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Der Autor schildert, wie das Miteinander in 50 Jahren Ehe funktioniert. Macken und Vorzüge. Genau wie im richtigen Leben. Natürlich sind die Geschichten frei erfunden! Niemals würde der Autor die kleinen Familiengeheimnisse ausplaudern. Diese Geschichten sind so kurz, daß sie sich in öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen drei Haltestellen lesen lassen. Steigen Sie dann mit einem Grinsen im Gesichjt wieder aus!
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Seitenzahl: 167
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Schatzi, hab' ich einen Vogel?
Schatzi, heute fahre ich Auto
Schatzi hustet, aber ich habe „nur“ Schnupfen
Schatzi, ich radle mal
Schatzi liest Zeitung
Schatzi und die Feiertage
Schatzi und Schatz verreisen
Schatzi, es quietscht nicht mehr!
Schatzi, heute gehen wir sparen
Schatzi, ich bin pleite
Schatzi, überlege dir das noch einmal
Schatzi, ist dir auch kalt?
Schatzi, sind wir jetzt König?
Schatzi, wir bekommen Besuch
Schatzi, wir schättn heute
Schatzi, wir treffen uns am Rathaus
Schatzi, woran denkst du gerade?
Schatzi zieh' bitte die Handschuhe an
Schatzi, wir sind vernetzt
Schatzi, wir sind eingeladen!
Schatzi will geputzte Schuhe
Schatzi, wann haben wir endlich mal frei?
Schatzi braucht neue Schuhe
Schatzi, ich baue mir jetzt einen Gamer-PC
Schatzi begeht eine Indiskretion
Schatzi wird modernisiert
Schatz, liebst du mich?
Schatzi, der Müll muss runter
Schatzi fährt Huschbahn
Schatzi, fühlst du dich gleichberechtigt?
Schatzi, komm endlich
Schatzi ist untröstlich
Schatzi trifft Entscheidungen
Schatzi kommt heute zurück
Schatzi kocht mediterran
Schatzi, wohin willst du?
Schatzi, es hat geknallt
Schatzi zweifelt
Schatzi, wir sollten mal wieder fliegen!
Schatzi, da ham wa den Salat
Schatzi zerstört mein Selbstbildnis
Schatzi und das Matrjoschka-Prinzip
Schatzi schläft
Schatzi sieht alles anders
Schatzi, was schenkst du mir?
•
Ehrlich liebe Leser, das ist keine Frage die ein Mann seiner Frau ohne weitere Überlegungen beantwortet. Einige Sekunden Pause, nach Luft schnappen und dann mit der Gegenfrage das Gleichgewicht wieder herstellen!
„Warum?“
„Schatzi, ich habe das Gefühl bei mir fliegt einer rum“.
Ich habe nicht gefragt „Wo?“
Bei so vielen Ehejahren ist das nicht einfühlsam.
„Hattest du das Gefühl Schatzi? War ein Lufthauch von einem Flügelschlag über dein Antlitz gehuscht?“
„Nö, hier liegt Vogeldreck auf dem Küchentisch!“
„Ah ja“ schob ich abwartend dazwischen.
Nur nichts übereilen.
„Ich war schon seit dem Frühstück nicht mehr in der Küche“ ergänzte ich noch wahrheitsgemäß.
Jetzt traf mich ein Blitz aus Schatzis Augen.
Mit leicht zitternder Stimme flüsterte ich: „Wird schon nicht so schlimm werden, Schatzi. Sie haben heute schon bessere Behandlungsmethoden. Und „Stationär“ ist eh' kein Platz, dort gibt es nur Suizidgefährdete. Selbstverständlich würde ich dich dort täglich besuchen, aber wir versuchen es erstmal mit einfachen Hausmitteln ehe wir schwere Geschütze auffahren. Beantworte mir bitte die folgenden Fragen:
Welche Farbe hat der Vogel?
Wie groß ist er?
Hat er Krallen oder Klauen?
Welche Flügelspanne hat der Vogel?“.
In Schatzi's Gesicht entwickelte sich gerade ein schweres Gewitter. Serienweise trafen mich Blitze. Beim Zeus! Graue Wolken zogen über ihre Stirn. Ihre Lippen formten die alles entscheidende Frage: „Denkst du ich habe einen Vogel?“
„Niiiicht?“ stotterte ich.
Zum Glück konnte ich noch sehen, dass sie die Suppenkelle aus der Hand legte als ich mehrere Schritte zurück trat und sie mir hinterher hechtete.
„Ich will wissen, wo der Vogeldreck herkommt, der hier überall herumliegt!“
„Ich war es nicht!“ klagte ich hilflos.
„Wäre ja auch noch schöner. Es macht mir auch nicht immer Spaß dir deinen Dreck nachzuräumen. Ohne dich habe ich auch genügend zu tun“.
Ich legte eine Minute des Schweigens ein und senkte schuldbewusst den Blick. (So ist sie. Immer sorgt sie sich um mich.)
Plötzlich fühlte ich einen stechenden Schmerz auf meinen enthaarten Kopf (Glatze haben die Anderen. Mir sind einfach nicht die Haare nachgewachsen). Das waren bestimmt meine schmerzhaften Gedanken, die sich da fest krallten. Ich wartete geduldig bis der Schmerz nachlassen konnte.
Schatzi guckte mich an und prustete laut los: „nicht ich habe den Vogel; du hast ihn!!“
Kennt ihr eine umgekehrte Schuldzuweisung? Ich weiß auch nicht, was das ist, aber es sollte so etwas geben. Jetzt hatte ich den Vogel. Und das nur, weil ich Schmerzen am Kopf hatte und sie nicht zum Arzt wollte.
Schatzi holte weit aus und griff über meinen Kopf. Ich duckte mich angstvoll, aber als sie ihre Hand wieder zurückzog, saß ein Wellensittich auf Schatzis Zeigefinger.
Als ich meine Brillengläser etwas umständlich mit meinem baumwollenen Hemdzipfel geputzt hatte (Baumwolle ist weicher als die üblichen Tücher und der Hemdzipfel rutscht immer wieder aus der Hose, egal was ich anstelle.) konnte ich das niedliche kleine Tierchen sehen. Ganz in gelb. Mit dem Köpfchen nickend und genauso angstvoll schauend wie ich vorhin.
Da plumpste mir doch glatt ein kleines Steinchen vom Herzen. Tat nicht weh, als er mir auf den Fuß fiel.
Ich zog das Vöglein zu mir heran, pfiff etwas, was wie ein Lied klingen sollte und flüsterte ihm zu: „Na du kleiner Racker, hast und ganz schön Nerven gekostet. Sag mal woher du kommst!“
„Tschiiip“.
So ging das nicht. Er verstand mich nicht und ich ihn nicht. Ein lautes Geräusch schreckte mich aus dieser intimen Unterhaltung. Meine Enkelin stand verstört in der Küche.
„Habt ihr meinen Vogel gesehen? Eben habe ich ihn gekauft und wollte ihn in den Käfig setzen, aber er entwischte mir. Nun finde ich das saublöde Vieh nicht mehr.
Ich hob den Zeigefinger: „Urteile niemals vorschnell. Wenn dein Vogel dich nicht versteht heißt das noch lange nicht, dass er blöd ist. Das ist wie bei den Menschen. Er ist Australier und du bist eine Deutsche. Das muss erst zusammenwachsen. Und die Sprachhürde muss auch erst überwunden werden. In jeder Zeitung steht, dass wir Deutschen nicht tolerant gegenüber Ausländern sind. Ich habe Jahre darauf verwendet, dir einzuhämmern, dass Fremde zwar Ausländer sind, aber auch Menschen wie du“. „Ehrlich Opa, ich glaube du hast einen Vogel!“
Sie hielt ihren Finger hin, der Vogel hopste fröhlich zwitschernd hinauf und beide verschwanden.
Schatzi guckte mich lächelnd an, tippte sich an die Stirn und meinte: „Die hat einen Vogel.“
•
„Schatzi, heute fahre ich Auto.“
„Ich will mit“ echot es aus der Küche. Kennt ihr das? Keine Frage nach dem 'Wohin' – nur „Ich will mit!“
Aus der Traum vom einsamen Jäger mit über 100 PS. Mein kleines "Tigerchen" schafft locker 180 km/h. Aber nur wenn ich Solo fahre. Sitzt mein Schatzi drin, gehen kaum 80 km/h. Sie wirkt wie eine Bremse. Als wenn mein "Tigerchen" das merkt. Es folgt mir nicht. Kaum drücke ich aufs Pedal ertönt es neben mir: "Schatzi hast du nicht das Schild gesehen?“
„Jaaaaaaa doch“
Neulich wieder. „Schatzi, ich fahr mal kurz.“
„Ich will mit.“
Ich streichle mein "Tigerchen" knurre zu meinem Schatzi, das gerade noch die Wangen nachfärbt und die Halsketten passend zu Dekolleté wählt. „Nu mach schon!“
Und ab geht’s über die Landstraße. Schön rein in die Kurven, schön raus aus den Kurven. Schatzis Kaffee schwappt, wenn sie sich im Sitz hin und her wiegt. Mein Blick fern am Horizont. Weiß bemalte Alleebäume sausen an uns vorbei.
Mein Schatzi: „Hast du nicht das Schild gesehen?“
Ich bremse kurz ab. Den Kaffee hält's nicht in der Tasse.
Sie guckt mich so komisch an.
Baustelle. Spaßbremse für jeden Fahrer. Ich weiß ja, sie tun es nur für mich. Aber es bremst eben.
Ich überhole einen Radfahrer. Schick sieht er aus. Alles hauteng an ihm. Schatzi guckt unentwegt nach rechts. Selbst die Tachonadel lenkt sie nicht ab. Eng so eine Baustelle. Von wegen 1,50 Meter Abstand vom Radler. Geht nicht. Und hinter ihm fahren? Ich gebe mir doch keine Blöße. Ich weiß, was mein "Tigerchen" kann. Gleichauf mit den Radfahrer geht's durch die schmale Gasse.
Endlich Ende der Baustelle. Mein Fuß drückt das Pedal – mein Schatzi dreht den Kopf nach hinten und seufzt vernehmlich.
Vor mir die endlose Landstraße. Schatzi schimpft über Kaffeeflecken. Kleinlich.
Ich bin wieder der Jäger.
•
Ein ur-gewaltiger Donner riss mich vom Kissen. Ich saß im Bett.
Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich ins Dunkel. Meine Urinstinkte warnten mich vor Gefahr. Aber ich konnte nichts erkennen.
Da sagen die Mediziner immer, dass ein abgedunkeltes Zimmer einen ruhigen Schlaf gibt, aber so kann ich drohende Gefahren nicht erkennen.
Ich versuche es jetzt mit den Ohren.
Tiefes Atmen erreicht mein Ohr. Dazwischen undefinierbares Röcheln. Jemand ringt nach Atem.
Ein tiefes Luft holen und wieder dieser Donner.
Das tat jetzt aber meinen Ohren weh. Mein strafender Blick zu Schatzi versank in der Finsternis. Jedenfalls sagte mir Schatzi am folgenden Morgen, mit rauer Stimme, dass sie nichts gesehen hatte.
Besorgt fühlte ich ihre Stirn. Keine erhöhte Temperatur. Meine Besorgnis legte sich.
„Wirst wohl einen Husten haben, Schatz!“
Schatzi nickte dankbar für meine treffende Diagnose.
Unser Tag lief wie jeder Tag.
Ich will den geneigten Leser nicht mit den intimen Details langweilen, aber die Vorbereitung von Mahlzeiten nimmt doch einen großen Teil unserer knappen Freizeit in Anspruch.
Als Verfechter großen Freiheitswillen und großzügig genehmigten Durchsetzungsvermögen ist es mir weitgehend gelungen mich von feuergefährlichen Herden und heißen Töpfen fernzuhalten. Erst wenn Töpfe und Pfannen leer sind, kann ich sie ohne Schaudern ansehen und auch nach erfolgter Reinigung trocken reiben.
Wieder zu Schatzi. Voller Mitgefühl hörte ich ihren donnernden Husten aus der Küche.
„Soll ich dir das Fenster öffnen? Hier sind ja tropische Verhältnisse. Das Kondenswasser läuft ja schon an der Fensterscheibe hinunter.“
Schatz schnappte nach Luft und meinte nur „Kannst ja machen, aber ob das hilft? Aber wir haben ja bald Arzttermin.“
Ich nickte zustimmend: „Musst aber sagen, dass du schweren Husten hast!“
„Wenn ich belle, hat der Arzt keine Fragen mehr“.
Schatzi ist eben immer konkret.
„Schmeckt's heute wieder?“ interessierte ich mich.
(Männer! Zeigt Interesse, wenn eure Liebsten am Herd schuften. Ihr bekommt nicht nur ein schmackhaftes Essen, sondern auch noch ein dankbares Lächeln dazu.)
Krächzend hob Schatzi einen Topdeckel hoch und mir stieg der Duft von frischem Gemüse in die Nase.
„Pass auf, dass du dich nicht noch mehr erkältest. Es zieht vom Fenster!“
Mein gut gemeinter Rat ging in einem fürchterlichen Husten unter. Ich konnte gerade noch einem heißen Kochlöffel ausweichen, den Schatzi schwungvoll durch die Küche schleuderte und verschwand irritiert durch die Küchentür.
Fast goldene Hochzeit. Da darf ich doch mal Besorgnis äußern?
Die nächste Nacht war „Schlafen in Etappen“.
Der folgende Tag war für mich eine Katastrophe. Ständig dieses schmerzhafte Bellen.
Jetzt begann auch noch meine Nase zu triefen.
Ich ertrug beides tapfer. Husten von Schatzi und meine "Triefnase". Mich wunderte nur, dass sich kein Mitbewohner im Haus nach unserem neuen Hund erkundigte.
Ich ging jedenfalls noch öfter meinem Schatzi bei ihren Beschäftigungen hinterher und erkundigte mich mitfühlend nach einer eventuellen Besserung. Muss aber nichts geholfen haben.
Ich hatte inzwischen mehrere Packungen Papiertaschentücher verbraucht. Meine Nase tropfte nicht mehr – sie lief. Mein Kopf brummte. Ich litt wie ein Mann. Nur Männer können mit einem Schnupfen so ehrlich leiden. Das erweicht einfach das härteste Frauenherz.
Schatzi flitzte zur Hausapotheke und suchte Mittelchen, die mir Erleichterung bringen könnten.
„Wir haben einfach nichts für dich hier. Schade Schatz!“
Ich hielt mir schnell das nächste Taschentuch vor meine Nase und schniefte gequält: „Ist ja nur ein Schnupfen und morgen ist ja Arzttermin.“
Schatzi drückte meinen Arm. Sie bewunderte wohl meine Standhaftigkeit?
Bei meinem Arzt verlief für mich alles wie gewohnt. Er ignorierte meinen Hinweis auf meinen Schnupfen und schrieb etwas in meine Akte. Ich hörte nur mein eigenes Schniefen.
Plötzlich wieder dieser Donnerhall. Der Doktor zuckte zusammen. Erschrocken fragte er mich: „Ist ihre Frau auch im Warteraum?“
„Ja“ kam es ahnungslos von meinen Lippen.
„Wenn sie will, kann ich sie ja auch gleich nach ihnen untersuchen Herr Müller. Das klingt ja fürchterlich.“
„Sie hat aber erst später einen Termin bei Frau Doktor.“
Er griff zum Telefonhörer und klärte das mit seiner Kollegin.
Ich schickte also mein Schatzi sofort nach mir ins Ordinationszimmer.
Inzwischen dachte ich nicht weiter über meine Schniefnase nach, sondern grübelte wie ein Arzt eine ehemalige Patientin am Husten erkennen kann.
Endlich kam Schatzi wieder zum Vorschein: „Ich bekomme noch einen Tropf. Kann etwas dauern.“
Natürlich wartete ich!
Ich nahm ihre Sachen und setzte mich in den Warteraum.
Ich wartete. Ich wartete immer noch. Der Begriff "Warteraum" wurde mir vor Augen geführt.
Nach gefühlten Ewigkeiten schlich ich mich zu Schatzi. Sie hing immer noch am Tropf.
Etwas näselnd lästerte ich: „In deinem Alter hängst du immer noch an der Flasche?“
Endlich war alles vorbei.
Jetzt erfuhr ich die ganze Wahrheit: Thorax röntgen, Labor, Arzttermin.
Am Abend fand ich endlich wieder Worte.
„Morgen sollten wir neue Papiertaschentücher kaufen. Mir rennt förmlich die Nase weg.
"Eine Woche kommt er, eine Woche geht er, warf ich heldenhaft in den Raum.
Schatzi hustete statt einer Antwort.
War sie jetzt verschnupft?
•
Das war endlich fällig. Ich holte nach langer Zeit mal wieder das Fahrrad aus dem Keller. Dann noch meine flotte Kluft. Den Kopfschutz noch und der Außerirdische war fertig. Schatzi guckte aus der Küche. Augen wie Wagenräder. Jetzt trumpfte ich auf. Ich hatte das mit dem Radler in der Baustelle noch nicht verwunden.
„Wo fährst du hin“.
Das war ihr Kontrollgen.
„Äh, mal sehen“.
„Aber um sieben biste wieder hier, da mach ich das Essen warm. Wenn ich das mehr als dreimal mache, schmeckt's auch nicht mehr.“
„Klaro“ grinste ich.
Ein Klaps auf den Po und ich war entlassen.
Jetzt begann die Freiheit. Ich flog förmlich dahin. 27 Gänge – Leute, das macht was her. Nicht mal Autos haben so viele Gänge. Mickrige Kisten! Ich gab alles, was ich in meinen Spargelwaden hatte. Fetzig, wenn ich die Angeber in ihren teuren Schlitten überholte. 30, 50! Die waren wirklich mies dran. Welcher Radler guckt auf die Schilder? Müssen Radfahrer überhaupt Straßenschilder kennen? Gibt ja nicht mal Schulen dafür. Also! Ich preschte noch haarscharf zwischen einem Pärchen durch, dann noch schnell über die Kreuzung ehe die Autos „Grün“ haben.
Mein Schatzi weiß es nicht, aber mein Kumpel wartet immer an der Theke - drei Dörfer weiter. Radle mal die Kilometer bis dorthin, dann weißte auch, wie Bier schmeckt. Als der Wirt die zweite große Maß vor mich stellte, grinste er: „Wenn ihr mit dem Auto hier wärt, müsste ich euch den Schlüssel wegnehmen.“
Tja, das ist eben die Freiheit beim Radeln. Das Fahrrad hat nur zwei Schlösser. Ein Kettenschloss und das Fahrradschloss.
Ich flog dann förmlich nach Hause. Deutschland braucht ein Hupverbot. Fast die gesamte Strecke nur Gehupe um mich rum. Das nervt! Was habe ich mit den vielen Schildern am Straßenrand zu tun?
Warum mein Schatzi kein Fahrrad hat?
Wir wollten ihr ja eins kaufen, aber da gab es zwei kleine Problemchen. Der Verkäufer zeigte ihr ein wunder-schönes Rad. Nabenschaltung. Scheibenbremsen, Computer am Lenker. Da hätte sie immer die aktuelle Zeit ablesen können und die verbrauchten Kalorien. Was macht Schatzi?
„Ist der Sattel nicht zu klein? Damit fahre ich nicht, da hängt ja immer was drüber. Dann hängen die Leute in unserer Straße nur noch am Fenster.
"Neeee!“
Aber dann zuhause kam sie mit der Sprache raus. „Bei euch Männern ist das ja anders, aber wenn ich als Frau auf einem Sattel sitze dann drücke ich doch alles platt! Oder? Willst du mal sehen, wie das aussieht?
Sie presste mit vier Fingern die Lippen zusammen und zog sie dann auseinander.
•
„Schatzi, wir werden immer weniger.“
Schatzi guckte mich mit einem langen Blick über ihre Zeitung an.
Gemächlich schob ich mir den Rest meines Marmeladenbrötchens in den Mund.
„Hast du nicht gehört? Wir nehmen ab!“
„Na, deswegen esse ich doch Marmelade statt Wurstbrötchen.“
„Tagsüber geht’s so mit deinem Kopf, aber morgens...“
Schatzi machte eine Handbewegung. Sah wie wegwischen aus.
Ich legte gerade meine klebrigen Lippen zum Schmollmund zusammen, als mein Schatzi endlich ihren Satz beendete.
„Wir werden immer weniger. Das sagt das Statistische Bundesamt.“
„Hast du heute schon mit denen gesprochen?“
„Oooh Mann! Das lese ich hier in der Zeitung. Die Bevölkerung in Deutschland nimmt ab.“
„Und du glaubst, was die schreiben? Ich mache doch gar keine Diät. Woher wollen die wissen, ob ich abnehme?“
„Nimm endlich deinen Kaffee. Das geht mir heute zu weit. Ich versuche Dir zu erklären, dass wir Deutsche immer weniger werden.“
Das ist Schatzi. Erst kann sie keine verständlichen Sätze sprechen und nun soll ich begriffsstutzig sein.
Ich schwieg verstockt.
Sie senkte den Kopf wieder in die Zeitung und las: „Die Bevölkerung Deutschlands nimmt immer noch ab, trotzdem aus aller Welt Umsiedler und Asylanten ins Land kommen. Wir sollten unbedingt unser Asylrecht überarbeiten. Das meinen auch die Demografen.“
„Also rechts reicht’s. Ist ja wie im Feudalismus. Der Adel kümmert sich um unseren Nachwuchs. Will er auch wieder das Recht der ersten Nacht?“
„Demografen sind Bevölkerungsstatistiker.“
„Sag das doch gleich. Ich bin ja kein Rassist, aber Fremdwörter passen mir nicht.
Und wie soll das nun gehen mit dem Nachwuchs?“
„Schatz! Du weißt doch, wie das geht. Hast du schon bewiesen!“
Au! Jetzt ist sie böse. Sie hat nicht Schatz gesagt. Sagt sie sonst immer. Dabei liegt immer so ein zartes Lächeln um ihren Mund.
„Ach ja“, seufzte ich.
„Was ach ja?“
„Um das Mal klar zustellen – ich habe mein Soll erfüllt. Haben wir keine Kinder? Keine Enkel? Keine Urenkel? Was soll das? Die können schreiben und rechnen was sie wollen; ich bin im Ruhestand!“
Schatzi ließ die Zeitung sinken und guckte mich still und lange an...
•
Ich hab's ja nicht so mit den Feiertagen. "Typisch Mann" werdet ihr nun sagen. Nee, typisch ICH, wie andere Männer ticken interessiert mich wirklich nicht. Geburtstage? Muss ich mir nicht merken. Stehen im Kalender!
Hochzeitstag? Kann ich mir nicht merken. Erkenne ich am Gesicht von Schatzi! Einladungen? Stehen im Kalender an der Wohnungstür. Kann ich immer sehen, wenn ich die Wohnung verlasse. Aber Schatzi bietet mir auch kleine Gedächtnisstützen: „Willst du dich nicht endlich anziehen? Wir sind bei Susi eingeladen.“
Feiertage? Da ist es schwieriger. Ein Anzeichen sind die Angstkäufe von Schatzi. Werden meine schlaffen Armmuskeln strammer und geht der Kontostand gegen null naht ein Feiertag.
Auch ihre anderen Hilfsmittel erinnern mich an wichtige Feiertage.
„Willst du wie ein Pfingstochse rumlaufen?“ So etwas sagt Schatzi zu meiner Krawattenwahl.
"Du läufst hier rum wie ein Weihnachtsmann!“ So etwas sagt Schatzi, wenn ich mich ewig nicht rasiert habe.
"Da bleibt mir nur noch ein schwacher Protest: „Der hat aber den Sack auf dem Rücken!“
Es gibt aber auch Sätze, die ich wirklich nicht deuten kann. Diesen hier: „Hast du den gesehen? Bei dem sind die Glocken auch länger als der Strick!“ So was flüstert Schatzi mir am FKK-Strand zu. Weit und breit keine Kirche.
Wie gesagt, manchmal werde ich aus ihrem Reden nicht schlau.
Zum Beispiel Ostern.
Da kann es passieren, dass ich am Frühstückstisch plötzlich rote oder blaue Eier im Eierbecher habe. Nicht so schön „pflaumenweich“ wie ich sie gern habe. Nein, kalt und hart! Ich fühle blankes Entsetzen. Und Schatzi?
„Schatz, heute ist doch Ostern!“
Au! Schon wieder ein Feiertag. „Zwei“ werde ich korrigiert.
„Und warum sind die Eier nun bunt?“
„Die hat doch der Osterhase gebracht.“
„Und wie werden die so bunt?
„Na, die futtern doch Möhrchen!“
„Und die Blauen?“
„Weiß nicht. Vielleicht war ein Hase Alkoholiker?“
"Karpfen blau" ist mir ein Begriff. Blauer Hase?
„Schatzi“ frage ich weiter vorsichtig „Warum sind die Eier heute so kalt?“
„Denkst du die Hasen wollen Brandblasen unterm Stummelschwanz?
Du kannst aber auch über alles meckern. Da reißen sich mal welche für dich den Hintern auf und du maulst rum!“
Schatzi weiß alles. Mit ihren Gegenfragen bringt sie mich immer in Verlegenheit.
Osterlamm, Osterspaziergang, Osterglocken, Osterwiese mit Ostereiern. Ostern ist anstrengend.
Als wir abends endlich wieder zuhause waren, streckte ich meine schmerzenden Füße aus.
„Schatzi, das war ein schöner Tag heute, aber jetzt bin ich völlig platt!“ sagte ich erschöpft.
Wir guckten uns noch im Fernsehen an was die Anderen so Ostern getrieben haben. Das wich kaum von meinen eigenen Erlebnissen ab. Ich begann mit den Augenlidern zu klappern und döste so langsam weg.
Als ich die Augen wieder aufschlug, war es dunkel im Raum.
„Schatzi?“ flüsterte ich suchend. Ich hörte es rascheln.
„Schatz! Wir sollten jetzt Eier suchen!“ hörte ich flüstern.
Legen Osterhasen auch fluoreszierende Eier? Schatzi sagt nein! Ich denke sie findet immer, was sie will.
