Aktion - Arno E. Müller - E-Book

Aktion E-Book

Arno E. Müller

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Beschreibung

Immer wenn wir unterwegs sind erleben wir die unglaublichsten Geschichten. Der Autor hat einige davon aufgeschrieben. Wie in den vorhergehenden Büchern wird hier dem Leben die humorvolle Seite abgeschaut. Das wird dann mit vielen kleinen Nebensächlichkeiten ausgeschmückt. Jeder kann sich hier wiedererkennen oder kann sagen: Das habe ich doch auch erlebt, aber leider nicht aufgeschrieben.

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Seitenzahl: 68

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Aktion

Titel SeiteBisher erschienenMein Leben mit SchatziViermal DeutschlandKurz gesponnenMein Leben mit Schatzi - 1Paul-Otto
Bestandsaufnahme

Kurzgeschichten

© 2017 Arno E. Müller

Texte und Grafik: Arno E. Müller

Layout: Arno E. Müller

Inhalt

Aktion …5

Die Welt ist eine Scheibe …9

Der einsame Weihnachtsbaum …13

Die einzig wahre Geschichte …16

Das Fernglas im Kaninchenkeller …22

Es ist gehupft wie gesprungen …28

Henns ab …30

Wie ich einen Co-Autor loswurde …36

Schatzi hält die Klappe …41

Schatzi, du könntest auch mal wieder kochen! ...41

Schatzi will nicht übersehen werden …57

Schlaf-Anzug …62

…und samstags wird gebadet …67

Warum werden die Sommer

immer kürzer? …75

Was war eigentlich passiert? …81

Klein Georg und ein Indianer …84

Ich habe gelesen …93

Aktion

Ganz schön dumm, wenn man im Sitzen nicht aus dem Fenster sehen kann. So muss ich ab und zu meine Tätigkeit am PC unterbrechen und aufstehen, wenn ich etwas von der Welt dort draußen sehen will.

Heute strahlt die Sonne mal wieder. Schon deshalb zog es mich ans Fenster. Also aus dem Sessel hochgestemmt und die drei Schritte bis zum Fenster. Eine schöne Welt dort draußen. Die kleinen Meisen hüpfen und flattern von Ast zu Ast auf dem Baum vor meinem Haus, Die Wintersonne wirft lange Schatten, so kann man die frischen Fußabdrücke im Schnee sehen und leichter Reif auf den Autodächern erzeugt ein Glitzern. Schön da draußen. Besonders schön natürlich, weil ich in der warmen Stube bin und nicht zwiebelartig in dicke Kleidung verpackt herumwatschle.

Gegenüber öffnet meine Lieblingsnachbarin gerade die Fenster und stellt eine Schüssel auf das Fensterbrett. Lieblingsnachbarin? Nun, eigentlich nicht. Sie wohnt ja gegenüber. Aber wie soll ich sie nennen. Ich weiß nichts von ihr. Nicht einmal ihren Namen.

Liebling?

Oh, das geht schon gar nicht. Es gibt schon lange nur einen Liebling für mich und das ist „Schatzi“. Das hat mir Schatzi auch sehr klar zu verstehen gegeben, als sie mich fest an sich band.

Ob sie eines der zehn Gebote im Sinn hatte? „Du sollst nicht andere Götter haben neben mir?“ Ich weiß es nicht, aber irgendwelchen Geboten muss ich wohl folgen, deshalb klappt es so gut mit uns Beiden.

Frau Nachbarin hat zum Lappen gegriffen und putzt die Fenster. Fast andächtig folge ich ihren Bewegungen. Schwungvoll, fast graziös! Ich kann meinen Blick nicht lösen.

Plötzlich!

„Schatz, nun träume nicht und ziehe dich endlich an, wir wollten doch noch etwas zum Essen holen!!

Ich zuckte wirklich zusammen. Ehrlich! Das war so, als wenn jemand vom Geldregen träumt und wacht im dunklen Schlafzimmer auf und nebenan schnarcht jemand.

Ich riss mich zusammen und den Blick von meiner Lieblingsnachbarin: „Ja, Schatzi! Ich beeile mich ja schon.

Nun ging es also doch los: Zwiebelschale auf Zwiebelschale streifte ich mir über. Nun sah ich nicht wie eine Frühlingsrolle aus, sondern eher wie ein Buddha.

Im Supermarkt alles wie immer: „Greif hier mal hin, greif da mal hin, greif auch mal in die Mitte rin“. Wie im Kinderspiel.

Was ist schon Super im Supermarkt? Der Preis? Die Statistik sagt: „Alles wird teurer!“ und Supermarkt sagt: „So billig wie nie!“ Super, wen soll ich nun glauben?

Ich lasse es darauf ankommen und greife nach oben und nach unten. Die Mitte lasse ich lieber. Dort ist alles teurer – sagt die Statistik. Ich kenne die Dame Statistik zwar nicht, aber gute Ratschläge nehme ich manchmal an.

Nach mindestens 45 Minuten meiner kostbaren Lebenszeit bin ich endlich an der Kasse. Eigentlich war es ein schöner Einkauf heute. Die Leute waren richtig freundlich. Ich konnte, ohne drängeln und schubsen an jedes Regal. Die Damen lächelten mich an. Einige zwinkerten mir sogar zu. Es war einfach nett heute. Schatzi traf endlich auch ein und warf mir ihren Anteil an unserem Einkauf in den Wagen.

Schwuppdiwupp, waren wir unser Geld los und konnten einpacken. Wir warfen uns die Rucksäcke über und fuhren mit der Straßenbahn nach Hause.

Auch in der Straßenbahn viele nette Menschen. Ich bekam heute sofort einen Sitzplatz. Eine Dame lächelte mich freundlich an und stand für mich auf. Sie war nur wenig jünger als ich und stand trotzdem auf? Egal. Ich kann nicht jede Menschenseele ergründen.

„Das war heute ein schöner Einkauf, Schatzi. Es waren bestimmt nur die freundlichen Menschen unterwegs“.

Nur Schatzi reagierte anders als erwartet. Sie zerrte mich plötzlich herum und knurrte: „Kein Wunder, wenn du so herumläufst. Bitte mach‘ das nicht noch einmal! Ich finde das wirklich nicht lustig. Sagt’s und knallt mir eine runde rote Marke auf die Hand. Natürlich selbstklebend!

Verdutzt lese ich: „Jetzt gratis testen – Aktionszeitraum 01.06.16 – 31.03.17“.

Ich grinste Schatzi an, aber Schatzi war jetzt nicht so freundlich aufgelegt wie all‘ die Damen unterwegs.

„Das hattest du am Ärmel und bist damit die ganze Zeit herumgelaufen!“

Schweigend packte ich die Rucksäcke aus. Als ich meine Geldbörse aus der Jackentasche nahm fielen viele Zettel und Visitenkarten auf den Boden.

Ich hörte nur noch das die Tür knallte und blickte erstaunt auf die Telefonnummern und Herzchen auf den Zetteln.

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Die Welt ist eine Scheibe

Als ich geboren wurde soll die Welt noch in Ordnung gewesen sein - erzählte man mir später.

Damals gab es noch keinen Krieg. Erst einige Monate später ging er los.

Ich soll ein echter Wonneproppen gewesen sein. Etwas größer und etwas schwerer als Mutter es erwartete – erzählte man mir später.

Ich wuchs völlig normal auf, bis ich begriff was die Erwachsenen um mich herumerzählten.

Genau aus dieser Zeit verblieben einige Zweifel.

Da war die Sache mit dem Mutterkreuz. Ich war das fünfte Kind, also gab es einen Orden. Den bekam meine Mutter. Und ich?

Ich lernte, dass Kinder meist leer ausgehen, wenn Erwachsene in der Nähe sind. Ich glaube meinen Kindern kann es ähnlich ergangen sein, denn an ihrer Kindheit meckern sie bis heute herum.

Dann kam die Brille. Aufgrund eines Augenfehlers sollte ich eine Brille tragen. Natürlich war diese in Kriegszeiten schwer zu beschaffen – erzählte man mir später sehr oft.

Und was tat ich? Ich spielte. Ich rannte herum und kümmerte mich nicht um die Brille. Peng! Ein Brillenglas zersplitterte an einer Stuhlkante.

Jetzt gab es fast 40 Jahre keine Brille mehr für mich. Erst aus Materialmangel, dann aus Geldmangel und später aus Eitelkeit. Das trug mir unter Spielkameraden den Spitznamen „Schielewipp“ ein. „Schielewipp, der Käse kippt“ riefen sie. So lange ich über den Sinn auch grübelte, ich verstand diesen Satz nicht. Aber er störte mich. Ich tat aber wie es Mutter immer wieder herunterleierte: „Iss Junge, dann wirst du groß und stark!“

Als ich dann fast 180 Zentimeter maß, hörte diese Quengelei auf. Ich denke, es war schon einige Jahre früher. Das war, als sie meine Schulhefte zum Abschreiben brauchten.

Es war schließlich nicht nur meine Körperhöhe, was meine Entwicklung anzeigte. Ich besuchte viele Jahre mehrere Schulen.

Nun ging das schon wieder los. Jeder erzählte mir etwas. Alle Versuche das Erzählte auch auf seine Richtigkeit zu überprüfen gelang mir natürlich nicht. Wie vorher auch.

Am schwierigsten war das mit dem Globus. Mir leuchtete es völlig ein, dass hier die Erde so komprimiert dargestellt wurde, dass sie auf eine Kugel passt. Aber war sie wirklich eine Kugel?

Als Kind erlebte ich die Umgebung doch nur als Ebene. Wenn etwas nicht eben war, dann lag ich plötzlich auf dem Bauch und ich schrie jämmerlich – erzählte man mir später. Damals hätte man mir mit einer Erdkugel eine Riesenangst eingejagt. Ich gehe und gehe bis ich kopfüber die Erdkugel umrundete – nee. So eine Vorstellung erzeugt heute noch Gruseln. Ich laufe und laufe, vielleicht noch ein Glas mit Bier in der Hand? Und dann? Wenn ich wieder oben bin ist das Glas leer! Mit einem Teller in der Hand, gefüllt mit Schweinshaxe und Kraut würde ich keinen Schritt tun.

Wenn mir die Aneignung von Bildung etwas Zeit ließ lief ich gern durch meine Stadt. Eine Großstadt übrigens. Schöne glatte Straßen. Sanfte Hügel. Und bis zum Horizont immer noch Straßen und Häuser. Später setzte ich mich auf ein Fahrrad. Somit erhöhte sich der Radius in dem ich mich bewegte. Auch meine Erfahrungen erhöhten sich. Oder vermehrten sich? Ich wurde schlauer – erzählt man sich heute über mich.

Das Schönste war aber die vor mir ausgebreitete Erde mit Wegen, Straßen, Wäldern und Seen.

Ausgebreitet! Nicht gerollt wie ein „Berliner“ und mit Zucker bestreut. Wir Berliner sagen natürlich „Pfannkuchen“ zu den vorher beschriebenen „Berliner“. Ja, auch das ist Bildung, wenn man etwas mehr weiß.

Mein Zweifel mit der kugligen Erde konnte auch nicht ausgeräumt werden, als mich Flugzeuge über Länder und Erdteile brachten. Immer sah ich die Erden langgestreckt. Zwar gab es Höhen und Tiefen, aber die Seen und Meere liefen nicht aus. Mir gefiel das.

Ist die Erde nun eine Kugel? Das Leben konnte mich nicht überzeugen. Dem Lehrer widersprach ich nicht. Das wäre wohl fatal gewesen. Denn ich habe gelernt: Lehrer haben immer Recht, auch im Zweifel. Und meinen beleuchteten Globus habe ich auch in den Müll geworfen. Er hatte mir auch keine Erleuchtung gebracht.