Aktiv leben mit Arthrose - Petra Plaum - E-Book

Aktiv leben mit Arthrose E-Book

Petra Plaum

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Beschreibung

Schmerzen lindern für ein aktives Leben.  Sie werden von Knieschmerzen und Problemen im Hüftgelenk geplagt? Ihre Rückenschmerzen rauben Ihnen den Schlaf? Bis zu acht Millionen Deutsche leiden unter den Symptomen einer Arthrose. Was ist Arthrose? Wie finde ich den richtigen Arzt? Welche Schmerztherapie ist am besten für mich geeignet? Diese Fragen und viele mehr werden in diesem Ratgeber beantwortet. Die bekanntesten Formen der Gelenkverschleißerkrankung sind die Coxarthrose, die Gonarthrose und der Hallux rigidus. Arthrose kann verschiedene Ursachen und viele Geschichten haben, die oft komplex ineinandergreifen. Vor allem Gelenke, die Tag für Tag belastet werden, sind für einen Verschleiß anfällig. Die Erkrankung der Gelenke mag zu Einschränkungen führen, jedoch haben Sie der Krankheit allerhand entgegenzusetzten. Sie zu verstehen, kann Ihnen helfen, den Gelenkverschleiss zu bremsen. Stiftung Warentest zeigt, wie Sie in wenigen Wochen Ihren persönlichen Anti-Schmerz-Plan erstellen und Ihr aktives Leben zurückgewinnen. Mit einfachen Übungen zur Dehnung und Kräftigung, Bewegung der Faszien und Sehnen, der richtigen Ernährung, Gewichtsverlust und vielem mehr, zeigen Ihnen unsere Experten was guttut und wirklich hilft. Entdecken Sie die für Sie passenden Sportarten und Übungen für eine wirkungsvolle Therapie. Das Buch nimmt Arthrose den Schrecken und räumt auf mit Ängsten vor Unheilbarkeit, Schmerzen und Operation. Je früher Sie gegensteuern, desto mehr Erfolg ist möglich. Legen Sie am besten gleich los!

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Seitenzahl: 221

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhaltsverzeichnis

Was wollen Sie wissen?

Arthrose – kein Schreckgespenst!

Was ist Arthrose genau?

Wo Arthrose sich häufig entwickelt

Prävention bei den ersten Anzeichen

Ihr Weg zur individuellen Therapie

Mit dem Arzt auf Augenhöhe

Facharzttermine vorbereiten

Was passiert beim Facharzt?

Ihr individueller Therapieplan

Den Schmerz verstehen und lindern

Hauptsymptom: Der Arthroseschmerz

Akute und chronische Arthroseschmerzen

Prüfen Sie: Was macht der Schmerz mit Ihnen?

Schmerzbeeinflusser in den Griff bekommen

Stellen Sie weitere Weichen

Schnelle Hilfe bei akuten Schmerzen

Arthrose braucht Bewegung!

Alles beginnt bei den Muskeln, Bändern und Faszien

Physiotherapie, Ergotherapie und Co.

Ihr Arthrosesport: Dehnung, Kräftigung, Ausdauer

Die richtige Ernährung

Übergewicht abbauen – Gelenke schonen

Die Küche als Haus -apotheke

Nahrungsergänzungs -mittel – die meisten enttäuschen

Therapie mit Medikamenten unterstützen

Schmerzmittel: Hilfreich, aber kein Heilmittel

Ihr Medikamenten-Stufenplan

Technische Hilfsmittel in der Schmerztherapie

Keine Angst vorm künstlichen Gelenk

Eine letzte Chance – gelenkerhaltende Eingriffe

Wann ist es Zeit für eine Operation?

Das künstliche Gelenk im Detail

Die Zeit in der Klinik gut vor- und nachbereiten

Zeit für einen Rückblick

Hilfe

Adressen

Tipps zum Weiterlesen

Stichwortverzeichnis

Was wollen Sie wissen?

Arthrose hat unterschiedliche Ursachen und viele Gesichter. Wundermittel, die allen helfen, gibt es nicht. Allerdings wird die Liste an Therapien und Lebensgewohnheiten, die sich gegen die Schmerzen bewähren, immer länger. So können Sie auch mit Arthrose ein aktives, erfülltes Leben führen.

In meiner Familie haben viele Personen eine Arthrose. Wird mir das auch passieren?

Tatsächlich gibt es eine erbliche Neigung. Aber: Neben den Genen teilen Familien oft auch den Lebensstil. Wenn Eltern und Kinder exzessiv Sport treiben, wenn alle Übergewicht haben oder wenn Großvater, Mutter und Tochter denselben gelenkbelastenden Beruf ausüben, dann ist es nur logisch, dass auch alle ein erhöhtes Arthroserisiko aufweisen. Das heißt im Umkehrschluss aber auch: Unabhängig von Ihren Genen haben Sie die Chance, im Beruf (siehe Kapitel 3, S. 63), in Bezug auf Sport (siehe Kapitel 4 ab S. 86) und in puncto Ernährung (siehe Kapitel 5 ab S. 111) die Weichen auf „gelenkfreundlich“ zu stellen und der Arthrose vorzubeugen bzw. ihr Voranschreiten zu verlangsamen.

Ich würde gerne mehr selbst tun, weiß aber nicht, wie.

Dieses Buch zu lesen, kann Ihr erster Schritt dazu sein. Denn Sie erhalten nicht nur Hintergrundwissen zur Entstehung unterschiedlicher Arthrosearten und zu Therapieansätzen, sondern auch Anregungen dazu, wie Sie mehr Gelenkfreundlichkeit in Ihren Alltag integrieren. Das Endlich-schmerzfrei-Programm, das in Kapitel 2 ab S. 40 vorgestellt wird, hilft Ihnen dabei, Ihre Strategie in Bezug auf Bewegung, Ernährung und Medikamente zu entwickeln. In sechs Wochen probieren Sie vieles aus und sammeln Erfahrungen. Danach wissen Sie, was Ihren Gelenken und Ihnen guttut – und was nicht.

Skifahren ist meine große Leidenschaft. Muss ich mit einer Hüftarthrose nun darauf verzichten?

Ski Alpin gilt als gelenkbelastender Sport – wer schon Arthrose hat, sollte nicht mehr damit anfangen. Doch erfahrene Skifahrer, die die Bewegungsabläufe verinnerlicht haben, müssen keinesfalls im Tal bleiben. Experten betonen: Mit fortgeschrittener Arthrose, ja selbst mit einem künstlichen Hüftgelenk, ist das Skifahren prinzipiell möglich. Achten Sie aber auf gute Vorbereitung – bauen Sie Ihre Muskulatur und Kondition gezielt auf. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Physiotherapeuten ab, was Sie noch tun können, um das betroffene Gelenk zu entlasten. Mehr zu Sport bei Arthrose verrät das Kapitel 4 ab S. 86 und mehr zum Gelenkersatz erfahren Sie in Kapitel 7 ab S. 153.

Manchmal schwillt mein Knie richtig stark an und tut sehr weh. Ist Schonung da nicht das Beste?

Tatsächlich sind die Wochen mit einer aktivierten Arthrose eine Zeit, in der Schonung sinnvoll ist. Denn jetzt ist Ihre Gelenkinnenhaut entzündet, vielleicht hat sich im Gelenk zusätzlich ein Erguss gebildet, zusätzlicher Druck würde die Heilung verzögern (mehr dazu: Kapitel 1, S. 35). Das Gebot der Stunde heißt also: Schonung, Kühlung, Entzündungshemmung (beispielsweise mit Schmerzmitteln aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika oder auch einer Schmerzspritze vom Arzt, siehe Kapitel 6 ab S. 131). Aber denken Sie daran: Sobald es Ihnen besser geht, tut Bewegung Ihren Gelenken ausgesprochen gut! Und auch im Sitzen können Sie Ihren Körper dehnen und kräftigen (Übungen dazu finden Sie in Kapitel 4 ab S. 92).

Meine Physiotherapeutin hat mir empfohlen, auf Fleisch zu verzichten. Hilft das wirklich bei einer Arthrose?

Tatsächlich machen viele Menschen, die von einer Arthrose betroffen sind, gute Erfahrungen damit, ganz oder teilweise auf Fleisch und Wurstwaren zu verzichten. Fleisch, vor allem Schweinefleisch, enthält nämlich viel Arachidonsäure. Diese Omega-6-Fettsäure fördert, im Übermaß konsumiert, Entzündungen und trägt zum Verschleiß der Gelenke bei. Allerdings lässt sich mit einer ins -gesamt entzündungshemmenden Ernährung (mit ausreichend Omega-3-Fettsäuren und viel pflanzlicher Kost) ebenfalls viel erreichen – lesen Sie dazu Kapitel 5, ab S. 111. Dort finden Sie auch Tipps zum Abnehmen, denn wer Übergewicht reduziert, tut damit aktiv etwas gegen Arthroseschmerzen.

Bei akuten Schmerzen möchte ich nicht immer gleich Medikamente nehmen. Gibt es noch etwas anderes, das ich tun kann?

Zum Glück führen bei Arthrose viele Wege zur Schmerzlinderung – zum Beispiel Kälte- oder Wärmeanwendungen, Kohlwickel, Quarkpackungen, Akupunktur, Reizstrom und Blutegel. Viele Patienten finden zudem mit der Zeit heraus, welche Dehn- und Kräftigungsübungen, die trotz der Schmerzen möglich sind, bei ihnen bestimmte Beschwerden effektiv lindern. In den Kapiteln 3 und 4 sind zahlreiche nicht-medikamentöse Behandlungsansätze beschrieben, die sich bewährt haben. Einige können Sie zu Hause ausprobieren, andere sollten Sie Ihren Arzt oder Ihre Physiotherapeutin besprechen.

Ich habe gehört, dass Hyaluronsäurespritzen wahre Wunder vollbringen sollen. Stimmt das?

Leider nein. Zwar sind viele Patienten dadurch tatsächlich einige Monate lang schmerzfrei, denn Hyaluronsäure ist von Natur aus in der Gelenkschmiere enthalten. Die Injektion hilft, den Restknorpel zu schmieren und seine Zerstörung zu bremsen. Doch Ihr Körper baut die Hyaluronsäure wieder ab und sobald dies geschehen ist, kehren die Beschwerden zurück. Ebenfalls gut zu wissen: Ist die Arthrose bereits fortgeschritten und der Knorpel fast oder ganz abgetragen, kommt die Behandlung zu spät. Wenn Sie es wagen möchten, noch genug Knorpel haben und die Kosten von 250 bis 300 Euro nicht scheuen, sollten Sie unbedingt einen Arzt auswählen, der viel Erfahrung mit dieser Behandlung hat.

Arthrose – kein Schreckgespenst!

Arthrose mag zu Einschränkungen führen, aber Sie haben der Krankheit allerhand entgegenzusetzen. Für Sie gilt es nun, die Ursachen und verstärkenden Einflüsse zu erkennen und Ihren Lebensstil aktiv anzupassen.

Ob im Knie, der Hüfte, einem oder mehreren Fingern, im Fuß, der Schulter oder in einzelnen Abschnitten der Wirbelsäule: Die Diagnose Arthrose löst oft viele Unsicherheiten und Befürchtungen aus. Schließlich entsteht sie unter anderem durch Verschleiß, und Verschleiß klingt nach: altersschwach, abgenutzt, nicht mehr fit. Ganz so ist es aber nicht! Mit beginnender Arthrose halten Sie die Zügel noch in der Hand und können mit einer gezielten Veränderung Ihres Lebensstils sogar bewirken, dass die Schmerzen wieder verschwinden. Vielen geht es nach einiger Zeit sogar besser als vor der Diagnose, weil Muskeln aufgebaut sowie Entzündungen im Körper abgebaut werden und sie bewusster durch den Alltag gehen. Auch in den späteren Stadien der Arthrose gibt es Möglichkeiten, die Beschwerden zu bekämpfen und die Lebensqualität zu steigern. Selbst der operative Gelenkersatz, der heute gängige Praxis ist, hat seine Schrecken verloren. Es bieten sich Ihnen viele unterschiedliche Möglichkeiten, wie Sie Ihren ganz persönlichen Weg mit der Erkrankung gestalten können.

Was ist Arthrose genau?

Arthrose kann verschiedene Ursachen haben, die oft komplex ineinandergreifen. Sie zu verstehen, kann Ihnen helfen, den Gelenkverschleiß zu bremsen.

Der Begriff Arthrose setzt sich zusammen aus dem griechischen arthron (Gelenk) und der Endung -ose, die in der Medizin für eine nicht entzündliche, dauerhafte Zustandsveränderung steht. Arthrose geht mit dem Verschleiß des Gelenkknorpels einher und wird daher auch als degenerative (also durch Verschleiß bedingte) Erkrankung bezeichnet. Obwohl Arthrose an sich keine entzündliche Erkrankung ist, spielen schmerzhafte Entzündungen doch eine große Rolle. Im Krankheitsverlauf kommt es oft zu Entzündungen der Gelenkinnenhaut, und bestehende Entzündungen an anderen Stellen im Körper können das Voranschreiten der Arthrose begünstigen. Gerade im Bereich der Entzündungen können Sie jedoch viel tun, um sich nachhaltig Linderung zu verschaffen.

Welche Gelenke können von Arthrose betroffen sein?

Arthrose kann an allen beweglichen Gelenken entstehen. Davon finden sich in Ihrem Körper mehr als hundert. Während Arthrose im Kiefergelenk eher selten vorkommt, sind andere Gelenke sehr häufig betroffen. So können Kniegelenkarthrose (fachsprachlich Gonarthrose), Hüftarthrose (Coxarthrose) oder die Polyarthrose (Arthrose verschiedener Gelenke in den Händen) durchaus als Volkskrankheiten bezeichnet werden. Das liegt nicht nur daran, dass wir Menschen ein immer höheres Alter erreichen und wir größer und schwerer werden, sodass Knie und Hüften höhere Lasten tragen müssen, sondern auch an unserer zum Teil ungesunden Lebensweise. Zusätzlich haben immer mehr Menschen Berufe, die mit einseitiger oder zu wenig Bewegung einhergehen. Kommt noch eine genetische Neigung dazu, entsteht irgendwann eine Arthrose. Mit ihr leben aktuell etwa 5 bis 12 Millionen Menschen allein in Deutschland.

Wenn die Knochen zu eng zusammenrücken

Um zu verstehen, wie es dazu kommen kann, lohnt sich der Blick auf den Aufbau eines Gelenks. Im Idealfall ist alles rund, glatt und geschmeidig – zwei Knochen bilden eine Einheit, ohne aneinanderzureiben. Denn jedes Knochenende ist mit Knorpel überzogen, der einiges aushält. Er ist zäh genug, um die Belastungen des Alltags über viele Jahrzehnte abzupuffern. Ernährt wird der Knorpel durch die Gelenkschmiere (fachsprachlich Synovia), die sich im schmalen Gelenkspalt zwischen den beiden Knochenenden befindet.

Gesund und kräftigDer Gelenkknochen ist vollständig von Knorpel umschlossen. Der hier blaue Gelenkknorpel ist zäh und puffert die Belastungen des Alltags ab.

Von außen schützt und stabilisiert eine Gelenkkapsel das Gelenk. Bänder und benachbarte Muskeln unterstützen sie dabei. Die Lasten des Alltags werden gleichmäßig verteilt, und kein Teil des Gelenks muss zu schwer tragen. Wenn doch mal größeres Gewicht auf das Gelenk einwirkt als üblich, dient der Knorpel als Stoßdämpfer. Und so wie der Stoßdämpfer eines Autos Öl benötigt, braucht der Knorpel die Gelenkschmiere. Sie wird im inneren Teil der Gelenkkapsel, der Gelenkhöhle, von der Gelenkschleimhaut (Synovialis) gebildet. Leider ist ein so komplexes System störanfällig. Denn sowohl die Gelenkkapsel als auch die Muskeln und Bänder können von außen überlastet und verletzt, aber auch von innen durch Entzündungen geschädigt werden. All das trägt dazu bei, dass die Knorpel nicht mehr optimal versorgt werden und ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen. Die Arthrose beginnt und schreitet voran. Schädigungen von außen entstehen zum Beispiel durch

ein Übermaß an Sport,

einen Beruf mit einseitiger, übermäßiger Belastung einzelner Gelenke, wie Dachdecker, Fliesenleger oder Pflegefachkraft,

Fehlbildungen, wie eine Hüftdysplasie,

Fehlstellungen, wie X- oder O-Beine,

Übergewicht,

Verkehrs-, Sport- und Haushaltsunfälle.

Die Gelenkschmiere (Synovia) besteht unter anderem aus Wasser, Glukose, Aminosäuren, Fetttröpfchen und Hyaluronsäure und sorgt so dafür, dass die Knorpeloberfläche glatt und widerstandsfähig bleibt.

Checkliste

Selbsttest: Ist es Arthrose?

Ihre Antworten auf die folgenden Fragen geben Hinweise darauf, wie es um Ihre Gelenkgesundheit steht:

Wenn Sie nach langem Sitzen oder Liegen aufstehen – verspüren Sie in Fuß, Knie, Hüfte oder im Wirbelsäulenbereich Schmerzen?

Tut eines Ihrer Gelenke auffallend weh, wenn Sie es kurzzeitig besonders belasten?

Schmerzt eines Ihrer Gelenke auch im Ruhezustand häufiger?

Kennen Sie reibende, kratzende Schmerzen in einem oder mehreren Gelenken?

Haben Sie häufiger oder sogar dauerhaft ein verdicktes Gelenk?

Wenn eines Ihrer Gelenke zu Schmerzen oder Schwellungen neigt: Tasten Sie es bitte ab und vergleichen Sie das Ergebnis mit dem Tastbefund eines anderen (Knie-, Finger-, Zehen-)Gelenks. Fühlt sich der Knochen durch die Haut auffällig dick oder rau an?

Sind einzelne oder all Ihre Fingergelenke manchmal oder immer ohne Kraft, sodass das Greifen oder das Öffnen einer Flasche Ihnen schwerfällt?

Knickt Ihr Knie bisweilen während des Gehens weg?

Vermeiden Sie Sportarten, die Ihnen früher Freude machten, oder Tätigkeiten im Haushalt, die Ihnen früher leichtfielen, weil sie Ihrem Empfinden nach für Ihre Gelenke zu beschwerlich sind?

Erwachen Sie nachts mit Rücken-, Knie-, Hüft-, Hand- oder Fuß-schmerzen?

Wenn Sie eine oder mehrere Fragen mit Ja beantwortet haben, könnten Sie unter Arthrose leiden, und Sie sollten bei Ihrem Hausarzt vorstellig werden. Mehr dazu, wie Sie den Arzttermin bereits vorbereiten können, erfahren Sie auf S. 32.

Von innen kommt es zum übermäßigen Knorpelverschleiß durch

natürliche Alterungsprozesse,

rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis (kurz RA), Morbus Bechterew oder Gicht,

genetische Faktoren, die zum Großteil noch erforscht werden müssen,

hormonelle Veränderungen,

einen Lebensstil, der Entzündungen fördert, zum Beispiel mit einseitiger Ernährung, regelmäßigem Alkoholkonsum, wenig Bewegung,

die lange oder häufige Einnahme bestimmter Medikamente, z. B. einer Gruppe von Antibiotika, den sogenannten Gyrasehemmern.

Wie es zum Knorpelverlust kommt

Sie ahnen es: Bei vielen Menschen treten mehrere Risikofaktoren in Kombination auf, sowohl von außen als auch von innen. Die Folgen sind immer dieselben: Der Gelenkspalt verengt sich, die Synovia wird in anderer Zusammensetzung oder gar nicht mehr gebildet bzw. kann nicht mehr frei fließen. Gelegentlich wird die Gelenkschleimhaut so gereizt, dass sie sich entzündet: Hier spricht man vom Stadium der aktivierten Arthrose. Solche Entzündungs-prozesse tragen dazu bei, dass der Knorpel seine Struktur verändert, seine Widerstandskraft verliert und mit der Zeit schwindet. Nach dem Knorpel nimmt auch der Knochen irgendwann Schaden. Doch Ihnen bleibt noch viel Zeit, einzugreifen und so diesen Verschleiß zumindest teilweise zu stoppen.

Wie weit fortgeschritten ist die Arthrose?

Das Stadium der Arthrose zu bestimmen, ist die Aufgabe eines Arztes (oder sogar mehrerer Fachärzte, siehe S. 32). Ihr Hausarzt kann Sie so weit durchchecken, dass sich Ihr Verdacht erhärtet oder zerstreut. Mithilfe eines Blutbilds kann ermittelt werden, ob bestimmte Entzündungsmarker in Ihrem Blut erhöht sind. Das gibt Hinweise auf andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen, zum Beispiel die rheumatoide Arthritis (RA). Je nachdem, was Ihr Hausarzt herausgefunden hat, wird er Sie entweder zum Orthopäden oder zu einem rheumatologischen Internisten schicken – einem Facharzt der Inneren Medizin, der sich auf rheumatische Erkrankungen spezialisiert hat.

Eine Frage des Verschleißes

Nach der Diagnose einer Arthrose stellt sich die Frage nach dem Stadium. Hier wird zwischen dem Grad des Knorpelabbaus bzw. der Knochenschädigungen und dem der Beeinträchtigungen unterschieden. Beide können erheblich voneinander abweichen. Fest steht: Sie können noch so viele Röntgen-, MRT- oder CT-Bilder von Ihren Gelenken aufnehmen lassen (siehe S. 37), auf denen sich der Gelenkspalt eindeutig messen lässt und teilweise auch Schäden am Knochen zeigen. Diese sagen jedoch nur wenig darüber aus, wie sehr die Arthrose Sie selbst belastet (siehe S. 54).

Stadium 1:Der Knochen sieht noch gesund aus, der Knorpel (hellblau) ist jedoch bereits brüchiger als üblich, in seiner Struktur verändert. Die Gelenkschleimhaut (dunkelblau) kann bereits gereizt sein. Hier lässt sich mit entzündungshemmender Lebensweise und behutsamer Bewegung noch viel tun, damit die Arthrose nicht voranschreitet.

Stadium 2:Die Oberfläche des Knorpels ist uneben und fasert sich auf. Auch die Gelenkschleimhaut hat durch Entzündungen Schaden genommen. Symptome wie Anlauf- oder Belastungsschmerz beginnen. Kleine Knorpeldefekte können jetzt noch ausheilen und mit muskelaufbauendem, die Gelenke entlastendem Training wird das Voranschreiten der Erkrankung gebremst.

Stadium 3:Der Gelenkspalt ist enger geworden, der Knochen hat sich verbreitert, um Lasten anders zu verteilen. Die Synovia fließt jetzt nicht mehr frei und kann den Knorpel weder ernähren noch schützen. Er schwindet zunehmend.

Stadium 4:Knochen reibt an Knochen, dieses gefürchtete Stadium nennen viele Knochenglatze. Im Knochen haben sich Verhärtungen (subchondrale Sklerosierungen) gebildet. Vom Gelenkspalt und Knorpel sind nur noch Reste vorhanden. Wenn beide ganz verschwunden sind, kann das Gelenk sich versteifen.

Studien zeigen immer wieder, dass manche Patienten, bei denen der Knorpel ganz abgetragen ist – also Knochen an Knochen reibt (das nennen viele auch Knochenglatze) –, nur leichte Schmerzen haben. Gleichzeitig finden sich Menschen mit lediglich geringen Knorpeldefekten, die dennoch jeder Schritt belastet und die keine Nacht mehr durchschlafen. Verwunderlich ist das nur auf den ersten Blick. Denn die Schmerzen entstehen nicht etwa im Knorpel selbst und auch nur selten im Knochen. Allerdings kann eine entzündete Gelenkinnenhaut heftig wehtun.

Aber nicht immer ist es der Knochen selbst bzw. die Gelenkinnenhaut, die schmerzen. In den meisten Fällen sind es die das Gelenk umgebenden Strukturen, namentlich Bänder, Sehnen, Faszien und Muskeln, die Schmerzsignale durch Ihren Körper senden.

Schuld daran sind unter anderem vorangegangene, nicht richtig ausgeheilte Verletzungen, die zu einseitiger Belastung führen, die gleichzeitig den Knorpelverschleiß fördert, oder auch Verspannungen infolge einer Schonhaltung. Das heißt aber auch: Wenn Ihre Muskulatur, Faszien, Bänder und Sehnen heilen dürfen bzw. aufgebaut werden, können sie Ihre Gelenke entlasten, und dann halten sich die Beschwerden oft in Grenzen. Selbst dann, wenn der Knorpel schon ein Stück weit abgetragen ist. Darum ist es so wichtig, den gesamten Bewegungsapparat zu stärken und regelmäßig auf gelenkschonende Weise aktiv zu sein. Denn Dehnung, Kräftigung und ein rundum aktives Leben können den Schmerz herunterregulieren. In Kapitel 4 ab S. 73 finden Sie viele Anregungen und Übungen, die Ihnen guttun werden.

Die drei Stadien der Arthrosebeschwerden

Da die Bildgebung keine Aussagen zu Ihren tatsächlichen Beschwerden zulässt, sind viele Fachleute dazu übergegangen, die Arthrose-Stadien auch anders zu definieren als

stumme Arthrose komplett oder fast ohne Symptome (Stadium 1),

aktivierte Arthrose mit Entzündung im Gelenk (Stadium 2),

dekompensierte Arthrose mit anhaltenden Schmerzen (Stadium 3).

Die aktivierte Arthrose

Ist der Knorpel schon sehr geschädigt, neigt die Gelenkinnenhaut dazu, sich zu entzünden. Ein Gelenkerguss entsteht. Das Gelenk schwillt an, häufig ist es auch überwärmt und gerötet. Jede Bewegung schmerzt und fällt schwer. Die aktivierte Arthrose tritt schubweise auf, die Symptome dauern meistens zwei bis vier Wochen an.

Die meisten Patienten erhalten ihre Diagnose, wenn sie mit aktivierter Arthrose oder Dauerschmerzen zum Arzt gehen, also in Stadium 2 oder 3. Zwar kommt es auch im ersten Stadium gelegentlich zu Beschwerden, diese sind jedoch recht unspezifisch. Ein steifes, dickes Knie, ein dumpfer Schmerz in der Hüfte, geschwollene Finger, ein verspannter Nacken: Kennen wir das nicht alle? Solche Symptome können auch durch eine ungünstige Liegeposition, falsches oder zu schweres Tragen oder einen Luftzug kommen. Ist nach wenigen Tagen wieder alles vorbei, verblasst die Erinnerung. Arthrosen in Beschwerde-Stadium 1 werden darum meistens zufällig diagnostiziert: wenn die Orthopädin nach einem Sturz zur Sicherheit ein Röntgenbild anfertigt, bei der Musterung für die Bundeswehr oder bei einer OP-Nachsorge mit Bildgebung.

Ihre Arthrose kann Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte in Stadium 1 verharren, wenn Sie gelenkschonend leben und keine Erkrankungen, Unfälle oder andere Faktoren zu einer weiteren Schädigung von Knorpel und Knochen führen.

Häufig geht die Arthrose jedoch irgendwann in Stadium 2 über. Dann leben Sie mit den folgenden wiederkehrenden oder anhaltenden Beschwerden:

Anlaufschmerz: Wenn Sie von Bett, Sofa oder Arbeitsstuhl aufstehen, erinnern heftige Stiche, ein Pochen oder ein Reißen daran, dass etwas nicht stimmt. In Bewegung werden die Symptome allmählich erträglicher.

Belastungsschmerz: Bestimmte Bewegungsabläufe, zum Beispiel Treppenlaufen oder schweres Heben, verursachen heftige Beschwerden.

Ruheschmerz: In Stadium 2 und 3 hört der Schmerz überhaupt nicht mehr auf. Schonung allein hilft nicht, allenfalls Wärme oder Kälte, Wickel, Spritzen, Schmerzcremes oder -tabletten können lindern.

Für die ersten Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte mit der Arthrose gilt: Außerhalb der Phasen der aktivierten Arthrose kommen die meisten Betroffenen gut zurecht. Es ist noch immer möglich, den Verlauf zu bremsen – mit Bewegung (siehe S. 73), Physiotherapie, Ernährung (siehe S. 111), oft auch Medikamenten (siehe S. 131) und einem insgesamt gelenkfreundlichen Lebensstil (siehe S. 19). Der Alltag macht Spaß, Beruf und Familienmanagement sind meistens gut möglich.

Viele Patienten erreichen aber mit der Zeit Arthrosestadium 3, den Zustand der Dauerschmerzen. Doch auch hier gibt es immer mehr Möglichkeiten, eine gute Lebensqualität zurückzugewinnen. Mit einer maßgeschneiderten Schmerz- und Bewegungstherapie (siehe S. 27) können Sie dem operativen Gelenkersatz (siehe S. 153) lange vorbeugen – vielleicht sogar für immer.

Wo Arthrose sich häufig entwickelt

Vor allem Gelenke, die Tag für Tag belastet werden, sind für einen Verschleiß anfällig. Erfahren Sie mehr über Risiken, Symptome und Behandlungsweisen.

Arthrose hat viele Gesichter und kann schon junge Erwachsene treffen.

Im höheren Alter ist sie jedoch wesentlich weiter verbreitet. Natürlich ist es auch möglich, dass ein Patient an mehreren Stellen Arthrose entwickelt. Im Folgenden sind verbreitete Arthrosearten beschrieben, geordnet nach der Häufigkeit ihres Auftretens in Deutschland.

Kniearthrose (Gonarthrose). Studien zufolge hat fast jede sechste Person mit Anfang 50 Kniearthrose, mit Anfang 70 ist es mehr als jeder Dritte. Bei der Erstuntersuchung sollten beide Knie verglichen sowie Achsverhältnisse, Beinlängendifferenz und Funktion geprüft werden. Die Beobachtung des Gangs, die Inspektion der Haut und eine Tastuntersuchung helfen bei der Diagnose, auch eine Bildgebung empfiehlt sich.

Hüftarthrose (Coxarthrose). Die Hüftarthrose, fachsprachlich Coxarthrose, liegt auf Platz 2 aller Arthrosearten, 15 bis 20 Prozent der 60-Jährigen leben damit. Die Risikofaktoren reichen von angeborenen Hüftfehlbildungen über dauerhaft schweres Tragen und sportliche Überbelastung bis hin zum Rauchen. Die Diagnostik erfolgt unter anderem durch eine Beweglichkeitsüberprüfung, das Beobachten des Gangs und bildgebende Diagnostik.

Arthrosen des Daumensattelgelenks und der Fingergelenke. Arthrosen in den Fingern treffen meistens Frauen nach der Lebensmitte. Mit Arthrose im Daumensattelgelenk (Rhizarthrose), in Fingerendgelenken (Heberden-Arthrose) oder in Fingermittelgelenken (Bouchard-Arthrose) lassen Kraft und Beweglichkeit der Finger nach. Anstrengungen verursachen Schmerzen. Mit der Zeit bilden sich oft Knoten, und die Finger verformen sich. Manchmal ist nur ein Gelenk betroffen, viele bekommen jedoch in mehreren Gelenken die typischen Beschwerden – dann sprechen Ärzte von der Polyarthrose. Außer hormonellen und altersbedingten Faktoren scheint die Überbelastung im Alltag eine Rolle zu spielen.

Wirbelsäulenarthrose. Wirbelsäulenarthrosen entstehen an den Facettengelenken zwischen den Wirbeln. Schuld daran sind oft einseitige Belastung und Alterungsprozesse. Besonders häufig betrifft der Verschleiß den Knorpel der Hals- und der Lendenwirbelsäule (HWS-oder LWS-Arthrose). Die Schmerzen können sich wie Verspannungen, aber auch ziehend und dumpf anfühlen. Sie strahlen häufig in die umliegenden Bereiche aus: bei HWS-Arthrose in den oberen Rücken, Nacken, Schultern und Unterarme, bei LWS-Arthrose bis in die Beine.

Iliosakralgelenksarthrose. Zur Iliosakralgelenks-(ISG-)Arthrose kommt es häufiger, nachdem der untere Rücken lange überlastet wurde. Die beiden Iliosakralgelenke verbinden das Kreuzbein mit den Darmbeinen und somit die Wirbelsäule mit dem Becken. Sie haben schwer zu tragen in Beruf, Sport oder auch durch Übergewicht. Die Schmerzen strahlen oft in die Leiste, das Gesäß oder einen Oberschenkel aus, und in der Folge leidet die Beweglichkeit.

Arthrose der Schulter (Omarthrose). Begünstigend wirken Alterungsprozesse, Überbelastung, vorausgegangene Verletzungen oder die Grunderkrankung rheumatoide Arthritis. Gezieltes Training kann den gesamten Schultergürtel stärken und die Schulter entlasten, gleichzeitig sollte das Überstrecken der Arme vermieden werden. Der wichtigste Therapieansatz sind physiotherapeutische Behandlungen.

Seltenere Arthrosearten von Kopf bis Fuß

Die typischen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen können prinzipiell alle Gelenke betreffen – diese sind die häufigsten unter den selteneren:

Kiefergelenksarthrose. Durch Knirschen oder unpassende Füllungen bzw. Implantate, der Zahnarzt stellt die Diagnose.

Ellenbogenarthrose. Als Alterserscheinung oder auch als Unfallfolge.

Handgelenksarthrose. Häufig ist eine berufsbedingte Überlastung ursächlich.

Sprunggelenksarthrose. Mögliche Folge von Leistungssport bzw. Sportunfällen.

Arthrose der Großzehe. Hallux limitus, Hallux rigidus oder infolge eines Hallux valgus; Entstehung aufgrund von Fußfehlstellungen und ungünstigem Schuhwerk.

Bei der Kiefergelenksarthrose kann der Kieferorthopäde, bei allen anderen der Orthopäde weiterhelfen. Unabhängig von den betroffenen Gelenken unterstützen ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung den Therapieerfolg.

Der Arthrose davonlaufenEinen Versuch ist es auf jeden Fall wert! Ob sanftes Joggen, zügiges Gehen oder Nordic Walking, die gleichmäßige Bewegung schützt die Gelenke und wirkt Entzündungen im Körper entgegen.

Prävention bei den ersten Anzeichen

Bei Arthrose heißt es: Je früher Sie gegensteuern, desto mehr Erfolg ist möglich. Legen Sie am besten gleich los!

Prävention – also Vorbeugung – mag sich vielleicht für Sie, nachdem Sie die Diagnose Arthrose erhalten haben, etwas befremdlich anhören. Doch tatsächlich gibt es einige Gründe, sich weiterhin mit vorbeugenden Maßnahmen zu beschäftigen. Alle Präventionsmaßnahmen eignen sich auch dazu, die schon vorhandene Arthrose auszubremsen. Und selbst, wenn Ihr verlorener Knorpel dadurch nicht zu retten ist: Ihre anderen Gelenke werden es Ihnen danken! Für die Arthrose-Prävention gibt es drei ebenso einfache wie klare Gebote:

Bewegen Sie sich angemessen.

Ernähren Sie sich entzündungshemmend.

Suchen Sie sich Verbündete.

So einfach das klingt, so knifflig kann es sein, jedem dieser Gebote zu folgen. Jeder muss eigene Konzepte finden, die zum Alltag passen. Die folgenden Beispiele sollen Ihnen als Anregung dazu dienen, damit anzufangen. Wie Sie diese Bereiche dann vertiefen können, erfahren Sie in den Kapiteln zwei, vier und fünf.

Bewegung, die guttut

Zur Bewegung als Anti-Arthrose-Mittel gilt: je regelmäßiger, desto besser – aber bitte ohne Wettbewerb, Druck und Stress. Wenn Sie bereits einen Sport ausüben, der die Gelenke eher belastet – Squash, Fußball oder Ski Alpin zum Beispiel –, müssen Sie diesem nicht gleich Adieu sagen. Aber Ihre Gelenke danken es Ihnen, wenn Sie sie künftig dabei unterstützen. Sprechen Sie mit Ihrer Orthopädin oder Physiotherapeutin darüber, die sich auskennt: Mal schützen Bandagen (siehe S. 148), mal besonders gutes Schuhwerk, auch ein Ganzkörper-Krafttraining (siehe S. 87) kann dauerhaft wertvoll sein. Wenn Sie mit dem Sport erstmals oder nach langer Pause wieder anfangen, dann eignen sich zum Gelenkschutz langsame, gleichmäßig belastende Sportarten, bei denen Sie das Tempo jederzeit anpassen können. Wandern, Nordic Walking, Fahrradfahren, Schwimmen, Gerätetraining, Yoga, Tanzen, Golf: Die Auswahl ist groß. Gut tut alles, was den Gelenkspalt dehnt und die Muskeln aufbaut. In Kapitel 4 ab S. 86 erfahren Sie, was Sie noch ausprobieren können.

Wer rastet, der rostet

Anders als früher angenommen, finden Ihre Knie es nicht angenehm, dauerhaft hochgebettet oder unterm Tisch ausgestreckt zu werden und nie in Bewegung zu sein. „Wer rastet, der rostet“ – dieser Spruch könnte für Kniegelenke erfunden worden sein. Selbst das Treppenlaufen oder Bergsteigen nutzt bei noch halbwegs gesunden Kniegelenken mehr, als dass es schadet. Nehmen Sie also häufiger mal die Treppe anstatt den Aufzug, steigen Sie eine Busstation früher aus oder gehen Sie gleich zu Fuß. Wandern und klettern Sie in schöner Umgebung oder unternehmen Sie eine kleine Fahrradtour.

Was Gelenke mögen

Dass Bewegung guttut, ist keine Binsenweisheit. Bewegung ist ein wichtiger, empirisch belegter Baustein für unser aller Gesundheit. Und so ist es eben auch bei Ihren Gelenken, die moderate Bewegung sehr schätazen. Ihre Hüftgelenke etwa freuen sich grundsätzlich über alles, was Ihre Gesäß-und Oberschenkelmuskulatur aufbaut und was sie dehnt statt zusammenstaucht. Recken und strecken Sie sich am besten schon morgens im Bett in alle Richtungen, achten Sie beim Sitzen auf entspannte Knie und kicken Sie gelegentlich in die Luft. Schütteln Sie Ihre Schultern durch, machen Sie sich am Schreibtisch zwischendurch lang.

Training stoppen, wenn es wehtut! Grundsätzlich sollten Sie mit jeder Übung aufhören, sobald Ihr Schmerz sich verstärkt bzw. neue Schmerzen hinzukommen. Es ist zudem immer ratsam, sich von einer Physiotherapeutin auf Sie zugeschnittene Dehn- und Kräftigungsübungen zeigen zu lassen und diese täglich zu Hause zu wiederholen.

Anti-Arthrose-Yoga für Einsteiger

Die Wirbelsäule mobilisieren

1„Katze und Kuh“ heißt eine Yogaübung, die Wirbelsäule und Hüfte dehnt und die Durchblutung fördert. Die Kuh beginnt im Vierfüßlerstand, mit geradem Rücken und den Knien im 90-Grad-Winkel.

Stützen Sie sich auf den Fäusten auf, um den Druck in den Handgelenken gut zu verteilen.

Den Rücken erst parallel zum Boden halten, den Blick nach unten richten. Kopf, Rücken und Po bilden dabei eine Linie.