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Die Kritik der psychologischen Begutachtung, die ich hier ausführe, ist das Ergebnis meiner einschlägigen Erfahrungen, die mein Unverständnis so sehr wachsen ließen, dass ich mich auch fachlich mit den Begutachtungskriterien beschäftigt habe. Die Empörung war einfach zu groß, gerade auch aus meiner eigenen wissenschaftlich, empirischen Erfahrung heraus. Evidenzbasierte Qualität ist leider nicht der Standard der Begutachtung. Meine Kritik soll einen Einblick geben, was unter dem amtlichen Siegel gutachterlichen Wissens tatsächlich herausgefunden oder auch nur orakelt wird. Rekapitulierbarkeit und statistisches Gegenrechnen werden zu oft ersetzt durch den Glauben an Plausibilität und unevaluierte Heuristiken. Auch Gutachter zeigen sich gerade in ihren Überzeugungen als Opfer ihrer eigenen kognitiven Assoziationen, die sie rationale Maßstäbe ausblenden lässt. Die Distanz zum Fall, die Objektivität und Ausgewogenheit garantieren soll, bleibt so oftmals auf der Strecke. Widerspruch wird dann zur Unschuldsfantasie - Basta! Auf diesem Wege wird Vernunft durch die Macht des Gutachters ersetzt. Dessen Amt braucht die Wahrheit nicht um recht zu haben.
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Seitenzahl: 81
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Helge Hanerth
Alkohol und MPU
Anflug auf den Irrsinn im Kuckucksnest der psychologischen Begutachtung
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
Die MPU - Anspruch und Wirklichkeit
Impressum neobooks
Die Kritik der psychologischen Begutachtung, die ich hier ausführe, ist das Ergebnis meiner einschlägigen Erfahrungen, die mein Unverständnis so sehr wachsen ließen, dass ich mich genauer mit den Begutachtungskriterien beschäftigt habe. Die Empörung war einfach zu groß, auch aus meiner eigenen wissenschaftlich, empirischen Erfahrung heraus. Damit meine Bewertungen verständlich und transparent werden, verweise ich jedes Mal auf die entsprechenden Quellen. Ich lade herzlich ein dort das Wissen um die wissenschaftlichen Zusammenhänge zu vertiefen.
Meine Kritik soll einen Einblick geben, was unter dem amtlichen Siegel gutachterlicher Wissens tatsächlich herausgefunden oder auch nur orakelt wird. Rekapitulierbarkeit und statistisches Gegenrechnen werden zu oft ersetzt durch den Glauben an Plausibilität und unevaluierte Heuristiken. Auch Gutachter zeigen sich gerade in ihren Überzeugungen als Opfer ihrer kognitiven Assoziationen, die sie rationale Maßstäbe ausblenden lässt. Die Distanz zum Fall, die Objektivität und Ausgewogenheit garantieren soll, bleibt oftmals auf der Strecke. Zu oft bestimmt deren eigene Meinung und Emotion den Ausgang von Anfang an.
Meine Kritik ist das Ergebnis von Erlebnissen, die skandalös sind. Sie widersprechen gutachterlicher Präzision und Ratio. Die genauen Umstände, die zu dieser Kritik geführt haben, werde ich ausführlich in einem E-Buch (Neobooks) beschreiben. Meine MPU-Elebnisse werden darin weitgehend als exaktes Protokoll wiedergegeben. Die Veröffentlichung ist für Ende Juni geplant. Der Titel lautet: „Lebensweisheiten eines ordentlichen Trinkers – Einblicke in ein planvolles Leben mit Alkohol und in die Tiefen des Kuckucksnests der psychologischen Begutachtung“.
Bis dahin hoffe ich auf Ihre Kritik und Anregungen. Bitte nutzen Sie die Möglichkeit der Rezension oder schreiben Sie mir eine E-Mail. Schreiben Sie Tacheles. Seien Sie objektiv und klar. Nur dann kann ich Sie verstehen. Nur dann kann ich so schreiben, dass ich Ihre Perspektive berücksichtige.
Vielen Dank im Voraus!
Ihr Helge Hanerth
Die MPU ist ein standardisiertes Verfahren. Sie orientiert sich bundesweit an einheitlichen Maßstäben. Das habe ich stellenweise an den sich teilweise wiederholenden Fragestellungen erkannt. Trotzdem kann ich keinen allgemeingültigen Gesamteindruck schildern. Die Prüfer waren zu unterschiedlich. Ich hatte den Eindruck sie reflektierten die vielen Seiten eines wissenschaftlichen Diskurses. Die üblichen Richtungskämpfe unter Fachleuten setzten sich in der MPU fort in individuellen Schwerpunkten und sicherlich auch in der Auslegung. Sie zeigten die Varianz um einen gemeinsamen Nenner. Der Ermessensspielraum, den einige Prüfer rigoros ausschöpften, je stärker ihre Überzeugung und das Sendungsbewusstsein waren, zeigte das. Der Frageton bekam dann eine betont vorwurfsvolle Note der verunsichern konnte. Rang ich mich dann doch durch zu einer vorsichtigen Nachfrage, kam es zu emotionalen Reaktionen, die mir ein schlechtes Gewissen gaben, die Gutwilligkeit des Gutachters angezweifelt haben zu können.
Manche Gutachter gaben sich sehr versiert und detailreich. Man spürte, dass sie sich auf der Höhe des aktuellen Fachwissens wähnten. Andere agierten simpler. Sie wirkten, als ob sie exakt einem festgelegten und damit einen immer wiederholbaren Frageschema folgten. Ja, die Gutachter waren schon recht unterschiedlich. Fast alle verhielten sich wie Rechtsanwälte oder Staatsanwälte. Die einen suchten nach Gründen, die dokumentieren sollten, dass ein Klient entscheidende Fortschritte gemacht hatte, während die anderen nach Gründen suchten, warum der Klient noch nicht so weit war für die Führerscheinreife. Entscheidend für die Festlegung in welche Richtung die Begutachtung ging, schien mir die grundsätzliche politische Ausrichtung eines Gutachters, sowie sein erster Eindruck aus dem Überfliegen der Akte zu sein.
Je präziser ein Gutachter durch die Exploration führte, desto mehr spürte ich, dass er einen Eindruck zu bestätigen suchte, den er vielleicht als Eingangsthese aus dem Aktenstudium mit in die Exploration genommen hatte. Verfestigte sich dieser Eindruck, dann war der Ausgang weitgehend entschieden. Man merkte dann, dass von seiner Seite her, die Spannung wich und der Frageton jovialer wurde.
Gewöhnungsbedürftig konnte bisweilen die Sprache sein. Manchmal war sie etwas fachlich. Schwierig waren Passagen, in denen nach Gefühlen und ihren Eigenschaften gefragt wurde. Gerade wenn nach Trinkmotiven und Trinkdruck gefragt wurde, waren die Sätze so verwirrend vollgestopft mit subtilen Anspielungen, dass ich ganz konfus wurde. Worauf zielten die Fragen eigentlich explizit ab? Manche Gefühlsvorstellungen waren mir total fremd. Bei meinen Trinkmotiven hatte ich viel rationalere Vorstellungen als mancher Gutachter. Die genauen emotionalen Motive, von denen ich wenig wusste, waren ihnen aber wichtig. Den Gutachtern waren diese Gefühlswelten so selbstverständlich, dass sie sie nicht weiter erklärten. Eine Übersetzung oder Umformatierung in die eigene Gefühlswelt musste man einfordern. Leider hatte ich sogar Schwierigkeiten solche Formulierungen im Anschluss zu protokollieren. Ich konnte mir nur das Gesagte merken, dass ich verstanden hatte. Gerne hätte ich sie hier angeführt, denn es waren Sätze, deren zwangsläufig unzureichende Antworten das Verfahren beeinflusst haben.
Jeder Gutachter war auf seine Weise engagiert. So hatten auch die Gutachten ihre eigene, persönliche Note, die mir natürlich oft nicht gefiel. Die Subjektivität gutachterlicher Intuitionen ist immer ein einseitiger Blick, weil das eigene Selbst den Referenzrahmen bildet. So sucht auch eine subtile Intuition immer gerne nach den Nuancen, die im eigenen Erfahrungshorizont liegen. Die Andersartigkeit des Klienten dahinter, bleibt weiterhin verborgen.
Es ist bedauerlich, wenn ich mir Gedanken darüber machen musste, was alles zu unternehmen ist, damit ich besser sicherstellen konnte, dass alles Wesentliche nicht nur gehört, sondern richtig verstanden wurde. Es sollte die Pflicht eines Gutachters sein, der einen Fall annimmt, alles Relevante aus dem Klienten <herauszukitzeln>. Dazu gehört auch eine angemessene Übersetzung sprachlicher Defizite und mangelnder Ausdrucksmöglichkeiten. Jeder Bildungsstandard muss schließlich die gleichen Chancen im Verfahren haben. Alle Verfahren müssen dabei vergleichbar bleiben.
All das Wissen, dass ich mir aneignen musste, um meine Sache zu vertreten, ist grundsätzlich Teil des psychologischen- und statistischen Fachwissens der MPU-Gutachter. Engagiert man nicht gerade Experten, damit sie genau dieses Wissen aus dem Ärmel schütteln? Rationales Fachwissen darf nicht von der Anwendung zurückgehalten werden, weil Bauchgefühle sich frühzeitig festgelegt haben. Deswegen sollte ein Klient den Verlauf unbedingt kritisch verfolgen. Kognitive Fehler der Gutachter sind immer möglich und gerade bei großer Überzeugung wahrscheinlich.
Die Gutachter haben eine schwierige Aufgabe. Natürlich wollen sie sicherstellen, dass sich da nichts Schlimmes wiederholt. Das führt zwangsläufig zu einer restriktiven Vorgehensweise. Die Mehrheit der Gutachter wird deshalb zu <Staatsanwälten>. Sie vergessen abzuwägen. Sie verdrängen, dass der Widerruf einer Fahrerlaubnis ein erheblicher Eingriff in Persönlichkeitsrechte ist. Und sie vergessen, dass sie als Gutachter tätig sind im Auftrag des Zubegutachtenen, dieses objektiv, unabhängig, wissenschaftlich und wohlwollend zu leisten.
Das Verhalten solcher besonders strenger Gutachter kann von Bauchentscheidungen (Heuristiken) geprägt sein, obwohl diese Menschen überzeugt sind rational zu handeln.
Diese These haben britische Forscher bei Laienrichtern, sogenannten Magistrates untersucht. Diese Magistrates entscheiden über die Haftprüfung von Straftätern. Sie gelten als äußerst zuverlässig und gründlich. Es gibt von keiner Seite Zweifel an der Ernsthaftigkeit, mit der sie ihre Aufgabe gewissenhaft erfüllen.
Auffällig ist bei ihren Entscheidungen, dass sie in über neunzig Prozent der Fälle den Empfehlungen von Polizei und Anklage folgen. Nun liegt der Schluss nahe, dass das auch so sein muss, angesichts der anzuwendenden Gesetze. Forscher fanden jedoch heraus, dass der Glaube an rationales Verhalten trügt. Die Magistrates, so stellte man fest, hatten Angst vor einer falschen Entscheidung. Es konnte passieren, dass ein auf freien Fuß gesetzter Straftäter nicht wieder zu seinem Gerichtstermin erschien oder sogar weitere Straftaten beging. Diese Angst ließ sie ihre Verantwortung umso stärker spüren. Die instinktive Reaktion darauf war, dass sie den Vorwürfen der Anklage pauschal Priorität einräumten. Das war ihnen gar nicht bewusst. Dieses Verhalten aus dem Bauch heraus, passierte an der Kontrolle durch die Ratio vorbei. Es war ein vollautomatischer Selbstschutzmechanismus (Vgl. Gigerenzer, Gerd: „Bauchentscheidungen“, S. 206-211, C. Bertelsmann Verlag 2007).
Genauso stehen Gutachter mit amtlichem Auftrag vor dem Problem, dass sie der falschen Person zum Führerschein verhelfen könnten. Die Verantwortung wollen sie nicht leichtfertig tragen. Um einen solchen Fehler mit höherer Wahrscheinlichkeit auszuschließen, laufen auch sie Gefahr sich heuristisch rückzuversichern. So gilt hier eben nicht das Prinzip: Im Zweifel für den Angeklagten. Im Zweifel wähnt sich hier der Gutachter auf der sicheren Seite. Die unbewusste Absicherung der <Magistrates> und Gutachter wird so ein subjektiv notwendiger Kollateralschaden, der die Leistungsfähigkeit nach außen autoritär unterstreichen soll. Für die Qualitätssicherung des Verfahrens reicht ihnen hierbei der Hinweis auf statistische Plausibilität.
Von der MPU erwartete ich, dass man mit gestrengem Finger vorwurfsvoll auf meine Probleme zeigte, um nach einer Erklärung zu verlangen, was ich denn gegen unterstellte Missstände unternommen habe. Tatsächlich prüften die Gutachter in den MPU`s, ob es Verhaltensansätze gab, die rechtfertigen könnten, eine neue Fahrerlaubnis zu erteilen. Man ging von der Rechtmäßigkeit des Entzugs der Fahrerlaubnis und damit von der Schuld des Klienten aus. Das war eine Überraschung, denn ich dachte, dass mit der Begutachtung der kritische Sachverhalt mit all seinen Details auf den Tisch käme. Ich glaubte an das Zeugnis einer individuellen Begutachtung. Ich dachte mit einem unabhängigen Gutachter und dessen zusätzlichem psychologischem Schwerpunkt würde hier Tacheles geredet. Ich war überzeugt, dass sei in dem Preis, den Ich für das Gutachten bezahlt hatte, mit drin. Im Willen zur Offenheit musste sich doch alles klären, ganz logisch. Aber auch sie waren nur die Erfüllungsgehilfen einer Rechtsprechung, die sich bereits festgelegt hatte. Aber wozu brauchte ich einen Gutachter, wenn eh schon alles klar war und es nur noch die Option zum Gestehen gab?
