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"Natürlich würde er es schaffen. Er würde nicht sterben. Das passte nämlich nicht in mein Konzept. Ich würde in sein dämliches Kaff mit ihm ziehen und ihn für zwei Monate an irgendeine olle Amazone verleihen, aber anschließend würde er zu mir zurückkommen. Lebendig und frohen Herzens. Und dann hörte ich sie auf einmal: Eine, zwei, drei dumpfe, erderschütternde Explosionen …" Der mysteriöse Schattenorden scheint endgültig besiegt - bis Ainia klar wird, dass sie es mit weitaus mächtigeren Gegnern zu tun haben, als sie bisher vermutet hatten. Eine Katastrophe droht über Citey hereinzubrechen und alle zu verschlingen, die Ainia am Herzen liegen. Bald muss sich Ainia nicht nur zwischen dem Clanmann Cesare und einer lang verloren geglaubten Liebe entscheiden, sondern auch, ob sie ihre Stadt retten möchte - oder sich selbst.
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Seitenzahl: 367
Veröffentlichungsjahr: 2019
DANI AQUITAINE
Band 4
Ein Themiskyra-Roman
AUFGEPASST:
Ein Glossar mit Begriffserklärungen befindet sich am Ende des Buches. Beim Herumblättern bitte unbedingt vermeiden, Seite 251 vorab zu lesen: Spoilergefahr!
WEITERE BÄNDE DIESER REIHE:
Ainias Geheimnis (Band 1)
Ainias Rache (Band 2)
Ainias Schweigen (Band 3)
WEITERE THEMISKYRA-ROMANE:
Themiskyra – DIE BEGEGNUNG (Band 1)
Themiskyra– DAS VERSPRECHEN (Band 2)
Themiskyra– DIE SUCHE (Band 3)
Finger weg! Pollys Aufzeichnungen
© 2019 Dani Aquitaine
Umschlaggestaltung: Dani Aquitaine
Verwendetes Bildmaterial:
Amazone: © Coka, Fotolia
Faltenwurf: © inarik, Fotolia
Goldbogen: © vik_y, Fotolia
Schwert: © Paul Fleet, 123rf.com
Floraler Hintergrund: © mohaafterdark, DeviantArt
Verwendete Schriften:
Liberation Serif unter der SIL Open Font License
La Portenia de la Boca by Diego Giaccone, Angel Koziupa & digitized by Alejandro Paul
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7469-5972-6
Hardcover:
978-3-7469-5973-3
e-Book:
978-3-7469-5974-0
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
KAPITEL 1
Auf der dreitägigen Reise in die Amazonenstadt stand das Kopfkino nie still. Die möglichen Szenarien reichten von: Nia wird bereits einige Kilometer vor Themiskyra von einem Pfeil durchbohrt, weil sie unerlaubt Amazonengebiet betreten hat, bis: Themiskyra wurde doch noch vom Verfall in die Knie gezwungen; marodierende Banden haben die Stadt inzwischen dem Erdboden gleichgemacht und alle Amazonen getötet.
Es war ungewohnt für mich, wieder so viel in der Natur unterwegs zu sein, die gerade aus dem Winterschlaf zu erwachen schien. Die Nächte wurden lauer, die Tage länger, die Vögel lauter, endlich spross wieder zartes Grün auf Bäumen und in den Büschen, die meinen Weg säumten. Ich orientierte mich an präapokalyptischen Straßenschildern und mithilfe der alten Lektionen, die mir Jacintha im Unterricht beigebracht hatte. Außerdem hatte mir Verne, mein rastahaariger, Schlaghosen tragender, herzensguter Chef sein wertvollstes Kleinod, einen alten Kompass geliehen. Ich schlief im Zelt, wusch mich in bitterkalten Bächen und Seen, wärmte mir von Chiara vorgekochtes Essen über dem Feuer auf. Wenn mir jemand begegnete, verkroch ich mich, bevor ich gesehen wurde, denn ich hatte keine Zeit, Konflikte auszutragen. Und nach drei Tagen sah ich in der Ferne Themiskyras hohe Schlote hinter ein paar bewaldeten Hügeln auftauchen. In dieser Nacht hatte ich kein Lager aufgeschlagen, sondern war weitergeritten, weil ich wusste, dass die Stadt nah war. Und doch nahm mir ihre Präsenz nun den Atem. Frühes Licht ließ den Nebel golden schimmern, der auf den Weiden um das ehemalige Kraftwerk stand, Tautropfen glitzerten an langen Grashalmen und verschwammen. Mein Herz klopfte zum Zerspringen, als ich Chiimori, meinen treuen Fuchshengst, mit zitternden Händen anhielt. Ich war nicht erschossen worden, und Themiskyra stand noch. Und doch spielte ein Teil von mir mit dem Gedanken, nur so schnell wie möglich wieder das Weite zu suchen. Denn jetzt, als ich die drei Türme in der Morgensonne sah, wurde mir klar, wie sehr ich die Amazonenstadt vermisst hatte. Und wie sehr ich den Hass der anderen fürchtete und dass sie mir nie verzeihen würden, was ich ihnen und Themiskyra und den Clans angetan hatte.
Bitte, flüsterte Louis in meinen Gedanken, bittebittebitte.
Also würgte ich den Kloß in meiner Kehle mit einem großen Schluck aus meiner Wasserflasche hinunter und sammelte in einem Atemzug meinen ganzen Mut. Dann lenkte ich mein Aspa weiter und schließlich den Kiesweg entlang, bis ich vor dem Tor zum Stehen kam, vor dem meine alte Taekwondo-Lehrerin Tianyu und eine unbekannte Amazone als Wachen postiert waren.
„Ich muss zu Atalante. Ich habe wichtige Nachrichten“, sagte ich mit fester Stimme.
„Guten Morgen“, grüßte die fußkräftige Tianyu mit Vorwurf in der Stimme. Sie war mittlerweile runzelig wie eine Rosine, ihre Haltung jedoch trotz ihres Alters kerzengerade und von einer natürlichen Anspannung, die mich vermuten ließ, dass sie jederzeit wie eine Feder losschnellen und ihre Gegner mit ein paar unangestrengten Handgriffen außer Gefecht setzen konnte. Ich wollte es nicht darauf ankommen lassen, deswegen fügte ich augenrollend hinzu:
„Guten Morgen.“ Als ob übertriebene Höflichkeiten jetzt eine Rolle spielten.
Sie kniff die Augen zusammen. „Wer bist du? Ich kenne dich.“
„Nia“, antwortete ich. „Ainia. Die mit dem Riesendiamanten und der geklauten Tasche voller Geld und der Steuerfahndung und dem verhunzten Yazama.“
„Ach ja“, erwiderte Tianyu und nickte langsam. „Richtig. Du bist verbannt.“
„Ich weiß. Aber ich habe eine Botschaft für die Unbeugsame.“
„Von wem?“
„Von der mondflügligen Aella.“
Die beiden Wächterinnen sahen sich mit großen Augen an. Und dann ging alles ganz schnell. Eine löste den Alarm aus, die andere öffnete das Tor. Und binnen weniger Sekunden stand ich mit Chiimori am Zügel mitten auf dem Hof vor der Kardia und sah mich von zig aufgeregten Amazonen umringt, die mich, meist noch im Schlafanzug, mit Fragen und Ausrufen bestürmten, während die Sirene heulte.
„Du hast Nerven, hier aufzutauchen!“
„Welches Unheil willst du diesmal anrichten?“
„Was hast du hier zu suchen?!“
„Du bringst Nachricht von Ell?“
„Was ist mit der Mondflügligen?“
„Ist sie wohlauf?“
„Kehrt sie bald zurück?“
Diskretion und Überforderung verboten mir zu antworten. Es überraschte mich schon ein bisschen, dass Ell so vermisst wurde, obwohl sie einfach mit dem ihr zugeteilten Clanmann aus dem Sommerhaus verschwunden war. Zu meiner Zeit wäre ein solches Verhalten mit Verachtung und Verbannung geahndet worden. Aber bitte.
Plötzlich verstummte die Menge und teilte sich – und mir wurde schlagartig bewusst, dass ich mich zu keiner Sekunde ernsthaft vor der Reaktion meinen früheren Schwestern gefürchtet hatte, sondern einzig und allein vor ihr. Die hochgewachsene, dunkelhäutige Frau, der die anderen respektvoll Platz machten, maß mich mit versteinerter Miene von Kopf bis Fuß. Ihr Blick zerrte unbarmherzig an allem, was ich war, was ich geworden war in den vergangenen Jahren, zupfte alles herunter, was meine Seele umhüllte, mein Erlebtes, mein Erlerntes, mein Erkämpftes und Erliebtes, bis nur noch mein elementares, schlagartig schwaches Ich übrigblieb, das sich viel zu fragil für eine Konfrontation anfühlte. Ich hatte verlernt, ihr zu trotzen … womöglich wollte ich es auch einfach nicht mehr. Für einen Moment schloss ich die Augen, um den ihren zu entfliehen und nach Stärke zu ringen, die ich in der drohenden Flut ihrer Vorwürfe sicherlich brauchen würde – da ließ mich ein Laut die Lider heben, der sich genauso zerbrechlich anhörte, wie ich mich fühlte. Ein herzzerreißender Laut, den ich noch nie zuvor gehört hatte, und ehe ich mich versah, schloss mich meine Mutter mit einem Schluchzen so fest in die Arme, dass ich kaum atmen konnte. „Ainia“, flüsterte sie in mein Ohr.
„Jacintha.“ Ich war froh, dass sie mich so drückte, denn sonst hätte ich vielleicht auch Luft zum Weinen gehabt. So jedoch schluckte ich alle Tränen hinunter. Ich weinte grundsätzlich nicht, nicht einmal aus Freude darüber, dass meine Mutter mich anscheinend doch vermisst hatte.
Wir umarmten uns sehr lang, während uns die anderen still umringten. Und ich … erinnerte mich. Der Geruch, das Gefühl, die Geborgenheit, wenn ich sie nur zuließ – alles war wie damals, während der seltenen Besuche Jacinthas bei meiner Bisabuela, wenn die kleine Ainia von ihrer Mama zur Begrüßung geherzt und herumgewirbelt wurde.
„Du lebst.“
„Natürlich.“ Ich löste mich aus ihrer Umarmung. „Du hast mir doch gezeigt, wie das geht.“ Immerhin hatte sie die jungen Amazonen in Umwelt- und Naturkunde unterrichtet, und tat es noch, wenn ich Ell richtig verstanden hatte. Apropos Ell – „Ich muss zu Atalante. Dringend.“
Jacintha nickte. „Ich bringe dich zu ihr.“
Zu meiner Überraschung führte meine Mutter mich nicht zum Studierzimmer der Paiti, sondern zu den ebenfalls im obersten Stockwerk der Kardia gelegenen Tempelräumen.
„Ist sie jetzt eine Hiery?“, fragte ich verblüfft, als wir vor den mit Schnitzereien verzierten Flügeltüren stehenblieben.
„Sie hat sich vor einer Weile hierhin zurückgezogen“, präzisierte Jacintha und klopfte an. „Tetra hat solange das Ruder übernommen.“
„Ja?“, erklang Atalantes verwunderte Stimme. Die Hiery wurde normalerweise nicht gestört. Sie erhielt Nahrung und Kleidung durch eine Klappe in der Wand, stand sonst jedoch nicht in Kontakt mit den anderen Amazonen, damit sie sich ganz Artemis’ Huldigung hingeben konnte.
„Verzeih, dass wir dich bei deiner Andacht stören, Unbeugsame, aber Ainia ist zurück“, rief Jacintha. „Sie hat Nachricht von Aella.“
Es vergingen keine drei Sekunden, da wurden die Türen aufgerissen und Atalante stand vor uns, mit noch wehenden, dunklen Haaren und in ein langes, weißes Gewand gehüllt, das in der Taille von ihrem goldenen Gürtel zusammengehalten wurde.
„Was ist geschehen? Geht es ihr gut?“ Sie packte mich voller Unruhe an den Armen, und die Adlerfeder, die an einem Kettchen von ihrem Ohr herabhing, schien sich aufgeregt zu sträuben.
Ich nickte. „Sie ist wohlauf.“ Halbwegs.
„Kommt herein. Beide.“ Eilig machte sie eine einladende Geste; offenbar wollte sie Mutter und Tochter nicht gleich wieder voneinander trennen.
Jacintha schüttelte jedoch den Kopf. „Ich danke dir. Aber was ihr zu besprechen habt, geht mich nichts an. Außerdem muss ich mich um meine Schülerinnen kümmern, der Unterricht beginnt bald.“
Typisch, dachte ich verletzt, jede noch so kleine Pflicht ist wichtiger als ich, und jeder noch so kleine Vorwand ist recht, sich nicht mit mir abgeben zu müssen.
So war es immer gewesen. Meine Mutter hatte mich ihres Studiums wegen an meine Uroma abgeschoben, die mich aufgezogen hatte. Nach dem Tod meiner geliebten Bisabuela waren wir dann nach Themiskyra gekommen, wo sich Jacintha voller Elan der Ausbildung der jungen Amazonen gewidmet hatte – ich war nur eine von vielen gewesen. Wenn Padmini nicht gewesen wäre … Ich musste schlucken. Ich hatte sie noch nicht gesehen und würde auch alles tun, was in meiner Macht stand, um eine Begegnung zu verhindern.
Jacintha riss mich aus meinen düsteren Gedanken. „Kommst du danach gleich zu mir?“, bat sie mich.
Ich nickte, ein bisschen freudig, ein bisschen skeptisch. Nachdem Atalante die Türen hinter mir geschlossen hatte, sah ich mich um.
Wir befanden uns in einem großen, fensterlosen Raum mit weißem Marmorboden, auf dem viele Sitzkissen eine Art Altar und eine kupferne Feuerschale umgaben, aus der wohlriechender Rauch von verbrennenden Harzen aufstieg. Die Wände waren mit aufwendigen Mosaiken verziert, auf halbhohen Regalen voller Folianten standen einige massive Kerzenleuchter, die den Tempel in warmes, feierliches Licht tauchten.
Die Unbeugsame wies auf eines der Kissen und setzte sich auf ein benachbartes, während sie sich erkundigte: „Was ist geschehen?“
Ich spürte ihre Sorge, deshalb redete ich nicht lang um den heißen Brei herum.
„Ell ist in Citey“, berichtete ich und nahm Platz. „Sie hat sich mit ein paar üblen Mafia-Typen angelegt, dem sogenannten Schattenorden, da sie sich nicht von ihnen einschüchtern lassen wollte. Also wurde ein Exempel an ihr statuiert. Sie wurde entführt und tagelang in einem kleinen dunklen Raum unter der Erde festgehalten. Wir konnten sie befreien und sie ist gesund, aber wir kommen nicht an sie heran. Wir brauchen Polly, um auch ihre Seele zu befreien.“ Das klang arg esoterisch, aber ich wusste nicht, wie ich mich sonst ausdrücken sollte. Ich hatte wirklich das Gefühl, Ell steckte psychisch immer noch in ihrer Zelle fest.
Atalante war blass geworden. „Wer sind wir?“
„Die Arkadier, eine Gruppe Neristas, zu denen auch ich gehöre. Shirokko und seine Mannen, sowie ein Sonderkommando von Charondas’ Erben, den örtlichen Gesetzeshütern.“
Bei dem Wort Mannen verengten sich Atalantes Augen voll Misstrauen. „Was ist mit Cesare Saveri? Ist er bei ihr?“ Mein Herz trommelte los. Meine Chance, sich für seinen Clan einzusetzen. „Natürlich. Er kümmert sich aufopferungsbereit und hingebungsvoll um sie, und das nicht erst seit den tragischen Ereignissen. Ich kann mir keinen treueren und ehrenhafteren Gefährten für eine Amazone vorstellen als Ces.“
Atalante blickte mich mit einer hochgezogenen Augenbraue an. Ich hatte es offenbar übertrieben, doch da ich vom Inhalt meiner Worte überzeugt war, überzeugten sie wohl auch die Paiti.
„Dann ist sie in Sicherheit im Augenblick?“
„Ja, hundertprozentig.“
„Gut.“ Sie sprang auf und begann aufgewühlt hin- und herzutigern. Schließlich blieb sie mit grimmigem Gesicht vor mir stehen. „Polly bleibt im Schoße Themiskyras. Ich schicke ein paar andere Amazonen und lasse Ell zurückbringen.“ Das hatte ich befürchtet. Ich selbst hätte es vermutlich nicht anders entschieden als die Unbeugsame. Und doch war Atalantes Entscheidung eine Katastrophe. Ich dachte an Ell und was ich ihr schuldete, ich dachte an ihren Vater, der mir das Leben gerettet hatte, ich dachte an Louis, seine Verzweiflung und die Hoffnung, die er in mich gesetzt hatte. Es war nicht ratsam, der Paiti zu widersprechen, aber ich konnte nicht zulassen, dass sie alles zerstörte, wofür ihre Tochter so viele Monate gekämpft hatte. Genau das wollte ich ihr gerade erklären, da baute sich Atalante vor mir auf und fuhr ihre Ehrfurcht gebietende Aura hoch. Ich klappte meinen Mund erschrocken wieder zu. Die Paiti war nicht groß, aber sie hatte es ziemlich gut raus, einen klein zu machen.
„Und dir, Ainia, gewähre ich als Dank für deinen Einsatz Amnestie, was deine früheren Vergehen anbelangt“, beschied sie mir. „Deine Verbannung ist aufgehoben. Du darfst wieder Amazone in Themiskyra sein und bist als Tochter und Schwester herzlich willkommen, sofern du gewillt bist, künftig Artemis’ Gesetze wieder anzuerkennen.“
Mir blieb die Spucke weg. „Danke“, krächzte ich.
Sie musterte mich eingehend. „Du wirkst nicht besonders glücklich.“
„Doch“, gab ich zurück. „Natürlich. Es ist nur …“
Bei Artemis, sagte meine Bisabuela und rollte mit ihren dunklen, wachen Augen. Du bist keine siebzehn mehr. Du hast Millionen gestohlen und Männer getötet, Schlachten angezettelt und die Mafia besiegt, bist dem Tod von der Schippe gesprungen und von Liebe durchströmt, ohne ihr je erlegen zu sein. Reiß dich zusammen und sag, was du denkst, du Schaf, wenn du es jemals zu etwas bringen willst!
Ich nahm all meinen Mut zusammen und blickte Atalante fest in die moosgrünen Augen. „Wenn es möglich ist, möchte ich lieber eine andere Belohnung.“
Atalantes Blick wurde merklich kühler. „Was willst du?“, fragte sie unwirsch.
Ich will Ces, schrie alles in mir, aber ich wusste, dass das utopisch war. Niemals würde sie das Clansystem ändern, die Familien in etwas hineinziehen, was womöglich zu einer Kettenreaktion von Unmut und Ungehorsam führen würde. Also schluckte ich meine Träume hinunter. Hier und jetzt ging es in erster Linie um mein Gewissen. „Ich will, dass du mir verzeihst …“
„Ich habe dir bereits Gnadenerlass zugesichert.“
Ich fuhr unbeirrt fort: „Dass du mir verzeihst, dass ich dir das hier nicht früher gegeben habe.“ Aus dem Lederbeutel, den ich unter meinem Pulli trug, holte ich einen kleinen, weißen Briefumschlag hervor und händigte ihn Atalante aus.
„Was ist das?“
„Ein Brief, den mir ein ’Shim für dich gegeben hat. Er hat mir das Leben gerettet, als ich sehr krank war. Während mich das Fieber im Griff hatte, war mein einziger Wunsch, nach Hause zurückzukehren, und da rutschte mir wohl auch der Name Themiskyra heraus. Der Mann horchte auf und bat mich, dir sein Schreiben zukommen zu lassen.“ Es waren weder Ehrfurcht noch Brauchtum, die mich von meinem Sitzkissen auf den Boden rutschen und vor den Füßen der Paiti auf die Knie sinken ließen – es waren schlicht und einfach Schuld und Reue. „Atalante – ich habe es nicht geschafft früher herzukommen. Ich war so wütend, dass ihr mir mein Aspa genommen hattet, so verletzt, wegen Padmini, wegen … allem. Ich … konnte es einfach nicht. Es tut mir so leid.“
Im ersten Moment war sie, völlig zurecht, verwirrt. Doch plötzlich schien sie etwas zu ahnen. „Hast du den Brief gelesen?“, fuhr sie mich an.
„Nein. Natürlich nicht“, versicherte ich, und die Tatsache, dass der Umschlag unbeschädigt war, machte meine Aussage glaubwürdig genug, dass die Paiti sich von mir ab- und dem Schreiben des Apothekers zuwandte. Hastig riss sie das Kuvert auf und las, verschlang die Buchstaben, wieder und wieder, setzte sich, sprang auf und verließ schließlich den Raum durch eine seitliche Tür, die mir zuvor gar nicht aufgefallen war.
Ich war mir nicht sicher, ob ich das Richtige getan hatte. Ob mich die impulsive Aktion Kopf und Kragen kosten würde oder ob sie uns, uns alle, retten würde.
KAPITEL 2
Es dauerte eine lange Weile, bis Atalante wieder in den Tempelraum zurückkehrte. Mit einer fließenden Handbewegung warf sie den zerknüllten Brief in die Feuerschale. Kurz flackerten Flammen auf und der trockene Geruch von verbranntem Papier wurde durch die Luft getragen, bevor der süße Duft des Harzes wieder die Oberhand gewann. Die Paiti wirkte unendlich müde, als sie ein paar Holzscheite nachlegte und sich anschließend zu mir setzte. Resignation hatte die Schärfe aus ihrem Blick vertrieben.
„Ich wünschte, ich hätte dir den Brief früher zukommen lassen können“, flüsterte ich.
„Du weißt, was darin steht, habe ich recht?“
„Nein. Ich habe nur eine Theorie.“ Die darauf fußte, was mir mein Lebensretter von seiner Amazonentochter erzählt hatte, und dem Inhalt einer kleinen Blechdose, die ich im Garten von Ells altem Zuhause in Citey gefunden hatte: nämlich ein Foto von ihr als Vierjähriger und dem besagten Apotheker.
„Willst du mich erpressen?“
Das war mal ganz ursprünglich mein Plan gewesen, aber jetzt und hier begriff ich, wie utopisch er gewesen war. Die Paiti würde mich liquidieren, ehe ich bis drei gezählt hätte. Ich schüttelte also den Kopf. Alles, was ich wollte, war die Menschlichkeit in ihr zu wecken, die Erinnerung daran, dass sie auch mal geliebt hatte und geliebt worden war.
„Womit? Und weshalb? Ich habe weder Grund, noch Grundlage, dich zu erpressen“, behauptete ich. „Ich will, dass du mir verzeihst.“
„Du hast dir einiges geleistet, das weißt du. Und das hier setzt dem Ganzen die Krone auf, weil es mich persönlich betrifft. Und es trifft mich, wirklich, zutiefst.“ Ihre Augen schienen heller und größer als sonst, als hätte die Trauer sie erstarren lassen, obgleich ich keine Tränen darin ausmachen konnte. „Jedoch, auch, wenn ich dieses Schreiben früher erhalten hätte, hätte es nichts geändert. Ell wäre vielleicht etwas früher nach Themiskyra gelangt, aber der Mann, der dir diesen Brief gegeben hat, wäre trotzdem umgekommen, denn er hätte die Stadt und ihre Bewohner nie im Stich gelassen.“ Sie formulierte vorsichtig. „Deshalb, ja, verzeihe ich dir.“
„Danke“, brachte ich hervor.
„Und du bist begnadigt, aber über die Angelegenheit mit dem Brief und was du dir sonst so zusammenreimen magst, wirst du kein Wort verlieren.“
„Natürlich nicht. Ich schwöre es.“
„Sonst werde ich dich zur Verantwortung ziehen und zwar inoffiziell und … na ja, du kannst es dir vorstellen.“ Sie starrte eine Weile ins Nichts, dann fragte sie: „Berichte mir von ihm. Von dem Mashim, der dir den Brief gegeben hat.“
Auch ich formulierte vorsichtig. „Wir sind uns nur zweimal begegnet, aber er war sehr freundlich. Er hatte braune Augen, ganz ähnlich denen von Polly. Nur dort, wo Pollys Augen vor Freude leuchten, waren seine unbeschreiblich traurig. Seine ganze Sorge galt seiner Tochter, wie er mir erzählte. Ihre Sicherheit lag ihm am Herzen, vor allem jedoch, dass sie glücklich werden sollte.“ Ich sah auf. „Atalante, wir dürfen sie nicht wieder trennen.“
Ich wappnete mich für einen Tobsuchtsanfall, bemühte mich trotzdem gerade zu sitzen, um der Wut der Paiti standzuhalten. Atalante jedoch … sah nur mit unbewegter Miene in die Flammen, die nun aus der Feuerschale hervorzüngelten.
„Meinst du denn, sie wird glücklich mit diesem Clanmann?“, fragte sie irgendwann.
Es dauerte einen Moment, bis ich das Missverständnis begriff. „Nein!“, rief ich etwas zu energisch aus.
„Nein?“, fragte die Paiti verwundert.
Ich war in der Zwickmühle, denn ich wusste nicht, was genau die Unbeugsame wusste. „Sie wird glücklich mit … einem anderen.“
„Sie hat Louis gefunden? Cesares Bruder?“ Offenbar war sie im Bilde.
„Ja“, nickte ich erleichtert. „Vor Kurzem.“ Nur deshalb war Ell überhaupt nach Citey gekommen.
„Und was ist mit Cesare?“
„Er hat ihr beigestanden, ihr geholfen, sich dabei stets ehrenhaft –“
„Jajaja“, unterbrach sie mich abwinkend. „Hat sie ihm das Herz gebrochen? Oder können wir weiterhin auf sein Engagement im Clan zählen?“
„Ähm.“ Ich wusste wirklich nicht, was ich sagen sollte, weil mir nicht klar war, wie sich meine Antwort auswirken würde. Ich wollte seiner Familie nicht durch eine ungeschickte Antwort schaden.
„Hat er seine Pflichten im Sommerhaus erledigen können? Oder ist er demoralisiert?“
„Ich … äh.“
„Gedenkt er in seine Heimat zurückzukehren? Hat er Kontakt zu seiner Sippe?“
„Hm.“
„Ainia! Mach es mir doch nicht so schwer! Kennst du den ’Shim überhaupt?“
„Natürlich“, stieß ich aus. „Aber ich … kann nicht in ihn reinsehen. Was weiß ich, was seine Clangepflogenheiten vorsehen, und was er oder seine Familie vorhaben.“ Das kam pampiger, als ich beabsichtigt hatte. Atalante sah überrascht auf und nahm mich genau ins Visier, bevor ein winziges Halblächeln ihren linken Mundwinkel hob.
„Ich verstehe.“
Na wunderbar. Ich verzog das Gesicht. „Glaube ich nicht. Es ist …“
„…kompliziert. Ich weiß. Ist es immer. Zurück zu Aella. Du kannst nicht von mir erwarten, dass ich das Leben meiner einen Tochter unnötig aufs Spiel setze, nur um einer Laune der anderen Tochter nachzugeben.“
„Es ist keine Laune, das kann ich dir versichern.“ Ich dachte nach. Zögerte. Und sprach es dann einfach aus, obwohl ich wusste, dass ich es früher oder später bereuen würde: „Ich übernehme die Verantwortung. Ich bringe Polly sicher nach Citey und schütze sie, sollte es nötig sein, mit meinem Leben.“
Nach langem Nachdenken sagte sie: „Du weißt, dass ich dieses Angebot von jeder anderen Amazone ablehnen würde. Aber du hast extrem lange da draußen überlebt. Du hast einen wachen Geist und starke Alliierte, kennst die Stadt und ihre Gefahren. Und auch, wenn du einen moralisch fragwürdigen Lebenswandel hast, so bin ich doch davon überzeugt, dass du Polly dahingehend nicht beeinflussen wirst.“ Das war keine Feststellung, es war ein Befehl.
Ich nickte, konnte aber eine gewisse Schärfe nicht aus meiner Erwiderung heraushalten. „Mein Lebenswandel, wie du ihn nennst, ist im übrigen tadellos.“
„Was ich meinte, war –“
„Ich weiß, was du meintest. Ich habe mir nichts vorzuwerfen, genauso wenig wie du, Jacintha oder Artemis höchstpersönlich.“
„Was war mit diesem jungen, blonden Herzensbrecher mit dem Angeberauto?“
Kassian. Ich schluckte. „Nichts.“ Ich sah ihr an, dass sie mir nur schwer Glauben schenken konnte, aber es war mir egal. „Dann erlaubst du, dass ich Polly zu ihrer Schwester bringe?“
Sie machte einen kleinen Mund. „Ja“, stieß sie aus. „Und nicht nur wegen Ell. Es ist wichtig, dass Polly die Stadt sieht. Es wird ihr gut tun, ihren Horizont zu erweitern – mir hat es gut getan, damals. Sie muss lernen, was im Land vor sich geht. Und ich muss lernen –“, an ihrem Stirnrunzeln sah ich, wie sehr ihr das gegen den Strich ging, „– sie loszulassen. Auch davon wird sie profitieren. Ihr reitet gleich morgen. Bring Ells Seele wieder in Ordnung und sorge dafür, dass Polly sicher hierher zurückkommt. In spätestens drei Wochen erwarte ich, zumindest Nachricht von euch zu erhalten. Lass dir Geld für einen Kurier von Tetra geben. Oder weißt du was? Ich gebe es dir selbst. Genug gebetet und gehadert.“ Sie warf Sand in die Feuerschale, um die Flammen zu ersticken, und marschierte energisch aus den Tempelräumen und zwei Türen weiter in ihr Studierzimmer hinein. Nach einigem Wühlen auf ihrem mit Papieren und Büchern beladenen Schreibtisch förderte sie ein Ledersäckchen zutage, dem sie einen goldenen Taler entnahm. Nach kurzem Zögern händigte sie mir diesen aus. „Ich nehme an, du hast deine Kleptomanie inzwischen im Griff!?“
„Ich nehme es auch an.“
„Fantastisch. Ich setze Polly in Kenntnis und veranlasse, dass euch Myrto Reiseverpflegung für die nächsten Tage zusammenstellt.“ Sie wedelte in Richtung des Treppenhauses. „Na los! Nutze die Zeit. Du wirst sicher schon sehnsüchtig von deiner Mutter erwartet. Und von Xanthos. Und Padmini.“
Oh Göttin. Padmini. Die Enttäuschung über ihre Illoyalität saß so tief, dass es jetzt noch, nach Jahren, weh tat. Und doch war dieser eine Tag Themiskyra wie ein Traum, von dem ich wusste, dass er sich niemals wiederholen würde. Ich streifte über das Gelände, besuchte die Schmiede und die Maschinenhalle, unterhielt mich mit den Ärztinnen und Energietechnikerinnen, lachte mit den Weberinnen und Schneiderinnen, warf einen flüchtigen Blick in die Wäscherei und die Küche und verzog mich eilig wieder, bevor jemand auf die Idee kam, mich für irgendwelche Arbeiten einzuspannen. Ich sog die altbekannten Gerüche tief ein, die sich zwischen den Gebäuden auf einzigartige Weise vermischten, Feuer, Leder und heißes Metall, gutes Essen, Stroh und Gewürze. Ich lauschte den typischen Geräuschen, prägte sie mir ein, so gut ich nur konnte, das Hämmern, Surren, Klopfen und Sägen und das so unendlich vertraute, rein weibliche Stimmengewirr, das federleicht in der Luft tanzte.
Sicher, nicht alle hatten mir das katastrophale Yazama vor ein paar Jahren verziehen; von den damaligen Yashti wurde ich sicher immer noch verflucht. Aber die meisten begegneten mir wohlgesonnen, erkundigten sich nach meinem jetzigen Leben und natürlich nach Ell, der Mondflügligen.
Der Besuch bei Xanthos war umwerfend. Der Wallach war ein alter Herr, aber ich musste im Nachhinein zugeben, dass Atalante recht damit gehabt hatte, ihn mir nicht nachzuschicken, sondern in Themiskyra zu behalten. Er war glücklich hier. Nun, so glücklich er eben ohne mich hatte sein können.
Ich stromerte herum, ließ aber den Trakt mit den Schulungsräumen unbewusst aus. Obwohl sich ein Teil von mir unendlich nach meiner Mutter sehnte, fürchtete der andere nach wie vor die Zurückweisung.
Schließlich war Jacintha es, die mich fand: Sie hatte tatsächlich den Unterricht unterbrochen, und brachte mich in den ansonsten leeren Speisesaal, wo uns ein spätes Frühstück erwartete, bei dem wir uns anfangs jedoch nur stumm beäugten. Wir hatten uns nie viel zu sagen gehabt, und das hatte sich auch nach sechs Jahren nicht geändert, nur weil meine Mutter sich zur Abwechslung Zeit für mich nahm.
Auch äußerlich war Jacintha unverändert: Ihr herzförmiges, dunkles Gesicht mit den ausgeprägten Wangenknochen war faltenfrei, ihre große, feingliedrige Gestalt aufrecht. Sie wirkte nicht wie eine Mutter, die sehr unter der Abwesenheit ihrer Tochter gelitten hatte – doch die zu ertragen war ihr ja nie wirklich schwergefallen.
Jetzt lächelte sie. „Was denkst du?“
Ich blickte schnell in meine Kaffeetasse. „Nichts.“
„Willst du wissen, was ich denke?“
Ich presste die Lippen zusammen, brachte dann aber der Höflichkeit halber ein „Meinetwegen“ hervor. Ich hatte keine Lust auf die übliche Litanei. Haltung, Leistung, Ehrgeiz – ich wusste ja, was meine Mutter seit jeher an mir bemängelte.
„Dass das der glücklichste Tag meines Lebens ist.“
Überrascht sah ich auf.
„Was ist? Glaubst du mir etwa nicht?“, erkundigte sie sich.
Ihren leuchtenden Augen nach sprach sie die Wahrheit, doch, ganz ehrlich, wir hatten nie über Glück oder Freude und generell selten über Emotionen gesprochen, und wenn, waren negative Gefühle das Thema gewesen. Ah, und natürlich, da kamen sie schon, Hand in Hand mit diversen Vorwürfen:
„Du warst ein verwöhntes, störrisches, unzufriedenes Kind. Du hast dich nicht an die Regeln gehalten, warst immer dagegen, egal, um was es sich handelte. Ich schätze, das war meine Schuld. Denn in den Jahren, die du ohne mich verbracht hast, bist du zu einer wunderbaren Frau herangewachsen. Ich bin unendlich erleichtert, dass die Ungewissheit über deinen Verbleib ein Ende hat. Ich bin überglücklich, dass du hier bist, und ich bin stolz auf dich. Und deine Bisabuela wäre es auch.“
„Lass sie da raus“, wollte ich sie anfahren, „du hast keine Ahnung, was sie denkt!“, aber meine Uroma rief dazwischen: Halt den Mund und pass auf, und so klappte ich ihn wieder zu, und verarbeitete das Gehörte.
Es gelang mir nicht. War das eben Anerkennung gewesen? „Was?“
„Sieh dich an! Du hast verantwortungsbewusst gehandelt, aufopferungsbereit für deine Schwester und deine Gemeinschaft. Du hast dich bewiesen, vor dir und vor uns allen. Du hast die Wirren des Verfalls überlebt, und auch, wenn du behauptest, dass ich es war, die dich das gelehrt habe, warst doch du es, die die Lektionen in dem Chaos da draußen erprobt hat. Mit Erfolg.“ Jetzt hob sie die Hand und berührte sacht meine Wange. „Du bist erblüht, wenngleich du vielleicht ein bisschen mager bist. Du bist schön. Du bist stark. Wenn ich geahnt hätte, dass dieser blonde Mashim mit dem alten Auto solch positiven Einfluss auf dich hat, hätte ich eure Verbindung womöglich sogar –“
„Hat er nicht“, platzte ich hervor und war erstaunt über die Bitterkeit in meiner Stimme. „Es gab keine Verbindung. Nicht, nachdem ich aus Themiskyra verbannt wurde. Und Kanya bin ich immer noch. Falls das immer noch eine so wichtige Rolle spielt wie damals.“
Wenn ich Häme und Selbstgefälligkeit erwartet hatte, lag ich falsch. Jacintha ließ die Hand sinken. „Was ist denn geschehen? Wo warst du denn in all der Zeit?“, fragte sie sanft.
Irgendetwas ging hier definitiv nicht mit rechten Dingen zu. Ich betrachtete die Frau gegenüber voller Misstrauen.
„Wer bist du und was hast du mit meiner Mutter gemacht?“
„Du denkst, ich bin’s nicht?“, wunderte sie sich. „Was genau fehlt dir denn an mir?“
Ich öffnete den Mund, um ihr etwa tausend Gründe aufzuzählen, warum sie nichts mit der Jacintha gemeinsam hatte, die ich damals in Themiskyra zurückgelassen hatte, und sagte stattdessen: „Ehrlich gesagt nichts. Die neue Jacintha ist besser.“
„Es gibt keine neue Jacintha. Du bist es, die sich verändert hat. Du sprichst mit mir.“
„Ja, weil du plötzlich zuhörst.“
Wir schwiegen einen Moment, dann meinte Jacintha leicht resigniert: „Wir haben anscheinend ziemlich viel falsch gemacht. Vielleicht hätten wir uns einfach lieb haben sollen.“
„Ist ja noch nicht zu spät“, murmelte ich pampig.
„Möchtest du … weitererzählen?“, fragte sie vorsichtig.
Wollte ich?
Ja.
Denn dieses neue Verhalten, dieses neue Verhältnis machten es mir mit jedem Wort leichter – und es tat mir gut –, von den Geschehnissen zu berichten.
Nicht von Kassian, den ich bei einem kleinen Raubzug in Goldvelt kennengelernt hatte, und der mich mit Aufmerksamkeit, Luxus und Geschenken verwöhnt hatte. Nicht von Duke, bei dem ich mich monatelang eingeigelt hatte, weil er mich vor der Welt da draußen und vor mir selbst mit meinem immensen Liebeskummer schützen konnte. Und natürlich auch nicht von Cesare, dem Mann aus den Clans, der mein Herz gestohlen hatte, obwohl seine ganze Loyalität und Hingabe seiner Yashta Ell gehören sollte.
Aber ich erzählte Jacintha von meiner Eifersucht, meiner Einsamkeit, meinem Einsatz für Chiara, Verne und Ell. Padminis Verrat ließ ich aus. Nicht aus Rücksicht. Es wäre mir egal gewesen, wenn die anderen sie ihrer Untreue wegen verachtet hätten. Aber ich ertrug es nicht, mich damit zu befassen, nicht hier, wo sie, unsere Freundschaft und unsere Vergangenheit sich so nah anfühlten.
Ihr ging ich den ganzen Tag aus dem Weg und saß auch abends im großen Speisesaal nicht bei meinen Altersgenossinnen, sondern bei meiner Mutter am Tisch, wo wir unser Gespräch fortsetzten. Doch dann erhielt ich von Atalante die Weisung, dass ich, wie früher schon, in Padminis Zimmer untergebracht sein würde.
„Um der alten Zeiten willen“, bemerkte die Paiti fast fröhlich.
Frustriert verzichtete ich darauf, sie in Kenntnis zu setzen, dass ich mich mit den alten Zeiten überhaupt nicht befassen wollte. Padmini war für mich gestorben.
Anstatt also mein Zimmer aufzusuchen, schlich ich ins Arbeiterviertel und fand nach kurzem Suchen die Hütte, die Louis mir beschrieben hatte. Ich stieg die hölzernen Stufen zu einer winzigen Veranda hoch und klopfte an die Tür. Nach kurzem Warten öffnete mir ein ehrwürdig wirkender, alter Herr, der so gar nicht in solch ärmliche Verhältnisse zu passen schien, auch wenn er natürlich, wie alle anderen, die dunkle, robuste Kleidung der Arbeiter Themiskyras trug.
„Dante?“
„Ja?“ Er musterte mich eingehend und strich sich dabei über seinen sauber gestutzten, weißen Bart. „Ich kenne dich. Du bist doch die Amazone mit dem Riesendiamanten und der geklauten Tasche voller Geld und der Steuerfahndung und der ins Wasser gefallenen Sonnenfeier.“
„Genau die“, seufzte ich. Der Arbeiterschaft blieb auch nichts verborgen. „Ich bringe dir Nachricht von deinem Pflegesohn.“
Da leuchteten seine Augen vor Freude auf. „Komm herein.“
Ich setzte mich zu ihm an einen grob gezimmerten Tisch und unterhielt mich eine ganze Weile mit dem alten Mann, berichtete ihm von Louis und was wir erlebt hatten. Die Hütte mochte armselig sein, doch die hölzernen Wände, die vollgestopften Bücherregale ringsum und das warme Flackern aus dem Ofen schufen eine gemütliche, entspannte Atmosphäre, und mit der Zeit wurden mir die Augenlider schwer. Was kein Wunder war: Ich hatte die letzte Nacht schlaflos verbracht und war ziemlich geschafft von der Reise, die ich gleich morgen würde fortsetzen müssen.
„Lass dich nicht aufhalten“, sagte Dante. „Ich danke dir für deinen Besuch.“
Einen Moment lang überlegte ich, ob ich nicht bei ihm unterkommen sollte, um Padmini zu meiden, aber dann meldete sich mein Stolz. Warum sollte ich in einer heruntergekommenen Holzhütte schlafen anstatt eines weichen Amazonenbetts – nur weil meine ehemals beste Freundin mich hintergangen hatte? Ich würde sie einfach behandeln, als sei sie Luft für mich. Wahrscheinlich schlief sie ohnehin schon.
Meine Vermutung war richtig. Als ich im Licht einer Laterne ins Zimmer schlich, lag Padmini ruhig atmend in ihrem Bett; ich sah nur ihren dunklen Schopf unter der Bettdecke hervorlugen. Auf meinem frisch überzogenen Bettzeug fand ich ein Gäste-Set vor, bestehend aus einem kleinen Kulturbeutel, duftenden Handtüchern und Schlafanzug. Oh Artemis, ich fühlte mich luxuriöser als damals in der Sonnenkönig-Suite in Urba. Nach einer ausgiebigen Dusche schlüpfte ich zurück ins Zimmer, in meinen Pyjama und dann in mein Bett, kuschelte mich hinein in die nach Frühling riechende Decke … Es war wie früher. Nur viel, viel besser.
„Ainia?“
Ich erschrak und mein Herz klopfte so laut, dass ich Angst hatte, Padmini würde es hören. Ich wollte nicht, dass sie es hörte, ich wollte ihr nicht antworten, ich wollte nicht, dass sie wusste, wie sehr ich sie vermisste. Ihre Decke raschelte.
„Ainia?“, fragte sie nun lauter.
Da konnte ich nicht anders. „Hmmm?“
„Schläfst du schon?“
„Ja.“
„Warum bist du nicht mit Fenrael nach Hause gekommen?“ Padmini hatte ihren gesamten Familienschmuck in die Entlohnung dieser Frau gesteckt, die schon zuvor für Atalante als Mittelsfrau aufgetreten war, und nun alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte, um mich zu finden. Das gelang ihr schließlich, jedoch nur, weil ich zu diesem Zeitpunkt schon schwer krank war. Also pflegte sie mich mithilfe der Pillen des besagten Apothekers gesund und offenbarte mir anschließend Padminis Wortbruch und ihre Bitte, nach Themiskyra zurückzukehren.
„Das fragst du? Das Einzige, was mir hier abgesehen von Xanthos wirklich etwas bedeutet hat, warst du. Und nachdem ich von deiner …“, ich suchte nach Worten, „Treulosigkeit erfahren hatte, war die Idee meiner Heimkehr gestorben. Für immer.“
„Aber jetzt bist du da.“
„Ja. Aber nicht deinetwegen.“ Meine Worte klangen hart, aber sie entsprachen der Wahrheit. „Ich bin nicht aus freien Stücken zurückgekommen, ich hatte keine Wahl. Ich muss Ell helfen.“
Eine Weile blieb es still, dann hörte ich, wie ein Streichholz angerissen wurde, bevor sanftes Kerzenlicht den kleinen, mit schlichten Holzmöbeln eingerichteten Raum von Padminis Nachttisch aus erhellte. Schnell verkroch ich mich noch weiter unter die Decke, doch ich sah noch, wie Padmini sich vor meinem Bett auf den Boden setzte.
„Was ich getan habe, war falsch. Ich hätte diesem ’Shim, diesem Kassian von dir ausrichten müssen, dass du ihn liebst und dass er auf dich warten soll. Wie ich es dir versprochen hatte, bin ich hingeritten, doch dann … brachte ich es einfach nicht über mich und zog unverrichteter Dinge wieder ab, ohne am Tor zu klingeln. Ich habe eigenmächtig und dumm gehandelt, und das tut mir unendlich leid, auch wenn es damals aus guter Absicht geschah. Ich weiß, es ist viel verlangt, aber ich bitte dich inständig, mir zu verzeihen.“
Mein Herz klopfte immer noch zu fest, diesmal jedoch vor Bestürzung und Wut und Ergriffenheit und … Liebe. Und jeder Schlag tat weh. Ich denke, ich hätte ihr nicht vergeben können, wenn Atalante nicht mir ein paar Stunden zuvor für etwas Absolution erteilt hatte, was mindestens genauso schlimm war wie das, was Padmini Kassian und mir angetan hatte. Vorsichtig schälte ich mich aus der Decke und betrachtete das Mädchen, nein, die Frau, die früher meine beste Freundin gewesen war. Sie saß im Schneidersitz vor mir, am Handgelenk das Armband aus Rosenholzperlen, das ich ihr nach meiner Verbannung als Erinnerung überlassen hatte, die dunklen, glatten Haare zu einem formvollendeten Zopf geflochten, der ihr über die Schulter hing.
Ich setzte mich auf. „Du hast die Haare lang.“
„Du hast die Haare kurz.“
„Ich kann nicht hierbleiben.“
„Ich rede mit Atalante. Sicherlich kann sie dir eine Arbeit hier zuteilen und –“
„Ich habe Arbeit. In Citey. Und Freunde. Und ein Zuhause.“
Unglücklich blickte sie auf. „Aber nicht mich.“ Sie wirkte so ratlos und verloren, wie ich sie gar nicht kannte. Padmini war stark und schön, einfach eine vollkommene Amazone, die nicht den geringsten Grund hatte, nicht völlig zufrieden zu sein. Ich schwang die Beine über die Bettkante und klopfte neben mir auf die Matratze.
„Nein“, sagte ich, sobald Padmini dort Platz genommen hatte, „dich habe ich nicht. Aber ich verzeihe dir. Dann können wir zumindest wieder Freundinnen sein. Zwar nur aus der Ferne, aber immerhin.“
„Immerhin“, echote sie und lächelte traurig, bevor sie mich umarmte. „Danke.“ Ihr typischer, süßer, wilder Duft aus Kardamom und Vanille stieg mir in die Nase, unverändert und unglaublich vertraut, und diese Woge aus Vergangenheit und Geborgenheit ließ mich fast zusammenbrechen. Aber ich blieb stark. Das kostete mich allerdings einiges an Kraft und so dauerte es fast eine Minute, bis ich begriff, dass Padmini weinte. Ihre Tränen kullerten mir den Hals hinunter und durchnässten meinen wunderbaren Schlafanzug.
„Wieso weinst du, verdammt?! Ich müsste jammern und wehklagen. Ich bin das arme, gutherzige Mädchen, das um seinen Traumprinzen gebracht wurde!“
„Und ich bin wieder der dicke Frosch oder was?“ Das hatte sie mich schon einmal gefragt, damals, als ich sie gebeten hatte, zu Kassian zu reiten und ihm auszurichten, dass er auf mich warten solle.
Und damals wie heute sagte ich: „Nein. Die gute Fee.“
Sie löste sich von mir. Selbst verheult war sie noch hübsch anzusehen mit ihren roten Bäckchen und den glänzenden Augen.
„Wie das, bei Artemis?“, wollte sie resigniert wissen.
„Wenn ich mit Kassian zusammengekommen wäre, wäre ich Cesare nicht begegnet.“
Padmini runzelte skeptisch die Stirn. „Cesare?“
„Er ist perfekt. Gutaussehend, gebildet, unterhaltsam. Hast du dir die alten Bilder von den antiken Helden mal angesehen, die im Atrium hängen? So sieht er aus. Nur besser. Und – er kommt aus den Clans.“ Ich lächelte, als meine Erinnerung ein Bild des ’Shims vor mein geistiges Auge zeichnete, den ich liebte. Und mein Lächeln verging mir, als ich mich daran erinnerte, dass diese Liebe keine Zukunft hatte.
Auf Padminis verständnislosen Blick erklärte ich: „Er war Ell zugeteilt, aber er wollte mich.“
Ich merkte, wie sie sich bemühte, meine Gefühle nachzuvollziehen. „Das ist doch … gut? Oder?“
„Ja, das ist es. Das war es. Wir sind uns näher gekommen, auch körperlich, aber dann hat er einen Rückzieher gemacht.“
„Das ist nicht gut.“
„Nein. Stattdessen hat er mir einen Heiratsantrag gemacht. Nein, Padmini, das ist nicht gut“, widersprach ich sofort, als meine Freundin den Mund öffnete. „Halt mich nicht für überheblich. Ich habe einiges durchgemacht, es wäre absolut okay für mich, in bescheidenen Verhältnissen zu leben, wenn ich Cesare an meiner Seite wüsste. Aber teilen werde ich ihn nicht. Niemals.“
„Du meinst, wenn er wieder zu den Sommerhäusern gerufen wird?“
„Ja. Das mache ich nicht mit. Also habe ich ihm gesagt, dass er sich entscheiden muss, ob er mich oder seinen Job will.“
Padmini schüttelte ungläubig den Kopf. „Das kannst du nicht machen.“
„Was?“
„Der Clan, der Kodex, seine Aufgabe, das ist ein essenzieller Bestandteil seiner Identität. Nicht nur ein Job.“
„So etwas Ähnliches hat Cesare auch schon gesagt“, gab ich zu.
„Der Pakt mit den Amazonen ist für seine Familie lebenswichtig. Den kann er doch nicht einfach verraten, nur weil du ihn in die Enge treibst.“
„Na hör mal, er hat mich einfach im kalten Bad sitzen lassen!“
„Du hast ihm kaum eine Wahl gelassen.“
„Sag mal, wer bist du? Meine beste Freundin oder Fürsprecherin missverstandener Clanmänner?“, empörte ich mich. „Wieso glaubst du überhaupt, dich so gut auszukennen?!“
Mein vorwurfsvoller Ton perlte an ihr ab, sie straffte ihre Haltung und verzog ihren Mund zu einem ganz kleinen, fast hoheitsvollen Lächeln. „Weil mir Gio, der Clanmann, der mir zugeteilt worden war, das System erklärt hat. Die Tradition. Den Kodex.“
Mein Mund klappte auf. Klappte zu. Klappte wieder auf. „Du hast dich … als Yashta gemeldet?“
„Zweimal. Du warst nicht da, um mich gegen meine Mutter zu unterstützen, wie du es versprochen hattest“, erwiderte sie nüchtern. „Ich hatte keine Wahl.“
„Es tut mir so leid.“
„Es gibt nichts zu entschuldigen.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Du bist auch eine gute Fee. Wenn ich nicht zu den Sommerhäusern gegangen wäre, hätte ich meine Ama nicht bekommen.“
Ich riss die Augen auf. „Deine … Tochter?“
Sie strahlte. „Ja. Hast du sie nicht gesehen? Sie saß beim Essen neben mir.“
„Nein, ich war …“
„… beschäftigt, mich zu ignorieren, ich weiß.“
Ich schüttelte ungläubig meinen Kopf. Padmini als Mutter? Unvorstellbar.
„Ainia, sie ist wunderbar. Schlau und aktiv, okay, auch ein wenig eigensinnig, aber so kreativ und fröhlich und –“ Es klopfte an der Tür. Padmini zog ein Gesicht. „Jep. Und nachtaktiv.“
Sie öffnete; im Gang stand eine müde Amazone mit stattlichen Augenringen, die nun ein knapp zweijähriges Mädchen mit einem dunklen Lockenkopf und großen blauen Augen ins Zimmer schob. Padmini bedankte sich bei der Erzieherin und erklärte mir, sobald die Tür wieder geschlossen war:
„Sie macht so einen Wirbel im Kinderzimmer, dass sie sie mir oft nachts schicken, weil es der einzige Weg ist, für Ruhe zu sorgen. Und ich freue mich, wenn ich sie bei mir habe.“ Sie drückte das Kind mit einem beinahe rebellischen Funkeln im Blick an sich. Ich musste an das Gespräch denken, das wir vor einer Ewigkeit geführt hatten und in dem es um die Distanz zwischen uns und unseren Müttern ging.
Ich werde es anders machen, hatte sie gelobt. Um meine Tochter werde ich mich liebevoll kümmern.
Das scheint dir zu gelingen, dachte ich nun.
Padmini gab ihrer Tochter einen Kuss auf die Stirn, bevor sie sie zu mir herumdrehte. „Ama, das ist Ainia, meine beste Freundin.“
Die Kleine legte den Kopf schief und betrachtete mich eingehend.
„Nia“, sagte sie dann entschlossen.
„Genau“, stimmte ich zu und grinste, obwohl ich doch gar keine Kinder mag.
Ich hatte Polly am Vortag schon ein paar Mal aus der Ferne gesehen, doch da war sie wohl mit Vorbereitungen beschäftigt gewesen, sodass wir uns erst richtig unterhalten konnten, nachdem wir unsere gemeinsame Reise angetreten hatten. Zuvor hatten wir uns bewaffnet, das Gepäck aufgeladen und uns von den Amazonen verabschiedet, wobei mich Atalante nur mit einem langen, unendlich strengen Blick gemessen hatte. Jede Wette hatte sie ihr gefühlsmäßiges Einlenken schnell bereut, wollte jetzt jedoch keinen Rückzieher machen, um vor den anderen nicht als wankelmütige Paiti zu gelten.
Jacintha nahm mein Gesicht in die Hände und blickte mich lang an. Und dann sagte sie nicht:
„Mach mir keine Schande, reite nicht bei Gewitter und iss nichts, was du nicht klassifizieren kannst“, sondern etwas, das ich schon viele, viele Jahre nicht mehr aus ihrem Mund gehört hatte:
„Hab dich lieb.“
Ich war zu perplex, um etwas zu erwidern, umarmte nur der Reihe nach sie, Padmini und sogar Ama, dann schwangen Polly und ich uns auf unsere Aspahet und trabten los. Die beiden Pferde verstanden sich prächtig. Beinahe allzu prächtig, stellte ich fest, so wie sich Pollys Fuchsstute Selanna bei jeder sich bietenden Gelegenheit an Chiimori heranwanzte und ihn beschnupperte. Und er reagierte natürlich darauf und tänzelte stolz neben ihr her.
Jetzt war ich viel achtsamer als auf meinem Hinweg. Mir war absolut klar, dass Polly nichts passieren durfte, und auch, wenn die Welt leer und riesig geworden war, so waren wir doch nicht allein unterwegs, und Atalante würde mich zweifellos finden und mir das Fell über die Ohren ziehen, sollte ihrer Diadoka irgendetwas zustoßen.
Meine Wachsamkeit machte mich zu keiner unterhaltsamen Weggefährtin. Ich wollte leise und schnell vorankommen, wollte nicht abgelenkt werden und jederzeit ins Dickicht lauschen können, ohne um Ruhe bitten zu müssen.
