Alles Gold der Welt - Daniel D. Eckert - E-Book

Alles Gold der Welt E-Book

Daniel D. Eckert

0,0
15,99 €

Beschreibung

Unser Finanzsystem be?ndet sich im Zustand des Dauerdopings. Durch die Überdosis billigen Geldes droht der Zusammenbruch der Währungsordnung. Aber das aktuelle System ist nicht alternativlos. Daniel D. Eckert wirft einen unkonventionellen Blick auf die Geschichte des Geldes und zeigt: Der beinahe in Vergessenheit geratene Goldstandard bietet Rezepte, unsere Währung zu retten – und das Vermögen der Bürger zu bewahren. Schlüssig und anschaulich erläutert der Autor, wie der Wertanker Gold der kreditsüchtigen Weltwirtschaft neuen Halt geben kann. Es ist sicher nicht das letzte Buch zur Krise, aber das erste Buch zu einem monetären Neuanfang. Daniel D. Eckert erklärt in einer spannenden Reise durch die Geschichte, was wir vom klassischen Goldstandard (1870 – 1914) für unser heutiges Geldsystem lernen können. Ein origineller Anstoß zu einer hochbrisanten Debatte, unterhaltsam aufgeschrieben von einem der renommiertesten Wirtschafts- journalisten in Deutschland. Daniel D. Eckert hat den Deutschen Finanzbuchpreis 2014 gewonnen. Mit dem von der Citigroup Global Markets Deutschland AG (Citi Deutschland) und Börse Frankfurt Zertifikate AG gestifteten und mit 10.000 Euro dotierten Preis wurde sein Buch "Alles Gold der Welt - Die Alternative zu unserem maroden Geldsystem" gewürdigt.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 268

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Table of Contents
Vorwort
Midas’ Versuchung
Einleitung
Alles Gold der Welt
Der schwindende Zauber
Supernova-Ökonomie
TEIL I HEUTE – PAPIERGELD-DÄMMERUNG
Verwöhnte Spekulanten
Herrschaft der Schulden
Dauernotstand
Zeit, über Gold zu reden
Leiser Räuber Inflation
Risiko Gemeinschaft
Zinsraub
Weltkrieg der Währungen
Ein alter Bekannter
Der Flug des Papiergelds
Fiat-Money
Der Magier
Wir Kinder von Phase vier
Die Geldmacher
Systemkrise
Bremse nicht für Banken!
Dissidenten der Volkswirtschaftslehre
Politische Moneten
TEIL II GESTERN – GLANZ UND ELEND DES GOLDSTANDARDS
Das Vermächtnis des Münzmeisters
Ströme aus Silber
Ein paar Shilling zu viel
Typografie der Geldentwertung
Das Genie als Münzmeister
Organisches Wachstum
Der Weltgeist nimmt nur Hartgeld
Potosí, der erschöpfte Berg
Kapitalhunger
Die Fourty-Niners
Im Fegefeuer der Relationen
Wertstoff und Werkstoff
Die größte Wette aller Zeiten
Wie Gold die Globalisierung schuf
Ein soziales Netzwerk
Terror mit Assignaten
Eurozone des 19. Jahrhunderts
Im Spiegelsaal der Alten Welt
Reichsmark, nicht Reichsfranken
Fünf Milliarden
Frankreichs Stärke
Die klassische Ära
Albtraum der Ungleichgewichte
Der elegante Automat
Die Währung als nationales Machtmittel
Feste Wechselkurse, freie Wechselkurse
König Chimäre
Supermacht a. D.
Parlament der Rentiers
Churchills verhängnisvoller Fehler
Wirtschaftsnationalismus
Auf Kollisionskurs
Notenbanken im Sturm
Liquidate
Unglückliches Österreich
Als Paris Berlin hängen ließ
Niedergang und Neubeginn
Der Zerfall der globalen Ordnung
Währungstotalitarismus
Bretton Knox
Schicksalhafter August
Das Goldfenster
Vollbeschäftigungsstandard und Militär-Dollar
Ohne ein einziges Gramm
Wunder und Wunden
Holt unser Gold heim!
Die Wende der Bundesbank
Maximale Demütigung
Trendumkehr
Rettungsroutine
Pionierland Amerika
TEIL III MORGEN – FRIEDLICHE KOEXISTENZ
Die Rede des Präsidenten: eine realistische Fiktion
Der goldene Schwan
Was es kostet
Deflationsangst
Gaias Großzügigkeit
Gute Minen, schlechte Minen
Witwatersrand, Schatzkammer Afrikas
Wie Nixon Russland half
Reiche und Arme
Schwache Deckung in Asien
Geheimkommando Super-Rubel?
Bonanza
Sparschmuck und Schattenbanken
Peak, der Gipfel der Prognosen
Deutschland: Dem Goldstandard so nah
Back to Dilemma
Widerstände
Wertkern-Banken
Täuschender Atem
Bitcoin, Anarchowährung aus dem Internet
Digitales Edelmetall
Die alten Fehler vermeiden
Parallelwährung, jetzt!
Strahlkraft und Seignorage
Gerechte Sache
Eine mögliche Keimzelle
Umsonst ist der Tod
Goldmark, ein Stück bürgerliche Selbstbehauptung
Stabiles Geld, stabiles Europa
Epilog
Greenspan trifft Greenspan
Chronologie
Danksagung
Anhang
Literatur/Bibliografie
Bücher
Aufsätze, Vorträge, Studien
Zeitungsartikel und Links

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

1. Auflage 2013

© 2013 by FinanzBuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Lektorat: Rainer Weber, München

Umschlaggestaltung: Maria Wittek

Umschlagabbildung: unter Verwendung von iStock-Bildern

E-Book-Umsetzung: Georg Stadler, München

ISBN Print 978-3-89879-799-3

ISBN E-Book (PDF) 978-3-86248-436-2

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-86248-437-9

»Der echte Historiker muss die Kraft haben, das Allbekannte zum Niegehörten umzuprägen und das Allgemeine so einfach und tief zu verkünden, dass man die Einfachheit über der Tiefe und die Tiefe über der Einfachheit übersieht.«Friedrich Nietzsche,Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben

Meiner Familie in Dankbarkeit

Vorwort

Midas’ Versuchung

Die alten Griechen interessierten sich außerordentlich für die Natur der Dinge. Sie befassten sich mit allem, was die Welt zusammenhält – und auseinandertreibt. Aufmerksam beobachteten sie die natürliche Umwelt und analysierten die menschliche Gesellschaft. Über Geld und Geldtheorie hingegen haben sie sich wenig Gedanken gemacht. Vielleicht hätten sie sonst die Sage vom geldgierigen König Midas über die klassische Fassung hinaus weitergesponnen.

Midas wurde von Dionysos, dem Gott des Rausches und der Fruchtbarkeit, die Gabe verliehen, alles, was er berührt, und seien es Steine oder Äste, in Gold zu verwandeln. Was als Segen begann, endete für den König im Fluch. Auch Wasser und Speisen wurden zu Metall, sobald er mit ihnen in Kontakt kam. Vor Hunger und Durst war der Mächtige dem Tode nah. Midas flehte Dionysos an, ihn zu erlösen. Nur die Gnade des Gottes rettete den Gierigen. Im Fluss Paktolos durfte er den gefährlichen Zauber abwaschen. Doch wäre es Midas gelungen, mit seiner Gabe zu überleben – die Folgen wären nicht weniger dramatisch gewesen.

An einem Punkt seines langen Lebens hätte Midas dann nämlich eine verstörende Entdeckung gemacht: die Entdeckung, dass Gold, in Hülle und Fülle vorhanden, seinen Reiz verliert, und das nicht nur für ihn selbst, sondern für die ganze Menschheit.

Alles, was sich beliebig vermehren lässt, wird irgendwann wertlos. Geld muss knapp sein, um einen Wert zu haben, und seine Herstellung muss in den Händen von Menschen liegen, die der Versuchung des Midas zu widerstehen vermögen. Beim echten Gold ist allen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge nicht damit zu rechnen, dass es sich endlos vermehren lässt. Bei unseren heutigen Papierwährungen dagegen ist die Gefahr groß, und sie nimmt auf beunruhigende Weise zu.

Die Sage hält aber noch eine andere Lehre für uns bereit: Zu Midas’ Zeiten konnte jeder mit dem Gold, das er in den Flüssen gefunden hatte, bezahlen. Hätte der König seine Gabe behalten, wäre es damit bald vorbei gewesen: Midas hätte die Geldproduktion monopolisiert. In jener Ära war der Besitz von Gold gleichbedeutend mit dem Besitz von Zahlungsmitteln. Doch der Zauber hätte alles private Edelmetall im Land unbedeutend gemacht. Der schnell wachsende Schatz des Königs hätte den Wert der übrigen Bestände förmlich zertrümmert. Wohlstand oder Armut, Wachstum oder Chaos – das alles hätte allein in Midas’ Händen gelegen. Hätte er die Verantwortung zu nutzen gewusst?

Heute gibt es diesen Midas: Unser Geld wird nach dem Midas-Prinzip erzeugt. Der moderne Midas heißt Notenbank, und ihrer Macht obliegt es, unser Geld zu erschaffen und zu verteilen. In letzter Zeit aber scheint es, als könne der moderne Midas der Versuchung immer weniger widerstehen, alles an sich zu reißen. Euro und Dollar, Yen und Pfund werden beliebig vermehrt. Die Folgen sind unabsehbar. Nicht einmal die Notenbanker verstehen sie zur Genüge.

Ohne es zu wollen, sind wir alle Geiseln des Systems Midas. Von den Versuchungen des modernen Midas und den Möglichkeiten, wie wir uns befreien können, handelt dieses Buch.

Einleitung

Alles Gold der Welt

Alles Gold der Welt, all das gelbe Metall, das Menschen im Lauf der Geschichte geschürft haben, würde einen Würfel von weniger als 21 Meter Kantenlänge ergeben. Dieser Würfel – nicht mal so hoch wie ein durchschnittliches Wohnhaus in Berlin1 – nimmt sich winzig aus neben den Bergen von Kohle, Eisen und Kupfer, neben den Seen von Erdöl, die der Mensch der Erde seit prähistorischen Zeiten abgetrotzt hat. Als Rohstoff stellt Gold nicht mehr als eine Fußnote der Wirtschaftshistorie dar. Und doch hat es unser Schicksal bestimmt.

Dass Gold nur eine Fußnote der Geschichte ist, war noch bis vor Kurzem die Meinung einer großen Mehrheit von Ökonomen und Politikern. Doch die Finanzkrise hat die allzu oft selbstzufriedenen Finanz-Technokraten und -Akrobaten Demut gelehrt, ein wenig zumindest. Das gelbe Metall ist kein Rohstoff wie jeder andere. Beschleunigt durch die Krise wächst Gold wieder in eine Funktion hinein, die ihm schon vor Tausenden von Jahren erstmals zuerkannt wurde: Gold ist ein Wertanker, Gold ist Geld.

Das Edelmetall verheißt, als Währung, eine Alternative zu unserem maroden Finanzsystem. Mit Gold können sich die Bürger die Souveränität über ihr Geld zurückholen. Die Zentralbanken schaffen keine Werte, sie verwalten sie nur, und in letzter Zeit dienen diese Verwalter eher der Politik und den Lobbygruppen als dem Bürger. Es ist Zeit für einen Neubeginn.

Abb. 1: Der Bestand an Gold, alle Angaben in Tonnen, Quelle: Eigene Berechnungen, Deutsche Bank, WGC

Ein Neuanfang ist auch deshalb geboten, weil unser jetziges zügelloses Finanzwesen die Gesamtwirtschaft schädigt. Zwei schwere Einbrüche innerhalb von zehn Jahren, die Millenniums-Rezession nach der Jahrtausendwende und die Große Rezession nach dem Platzen der Immobilienblase, gehen auf das Konto des herrschenden Papiergeld-Regimes. Konjunkturabkühlungen gehören zur Wirtschaft wie das Sommergewitter zur heißen Jahreszeit. Doch in unserer Zeit werden die Abschwünge immer extremer. Über Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung haben sie das Zeug, unsere Gesellschaft zu sprengen.

Die schweren Rezessionen sind die Quittung für die zügellose Geldvermehrung im Finanzsektor. Regulierung allein wird nicht verhindern können, dass die Notenbanken immer mehr Geld ausspeien – Geld, das als allzu billiger Ersatz einer echten Stärkung der Wirtschaftskraft gedacht ist. Die Willkürlichkeit überwinden kann nur ein regelbasiertes Geldsystem. Dass ein solches System funktioniert, hat Gold Jahrhunderte lang vorgemacht.

Ob es in Münzen ausgeprägt wurde, ob es seine Geld-Funktion mit anderen edlen oder unedlen Metallen teilte, Gold diente lange, sehr lange als Maßstab der Währungen. Tatsächlich ist die Idee, dass Gold kein Geld, sondern nur eine Gewerbestoff wie jeder andere sein könnte, ziemlich jung. Erst in den Siebzigerjahren propagierten Notenbanker und Finanzpolitiker die Überzeugung, ganz ohne diesen Wertanker auskommen zu können. Sie begannen zu glauben, den Stein der Weisen gefunden zu haben: in Gestalt eines Geldsystems, dessen Währungen die Kaufkraft erhalten, ohne den »Fesseln« des Goldstandards zu unterliegen2. Und tatsächlich gibt es diese Fesseln. Goldbasiertes Geld ist nicht perfekt.

Doch mit dem Stein der Weisen, der Zentralbankern scheinbar erlaubt, aus Papier Gold zu machen, stimmt etwas nicht. Mit dem Fall der Investmentbank Lehman Brothers und der folgenden Finanzkrise ist der Glaube an die Herren des Geldes in Wanken geraten. Börsenkräche und Bankenpleiten gibt es seit Jahrhunderten. Diesmal spürten die Menschen, dass nicht nur das Finanzsystem vor dem Kollaps stand, sondern das Geldsystem.

Der schwindende Zauber

Über Gold zu reden, jenseits seiner traditionellen Verwendung als Ausgangsmaterial für Schmuck oder Kunstgegenstände, für Medizin und Industrie, wäre nicht der Mühe wert, wenn die Krise nicht die Prioritäten verschoben hätte. In Europa, den USA, Japan und anderen großen Wirtschaftsräumen haben sich die Notenbanker zu »unbegrenzten« Interventionen verpflichtet, um Politik und Finanzbranche aus der Patsche zu helfen. Wie sicher können sich die Bürger der Solidität ihrer Währungen noch sein, wenn immer neue Defizite das Mittel der Wahl sind, um den drohenden Zusammenbruch abzuwenden?

Für eine nahe Hyperinflation, eine blitzartige Geldentwertung, liefern die vorliegenden Daten keine Anhaltspunkte. Doch allenthalben schwindet das Vertrauen ins Papiergeld. Die Zweifel kommen nicht von ungefähr. Während die Notenbanken die Kapitalmärkte durch Interventionen stabilisieren, wachsen die Schulden der Industriestaaten ungebremst in die Höhe. Das Beispiel Südeuropa zeigt, dass diese Berge von Verbindlichkeiten schnell ins Rutschen kommen können – und ganze Volkswirtschaften wie eine Lawine unter sich begraben. Auch wenn die Eurokrise besonders heikel war, ist die Währungsunion beileibe nicht der einzige Ort, wo das Prinzip des Papiergelds unter der Schuldenlast zu biegen und ächzen beginnt.

Siebzehn Billionen Dollar. Auf diese unfassbare Summe türmen sich die Staatsschulden der USA. Längst haben die Verbindlichkeiten der Supermacht die negative Schallmauer von 100 Prozent der Wirtschaftsleistung durchbrochen. Nach traditionellen Maßstäben gilt allenfalls eine Schuldenquote von 90 Prozent als nachhaltig. Jenseits davon beginnt die Wirtschaftskraft zu leiden – mit potenziell fatalen Auswirkungen auf die Staatsfinanzen. Der negative Rückkopplungseffekt macht dem System dann den Garaus. Siehe Griechenland. Japan scheint zu demonstrieren, dass traditionelle Maßstäbe im Moment nicht gelten, denn dort türmen sich die Verbindlichkeiten bereits auf mehr als das Doppelte der Wirtschaftsleistung. Doch Japan zeigt auch, dass die Last der negativen Nullen selbst für eine starke Ökonomie nur noch zu schultern ist, wenn die Notenbank im großen Stil interveniert. Japan steckt besonders tief im Schuldensumpf – ein Erbe der dortigen Spekulationsmanie der Achtzigerjahre und der irregeleiteten Reaktion darauf. Tokios Notenbank ist ein Midas auf Steroiden.

Japan ist ein Extremfall. Die Probleme allerdings ähneln sich. In fast allen großen Wirtschaftsblöcken haben die Herren des Geldes den Finanznotstand ausgerufen. Sie erwerben Schuldtitel der klammen Regierungen oder haben, wie die Europäische Zentralbank (EZB), angekündigt, das im großen Stil zu tun. Nebst Staatsanleihen kaufen die Institute Hypothekenpapiere und Bankschuldverschreibungen diverser Art, um Finanzinstitute zu stützen. Gekauft wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist – wider alte Gepflogenheiten und bewährte Regeln der Zentralbankpolitik. Die Kreditwürdigkeit der Schuldner, die Bonität der Papiere, die die Notenbank an sich zieht, spielt keine Rolle mehr.

Supernova-Ökonomie

Als Folge davon blähen sich die Bilanzen der Notenbanken auf wie sterbende Sterne. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) und die EZB sitzen heute auf dreimal so großen Risiken wie vor Ausbruch der Krise, bei der Schweizerischen Nationalbank und der Bank of England sind es sogar mehr als viermal so hohe Risiken. Die Notenbanken, denen es bis 2008 gelungen war, sich glaubhaft als Wächter des stabilen Geldes zu stilisieren, stecken bis zur Halskrause in einem Dilemma.

In diesem Zielkonflikt könnten sie sehr bald vor der Wahl stehen, die Unterstützung von maroden Staaten und Zombie-Banken einzustellen oder weitere zweifelhafte Papiere in ihrer Bilanz anzusammeln. Da jede Währung nur so gut ist wie die Notenbank, die sie verwaltet, wäre dies das endgültige Signal, dass die Herren des Geldes nicht mehr anders können, als die Kaufkraft von Euro, Dollar, Yen und Pfund zu opfern.

Schon jetzt manipulieren die Institute den Marktzins auf ein Niveau hinab, das deutlich unter der Inflationsrate liegt. Für Sparer bedeutet das nicht mehr und nicht weniger als eine schleichende Enteignung. Dieser Zinsraub (gelegentlich auch »finanzielle Repression« oder »kalte Enteignung« genannt) ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein Signum unserer Epoche. Es ist ein Symptom der Defekte eines Systems, das ums Überleben kämpft. Sollte sich der Währungskrieg3 zuspitzen, und vieles deutet darauf hin, wird sich die finanzielle Repression verstärken. Um sich zur Wehr zu setzen, müssen die Bürger ihr monetäres Selbstbestimmungsrecht zurückerlangen.

Wir sollten uns entscheiden dürfen zwischen dem Geld des staatlichen Grundversorgers und einer nichtstaatlich kontrollierten Alternative. An dieser Stelle kommt Gold ins Spiel.

Wenn das Geld des staatlichen Grundversorgers aufweicht, kann Gold einen Wertkern bilden, an dem eine parallele Hartwährung zu den Papierwährungen Dollar, Euro, Pfund, Yen und Yuan auskristallisieren kann. Eine solche Parallelwährung ist in der Geschichte nichts Neues. Erst im 20. Jahrhundert wurde es üblich, dass es nur ein Zahlungsmittel gibt.

Parallelwährungen oder Goldkernwährungen sind nicht ohne Fehl und Tadel, wie der Blick in die Geschichte offenbart. Aber es lohnt, genauer hinzuschauen, was die Probleme und Vorteile eines solchen Systems der Doppelwährung waren. Überhaupt lohnt es sich, in die Vergangenheit hinabzutauchen, in jenen Strom, der das vermeintlich Selbstverständliche abwäscht und frische Ideen möglich macht. Es gibt immer eine Alternative.

Dass wir über eine Alternative nachdenken müssen, macht Teil I des Buches deutlich. Darin findet der Leser eine Diagnose der schwersten und akutesten Defekte unseres Papiergeldsystems. Sparer erfahren zudem, welche Gefahren wegen der Systemstörung auf ihr Vermögen zukommen. Teil II versteht sich als eine Art Anamnese, die die Frage beantwortet, wie frühere Geldsysteme funktionierten und warum der Goldstandard der Vorkriegsära scheiterte. Ein Verständnis dieser Zusammenhänge ist wichtig, um über die Symptome hinaus zu erkennen, was in unserer Währungsordnung falschläuft. In Teil III schlage ich eine praktikable Therapie vor. Eine Alternative zum Papiergeld-Regime ist kein rein theoretisches Konstrukt, sie lässt sich diesseits der finanziellen Apokalypse umsetzen.

Die Geschichte lehrt uns, dass ein Geldsystem einer Baustelle gleicht. Es entwickelt sich mit der Gesellschaft, ist nie vollendet und abgeschlossen. Krisen wie die jetzige bieten daher auch Chancen. Wir stehen an einem Wendepunkt, von dem Neues seinen Ausgang nimmt. Hier und heute erleben wir nicht nur einen Verfall des Geldes, sondern auch seine Neugeburt.

Daniel D. Eckert, Berlin im März 2013

1 Ein durchschnittliches Wohnhaus in Berlin misst 22 Meter bis unters Dach.

2 Der Ausdruck »goldene Fesseln« stammt von dem englischen Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes.

3 Eckert (2012): Weltkrieg der Währungen.

TEIL I HEUTE – PAPIERGELD-DÄMMERUNG

»Die Bewegung der Himmelskörper vermag ich zu berechnen, nicht aber die Verrücktheit der Menschen.«

Isaac Newton

»Geld lässt sich beliebig vermehren – so lange gar, bis ein jeder Millionär ist. Nur hört es dann auf, Geld zu sein.«

Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank

Verwöhnte Spekulanten

Mitte Dezember 2012 führen sich die Investoren an der Wall Street auf wie verwöhnte Kinder. Sie schmollen. Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihnen in den vergangenen Jahren jeden erdenklichen Wunsch erfüllt. Nun reagieren die Spekulanten enttäuscht, obwohl der Offenmarktausschuss – das oberste Entscheidungsgremium der Fed – einen Entschluss verkündet, der die Spieler eigentlich hätte jubeln lassen müssen.

Jeden Monat, erklärt der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke, wird die Notenbank 85 Milliarden Dollar ins Finanzsystem pumpen. Das zu diesem Zeitpunkt bereits laufende Wertpapierkauf-Programm sah lediglich vor, monatlich hypothekenbesicherte Papiere für 40 Milliarden Dollar zu erwerben. Den Finanzinstituten sollen nun zusätzlich US-Staatsanleihen für 45 Milliarden Dollar abgekauft werden.

Die Botschaft: Die Banken können sich darauf verlassen, dass der Strom des billigen Notenbankgeldes nicht versiegt. Der Entschluss der Fed ist von großer Tragweite, ein echter »Hammer«, wie es in der Journalistensprache heißt, und sehr positiv für die Wall Street. Nur fällt das Geschenk vom Volumen her womöglich ein wenig kleiner aus, als sich das die Investoren erträumt haben. Sie haben mehr erwartet. Deshalb schmollen sie – und lassen die Börsenkurse fallen.

Im Angesicht der wackligen Börse beeilen sich Bernankes Beamte zu ergänzen, das Anleihenkauf-Programm sei unbefristet. Außerdem werde der Leitzins so lange nahe null bleiben, wie die Arbeitslosigkeit in den USA nicht unter 6,5 Prozent gesunken ist. Zu diesem Zeitpunkt liegt sie bei rund 8 Prozent. Eine andere Sachlage sei allenfalls gegeben, sollte die Inflationserwartung über 2,5 Prozent schnellen. Das ist fast wie ein Blankoscheck. Die Politik des lockeren Geldes bleibt oberstes Gesetz.

Wenige Tage nach Bernankes Rede wird in Japan, der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, Shinzo Abe zum neuen Premierminister gewählt. Im Wahlkampf hat der nationalkonservative Politiker versprochen, die Bank von Japan zu einem Inflationsziel zu verpflichten. Bald wird sich die japanische Notenbank beugen und gehorsam erklären, sie werde so lange Geld ins Finanzsystem injizieren, bis die Teuerung auf 2 Prozent gestiegen ist.

Seit Jahren schwankt der Anstieg der Verbraucherpreise in Japan um die Nulllinie. Mit anderen Worten: Von der Zentralbank wird erwartet, dass Geld deutlich stärker entwertet als bisher. Der Schwenk bleibt nicht ohne Folgen. An den Devisenmärkten sackt der Kurs des Yen ab. Japan tritt eine neue Phase im Weltkrieg der Währungen los. Der im Frühjahr 2013 ernannte Notenbank-Chef Haruhiko Kuroda wird die Parole ausgeben: »Alles tun, was notwendig ist!«, um die japanische Wirtschaft auf Vordermann zu bringen.

Europa steht nicht außen vor: Im September 2012 hat EZB-Präsident Mario Draghi erklärt, die Notenbank werde zur Not »unbegrenzt« Staatsanleihen kaufen, damit die Schuldenkrise in der Alten Welt eingedämmt werden kann. Regierungsfinanzierung über die Notenpresse ist der Europäischen Zentralbank per Statut untersagt. Draghi argumentiert jedoch, die Krise bedrohe die Finanzstabilität der Währungsunion – und das sei der ureigene Aufgabenbereich der EZB.

Die Haltung ist eine deutliche Abkehr von der Hartwährungs-Linie in der Tradition der deutschen Geldpolitik. Es ist in mehr als einer Hinsicht der »Tod der Bundesbank«.

Auf drei Kontinenten haben sich die Geldpolitiker der Entwertung des Geldes verschrieben. Es ist der Anfang eines großen Spiels. Und das Ende eines Systems.

Herrschaft der Schulden

Einst wurden Notenbanker von der Öffentlichkeit als»Währungshüter«verehrt. Doch nun führen sie einen neuen Kampf. Ihre neue Aufgabe besteht darin, die Schwungräder der Wirtschaft am Laufen zu halten. Und vor allem: den Staat fortwährend mit frischem Geld zu versorgen. Die Banken sollen in die Lage versetzt werden, wieder freigebig Kredite zu vergeben: an Unternehmen, an Privathaushalte, nicht zuletzt an die Regierung. Die Billiggeldpolitik ist eine Folge des politisch-finanziellen Komplexes, der Staaten und Banken zu einem immer dichteren Interessengeflecht verwoben hat.

Durch die groß angelegten Anleihenkäufe»am Markt«steigen die Kurse: Im Umkehrzug sinkt das allgemeine Zinsniveau. Niedrigere Kosten für geliehenes Geld sollen Unternehmen und Verbraucher dazu animieren, wieder mehr auszugeben, um die stotternde Konjunktur anzuschieben. Nicht zuletzt aber haben diese Markt-Beeinflussungen durch die Notenbanken den für den Staat mehr als angenehmen Nebeneffekt, dass die relativen Kosten der Verschuldung sinken. Ende 2012 mussten die USA trotz immenser Schulden zum Beispiel nur 1,7 Prozent Zinsen für Schuldtitel mit zehnjähriger Laufzeit bieten. Eine Zeit lang waren die Sätze sogar auf 1,3 Prozent abgesackt. Noch nie musste Washington auf seine Geldaufnahme so niedrige Zinsen zahlen.

Deutschland, das mit zwei Billionen Euro in der Kreide steht und eine der am schnellsten alternden Bevölkerungen der Welt aufweist, konnte sich zwischendurch über Zinsen von knapp über einem Prozent bei langfristigen Ausleihungen freuen. Die kurzfristige Geldaufnahme am Kapitalmarkt kostete die Bundesrepublik zuletzt gar nichts mehr. Für die Regierungen ist der Songtitel »Money for Nothing« (Geld für nichts) Normalität geworden. Doch niedrige Zinskosten sind überlebenswichtig. Denn die Verschuldung in den Industrienationen ist inzwischen so hoch, dass nur noch manipulierte, künstlich gedrückte Zinsen den Staat vor der Pleite bewahren können. Anders formuliert: Würden die Schulden die gleichen Kosten verursachen wie im Schnitt der zurückliegenden Jahrzehnte, wären alle Regierungen bankrott.

Das eklatanteste Beispiel ist Japan, die drittgrößte Ökonomie der Welt nach den USA und China. Am Ende von zwei verlorenen Jahrzehnten weist Tokio einen Schuldenstand von umgerechnet 14 Billionen Dollar auf. In Relation zur Wirtschaftsleistung sind das unfassbare 230 Prozent.4

Ein solches Niveau erreichten Staaten früher nur nach langen, verlustreichen Kriegen, die Finanzen und Wirtschaft aufs Äußerste strapazierten, wie zum Beispiel in der großen Abwehrschlacht gegen Napoleon oder im Ersten Weltkrieg.

Der Schuldenberg der USA, der Nummer eins der Weltwirtschaft, mutet mit 101 Prozent der Wirtschaftsleistung gerade noch kontrollierbar an. Es folgen bei den OECD-Ländern der größten Industrienationen Italien mit 125 Prozent sowie Großbritannien und Frankreich mit etwas über 90 Prozent.

Mit am kritischsten ist die Lage der Staatsfinanzen in Rom. Die Parlamentswahl vom Februar 2013 hat die politische Spaltung des Landes offenbart. Statt vieler Prozente für den von Brüssel unterstützen Wirtschaftstechnokraten Mario Monti brachte der Urnengang unklare Mehrheitsverhältnisse: Drei etwa gleich starke Blöcke werden in Senat und Abgeordnetenhaus vertreten sein, darunter eine von dem Komiker Beppe Grillo geführte Partei, deren Ausrichtung wohl am besten als anarchistisch zu beschreiben ist. Können sich die Politiker in Rom nicht einigen, droht das Land in eine Abwärtsspirale zu geraten. Die italienischen Privathaushalte sind zwar reich, aber schon jetzt muss der Staat einen Haushaltsüberschuss von vier Prozent erreichen, damit der Schuldenstand auch nur gleich bleibt. Angesichts der schwachen Wirtschaftsleistung, die seit Einführung des Euro unter dem Strich stagniert, ist das eine echte Herausforderung.

Land

Wirtschaftskraft (BIP) in Mrd. $

Schuldenquote in % des BIP

Schulden in Mrd. Dollar

Island

13,8

98,6

13,6

Luxemburg

57,5

21,1

12,1

Slowakei

92,1

52,1

48,0

Ungarn

127,9

78,0

99,7

Neuseeland

169,6

48,9

82,9

Tschechische Republik

196,3

45,5

89,3

Irland

208,6

117,0

244,1

Portugal

212,5

120,5

255,9

Finnland

249,3

53,3

132,9

Griechenland

254,1

155,0

393,9

Dänemark

313,6

46,3

145,2

Österreich

395,5

74,8

295,8

Belgien

490,3

99,6

488,4

Polen

493,9

54,8

270,6

Norwegen

501,1

29,7

148,9

Schweden

524,8

37,4

196,3

Schweiz

632,3

35,3

223,0

Niederlande

784,9

72,0

565,5

Türkei

799,0

37,4

298,8

Südkorea

1144,3

35,2

402,6

Mexiko

1176,1

38,4

451,4

Spanien

1350,0

85,2

1150,4

Australien

1540,7

29,8

458,9

Kanada

1819,1

83,8

1524,2

Italien

2020,7

125,2

2530,0

Vereinigtes Königreich

2447,3

90,8

2222,6

Frankreich

2609,7

90,1

2352,4

Deutschland

3396,0

81,4

2764,8

Japan

5971,5

233,5

13 945,9

USA

15 681,5

100,8

15 810,3

Verschuldungs- und Wirtschaftszahlen der wichtigsten Industriestaaten, Quelle: Fitch Ratings, Stand: 2012, eigene Recherche

Politische Spaltung erschwert auch die Situation in den USA. Als Supermacht und Finanzzentrum der Welt haben die Vereinigten Staaten mehr Handlungsspielraum als andere, um ihrer Verbindlichkeiten Herr zu werden. Sie können zum Beispiel den Umstand ausreizen, dass der Dollar die globale Reservewährung ist und andere Länder daher in gewissem Maß gezwungen sind, in den hochliquiden Markt für US-Regierungsanleihen (Treasuries) zu investieren. Beunruhigend ist vor allem die Dynamik der Entwicklung. Seit Ausbruch der Finanzkrise wies Washingtons Haushalt in jedem einzelnen Jahr einen Fehlbetrag von mehr als einer Billion Dollar aus. Im schlimmsten Jahr, 2009, waren es sogar fast zwei Billionen. Die meisten Beobachter sehen keine Chance, dass der US-Staat das Budgetdefizit vor Ende der Dekade unter die Schwelle von einer Billion drücken kann, sodass sich das Schuldenloch von jetzt 17 Billionen auf 24 Billionen im Jahr 2020 vergrößern könnte.

Amerika hat eine der niedrigsten Staatsquoten und könnte über Steuer­erhöhungen theoretisch neue Einnahmen erschließen. Präsident Barack Obama hat mit dem Ausbau der staatlichen Krankenversicherung einer alten Forderung der »Linken« nachgegeben, dass die Sozialleistungen ausgebaut werden müssen. Zugleich ist Washington in den Augen vieler »rechter« Amerikaner schon heute ein Moloch, der zurückgedrängt, besser noch ausgehungert werden muss. Zwischen diesen beiden Extrempositionen, die in den großen Parteien ihre Heimat gefunden haben, scheint es wenig Kompromissbereitschaft zu geben. Während Demokraten und Republikaner streiten, wächst der Schuldenberg weiter. Tag für Tag.

Nicht ganz so dramatisch sieht es in Deutschland, Österreich und Holland aus. In diesen Ländern rangiert die Quote zwischen 70 und 80 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der Musterschüler ist hingegen die Schweiz. Die Eidgenossen stehen mit weniger als 40 Prozent in der Kreide – das ist ein Niveau, das kaum ein Ökonom für bedenklich einstuft, zumal das Land eine jahrhundertealte Reputation als erstklassiger Schuldner genießt. Abgesehen von Inseln der Glückseligkeit wie der Schweiz, den skandinavischen Ländern oder auch Kanada scheint die ganze westliche Welt in einem Sumpf aus Schulden zu versinken.

Dauernotstand

Zunächst hatten die Herren des Geldes die Wertpapierkäufe noch als Notmaßnahmen in einer Ausnahmesituation dargestellt. Inzwischen ist klar, dass es sich um eine ganz neue Dimension von Geldpolitik handelt. In welche Drift die Geldpolitik geraten ist, lässt sich gut an der amerikanischen Erfahrung ablesen: Das erste Kaufprogramm initiierte die US-Notenbank Fed im November 2008, auf dem Höhepunkt der ­Finanzkrise.

Kurz zuvor, am 15. September 2008, war die Investmentbank Lehman Brothers in Konkurs gegangen, und von der Wall Street ausgehend schien das Finanzsystem von einer um sich greifenden Lähmung getroffen. Sogar das Brot-und-Butter-Geschäft der Banken kam zum Erliegen. Nicht einmal Handelskredite wurden mehr gewährt. In dieser akuten Notsituation beteuerten Regierungen und Notenbanken, sie würden alles tun, um den Bankensektor zahlungsfähig zu halten.

Es war ein regelrechter Blitzkrieg gegen die Krise, und zu den wichtigsten Einsätzen gehörte die Verkündigung von Bernanke, die Fed werde das Funktionieren des Marktes aufrechterhalten, indem sie die Kreditinstitute mit ausreichend Liquidität ausstatte. Erstmals sah sich die Welt mit dem Fachausdruck »Quantitative Lockerung« (englisch »quantitative easing«, kurz QE) konfrontiert.

Wie wenig bekannt dieser Begriff zumindest im deutschen Sprachraum war, demonstriert das einschlägige Standardwerk hierzulande, Otmar IssingsEinführung in die Geldtheorie.In der Auflage von 2007, der immerhin 14., tauchte die Abkürzung QE kein einziges Mal auf. Das dahinter stehende Konzept, das seither die Praxis des Geldes dominiert, fand in Issings Theorie des Geldes zwar Erwähnung, allerdings nur mit einem einzigen Satz.

Volumen und Dauer des Programms übertrafen die Erwartungen bald bei Weitem: Im Zuge von QE1, wie es inzwischen genannt wird, kaufte die Fed am »offenen Markt« verschiedene Arten von Zinspapieren für insgesamt mehr als eine Billion Dollar. Die Käufe liefen bis März 2010. Trotz seines gewaltigen Ausmaßes brachte das Programm der Wirtschaft nicht die erhoffte schnelle Erholung. Es folgte der Kauf von lang laufenden US-Staatsanleihen für 600 Milliarden Dollar von November 2010 bis Juni 2011, nunmehr QE2 genannt, sowie die im September 2011 verkündete »Operation Twist«, bei der Bernankes Notenbank Schuldtitel mit kurzer Laufzeit aus ihrem Portfolio in solche mit langer Laufzeit tauschte. Dieser Trick zielte darauf ab, gerade bei den langen Laufzeiten (die als Referenz für Hypothekendarlehen und andere Arten von Krediten dienen) die Zinsen zu senken. Noch bevor die Operation Twist Ende 2012 auslief, beschloss die Fed, das Volumen von QE3 zu verdoppeln.

Offizielle Begründung all dieser Maßnahmen, die inzwischen ein Gesamtvolumen von über 3,5 Billionen Dollar erreicht haben, ist die »Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage«, wie es im Ökonomen-Jargon heißt. Die Befürworter der unkonventionellen Geldpolitik führen an, dass Amerika ohne das beherzte Eingreifen der Fed noch viel schlechter dastünde. Beweisen lässt sich das schwerlich, es sei denn man akzeptiert die Tatsache, dass es nach der Pleite von Lehman Brothers nicht zu einer neuen Großen Depression gekommen ist, als Beweis genug.

Auf den ersten Blick ist nicht zu leugnen, dass sich die Zahl der Erwerbslosen in Amerika besser entwickelt hat als in Europa, wo zumindest offiziell keine quantitative Lockerung betrieben wurde. Auch hat sich die Konjunktur in der Neuen Welt als robuster erwiesen als die in der Alten. Während die amerikanische Wirtschaft 2012 um gut 2 Prozent wuchs, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone um 0,5 Prozent. Aber niemand kann sagen, wie nachhaltig das Wachstum in den USA ist. Letztlich können all diese Notstandsmaßnahmen nur ein Vorschuss sein auf Wachstum, das sich von selbst einstellt – oder eben nicht. Profitiert vom unermüdlichen Wirken der Geldpumpe haben ohne Zweifel die Kapitalmärkte. Zwischen der Ausrufung von QE1 und dem Frühjahr 2013 stieg der amerikanische Leitindex S&P 500 von rund 900 auf deutlich über 1500 Punkte, ein Plus von fast drei Vierteln. Der bekanntere Dow Jones Index markierte ein Rekordhoch nach dem anderen. Börsianer hatten allen Grund, zufrieden zu sein.

Die Hilfsmaßnahmen für den politisch-finanziellen Komplex haben auch eine dunkle Seite. Sie bergen in sich den Keim künftiger Währungsentwertung und Geldentfremdung. Ablesbar wird das an den Notenbankbilanzen, die sich bedenklich aufgebläht haben. Aktiva und Passiva der acht größten Zentralinstitute sind von 5,5 Billionen Dollar im Jahr 2006 auf zuletzt 15,5 Billionen Dollar angeschwollen.5 Manche reden angesichts dieser Zahlen, die von einem erhöhten Insolvenzrisiko der Institute künden, von einer Geldbombe.

Diese einschüchternden Schuldenberge werden von noch höheren Verbindlichkeiten des Finanzsektors überragt. Im Jahr 2012 belief sich die aggregierte Bilanzsumme allein der Banken in Euroland auf mehr als 34 000 Milliarden Euro, das ist fast das Vierfache der Wirtschaftskraft der Währungsunion. Ein solch hoher Anteil von Fremdkapital verwandelt die Institute, aber auch die hinter ihnen stehenden Staaten in so etwas wie Hedgefonds. Wo das Prinzip des »Hebels« regiert, ist das Risiko eines Zusammenbruchs nie weit. Ein kleinerer Fehler der Politik genügt, und das Land oder seine Banken werden durch Kapitalentzug in die Insolvenz getrieben. Gegen diese Gefahr einer Insolvenz, die wie ein Damoklesschwert über den Schuldenstaaten hängt, sind die Notenbanken in Aktion getreten. Sie kaufen die Anleihen auf und verlagern das Risiko damit von den großen Finanzinstituten und Regierungen auf die Währung, deren Sachwalter sie sind – oder zumindest sein sollten.

Zeit, über Gold zu reden

Die aufgeblähten Notenbankbilanzen sind ein Indiz dafür, dass die Spielarten von Papiergeld, an die wir uns gewöhnt haben, in schweren Problemen stecken. Der Fehler steckt im System. Die Probleme rühren daher, dass Geld neben seiner Funktion als Tauschmittel, Recheneinheit und Wertspeicher weitere Funktionen zugewiesen wurden. In den Sozialstaaten ist es auch eine Art gesellschaftlicher Schlichter und in Europa darüber hinaus eine Art Katalysator, der das Zusammengehen der Nationen beschleunigen soll – das Feuer unter dem imaginären Schmelztiegel Europa. Funktioniert hat das bisher eher schlecht als recht, doch nun wird die Eurozone 2.0 installiert, eine Beta-Version, die fast genauso experimentell ist wie die gescheiterte erste. Über dieses Experiment könnte unsere Währung ihre Härte verlieren. Der Dollar und andere große Papierwährungen eignen sich nur temporär als »sichere Häfen« für die Europäer. Auch sie lassen sich durch Knopfdruck entwerten. Es ist also nicht Nostalgie, die unser Interesse am Goldstandard leitet, sondern die nackte Notwendigkeit, eine vernünftige Alternative zum jetzigen System zu entwickeln. Bevor wir uns den einzelnen Fragen im Detail zuwenden, sollten wir uns noch einmal die Bedrohungen in Erinnerung rufen, gegen die Gold eine Absicherung bietet: Inflation, Risiko-Gemeinschaft Eurozone, »Zinsraub« und Währungskrieg.

Leiser Räuber Inflation

Gelegentlich wird angeführt, Inflation sei so etwas wie ein Naturphänomen. Dass Geld an Wert verliert, gilt manchen als ebenso unabwendbar wie das Faktum, dass Wasser bei 100 Grad zu sieden beginnt oder Blei bei 327,5 Grad flüssig wird. Das ist aber nicht richtig. Es mag eine bestimmte psychologische Neigung des Menschen geben, leicht steigende Preise als »normal« zu akzeptieren. In der Natur des universalen Tauschmittels liegt der Verfall jedoch nicht begründet. Geld kann wertstabil sein, seine Kaufkraft kann erodieren oder auch steigen. Wie sich der Wert des Geldes in Relation zur Gesamtheit der Waren und Dienstleistungen entwickelt (und das meinen wir in der Regel, wenn wir von Inflation sprechen), hängt weitgehend von der Menge des allgemeinen Tauschmittels ab, genauer: davon, mit welcher Geschwindigkeit die Menge des Tauschmittels vermehrt wird. Die Rotationsgeschwindigkeit der Druckerpresse aber ist das Produkt politischer oder geldpolitischer Entscheidungen. Sie ist Menschenwerk, nicht Gottgewolltes.

Das Tückische an der Inflation ist, dass sie sich langsam heranschleicht, wie ein stiller Räuber. Selbst eine geringe Entwertung führt, wenn sie über längere Zeiträume anhält, unweigerlich zu einer beträchtlichen Zerstörung von Geldvermögen. Eine Rate von 4 Prozent, wie sie viele Ökonomen für die nächste Zeit in Europa als realistisch erachten, hat die Kaufkraft des Geldes nach fünf Jahren um 18 Prozent vermindert. Bei einer Inflation von 6 Prozent sind nach fünf Jahren bereits 25 Prozent der Kaufkraft dahin. Nach zehn Jahren ist der Schwund dramatisch: 4 Prozent Durchschnittsinflation machen den Bargeld-Horter in einer Dekade um fast ein Drittel ärmer: von 1000 Euro Kaufkraft bleiben nicht mehr als 676 Euro. Bei 6 Prozent Inflation können sich die Bürger nach zehn Jahren 44 Prozent weniger kaufen. Die Kaufkraft von 1000 Euro wurde auf die von 558 »alten« Euro vermindert.

Abb. 2: Inflation und Wertverlust, Teuerungsrate in % und verbleibende Kaufkraft in % über einen Zeitraum von 10 Jahren, Quelle: Eigene Berechnungen