erst jetzt das volle Ausmaß. Ich erstarre, als ob ich in einer Grube stehe und jemand flüssiges Beton über meinen Körper kippt. Jens zögert einen Sekundenbruchteil, bevor er erneut nach mir greift. Seine Bewegung katapultiert mich aus meinem Betonsarg. Schnell weiche ich ihm aus und schaffe es im letzten Moment, nicht über meine eigenen Füße zu stolpern. Ich darf keinem von ihnen in die Arme fallen! Seine Kumpels lachen mich aus, aber Jens bleibt stehen und ich erlebe ein Déjà-vu. Er starrt mich an wie damals, ohne einen Ton zu sprechen.

Aus dem Augenwinkel nehme ich wahr, dass sich fünf südländisch aussehende Typen nähern. Sie tragen dunkle Kleidung und wirken gefährlich. Automatisch bleibt mein Blick am Größten hängen. Oh mein Gott!

Seine pechschwarzen Augen funkeln wütend und strahlen eine so eisige Kälte aus, dass ich beginne zu frösteln. Er ist nicht nur größer als Jens, sondern auch sportlicher. Selbst unter seiner Lederjacke erahne ich die kräftigen Oberarmmuskeln. Ungerührt betrachtet er zuerst Jens und seine Freunde, bevor er seinen Kopf zu mir dreht. Von einer auf die andere Sekunde verändert sich sein Gesichtsausdruck ins komplette Gegenteil und jetzt wird mir heiß. Ich weiß nicht, wann mich das letzte Mal jemand so eindringlich angesehen hat. Beschützend, sanft, gütig. Ja klar, gütig, wenn er jetzt noch einen Heiligenschein über dem Kopf bekommt, lasse ich mich einweisen. Was mache ich da? Warum gaffe ich den Kerl so an? Ich wurde gerade in aller Öffentlichkeit geschlagen! Von einem scheiß Nazi. Ich schüttle den Kopf. Reiß dich zusammen! Entschlossen wische ich mir mit dem Handrücken über die blutige Lippe, als der Typ einen Schritt auf mich zugeht. Sofort hebe ich meine Hand und bedeute ihm stehen zu bleiben. Wehe, einer von euch Typen hier wagt es, mir näher zu kommen. Tatsächlich wendet er sich von mir ab.

»Echt jetzt, Jens? Eine Frau? Wir kennen ja alle dein Niveau, aber mit der Aktion erreichst du einen neuen Tiefpunkt«, spottet der OMG-Typ und verzieht abfällig den Mund.

»Karim! Was hast du hier zu suchen? Das geht dich einen Scheißdreck an.« Jens lässt von mir ab und konzentriert sich auf Karim.

Meine Chance! Ich schaue in die Runde, um sicherzustellen, dass die allgemeine Aufmerksamkeit nicht länger auf mir ruht, bevor ich mich umdrehe und losrenne. Weg – ich muss einfach nur weg!

– 2 –

KARIM

Eigentlich lautete unser Ziel Hauptbahnhof, aber wir entschlossen uns, am Neumarkt auszusteigen. Merhan wollte auf dem Weg die Mädels abchecken, denn er braucht mal wieder Nachschub. Ich entdecke Jens und seine Möchtegerngangster schon von Weitem. Mitten zwischen ihnen sehe ich ein kleines Blondchen.

»Das könnte interessant werden«, freut sich Ajhan, nachdem er die Idioten ebenfalls entdeckt hat und boxt mit seiner Faust auf die Innenfläche seiner anderen Hand. Er genießt unsere Begegnungen mit den HK immer ganz besonders und schlägt auch sonst als einer der Ersten zu.

»Wovon laberst ...? Na, super Idee, hier lang zu gehen.« Seufzend schüttelt Abdul den Kopf. Er ist unser ruhende Pol und nicht scharf darauf, sich mit denen anzulegen, wenn es sich vermeiden lässt.

Wir befinden uns nur wenige Schritte von dem Pack entfernt, als sie ein Gerangel mit der Blonden anfangen. Sie schlägt Jens, oder versucht es zumindest, und bekommt im nächsten Moment seine Faust ins Gesicht gedonnert.

Was zum ...?

Mein Gehirn benötigt einen Moment, um zu kapieren, dass dieser verdammte Bastard tatsächlich eine Frau schlägt. Ich blicke kurz zu Mehmet, der ebenfalls geschockt den Mund öffnet, ohne etwas zu sagen. Als ich wieder zurückschaue, treffen sich unsere Blicke.

Krass, wer ist das? Ich habe noch nie so blaue Augen gesehen. Sie gibt sich unbeeindruckt, obwohl sie gerade geschlagen wurde, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie es ist. Wie gebannt von ihrem Gesichtsausdruck schaffe ich es nicht, meine Augen von ihr abzuwenden, während wir auf sie zugehen.

Was erkenne ich in ihnen? Traurigkeit? Stärke? Das passt nicht zusammen! Warum interessiert es mich überhaupt? Ich gucke eine Frau an, wenn ich sie ficken will, aber nicht um sie zu trösten! Erst recht nicht irgendein Blondchen. Doch jetzt möchte ich zu ihr hingehen und sie in den Arm nehmen. Ihr sagen, dass sie sich in Sicherheit befindet. Warum tust du es nicht und anschließend zeigst du dem Bastard, was mit Männern passiert, wenn sie Frauen schlagen? Ganz einfach, weil du sie nicht kennst. Doch Jens schnappe ich mir!

Als wir vor ihnen stehen, schaffe ich es kaum, gegen das Bedürfnis anzukämpfen, direkt mit ihr zu sprechen. Trotzdem knöpfe ich mir erst mal Jens vor.

Deal or no deal? Sie wollten sich lieber Koffer 2 zuwenden und verlieren dadurch den Hauptpreis, schießt es mir durch den Kopf, als sie sich ohne Vorwarnung umdreht und wegrennt.

»Anna, hey Kleine, warte!«, schreit Jens ihr hinterher, ehe er sich mir zuwendet und wütend zischt: »Weißt du eigentlich, wie lange ich meine Kleine schon suche?« Er ballt die Hände zu Fäusten.

Woah, was geht denn mit dem ab?

Ich schaue ihm in die Augen, um festzustellen, ob er unter Drogen steht. »Alter, in welcher Welt lebst du? Für mich sah es nicht so aus, als freut sie sich über euer Wiedersehen«, entgegne ich spöttisch.

»Sprich nicht so von ihr, du Bastard. Du hast keine Ahnung, wer das ist!« Jens schnaubt wie ein Stier.

Ich mustere seine Freunde. Sie scheinen ebenso überrascht über Jens‘ Interesse an Blondie zu sein wie wir.

»Stimmt, wir haben keine Ahnung, wer das ist und normalerweise interessieren uns deine Schlampen nicht, aber hey, falls du’s nicht gecheckt hast: Sie scheint nicht so auf Schläge zu stehen«, erklärt Mehmet grollend vor Zorn, stellvertretend für uns Blacks. In diesem Punkt denken wir fünf gleich: Eine Frau zu schlagen ist ein absolutes No-Go.

Etwas Leuchtendes unter mir zieht meine Aufmerksamkeit auf sich: ein neongelber Kassenzettel von dem hippen Schuhgeschäft auf der Schildergasse. Sie trug Skechers und die sahen neu aus. Ohne nachzudenken hebe ich den Wisch auf.

Verdammt, was mache ich da schon wieder?

»Karim.« Ajhans Stimme holt mich zurück zu den HK und ich konzentriere mich wieder auf Jens.

»Schlag noch einmal eine Frau und du wünschst dir, deine verfickte Mutter hätte dich abgetrieben.«

»Ich warne dich, Karim, halt dich aus meinen Angelegenheiten raus«, droht Jens mit erhobenem Zeigefinger, als sei ich ein ungezogener Junge.

»Sonst was?«, hake ich nach und lache auf. Junge, du kannst von Glück sprechen, dass da vorne zwei Bullen stehen.

»He, was willst du mit der linken Schlampe?«, fragt Markus und wartet auf eine Antwort von Jens. Als sie ausbleibt, fügt er boshaft hinzu: »Die hat mehr als nur einen Schlag verdient.«

Was für Freunde!

Bei uns Blacks werde ich ohne Wenn und Aber als Anführer respektiert, aber bei den HK gibt es diesen Respekt nicht. Selbst wir wissen, dass Markus gerne der Anführer wäre. Jens ist es nur, weil sein Vater als Polizeichef in der höheren Position arbeitet. Kaum vorstellbar, dass die beiden seit der Grundschule miteinander befreundet sind.

»Gehen wir?«, fragt Merhan, bevor er Timo vor die Füße spuckt. Ich nicke ihm abwesend zu und drehe mich um. Nur am Rande nehme ich wahr, dass die HK uns ziehen lassen. Normalerweise enden unsere Begegnungen nicht so nett.

»Alles klar bei dir?«, fragt Mehmet verwundert, während wir über die Hohe Straße Richtung Bahnhofsvorplatz gehen.

Ich nicke. »Warum auch nicht?«

»Du benimmst dich so ruhig, seitdem du das Blondchen gesehen hast«, antwortet Ajhan für ihn.

»Die war nicht übel«, urteilt Merhan und schnalzt mit der Zunge.

»Nicht übel?« Ich kann kaum glauben, was er da von sich gibt. »Sie sah – verdammt, sie sah wow aus«, korrigiere ich ihn und kicke den Pappbecher vor meinen Füßen weg.

»Wow?« Mehmet fängt an zu lachen und die anderen fallen mit ein. Ich muss selbst über meine Begeisterung schmunzeln, aber in dem Moment wird mir klar, dass ich sie wiedersehen will.

Ich möchte wissen, wer du bist, und ich will dich unbedingt kennenlernen.

»Jungs, geht vor, ich klär kurz was ab.« Ich deute auf den Hauptbahnhof und zücke mein Handy.

»Panther, was gibt’s?«

»Kannst du mir einen Gefallen tun?« Ich komme direkt zur Sache, denn ebenso wie ich hasst Big Boss es, um den heißen Brei herumzureden.

»Worum geht’s?«

»Schaffst du es, mir ein paar Hintergrundinfos zu besorgen? Allerdings hab ich nur einen Teil der Bankverbindung.« Ich schaue auf den Zettel und frage mich, ob das, was ich da mache, zu meinen guten Ideen zählt. Bevor ich weiter darüber nachdenke, gebe ich ihm die Daten durch.

»Was genau willst du von ihm wissen?«

»Alles«, rutscht es mir raus. Verdammt! Ich fasse mir an die Stirn, bevor ich ihn weniger euphorisch korrigiere: »Und es geht um eine ‚sie‘.«

»Eine Frau?« Seine Stimmlage ändert sich in Verwunderung, doch ich habe keine Lust, ihm irgendwas zu erklären. Mein Privatleben geht ihn einen Scheißdreck an.

Big Boss ist nicht mein Vater, streng genommen gehört er nicht mal zu meinen Freunden. Für mich ist er eher so etwas wie mein Arbeitgeber oder Geschäftspartner.

»Wann kann ich mit den Infos rechnen?«, frage ich tonlos, ohne auf seine Frage einzugehen und schaue mich um. Vielleicht taucht sie ja wieder auf, doch ich kann sie nirgends entdecken. Nur ein paar Punks grölen lautstark durch die Gegend.

»Gib mir zwei Stunden«, sagt er und beendet das Gespräch. Ich nicke, obwohl er das nicht sehen kann.

Im McDonald’s herrscht gähnende Leere und auch meine Jungs machen keine Action. Langweilig. Merhan flirtet ein paar Mädchen an, während Ajhan bereits die Telefonnummer einer Bitch entgegennimmt. Mehmet konzentriert sich lieber darauf, ein neues Graffiti auf seinem Block zu entwerfen und Abdul widmet sich seinem Smartphone. Ich nehme ebenfalls mein Handy zur Hand, aber weder habe ich einen verpassten Anruf noch eine Nachricht von Big Boss erhalten.

Verdammt, warum braucht er so lange? Ungeduldig trommle ich mit den Fingern auf die Tischplatte, bevor ich mir ein Chicken McNugget von Abduls Tablett schnappe.

Es dauert tatsächlich fast zwei Stunden, bis Big Boss mich erlöst. Ich suche mir eine stille Ecke, bevor ich den Anruf annehme.

»Schieß los.«

»Sie hieß bis vor vier Jahren Anna Lindberg. Ist die einzige Tochter des Stararchitekten Theo Lindberg. Nach der Scheidung ihrer Eltern hat sie den Nachnamen ihrer Mutter angenommen, Schneider, und zog von Marienburg nach Köln-Nippes, Niehler Weg 8. Sie lebt dort mit ihrer Mutter und deren Lebensgefährten, besitzt einen Handyvertrag bei Base, geht in Nippes-Longerich in die Oberstufe der Sophie Scholl- Gesamtschule, hat keine Vorstrafen und keinen Nebenjob, nimmt keine Drogen oder Ähnliches. Zumindest, soweit ich es rausfinden konnte«, listet er mit einer Stimmlage auf, in der kein Gefühl mitschwingt.

»Okay, danke.« Ich versuche die Informationen zu verarbeiten. »Ich schulde dir was.«

»Ich werde darauf zurückkommen«, garantiert mir Big Boss. Es klingt wie ein Versprechen, dass es nicht lange dauern wird, bis er seinen Gefallen einfordert. Beiläufig fügt er hinzu: »Falls du mehr über sie wissen willst, kannst du mit Jaque sprechen.«

»Mit Jaque?«, frage ich verwirrt. »Was hat sie mit ihm zu tun?«

»Monsieur Lindberg und ich kennen uns. Als es vor etwa zehn Jahren zu Drohungen gegenüber der Familie kam, hat er mich um Hilfe gebeten. Ich habe ihm Jaque als Sicherheitschef vermittelt. Er kümmerte sich ein paar Jahre verdeckt um Annas Schutz.«

»Okay«, ist alles, was ich herausbringe.

Diese Frau verwirrt mich immer mehr.

Ich überlege, dass Anna zu diesem Zeitpunkt ein kleines Mädchen gewesen sein muss. Was interessiert mich, mit welchen Puppen sie früher spielte.

»Klingt nicht interessant für mich, aber danke«, lehne ich höflich ab.

»Wer war das?«, erkundigt Ajhan sich und hebt interessiert die Augenbraue, als ich wiederkomme.

»Nichts Wichtiges. Ich wollte nur ein paar Infos von Big Boss.« Sofort erhalte ich die Aufmerksamkeit von allen.

War ja klar, da kann ich noch so gelangweilt klingen. Ich nehme die Dienste von Big Boss nur äußerst selten in Anspruch. »Na gut.« Es macht keinen Sinn, sie abwimmeln zu wollen. Meine Jungs kennen mich zu gut und ich will sie nicht anlügen. Also erzähle ich ihnen alle relevanten Hintergrundinfos über Anna. Das Jaque für sie den Bodyguard spielte, gehört allerdings ebenso wenig dazu wie meine verirrten Gefühle. Im besten Fall gehen sie davon aus, dass ich mich nur nach ihr erkundige, um Jens eins auszuwischen. Der dreht durch, wenn er mich mit ihr sieht. Meine Mundwinkel zucken belustigt bei dem Gedanken daran.

»Krass, ein verwöhntes Prinzesschen.« Ajhan leckt sich über die Lippen. »Mal was Neues.«

»Vergiss es«, widerspreche ich energisch. »Sie ist für mich reserviert. Kapiert?«

»Geht klar – wie du meinst.« Er zuckt mit den Schultern. Die anderen nicken zustimmend. Ich setze mich Mehmet gegenüber und sein Was-zur-Hölle-Gesichtsausdruck entgeht mir nicht, aber ich bedeute ihm, dass ich es später erklären werde.

ANNA

Ich renne eine gefühlte Ewigkeit durch die Stadt und setze mich den verwunderten Blicken der Passanten aus, bevor ich endlich einen klaren Gedanken fasse und Moni anrufe. Zum Glück befindet sie sich inzwischen zu Hause. Ich steige am Hansaring in die S6, die zeitgleich mit mir die Bahnhaltestelle erreicht und fahre direkt zu ihr.

»Scheiße, wie siehst du aus?«, flüstert Moni, während sie mich in ihre Arme zieht.

»Lange Geschichte.« Ich seufze und folge ihr durch den Flur in ihr Zimmer. Es ist etwa doppelt so groß wie meines und in dunklen Farben eingerichtet. Wir nehmen auf dem bordeauxroten Zweiersofa Platz, auf dem ich schon etliche Male übernachten durfte.

»Schieß los, ich will alles wissen«, fordert sie mich auf und hält mir eine Packung Nutella & Go! hin. Dazu kann selbst ich nicht Nein sagen, denn ich liebe das Zeug. Ich greife mir eine der Laugenstangen und tunke sie in die Haselnusscreme, bevor ich nach einem Bissen beginne zu erzählen.

»Anschließend bin ich abgehauen«, beende ich meine Schilderung und hebe erwartungsvoll den Kopf.

Moni sperrt den Mund auf wie ein Fisch auf dem Trockenen. Nach Worten suchend, schaut sie sich in ihrem Zimmer um. »Wahnsinn! Wer war dein Retter?«

»Nenn ihn nicht meinen Retter!« Genervt blase ich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

Ich erzähle ihr, dass diese Idioten mich wie einen Pingpongball durch die Gegend schubsen und mich dieser Mistkerl danach auch noch schlägt und alles, was sie interessiert, dreht sich um Mr. OMG?

Scheiße! Obwohl ich ihn nur am Rande erwähnte, weiß Moni genau, dass ich selbst in den letzten Stunden mehr Gedanken an ihn als an das Nazipack verschwendet habe. Ich muss damit aufhören, an ihn zu denken, denn ich brauche nicht noch mehr Drama in meinem Leben. Doch genau das bedeutet der Kerl.

»Er heißt Karim.« Alleine beim Klang seines Namens verziehen sich meine Mundwinkel zu einem dümmlichen Grinsen. Ich fahre mir mit der Hand über das Gesicht, als könnte ich dadurch die aufkommenden Gefühle abwischen. Schlag ihn dir aus dem Kopf.

»Karim?« Sie überlegt einen Moment, ehe sie überrascht fortfährt: »Nicht der Panther, oder?«

»Keine Ahnung, ich kenne den Panther nicht mal vom Sehen. Außerdem juckt es mich nicht«, winke ich ab. Es spielt keine Rolle, denn ich darf ihm so oder so keinen Platz in meinem Leben geben.

»Von wegen, Baby. Es interessiert dich. Du hättest dein Gesicht sehen sollen, als du von ihm geredet hast.« Sie lacht dreckig und gibt mir einen überschwänglichen Stoß. Ihre Euphorie steckt an.

»Na ja, vielleicht ein bisschen.« Ich gestatte mir einen Moment lang den Gedanken, dass es schön wäre, ihn wiederzutreffen. Schließlich kehre ich zurück in die Realität.

»Aber es geht nicht. Heinz bereitet mir mehr als genug Probleme und irgendwas sagt mir, dass Jens nicht so schnell aufgibt. Das reicht mir an Drama«, spreche ich mehr zu mir selbst als zu ihr.

Moni mustert mich. Glücklicherweise merkt sie, dass es keinen Sinn macht, mich vom Gegenteil zu überzeugen. »Wie du meinst. Auf jeden Fall solltest du dich schminken, bevor du nach Hause gehst, wenn du nicht riskieren willst, dass deine Mum nervige Fragen stellt. Mit deinen Lippen machst du Gina Lisa Konkurrenz.«

»Echt, so geschwollen?« Ich taste sie auf dem Weg ins Bad ab. »Nichts, was ein bisschen Make-up nicht wieder hinkriegt«, beruhige ich mein Spiegelbild und wünschte, jedes Problem wäre so einfach zu lösen.

Ich verabschiede mich von Moni und begebe mich auf den Heimweg. Nach einem kurzen Gruß an die Nachbarin folge ich ihr durch das Treppenhaus. Vor unserer Wohnung angekommen, schließe ich die Tür auf. Öffnen muss ich sie nicht, denn das übernimmt meine Mutter, die mich offenbar sehnsüchtig erwartet.

»Anna, endlich.« Erleichtert schließt sie mich in ihre Arme und drückt mich an sich. »Ich habe mir solche Sorgen gemacht.«

»Was? Warum?«, frage ich verwundert. Schließlich fahre ich oft nach den Hausaufgaben in die Stadt oder besuche Moni.

»Heinz hat mir gesagt, du bist wortlos an ihm vorbei aus der Wohnung gestürmt. Ist was passiert? Mit Moni?«

Wütend schaue ich zu Heinz, der ein paar Schritte hinter meiner Mutter steht und mir triumphierend mit der Bierflasche zuprostet. »Nein, alles okay. Wirklich, Mum, ich wollte nur ein bisschen das tolle Wetter genießen und mir ein paar Klamotten kaufen«, beruhige ich sie. Bei dem Gedanken an meinen Kaufrausch muss ich grinsen. Als das Bargeld ausging, habe ich einfach meine EC-Karte benutzt. Auf Jens und seine Freunde hätte ich allerdings gerne verzichtet. Schnell verdränge ich den Gedanken an die Idioten.

»Na dann. Hübsch siehst du aus.« Sie streicht mir über die Schulter, bevor ihr Blick auf meine Taille fällt. »Du hast allerdings wieder abgenommen, oder?«

Statt zu mir, dreht sie sich zu ihrem Lebensgefährten. Was zum Teufel? Warum schaust du ihn an, wenn du mich fragst?

»Ein paar Pfunde mehr an den richtigen Stellen würden nicht schaden«, antwortet er. Seine Augen scheinen mich förmlich auszuziehen. Was kann ich dafür, dass deine Kurven mich so geil machen? Wie ein Windhauch fliegen Heinz‘ Worte durch meine Gedanken. Genau das sagte er, nachdem er das erste Mal zu mir ins Bett stieg. Ich merke, wie mir ein kalter Schauer über den Rücken läuft und bekomme Gänsehaut.

»Mach dir keinen Kopf, Mum«, beschwichtige ich sie und verschwinde schnell in meinem Zimmer. Zumindest versuche ich es.

»Anna, warte mal.« Meine Mutter greift nach meinem Unterarm und hält mich davon ab, an ihr und Heinz vorbei zu gehen. »Du solltest wirklich was essen.« Sie sieht mich eindringlich an. »Jetzt.«

»Ich habe mir eben zwei Cheeseburger reingezogen.« Genervt seufze ich auf und klinge anscheinend überzeugender als vorhin, denn sie schluckt meine Lüge.

»Na gut, aber setz dich wenigstens noch zu uns ins Wohnzimmer. Wir haben kaum noch Zeit, in Ruhe miteinander zu reden.« Reden? Worüber? Du glaubst mir sowieso kein Wort von dem, was ich dir erzähle. Für bla, bla, bla verschwende ich nicht meine Zeit.

»Sorry, Mum«, lehne ich ab und gähne herzhaft. Es klappt. Sie wünscht mir eine gute Nacht und ich gehe ins Bad, um mir die Zähne zu putzen.

Wenig später betrete ich ungestört mein Zimmer. Die beiden sitzen vor dem Fernseher und unterhalten sich leise über irgendwas. Ich ziehe mir meinen Pyjama an und nehme mein Handy mit ins Bett. Fast halb zwölf. Eigentlich fühle ich mich müde, aber wie so oft gelingt es mir nicht zu schlafen. Während Rihanna von Diamonds singt, muss ich immer wieder an die vollen Lippen von Karim denken. Der Typ geht mir nicht aus dem Kopf und mein Herz fängt an zu rasen. So etwas ist mir noch nie passiert.

Natürlich gab es in der Vergangenheit den ein oder anderen Kerl, den ich toll fand. Ich habe sogar schon mit einigen rumgeknutscht. Allerdings nicht mehr, seit Heinz sich das erste Mal zu mir ins Bett legte. Nein, seitdem interessiere ich mich nicht mehr für Männer. Wie heißt es so schön in meinen Büchern: beschädigte Ware. Ich kann es drehen und wenden, wie ich möchte, das Ergebnis bleibt immer gleich. Ich bin beschädigt und mein Leben ein ständiger Kampf. Gefühle wie Liebe kann ich nicht gebrauchen. Eine Beziehung erst recht nicht. Vor allem, wenn es sich bei Karim wirklich um den Panther, diesen Playboy, handelt. Ruckartig schüttle ich meinen Kopf und spüre den Kloß in meinem Hals.

Scheiße, was mache ich hier?

Ich balle meine Hände zu Fäusten und kralle mir meine Fingernägel ins Fleisch. Der Schmerz bringt mich endgültig zurück in die Realität.

Vorsichtig nehme ich die Stöpsel aus den Ohren, lege mein Smartphone auf den Nachttisch und schließe meine Augen. Das Letzte, was ich wahrnehme, ist mein knurrender Magen, bevor ich endlich in einen unruhigen Schlaf falle.

KARIM

Ich verabschiede mich vor dem Bahnhof von Ajhan, Merhan und Abdul und fahre mit Mehmet in unsere Wohnung nach Köln-Mülheim. Er schafft es tatsächlich, mit seinem Verhör zu warten, bis wir in unserem großen Wohnzimmer stehen. »Also, was geht in deinem Köpfchen vor?« Mehmet tippt mir an die Stirn. Würde das ein anderer machen, hätte er sofort meine Faust im Gesicht, aber Mehmet und ich wohnen nicht nur zusammen. Wir sind wie Brüder und so umschließe ich grinsend seinen Zeigefinger mit meiner Hand, bevor ich ihn von mir stoße.

»Keine Ahnung. Echt, sie flasht mich sowas von.«

Mehmet betrachtet mich skeptisch, bevor er anfängt, lauthals zu lachen und sich auf die Schenkel klopft: »Krass, dass ich das mal erlebe. Die Kleine schafft es, dich zu beeindrucken.«

»Was für ein Scheiß«. Das gelang noch keiner. Frauen bedeuten Spaß und eine nette Abwechslung von der Arbeit und das reicht mir.

Schnaubend werfe ich mich auf unsere Couchlounge.

»Zugegeben, sie sah nicht schlecht aus. Ein bisschen zu wenig auf den Rippen für meinen Geschmack und viel zu klein.« Mehmet verschwindet in der offenen Küche und holt zwei Corona aus dem Kühlschrank. »Jetzt mal Klartext. Hübsche Frauen gibt‘s wie Sand am Meer und denen steht nicht fett Probleme auf der Stirn geschrieben.«

Jetzt muss ich lachen. Nicht nur, dass Jens sie für sich beansprucht, auch Mehmet glaubt, dass diese Frau Geheimnisse hinter ihrer Fassade versteckt. »Vielleicht hast du recht«, überlege ich. »Trotzdem muss ich sie wiedersehen. Ich will wissen, ob sie wie all die anderen Blondchen mit ihren Fick-mich-Blicken ist.« Sie wäre nicht die Erste, die auf schüchtern macht, nur um von mir gefickt zu werden.

»Von mir aus. Ich bin dabei.« Meinen Bro scheint der Gedanke zu amüsieren, aber nicht weiter zu beschäftigen. Stattdessen greift er zur Fernbedienung und wechselt den Kanal.

»Lass sie aus.« Ich deute auf die Playstation. »Ich muss morgen früh raus. Trainieren und was für Big Boss erledigen.«

»Du. Ich aber nicht.« Mit einem schadenfrohen Grinsen schnappt sich Mehmet den Controller. Ich schaue ihm ein paar Minuten beim Zocken zu, bevor ich mich verabschiede. Statt zu pennen, muss ich wieder an sie denken.

Klein? Mehmet hat sie nicht mehr alle. Anna ist auf jeden Fall kein Standgebläse. Dazu diese langen, blond gelockten Haare. Ich fühle, wie mich der Gedanke an sie anmacht und beschließe, eine kalte Dusche zu nehmen.

Mit dem festen Vorsatz, sie wiederzusehen, nur um sie dann als eine von vielen abzuhaken, schlafe ich anschließend ein. Allerdings verfolgt mich ihr Gesicht selbst im Traum.

– 3 –

ANNA

Bitte, tu das nicht!«, flehe ich Heinz an.

»Was, das hier?« Er greift fordernd zwischen meine Oberschenkel. Ich spüre seinen schweren Körper an meinem Rücken.

»Bitte ...«, flehe ich und bringe nur ein Flüstern hervor. Statt aufzuhören, wird er fordernder.

»Ja, genau so mag ich’s, Kleine.« Sein Finger schiebt sich nach oben, versucht gewaltsam in mich einzudringen. »Du geiles Luder. Ich weiß, dass du es willst. Du bist mein deutsches Mädchen.«

Jetzt handelt es sich nicht mehr um Heinz, der hinter mir liegt. Diese Stimme gehört eindeutig Jens.

»Nein! Nein! Nein!«, schreie ich panisch und reiße die Augen auf.

Ich liege in meinem Zimmer und rieche meinen Angstschweiß.

Bevor ich begreife, dass das alles nur ein Traum war, stürmt meine Mutter durch die Tür. »Anna, Schätzchen! Alles in Ordnung?«

»J... j... ja«, stottere ich und versteife mich, als Heinz hinter ihr auftaucht. Glücklicherweise bleibt er mit verschränkten Armen im Türrahmen stehen. Ich atme tief durch und versuche, mir meinen Schock nicht anmerken zu lassen. »Nur ein schlechter Traum, aber jetzt geht es wieder. Schlaf ruhig weiter.«

»Du auch.« Nachdenklich mustert sie mich. »Jetzt träumst du was Schönes.«

Als könnte ich das beeinflussen ...

»Danke«, entgegne ich und drehe mich um. Plötzlich scheint meiner Mutter etwas einzufallen, denn statt der zufallenden Tür höre ich, wie sie näher tritt. Als ich mich ihr zuwende, beugt sie sich zu mir herunter und gibt mir einen Kuss auf die Stirn.

»Happy Birthday, meine Große!« Sie lächelt stolz, während ihre Hand auf meiner Wange ruht.

Stimmt ja, ich habe Geburtstag. Wie heißt es so schön: Was man in der Nacht davor träumt, geht in Erfüllung. Nur gut, dass ich an so einen Schwachsinn nicht glaube.

An Schlaf denke ich trotzdem nicht mehr. Dabei zeigt die Uhr erst kurz vor fünf Uhr. Ich öffne auf dem Handy meine Kindle App und suche nach einem Buch, um mich abzulenken, aber keines weckt mein Interesse.

Eine Stunde später beschließe ich, dass es keinen Sinn macht. Also ziehe ich meine Laufklamotten an und schnappe mir mein Handy samt Kopfhörer. Leise verlasse ich das Haus und trete auf den Gehweg.

Die Straßenlaternen leuchten schwach in der Dämmerung. Ich beginne zu joggen und dank des Beats in meinen Ohren finde ich schnell meinen Laufrhythmus. Ohne darüber nachzudenken, wo ich hinwill, laufe ich immer weiter. So lange, bis ich jeden Muskel spüre. Ich konzentriere mich auf meine schmerzenden Waden und versuche, den Albtraum hinter mir zu lassen.

KARIM

Als ich in meinen Eclipse steige, lautet mein Ziel das Salto. Doch statt vor der großen Halle zu parken, fahre ich daran vorbei Richtung Nippes. Was zum Teufel mache ich hier eigentlich um diese Uhrzeit? Noch bevor ich wenden kann, sehe ich Anna neben einem der Bäume vor dem Louisenpark stehen. Abrupt gehe ich vom Gas.

Sie darf mich auf gar keinen Fall entdecken. Verdammt, nachher denkt sie, ich stalke sie.

Sie trägt eine schwarze Nikehose und ein enges Oberteil. Sportlich, sportlich, wer quält sich freiwillig so früh aus dem Bett? Es ist sieben Uhr und Anna sieht nicht so aus, als ob sie gerade erst mit dem Training beginnt. Die vom Sport feuchten Haare fallen ihr ins Gesicht, während sie sich dehnt. Als sie den Kopf hebt und ihre Haare zu einem Zopf bindet, beschließe ich, schnell abzuhauen.

Anna sieht erschöpft aus und müde – richtig müde! Warum interessiert mich das? Ich schüttle den Kopf, um die Gedanken an sie zu verdrängen und fahre zum Salto.

»Ach ne, der verlorene Sohn.« Paulchen, mein Boxtrainer, schenkt mir einen gutmütigen Blick, bevor sich seine Miene verdüstert. »Ich warte seit einer Stunde auf dich. Wo zum Henker hast du gesteckt?«

»Hier und da«, antworte ich mit einem Schulterzucken und gehe in die Umkleide. Es tut gut, ihn zu sehen. Er ist ein väterlicher Freund, obwohl er meinen Vater nicht ersetzt. Ohne ihn und Nina hätte ich damals, nach dem Ausstoß aus meiner Familie, nicht überlebt.

Natürlich bleibt meine Verspätung nicht ungestraft. Paulchen gibt sich alle Mühe, mich zu quälen. Anfangs beim Krafttraining, anschließend im Ring. Mein Sparringspartner gehört nicht in meine Gewichtsklasse. Ich lege all meine Wut auf Jens und die Tatsache, dass er Anna geschlagen hat, in jeden Angriff. Zugegeben, Tanner befindet sich weit von einem K. o. entfernt, aber er schafft es genauso wenig, mich in die Seile zu schicken.

Paulchen nickt zufrieden. »Na ja, wenigstens ist dein Kopf klar.«

Nach dem Training nehme ich eine Dusche und mache mich auf zu Big Boss.

Mit einem Nicken begrüße ich Julian, der vor dem Eingang steht und auf irgendwas wartet, bevor ich die Bar betrete. Außer Molly, die hinter der Theke mit den Sektflaschen hantiert, befindet sich keiner im Gästebereich.

»Bisschen früh zum Feiern, oder?«, rufe ich ihr gut gelaunt zu und erhalte sofort ihre Aufmerksamkeit.

»Du kennst mich, Panther.« Sie zwinkert mir auffordernd zu. »Mit dir würde ich sofort anstoßen.«

Ich schüttle lachend über ihren Kommentar den Kopf. »Nicht nur du, aber ich muss dich enttäuschen. Die Arbeit ruft.«

Sylvain öffnet mir wortlos die Tür zum Privatbereich und ich gehe zielstrebig über den schmalen Flur ins Büro von Big Boss.

»Na, Romeo, was macht Julia?«, begrüßt er mich scherzend und stemmt sich mit den Händen auf den Armlehnen seines barocken Lederstuhls auf.

Am liebsten will ich ihm ein »Fick dich« an den Kopf werfen, aber natürlich mache ich das nicht. Big Boss ist einer – nein, der einzige Boss der Unterwelt. Er führt eine Securityfirma, die Sicherheitskräfte für Diskotheken und Privatpersonen beschäftigt, aber das macht nur einen Bruchteil seines Imperiums aus. Bei fast allem Illegalen in Deutschland befinden sich seine Finger im Spiel. Es würde mich nicht wundern, wenn selbst Menschenhandel zu seinen Geschäften zählen würde. Das ist allerdings absolut nicht mein Ding. Ich sorge dafür, sein Geld wiederzubeschaffen und transportiere Ware von A nach B. Was sich in den Päckchen oder Umschlägen befindet, weiß ich nicht, und das ist gut so.

»Was kann ich für dich tun?«, frage ich und bleibe vor dem antiken Schreibtisch stehen, während er den mahagonifarbenen Schrank dahinter öffnet. Er überreicht mir ein kleines Paket und zeigt auf einen Zettel. »Das muss an diese Adresse.«

»Kein Thema. Ich meld mich.« Mit der Ware in der Hand verabschiede ich mich von ihm und beeile mich, in meinen Eclipse zu steigen.

Während ich mit meinem Wagen auf die Autobahn Richtung Bochum fahre, überlege ich, was Anna jetzt macht.

Ob sie so häufig an mich denkt wie ich an sie?

»Pussy!«, rufe ich laut aus und betrachte mich im Spiegel, bevor ich sie aus meinen Gedanken verscheuche. Statt meine Zeit mit Träumereien zu verschwenden, gebe ich Vollgas.

ANNA

»Du siehst scheiße aus«, begrüßt mich Moni, als ich viel zu spät den vollen Schulhof betrete. Ich liebe ihre Ehrlichkeit und obwohl sich ein kleiner Teil von mir wünscht, sie könnte nicht hinter meine Maske blicken, weil ich sie vor meinen Dramen schützen möchte, gibt es mir ein gutes Gefühl, dass es ihr gelingt. Zumindest meistens. Moni ist die Einzige, die mich versteht. Dabei führt sie ein komplett anderes Leben als ich. Ihre Eltern sind glücklich verheiratet und verbringen viel Zeit mit ihr. Gott sei Dank muss sie nicht gegen dieselben Dämonen kämpfen wie ich.

»Danke für das Kompliment«, entgegne ich sarkastisch und schenke ihr ein gespielt gequältes Lachen.

Sie mustert mich trotzdem eindringlich. »War er wieder da?«, fragt sie so leise, dass ich die Worte kaum verstehe. Zumal die beiden Tussen neben mir wie zwei Hühner über irgendwas gackern.

Ich schüttle den Kopf. »Ich habe schlecht geträumt und war anschließend im Louisenpark laufen.«

Gut, dass ich wenigstens noch eine Magnesiumtablette gefunden habe. Warum musste ich auch so schnell und weit joggen?

»Oh Mann, Anna, hast du wenigstens was gefrühstückt?« Moni hält mir ein Schokobrötchen hin, da sie die Antwort schon zu kennen scheint.

»Ein bisschen Obst, aber danke fürs Angebot.« Ich schenke ihr mein Mir-geht‘s-gut-Lächeln, ohne nach dem Brötchen zu greifen. Moni erwidert es vorsichtig und zieht eine Schachtel aus ihrem Rucksack.

»Hier, für dich, Süße. Alles Liebe zum Geburtstag«, wünscht sie und drückt mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Behutsam öffne ich die Box.

»Echt jetzt? Du bist verrückt.« Ich starre glücklich auf den Charm für mein Bettelarmband. Es handelt sich um eine Rennflagge in Anspielung auf Colton, den Helden der Driven-Bücher.

»Danke. Sie sieht wunderschön aus.« Ehrfürchtig befestige ich den Anhänger an dem Silberband und gebe Moni ein Küsschen.

Es gongt und wir gehen gemeinsam Richtung Eingang. In der großen Halle vor den Treppen treffen wir auf Tanja und Jasmin. »Hey Mädels, ich hab Teletubbies für Samstag klargemacht!« Tanja strahlt wie ein Honigkuchenpferd und begrüßt uns mit einer flüchtigen Umarmung.

»Geht das noch lauter?«, schimpft Jasmin. Sofort schaut sie sich um, aber glücklicherweise scheint keiner Tanjas Worte gehört zu haben. Während wir noch immer vor den Treppenstufen stehen, geht es um uns herum zu wie auf einem Ameisenhaufen. Die einen beeilen sich, in eines der oberen Stockwerke zu gelangen, während andere in den Klassenräumen direkt im Erdgeschoss verschwinden. Ich hebe nur den Daumen, denn eigentlich möchte ich am liebsten schlafen.

»Ein bisschen mehr Begeisterung, meine Damen.« Enttäuscht sieht Tanja uns nacheinander an, hält sich aber den Zeigefinger vor den Mund, als Moni zum Sprechen ansetzt. Ebenso wie Jasmin scheint sie meinen Geburtstag vergessen zu haben. Ich weise sie nicht darauf hin, denn es kommt mir gelegen. Seitdem unsere Familie auseinanderbrach, hasse ich es, ihn zu feiern.

Je weniger Gratulationen, desto besser.

»Gehen wir Samstag ins Unique?«

»Klar, wohin sonst?«, bestätige ich, ohne zu zögern. Natürlich gibt es in Köln viele gute Clubs, aber Moni und ich betrachten an den Samstagen das Unique als unser zweites Zuhause.

Selbst als wir im Klassenzimmer sitzen, muss ich noch an das Unique denken. Es befindet sich in der Nähe vom Friesenplatz und wurde modern eingerichtet – zwar nicht wie die Schickeria Clubs, aber trotzdem edel. Die Tatsache, dass das Innere nur wenig Platz bietet, verleiht ihm Exklusivität. Der DJ ist der Hammer. Nizar spielt den perfekten Mix aus alter und neuer Black Music. Es gab sogar schon Anfragen aus dem Ausland, aber er hält dem Unique die Treue und legt jeden Samstag dort auf. In der Szene gilt er als Star. Vermutlich ist die Security auch aus diesem Grund sehr streng, denn sie lassen nicht jeden rein, erst recht keine Minderjährigen. Ich frage mich immer noch, warum einer der Türsteher uns bei unserem ersten Besuch aus der Schlange gezogen und direkt zum Eingang gebeten hat. Wir mussten unsere Ausweise zeigen und ich behaupte mit Sicherheit, ihm fiel auf, dass es sich um gefälschte handelte. Sein Mundwinkel zuckte einen Sekundenbruchteil, bevor er mich ein zweites Mal ansah und das Absperrband öffnete. Seit diesem Tag vor knapp zwei Jahren feiern wir fast jeden Samstag dort und müssen nicht in der endlosen Schlange stehen, sondern können direkt zum Eingang vorgehen. Jaque, den Türsteher, der uns beim ersten Mal reinließ, duzen wir inzwischen.

Die Stimme unserer Geschichtslehrerin reißt mich aus meinen Wochenendgedanken, und ich bemühe mich dem Unterricht zu folgen. Am Ende weiß ich nicht, wie ich es geschafft habe, diesen Schultag zu überstehen. Ich möchte nur noch nach Hause. Gemeinsam mit einigen anderen Schülern verlasse ich, mit Moni, Tanja und Jasmin im Schlepptau, den Schulhof. Wir kürzen den Weg ab und gehen über den Rasen die geringe Steigung Richtung Straße, statt den geteerten Weg zu nehmen. Schon von Weitem sehe ich den hässlichen BMW am Straßenrand parken.

»Moni, da steht Jens«, zische ich. Sie greift sofort nach meiner Hand. »Nein, schon gut.« Ich entziehe sie ihr, obwohl sie mir Sicherheit gibt. Er soll nicht auf den Gedanken kommen, dass ich mich von ihm verunsichern lasse.

»Was, bitte, hast du auf einmal mit so einem Arsch zu tun?« Ungläubig bleibt Tanjas Mund offen stehen. Selbst Jasmins Neugierde wecke ich mit meinen Worten und sie steckt das Smartphone weg. Dabei wollte sie vorhin unbedingt, dass wir uns leiser unterhalten, damit sie hört, was Justin Bieber auf YouTube labert.

Ich entscheide mich dazu, Tanja und Jasmin die Geschichte teilweise zu erzählen: »Wir sind uns gestern am Neumarkt begegnet. Er erkannte mich wieder und anscheinend lebt er in einer Welt, in der wir eine Beziehung führen. Ich habe versucht, ihm klarzumachen, dass das auf keinen Fall den Tatsachen entspricht. Es endete damit, dass ich ihm eine Ohrfeige verpasste. Er schlug mit der Faust zurück.«

»Er hat was?« Tanja hält einen Moment inne und ballt die rechte Hand zur Faust.

»Hey, ich bestehe nicht aus Zucker. Ich komme damit klar und kann mich wehren«, erkläre ich lapidar.

»Dieser kranke Typ! Pass auf, dass er dir nicht zu nahe kommt.« Kopfschüttelnd schaut Jasmin in seine Richtung und stellt fest, was wir ohnehin sehen. »Sie sind zu fünft. Markus, der Typ mit der Narbe neben Jens, provoziert Linke, wann immer er die Möglichkeit dazu erhält und macht auch keinen Unterschied zwischen Frau und Mann. Alle, die seiner Ideologie nicht folgen, sind für ihn nichts wert.«