Alleinsein macht stark - Carolin Müller - E-Book

Alleinsein macht stark E-Book

Carolin Müller

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Beschreibung

Alleinsein heißt nicht einsam sein. Der bewusste und achtsame Umgang mit sich selbst lässt sich lernen und dient im Alleinsein als Kraftquelle. Einfühlsam nehmen die Autoren Sie hierbei an die Hand. Die Kombination von heutigen psychologischen Therapieansätzen und uralter fernöstlicher Spiritualität wird in den USA seit einigen Jahren erfolgreich angewandt. In letzter Zeit auch immer häufiger in Deutschland. Dieser Zulauf entspringt der Sehnsucht der Menschen nach besonderer Hilfe in Zeiten von Hektik, Stress und Alltagssorgen. Themen wie Achtsamkeit, Stille, Kontemplation, Buddha, Meditation, Yoga, Askese sind en vogue …
Die neue Buchreihe „Buddha to go“ greift Krisenthemen des Lebens auf, verbindet charmant psychologischen Rat mit Weisheiten des Buddhismus. In diesem Buch geht es um das für viele schwierige Thema Einsamkeit. In den Text eingebunden findet sich ein kleines Basiswissen Buddhismus, das leicht verständlich Einblicke in eine viele Menschen faszinierende Lebenshaltung gibt. All das und die einfachen praktischen Übungen motivieren zum Umdenken und damit zu der Erkenntnis, dass die Fähigkeit, mit sich allein zu sein, eine ungeahnte Kraftquelle darstellt.

  • Für Menschen, die die Zeit mit sich selbst als Kraftquelle erkennen und nutzen möchten
  • Anregend und gehaltvoll: Lebenshilfe "to go"
  • Moderne Psychologie trifft fernöstliche Weisheit
  • Mit einfachen Übungen

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2019

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CAROLIN MÜLLER NADIM MEKKI

Alleinsein

macht stark

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://portal.dnb.de abrufbar.

Copyright © 2019 Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln

Umschlagmotiv: © ananaline / Shutterstock.com; www.pixabay.com

ISBN 978-3-641-25003-4V001

www.gtvh.de

Die längste Reise,

die wir jemals antreten,

ist die Reise vom Kopf zum Herzen.

Ringu Tulku Rinpoche

Carolin Müller,

geboren 1986, Diplom-Psychologin in eigener Onlinepraxis seit 2014. Studium mit Schwerpunkt »Klinische Psychologie« an der Universität Potsdam, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Buddhistische Therapeutin & Achtsamkeitstrainerin. Studium des Buddhismus in Indien und Begegnung mit dem Dalai Lama 2015. Vortragstätigkeit u. a. in der Schweiz und in Malaysia. Wenn Carolin Müller nicht durch die Welt reist, lebt sie in Potsdam.

Nadim Mekki,

geboren 1980 in Tunis, Diplom-Philosoph und Studium Internationales Management in Quebec, Kanada. Tunesische und kanadische Staatsangehörigkeit. Seit 2007 selbstständiger Strategie- und Managementberater. Zwei Publikationen 2015 und 2016 zum Thema Philosophie bei Les éditions du Net. Nadim Mekki spricht sechs Sprachen, reiste zwei Jahre durch Asien und lebt in Quebec City, Kanada.

Inhalt

Vorwort

Einsamkeit erkennen

Was ist Einsamkeit?

Den einsamen Geist ergründen

Das Stigma der Einsamkeit

Alleinsein ohne Angst und Ablenkung

Auf eine Reise gehen

Ablenkungen vermeiden

Furchtlosigkeit entwickeln

Entdeckungsreise

Die Quelle der Einsamkeit

Unwissenheit und Anhaftung an das Selbst

Das Gefühl der Wertlosigkeit

Unsere Buddha-Natur wiederfinden

Einsamkeit und Erleuchtung – Die Umwandlung

Die anderen und ich

Der Weg zur Erleuchtung

Die Entwicklung geistiger Tugenden

Die Entwicklung von Weisheit

Die Entwicklung moralischer Tugenden

Verbundenheit

Unabhängigkeit und Einheit – Der Mittlere Weg

Wahre Freundschaft

Nachwort

Verzeichnis der Übungen

Literatur

Vorwort

Es tut unserer Seele und unserem Körper gut, dass wir in Zeiten der Einsamkeit nach einem Weg suchen, unser Unbehagen zu überwinden. Viele Menschen versuchen dabei, ihr Gefühl mit allerlei kurzfristigen Taktiken zu verdecken: eine Reise unternehmen, neue Freunde suchen und finden, sich in die Arbeit stürzen oder die Zeit totschlagen und die Einsamkeit einfach verdrängen. Trotzdem stellen sie nach einer Weile fest, dass ihre Einsamkeit nicht verschwunden ist, sondern nur für eine Zeit abgetaucht war, um mit voller Kraft zurückzukehren.

Auch wenn wir von anderen Menschen umgeben sind und die modernsten Kommunikationsmittel zur Verfügung haben, ist Einsamkeit in unserer modernen Gesellschaft allgegenwärtig. Wenn Sie dieses Gefühl bereits erlebt haben, dann wissen Sie, wie schmerzhaft es sein kann, inmitten einer Menschenmenge zu stehen und sich dennoch einsam und von der Welt abgetrennt zu fühlen. Nach dem Ende einer Beziehung oder dem Verlust einer nahestehenden Person kann Einsamkeit zu einer schweren Bürde werden, die nicht selten in einer Depression endet.

Wir nehmen Sie mit auf eine Reise in Ihr Inneres und bieten Ihnen vom Buddhismus inspirierte Methoden und Techniken an, die Ihnen dabei helfen, Ihre Gefühle zu verstehen und deren Ursachen zu erkennen. Sie finden Wege, Ihre Einsamkeit in ein Gefühl der Verbundenheit und Freude zu verwandeln. Um dies zu erreichen, stellen wir Ihnen eine Vielzahl von Meditationen und praktischen Übungen vor, die Ihnen einen Einblick in Ihre Beziehung zu sich selbst und zu anderen verschaffen.

Dieses Buch ist das zweite Buch der kleinen Buchreihe »Buddha to go« über Buddhismus und Psychologie. Wertvolle Ergänzungen liefern die beiden weiteren Bücher:

Wir hoffen aufrichtig, dass Sie nach dem Lesen dieses Buches und dem Ausprobieren der darin vorgeschlagenen Übungen ein Gefühl von Verbundenheit und Liebe für sich und andere Menschen entwickeln.

Carolin Müller & Nadim Mekki

Im Sommer 2019

Einsamkeit erkennen

Im Buddhismus gibt es einen zentralen Begriff, der sich auf einen universellen menschlichen Zustand bezieht und im Sanskrit oder in der Pali-Sprache als Dukkha bezeichnet wird. Obwohl oft mit Leiden übersetzt, bezieht sich Dukkha vielmehr auf die Unzufriedenheiten und Unvollkommenheiten des Lebens. Die allgemeine Vorstellung ist, dass unser Leben notwendigerweise schwere Zeiten, schmerzhafte Erfahrungen, Unzufriedenheit und Phasen von Trauer und Traurigkeit durchläuft. Zu diesen schmerzhaften Erfahrungen zählen beispielsweise auch Probleme, die mit dem Älterwerden und dem Sterben in Zusammenhang stehen.

Aber auch positive Erlebnisse können unangenehme Gefühle auslösen, wenn sie am Ende überraschenderweise doch zu negativen Konsequenzen führen. Dukkha beschreibt ein alles durchdringendes Gefühl der Unzufriedenheit und des Mehr-Wollens.

Das Leben läuft leider nicht immer nach unserer Vorstellung ab, und häufig bleiben wir mit dem Wunsch zurück, mehr von etwas Bestimmtem haben oder etwas nicht verlieren zu wollen. Weil aber nichts für ewig bleibt, streben wir immer nach neuem Vergnügen, das uns Zufriedenheit und Lebenssinn geben könnte.

Die Erste Edle Wahrheit

Die Vier Edlen Wahrheiten sind Teil der ersten Unterweisung, die Buddha nach seiner Erleuchtung gab und bilden den Kern der Buddhistischen Lehre. Sie thematisieren das Leiden, welches wir als Lebewesen im ewigen Daseinskreislauf erfahren, und beschreiben, wie wir es letztlich beenden können.

Die Erste Edle Wahrheit spricht von Dukkha; unser Leben ist leidvoll und unbefriedigend, weil wir mit unangenehmen Ereignissen konfrontiert werden. Geburt, Alter und Tod sind Ereignisse, die Sorge, Angst und Kummer bringen. Es ist Leiden, mit ungewollten Situationen konfrontiert zu sein. Es ist Leiden, von Angenehmem getrennt zu sein. Und es auch ist Leiden, nicht das zu bekommen, was wir gerne hätten.

Wenn wir uns als Menschen der westlichen Kultur mit dem Buddhismus beschäftigen, kommt schnell die Frage auf, warum im Buddhismus ständig von Leiden die Rede ist. Ist das Leben nur mit Leiden und Trauer erfüllt? Natürlich nicht. Der Buddhismus erkennt alle Arten von Emotionen an, von höchster Glückseligkeit bis hin zu tiefster Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit.

Beim buddhistischen Ansatz geht es aber darum, die Anwesenheit aller Gefühle in uns zu verstehen, um die positiven zu kultivieren und zu schätzen und die negativen verändern zu können. Wenn Sie wegen einer Erkrankung das erste Mal zum Arzt gehen, sprechen Sie nicht unbedingt darüber, was gut läuft, sondern Sie sprechen darüber, was Ihnen Unwohlsein verschafft. Wenn Sie dem Arzt sagen, dass Ihre Arme und Ihre Füße kräftig sind und Ihre Leber keine Probleme macht, dann würde der Arzt Sie fragen: »Ja, das freut mich, aber wie kann ich Ihnen helfen?«

Die buddhistische Psychologie funktioniert auf ähnliche Art und Weise. Wir müssen zunächst erkennen, wo das Problem liegt und genau das intensiv betrachten. Aus diesem Grund ist Dukkha der Begriff, um den sich im Buddhismus alles dreht. Wir wollen Dukkha beobachten, verstehen und lernen, es zu beenden. Denn jedes Lebewesen will Glück erreichen und Leid vermeiden. Ohne eine nachhaltige Erkenntnis und ein fühlbares Verständnis ist jedoch keine dauerhafte Verbesserung möglich.

Sie können es sicher anhand Ihrer eigenen Erfahrungen beobachten: Wir erleben relativ kurze Wechsel aus Zufriedenheit und Unzufriedenheit. Wir fühlen flüchtige Momente der Freude und des Glücks, und kurz darauf sind wir schon wieder von einem irritierten, wütenden oder unzufriedenen Geist erfüllt.

Der Wechsel der Gefühle

Stellen Sie für den Rest des Tages eine Erinnerung in Ihrem Telefon ein, die jede Stunde ertönt. Wenn Sie den Alarm hören, denken Sie über Ihre Gefühle der letzten Stunde nach.

Welche Gefühle hatten Sie? In welchen Situationen waren Sie fröhlich, ärgerlich, traurig, genervt usw.? Wie viele verschiedene Gefühle fühlten Sie überhaupt innerhalb der letzten Stunde?

Denken Sie darüber nach, wie oft Sie sich wünschen, dass die Dinge in Ihrem Sinne passieren, wie zum Beispiel, dass in Ihrem Berufsleben etwas zu Ihrem Vorteil entschieden wird.

Wie häufig begehren Sie einen Gegenstand oder eine Sinneserfahrung, wie beispielsweise ein neues Kleidungsstück oder ein köstliches Stück Kuchen?

Wie häufig spüren Sie einen inneren Widerstand, wenn die Dinge nicht so laufen, wie Sie es sich wünschen?Dieses Hin und Her des täglichen Lebens ist Dukkha.

WAS IST EINSAMKEIT?

Es ist – wie gesagt – eine zentrale Aufgabe im Buddhismus, sich mit den eigenen Gefühlen vertraut zu machen und Sie zu verstehen. Aus buddhistischer Sicht geht es nicht darum, dass Sie sich einsam fühlen und sich dann fragen, was Sie tun können, um dieses Gefühl zu beseitigen. Es geht vielmehr um eine tiefe Analyse. Es geht zunächst um die Wahrnehmung des Gefühls und die Akzeptanz dessen. Wie wir später sehen werden, ist es diese Akzeptanz, die ein ausdrückliches Verständnis überhaupt erst möglich macht. Und es ist dieses Verständnis, das Sie befähigt, sich zu entwickeln und sich selbst zu verändern.

Einsamkeit ist nur eines von vielen negativen Gefühlen, denen wir uns stellen müssen. Bevor wir jedoch fortfahren, stellen Sie sich bitte eine wichtige Frage: Was genau ist dieses Gefühl der Einsamkeit? Was verstehen Sie unter dem Begriff Einsamkeit?

An dieser Stelle schlagen wir zunächst eine Definition der Begrifflichkeiten vor. Einsamkeit und Alleinsein sind zwei verschiedene Dinge. Alleinsein ist nur eine Lebensbedingung – nämlich die Tatsache, nicht mit jemand anderem zu sein. So können Sie für eine Stunde, einen Monat oder ein Jahr allein sein. Während dieser Zeit des Alleinseins können Sie positive und negative Gefühle erleben. Sie können allein und gleichzeitig der glücklichste Mensch der Welt sein.

Im Gegensatz dazu bezieht sich Einsamkeit nicht auf die Außenwelt und auf Tatsachen. Einsamkeit ist ein Gefühl. Und dieses Gefühl wird normalerweise als unangenehm empfunden. Sie können also demnach mutterseelenallein sein und sich doch nicht einsam fühlen. Und gleichzeitig können Sie von hunderten Menschen umgeben sein und sich einsam fühlen. Natürlich können Sie auch allein und einsam sein. Das Gefühl der Einsamkeit hängt jedoch nicht von der Tatsache des Alleinseins ab, sondern ist in der Regel mit vielen anderen Situationen und Faktoren verknüpft.

Eine ehemalige Klientin Ende fünfzig erlebte den tragischen Krankheitsverlauf ihres Mannes, nachdem bei ihm Leukämie diagnostiziert worden war. In den Tagen und Wochen nach seinem Tod verbrachte sie viel Zeit mit ihren Kindern und mit ihrer Schwester, und sie erhielt viel empathische Unterstützung von ihren Arbeitskollegen. Mit der Zeit kehrten alle in den Alltag zurück, und meine Klientin entschied mutig, dass das Leben auch für sie ja weitergehen müsse. Sie arbeitete seit mehr als zehn Jahren in demselben Unternehmen, wo sie hervorragende Beziehungen zu ihren Kollegen pflegte und eine komfortable und respektable Position erreicht hatte. Ihre Kinder waren erfolgreich und lebten nicht weit von ihr entfernt.

Etwas mehr als ein Jahr nach dem Tod des Mannes wandte sie sich an mich, um psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie erzählte mir, dass sie unter einem schrecklichen Gefühl der Einsamkeit litt. Als ich sie zum ersten Mal bat, ihre Gefühle näher zu beschreiben, erzählte sie mir, dass sie jeden Tag, wenn sie nach der Arbeit nach Hause kam, eine tiefe Leere und ein Loch in ihrem Herzen fühlte. Besonders die Wochenenden machten ihr schwer zu schaffen, obwohl sie viel Zeit mit ihren Kollegen, ihrer Schwester und ihren Kindern verbrachte.

Wenn wir ein wenig genauer hinschauen, können wir erkennen, dass die Einsamkeit, die diese Frau erlebte, offensichtlich mit Trauer und zu einem gewissen Grad mit Depressivität in Verbindung stand. Es ist ganz und gar nicht leicht, wirkliche Einsamkeit zu definieren. Jedes Einsamkeitsgefühl hat seine Nuancen, Ursachen und Zusammenhänge. Einsamkeit hat immer eine Geschichte. Depression, Alleinsein, Angst, Trauer etc. sind Faktoren, die zu Einsamkeit führen können. Auf der anderen Seite kann die bloße Tatsache, dass man alleine lebt und wenig soziale Kontakte hat, zu einer Reihe unangenehmer und schmerzlicher Gefühle wie Einsamkeit, Traurigkeit und Depression führen. Heutzutage besteht sogar die Befürchtung, dass sich in der westlichen Kultur eine regelrechte »Einsamkeitsepidemie« entwickelt. Dieses offensichtlich weit verbreitete Problem ist eine Begleiterscheinung der heutigen westlichen Welt und hängt nicht zuletzt mit der Veränderung traditioneller familiärer und sozialer Strukturen zusammen.

Wenn Sie sich also einsam fühlen, dann seien Sie sich gewiss: Sie sind nicht allein mit diesem Gefühl. Aber die Art, wie gerade Sie dieses Gefühl erleben, ist einzigartig.

Die eigene Einsamkeit erkennen

Machen Sie sich klar, was es für Sie ganz persönlich bedeutet, einsam zu sein. Fühlen Sie Einsamkeit, wenn Sie alleine sind oder wenn Sie mit anderen Menschen zusammen sind?

Überkommt Sie die Einsamkeit, weil Sie räumlich von anderen Personen getrennt sind oder weil Sie sich emotional von ihnen getrennt fühlen? Warum ist dieses Gefühl der räumlichen oder psychologischen Isolation für Sie unangenehm und schmerzhaft? Was genau macht denn diese Erfahrung so schmerzhaft? Ist es die schwierige Beziehung zu anderen? Oder ist es die schwierige Beziehung zu sich selbst?

DEN EINSAMEN GEIST ERGRÜNDEN

Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir damit beginnen, intensiv unsere Gedanken zu beobachten. Meditation hat eine lange Tradition im Buddhismus. Sie hilft dem Praktizierenden dabei zu erkennen, was in seinem Kopf wirklich passiert.

Die Schüler einer Klosterschule waren in eine hitzige Diskussion vertieft, um zu klären, worin die Ursachen des menschlichen Leidens liegen. Einige sagten, es käme von der Selbstsucht der Menschen. Andere sagten, es läge an den Verblendungen des Geistes. Und wieder andere meinten, es sei die Ohnmacht, die Realität richtig wahrzunehmen.

Sie konnten sich nicht einigen und fragten ihren Meister, der nach kurzem Schweigen sagte: »Alles Leiden findet seinen Ursprung in der Unfähigkeit einer Person, still zu sitzen und mit sich allein zu sein.«

Meditation lässt sich schlecht mit Worten erklären, sondern viel eher und besser mit der persönlichen Erfahrung:

Setzen Sie sich in aufrechter Körperhaltung an einen ruhigen Ort. Versuchen Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Atem zu lenken und nur auf Ihren Atem. Beginnen Sie nun, Ihre Atemzüge zu zählen. Einatmen, ausatmen, eins. Einatmen, ausatmen, zwei … Versuchen Sie, Ihre Aufmerksamkeit ganz beim Atem zu lassen, bis Sie bis zehn gezählt haben. Danach beginnen Sie von vorn.

Irgendwann werden Sie feststellen, dass Ihre Aufmerksamkeit nicht mehr bei Ihrem Atem ist und dass Ihre Gedanken zu scheinbar willkürlichen Themen gewandert sind. Interessanterweise werden Sie auch erkennen, dass Ihre Gedanken gar nicht so diffus sind, wie sie erscheinen. Sie verraten Ihnen vieles über Ihre Sorgen, Ängste und Bedürfnisse.

Lassen Sie Ihre Gedanken immer wieder los, bringen Sie Ihre Aufmerksamkeit jedes Mal wieder sanft zum Atem zurück und beginnen von vorn zu zählen.

Meditation

Das tibetische Wort für Meditation heißt »gom«, was so viel bedeutet wie »sich mit etwas vertraut machen«. Der tibetische Buddhismus lehrt uns konzentrative und analytische Meditation. Bei der konzentrativen Meditation richten wir den Geist punktförmig auf einen Meditationsinhalt wie zum Beispiel den Atem, die Umgebungsgeräusche oder eine Visualisierung.

Bei der analytischen Meditation betrachten wir ein Meditationsobjekt mit Weisheit und beleuchten ein Thema wie z. B. Vergänglichkeit von vielen Seiten.

Durch regelmäßige Meditation entwickeln wir ein tiefes Verständnis für die Wirklichkeit der Dinge, eine gesteigerte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit sowie eine innere, friedvolle Ruhe.