Alle meine Entchen - Marion Bohn-Förderer - E-Book

Alle meine Entchen E-Book

Marion Bohn-Förderer

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Beschreibung

Enten sind drollige, aber auch etwas kauzige Gartenbewohner. Sie machen am liebsten ihr eigenes Ding, und wer sich wünscht, dass seine "Quaker" auf Zuruf kommen, der muss schon einige Brotstückchen in der Tasche haben. Dank ihrer Vorliebe für tierische Snacks eignen sie sich gut als "Ungezieferpolizei". In diesem Buch erfährt der Leser alles, was er über Hausenten wissen muss, um ihnen ein artgerechtes Leben zu bieten. Ein fundierter Praxisratgeber, der auch das Wesen der Enten beleuchtet.

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Seitenzahl: 155

Veröffentlichungsjahr: 2016

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ALLE MEINEENTCHEN

ARTGERECHTE HALTUNG UND PFLEGE

Foto: Nathalie Photography/Shutterstock.com

Marion Bohn-Förderund Michael von Lüttwitz

ALLE MEINEENTCHEN

ARTGERECHTE HALTUNG UND PFLEGE

Titelbild: Michael von Lüttwitz

Autor und Verlag haben den Inhalt dieses Buches mit großer Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Für eventuelle Schäden an Mensch und Tier, die als Folge von Handlungen und/ oder gefassten Beschlüssen aufgrund der gegebenen Informationen entstehen, kann dennoch keine Haftung übernommen werden.

   IMPRESSUM

Copyright © 2014 by Cadmos Verlag, Schwarzenbek

Gestaltung und Satz: Atelier Lehmacher, Friedberg (Bay.)Fotos: Michael von Lüttwitz, sofern nicht anders angegebenZeichnungen: Susanne Retsch-AmschlerLektorat der Originalausgabe: Maren Müller

Konvertierung: S4Carlisle Publishing Services

Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten.

Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.

eISBN: 978-3-8404-6387-7

INHALT

Einleitung

Gefiederte Wegbegleiter

Wie Enten ticken

Das Wesen der Enten

Wie man mit Enten Freundschaft schließt

Welche Entenrasse soll es sein?

Was Enten sich wünschen

Der Entenauslauf

Enten brauchen Wasser

Der Entenstall

Liebe geht durch den Entenmagen

So klappt’s mit dem Nachwuchs

Die richtige Zuchtkondition

Die Befruchtung

Das Nest

Die Bruteier

Kunst- oder Naturbrut?

Die Naturbrut

Die Kunstbrut

Die natürliche Aufzucht durch die Ente

Die künstliche Aufzucht

Ente oder Erpel?

Fit und gesund durchs Entenleben

Glückliche Enten leben gesünder

Damit den Enten nicht der „Kragen platzt“

Tierkauf ist Vertrauenssache

Was tun bei Kipp- oder Hängeflügeln?

Inzucht vermeiden

Hygiene ist das A und O

Schädliche Untermieter

Der tägliche Gesundheitscheck

Hilfe, meine Ente ist krank!

Viruserkrankungen

Bakterielle Erkrankungen

Pilzerkrankungen

Parasitäre Erkrankungen

Verletzungen

Kropfverstopfung und Schlundverstopfung

Vergiftungen

Wenn Enten Federn verlieren

Anhang

Was Sie noch wissen sollten

Danke

Literatur/Adressen

EINLEITUNG

Foto: Ariene Studio/Shutterstock.com

Sie lieben Enten, möchten sich eigene anschaffen und wollen wissen, was sie alles brauchen, um glücklich zu sein? Oder Sie besitzen schon Enten und benötigen nun den einen oder anderen Rat? Vielleicht sind Sie auch ein Freizeitornithologe, der mit Hingabe das Verhalten verschiedenster Vögel studiert und gern darüber liest. Was immer Ihr Beweggrund sein mag – Sie suchen jedenfalls Infos über Hausenten, die nicht in Form einer hochwissenschaftlichen „Doktorarbeit“ daherkommen, sondern praxisnah und in einer auch für Einsteiger leicht verständlichen Form. Wir versichern Ihnen: Sie sind fündig geworden! Und wir freuen uns über Ihr Interesse an unserem Buch und an den Enten. Tauchen Sie mit uns ein in die Welt dieser sympathischen Wasservögel, und lernen Sie die „Quaker“ und ihre Bedürfnisse genauer kennen.

Enten leben schon sehr lange mit Menschen zusammen. Bereits vor 3000 Jahren erfolgte die Domestikation wilder Stockenten in Europa und Asien. Während Hausenten früher vorwiegend als Nutztiere gehalten wurden, erfreuen sie sich heute eines höheren Stellenwerts – sie sind beliebte Haustiere. Immer mehr Menschen, die in ländlichen Gebieten leben, entscheiden sich für Hausenten, weil sie zum Landleben dazugehören. Aus diesem Blickwinkel wollen wir die private Hobbyentenhaltung hier betrachten, denn was gibt es Schöneres, als die liebenswerten Vögel täglich live vor der eigenen Haustür zu sehen und mitzuerleben, wie flauschige Entenküken langsam zu bunt befiederten Vögeln heranwachsen! Mit etwas Glück kann man sogar beobachten, wie ein Küken aus dem Ei schlüpft. Und eines ist gewiss: Eine Küken führende Entenmutter ist ein besonderes Erlebnis, gerade für Kinder. Es ist rührend, wenn die Kleinen dicht aneinandergedrängt gehorsam ihrer Mutter folgen, ohne zu zögern mit ihr ins Wasser gehen, und dort flink untertauchen und manchmal auf den Rücken der Mutter klettern, um sich in deren Gefieder aufzuwärmen und auszuruhen.

Enten können unser Leben in vielerlei Hinsicht bereichern. Gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit sind sie durchaus in der Lage, das alltägliche „Leistungskarussell“, in dem viele von uns kreisen, für einige Momente zu stoppen, sodass wir mal aussteigen und etwas Zerstreuung finden können. Sei es wegen ihrer Gelassenheit, ihres schwerelos wirkenden Treibens auf dem Wasser oder ihres drolligen Watschelgangs – es macht einfach Freude, Enten zuzusehen. Ihr Anblick beruhigt, und wer sich ganz darauf einlässt, kann für kurze Zeit Kummer und Sorgen vergessen. Im Buddhismus wird die Ente nicht umsonst als Sinnbild für die Unterdrückung des Bösen angesehen.

Da Enten bei liebevoller Behandlung durchaus sehr zutraulich werden, ist die Entenhaltung außerdem ein Hobby, an dem sich die ganze Familie beteiligen kann.

Wir wünschen Ihnen viel Freude mit Ihren Enten!

Marion Bohn-Förderund Michael von Lüttwitz

GEFIEDERTE WEGBEGLEITER

Foto: Digoarpi/Shutterstock.com

Weil wir Enten seit jeher überall begegnen, sind sie uns sehr vertraut. Die hübschen Vögel verschönern das Landschaftsbild und beleben Parks und Süßgewässer. Da ist es nicht verwunderlich, dass sie auf zahlreichen Gemälden zu sehen sind. Kein Dorfteich, Weiher oder Bachlauf ohne Enten, könnte man fast sagen.

Der Handel bietet schmucke Porzellan- oder Keramikenten an, die die Herzen von Entenfans und Sammlern höher schlagen lassen. Ob Tassen mit Entenmotiven, Blumentöpfe mit Entenkopf, Quietscheenten und andere Plastikenten für Kinder, Gießkannen in Entenoptik oder Trachtenmode mit aufgestickten Enten – die beliebten Wasservögel sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Der wohl populärste Erpel schlüpfte am 9. Juni 1934 aus einem Ei, das sein geistiger Vater Walt Disney in Form des Zeichentrickfilms „The Wise Little Hen“ gelegt hatte. Donald Duck heißt der Bursche, der 1937 mit dem Film „Don Donald“ seinen großen Durchbruch hatte. Seit 1967 werden die Abenteuer von Donald Duck und Micky Maus erfolgreich als lustiges Taschenbuch herausgegeben. Für viele von uns waren Donald Duck, seine Angebetete Daisy Duck, sein Vetter Gustav Gans und der geizige Milliardär Dagobert Duck aus der fiktiven Stadt Entenhausen unterhaltsame Wegbegleiter in Kinder- und Jugendtagen.

Wie Enten ticken

Anders als beispielsweise Gänse, die innige soziale Bindungen innerhalb ihrer Familie pflegen und ihre Jungen als Paar gemeinsam großziehen, bilden Entenmütter mit den Küken eine vaterlose Familie, denn feste Partnerschaften gibt es unter Enten nicht. Sie praktizieren die freie Liebe mit wechselnden Partnern. So kann ein Gelege durchaus mehrere Väter haben.

Die gefiederten Erzeuger ziehen von dannen, kurz nachdem die Weibchen ihre Eier abgelegt haben. Frei lebende Erpel tun sich mit anderen Männchen zusammen und gründen eine Art Männer-WG. Während die Herren der Schöpfung in den Tag hineinleben, kümmern sich die Enten fürsorglich um die Brut und Aufzucht ihrer Nachkommen. Alleinerziehende Entenmütter haben mit ihrer Rasselbande alle Flügel voll zu tun. Ständig müssen sie auf der Hut sein, denn Entenküken sind ein beliebter Snack für allerlei Raubtiere. Gottlob sind Entenkids sehr folgsam und weichen ihrer Mutter instinktiv nicht von der Seite.

Den Grundstein für diese intensive Bindung legt die Entenmutter um den Schlupfzeitpunkt, indem sie immer mal wieder stimmlich Kontakt zu ihrem Nachwuchs sucht. Die ungeschlüpften Küken nehmen ihr zweisilbiges, tiefes „Räbräb“ durch die Eischale hindurch wahr, womit automatisch ihre Prägung auf die Mutter beginnt. Vernehmlich antworten können die Entchen aber erst, wenn sie mit ihrem Schnabel in die Luftkammer vorgedrungen sind, die sich im stumpfen Eiende befindet. Hier nehmen sie ihren ersten Atemzug, der sie in die Lage versetzt, sich stimmlich zu äußern. Bei Küken gibt es hauptsächlich zwei Rufarten: den Angst- und den Zufriedenheitsruf.

KLEINER SPRACHFÜHRER „ENTISCH“

„Mama, wo bist du?“ – Angstruf/Weinen: Das ist die erste Lautäußerung, die man von einer Ente im noch geschlossenen Ei hören kann. Wer kurz vor dem Schlupf an der Eischale lauscht, vernimmt des Öfteren ein einsilbiges, hohes, lang gezogenes „Wiii!“. Es wird meist dreimal hintereinander geäußert und ist vergleichbar mit dem Weinen eines Säuglings. Dieser hohe Piepslaut dient vor allem dazu, die Aufmerksamkeit der Entenmutter zu erregen, etwa wenn die Eier zu stark abkühlen, wenn Probleme beim Schlupf auftreten oder wenn die Entenkinder sich verlassen fühlen und Ansprache suchen. Während der ersten beiden Tage nach dem Schlupf steigert sich die Zahl der Angstrufe noch, denn mit diesem Piepsen aktivieren die Kleinen den Brutfürsorgetrieb ihrer Mutter.

„Kommt, Kinder!“ – Mütterlicher Lockruf: Während sich die Küken aus ihrer Eischale befreien, äußern sie hin und wieder den Angstruf und nehmen so wichtigen Kontakt zur brütenden Ente auf. Die Entenmutter antwortet ihnen jetzt mit ihrem Lockruf, einem „Quähggegegeg“, das sie erst leise und, je weiter der Schlupf voranschreitet, zunehmend lauter äußert. Die Reaktion auf den mütterlichen Lockruf ist laut dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz angeboren, das heißt, die Küken wollen daraufhin instinktiv zur Mutter. Der Lockruf und auch die Angstrufe der schlüpfenden oder bereits geschlüpften Geschwister führen zu einer Synchronisation des Schlupfes, weil der akustische Kontakt die noch in den Eiern steckenden Entenkinder motiviert, ganz nach dem Motto: „Da ruft wer nach mir, da will ich hin!“ Die Eischale wird daraufhin schon mal etwas flotter aufgeknackt.

Anders als bei Gänsekindern, die sich nach ihrem Schlupf rein optisch orientieren, wird bei Entenküken über die sogenannten Stimmfühlungslaute, also die jeweiligen Lautäußerungen von Mutter und Küken, ein intensives Mutter-Kind-Verhältnis aufgebaut. Konrad Lorenz bezeichnet die Entwicklung dieser Bindung als Prägung. Für die Entenkids ist eine intensive familiäre Prägung überlebensnotwendig, denn sie verfügen zwar bereits über einige angeborene Instinkte, müssen viele Dinge jedoch erst im Schutz ihres Familienverbands erlernen.

„Alles gut, ich bin ja da!“ – Kontaktlaut/Wohlfühllaut: „Räbräb, räbräb!“ Mit diesem leise geäußerten Stimmfühlungslaut geht eine Entenmutter bereits mit ihren ungeschlüpften Küken auf Tuchfühlung. Das tiefe, zweisilbige „Räbräb“-Palaver, wie Lorenz es nennt, ist die typische Form der innigen Begrüßung und steht für Zusammenhalt, Geborgenheit, Wohlbefinden und Zufriedenheit. Diesen Laut hört man sowohl von der Entenmutter als auch von ihren Küken, wenn alle beisammen und rundherum zufrieden sind. Hat beispielsweise ein Küken während eines Familienausflugs den direkten Anschluss an die Gruppe verloren, äußert es panisch und herzzerreißend den Angstlaut. Wieder bei der Familie angelangt, begrüßen sich alle innig. Ihr „Räbräb“ wird jetzt aber in einer schnelleren und etwas lauteren Tonfolge geäußert. Man spürt regelrecht die emotionale Erleichterung und Freude der Enten über die familiäre Wiedervereinigung.

Wenn Küken sich unwohl fühlen, äußern sie ihren Angstruf, der verblüffend an das Weinen eines Kleinkindes erinnert. (Foto: Paul Reeves Photography/Shutterstock.com)

„Alles in bester Ordnung!“ – Wohliges Trillern der Küken: Wer genau hinhört, vernimmt diesen „Wirrr“-Laut schon aus den noch nicht angepickten Eiern, nämlich dann, wenn diese wieder erwärmt werden, nachdem sie zuvor so ausgekühlt waren, dass die Embryonen Weinlaute äußerten. Ebenso hört man ihn bei bereits geschlüpften Küken, die gerade durch Unterkriechen unter die Mutter oder durch die Wärmelampe wieder gewärmt werden, nachdem ihnen zuvor kalt geworden war.

„Achtung, alles sammeln!“ – Aufbruchlaut: „Rääääb, räb, räb …“ Bei diesem meist siebensilbigen Kontaktlaut wird die erste Silbe unter starker Betonung des „ä“ in die Länge gezogen, während die übrigen schnell aufeinanderfolgend und laut geäußert werden. Mit ihm wird die Gruppe zusammengetrommelt, sodass alle sich gemeinsam in Bewegung setzen können. Man hört den Aufbruchlaut beispielsweise, wenn Enten von Weitem ihren Halter mit dem Futtereimer erblicken. Vereint geht es dann schnellen Schrittes, teils auch fliegend, in Richtung Futterplatz, wobei sich die Enten gegenseitig mit einem zweisilbigen, erregten „Gäg-gäg, Gäg-gäg“ auf das Futter hinweisen. Hier hört man gut den stimmlichen Unterschied zwischen Ente und Erpel. Sie klingt hell und laut, während sich seine Stimme mit einem leiseren, tiefen, heiser klingenden Krächzen beschreiben lässt.

Während der Nahrungsaufnahme äußern Enten ein zufriedenes „Räb-räb, Räb-räb“, in das ab und zu auch ein wohliges Trillern einfließt. Bei ausgewachsenen weiblichen Tieren lässt sich Letzteres am besten mit einem „Wiiiürr“ und bei den männlichen mit einem „Wrrr“ beschreiben.

Warzenenten verstehen sich ohne viel Gequake. (Foto: shutterstock.com/bddigitalimages)

„Achtung, alle aufpassen!“ – Alarmlaut: Mit einem leisen, heiseren „Räb“ warnen sich Enten vor Gefahren. In einer als bedrohlich eingestuften Situation wird das „Räb“ mit waagerecht nach vorn gestrecktem, gegen das Feindbild gerichtetem Kopf untermalt.

Abschließend sei gesagt, dass Warzenenten eine Ausnahme bilden. Ihr Sprachschatz ist begrenzt, weil ihre Stimme nur gering entwickelt ist. Das liegt daran, dass sie als einzige Hausenten nicht von der Stockente, sondern von einer Wildentenart aus Mittel- und Südamerika abstammen. Wie ihre wilde Verwandtschaft sind sie nahezu stumm. Lediglich ab und zu geben sie leise Hauchlaute von sich. Außerdem klagen die weiblichen Tiere beim Brüten sowie beim Tretakt mit einem kurzen, traurig klingenden Ton, und erregte Erpel äußern ein leises Fauchen, das irgendwie abgehackt klingt und mit ruckartigen Kopfbewegungen untermalt wird.

Das Wesen der Enten

Enten sind friedliebende Geschöpfe. Lediglich in der Paarungszeit kommt es zu Rangordnungskämpfen unter den Erpeln, wenn diese ein gemeinsames Areal belaufen. Die Inten–sität solcher Auseinandersetzungen hängt davon ab, ob sich die Tiere kennen oder nicht. Kennen und respektieren sich die Erpel, bedrohen sie einander, indem sie mit leicht geöffnetem Schnabel ihren Hals in Richtung der Körperflanke des anderen oder an diesem vorbei nach vorn strecken. Eine einfache Geste, die in den meisten Fällen eine Auseinandersetzung vermeidet. Bei Erpeln, die sich fremd sind, sieht das aber anders aus. Sie bedrohen einander frontal und gehen dabei zielstrebig, mit waagerecht vorgestreckten Köpfen aufeinander zu. Sobald sie nahe genug sind, versuchen sich die beiden Kontrahenten durch Bisse ins Brustgefieder, in den Nacken oder den Körper schmerzhaft zu treffen. Dabei benutzen sie auch ihre Flügel, mit denen sie durchaus kräftig zuschlagen können. Warzen–erpel verfügen zudem über messerscharfe Krallen. Die rotgesichtigen „Faucherchen“ kämpfen übrigens mit der gleichen Verbissenheit wie Ganter – da fliegen im wahrsten Sinne des Wortes die Federn.

Die bevorzugte Fortbewegungsart von Enten ist das Schwimmen. Die am hinteren Teil des Körpers ansetzenden Beine eignen sich optimal zur Fortbewegung im Wasser, zum Laufen an Land jedoch weniger, was der watschelnde Gang zeigt.

Enten verfügen über ein gutes Seh- und Hörvermögen. Durch ihre seitlich am Kopf sitzenden Augen müssen sie jedoch, um Dinge räumlich zu erfassen, diese immer abwechselnd mit dem linken und rechten Auge fixieren. Das erreichen sie durch Hinund-her-Wenden des Kopfes oder Laufen im Zickzackgang.

Wie alle Fluchttiere behalten auch Enten ihr Umfeld stets aufmerksam im Blick. Und wehe, es ist was „im Busch“ – da legen die ansonsten ruhigen Gesellen lautstark los. Diese Angewohnheit entwickeln die Tiere aber erst, wenn sie sich in ihrer Umgebung heimisch fühlen. Neu erworbene Enten sind anfangs zurückhaltend. In einer als bedrohlich eingestuften Situation reagieren sie unterschiedlich. Das „Sich-tot-Stellen“ ist hauptsächlich bei Wild- und Zierenten zu beobachten. Viele Hausenten bevorzugen hingegen die Flucht und bringen sich, wenn möglich, auf größeren Wasserflächen in Sicherheit. In der Intensivhaltung in großen Gruppen auf engem Raum kann dieser Fluchtreflex verheerende Folgen haben. Geraten die Tiere in Panik, flüchten sie in eine Ecke des Stalls und drängen sich dort zusammen, sodass ein großer Teil der Gruppe ersticken kann. Weil Enten recht schreckhaft sind, zu Panikattacken neigen und sich außerdem im Dunkeln nicht orientieren können, sollte bei größeren Tierbeständen des Nachts immer eine schwache Stallbeleuchtung als Orientierungshilfe gegeben sein. Das beugt unnötigen Verletzungen oder Tierverlusten vor.

Wie man mit Enten Freundschaft schließt

Im Gegensatz zu Gänsen, die sich dem Menschen sehr eng anschließen können, werden Enten zwar sehr wohl zutraulich, machen sonst aber gern den lieben langen Tag ihr eigenes Ding. Wenn Sie sich wünschen, dass Ihre kleinen Eigenbrötler auf Zuruf kommen, sollten Sie immer ein Stückchen Brot dabeihaben. Wie Wilhelm Busch einst sagte: „Ein Onkel, der was Gutes mitbringt, ist besser als eine Tante, die bloß Klavier spielt.“ Enten scheinen diese Einstellung absolut zu teilen. Außer Futter brauchen Sie unbedingt Geduld, Ruhe und Gelassenheit, wenn Sie das Vertrauen Ihrer Enten gewinnen möchten. Wer sich ihnen gegenüber wie eine wandelnde Schlaftablette verhält, macht seine Sache genau richtig. Das, was Sie ausstrahlen, bekommen Sie nämlich zurück. Sind Sie ruhig, sind die Tiere entspannt. Verbreiten Sie Hektik, werden die Enten, ähnlich wie Pferde, nervös und kopflos. Was Enten im Gegensatz zu Pferden nicht mögen, sind Streicheleinheiten. Wie alle Vögel lässt ihr natürlicher Fluchtreflex sie instinktiv zurückweichen, wenn man nach ihnen greift, auch dann, wenn sie ansonsten schon zutraulich sind. Ist es einmal notwendig, ein Tier einzufangen, sollten Sie daher unbedingt mit ihm sprechen, während Sie zu ihm hingehen. Wer stillschweigend plötzlich zugreift, verhält sich wie ein Raubtier (das sich lautlos annähert und zupackt) und versetzt so seinen gefiederten Freund in höchste Panik. Erklären Sie der Ente wortreich, was Sie vorhaben, oder sagen Sie Goethes „Erlkönig“ auf – Hauptsache, Sie sprechen. Die Ente versteht den Sinn Ihrer Worte nicht, aber sie wirken beruhigend.

Enten gewöhnen sich schnell an feste Rituale, und die sollten möglichst eingehalten werden. Das gibt den Tieren Sicherheit und gewährleistet, dass sie sich auf ihren Halter einstellen können. Feste Fütterungszeiten erleichtern das abendliche Einstallen, denn ihre innere Uhr führt die Enten pünktlich zurück zum Stall.

Inwieweit Enten sich Menschen gegenüber öffnen, hängt zudem von der „Kinderstube“ der Tiere ab. Nur Enten, die liebevoll aufgezogen wurden, sind später in der Lage, Vertrauen aufzubauen. Man sollte sich diesbezüglich im Vorfeld erkundigen, statt euphorisch die erstbesten Tiere mit nach Hause zu schleppen. Enten von verantwortungsvollen Hobby-Rassegeflügelzüchtern sind nicht nur gut durchgezüchtet, sie werden auch mit viel Hingabe aufgezogen. Denn – und wir sprechen hier aus Erfahrung – ein echter „Herzblutzüchter“ verbringt oft mehr Zeit im Geflü-gelstall als zuhause bei seinen Lieben. Der Züchter kann Sie zudem bestens über die Tiere informieren. Besonders in der ersten Zeit kommen immer wieder einmal Fragen auf. Da beruhigt es ungemein, wenn man einen kompetenten Ansprechpartner kennt.

Tiere verfügen über sensible „Antennen“ für Emotionen. Sie öffnen sich demjenigen, der ihnen Liebe und Respekt entgegenbringt. (Foto: Bogdan Bulat/Shutterstock.com)

Wenn der Schlupf gut verlaufen und der Aufzuchtstall voll ist, geben Züchter Küken ab. Allerdings können die Wenigsten das Geschlecht zu diesem frühen Zeitpunkt bestimmen, und so kauft man diesbezüglich ein „Überraschungspaket“. Künstlich erbrütete Entchen prägen sich nach ihrem Schlupf auf ihre Schlupfkameraden und brauchen diese. Daher darf man niemals nur ein einzelnes Küken kaufen. Mindestens drei oder vier sollten es sein. Die Gesellschaft von Artgenossen ist für die Psyche und das Sozialverhalten von großer Wichtigkeit und sollte immer gewährleistet werden. Wer sich für Entenküken entscheidet, muss für ihre Aufzucht außerdem einiges an Zeit einplanen. Wenn die Entenkids zahm werden sollen, brauchen sie außer ihren Schlupfkameraden viel Zuwendung und Nestwärme.

Natürlich erbrütete Küken, die in ihrem Familienverband aufwachsen, lernen dort alles Wichtige und werden zudem gut sozialisiert. Günstig ist es, wenn bereits die Entenmutter Menschenbezug hat. Dann sind die Kleinen weniger scheu und werden sich Ihnen vorbehaltloser annähern. Sie sind allerdings, wie schon erwähnt, auf ihre Mutter geprägt und sollten auch bei dieser bleiben dürfen, und zwar so lange, bis sie flügge sind – was mit etwa zwei Monaten der Fall ist. Danach löst sich ohnehin die familiäre Bindung auf, und die halbstarken Jungenten sind dann offen für neue Wege. Im Alter von etwa acht Wochen wird auch das Geschlecht der Tiere erkennbar.

Welche Entenrasse soll es sein?

Hausenten gibt es in verschiedensten Größen, von S bis XL. Fast alle stammen von der wilden Stockente ab. Im Lauf der Zeit wurden aus dieser äußerst anpassungsfähigen Ente zwei unterschiedliche Typen herausgezüchtet. Zum einen der Landententyp, der in Form und Gestalt der Stammform ähnelt, und zum anderen der Pinguintyp. Hierbei handelt es sich um eine lauffreudige Ente mit aufrechter Körperhaltung, die sich in Südostasien entwickelte. Durch entsprechende Kreuzungen entstanden schließlich Rassen, die Mischformen darstellen. Die Campbellente ist hierfür ein gutes Beispiel.