Allergien? Ohne mich! - Gerrit Sütfels - E-Book

Allergien? Ohne mich! E-Book

Gerrit Sütfels

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Beschreibung

Allergien im Keim ersticken Leiden auch Sie jedes Jahr im Frühling unter brennenden Augen und einer laufenden Nase? Schnürt sich Ihnen der Hals zu, wenn Sie nur an Haustiere denken? Und können Sie nicht unbeschwert schlemmen, weil Sie sich wegen der unangenehmen Folgen Sorgen machen? Allergien können ganz schön belastend sein – sowohl körperlich als auch mental. Doch Sie müssen sich nicht tatenlos mit diesen Beschwerden abfinden, denn es gibt Mittel und Wege, auch ohne Medikamente Symptome zu lindern und sie sogar gänzlich loszuwerden. Dr. Gerrit Sütfels erklärt nicht nur, was Sie im Fall von • Heuschnupfen, • Reizhusten und Atemnot, • gereizten und tränenden Augen, • Hautausschlag oder • Verdauungsbeschwerden tun können. Er weiß vor allem auch, wie Sie Ihr Immunsystem gewissermaßen umschulen, damit es nicht bei jedem Kontakt mit eigentlich harmlosen Stoffen zu unangenehmen Reaktionen und Schmerzen kommt. Das Beste aus Naturheilkunde, Homöopathie und TCM Natürliche und wirkungsvolle Maßnahmen wie die Anwendung von Heilpflanzen, Kältebäder, Akupressur oder Entspannungsmethoden und abgestimmte Programme helfen Ihnen dabei, Ihr fehlgeleitetes Immunsystem nachhaltig in die richtigen Bahnen zu lenken. So gelingt es Ihnen, ein Stück Lebensqualität und Freiheit zurückzugewinnen!

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Seitenzahl: 215

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dr. med. Gerrit Sütfels

ALLERGIEN?Ohne mich!

Dr. med. Gerrit Sütfels

ALLERGIEN?Ohne mich!

Der natürliche Weg zu einem beschwerdefreien Leben

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen

[email protected]

Wichtige Hinweise

Dieses Buch ist für Lernzwecke gedacht. Es stellt keinen Ersatz für eine individuelle medizinische Beratung dar und sollte auch nicht als solcher benutzt werden. Wenn Sie medizinischen Rat einholen wollen, konsultieren Sie bitte einen qualifizierten Arzt. Der Verlag und der Autor haften für keine nachteiligen Auswirkungen, die in einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit den Informationen stehen, die in diesem Buch enthalten sind.

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.

Originalausgabe

1. Auflage 2023

© 2023 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Redaktion: Dr. Frauke Bayer

Umschlaggestaltung: Pamela Machleidt

Umschlagabbildung: Shutterstock/Buravleva stock, GoodStudio, Inspiring, Mary Long, maximmmmum, Ralf Geithe, VectorMine

Bildnachweis für alle Abbildungen im Innenteil: Seite 173

Layout: Katja Muggli, www.katjamuggligrafikdesign.de

Satz: Daniel Förster, Belgern

eBook: ePUBoo.com

ISBN Print 978-3-7423-2337-8

ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-2129-6

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-2128-9

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.rivaverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

Inhalt

Vorwort

1 Allergien – wenn das Immunsystem verrücktspielt

Wissenswertes zu Allergien

Woraus besteht unser Blut?

Wie funktioniert unser Immunsystem und was passiert bei Allergien?

Unsere Schutzschilde – wie schützen uns die Haut und die Schleimhäute?

Wie und warum entstehen Allergien?

2 Die häufigsten Allergien und ihre Beschwerden

Von der laufenden Nase bis zur Anaphylaxie

Wie werden Allergien getestet?

3 Was Sie selbst gegen Allergien tun können

Hilfreiche Maßnahmen aus der Naturheilkunde

Antiallergische Heilkräfte aus der Natur

Homöopathie – Allergien lindern mit den kleinen Kügelchen

Naturheilkundliche Anwendungen

Hilfe aus Fernost: Akupunktur und Chinesische Medizin bei Allergien

Darm und Ernährung

Wie halte ich meine Darmflora fit?

Wie halte ich meine Darmschleimhaut dicht?

Ernährung als Waffe gegen Allergien

Funktionelle Medizin – weniger allergisch durch Vitamine, Mineralien und natürliche Hormone

Ein gesunder Lebensstil gegen Allergien

Weniger Stress – weniger Allergie

Asthma wegatmen mit der Buteyko-Methode

Immunregulation und Stärkung der Atmung durch Bewegung

Reine Luft ohne Allergene

4 Ihr Allergie–Fahrplan

Einleitungsbehandlung – Allergiebereitschaft reduzieren

Symptomstopp

Spezifische Behandlungen bei den verschiedenen allergischen Erkrankungen

Wie Sie Allergien bei Kindern verhindern

Wenn die Allergie nicht besser wird

Anhang

Nachwort

Quellenregister

Weiterführende Empfehlungen

Bildnachweis

Über den Autor

Vorwort

Mehr als 30 Prozent der Deutschen leiden an einer Allergie, die häufig mit einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität einhergeht: Ständig gereizte Atemwege, tränende Augen und eine laufende Nase sind vor allem in der Allergiesaison tägliche Begleiterscheinungen, die ihnen das Leben schwer machen. Hinzu kommen Verdauungsbeschwerden, Abgeschlagenheit und allergische Reaktionen (Kreuzallergien) auf Lebensmittel. Wenn Sie an gravierenderen Formen wie Neurodermitis oder Asthma leiden, dann wissen Sie, wie belastend der Juckreiz oder die Atemnot im täglichen Leben sein können. Oft entwickelt sich auch ein Teufelskreis aus Symptomen, der nicht zuletzt die Psyche angreift und zu Vermeidungsverhalten führt. Die allergische Extremreaktion, bei der es zu einem anaphylaktischen Schock kommen kann, stellt sogar einen lebensbedrohlichen Notfall dar, der ohne Eingreifen sogar tödlich enden kann.

Vielleicht sind Sie bereits in medizinischer Behandlung und haben vielleicht auch schon verschiedene Hausmittel ausprobiert, um Ihre Beschwerden zu lindern. Vielleicht möchten Sie aber auch mehr über die Hintergründe Ihrer Allergie erfahren, wie sie entsteht, welche Reaktionen im Körper dabei ablaufen und vor allem, wie Sie ein möglichst beschwerdefreies Leben führen können.

Dieses Buch soll Sie als Allergiker, Asthmatiker oder Neurodermitiker unterstützen, mehr über Ihre Erkrankung zu erfahren, und Ihnen Wege aufzeigen, wie Sie sich selbst auf natürliche Weise wirkungsvoll helfen können.

Im ersten Kapitel erfahren Sie, wie genau eine Allergie entsteht. Dazu ist ein kleiner Exkurs in den etwas komplizierten Bereich der Arbeitsweise des Immunsystems nötig, die aber so beschrieben wird, dass sie auch für Laien verständlich ist. Bei Bedarf können Sie das erste Kapitel auch einfach komplett überspringen und direkt beim Behandlungsteil im zweiten Kapitel beginnen. Alle vorkommenden Fachbegriffe werden immer wieder kurz erklärt, sodass das erste Kapitel für das weitere Verständnis nicht zwingend notwendig ist. Mit den in Kapitel 1 beschriebenen Zusammenhängen zwischen Immunsystem und Allergien können Sie jedoch besser verstehen, warum die natürlichen Methoden tatsächlich funktionieren und auf welchen wissenschaftlichen Wirkprinzipien sie beruhen. Anders als beim Placebo-Effekt verändern die meisten Pflanzenextrakte und Vitalstoffe, aber auch viele naturheilkundliche Anwendungen oder Übungen nämlich gezielt einzelne Vorgänge in unserem Körper, ähnlich wie ein herkömmliches Medikament, aber wesentlich sanfter und nachhaltiger.

In Kapitel 3 lernen Sie zahlreiche natürliche Behandlungsmethoden kennen, die Ihnen helfen können, Ihre Atemwege und Ihr Immunsystem zu stärken, Ihre Darmflora zu unterstützen und Stress zu reduzieren. Dazu zählen nicht nur die Heilkräfte von Pflanzen und die Anwendung der Homöopathie, sondern auch sanfte Heilbäder, gesunde Ernährung, Akupressur, Yoga- und Atemübungen, die Sie ganz leicht selbst durchführen können. Alle Anwendungen, die Ihnen einen gesunden Lebensstil ermöglichen können, sind im Detail beschrieben und leicht in Ihren Alltag zu integrieren.

In Kapitel 4 erfahren Sie, wie Sie aus den vorgestellten naturheilkundlichen Anwendungsmöglichkeiten die für Ihre gesundheitliche Situation passenden auswählen und so Ihren ganz individuellen Allergie-Fahrplan zusammenstellen können, um auf natürliche Weise Ihre Beschwerden zu lindern und Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden zu steigern.

Das ist das Ziel dieses Ratgebers. Das Buch möchte Ihnen helfen, besser mit Ihren Allergien leben zu können und weniger Medikamente einnehmen zu müssen. In manchen Fällen kann die Behandlung auch dazu führen, dass die Allergien teilweise oder weitgehend verschwinden.

Selbstverständlich sind auch natürliche Methoden nicht ganz ohne Nebenwirkungen, weswegen auf mögliche unerwünschte Begleiterscheinungen hingewiesen wird. Bei Fragen oder Unklarheiten wenden Sie sich also bitte an Ihren Gesundheitsexperten vor Ort und lassen sich professionell beraten. Das gilt vor allem dann, wenn Sie schwerer erkrankt sind und schulmedizinische Medikamente einnehmen müssen. Setzen Sie diese auf keinen Fall ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ab.

Im Anhang finden Sie eine Zusammenstellung von spezifischen Präparaten, falls diese für die in den verschiedenen Kapiteln des Buches vorgestellten Behandlungsansätze in der Apotheke oder im Handel zur Verfügung stehen. Die genannten Präparate sind jeweils nur beispielhaft aufgeführt. Das bedeutet also nicht, dass ein vergleichbares Präparat von einem anderen Hersteller nicht ebenso wirksam sein kann.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, Ihre Allergie neu für sich zu entdecken – auf eine möglichst natürliche Weise.

Ihr Dr. Gerrit Sütfels

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Allergien –wenn das Immunsystem verrücktspielt

Eine Allergie ist eine überempfindliche Reaktion Ihres Körpers auf prinzipiell harmlose Stoffe. Ihr Immunsystem spielt also im wahrsten Sinne des Wortes verrückt. Statt eiterbildende Bakterien und Schnupfen auslösende Viren bekämpft es mit übermäßigem Eifer unschuldige Pollen und Tierhaare oder gar leckere Bestandteile Ihres Frühstücks. Etwa 20 bis 30 Prozent der Deutschen sind von mindestens einer Allergie betroffen. Was bei einer Allergie genau in Ihrem Organismus passiert, wie Allergien entstehen und welche Allergien es gibt, erfahren Sie in diesem Kapitel.

Wissenswertes zu Allergien

Die Häufigkeit von Allergien in der Bevölkerung steigt jährlich. Die Zunahme betrifft nicht nur die Industrienationen, sondern auch die Entwicklungsländer. Man spricht auch von einer Allergie-Epidemie.

Bei immer mehr Kindern bestehen allergische Beschwerden. Circa fünfzehn Prozent leiden unter Neurodermitis, acht bis zwölf Prozent unter Heuschnupfen und circa fünf Prozent unter Asthma.1 Die Allergiker-Karriere beginnt in der Kindheit in der Regel mit der Neurodermitis, gegebenenfalls kommen Nahrungsmittelallergien hinzu, die sich jedoch mit dem Erwachsenwerden oft auswachsen. Später entwickelt sich ein Heuschnupfen. Und dann besteht die Gefahr für den Etagenwechsel von den oberen in die unteren Atemwege: Asthma bronchiale droht! Viele Wissenschaftler nennen dies auch den »atopischen Marsch«. Atopie ist hierbei ein Begriff, der mit Allergie gleichzusetzen ist.

Doch woher kommt diese Epidemie? Lange war es unklar. Inzwischen gibt es viele wissenschaftliche Daten, die die Allergieentstehung beleuchten. Wie Sie in den nächsten Kapiteln erfahren werden, spielen viele zivilisatorische und klimatische Einflüsse eine wichtige Rolle.

Doch sind Allergien eine Erfindung der Neuzeit? Nein, vereinzelte Hinweise für die Erwähnung von allergischen Krankheitsbildern gab es schon in der Antike und im Mittelalter. Man findet immer wieder die Erzählung vom englischen König Richard III. aus dem 16. Jahrhundert, der unter einer Erdbeerallergie litt. Er ließ sich von einem Gegenspieler die unverträglichen Früchte reichen, reagierte darauf allergisch und beschuldigte jenen des Vergiftungsversuchs. Ein idealer Grund, um den Gegner verhaften zu lassen. Aus der gleichen Zeit stammen Berichte über Reaktionen auf Katzenhaare oder Federn.

Der Heuschnupfen findet als jährlich auftretender »Sommerkatarrh« zu Beginn des 19. Jahrhunderts erstmals Erwähnung durch den britischen Arzt John Bostock. Während dieser die Ursache der Beschwerden noch nicht ergründen konnte, fand John Elliotson einige Jahre später den Übeltäter: Gräserpollen. Den Begriff Allergie, der übrigens aus dem Griechischen abgeleitet so etwas wie »Fremdreaktion« oder »Andersreaktion« bedeutet, prägte erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Wiener Kinderarzt Clemens Freiherr von Pirquet.

Woraus besteht unser Blut?

Unser Blut ist ein flüssiges Gewebe, das aus der Blutflüssigkeit (Plasma) und den Blutzellen besteht. Hiervon gibt es rote und weiße Blutzellen sowie Blutplättchen. Letztere sind für die Blutgerinnung verantwortlich. Die roten Blutkörperchen machen den größten Anteil des Blutes aus mit vier bis fünf Millionen Zellen pro Mikroliter Blut, also pro Tausendstel Milliliter. Die weißen Blutzellen sind ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems. Von ihnen gibt es viele spezialisierte Typen, wie Sie in den folgenden Kapiteln erfahren werden.

Wie funktioniert unser Immunsystem und was passiert bei Allergien?

Unser Immunsystem ist eine komplexe Organisationsstruktur spezifischer oder unspezifischer Abwehreinheiten. Ein Großteil der Immunzellen ist Bestandteil der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Einige von ihnen sind ins Gewebe eingewandert oder in speziellem lymphatischem Gewebe wie den Lymphknoten, den Mandeln oder der Milz organisiert.

Das Abwehrsystem soll den Organismus vor Eindringlingen oder mutierten eigenen Zellen schützen. Aber es entsorgt auch zerstörte Körperzellen.

Um die Grundlagen des komplexen Immunsystems besser zu verstehen, wird es in den folgenden Abschnitten bildlich mit einem Polizei- und Militärapparat verglichen. Anschließend soll auf die verschiedenen Häute und ihre Schutzfunktion als natürliche Grenze eingegangen werden.

Unsere Körperpolizei – welche Immunzellen gibt es?

Täglich kämpft unser Körper gegen Viren, Bakterien und Pilze, die schwere Infektionen auslösen könnten, sowie gegen entartete Körperzellen, die zu Krebs werden könnten. Das Immunsystem – die Polizei in unserem Körper – passt auf, dass nichts schiefläuft.

Dabei gibt es entwicklungsgeschichtlich zwei Typen von Körperpolizei: die uralte Schutzpolizei, die unspezifisch für Ordnung sorgt, und die Kriminalpolizei mit ihren Spezialeinheiten, die gezielt gegen bekannte Verbrecher vorgeht.

Die Entstehung von Immunzellen

Aus einer Stammzelle für die Blutbildung kann entweder die Lymph- oder die Knochenmarksreihe an Immunzellen entstehen. Die Knochenmarksreihe beinhaltet vor allem das angeborene Immunsystem mit Neutrophilen (spezialisierte Immunzellen, die den größten Teil der weißen Blutkörperchen darstellen), Eosinophilen (gehören ebenfalls zu den weißen Blutkörperchen), Basophilen (machen einen geringen Anteil der weißen Blutzellen aus), antigenpräsentierenden Zellen, Fresszellen (Makrophagen) sowie Mastzellen. Aus der Knochenmarksreihe entstehen aber auch die roten Blutzellen (für die Sauerstoffversorgung) und die Blutplättchen (zur Blutgerinnung).

Die Lymphreihe der Abwehrzellen repräsentiert das erworbene Immunsystem mit seinen T-Zellen, B-Zellen und natürlichen Killerzellen.

Aus einer Stammzelle für die Blutbildung kann entweder die Lymph- oder die Knochenmarksreihe an Immunzellen entstehen.

Die Schutzpolizei – das angeborene Immunsystem

Die Schutzpolizei des Körpers ist das sogenannte »angeborene oder unspezifische Immunsystem«. Ähnlich wie die Schutzpolizei ist es für die Sicherheit, Gefahrenabwehr und Aufrechterhaltung der Ordnung im Organismus zuständig. Es besteht aus im Blut und im Gewebe patrouillierenden Streifenpolizisten, den Fresszellen. Diese werden Monozyten (verkürzt für »Zellen mit einem großen Kern«, es handelt sich dabei um eine Vorstufe der Fresszellen) und Makrophagen (»große Fresszellen«) genannt. Die Monozyten führen Passkontrollen im Körper durch. Die Körperzellen können sich mit den passenden Antigenen ausweisen. Antigene sind Oberflächenbestandteile der Zellen, die sie in diesem Fall als körpereigen erkennbar machen. Eingedrungene Erreger können sich nicht richtig ausweisen – sie haben auf ihrer Oberfläche fremde Antigene. Die Monozyten erkennen ähnlich wie eine Polizeikontrolle den gefälschten Ausweis und leiten diese Informationen weiter an die Zentrale. In unserem Körper platzieren die Monozyten die fremden Antigene auf ihrer eigenen Oberfläche, sodass sie anderen Abwehrzellen gezeigt werden – ähnlich wie ein Fahndungsbild oder wie eine Kopie des verdächtigen Personalausweises. Aus diesem Grund werden die Monozyten und ihre Abkömmlinge, die dendritischen Zellen (»verästelte Zellen«), als antigenpräsentierende Zellen bezeichnet. Dadurch können weitere Polizeieinheiten informiert und angelockt werden, um die Eindringlinge zu stellen.

Die Monozyten-Polizeistreife kann sich aber auch in Makrophagen, also große Fresszellen, umwandeln und dann den Verbrecher direkt festnehmen beziehungsweise eliminieren.

Natürliche Killerzellen sind Spezialeinheiten für mutierte Körperzellen, zum Beispiel durch eine Virusinfektion oder ein aktiviertes Krebs-Gen. Sie attackieren und zerstören die betroffenen Zellen. Durch bestimmte Alarmsysteme, die Entzündungsbotenstoffe, können weitere Helfer oder Spezialeinheiten herbeigerufen werden, ähnlich wie ein Funkspruch bei der Polizei. Unter anderem kann das erworbene Abwehrsystem hinzugezogen werden, die Kriminalpolizei des Körpers.

Die Kriminalpolizei – das erworbene Immunsystem

Ähnlich der Kriminalpolizei, die sich durch umfassende Ermittlungen ein Bild von Kriminellen macht und sie zur Fahndung ausschreibt, besitzt das erworbene Immunsystem verschiedene Spezialeinheiten. Nach einer Straftat – also nach dem Eindringen eines Erregers in unseren Organismus – erstellen die Lymphzellen ein Profil des Täters. Dazu besitzen sie verschiedene Zentralen, zu denen Milz, Thymusdrüse, Lymphknoten, Mandeln und unzählige Lymphfollikel im Darm gehören. In diesen Immunorganen werden die Abwehrzellen geschult und auf einzelne Täterprofile spezialisiert. Die so fokussierten Lymphzellen, sogenannte T-Helferzellen aus der Thymusdrüse, ziehen durch das Gewebe und suchen nach den Verdächtigen. Zuarbeit leisten die antigenpräsentierenden Zellen, die mit ihren langen Ärmchen ähnlich wie die Spurensicherung bei der Polizei kleine Fragmente der Eindringlinge einsammeln und den Helferzellen vorlegen. Werden die T-Helferzellen dadurch aktiviert oder finden sie Körperzellen, die sich nicht korrekt über ihre Antigene ausweisen können, wie es zum Beispiel bei einer virusinfizierten oder einer durch Krebs veränderten Zelle vorkommt, rufen sie Sondereinsatzkommandos (zytotoxische T-Zellen oder »zellgiftige Thymusdrüsen-Zellen«) herbei, die den Übeltäter beschießen. Gegen einmal auffällig gewordene Täter bilden spezialisierte B-Zellen, eine andere Sorte von Lymphzellen, Abwehrraketen in Form von Antikörpern. Diese Antikörper sind Eiweiße, die nur auf genau ein bestimmtes Antigen passen – ähnlich wie ein Schlüssel, der nur in ein Schloss passt. Eine auf Coronaviren spezialisierte B-Zelle wird bei einer erneuten Coronavirus-Infektion direkt Corona-Abwehrraketen (spezifische Antikörper) bilden, die die Viren binden, markieren und zerstören können, sodass eine Infektion abgeschwächt oder im Optimalfall sogar verhindert wird. So wirkt übrigens auch eine Impfung. Durch den Impfstoff werden B-Zellen aktiviert, die Abwehrkörperchen gegen die Krankheitserreger bilden.

Die Armee gegen übermächtige Feinde – Mastzellen und ihre Helfer

Zum angeborenen Immunsystem gehören auch Abwehrzellen, die wie Grenzsoldaten an den Grenzflächen des Körpers sitzen, also in der Haut und in den Schleimhäuten. Diese Grenzsoldaten heißen Mastzellen. Sie verteidigen den Staat gegen übermächtige Feinde, nämlich vielzellige Parasiten wie Würmer. Diese werden wie durch ein Maschinengewehr mit Histaminsalven beschossen. Unterstützt werden sie von den Raketenwerfern der B-Zellen, die nun spezielle IgE-Abwehrkörper (Immunglobulin E, abgekürzt IgE, das vor allem Parasiten abwehrt) bilden und auf den Eindringling Wurm abfeuern.

Was läuft schief bei einer Allergie?

Doch was läuft nun schief im Immunsystem, dass eine Allergie entsteht? In den folgenden Kapiteln erfahren Sie, welche Arten von Allergien es gibt und welche Immunzellen und welche Gewebe an der Allergisierung maßgeblich beteiligt sind.

Welche Allergie-Typen gibt es?

Wenn wir von einer Allergie (im engeren Sinne) sprechen, meinen wir in der Regel eine Typ-1-Allergie, die Allergie vom Sofort-Typ. Wenn der Organismus das erste Mal mit einem Allergen in engeren Kontakt kommt, produziert er dazugehörige Antikörper vom IgE-Typ. Diese können dann beim nächsten Kontakt mit dem Allergen die Mastzellen aktivieren und zur massiven Histaminfreisetzung bringen. Typische Erkrankungen vom Typ 1 sind Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis und die gefährliche Anaphylaxie, der lebensbedrohliche allergische Notfall. Um diesen Allergie-Typ geht es in diesem Buch.

Die Allergie vom Typ 2 wird auch zytotoxische Allergie genannt. Dabei entstehen IgG-Antikörper (Immunglobulin-G-Antikörper), welche sich an Zellen, auf denen fremde Antigene zu finden sind, binden. Dadurch werden Killerzellen angelockt, die die markierte Zelle abtöten (zytotoxisch bedeutet zelltötend). Die Typ-2-Allergie ist verantwortlich für Zwischenfälle bei der Bluttransfusion, für Medikamentennebenwirkungen mit Verlust von Blutzellen und für die akute Abstoßungsreaktion bei Organtransplantaten.

Bei der Typ-3-Allergie bilden sich sogenannte Immunkomplexe aus den Antigenen und Abwehrkörperchen. Diese führen zu Entzündungen in den Blutgefäßen. Wesentliche Beispiele sind die Serumkrankheit und die allergische Gefäßentzündung (Vaskulitis).

Die Allergie vom Typ 4 reagiert erst verspätet. Hierbei merken sich spezielle T-Zellen des Immunsystems beim Erstkontakt die Fremdsubstanz. Bei einem erneuten Kontakt mit dem Stoff entsteht erst verzögert nach ein bis drei Tagen eine Abwehrreaktion. Die Allergie vom Spät-Typ ist Auslöser des Kontaktekzems.

Für Sie als Allergiker ist vor allem die Allergie vom Typ 1 wichtig, weshalb Sie dazu in den folgenden Abschnitten eine ausführliche Erläuterung finden. Die anderen Typen sind nicht ohne medizinische Hilfe behandelbar. Spricht man von Allergien im volkstümlichen Sinne, ist der Typ 1 gemeint.

Die Unterscheidung von Gut und Böse

Unsere Abwehrzellen patrouillieren jederzeit durch unseren Körper und suchen nach Eindringlingen. Sie müssen jedoch lernen, was »gut« und was »böse« ist beziehungsweise was »eigen« und was »fremd« ist. Körpereigene Substanzen und Zellen, Nährstoffe und freundliche Bakterien auf unseren Schleimhäuten soll das Immunsystem in Ruhe lassen. Hier soll »Toleranz« walten, ein Fachbegriff für das Ausbleiben einer Immunantwort auf ein Antigen, das als »gut« oder »eigen« eingestuft wird. Demgegenüber soll das Immunsystem Krankheitserreger, Giftstoffe und Krebszellen als »böse« erkennen und eliminieren.

Es gibt zwei Erkrankungen, bei denen eine gestörte Toleranzentwicklung im Vordergrund steht: Zum einen sind das die Allergien, es kann sich aber auch um Autoimmunerkrankungen handeln.

Bei den Autoimmunerkrankungen richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Bestandteile. Beim Rheuma sind es zum Beispiel die Häute der Gelenke, die angegriffen werden und sich entzünden. Bei der Hashimoto-Erkrankung attackieren die Abwehrzellen die Schilddrüse, vor allem den Bereich, der die Schilddrüsenhormone zusammenbaut.

Bei Allergien ist die Toleranz gegen harmlose Stoffe wie Pollen, Tierhaare, Milbenkot oder Nahrungsmittel herabgesetzt. Es entsteht eine überschießend starke Reaktion auf diese unbedeutenden Fremdstoffe, die wir Allergene nennen, also Auslöser für eine allergische Reaktion.

Die Allergisierung entsteht, wenn die Schutzfunktion der Haut oder der Schleimhäute eingeschränkt ist und diese vermehrt Allergene in den Körper passieren lassen. Außerdem muss die Toleranz des Immunsystems gegenüber Fremdeiweißen gestört sein.

Auf die Funktion und Fehlerhaftigkeit dieser beiden Systeme im Rahmen einer Allergie wird in den nächsten Kapiteln näher eingegangen. Denn viele naturheilkundliche Therapien versuchen, entweder die Schleimhautbarriere wiederherzustellen oder das Immunsystem in Richtung Toleranz zu erziehen.

Deshalb geht es im Folgenden um die wesentlich an der Allergieentwicklung beteiligten Immunzellen, nämlich die B- und Plasmazellen, die Mastzellen, die Eosinophilen und Basophilen sowie die T-Helferzellen. Lernen Sie unsere inneren Polizeieinsatzkräfte besser kennen und machen Sie einen Ausflug zu den Grenzen unseres Organismus: der oberflächlichen Haut und den inneren Schleimhäuten.

T-Helferzellen – Immunsystem aus der Balance

Zu den Abwehrzellen aus der Lymphzellreihe, einem Teilbereich der weißen Blutkörperchen, gehören auch die T-Zellen. Das »T« steht hier für Thymus, jene Drüse hinter dem Brustbein, in der die Lymphzellen geschult werden. Ein wichtiges Unterrichtsfach ist Toleranz gegenüber eigenem Gewebe. Den Thymus kennen Sie vielleicht aus dem Gourmetrestaurant: Kalbsbries, also der Thymus des jungen Rindes, wird dort oft als Delikatesse zum Verzehr angeboten.

Für den Allergiker sind besonders bedeutsam die T-Helferzellen. Es gibt verschiedene Sorten von ihnen. Th1-Zellen, also T-Helferzellen vom Typ 1, sind wichtig für die Abwehr von Viren und Tumorzellen. Sie aktivieren deshalb Fresszellen, vor allem große Fresszellen (Makrophagen) und Angriffszellen (zytotoxische T-Zellen). Außerdem regen sie die B- beziehungsweise Plasmazellen zur Bildung von IgG-Antikörpern an, die den Feind markieren. Die Stimulation der anderen Immunzellen erfolgt über entzündungsfördernde Botenstoffe. Die Th1-Zellen produzieren auch Botenstoffe, die die Bildung von T-Helferzellen vom Typ 2 (Th2-Zellen) hemmen.

Die Th2-Zellen haben eine andere Wirkung: Sie regen die B-Zellen an, sich in Plasmazellen umzuwandeln, die Antikörper vom IgE-Typ bilden. Außerdem aktivieren die Th2-Zellen unter anderem Mastzellen und Eosinophile. Dies geschieht über ein eigenes Spektrum an Entzündungsbotenstoffen, nämlich die Interleukine. Die IgE-Antikörper, die mit Histamin gefüllten Mastzellen und die eosinophilen Abwehrzellen sind wichtig für die Verteidigung gegen Parasiten, sie können aber auch zur allergischen Reaktion führen, wenn dieser Weg übertrieben eingeschlagen wird. Dies passiert, wenn nicht nur große Feinde ins Visier der Th2-Zellen geraten, sondern ihnen von weiteren Immunzellen (den sogenannten antigenpräsentierenden Zellen) harmlose Antigene von Pollen, Milben oder Tierhaaren schmackhaft vorgehalten werden. Gefördert wird diese allergische Reaktion, wenn die dritte Gruppe an T-Helferzellen, die sogenannten regulatorischen T-Zellen, kurz T-reg, geschwächt ist. Sie dienen nämlich als Bremse des Immunsystems und können anzeigen, dass der kleine Pollen harmlos ist. Sie stoppen damit die Abwehrreaktion und vermeiden eine Allergie. Sie sind also für die Toleranz gegenüber harmlosen Fremdkörpern oder guten Darmbakterien verantwortlich.

Bei Allergikern besteht häufig eine Dysbalance zwischen der Th1- und der Th2-Reaktion im Immunsystem, was auch als eine verstärkte Th2-Antwort bezeichnet wird. Zudem sind meistens die T-reg als Ausgleichs- und Regulationsprinzip geschwächt. Naturheilkundliche Behandlungsansätze, seien es Pflanzenpräparate, Vitalstoffe, Stressregulation oder eine Darmsanierung, zielen darauf ab, die Balance zwischen Th1 und Th2 wiederherzustellen. Dadurch soll eine Ursache der Allergie behoben werden.

Die T-Helferzellen entscheiden, in welche Richtung das Immunsystem sich ausrichtet: Die Th1-Zellen sind für die Abwehr von Viren und Krebs verantwortlich, die Th2-Zellen spielen heutzutage vor allem eine Rolle bei allergischen Erkrankungen.

Die entgleisten Plasmazellen – ein Sturm von IgE

Das Knochenmark bildet einen bestimmten Typ an Immunzellen, die B-Zellen genannt werden. Sie gehören als Lymphzellen zu den weißen Blutkörperchen. Diese wandern in das lymphatische Gewebe ein, also in Lymphknoten, Mandeln, Lymphfollikel im Darm und in die Milz. Dort warten sie auf Antigene, also auf Fremdkörper, die auf eine Gefahr für den Organismus hinweisen können. Finden sie ein Antigen, fressen sie dieses auf und bauen daraus Abwehrraketen gegen genau dieses Antigen, die sogenannten Abwehrkörper, Antikörper oder Immunglobuline. Es gibt verschiedene Immunglobuline (Ig), also Antikörper, bei denen es sich um Proteine aus der Klasse der Globuline handelt (daher der Name). Der Typ Immunglobulin M (IgM) ist für die erste akute Abwehrreaktion gegen Eindringlinge verantwortlich. Die Abwehrkörperchen vom IgG-Typ verteidigen uns längerfristig und bilden dann sogar einen Speicher, sodass bei erneutem Kontakt mit demselben Feind der Körper sich schneller wehren kann. IgA ist der Spezialist für die Abwehr an den Schleimhäuten und IgE ist bestens für den Kampf gegen große Parasiten ausgerüstet – es kann diese massenhaft beschießen. Die Bildung von Immunglobulin E (IgE) ist aber leider auch ein wichtiger Wendepunkt in Richtung einer Allergieentstehung.

Wenn die B-Zelle Antikörper produziert, nennt man sie Plasmazelle. Sie ist auf ein einziges Allergen, also zum Beispiel auf einen Teil vom Coronavirus oder einen Teil vom Birkenpollen, spezialisiert. Welcher Typ Antikörper gebildet wird, ist abhängig davon, welche T-Helfer-Zelle den Vorgang antreibt. Bei den Allergien erfolgt über die Aktivierung der Th2-Helferzellen bevorzugt die Bildung von IgE-Antikörpern.

Der Übermut der Mastzellen – oder das gestörte Multitalent

Mastzellen (oder medizinisch Mastozyten) sind ein weiterer Teil der weißen Blutkörperchen und damit des Immunsystems. Sie sind prall gefüllt mit Bläschen, die verschiedene Gewebshormone und Botenstoffe enthalten. Deshalb wirkten sie auf ihren Entdecker Paul Ehrlich wie »gemästet«. Der wichtigste Inhaltsstoff der Bläschen ist Histamin, von dem wir auf Seite 21 noch ausführlicher hören werden.

Beim ersten Kontakt mit einem Allergen wird dieses von überall vorkommenden antigenpräsentierenden Zellen geschnappt und jungen T-Zellen vorgehalten. Diese wandeln sich in Th2-Zellen um und aktivieren die B-Zellen, die sich nun in Plasmazellen differenzieren und massenhaft Antikörper vom IgE-Typ bilden. Die IgE-Antikörper lagern sich auf Mastzellen ab. Gelangt das gleiche Allergen nochmals in den Organismus, setzt es sich auf die freien Enden von zwei Antikörpern, die nebeneinander auf einer Mastzelle sitzen, und schließt diese kurz. Dadurch entleeren die Abwehrzellen in einem Schwall ihre Bläschen, es kommt zur massiven Histaminausschüttung. Die allergische Reaktion startet durch!

An der Entstehung der allergischen Reaktion sind verschiedene Zelltypen beteiligt, die letztlich zu einer massiven Ausschüttung von Histamin durch die Mastzellen führen.

Berühmtheit erlangte die Mastzelle überwiegend für diese eine Reaktion – also als Hauptschuldige für allergische Reaktionen. Weniger beachtet ist die wichtige natürliche Aufgabe der Mastzellen. Sie sitzen in hoher Dichte entlang aller Häute und Schleimhäute sowie um Blutadern, also an den Grenzen unseres Körpers. Wenn sie in Kontakt mit Fremdkörpern kommen, also zum Beispiel Krankheitserregern oder Giften, werden jeweils spezifische Rezeptoren auf ihrer Oberfläche aktiviert und eine individuelle Reaktion ausgelöst.

Ihre Hauptaufgabe liegt in der Abwehr von großen Eindringlingen wie Würmern und Parasiten, die wegen ihrer Größe von den Fresszellen des Immunsystems nicht verschlungen werden können. Die Mastzellen attackieren sie mit den Abwehrstoffen aus ihren Bläschen.

Bei kleineren Störenfrieden wirken die Mastzellen steuernd. Bei einer Virusinfektion setzen sie zum Beispiel Beta-Interferon frei, einen Botenstoff, der die Virusabwehr fördert. Bei Kontakt mit Bakteriengiften geben sie sogenannte Zytokine ab, die zu einer antibakteriellen Entzündungsreaktion führen. Zudem können sie mit der Freisetzung von Histamin die lokale Durchblutung und den Lymphabfluss fördern, das sind wichtige Faktoren bei einer Entzündung. Bestandteile der normalen Darmflora beruhigen die Mastzellen, sodass die sogenannten regulatorischen T-Zellen angeregt werden. Diese T-reg gehören zu den T-Helferzellen, also Abwehrzellen aus der Thymusdrüse, die die Immunantwort steuern. Sie bremsen das Entzündungsgeschehen und fördern die Toleranz in Form des Ausbleibens einer Abwehrreaktion bei harmlosen Bakterien (zum Beispiel den guten Freunden aus der Darmflora) oder bei ungefährlichen Fremdeiweißen (zum Beispiel den Pollen). Die Interaktion der Mastzellen mit den T-reg, ein wichtiger Schutzfaktor vor Allergien, muss allerdings erst gelernt werden. Dazu ist der regelmäßige Kontakt des Organismus mit Bestandteilen von Mikroorganismen wichtig. Entscheidend ist, dass dieser Prozess schon im Mutterleib und allerspätestens bei der natürlichen Entbindung im Geburtskanal beginnt und in der Muttermilch eine Fortsetzung erfährt – denn dort erhält das Neugeborene überall gute Milchsäurebakterien. Sie haben richtig gelesen, auch in der Gebärmutter und in der Muttermilch – nichts ist steril in der Natur. Wenn die Schwangerschaft stressig verläuft, die Entbindung per Kaiserschnitt erfolgt, nicht gestillt wird und wenn dann auch noch in der frühen Kindheit besonders Wert auf Sauberkeit und Hygiene gelegt wird oder frühzeitig Antibiotika bei banalen Infekten eingesetzt werden, hat der Nachwuchs keinerlei Chance, mit den guten bakteriellen Freunden in Kontakt zu treten. Seine Mastzellen und regulatorischen T-Zellen entwickeln keine Toleranz – ein potenzieller Allergiker ist geboren.