Alia (Band 3): Das Land der Sonne - C. M. Spoerri - E-Book + Hörbuch

Alia (Band 3): Das Land der Sonne E-Book und Hörbuch

C.M. Spoerri

4,3

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Beschreibung

Die Prophezeiung ihrer leiblichen Mutter führt Alia einer unsicheren Zukunft entgegen. Kann sie ihren neuen Freunden trauen, oder wird jemand sie an Xenos, den Zirkelleiter von Lormir, verraten? Gelingt ihr die Flucht vor ihm und die Suche nach ihrer Herkunft? Welches Schicksal ist ihr bestimmt? Ihre Hoffnung: Sie soll im Land der Sonne Antworten auf ihre Fragen finden.

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Seitenzahl: 657

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Zeit:14 Std. 23 min

Sprecher:Marlene Rauch

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Man kann sich nicht von der Lektüre losreißen

Teil 4 ??? Ahhh 😰
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Inhaltsverzeichnis

Titel

Informationen zum Buch

Impressum

Widmung

Landkarte von Altra

Kapitel 1 - Reyvan

Kapitel 2 - Alia

Kapitel 3 - Maryo

Kapitel 4 - Alia

Kapitel 5 - Alia

Kapitel 6 - Alia

Kapitel 7 - Alia

Kapitel 8 - Alia

Kapitel 9 - Alia

Kapitel 10 - Zaron

Kapitel 11 - Zaron

Kapitel 12 - Alia

Kapitel 13 - Zaron

Kapitel 14 - Alia

Kapitel 15 - Alia

Kapitel 16 - Alia

Kapitel 17 - Alia

Kapitel 18 - Alia

Kapitel 19 - Alia

Kapitel 20 - Alia

Kapitel 21 - Zaron

Kapitel 22 - Alia

Kapitel 23 - Alia

Kapitel 24 - Alia

Kapitel 25 - Alia

Kapitel 26 - Alia

Kapitel 27 - Alia

Kapitel 28 - Alia

Kapitel 29 - Alia

Kapitel 30 - Alia

Kapitel 31 - Alia

Kapitel 32 - Alia

Kapitel 33 - Alia

Kapitel 34 - Alia

Kapitel 35 - Alia

Kapitel 36 - Alia

Kapitel 37 - Alia

Kapitel 38 - Alia

Kapitel 39 - Alia

Kapitel 40 - Alia

Kapitel 41 - Alia

Kapitel 42 - Alia

Kapitel 43 - Alia

Kapitel 44 - Maryo

Kapitel 45 - Alia

Kapitel 46 - Alia

Kapitel 47 - Alia

Kapitel 48 - Kala

Glossar

Nachwort

 

C. M. Spoerri

 

 

Alia

Band 3: Das Land der Sonne

 

 

Fantasy

 

 

 

 

 

Alia (Band 3): Das Land der Sonne

Die Prophezeiung ihrer leiblichen Mutter führt Alia einer unsicheren Zukunft entgegen. Kann sie ihren neuen Freunden trauen, oder wird jemand sie an Xenos, den Zirkelleiter von Lormir, verraten? Gelingt ihr die Flucht vor ihm und die Suche nach ihrer Herkunft? Welches Schicksal ist ihr bestimmt? Ihre Hoffnung: Sie soll im Land der Sonne Antworten auf ihre Fragen finden.

 

Die Autorin

C. M. Spoerri wurde 1983 geboren und lebt in der Schweiz. Sie studierte Psychologie und promovierte im Frühling 2013 in Klinischer Psychologie und Psychotherapie. Seit Ende 2014 hat sie sich jedoch voll und ganz dem Schreiben gewidmet. Ihre Fantasy-Jugendromane (›Alia-Saga‹, ›Greifen-Saga‹) wurden bereits tausendfach verkauft, zudem schreibt sie erfolgreich Liebesromane. Im Herbst 2015 gründete sie mit ihrem Mann den Sternensand Verlag.

 

 

www.sternensand-verlag.ch

[email protected]

 

1. Auflage, Februar 2020

© Sternensand Verlag GmbH, Zürich 2020

Umschlaggestaltung: Alexander Kopainski

Lektorat / Korrektorat: Sternensand Verlag GmbH | Natalie Röllig

Korrektorat 2: Jennifer Papendick

Satz: Sternensand Verlag GmbH

 

ISBN (Taschenbuch): 978-3-03896-086-7

ISBN (epub): 978-3-03896-097-3

 

Alle Rechte, einschließlich dem des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Dies ist eine fiktive Geschichte. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

 

 

 

 

Für meine Eltern.

Danke, dass ihr immer an mich geglaubt habt.

Danke, dass ihr meine Familie seid.

Danke für eure Liebe.

 

Landkarte von Altra

 

Kapitel 1 - Reyvan

 

Seit einem Tag sind wir Xenos nun dicht auf den Fersen. Ich habe die Kämpfer, die mir die Königin zur Verfügung gestellt hat, derart angetrieben, dass wir die Strecke zwischen dem Westendwald und der Waldsteppe vor Zakatas innerhalb kürzester Zeit zurückgelegt haben. Wir waren schneller unterwegs, als ein Mensch es je sein könnte, aber es war uns dennoch nicht gelungen, den Zirkelleiter und seine Truppe zu stellen. Es wird jedoch nicht mehr lange dauern, spätestens morgen früh werden wir die Magier angreifen.

Xenos ist bereits am Rande der Wälder von Zakatas angekommen und hat sein Lager in der Waldsteppe aufgeschlagen. Die Kundschafter haben dreihundert Kämpfer gezählt – ein Drittel davon sind Magier.

Dreihundert Krieger gegen hundert Elfen. Viel ungleicher könnte das Verhältnis kaum sein. Aber ich vertraue auf meine Kämpfer. Zudem habe ich gestern eine Nachricht von meinem Vater erhalten, der von dem Angriff unterrichtet worden ist und ebenfalls eine Armee aufgestellt hat, die unterwegs in die Waldsteppe ist. Doch es wird noch knapp drei Tage dauern, bis er zu uns stößt. Der Wald bietet zwar Schutz, aber es ist durch das dichte Unterholz auch ungleich schwerer, mit einer Armee voranzukommen.

Ich schwinge mich von meinem Schlachtross, das die Königin der Westendelfen mir zur Hochzeit geschenkt hat. Es ist ein edles Tier mit glänzend schwarzem Fell und einer außergewöhnlich hellen Mähne. Ein Diener nimmt mir das Pferd ab und führt es zu den anderen auf die Koppel, die etwas abseits liegt.

Wir haben unsere Zelte in einem Lindenhain aufgestellt. Die hohen Bäume und die Sträucher, die dazwischen wachsen, bieten sowohl Deckung als auch Schutz vor dem Regenwetter, das für diese Jahreszeit so hoch im Norden von Altra nicht unüblich ist.

Das Wasser hat den Steppenboden aufgeweicht und in eine Schlammlandschaft verwandelt. Die einst dunkelgrünen Zelte sind braun vor Dreck, den selbst der andauernde kalte Regen nicht wegwaschen kann. Die Temperaturen verkünden das Verblassen des Herbstes – bald wird der erste Schnee fallen. Glücklicherweise frieren wir Elfen nicht so schnell wie Menschen, daher sind die Krieger, die Königin Sylvara Némys mir zur Verfügung gestellt hat, in körperlich guter Verfassung.

Ich fahre mir mit der Hand über das Gesicht und starre auf das Armband an meinem Handgelenk, das mich immer noch mit Alia verbindet. Trotz der Tatsache, dass ich nun mit Prinzessin Amyéna Némys verheiratet bin …

Ich schüttle den Kopf, aber es ändert rein gar nichts. Ich bin jetzt sowohl ein Prinz der Elfen von Westend als auch von Zakatas – und werde das Erbe von Königin Sylvara Némys antreten, um zusammen mit Amyéna zu regieren.

Ein solch mächtiges Bündnis gab es seit Jahrtausenden nicht mehr. Ein Bündnis, das die Elfen von Zakatas mit den Westendelfen verbindet. Und diese Verbindung wird so lange dauern, wie ich, meine Frau und unsere gemeinsamen Kinder leben – was bei Elfen mehrere Jahrtausende sein können.

»Es sei denn, ich sterbe morgen …«, murmle ich mit einem bitteren Geschmack auf der Zunge.

Zu verlieren habe ich ohnehin nichts mehr. Mit der Heirat habe ich bereits auf das verzichtet, was ich am meisten liebe: Alia. Und dies nur, damit sich ihre Prophezeiung erfüllt … Nun gut, auch um mein Volk zu retten und meine Schuld zu begleichen, die ich auf mich geladen habe, als ich den Zirkel verließ, um dem Mädchen zu helfen, das mein Herz im Sturm erobert hat.

Meine Cíara.

Beim Gedanken an Alia muss ich mich zusammenreißen, um nicht laut zu seufzen. Keiner wird je verstehen, wie sehr ich sie geliebt habe, sie immer noch liebe und für immer lieben werde. Jede Nacht liege ich seit unserer Trennung wach, denn wenn ich die Augen schließe, sehe ich ihr Gesicht, ihre wunderschönen, dunkelbraunen Augen, die mit Tränen gefüllt waren, als ich mich mit einem letzten Kuss von ihr verabschiedet habe.

Sie hatte mir auf dem Schiff des Elfenkapitäns versprochen, mich in einem Krieg gegen Xenos zu unterstützen, aber die Hochzeit hat alles verändert. Ich hätte es nicht ausgehalten, wenn sie mich auf dieser Reise begleitet und mir täglich vor Augen geführt hätte, was ich verloren habe. Zumal wir dann viel langsamer vorwärtsgekommen wären.

Es war für uns beide klar, dass dieser ursprüngliche Plan nach der Entscheidung, die ich für mein Volk und gegen meine Liebe getroffen habe, nicht mehr zur Diskussion stand.

Die Tatsache, dass Alia mit Zaron, Maryo und dessen Männern aufgebrochen ist, nachdem ich meinen Entschluss Königin Sylvara Némys verkündet habe, beruhigt mich ein bisschen. Die beiden werden auf sie aufpassen.

Meine Gemahlin Amyéna hat sich zwar als hübsche Elfin herausgestellt, aber sie kann Alia in keiner Weise das Wasser reichen. Weder in ihrer Schönheit noch in ihrer Intelligenz oder ihrem Witz ist sie mit der jungen Magierin vergleichbar.

Als ich Amyéna zum ersten Mal im Thronsaal sah, erinnerte ich mich, sie vor einigen Hundert Jahren bei einem Fest in der gläsernen Stadt schon einmal getroffen zu haben. Aber damals war ich weder sonderlich an Frauen interessiert gewesen noch hatte ich mir vorstellen können, jemals zu heiraten.

Ersteres hat sich geändert, als ich ein Mann wurde und in den Kreis der Elfen aufgenommen worden bin. Letzteres … Nun, diese Entscheidung ist mir von Alias Prophezeiung abgenommen worden.

Ich seufze nun doch und verfluche diese verdammte Prophezeiung, die alles zerstört hat. Gedankenverloren spiele ich mit dem ledernen Armband.

Amyéna. Es ist komisch, nun eine Frau an meiner Seite zu haben, die ich noch nicht einmal richtig kenne. Außerdem weiß ich, dass sie bereits einmal verheiratet gewesen ist. Ihr damaliger Gemahl – irgendein Elfenprinz aus dem Süden, den ich nie kennengelernt habe – ist jedoch vor vielen Hundert Jahren verstorben. Nun ja, zumindest erklärt das, warum die Königin so erpicht darauf war, dass ihre Tochter nach einer solch langen Zeit endlich wieder heiratete, um ihre Linie fortzusetzen. Auch Elfen sind nicht ewig fruchtbar und bei Amyéna ist es langsam an der Zeit, dass sie Kinder bekommt – meine Kinder.

Die Hochzeitsnacht war … seltsam. Ich habe es zwar irgendwie geschafft, mit ihr zu schlafen, jedoch glitten meine Gedanken immer wieder zu Alia. Wenn ich die Augen schloss, roch ich sie, wenn ich Amyéna berührte, spürte ich sie. Nur sie. Alia.

Abermals schüttle ich den Kopf, als wollte ich eine lästige Fliege loswerden, und denke an die erste Begegnung mit Amyéna zurück, nachdem ich Alia für immer verlassen habe.

Die Prinzessin von Westend hat mich freundlich begrüßt, als ich ihr im Thronsaal gegenüberstand. Sie ist eine schöne, anmutige Elfin, aber ich habe in ihren Augen gesehen, dass es auch für sie eine Überraschung war, als ihr ihre Mutter verkündete, dass sie nun vor ihrem Bräutigam stehe. Hinzu kam, dass gemunkelt wird, ihr Herz sei bereits an einen anderen Mann vergeben. Wer dieser Mann ist, das wollte mir jedoch niemand verraten.

Alles in allem: Viel schlimmer hätte unsere Ehe gar nicht beginnen können. Eine verwitwete Prinzessin, die in einen anderen Mann verliebt ist, und ein Prinz, der nur heiratet, um seiner großen Liebe zu helfen – und seine Schuld zu begleichen.

Ich lache bitter auf. Welch üblen Humor Ferys, der Gott der Elfen, doch manchmal hat!

Ich war froh, dass ich direkt nach der Hochzeit aufbrechen konnte und es nicht, wie ansonsten bei einer Vermählung unter Elfen üblich, ein dreitägiges Fest gab.

Ob ich sie jemals lieben kann, diese Prinzessin der Elfen von Westend? Hoffentlich. Zumindest habe ich die nächsten Jahrhunderte Zeit, es herauszufinden. Aber zuerst werde ich meinem Vater Rede und Antwort stehen müssen.

Mein Blick fällt abermals auf das lederne Armband. Ich weiß dank ihm, dass Alia im Moment Qualen leidet. Oder vielleicht sind es auch meine eigenen Empfindungen. Seit der Hochzeit – bei der sie glücklicherweise nicht mit dabei war, sonst hätte ich es mir womöglich im letzten Moment noch anders überlegt – spüre ich ihre Gefühle nur noch wie durch einen Schleier.

»Prinz Reyvan Némys!«

Ich drehe mich um und merke, dass ich mich noch nicht daran gewöhnt habe, nun einen anderen Nachnamen zu besitzen. Bei den Elfen ist es üblich, dass der Name der Familie angenommen wird, die das Hochzeitsfest ausrichtet. Und in meinem Fall war das eben Königin Sylvara Némys. Es blieb keine Zeit, meine eigene Familie über die Hochzeit zu informieren und in den Westendwald zu bitten oder gar in die gläserne Stadt zu reisen. Jeder Tag, der vergeht, kann über die Zukunft der Elfen von Zakatas entscheiden.

Ich bemerke, wie Raelys, Hauptmann der Königinnengarde und mein Berater, mit langen Schritten durch den Regen auf mich zueilt. Seine hellen Augen glitzern wie flüssiges Gold, das rotblonde Haar hat er unter einem Helm verborgen.

»Was gibt es, Raelys?« Ich verschränke die Arme vor meinem ledernen Brustpanzer.

»Gute Neuigkeiten, mein Prinz!« Raelys atmet schwer. Offenbar ist er einen großen Teil des Weges gerannt. »Die letzten Kundschafter sind zurückgekehrt. Sie sagen, Euer Vater wird in weniger als drei Tagen hier sein!«

Ich runzle die Stirn. »Das ist zu spät. Wir können nicht zulassen, dass Xenos in den Wald entkommt. Wenn er einmal drin ist, wird es schwer, ihn zu kriegen, und noch schwerer, ihn zu bekämpfen. Wir müssen ihn jetzt, hier in der Waldsteppe, stellen!«

»Seid Ihr Euch sicher, mein Prinz?«, Raelys sieht mich zweifelnd an. »Mit der Armee Eures Vaters hätten wir ungleich bessere Chancen, gegen die Zirkelmagier zu gewinnen.«

Ich überlege kurz und wühle dabei mit dem Fuß Schlamm auf. Meine Stiefel sind ohnehin vom Regen durchweicht.

Einerseits stimme ich Raelys vollkommen zu. Die Armee meines Vaters würde uns wirklich Vorteile bringen. Andererseits geht es mir gegen den Strich, Xenos einen weiteren Tag seines Lebens zu gönnen, wo wir ihn doch noch vor dem Morgengrauen angreifen und töten könnten.

Ich denke an all die Qualen, die ich im Zirkel erdulden musste. Xenos hat mich während meiner Zeit als Diener unzählige Male in den Kerker geworfen und ist nicht eingeschritten, wenn Moero, der Eunuch, mich auspeitschen ließ. Außerdem hat dieser verdammte Zirkelleiter Alia über ein Jahr lang als persönliche Dienerin in seinen Gemächern eingesperrt, sogar gewagt, sie zu küssen … meine Cíara! Ganz abgesehen davon, was dieser arrogante Bastard meiner Familie angetan hat … Nein, ich kann ihn nicht entkommen lassen! Nicht jetzt, da ich meinem Ziel, ihn zu töten, so nahe bin!

Ich recke das Kinn, und um meinen Mund bildet sich ein harter Zug. »Nein, wir warten nicht auf meinen Vater«, bestimme ich. »Das dauert zu lange und wer weiß, was Xenos in dieser Zeit für hinterlistige Pläne schmiedet? Wir greifen vor Morgengrauen an!«

»Aber … mein Prinz …«

»Das war ein Befehl! Und hör verdammt noch mal auf, mich mit ›mein Prinz‹ anzusprechen!«, fahre ich den Hauptmann an. »Ich habe dir schon tausendmal gesagt, mein Name ist Reyvan!«

Raelys sieht mich an, als hätte ich den Verstand verloren. »Entschuldigt mein … Reyvan«, erwidert er schließlich. Seine Stimme klingt jedoch nicht, als täte es ihm leid oder als würde er sich mir gar unterordnen. »Aber ich finde es eine schlechte Idee, mit nur hundert Kriegern eine Armee mit Kampfmagiern anzugreifen.«

»Mir ist verflucht gleichgültig, wie du die Idee findest!«, entgegne ich mit schneidender Stimme. »Wenn ich sage, wir greifen an, dann greifen wir an! Schließlich habe ich das Kommando über diese Armee!«

»Das stimmt … trotzdem …«

»Trotzdem was?!«, erwidere ich nun so laut, dass einige Krieger in unserer Nähe neugierig zu uns herüberschauen.

»Die Soldaten … sie …« Raelys senkt die Stimme und tritt näher zu mir. »Reyvan, sie stellen Eure Entscheidungsfähigkeit infrage.«

»Was tun sie?« Ich blinzle ungläubig.

»Sie wissen, dass Ihr trauert – und in der Trauer trifft man leichtfertiger Entscheidungen, die das eigene Leben oder das von anderen in Gefahr bringen.«

»So, tut man das?!« Mein Blick droht gerade, Raelys zu durchbohren. »Das geht mir am Arsch vorbei! Und jetzt sag deinen Männern, sie sollen sich bereithalten. Wir greifen in zehn Stunden an! Wenn sie nicht im Morgengrauen mit mir mitkommen, stelle ich mich den Magiern eben allein – dann kannst du deiner Königin mal erklären, warum du ihren neuen Schwiegersohn allein hast in die Schlacht ziehen lassen!«

Damit drehe ich mich auf dem Absatz um und stampfe wütend durch den Schlamm davon, der unter meinen Stiefeln zur Seite wegspritzt.

 

Wie von mir befohlen ist die Elfenarmee noch vor Morgengrauen kampfbereit. Alle hundert Mann stehen in geordneten Reihen auf ihren Pferden und schauen ihrem Ziel, dem Steppenwald, entgegen. Ich sitze ebenfalls auf meinem Streitross und gebe ihm die Sporen.

»Auf in den Kampf, Elfen von Westend!«, rufe ich, während ich die erste Reihe entlangreite. »Ihr habt Eurem Prinzen Treue geschworen. Nun ist die Zeit, sie zu beweisen! Sorgt dafür, dass Xenos, der Zirkelleiter von Lormir, die aufgehende Sonne nicht mehr erblicken wird!«

Damit galoppiere ich voran und die hundert Elfen folgen mir. Alle sind sie mit Speeren und Pfeilbogen bewaffnet und tragen leichte, lederne Rüstungen, die sie in ihrer Bewegungsfähigkeit nur minimal einschränken. Ihre Pferde wurden jahrelang für die Schlacht ausgebildet.

Ich sporne mein Pferd weiter an, mein Haar weht unter dem Helm hervor wie ein Banner. Ein Banner der Rache, der Vergeltung. Ich will, dass Xenos bezahlt. Dafür, was er meiner Mutter angetan hat. Dafür, was ich im Zirkel als Pfand erdulden musste, und dafür, dass ich meine große Liebe opfern musste, um mein Volk zu retten.

Ein Hass brennt in mir, den ich mit Worten nicht beschreiben kann. Ich will Xenos tot sehen. Will ihn Stück für Stück dem Elfengott Ferys opfern. Und selbst das ist mir nicht genug. Ich will ihn für immer vernichten und seinen Namen aus der Geschichte von Altra auslöschen.

Kurz vor dem Lager der Magier zügele ich mein Pferd, aus dessen Mund Schaum tropft. Wir befinden uns auf einem niedrigen Hügel, der mit hohen Sträuchern bewachsen ist, hinter denen sich die Elfenkrieger verbergen können. Der Regen prasselt unaufhörlich auf uns herunter, und Nebel hat sich am Boden gesammelt. Zahllose Zelte wurden von den Magiern auf dem struppigen Steppengras errichtet, das von vereinzelten Baumgruppen durchbrochen wird.

Xenos scheint sich in Sicherheit zu wähnen, denn nur wenige Wachen beschützen das Lager. Rasch schicke ich einige meiner Männer aus, um dieses Hindernis zu beseitigen. Als sie – die Kleidung mit Blutspritzern übersät – zurückkehren, hebe ich mein Schwert in die Luft, drehe mich auf meinem Pferd um und schaue zurück auf meine Armee. Die Armee, die ich für die Ehe mit dieser verfluchten Prinzessin erhalten habe. Die Armee, die mich von meiner Alia trennt. Tränen drohen, meine Sicht zu verschleiern. Tränen der Verzweiflung, aber auch der Wut. Sie vermischen sich mit dem kalten Regen.

Ich wende mich wieder dem Lager der verhassten Magier zu. »Für die Freiheit!«, schreie ich und gebe meinem Pferd die Sporen. Es bäumt sich auf und prescht voran.

»Für die Freiheit!«, rufen hundert Stimmen im Chor.

Der Zorn und Blutdurst ihres Anführers sind ansteckend. Jetzt zählt nur noch der Kampf.

Die nächsten Minuten erlebe ich wie im Rausch.

Mein Schwert schwinge ich mit der rechten Hand, mit den Oberschenkeln halte ich mich im Sattel. Die Klinge trifft überraschte Köpfe, stößt in Brustkörbe, die kaum von Harnischen verdeckt werden, und hackt Gegnern die Gliedmaßen ab, die mutig genug sind, sich mir in den Weg zu stellen. Hinter mir nehme ich verschwommen den Kampfeslärm wahr, aber mein Ziel ist das grüne Zelt, das in der Mitte des Lagers steht. Dort ist Xenos, der Zirkelleiter von Lormir.

Mein Pferd überreitet Magier, die noch vom Schlaf benommen taumeln und zu langsam sind, ihre Schutzschilde zu errichten, und normale Menschen, die einfach zu schwach sind, sich gegen einen wütenden Elfen und dessen Schlachtross zu behaupten.

Unzählige Leichen später erreiche ich das Zelt des Zirkelleiters und springe vom Pferd. Mein ganzer Körper zittert vor Erregung und ich halte die beiden Waffengriffe so fest in den Händen, dass meine Knöchel weiß hervortreten.

Langsam gehe ich auf das Zelt zu – und spüre sofort, dass eine Art Schutzzauber darauf liegt. Xenos lässt sich offenbar nicht gerne im Schlaf überraschen.

Ich umrunde die Unterkunft, auf der Suche nach einer Lücke in dem Zauber. Aber zwecklos … Xenos hat an alles gedacht und sein Leben nicht dem Zufall überlassen.

Ich knurre wild und bleibe abermals vor dem Eingang stehen. Um mich herum kämpfen Elfen und Menschen miteinander. Doch ich fixiere mit schmalen Augen den Zelteingang. Für mich zählt nichts anderes, als den Zirkelleiter tot zu sehen.

In dem Moment teilt sich die Plane, und Xenos tritt hervor. Sein dunkelbraunes, langes Haar ist wie immer streng nach hinten gekämmt und wird von einem Zopfband zusammengehalten. Seine Augen sind so eisig wie der tiefste Winter, und der schwarze Umhang bläht sich hinter ihm auf, als ein Windstoß dagegen fährt. Er überragt mich um fast einen Kopf.

Mit arroganter Miene mustert er mich, dann kommt er langsam auf mich zu. »Sieh an. Reyvan, das verlorene Pfand.« Seine Stimme klingt, als würde er mit einem Kind sprechen. Die Eisaugen, die so kalt wie der Tod persönlich wirken, sind jedoch wachsam auf mich gerichtet.

Ich knirsche mit den Zähnen. »Xenos. Der große Zirkelleiter von Lormir!«, sage ich spöttisch und spucke aus. »Ich bin hier, um dich zu töten!«

Xenos hebt überrascht eine Augenbraue. »Ach, ist das so?«, entgegnet er amüsiert. »Na, dann zeig mal, wie du das anstellen willst!«

Ich presche vor, steche mit Schwert und Dolch gleichzeitig zu und springe so rasch zurück, wie nur ein Elf sich bewegen kann.

Aber Xenos schaut bloß an sich herunter. Obwohl ihn die Klingen durchbohrt haben, ist kein einziger Blutstropfen zu sehen. Der Stahl konnte ihm nichts anhaben.

Ich meine, das schwarze Amulett um Xenos’ Hals dunkel aufleuchten zu sehen – ebenso wie Xenos’ Körper. Der Zirkelleiter war auf diesen Angriff vorbereitet und hat ihn mit schwarzer Magie abgewehrt.

Für einen Moment bin ich so überrascht, dass ich meine Deckung vergesse. Dies nutzt Xenos, indem er seinerseits einen Feuerball auf mich schießt.

Im letzten Moment weiche ich mit einer flinken Bewegung aus. Der Ball war aber auch nicht groß genug, um mich ernsthaft zu verletzen.

Dieser Bastard spielt mit mir!

Ich fletsche die Zähne, und ein Knurren entweicht mir.

Dann umkreisen wir uns wie Raubkatzen, unsere Augen sind aufeinander geheftet und wir passen automatisch unsere Bewegungen dem anderen an. Die Schutzschilde flimmern um unsere Körper.

Mein Hass auf Xenos, als ich ihn jetzt vor mir sehe, wird durch die aalglatte Miene und die eisigen Augen nur noch geschürt. Ich will ihn tot sehen.

Ohne Vorwarnung lasse ich den Dolch fallen und greife stattdessen mit Magie an. Diese wird durch die Anwesenheit der anderen Elfen noch verstärkt und das Vakuum, das ich um den Zirkelleiter bilde, würde jeden normalen Menschen auf der Stelle töten.

Nicht aber Xenos. Dieser grinst nur boshaft und zerschlägt mit einer Handbewegung meine Magie. Binnen eines Lidschlags lässt er eine Feuerwand um mich auflodern, die mir das Haar an den Schläfen versengt, bevor ich meinen Schutzschild wieder um mich schließen kann.

Geistesgegenwärtig versuche ich, die Flammen durch Wasser, das ich aus dem Boden hole, zu löschen, jedoch zu spät. Meine Kleidung hat trotz der Tatsache, dass sie vom Regen durchnässt war, bereits Feuer gefangen. Das muss an den schwarzen Kräften liegen, die Xenos in seine Zauber gelegt hat.

Ich muss all meine Magie darauf konzentrieren, die Flammen zu löschen – und lasse den Schutzschild für einen Augenblick fallen.

Diese Sekunde der Ablenkung nutzt Xenos zu seinem Vorteil. Er schleudert mir mit aller Macht einen Feuerball entgegen, der mich so hart in der Brust trifft, dass ich nach hinten falle und nach Luft ringend liegen bleibe.

Kurz wird mir schwarz vor Augen, ehe ich blinzelnd den Blick wieder fokussieren kann.

Xenos tritt zu mir und lächelt böse auf mich herab. »War das alles, was du draufhast, kleiner Prinz?« Seine Baritonstimme trieft vor Hohn.

Ich krümme mich vor Schmerzen und versuche, wieder zu Atem zu kommen, doch vergebens. Der Feuerball hat mir den Brustkorb eingedrückt und meine rechte Lunge gequetscht. Mein Atem geht stoßartig und jagt mir schmerzvolle Blitze durch den Körper.

Xenos lacht und gibt mir einen Tritt gegen die Hüfte, sodass ich laut aufstöhne und es erneut schwarz vor meinen Augen wird. »Das hat man davon, wenn man sich überschätzt«, sagt der Zirkelleiter mit grausamem Lächeln. »Schade, dass die Dienerschlampe nicht hier ist und dich so sehen kann! Dafür also hat sie den Zirkel – mich – verlassen! Für einen jämmerlichen Elfen, der glaubt, ein Prinz und obendrein ein Kämpfer zu sein!«

Ich verfluche den Zirkelleiter, aber aus meiner Kehle dringt nur ein Gurgeln und ich huste Blut.

Xenos lacht schallend. Seine Stimme hallt weit über das Lager, wo Lichter aufblitzen und an mehreren Stellen Zelte brennen. Sie übertönt sogar das Klirren der Schwerter, die Rufe der Kämpfenden und die Schreie der Verwundeten.

»Wie nett von dir, dass du es mir so leicht machst! Teil das Schicksal deiner räudigen Mutter!« Er steht breitbeinig über mir, murmelt leise ein paar Worte und streckt seine Hand aus.

Ich spüre, wie sich etwas in meinem Kopf zusammenzieht. Reflexartig wehre ich mich dagegen, aber die Schmerzen in meiner Brust vereiteln jeglichen Versuch, mich zu konzentrieren. Ich kann fühlen, wie etwas langsam aus meinem Körper entweicht. Trotzdem versuche ich, mich mit aller Macht daran festzuhalten. Aber vergebens, Xenos ist zu stark.

Das Letzte, was ich höre, ist, dass irgendjemand meinen Namen ruft. Dann wird es dunkel um mich.

Kapitel 2 - Alia

 

Ich wache mit klopfendem Herzen auf und schaue mich um, kann jedoch nichts außer Dunkelheit erkennen. Mein Puls schlägt wie verrückt, meine Hände sind schweißnass.

Was hat mich aus dem Schlaf gerissen? Ich erinnere mich vage daran, dass Reyvan in meinem Traum vorkam – wie in jeder Nacht, seit wir die Stadt der Elfen von Westend verlassen haben. Verzweifelt versuche ich, gegen die Tränen anzukämpfen, die mich jedes Mal zu übermannen drohen, wenn ich an Reyvan denke.

Rey.

Inzwischen muss er in der Waldsteppe angelangt sein und vielleicht ist er schon dabei, Xenos mit seiner Armee zu bekämpfen. Ich wage nicht, daran zu denken, dass ihm etwas passieren könnte.

Zaron, der neben mir schläft, rührt sich und ich höre, wie er sich aufrichtet. Kurze Zeit darauf spüre ich den mir bereits bekannten, kühlen Hauch, als er mit seiner schwarzen Magie eine schwache Lichtkugel erschafft.

In ihrem Schein erkenne ich sein Gesicht. Sein schwarzes, langes Haar ist wie immer offen und er sieht mich fragend an. Das Licht wirft Schatten auf seine kantigen Züge, was ihm zusammen mit dem Dreitagebart einen wilden Ausdruck verleiht. »Alia, ist alles in Ordnung?« Ich höre Besorgnis in seiner Stimme.

»Ja … ich … ich habe nur schlecht geträumt.« Ich lege mich zitternd auf die Decke zurück und starre in den schwarzen Nachthimmel zwischen dem Blätterdach.

»Ist es wegen Reyvan?« Zarons Stimme ist nun nahe bei meinem Ohr. Ich spüre seinen Atem, als er spricht.

Ich schüttle den Kopf.

»Du kannst mir alles sagen, Alia, das weißt du?«

Ich schaue weiterhin schweigend nach oben. Ich will jetzt nicht sprechen – nicht über Reyvan, nicht über irgendetwas. Ich höre, wie der Schwarzmagier leise seufzt und sich wieder hinlegt. Nach ein paar Sekunden erlischt die Lichtkugel und wir sind abermals in die Finsternis des Waldes gehüllt.

Ich kann die Hand vor meinen Augen kaum erkennen und bin froh, dass Maryo mit einem seiner Männer in der Nähe Wache hält. Der Elfenkapitän hört und sieht viel besser als wir Menschen, und wenn es eine Gefahr im Umkreis von hundert Schritt gibt, dann wird er uns frühzeitig warnen.

Meine Gedanken schweifen zu dem letzten Mal, als ich Reyvan gesehen habe. Er hatte einen Zug verzweifelter Entschlossenheit in den dunkelblauen Augen, als er sich von mir verabschiedete, um der Königin seine Entscheidung mitzuteilen. Mir hat es fast das Herz zerrissen, als er mich mit Zaron in unserem Zimmer zurückließ, aber der Schwarzmagier hat mich festgehalten, mir zugeredet – auch wenn ich seine Worte vor Taubheit und Schmerz nicht begreifen konnte.

Ich wollte keinesfalls bis zur Hochzeit bleiben, obwohl uns die Königin eingeladen hat, ein paar Tage lang die Gastfreundschaft der Elfen zu genießen. Aber die Nähe zu Reyvan und mit ansehen zu müssen, wie er eine andere Frau heiratet – das hätte ich nicht überstanden. Genauso wenig, wie wenn ich an seiner Seite in den Krieg gezogen wäre, obwohl ich ihm das versprochen hatte. Aber damals hatte ich auch noch gedacht, wir würden dies alles zusammen durchstehen und für immer zusammenbleiben.

Reyvan hat mich ohne Worte verstanden und ich glaube, er war sogar erleichtert über meine Entscheidung, die Stadt noch vor der Hochzeit zu verlassen.

Da Zaron und ich nichts Besseres zu tun hatten – die Prophezeiung schweigt, obwohl ich das Kästchen fast im Stundentakt öffne –, schlug uns Maryo vor, dass wir ihn begleiten sollten. Der Elfenkapitän wurde von der Königin beauftragt, einige Zeit die Gegend um die Stadt nach Gorkas abzusuchen, bevor er zur Cyrona, seinem Schiff, zurückkehren kann. Da wir vor unserer Ankunft bei den Elfen ein Gorkamädchen in einer Tierfalle gefunden haben, wollte die Elfenkönigin sichergehen, dass sich keine weiteren Gorkas in der Nähe der Stadt herumtreiben. Der Kapitän gab seiner Mannschaft auf der Cyrona Bescheid, dass sich die Weiterfahrt verzögern wird.

Für Zaron und mich ist es immerhin sicherer, mit Maryo durch die Wälder zu ziehen, als wenn wir in Westend auf den Elfenkapitän warten würden. Denn wer weiß, ob dort nicht unsere Verfolger auftauchen, die Xenos ausgeschickt hat, um Reyvan und mich gefangen zu nehmen? Wir hoffen, dass Magier, die auf die Cyrona treffen, unverrichteter Dinge wieder abziehen, wenn sie weder Reyvan, Zaron noch mich an Bord auffinden. Obwohl wir uns nicht sicher sind, ob Xenos tatsächlich weiß, dass sein Bruder uns geholfen und sich uns angeschlossen hat.

Seither streifen wir also mit Maryo und seinen Männern im Westendwald umher und führen unsere Pferde an den Zügeln durch das dichte Unterholz. Bislang sind wir allerdings auf keine weiteren Gorkas gestoßen.

Je länger die Prophezeiung schweigt, desto stärker zweifle ich daran, dass die Hochzeit die richtige Entscheidung war. Vielleicht hatte das Gedicht einen anderen Bund gemeint?

Ich gehe in Gedanken nochmals die Zeilen durch:

 

Des Jägers Element durchdringt

Wer am Ende Opfer bringt

Ein neuer Bund ab nun beginnt

Der Erbe und des Waldes Kind

 

Aber wie ich es drehe und wende, die Gewissheit, dass nur Reyvan mit dem Erben gemeint sein kann, bleibt. Denn wer von uns sollte sonst ein Erbe antreten, wenn nicht der Prinz der Elfen von Zakatas? Auch wenn diese Annahme etwas hinkt, da er einen älteren Bruder hat und daher in der Thronfolge als Zweiter aufgeführt wird.

Wenn nur die nächsten Zeilen endlich sichtbar würden, dann hätten wir zumindest Gewissheit, dass sich das erfüllt hat, was das Gedicht uns mitteilen wollte. Langsam beginne ich, Rätsel, Gedichte und Prophezeiungen abgrundtief zu hassen.

Bei dem Gedanken, dass sich Reyvan umsonst geopfert haben könnte, werde ich so wütend, dass ich mit der Faust auf den feuchten Waldboden schlage.

»Alia, ist wirklich alles in Ordnung mit dir?«, fragt Zaron leise.

»Ja«, murmle ich und drehe mich auf die andere Seite.

Natürlich ist nichts in Ordnung. Wie könnte es auch? Ich habe Reyvan für immer verloren und weiß nicht, wohin wir als Nächstes gehen sollen. Ob mein Leben überhaupt noch einen Sinn ergibt und ob ich nicht besser einfach hier, mitten im Westendwald, liegen bleiben soll, bis ich vor Durst oder Hunger sterbe. Oder von Gorkas getötet werde.

Tränen der Verzweiflung rinnen über meine Wangen und ich kann ein Schluchzen nur mit Mühe unterdrücken. Ich spüre Zarons Hand auf meiner Schulter, die mich sanft streichelt. Sie erinnert mich so stark an die Zärtlichkeit von Reyvan, dass ich nun tatsächlich schluchze.

»Alia«, murmelt Zaron. »Trauere, aber friss deinen Kummer nicht in dich hinein. Ich weiß aus Erfahrung, dass das nichts bringt. Lass ihn raus oder sprich mit mir darüber.«

Ich ziehe die Wolldecke, die mich vor der Kälte der Nacht schützen soll, bis an mein Kinn hoch und weine leise. Es tut gut, Zaron in meiner Nähe zu haben. Er gibt mir das Gefühl, doch nicht ganz allein auf dieser Welt zu sein.

Als ob er meine Gedanken erraten hätte, flüstert er: »Alia, ich verspreche dir, ich werde dich nicht verlassen. Ich bleibe bei dir. So lange, wie du es mir gestattest.«

Ich drehe mich halb zu ihm um und schaue ihn über die Schulter an. Natürlich erkenne ich sein Gesicht in der Dunkelheit nicht. »Wie könnte ich dich wegschicken?«

Ich spüre, wie Zaron mit den Schultern zuckt. »Ich bin froh, wenn du es nicht tust.« Er streicht mir über das Haar. »Versuch zu schlafen, Alia. Wir werden morgen früh zum Meer aufbrechen und dann hoffentlich einen Hinweis darauf finden, wohin wir als Nächstes gehen müssen.«

Ich nicke und drehe ihm wieder den Rücken zu. Er legt den Arm um mich und ich schmiege mich unvermittelt an seine Brust.

 

»Los, aufstehen!« Maryos raue Stimme reißt mich aus der tröstenden Dunkelheit, in der ich Reyvan noch ganz nahe sein kann.

Ich blinzle verschlafen. Der Elfenkapitän steht breitbeinig über mir.

»Na, habt Ihr gut in den Armen des Schwarzmagiers geschlafen?«, fragt er mit einem wissenden Ausdruck in seinen goldenen Augen.

Ich drehe mich um und sehe, dass Zaron immer noch neben mir ist – allerdings ist er bereits aufgestanden und verstaut gerade seine Decke im Rucksack. Er wirft dem Kapitän einen messerscharfen Blick zu, kommentiert die Bemerkung jedoch nicht weiter.

Ich spüre, wie meine Wangen leicht warm werden, als ich Maryo wieder ansehe. Der mustert mich mit hochgezogenen Augenbrauen, während ein Schmunzeln um seinen Mund spielt. Aber ich habe keine Lust, ihm irgendetwas zu erklären. Zaron ist ein guter Freund für mich, mehr nicht. Soll der Elfenkapitän doch glauben, was er will.

Rasch packe ich meine Sachen zusammen und verschlinge einen Schiffszwieback zum Frühstück.

»Wir sind jetzt lange genug im Wald umhergestreift. Es sieht aus, als wären keine weiteren Gorkas in der Nähe, zumindest nicht hier im tieferen Wald«, sagt Maryo, als wir alle zum Aufbruch bereit sind. »Daher werden wir nun zur Cyrona aufbrechen. Wir sind ohnehin schon viel zu lange an Land.«

Seine Männer leisten begeisterten Beifall. Sie können es allem Anschein nach kaum erwarten, endlich wieder die schwankenden Planken unter ihren Füßen zu fühlen.

Ich wechsle mit Zaron einen Blick. Er nickt mir zu, als hätte er meine unausgesprochene Frage, ob wir uns nun endgültig Maryo anschließen sollen, erraten.

Seufzend greife ich nach den Zügeln meines Pferdes, das wir in Westend gekauft haben, als Reyvan noch in unserer Gruppe dabei war. Es kommt mir vor, als wäre das alles in einem anderen Leben passiert. Jetzt reiten wir zurück zum Schiff des Elfenkapitäns und segeln einer ungewissen Zukunft entgegen. Maryo hat uns erzählt, dass er als Nächstes in den Süden fahren wird, in die Hauptstadt Chakas. Er hat uns angeboten, mit ihm dorthin zu reisen. Vielleicht werden wir ja dort eine Antwort darauf finden, was das Gedicht uns sagen will.

Zumindest werden wir die kalte Region damit endgültig verlassen. Zaron hat mir erklärt, dass es in Chakas um vieles wärmer ist und es nie schneit. Das kann ich mir kaum vorstellen, wo ich doch im kalten Norden aufgewachsen bin, den ich bisher noch nie verlassen habe.

Schweigend führe ich mein Pferd durch das Unterholz, während Maryo mit Sert, Terpan und Ceron, drei Männern aus seiner Mannschaft, vorangeht. Hinter mir ist Zaron, dann folgen Lock und Telek.

In zwei Tagen werden wir den Wald verlassen und zurück auf der Cyrona sein.

 

Nach ein paar Stunden zieht mein Pferd plötzlich an den Zügeln und wird unruhig. Ich drehe mich um und bemerke, dass auch die Männer hinter mir mit ihren Pferden zu kämpfen haben. Die Tiere tänzeln und werfen den Kopf zurück. Offenbar haben sie etwas gewittert.

»Seid so leise wie möglich«, befiehlt Maryo, der stehen geblieben ist. »Wartet hier, ich bin gleich zurück!«

Damit verschwindet er in einem dichten Gebüsch. Ich habe alle Mühe, mein Pferd zu beruhigen, aber dank meiner Kräfte in Erdmagie gelingt es mir schließlich.

Wir warten schweigend, und eine Unruhe überkommt mich, wie ich sie nur kenne, wenn Gefahr ganz in der Nähe lauert.

Plötzlich bricht Maryo ohne Vorwarnung aus dem Dickicht hervor und rennt auf uns zu. »Zu den Waffen!« Er verzichtet darauf, leise zu sein. »Wir sind in ein Gorkanest getreten!«

Mit einem Mal bin ich hellwach. Bei den Göttern, wir haben nicht damit gerechnet, die Gorkas so nahe am Waldrand anzutreffen. Deswegen also sind wir bisher keinen begegnet. Ich lasse mein Pferd los und greife unvermittelt nach meinem Schwert, das ich an meiner Hüfte trage.

Zaron hält jedoch meine Hand fest. »Nicht so, Alia«, sagt er mit ruhiger Stimme. »Gorkas kannst du am besten mit Wasser bekämpfen.«

Ich verstehe und konzentriere mich sofort auf die Wassermagie in mir. Noch bevor ich einen Eispfeil in meiner Hand gebildet habe – in der Aufregung fällt mir das viel schwerer als beim Üben –, höre ich vor mir lautes Gebrüll.

Die Gorkas brechen an derselben Stelle durch das Dickicht wie Maryo vor wenigen Sekunden. Die Pferde scheuen und preschen zusammen mit unserem Gepäck in alle Richtungen davon, aber das ist uns im Moment gleichgültig. Wichtiger ist, unsere Haut zu retten.

Ich zähle mindestens zwanzig Gegner. Eine solche Überzahl werden wir nur mit Mühe bekämpfen können.

Maryo und seine Männer haben sich in einem Halbkreis aufgestellt und sehen mit grimmigen Mienen und gezückten Waffen dem Feind entgegen. Zaron eilt an ihre Seite, seinen Zweihänder gezogen, da es zu gefährlich wäre, wenn er schwarze Magie wirken würde. Maryos Männer sind allesamt Menschen ohne Magie, er würde sie auf der Stelle töten, wenn er einen größeren Zauber wirkt, da er damit automatisch ihre Wärme benutzen würde.

Ich halte mich im Hintergrund und schleudere den Eispfeil, den ich endlich in meiner Hand gebildet habe, auf den erstbesten Gorka, den ich sehe. Ein Laut des Erstaunens dringt über meine Lippen, als er tatsächlich sein Ziel trifft und der Gorka heulend, mit einem Loch in der Brust, zu Boden geht.

Ich schaudere. Das ist das erste Mal, dass ich jemanden getötet habe …

Aber mir bleibt keine Zeit, darüber nachzudenken, schon bahnen sich zwei weitere Gorkas ihren Weg zu mir, obwohl Maryo und die anderen versuchen, sie von mir fernzuhalten.

Sie sind noch größer, als ich sie in Erinnerung hatte, und überragen mich um mindestens drei Köpfe. Ihre braunen Fratzen sind vor Wut verzerrt und aus ihren gelben Katzenaugen sprüht blanker Hass. Sie tragen zottige Pelzumhänge über ihrer Lederkleidung, welche mit kleinen Stahlplatten verstärkt ist. Beide sind mit Keulen bewaffnet, die ich wahrscheinlich nicht einmal vom Boden hochheben könnte. Sie schwingen sie jedoch über ihren Köpfen, als wären es Spielzeugwaffen.

Rasch schleudere ich ihnen einen weiteren Eispfeil entgegen, dem sie jedoch ohne Mühe ausweichen. Sie sind nur noch vier Schritt von mir entfernt.

Ich ziehe im letzten Augenblick meinen Schutzschild hoch und sende ein Stoßgebet zu den Göttern, dass er ihren Keulen standhalten möge. Die Gorkas lassen die mit Eisendornen besetzten Waffen mit derartiger Wucht durch die Luft sausen, dass ich den Windzug hören kann.

Schon trifft mich der erste Schlag, und ich spüre, dass mein Schild darunter erzittert. Ich konzentriere mich auf meine Magie und lasse unter größter Anstrengung einen Regen aus spitzen Eiskristallen auf sie herunterprasseln, der ihnen hässliche Wunden ins Fleisch schlägt. Sie werden davon jedoch nur für einen kurzen Augenblick in ihrem Angriff unterbrochen, um dann mit umso größerer Wut auf mich einzudreschen.

Mit Entsetzen erkenne ich, dass fünf weitere Gorkas ihren Weg zu mir gefunden haben – es dringen immer mehr von ihnen aus dem Dickicht hervor. Ich wechsle zum Erdelement, welches ich besser beherrsche als das Wasser, und lasse die Erde unter ihnen erbeben. Sie schwanken, bleiben jedoch auf den Beinen.

Meine Konzentration schwindet langsam. Einen Schutzschild gegen Keulenschläge aufrechtzuerhalten und im selben Moment Kampfmagie zu wirken, ist äußerst anstrengend. Es führt mir wieder einmal vor Augen, dass ich noch ganz am Anfang meiner Ausbildung zur Magierin stehe.

Außerdem gehen mir die Ideen aus, ebenso wie die Energie. Aber ich sammle nochmals all meine Kräfte und lasse diesmal faustgroße Steine, die ich aus dem Boden hole, auf sie herunterregnen. Einige davon treffen ihr Ziel, aber ich muss aufpassen, dass ich Maryo, Zaron oder einen der anderen Männer nicht aus Versehen verletze.

Gerade als ich denke, dass wir gegen die Gorkas doch noch die Spur einer Chance haben, stürzt nochmals eine Welle von ihnen schreiend aus dem Dickicht. Mein Mut sinkt, als ich aus dem Augenwinkel die wachsende Überzahl sehe. Die Verstärkung besteht aus mindestens zwanzig Kreaturen, die auf uns zustürmen.

Ein Blick zu Maryo und seinen Männern zeigt mir, dass auch sie langsam am Ende ihrer Kräfte sind. Terpan und Sert liegen schwer verwundet am Boden und rühren sich nicht mehr. Maryos Mantel ist mit Blut bespritzt und an seiner Schläfe klafft eine tiefe Wunde, die wahrscheinlich bis auf den Schädelknochen reicht. Trotzdem kämpft er mit unverminderter Kraft gegen die Gorkas und streckt gerade zwei davon gleichzeitig nieder, als er seine Säbel durch die Luft wirbelt. Auch Zaron sieht übel mitgenommen aus. Er hat seinen Umhang weggeworfen, um die Hände frei zu haben, und ich bemerke, dass Blut sein Hemd in Höhe des Bauches dunkel färbt. Er führt sein flammendes Schwert jedoch mindestens ebenso geschickt wie Maryo seine Krummsäbel und tötet einen Gegner um den anderen.

Dennoch werden wir nicht mehr lange durchhalten. Die Schläge der Männer verlieren zusehends an Kraft und sie kämpfen jeweils gegen mehr als drei Gegner. Aber sie alle verkaufen ihr Leben teuer, wie an den Leichen zu ihren Füßen zu erkennen ist.

Dies alles erfasse ich mit einem kurzen Blick, ehe ich mich wieder auf meine eigenen Gegner konzentriere und abermals die Erde unter ihnen erbeben lasse, damit sie zu Boden fallen. Jedoch beweisen sie eine gute Standfestigkeit und so schleudere ich wieder Steine gegen ihre Köpfe, was sie allerdings nur wenig zu beeindrucken scheint.

Schon befürchte ich, dass wir alle hier und jetzt sterben werden, da hebt Maryo einen seiner Säbel und brüllt so laut, dass er den Kampflärm übertönt: »Halt! Wir ergeben uns!«

Ich starre den Elfenkapitän entsetzt an. Dass Maryo sich ergeben würde, hätte ich niemals erwartet.

Die Gorkas scheinen einen Moment lang ebenfalls nicht zu wissen, wie sie reagieren sollen. Sie starren verdutzt zum Kapitän, der nun langsam seine Waffen auf den Boden legt und seine verbliebenen drei Männer anweist, es ihm gleichzutun.

Zaron wendet sich zu mir um. Ich erkenne in seinem Blick, dass es ihm zwar gegen den Strich geht, er aber keine andere Möglichkeit sieht. Er zuckt mit den Schultern und legt seine Waffe dann ebenfalls nieder.

Mit einem Seufzen lasse ich den Schutzschild fallen, ducke mich jedoch, da ich befürchte, dass meine Gegner die Chance nutzen und mich totschlagen. Als das nicht passiert, richte ich mich auf, um das Geschehen zu verfolgen.

Einer der Gorkas, der die anderen noch um einen halben Kopf überragt, tritt vor Maryo und fletscht die Zähne – oder vielleicht ist es ein Grinsen, so genau kann ich es nicht deuten. »Du ergeben?«, fragt er mit einem Akzent, der das R auf harte Weise rollt, und mustert den Kapitän von oben herab.

»Ja, wir ergeben uns. Nehmt mich als Eure Geisel, lasst aber meine Gefährten ziehen«, erwidert Maryo mit erhobenem Kopf. Aus der Wunde an seiner Schläfe tropft immer noch Blut, aber seine autoritäre Ausstrahlung ist ungebrochen.

Der Gorka, der offenbar der Anführer ist, sieht auf Maryo herunter. Ich vermeine, einen spöttischen Zug um sein Maul zu sehen. Seine Fangzähne blitzen gelb-weiß zwischen seinen wulstigen Lippen hervor. »Du wagen, uns Bedingungen stellen, Elf?«, brüllt er und Speichel bespritzt Maryos Gesicht, der dabei angewidert den Mund verzieht. »Auf Knie, Abschaum! Ihr auch!«

Er schlägt dem Elfen brutal mit der Keule in die Kniebeuge, sodass dieser mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden sinkt. Seine Männer, Zaron und ich folgen rasch seinem Beispiel, um nicht dieselbe Behandlung zu erfahren.

Der Anführer ruft den anderen Gorkas etwas in ihrer Sprache zu. Sofort zerrt einer grob meine Arme nach hinten und ich keuche vor Schmerz, als er mir ein Seil so eng um die Handgelenke bindet, dass mir das Blut fast abgeschnürt wird.

Zaron lässt die Fesselung über sich ergehen, ohne mit der Wimper zu zucken. Jedoch nicht, bevor er seinen Mantel wieder angelegt hat. Für ihn wäre es ein Leichtes, die Gorkas im Bruchteil einer Sekunde zu töten. Allerdings würde er dann mindestens Maryos überlebende Männer und vielleicht auch den Elfenkapitän und mich dabei umbringen.

Wir werden geknebelt, damit wir nicht um Hilfe rufen können. Ich würge, als einer der Gorkas mir einen groben Stofffetzen in den Mund drückt, der nach Urin stinkt.

»Jetzt ihr mitkommen!«, brüllt der Gorkaanführer.

Sogleich werden uns unsanft Speere an den Rücken gehalten, sodass wir aufstehen müssen, wenn wir nicht aufgespießt werden wollen.

Ich erkenne, dass es Ceron, Lock und Telek schwerfällt, zu gehen. Sie alle haben tiefe Wunden an Beinen und Armen von dem Kampf davongetragen, die immer noch bluten. Allein Zaron, Maryo und ich scheinen uns einigermaßen auf den Beinen halten zu können.

Rasch werfe ich einen Blick zu Sert und Terpan zurück, die immer noch reglos auf dem Boden liegen – ebenso wie mindestens zwei Dutzend Gorkas, die von Zaron, Maryo und seinen Männern niedergestreckt wurden.

Gerade trennt ein Gorka den beiden Seeleuten mit gezieltem Axthieb die Köpfe vom Rumpf, um sicherzustellen, dass sie tot sind. Ich erschaudere und wende den Blick ab.

Ich hatte die beiden Männer in den letzten Tagen näher kennengelernt und meine anfängliche Meinung über Maryos Besatzung gründlich geändert. Langsam verstehe ich, warum der Elfenkapitän sie in seiner Mannschaft aufgenommen hat. Jeder von ihnen hatte einzigartige Fähigkeiten. Sert war beispielsweise in der Lage, so gekonnt ein Messer zu werfen, dass er sogar auf fünfzehn Schritt sein Ziel traf. Terpan wusste jederzeit, wo Norden war, und konnte sich somit überall orientieren.

Alle Männer aus Maryos Mannschaft sind ihm bedingungslos ergeben und in einigen Gesprächen erfuhr ich, dass sie in verschiedenen Häfen ihre Familien, Frauen und Kinder haben, die sie regelmäßig besuchen, um ihnen ihren Anteil vom Handelserlös und anderer Beute nach Hause zu bringen. Maryo achtet darauf, dass auch die Familien seiner Mannschaftsmitglieder gut versorgt werden.

Von nun an werden die Kinder von Sert und Terpan jedoch vergebens darauf warten, dass ihre Väter zurückkehren.

Ich verscheuche meine traurigen Gedanken und konzentriere mich auf den Weg, den wir einschlagen. Jeder von uns Gefangenen wird rechts und links von einem Gorka flankiert, um Fluchtversuche zu verhindern. Eigentlich unnötig, denn die Hälfte von uns ist ja so stark verwundet, dass sie kaum gehen kann.

Ich frage mich, warum sie uns nicht umbringen und was sie mit uns vorhaben. Ein ungutes Gefühl steigt in mir hoch, verstärkt sich mit jeder Minute, die wir unterwegs sind, und vermischt sich mit der Panik, die ich nicht länger unterdrücken kann: Ich habe Todesangst.

Kapitel 3 - Maryo

 

Diese elenden Hunde haben mir alle Waffen weggenommen – selbst die in meinen Stiefeln, nachdem sie mich gründlich untersuchten. Gut, ich hätte mich mit Magie zur Wehr setzen können, aber das gilt nicht für meine Mannschaft und ich bin sicher, dass die Gorkas keine Sekunde gezögert hätten, sie als Druckmittel gegen mich zu verwenden, sollte ich einen falschen Mucks machen.

Also ergebe ich mich knurrend meinem vorläufigen Schicksal und marschiere zusammen mit den anderen Gefangenen durch den Westendwald. Nach einem halben Tag ist mein treuer Matrose Telek so erschöpft, dass er nicht mehr weitergehen kann.

»Hoch mit dir!«, bellt einer der Gorkas, aber Teleks Wunden sind zu schwerwiegend.

Ehe ich anbieten kann, meine heilende Magie zu wirken, zückt der Gorka kurzerhand sein Schwert und holt aus.

Ich starre in die weit aufgerissenen Augen meines Mannschaftsmitgliedes, ehe diese für immer erstarren und sein Kopf über den Waldboden rollt.

Die Wut, die mich ergreift, lässt mein Blut in den Ohren rauschen. Mit einem wilden Knurren will ich mich – meinen Fesseln zum Trotz – auf den Schweinehund stürzen, aber drei seiner Kumpane halten mich fest, sodass ich keine Chance habe, einen meiner langjährigsten Freunde zu rächen.

Aber ich schwöre mir in diesem Moment, dass ich – ganz gleichgültig, wie dieses Abenteuer ausgeht – zurückkehren und Vergeltung üben werde.

Ich habe in meinem Leben schon viele gute Männer verloren, aber noch nie auf derart sinnlose und brutale Weise.

Ehe ich michs versehe, erhalte ich einen Faustschlag gegen die Schläfe, der meinen Schädelknochen knirschen lässt, und taumle. Meine Wunde platzt auf und ein gellender Schmerz jagt durch meinen ganzen Körper, der mir schwarz vor Augen werden lässt.

Die nächsten Minuten bekomme ich nur am Rande mit. Ich werde weitergetrieben, stolpere, werde hochgezerrt und versuche, auf den Beinen zu bleiben, während die Gorkas uns durch den Wald schleppen.

Als sich meine Sicht wieder klärt und meine Sinne zurückkehren, bemerke ich, dass es angefangen hat, zu regnen. Einzelne Schneeflocken vermischen sich zu einer kalten Masse, die unerbittlich auf uns herunterprasselt.

Mit meiner Magie vertreibe ich die schlimmsten Schmerzen meiner Wunde am Kopf. Wahrscheinlich eitert sie bereits, so wie es in meinem Schädel pocht … Leider ist meine Elfenmagie nicht dafür geeignet, derart große Verletzungen zu heilen, dennoch kann ich den Schmerz so weit einschränken, dass mein Verstand klar bleibt. Meine Mannschaftsmitglieder haben jedoch diese Möglichkeit nicht und zusätzlich zur Erschöpfung gesellt sich die Gefahr einer Erkältung.

Wenn das so weitergeht, werden bald auch Ceron und Lock sterben …

Ich blicke mich nach ihnen um und bemerke, dass sie nur noch humpelnd vorwärtskommen und immer häufiger husten. Es geht ihnen mit jeder Stunde schlechter.

Auch Alia und Zaron wirken nicht wie das blühende Leben … wenngleich sie sich mit Magie warm halten können. Die Wunde an Zarons Bauch müsste sich dringend ein Heiler ansehen – er zuckt bei jeder Bewegung zusammen. Und Alias Blick ist so gequält, dass ich nur erahnen kann, wie es in ihrem Inneren aussieht. Auch sie ist entkräftet und wird sich nicht mehr lange auf den Beinen halten können. Wenn wir nicht endlich eine Pause einlegen, werden wir hier alle noch während des Marsches verrecken.

Als Alia meinen Blick aufschnappt, will sie mir etwas sagen, wird aber durch den Knebel in ihrem Mund und einen Schlag in ihr Gesicht, den der Gorka neben ihr dem Mädchen verpasst, daran gehindert.

Oh ja, ich werde sie jeden einzeln auseinandernehmen, wenn ich erst von meinen Fesseln befreit bin!

Wir stolpern weiter durch das Unterholz. Wenn jemand stehen bleibt, um zu verschnaufen, wird er von den Gorkas geprügelt, bis er weitergeht. Sie kennen keine Gnade und sie haben eine beängstigende Ausdauer.

 

Als die Dämmerung hereinbricht, halten wir endlich an. Unsere Entführer schlagen ein Lager mitten auf einer Waldlichtung auf und wir werden an Bäume gefesselt, die rund um den Rastplatz verteilt sind und weit genug auseinanderstehen, dass wir uns nicht unbemerkt miteinander verständigen können. Die Kälte, die durch den aufkommenden Wind noch verstärkt wird, dringt uns in die Knochen, und die Kleidung klebt vor Nässe an unseren erschöpften Körpern.

Es ist unmöglich, eine angenehme Position zu finden, da wir stehend an die Bäume gefesselt wurden. Das wird eine lange, kalte Nacht ohne Schlaf …

Rechts von mir steht Alia, daneben Zaron, die sich einen aufmunternden Blick zuwerfen.

Lächerlich … aber wie sagt man so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Zu meiner Linken wurde Lock gefesselt.

Ein Gorka geht mit einer Schale Essen zu Alia, löst den Knebel und hält ihr das Gefäß an den Mund. Sie hat keine andere Wahl, als zu schlucken. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, darf ich mich nicht auf einen Gaumenschmaus freuen, als der Gorka schließlich auch zu mir kommt.

Die Brühe ist undefinierbar und wird vom Regen mit jeder Sekunde mehr verdünnt – wenigstens etwas Gutes, da es wirklich scheußlich schmeckt.

Nachdem wir alle auf diese unwürdige Weise gefüttert wurden, begegne ich Alias Blick, die mich mit einer Mischung aus Flehen und Hoffen ansieht.

Aber ich bin der Letzte, der etwas schönredet, wenn es nichts schönzureden gibt. Daher wende ich mich ab und blicke stattdessen zu Ceron und Lock, denen die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben steht. Wir haben schon so einige Abenteuer miteinander erlebt, aber derart an die Grenzen unserer Kräfte hat uns noch keines gebracht. Die Körper der beiden zittern – ob vor Kälte, Schmerzen, Angst oder Müdigkeit, ist schwer auszumachen.

Verdammt noch eins! Sie sind wie meine Familie! Und wenn sie ebenfalls sterben, dann …

Ich führe den Gedanken nicht zu Ende, sondern presse meine Kiefer aufeinander und beiße fester in den Knebel.

So wie ich Gorkas kenne, werden sie uns in ihr Dorf bringen und dort vor aller Augen töten. Dass sie uns zu Essen geben, liegt nur daran, dass wir nicht auf der Stelle verrecken sollen und noch bei Kräften sind, wenn sie uns foltern. Ich muss verhindern, dass ihnen das gelingt. Nur wie?

Mein Blick gleitet zum Lagerfeuer der Gorkas, die Planen aufgestellt haben, unter denen sie vor dem Regen geschützt sind. Der Duft eines gebratenen Hirsches dringt von ihnen zu uns und lässt meinen Magen knurren. Sie grölen, reißen Witze über uns und zeigen immer wieder in unsere Richtung.

Zwei der Gorkas wurden zur Patrouille abkommandiert und achten darauf, dass wir keine falsche Bewegung machen.

Mit gerunzelter Stirn beobachte ich, wie die Stimmung am Lagerfeuer immer ausgelassener wird. Sie scheinen selbstgebrannten Alkohol zu haben – der Gestank vermischt sich mit dem Bratenduft.

Verdammt, das ist nicht gut …

Ich kenne das von meiner Mannschaft – wenn Männer trinken und sich derbe Witze erzählen, lassen sie sich meist zu Dummheiten hinreißen.

Wie um meine Befürchtung zu bestätigen, erhebt sich mit einem Mal ein Grüppchen und schlendert zu uns herüber. Nein … zu Alia.

Ich bin versucht, meine Fesseln mit Feuer zu verbrennen, halte mich aber noch zurück, da ich abwarten will, was als Nächstes geschieht. Für eine Flucht muss der Moment genau stimmen und noch sind sie zu wenig auf Alia konzentriert, als dass sie mich nicht aufhalten würden.

Einer der Gorkas tritt vor sie und sie zieht reflexartig einen Schutzschild um sich hoch.

Ich schmunzle in mich hinein – sie wird es ihnen nicht einfach machen.

»Lassen Magie!«, bellt der Gorka, doch Alia denkt nicht dran.

Ein Fehler, denn der Gorka geht kurzerhand an mir vorbei, rüber zu Lock, und hält meinem Freund ein Messer an die Kehle.

»Du lassen Magie … oder er tot!«, brüllt er.

Auch ich erkenne, dass er es ernst meint, und zerre warnend an meinen Fesseln, während ich ein Knurren ausstoße. Das alles soll jedoch bloß Tarnung für meine Flucht sein. Wenn sie nicht annehmen, dass ich mich selbst befreien kann, wird ihre Aufmerksamkeit nicht auf mir liegen.

Lock zieht scharf die Luft durch die Nase, als die Klinge in seine Haut schneidet, und Alia lässt widerwillig ihren Schutzschild fallen.

Ich bemerke ein Zittern, das durch ihren Körper gleitet, als sie der Gorkagruppe schutzlos gegenübersteht.

Mir ist bewusst, was jetzt kommen wird … aber ich hoffe, dass Alia nicht allzu lange in dieser Situation bleiben muss, denn ich beginne sorgfältig, meine Fesseln mit Magie zu verbrennen.

»Ausziehen!«, ruft einer der Gorkas und fletscht die Zähne, während die anderen begeistert nicken.

Alia schüttelt vehement den Kopf und ich erkenne, wie Zaron jetzt ebenfalls wütend knurrt.

Ein Gorka tritt nahe zu ihr und schlägt ihren Umhang zurück, während sie sich verzweifelt windet. Jedoch ohne Erfolg – unsere Fesseln wurden so fest gebunden, dass wir uns kaum rühren können.

Ich lege einen Zahn zu, um die Stricke noch rascher zu verbrennen. Bald habe ich eine Hand frei.

Als Alia abermals einen Schutzschild hochziehen will, höre ich zu meiner Linken ein weiteres Stöhnen und sie lässt ihre Magie bleiben, um Locks Leben nicht zu gefährden.

Der Gorka macht sich daran, ihr Hemd aufzuknöpfen, während Alia vor Furcht wimmert.

Durchhalten, Mädchen.

Meine linke Hand ist frei und ich versuche, mich unauffällig dem Strick um meine Brust und meinen Bauch zu widmen.

Der Gorka zerreißt kurzerhand Alias Oberteil, da er sich nicht länger mit Knöpfen aufhalten will. Im fahlen Licht, das vom Lagerfeuer herüberdringt, sind ihre Brüste zu sehen, die der Gorka mit gierigen Händen umfasst. Er streicht über ihre Brustwarzen, senkt seinen Kopf über sie und ich wende den Blick ab, während ich meine Bemühungen intensiviere.

Die Gorkas um ihn herum klatschen begeistert in die Hände, einer ruft, man solle ihr auch noch die Hosen ausziehen.

Gerade als ich den letzten Strick verbrannt habe, spüre ich einen kühlen Hauch und höre im selben Moment wütende Rufe.

Ich starre entgeistert zum Baum, der hinter Zaron in Flammen aufgegangen ist – ebenso wie der Gorka, der Alia jetzt loslässt und stattdessen mit den Armen wild um sich schlägt. Zwei seiner Kumpane versuchen, das Feuer, das seine Kleidung ergriffen hat, zu löschen, während sich die anderen auf Zaron stürzen, um ihn wieder zu fesseln.

Ein Blick zu meinen beiden Matrosen zeigt mir, wieso der Schwarzmagier keine weitere Magie einsetzt – die beiden hängen bewusstlos in ihren Fesseln, da er ihnen die wenige Wärme, die sie als Menschen haben, fast gänzlich entzogen hat.

Das ist meine Chance.

So rasch ich kann, verschwinde ich im Dickicht. Es macht keinen Sinn, Ceron oder Lock zu befreien – sie wären mir bei der Flucht nur ein Hindernis. Auch für Alia und Zaron kann ich jetzt nichts tun. Alles, was mir bleibt, ist, so schnell wie möglich davonzukommen, um mit Verstärkung zurückzukehren.

Anscheinend bleibt mein Fehlen nicht lange unbemerkt, schon ein paar Sekunden später höre ich wildes Geschrei, das sich in meine Richtung bewegt.

Verdammt … die sind verflucht schnell!

Ich verwünsche die Tatsache, dass ich nicht ganz bei Kräften bin, und versuche, den Puls, der in meiner Schläfe pocht, zu ignorieren. Aber die Verletzung und Erschöpfung hindern mich daran, so schnell voranzukommen, wie ich gerne möchte.

Dennoch renne ich unbeirrt weiter – wie lange, weiß ich nicht.

Äste schlagen mir ins Gesicht, ich stolpere über Wurzeln, und nur dank meiner guten Nachtsicht kann ich es verhindern, gegen Baumstämme zu rennen.

Die Rufe werden irgendwann leiser, sie scheinen sich in eine andere Richtung zu bewegen. Meine Seite sticht und mein Atem geht keuchend, also erlaube ich mir, mich kurz gegen einen Baumstamm zu lehnen und mich zu orientieren.

Fehler.

Gerade als ich wieder losrennen will, packt mich etwas am Oberschenkel. Oder besser … gräbt sich dort hinein. Ich schreie unvermittelt auf und atme gegen den Schmerz an, der sich in meinem Bein ausbreitet. Hände packen mich von hinten, ich spüre einen Schlag auf meinen Kopf und denke noch: Verflucht, nicht schon wieder die Schläfe, dann wird es schwarz um mich.

Kapitel 4 - Alia

 

Ich bin wie erstarrt, als ich den brennenden Baum erkenne und mein Blick auf Zaron fällt, der sich gerade wieder von den Gorkas die Hände auf den Rücken fesseln lässt. Einer schlägt ihm hart mit einer Keule gegen den Kopf und er fällt leblos zu Boden.

Ich will schreien und zerre wie wild an meinen Fesseln, als ich befürchte, dass sie ihn töten. Aber natürlich bringt das nichts. Immerhin fällt der Umhang bei meinen Bewegungen wieder nach vorne und verdeckt einen Teil meiner Blöße.

Angsterfüllt verfolge ich, wie Zaron an einen anderen Baum, der weiter weg steht, gefesselt wird. Er scheint bewusstlos zu sein, jedoch am Leben, wie ich seiner sich hebenden Brust entnehme.

Als ich meinen Blick zu Maryo wenden will, sind dort, wo er vorhin noch gefesselt gestanden hat, nur noch die Seile. Offenbar hat er die Unruhe genutzt, um zu fliehen.

Doch das fällt leider auch den Gorkas auf, die wütend brüllen, als sie erkennen, dass einer ihrer Gefangenen entkommen ist. Über zehn von ihnen machen sich an die Verfolgung.

Ich halte die Luft an. Wenn es Maryo gelingen sollte, zu fliehen, könnte er vielleicht Hilfe holen und uns befreien.

 

Meine Hoffnung wird jäh zerstört, als die Gorkas nach etwa einer Stunde den Elfenkapitän zurück ins Lager schleifen. Er ist blutüberströmt und kann kaum gehen. Sein rechtes Bein schleift nutzlos am Boden und eine tiefe Schnittwunde ist am Oberschenkel zu erkennen. Er hatte keine Chance zur Flucht, nicht mit dieser Wunde an seinem Kopf, die wieder aufgeplatzt ist. Der Eiter und das Blut drohen ihm die Sicht zu nehmen.

Maryo so kraft- und hilflos zu sehen, erschüttert mich bis ins Mark. Wenn nicht einmal er fliehen kann, werden wir anderen es ebenfalls nicht schaffen.

Die Gorkas schleifen ihn wütend zu seinem Baum zurück, wo sie ihn noch stärker fesseln als vorhin. Zwei werden dazu abkommandiert, links und rechts von ihm Wache zu halten, aber selbst wenn er einen erneuten Fluchtversuch wagt, mit dieser Wunde an seinem Bein wird er nicht mehr weit kommen. Er hängt halb bewusstlos in seinen Fesseln und ich sehe, dass er mit letzter Kraft versucht, seine Wunden zu heilen. Jedoch ist er als Elf nur zu kleineren Heilzaubern fähig und so kann er lediglich die Blutung stoppen.

Ein Blick zu Zaron zeigt mir, dass es auch um ihn nicht gut steht. Er ist zwar inzwischen aus seiner Bewusstlosigkeit aufgewacht, aber der Schlag auf den Kopf hat ihn offenbar hart getroffen – bereits zweimal musste er sich übergeben. Immerhin haben die Gorkas ihm den Knebel abgenommen, sonst wäre er an seinem eigenen Erbrochenen erstickt. Ich befürchte, dass er eine Gehirnerschütterung hat, und verfluche wieder einmal die Gorkas dafür, dass ich meinen Gefährten nicht helfen kann.

Wenigstens scheinen sie die Lust daran verloren zu haben, mich auszuziehen, denn sie lassen mich für den Rest der Nacht in Ruhe und widmen sich stattdessen ihren alkoholischen Getränken und dem Hirschbraten.