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"Alles. Nur kein Reiseführer" ist eine Sammlung satirisch-selbstironischer - vor allem aber schreiend komischer - Kurzgeschichten aus den Reiseerlebnissen von Maximilian Scheler. In seinen Geschichten beschreibt er seine ambivalenten Erlebnisse mit Land, Leuten und Mitstreitern, die auch Sie (aus allen denkbaren Gründen) zum Lachen und Weinen bringen werden. In "Alles. Nur kein Reiseführer" verschlägt es den Autoren unter anderem in ein Amphitheater in Pula, auf die Rückbank eines thailändischen Tuk-Tuks und in sämtliche Brauereien Bambergs.
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Seitenzahl: 98
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Maximilian Scheler
Alles.
Nur kein Reiseführer
Maximilian Scheler
Impressum
Texte: © 2023 Copyright by Maximilian Scheler
Umschlag und
Illustration: © 2023 Copyright by Luisa Frerk
Verantwortlich
für den Inhalt: Maximilian Scheler
Die Texte, die Sie, lieber Leser, in Ihren Händen halten, sind eine akribisch zusammengestellte Sammlung von tagebuchartigen Kurzgeschichten, die im Zuge meiner Urlaube der letzten Jahre nach und nach entstanden sind. Müsste man dieses Werk einem Genre zuordnen, würde wohl am besten „therapeutisches Schreiben“ passen.
Bei meinen Aufzeichnungen habe ich stets versucht, meine Erlebnisse so wahrheitsgetreu und unverblümt wie möglich darzustellen. Nun ja, was man so „wahrheitsgetreu“ nennt… Aber: Alles, was Sie in diesem Buch lesen werden, ist genau so passiert! Also, subjektiv gesehen.
Dass Sie bei der Lektüre auch etwas über das jeweilige Land lernen, wage ich zu bezweifeln. Das hier ist alles, nur kein Reiseführer! Wenn überhaupt ist es eine anthropologische Studie. Oder ein Hilfeschrei.
Der erste richtige Pärchenurlaub von mir und meiner Freundin verschlägt uns auf die griechische Insel Rhodos mit ihrer gleichnamigen Hauptstadt. Abends, nach einer etwas unbequemen Landung unserer Billigairline, begeben wir uns rasch zum Hotel: Erste Ernüchterungen trüben die bisherige Vorfreude – vier Sterne werden hier sehr großzügig ausgelegt. Griechenlands Wirtschaft ist offenbar tatsächlich am Ende. Hinter den überall präsenten Bauruinen, die wir auf unserem Weg zum Hotel entdecken, den Billig-pauschal-Angeboten und Assoziation mit Bulgarienurlauben lässt sich jedoch auch eine malerische Insel erahnen, die sich in spannenden Aktionen mit Roller oder Jeep erkunden lässt... Mal sehen.
Urlaubstagebuch Nadine & Maxi:
1. Eintrag
Das original-griechische Frühstück mit Sausage, Baked Beans, Ei und Speck konnte noch nicht so recht überzeugen. Nichtsdestotrotz konnte uns unsere Reiseleitung die Insel mit traumhaften Angeboten schmackhaft machen.
Die Dusche ist zwar gestern Nacht noch auseinander gefallen – vermutlich Schimmel, aber: Bei uns setzt ein überraschend wie auch unerklärlich schneller Akklimatisierungseffekt ein. Das Wetter ist herrlich!
PS: Haben heute die Poolbar entdeckt.
2. Eintrag:
Der Verdacht, dass sich hier irgendwo doch noch die Erfüllung malerischer Urlaubsträume verbirgt, wurde bestätigt. Der Strand ist schön, das Mittelmeer safirblau, glasklar und angenehm warm.
Dank unseres angeborenen Entdeckergeistes konnten wir vermutlich als erste Menschen überhaupt eine kleine, verlassene Bucht hinter einer Landzunge ausfindig machen, die, weil von hohen Felsen gesäumt, nur schwimmend zu erreichen ist und sich nach ersten Einschätzungen fabelhaft zum Schnorcheln eignet! Eine Rückkehr ist für morgen geplant. Wir beginnen uns darüber hinaus zunehmend unter den Einheimischen zu bewegen: Verständigungen in der Landessprache sind ohne weiteres möglich:
"7,50 €."
"Hier."
"Bitte."
"Danke."
Grandios. Besonders der Barkeeper ist mir ans Herz gewachsen! Ich will nichts vorwegnehmen, aber ich spüre eine enge Freundschaft entstehen. Großartiger Mann!
Sind nach dem Frühstück heute zu unserer Bucht zurückgekehrt. Ich schwimmend, Nadine auf ihrer rosa Strandmatte paddelnd.
Wie erhofft war keine Menschenseele vor Ort, sodass wir in aller Ruhe schnorcheln konnten. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass Nadine nicht nur keine Fische mag, sondern offenbar auch Angst vor Algen hat. Auch Hinweise, dass die Fische zu klein und die Algen zu leblos seien, um eine echte Gefahr darzustellen, halfen nichts. Gerade so schafften wir es also, dank pinker Strandmatte und einem gehörigen Quäntchen Glück, nach einiger Zeit wieder lebendig zum Strand und wenig später von dort zum Hotel zurück.
Rückkehr zur Poolbar.
Die Urlaubslektüre ist spannend, das Wetter weiterhin herrlich. Für Nachmittags ist ein Trip mit dem Roller nach Rhodos geplant. Tränenreicher Abschied von Spyros. Das ist der Barkeeper. Ich lasse seine Mutter lieb grüßen und wir brechen auf. Don't drink and drive.
Urlaubstagebuch Nadine und Maxi:
4. Eintrag:
In Rhodos erwarten uns auf einen Schlag zahlreiche Eindrücke zugleich:
Erinnerungen an die Notwendigkeit des Rettungspaketes wechseln sich ab mit Faszination für Land und Kultur. Oft weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll, also tut man am besten beides zugleich. Doch im Grunde vor Freude. Das Weltkulturerbe Rhodos-Altstadt verschwindet hinter haufenweise Shoppingangeboten und "You wanna drink or buy something?"-Rufen. Schaut man jedoch genau hin und ignoriert die immerhin sehr höflichen griechischen Verkäufer bietet sich ein atemberaubender Anblick und auch das ein oder andere überraschend hübsche Restaurant taucht auf.
Selbst die Akropolis der Hauptstadt verdeutlicht diese Ambivalenz zur Gänze: Die verbliebenen drei lahmen Säulen der einstigen Herrenburg sind schäbig in Baugerüste gekleidet und lassen einem Lateinlehrer das Herz schwer werden. Dreht man sich jedoch um und blickt vom Mittelmeer nun auf die Ägäis, liegt einem ganz Rhodos zu Füßen, getaucht in warmes Licht des Sonnenunterganges.
Die Rollerfahrt nach Rhodos verlief im Grunde problemlos. Das kleine Gefährt, das man nach EU Recht mit Klasse B fahren darf, ist vom Verleiher bis zur Unkenntlichkeit frisiert und fährt locker-flockige 80 km/h. Nett. Nadine hat nach kurzer Feldforschung auf dem Rückweg zur Erleichterung aller entschieden, dass ich auch in Zukunft der Fahrer unserer Reisegruppe sein soll. Nun gut...
5. Eintrag:
Strategie für heute: Aus der Sonne heraushalten! Nicht leicht auf einer Insel mit 300 Sonnentagen pro Jahr, aber die Adelsblässe, sonst Zeichen von Intellekt und vornehmes Accessoire gesellschaftlich Höhergestellter, fordert ihren Tribut.
Nadine stiehlt Joghurt vom Frühstücksbuffet, um uns damit einzureiben: angeblich ein altes Hausmittel. Natürlich original griechisch!
Sei's drum... Heute steht das Tal der Schmetterlinge auf dem Plan sowie die antiken Thermen von Kalithea. Der Strand wurde auf Grund genannter Umstände gestrichen. Freue mich auf das Wiedersehen mit Spyros. Heute Nacht BBQ im Hotel. Diese Griechen, ein Volk von Welt...
War schockiert zu erfahren, dass mein Freund der Barkeeper gar nicht Spyros heißt. Sondern Konstantinos! Klingt irgendwie ungriechisch... Bleibe bei Spyros.
Haben heute begonnen, uns von vorne nach hinten durch die Cocktailkarte zu trinken... Ulala. Wie der Grieche sagt.
Heute besuchen wir außerdem Lindos: Einheimische nennen diese Stadt auch „die Perle“ – Klingt vielversprechend! Trotz gehöriger Promille reisen wir mit dem Miet-Roller an. Spyros sagt, das geht schon.
Er macht uns noch einen White Russian für die Fahrt und wünscht uns viel Glück.
Tatsächlich ist „die Perle“ gar nicht mal so unansehnlich, eigentlich sogar wunderschön: Weiß getünchte Häuser ziehen sich über einer strahlendblauen Bucht einen Berg hinauf, auf dessen Gipfel eine antike Akropolis steht, die sich auch noch erklimmen und besichtigen lässt. Diese Gelegenheit lassen wir uns natürlich nicht entgehen! Schweißtreibende siebentausend Stufen später kommen wir oben an: Ausgenüchtert und aus allen Poren nach Sangria duftend. Kopfschmerz setzt ein. Dennoch genießen wir den unglaublichen Anblick von der antiken Ruine in die azurblaue Bucht hinab.
Zumindest solange, bis ein Vater dort seinem Jungen etwas über antike, in Stein gehauene Opferschalen erzählt, vor denen wir stehen, das mehrsprachige Infoschild völlig ignorierend: „Sieh her mein Sohn, hier haben sie früher Kanonenkugeln gegossen!“ Alles in mir bebt; Nadine hat Mühe mich zurückzuhalten.
Lasse mir die Freude dann aber doch nehmen, den Mann darauf hinzuweisen, wie unfassbar dämlich er ist, dass sie 300 v. Chr. definitiv noch keine Kanonenkugeln gegossen haben – wozu auch ohne Kanonen – dass er das aber wüsste, wenn er lesen könnte, und dass die hohe Lage der Akropolis seine Chance wäre, den Fehler seiner Mutter wieder gut zu machen!
Ich begnüge mich schlussendlich damit, auf Eseln wieder hinunter in die Innenstadt zu reiten. Ihr werdet es kaum glauben, aber der Name des Esels war... Spyros! Kleiner Scherz, er hieß Jason.
Nach dem letzten wirklich schönen Urlaub mit meiner Freundin und den durchaus romantischen Erlebnissen dort, war es an der Zeit für einen echten Männerurlaub: anspruchslos, derb aber nicht weniger romantisch!
Welches Land böte sich da mehr an als Kroatien? Vor allem, weil wir tierisch pleite sind und Kroatien sau billig ist.
Aber offiziell wegen der Romantik!
Unsere Fahrt beginnt mit einer Erfolgsstory: Die Straßen sind frei, wir sind fit, das Auto schnurrt und die Vorräte sind angemessen aufgefüllt. Zumindest wären sie das, wenn wir eine homo-amouröse Großfamilie mit drei heranwachsenden Jungs wären. Sind wir aber nicht. Zumindest noch nicht! Was in Kroatien passiert, bleibt in Kroatien. Für den Moment müssen wir uns aber eingestehen, dass wir unser Lunchpaket etwas übertrieben haben. Aber ey! Es ist Urlaub! Und am Strand will man ja was vorzuzeigen haben!
An der kroatischen Grenze dann, winkt uns die verdrossene Grenzbeamtin jedenfalls ohne Überprüfung unserer Papiere durch: „Deutsches Kennzeichen, Sonnenbrillen, ziemlich sicher angetrunken, Typ: verirrter Malle-Tourist à la "Wo ist die Mutter von Nicki Lauda?". Keine Gefahr. Weiterfahren.“
Alles klar. Danke!
Gut gelaunt, entgegen aller Erwartungen wieder mehr oder weniger nüchtern dafür aber gehörig schlafwirr beginnt die Suche nach dem Appartement. Nummeriert sind die Häuser, als ob man die besten Schüler der nächsten Waldorfschule mit der Städteplanung beauftragt hätte. "Aufgepasst: Es kommt nur darauf an, dass ihr gaaanz viel Spaß habt!" Hausnummer 43 folgt auf 96. Ja sicher! Das Haus daneben hat gleich gar keine Nummer – hups, vergessen! Was ein Spaß! Eins plus!
Unsere kroatische Gastfamilie empfängt uns sehr herzlich. Klein Diego präsentiert uns stolz einen unetikettierten, rötlichen Schnaps, den wir als Gastgeschenk erhalten.
Augenlicht adé!
Nach kurzer Orientierungsphase und schnellem Einkauf beschließen wir, heute noch die nähere Umgebung zu erkunden. Kurzum: Es gibt eine Kirche.
Morgen ist der Strand geplant, freut euch also auf eine Fotoreihe, die es in sich hat! Ladys, legt ein Handtuch unter – es wird heiß! Peta meldet außerdem zu erwartende Sichtungen der Mittelmeer-Mönchsrobbe in all ihrer Pracht.
Auch unsere Sprachkenntnisse nehmen zu!
Wir verbleiben daher mit kroatischem Gruße,
spolovilo!
Zu Recht haben uns einige Leserbriefe erreicht, die auf einen Fehler in unserer letzten Ausgabe hingewiesen haben: Wir gestehen ein, dass wir unserer Sorgfaltspflicht bei der Recherche nicht nachgekommen sind und spolovilo kein typisch kroatischer Gruß ist, sondern schlicht Penis bedeutet. Wir entschuldigen uns in aller Form bei unseren Lesern und dem kroatischen Volk.
Der Tag beginnt mit einem Frühstück auf der sonnenbeschienenen Terrasse. Die gefühlten 35°C, die in Wirklichkeit 38°C sind, entlocken uns und auch der Salami schon früh eine Schweißperle. Die Tagesplanung ergibt: Strand. Vorfreude steigt auf!
Strand? Das heißt gegenseitiges Eincremen! Juhu!
Jarid navigiert uns also zielstrebig zum Naturschutzgebiet Kamenjak, in das man mit dem Auto hineinfahren darf – klar. Aber nur gegen eine Gebühr. Versteht sich. Wegen der Umwelt und so.
Diese Gebühr zahlt man dann übrigens nicht etwa im Kassenhäuschen an der Schranke zum Park sondern im "Yellow building near church". Also wieder zurück in die City. Das "yellow building" ist im Übrigen orange und ist das Rathaus. Aber wir nehmen solche Ungenauigkeiten - völlig undeutsch – heute nicht so ernst. (Sind immer noch euphorisiert vom Eincremen.)
Für den Park bekommen wir noch eine Mülltüte aus Plastik mit auf den Weg. Wegen der Umwelt. Und so.
Der Strand dann ist schlichtweg malerisch. Das eigentliche Highlight ist aber die Burgerboulette vom Kiosk an der Bucht. Und die FKKlerin, die sich neben uns niedergelassen hat. Man kann sagen, was man will: Fleisch können die Kroaten!
Die Stadt Rovinj gehört zu den Perlen der Adriaküste. Und wir zu den Perlen der deutschen Touries! Gutaussehen, gestärkt und frisch eingecremt treffen wir ein in der Altstadt eben jener. Wir beginnen unsere Entdeckungstour mit einem romantischen Spaziergang am Kai entlang, um die Halbinsel herum. Dabei halte ich fröhlich hüpfend und verliebt kichernd Jarids Hand...
