Alles unter Kontrolle - Jane Ardern - E-Book

Alles unter Kontrolle E-Book

Jane Ardern

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Beschreibung

Haben Sie einen Hund, der immer in den Startlöchern steht? Herzlichen Glückwunsch! Es ist ein Vergnügen mit einem motivierten Hund zu arbeiten, der an Ihren Herausforderungen seine helle Freude hat. Aber wünschen Sie sich auch manchmal, er würde sich etwas zügeln und mehr Leistungen zeigen, die Sie beide zufriedenstellen? Konzentriert sich Ihr Hund nicht auf Sie? Lässt er sich leicht ablenken? Sind Geräusche und Gerüche, andere Menschen und Tiere interessanter als seine Aufgaben? Ist er beim Agility zu aufgedreht, um an der Startlinie zu warten? Bellt er und kreiselt herum? Stalkt er andere Tiere? Jagt er alles, was sich bewegt – Bälle, Jogger, Radfahrer, Autos? Wenn Sie eine oder mehrere Fragen mit Ja beantworten, hat Ihr Hund Schwierigkeiten, seine Impulse zu kontrollieren. Die britische Hundetrainerin Jane Ardern zeigt Ihnen, wie Sie Ihren Hund dabei unterstützen können, seine Probleme in den Griff zu bekommen. Sie hat ein Trainingsprogramm entwickelt, das die Emotionen des Hundes in den Vordergrund stellt und ihm ermöglicht, selbst die "richtigen" Entscheidungen zu treffen. Mit Hilfe aufeinander aufbauender, interaktiver Spiele können Sie Ihrem Hund beibringen, seine Impulse zu kontrollieren und sich für das Verhalten zu entscheiden, das für Sie richtig ist und das sich für ihn lohnt.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 252

Veröffentlichungsjahr: 2022

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© 2022 für die deutsche Ausgabe:

KYNOS VERLAG Dr. Dieter Fleig GmbH

Konrad-Zuse-Straße 3 • D-54552 Nerdlen / Daun

Telefon: 06592 957389-0

www.kynos-verlag.de

Titel der englischen Originalausgabe:

Mission Control. How to train the high-drive dog.

© 2020 Jane Ardern und First Stone Publishing.

Aus dem Englischen übersetzt von Dr. Jeanette Ludwig

eBook-Ausgabe der Printversion

eBook ISBN: 978-3-95464-287-8

ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-95464-276-2

Bildnachweis:

Alle Fotos: Carlo Fontanarosa, Fontanarosa Foto, www.fontanarosafoto.com, außer:

S. 6: Andy Biggar;

S. 170 + Coverfoto: Bernhard-stock.adobe.com

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Hunde helfen Menschen. www.kynos-stiftung.de

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.

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Inhaltsverzeichnis

Gewidmet den Hunden, die mir so vieles beigebracht haben

Einführung

1.Um was geht es?

Instinktives Verhalten steuern

Selbstkontrolle verstehen

Was ist Frustrationstoleranz?

Willenskraft aufbauen

1. Fokus

2. Selbstkontrolle

3. Frustrationstoleranz

Trainingsstrategie

Kognitive Kontrolle

Das Marshmallow-Experiment

Das heiße (limbische) System

Das kalte (Cortex-) System

Hirntraining, nicht Verhaltenstraining

2.Ihre Trainings-Werkzeugkiste

Warum Clickertraining?

Klassische Konditionierung

Operante Konditionierung

Brückensignal

Clickertraining in Aktion

Blickkontakt einfangen

Das Spontan-Sitz

Die großen Drei

Shaping

Locken und Belohnen

Modellieren

Distanztraining

Methode eins

Methode zwei

3.Ein Belohnungssystem aufbauen

Primäre Verstärkung

Sekundäre Verstärkung

Die Komponenten der Verstärkung

Die drei Komponenten der Verstärkung

Motivationskomponente

Lernkomponente

Lustkomponente

Die richtige Verstärkungsmethode wählen

Was ist lohnenswert für Ihren Hund?

Kreative Futterbelohnungen

Kreative Belohnung mit Spielzeug

Das Platzieren der Belohnung

1. Verhaltensweisen beeinflussen

2. Ort und Positionierung beeinflussen

3. An eine Startposition zurückkehren

Soziale Kommunikation

Taktile Kontakte

Die Balance finden

4.Die optimale Methode

Die Bedürfnisse Ihres Hundes

Homöostase

Sicherheit

Ihre Beziehung

Emotionaler Zustand

Stresszeichen

Ihre Trainingsziele

Erstes Lernen

Konzentrationsaufbau

Wissen, wann es genug ist

Problemlösungen

Fehler vermeiden

5.Die Kunst, ruhig zu sein

Die Vorteile verknüpfen

Hinlegen

Den Hund parken

Antizipatorische Ruhe

Sitz-Bleib und Freigabe

Die Herausforderungen beim Ruhigsein

Die Dauer aufbauen

Das Freigabe-Signal

6.Spiele zur Förderung der Ruhe

Mäuschen, Mäuschen

Warte ab!

Die Schwierigkeit steigern

Müde

Pfotentarget

Kinntarget

Handtarget

Langes Handtarget

Drucktargets

Mehrfache Targets

Kombinierte Targetdauer

7.Aufbau der Bindung

Was wir wollen und was der Hund will

Warum Beziehungen zerbrechen

Verlassenheit

Frustration und Übererregung

Emotional unterstützen

Spiele zur Förderung der Bindung

Zwangloses Apportieren

Widerwillige Apportierer

Zerrspiel

Wertsteigerung

8.Mit Ablenkungen umgehen

Externe Ablenkungen

Einfangen und belohnen

Spiele für die Bindung

Ohne Leine verbunden bleiben

Fangen spielen

Abchecken

Stop and Go

Gemeinsam suchen

Schnüffeln und suchen

Mehr Hund sein

Interne Ablenkungen

Der Kontrollschalter

Das Negative negieren

9.Selbständige Wahl und ihre Folgen

Der „Nimm es“ oder „Lass es“-Hund

„Lass es“ trainieren

Stadium 1

Stadium 2

Stadium 3

Die „Nimm es“-Denkweise trainieren

Stadium 1

Stadium 2

Stadium 3

Stadium 4

Stadium 5

Stadium 6

Stadium 7

10.Stopp und denk nach

Funtkionskreis Sozialverhalten

Hochspringen

Kontrolle an Eingängen / Toren

Funktionskreis Futterverhalten

Futternapf hinstellen: Automatisch hinsetzen

Belohnungsbeutel fallenlassen: Automatisch hinsetzen

Funktionskreis Beuteverhalten

Bei Bewegungen automatisch hinsetzen

Reizangeln zur Frustrationstoleranz

11.Exekutive Funktionen

Karate K9

Memory spielen

Der Umschalt-Ninja

Fazit

12.Selbstkontrolle im wirklichen Leben

Wenn… dann

Die richtige Wahl treffen

Resümee

13.Ausblick

Kontrollieren Sie Ihre eigenen Impulse

Bleiben Sie realistisch

Handeln Sie und machen Sie Fortschritte

Anhang

Über die Autorin

Dank

Gewidmet den Hunden, die mir so vieles beigebracht haben

Meinem Leonberger Dinky, dem Schaf-, Eichhörnchen- und Hundejäger.

Meinem Cockerspaniel Pickles (Bild unten), dem Kaninchen- und Hühnerjäger, der mich weit über meine Grenzen gefordert hat.

The Stig und Mia haben mir geholfen zu lernen, wie man Triebverhalten nutzt, Kontrolle bei Übererregung und neue Fähigkeiten lehrt.

Drift war so leicht zu trainieren und hat mich daran erinnert, dass jeder Hund anders ist und als Individuum behandelt und trainiert werden sollte.

Die Welpen, die ich aufgezogen habe – Elvis, Joey, Lily, Goose, Bridget, Zebby, Shadow, Florence und Wee Gracie –, haben mir gezeigt, dass Welpen kein unbeschriebenes Blatt sind und sich nicht so verhalten, wie es im Buche steht.

Einführung

Mein große Leidenschaft im Training ist es, Hunden dabei zu helfen, ihre Impulse zu kontrollieren. Meine ersten Erfahrungen dazu habe ich mit meiner Leonbergerhündin Dinky gemacht, die eine besessene Jägerin war. Man sagte mir damals, ich würde es niemals schaffen, sie mit positivem Training zu kurieren und ein Elektrohalsband sei wahrscheinlich die beste Lösung.

Das ist über zwölf Jahre her und ich hatte gerade mit dem professionellen Training angefangen. Als Trainerin der Übergangszeit war ich noch in dem Stadium, in dem ich zu meinen früheren Lernerfahrungen zurückkehrte, wenn meine neuen positiven Methoden fehlschlugen. Ich fühlte mich damit jedoch zutiefst unwohl und entschied mich am Ende für das, was ich gelernt hatte: einen positiven Ansatz auf der Basis von Belohnung und Motivation.

Im Lauf des Trainings mit Dinky lernte ich viel über das Hetzen von Beute, Erregung und Impulse und hatte am Ende einen Hund, der nicht jagte. Ich habe sie sogar einmal zu einer Schafhüteveranstaltung mitgenommen, um unsere Kontrolle inmitten von Schafen zu testen. Das war ein echter Prüfstein, aber ich konnte sie tatsächlich kontrollieren und zurückrufen. Sogar der Schäfer kommentierte, dass ich sie ausgezeichnet kontrollieren könne.

Nachdem ich zwanzig Jahre Leonberger besessen hatte und mehr und mehr in Training und Aktivitäten hineingewachsen war, bekam ich einen kleinen Cocker Spaniel aus Arbeitslinien names Pickles – einen Hund mit erstklassigem Stammbaum voller Champions in Arbeitsprüfungen. Sie war wirklich ein guter Hund: fokussiert, schnell, begeistert, gehorsam und wunderbar zu trainieren, bis ich sie ans Federwild führte.

Als jemand, der immer in der Stadt gelebt hatte, war dies eine völlig neue Welt für mich – und für Pickles. Unwissentlich weckte ich einen tief in ihr verwurzelten Instinkt, und ich hatte keine Idee, wie ich mit dem problematischen, besessenen Verhalten umgehen sollte, das daraus resultierte. Ich war mit meinem Latein völlig am Ende.

Pickles Spitzname wurde „Ferrari ohne Bremsen“ und es war klar, dass viel Arbeit zu tun war. Ich beschloss, mich auf den Lernprozess und die Lernerfahrung zu fokussieren, weil ich zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung hatte, wie es ausgehen würde. Es war ein derart großer Unterschied zur Arbeit mit einem Leonberger! Ich habe sehr viel bei diesem Prozess gelernt – aber auch einige sehr beschämende und überraschende Momente erlebt. Zum Glück hat der Hahn Sunshine überlebt, um eine dieser Geschichten zu erzählen …

Als ich mit dem Training von Cockern anfing, entdeckte ich, wie wichtig es ist, Instinkte zu kanalisieren und eine gewisse Impulskontrolle aufzubauen.

Nach dieser wegweisenden Trainingsreise brachten mir dann meine nächsten Cocker bei, Erregung und Triebverhalten zu nutzen und insbesondere den Unterschied zwischen Familienhunden und Hunden, die für die Arbeit gezüchtet wurden, zu verstehen. Irgendwie hatte ich am Schluss vier Cocker und habe mit zwei von ihnen selbst gezüchtet. Die Rasse macht süchtig und so viel Spaß!

Mein zweiter Cocker, The Stig, konnte gut mit seiner Erregung umgehen und machte mich sehr stolz. Wir mussten aber ein anderes Problem lösen: Stig reagierte empfindlich auf Dornensträucher und wollte daher nicht ins Gestrüpp laufen. Er wurde sehr frustriert, weil er die Fasane zwischen den Sträuchern riechen konnte und steigerte sich in Gebell, wenn ich ihn aufforderte, in die Hecke zu gehen. Für einen Haushund wäre es hervorragend, wenn er ruhig bliebe und nicht im dichten Gestrüpp jagen wollte. Aber in der Arbeitssituation brauchte ich die Aufregung und nicht die Ruhe. Wenn ein Hund hochmotiviert ist, ist er so fokussiert, dass er Schmerz in Kauf nimmt. Stöbernde Spaniels müssen leichte Schmerzen ertragen können, um durch Dornensträucher zu laufen.

Was habe ich daraus gelernt? Ich habe gelernt, dass wir Hunden zwei wesentliche Fähigkeiten beibringen müssen:

•Ruhig zu sein

•Sich bei Aufregung zu kontrollieren

Das häufigste Problem im Training sind Hunde, die ihre Impulse nicht kontrollieren können oder wollen. Dies kann das Ergebnis von Angst, Frustration oder Übererregung sein oder der Hund folgt seinen angeborenen / instinktiven Verhaltensmustern, die durch einen bestimmten Reiz getriggert werden. Solche Verhaltensmuster sind beispielsweise:

•Hochspringen

•An der Leine ziehen

•Den Rückruf ignorieren

•Aggression

•Das Verfolgen, Jagen, Fangen und Töten anderer Tiere. Bei Border Collies und arbeitenden Hütehunden findet oft ein Übersprung auf sich bewegende Objekte statt – z. B. einen Ball, einen Jogger, einen Radfahrer oder ein Auto.

•Jedes andere angstbezogene Problem

Ein Hund, der auf ein Zeichen ein bestimmtes Verhalten zeigen soll, braucht drei Dinge:

1.Einen Trigger: Er muss das Zeichen verstehen.

2.Motivation: Eine gute Erfahrung mit Belohnung, um das Verhalten zeigen zu wollen.

3.Selbstkontrolle: Die Fähigkeit, Impulse und Wünsche zu kontrollieren.

Um sich ein solch vielseitiges Individuum heranzuziehen, müssen wir an zwei Fronten arbeiten:

Erstens brauchen wir einen Hund, der sich gut benimmt, der weiß, was wir wollen und der fähig ist, eine gute Wahl zu treffen. Der gut erzogene Hund führt sich selbst.

Zweitens brauchen wir einen gehorsamen Hund, der tut, wozu er aufgefordert wird. Der gehorsame Hund wird von seinem Besitzer geführt.

Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, eine „gute Wahl“ zu belohnen, das heißt das gewünschte Verhalten einzufangen und zu verstärken. Ich habe viele Hunde kennengelernt, die haargenau jedem Befehl gehorchen, die aber keine Idee haben, wie sie sich ohne unsere Hilfe benehmen oder eine aus Menschensicht gewünschte Wahl treffen sollen.

Wahre Selbstkontrolle ist das Ergebnis der richtigen Wahl und Hunde, die nach belohnungsbasierten Methoden trainiert werden, haben immer eine Wahl. Die Beziehung eines Hundes zu seinem Besitzer und die Motivation, sich auf eine bestimmte Art zu verhalten, spielen die Schlüsselrolle bei der erfolgreichen Selbstkontrolle.

Mit diesem Buch möchte ich das Verständnis sowohl für Motivation als auch für Impulskontrolle wecken und herausstellen, was dies für den Hund bedeutet und wie es sein Verhalten beeinflusst. Ich möchte auch den Unterschied zwischen Selbstkontrolle und Frustrationstoleranz darstellen. Trainingsprobleme entstehen meistens auf der Basis dieser Impulse und Emotionen. Um sie zu lösen, müssen wir über den Ansatz von Verhaltenskundlern hinausgehen, weil dieser auf die Arbeit mit sichtbarem Verhalten begrenzt ist. Wir müssen die Neurobiologie der Selbstkontrolle und der Hirnfunktionen kennenlernen, um zu verstehen, was in einem impulsiven und reaktiven Hund vorgeht. Hierdurch können wir unser Training empathischer gestalten und unsere Ziele erreichen.

Ich habe eine Reihe von Übungen entwickelt, mit deren Hilfe Sie Ihren Hund dabei unterstützen können, seine Impulse und Emotionen zu kontrollieren. Sie basieren auf realistischen Trainingssituationen, die man leicht nachstellen kann. Sie können in einem beliebigen Tempo, das zu Ihrem eigenen individuellen Hund passt, voranschreiten. Das oberste Ziel ist eine positive, emotionale Lernerfahrung, die in Ihrem Hund den Wunsch und die Motivation weckt, sich so zu verhalten, wie Sie es sich wünschen.

1

Um was geht es?

Um zu verstehen, warum ein Hund hochgepuscht wird und warum es ihm so schwerfällt, seine Impulse zu kontrollieren, müssen wir in der Zeit zurückgehen und den Grund für sein Verhalten herausfinden.

Seit vielen hundert Jahren werden Hunde gezüchtet, um verschiedene Jobs und Funktionen auszuüben. Die Züchter achten daher immer darauf, Hunde zu selektieren, die bestimmte überragende Fähigkeiten haben oder erwünschte Charakteristika oder Verhaltensmuster zeigen.

Kontaktfreudigkeit ist genetisch bedingt. Wir kennen „reservierte“ und „freundliche“ Rassen. Wie oft muss beispielsweise ein Labrador Retriever angegriffen werden, bevor er vor anderen Hunden Misstrauen entwickelt. Die Kontaktfreudigkeit dieser Rasse ist im Allgemeinen sehr hoch und macht viele Labradore gegenüber schlechten Erfahrungen widerstandfähig und belastbar. Dagegen kann eine einzige schlechte Erfahrung ein Individuum einer anderen Rasse für den Rest seines Lebens beeinflussen. Aber es gibt natürlich Ausnahmen von jeder Regel.

Ein Farmer möchte einen Hund, der sich auf ihn konzentriert und bei der Arbeit andere Hunde ignoriert. Im Allgemeinen sind daher Arbeitscollies mehr auf den Menschen bezogen als auf andere Hunde.

Die Anlage für eine defensive Aggression ist ebenfalls eine ererbte Eigenschaft. Wie reagieren Welpen auf Menschen und andere Hunde, wenn sie zum ersten Mal in die Hundeschule kommen und von Eindrücken überwältigt oder verunsichert sind?

Der Spaniel wird vielleicht Pipi machen, versuchen zu fliehen oder sich auf den Rücken legen. Der Terrier sagt: „Ey, hau ab“ und schnappt. Beide fühlen das Gleiche, aber ihre Anlagen beeinflussen die erste Reaktion. Wir selektieren ja diese Merkmale in der Zucht: Spaniels sind „weich und fügsam“, Terrier sind „hartnäckig und streitsüchtig“. In der Realität wird sich der Spaniel gelegentlich wie der Terrier verhalten, wenn er herausfindet, dass seine unterwürfigen Reaktionen unwirksam sind. Aber die Unterwürfigkeit ist sein angeborenes Verhalten.

Bei Jagdhundrassen fordern wir verständlicherweise das Verlangen zu jagen, das heißt dass der Hund seine Nase benutzt und eher auf seine Umgebung fokussiert ist als auf seinen Führer. Hierzu steht oft eine andere gesuchte Eigenschaft im Widerspruch: die Trainierbarkeit. Wir wollen Hunde, die in der Lage sind, einen bestimmten Job auszuführen, und mehr noch wollen wir Hunde, die Wettbewerbe gewinnen können.

Instinktives Verhalten steuern

Muss ein Hund trainierbar sein, um seine Arbeit zu verrichten, oder können wir uns auf seine ererbten Fähigkeiten und Verhaltensmuster verlassen? Die Antwort ist ein entschiedenes „Ja“! Wenn Sie sein Verhalten nicht steuern, hat der Hund die Kontrolle und nicht Sie.

Beispielsweise muss ein Border Collie oder ein Jagdhund trainierbar sein, wenn sein Führer möchte, dass er auf Signal seine angeborenen Verhaltensmuster und Wünsche stoppt und unterbricht. Ein Collie darf nicht in der Schafherde Amok laufen und ein Jagdhund darf nicht ein Wildtier jagen, nur weil ihm danach ist. Auf der anderen Seite überlässt man einem Terrier seinen Job. Er wird zu einem Gebiet mit Rattenproblem gebracht, von der Leine gelöst und kann ungestört seinem Beuteverhalten nachgehen: Ratten zu finden und zu töten. Wir legen einfach die Leine wieder an, wenn er seine Arbeit getan hat. Ein Sibirischer Husky hat einen starken Jagdtrieb, der aber schwierig zu nutzen ist, weil er nicht genetisch auf ein hohes Maß an Selbstkontrolle selektiert wurde.

Ein Hütehund kann nur effektiv arbeiten, wenn er seine Impulse kontrollieren und den Anweisungen folgen kann.

Es gibt auch Situationen, in denen Instinkte die Oberhand gewinnen und im täglichen Leben Probleme verursachen. Hunde, die für das Apportieren gezüchtet wurden, haben ein großes Bedürfnis, etwas in den Fang zu nehmen und zu halten. Golden Retriever und Cocker Spaniels teilen diese Anlage, die, wenn sie nicht kontrolliert wird, zur Ressourcenverteidigung führen kann. In ähnlicher Weise besitzt der Border Collie den natürlichen Instinkt, seine Herde im Auge zu behalten und zu hüten. Dies Verhalten kann auf Radfahrer, Autos, Jogger, Fußbälle oder alles, was sich bewegt, überspringen.

Diese genetischen Verhaltensweisen werden oft getriggert, wenn ein Hund durch Aufregung oder Frustration hochgepuscht wird. Erstens, weil sie instinktiv ablaufen, und zweitens, weil sich der Hund dabei wohlfühlt. Beispielsweise nimmt sich der Labrador, der zum Apportieren gezüchtet wurde, bei Erregung ein Spielzeug, während der Belgische Schäferhund, gezüchtet für Schutzaufgaben und Beißarbeit, bei Frustration nach seinem Führer schnappt.

Wenn wir unsere Hunde trainieren, müssen wir all diese Faktoren in Erwägung ziehen und immer daran denken, dass keine zwei Hunde gleich sind. Wir müssen daher Zugeständnisse und Anpassungen machen. Dies können wir nur, wenn wir die Rasseanlagen des Hundes wirklich verstehen, seine Geschichte und Genetik und den Einfluss, den dies auf sein individuelles Temperament hat.

Selbstkontrolle verstehen

Damit wir einem Hund Selbstkontrolle beibringen und seine natürlichen Instinkte meistern können, müssen wir die Welt mit seinen Augen sehen. Selbstkontrolle heißt, dass ein Hund seine natürlichen Impulse kontrolliert, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen. Tatsächlich gehört es wesentlich zu seinen natürlichen Instinkten, wenn ein erfolgreicher Jäger in ihm steckt und er nach passenden Gelegenheiten sucht.

Selbstkontrolle ermöglicht dem Hund, zu essen und sich zu vermehren – beides Grundvoraussetzungen für das Überleben. Wenn meine Hündinnen läufig sind, demonstrieren meine Rüden Selbstkontrolle, indem sie sie nicht belästigen, bevor sie ihren Eisprung hatten. Es liegt nicht in ihrem Interesse, den Damen auf die Nerven zu fallen; schließlich sollen sie ihnen gewogen bleiben. In ähnlicher Weise ist das ruhige, bewegungslose Warten vor dem Mauseloch für den Hund die erfolgversprechendste Methode, sich sein Frühstück zu fangen. Diese Verhaltenweisen kann man im gesamten Tierreich beobachten: Der Jäger wartet in ruhiger Vorfreude auf seine Beute und das Männchen ist kokett und höflich während der Paarungszeit.

Beim Pfiff stoppen: Ein Jagdhund muss sein natürliches, instinktives Verhalten bremsen, um seinen Job effektiv auszuüben.

Selbstkontrolle ist leicht zu lehren, wenn es um ein gewünschtes Ergebnis geht. Die Motivation ist groß und stark. Der Hund verschiebt quasi seinen Zahlungstermin, weil eine riesige Belohnung auf ihn wartet.

Was ist Frustrationstoleranz?

Frustrationstoleranz unterscheidet sich deutlich von Selbstkontrolle. Wir Menschen stellen uns vor, dass der Hund sich in unserer Welt angemessen benimmt. Es ist eine Situation, in der beim Hund Selbstkontrolle erwartet wird, aber das von ihm natürlicherweise „gewünschte“ Ergebnis tritt nicht ein. Ein Beispiel hierfür ist es, einen Hund vom Verfolgen eines Kaninchens abzuhalten, wenn er glaubt, es fangen zu können. Wenn er glaubt, mit seinem Verhalten das gewünschte Resultat zu erhalten – sei es, weil es sich gut anfühlt oder weil er Beute machen kann –, dann wird er jagen.

Die Frustration wird größer, wenn das instinktive Verhalten ausgebremst wird.

Liebt ein Hund es einfach zu jagen, wird sich irgendwann Ermüdung einstellen und das Verhalten seinen Reiz verlieren. Er wird es zwangsläufig aufgeben und vielleicht zu seinem Besitzer zurückkehren. Ist es seine Absicht, die Beute zu jagen und zu verspeisen, wird er entweder erfolgreich sein oder die Jagd aufgeben, bevor er dabei umkommt. Das Aufgeben ist dann keine Selbstkontrolle, sondern eine Frage des Überlebens und es wird akzeptiert, dass es keine Belohnung gibt.

Wenn ich mit Hunden arbeite, bei denen das Jagen ein Problem darstellt, höre ich die Besitzer oft sagen: „Er kommt früher oder später zurück.“ Ja! Das kann stimmen, aber das ist kein Resultat des Trainings. Der Hund hat sein normales Überlebensverhalten gezeigt. Es gelang ihm nicht, sein eigenes Abendessen zu fangen, deshalb kam er zurück, um sich stattdessen Ihre Angebote anzusehen. Dazu braucht er nur sehr wenig Selbstkontrolle – er musste nur aufgeben.

Schaut man sich das Jagen aus der Perspektive des Hundes an, ist es verrückt von ihm zu erwarten, das Kaninchen nicht zu jagen: „Warum um Himmelswillen nicht, erst Recht, wo ich es doch kriegen kann?“

Frustrationstoleranz bedeutet für den Hund, dass er sich in einer bestimmten Weise verhalten soll, die natürlicherweise für ihn keinen Sinn ergibt. Daher ist Selbstkontrolle einfach und Frustrationstoleranz nicht. Letztes erfordert die Entwicklung völlig neuer Denkmuster.

Wenn ich mit meinen Spaniels im Feld arbeite, müssen sie über viel Frustrationstoleranz verfügen. Sie müssen hart arbeiten, um im Gestrüpp Fasane aufzustöbern. Findet der Hund einen Vogel, muss er stoppen und zuschauen, wie er fortfliegt.

Wenn er den geschossenen Vogel apportieren darf, kann man das vorausgegangene Verhalten als Selbstkontrolle bezeichnen. Es gab ein gewünschtes Ergebnis. Aber wenn er zusehen muss, wie ein Labrador den Vogel apportiert, handelt es sich um Frustrationstoleranz. Er muss lernen, sich mit der Tatsache abzufinden, dass es Dinge im Leben gibt, die er nicht haben kann und eine Alternative akzeptieren. Daher müssen wir dafür sorgen, dass die Alternative ihn hoch motiviert.

Viele positiv trainierte Hunde sind daran gewöhnt zu bekommen, was sie wollen, und sehen Frustrationstoleranz als Herausforderung an. Die Fähigkeit, Frustration auszuhalten, erfordert ein bestimmtes Denkmuster, das erlernt werden muss. Der Hund muss verstehen, dass das Leben hart sein kann und eine Alternative manchmal die beste Option ist.

Frustration zeigt sich gewöhnlich in Lautäußerungen wie Winseln und Bellen. Emotional steigert sich Frustration zum Ärger und einige Hunde werden je nach Situation aggressiv. Einschränkungen und Verbote können Frustration hervorrufen oder steigern, und manchmal wird diese umgeleitet und richtet sich gegen den Hund selbst oder andere Hunde oder den Besitzer.

Das Leben setzt unsere Hunde heutzutage unter großen Druck und wir müssen ihnen beibringen, ihn zu verkraften. Damit kann man schon bei Welpen anfangen. Es sind normalerweise die Arbeitshunde, bei denen dies problematisch sein kann. Sie sind genetisch mit starken Verhaltensmustern – beispielsweise jagen, verfolgen und hüten – ausgestattet und haben einen starken Willen, diese auch zu zeigen.

Erregung verstärkt das Bedürfnis und Verlangen, und viele Arbeitshunderassen können leicht in hohe Erregungslevel gepuscht werden, weil sie genetisch darauf selektiert wurden. Welpen dieser Linien, die nicht die Führung erhalten, die sie brauchen, kommen als Erwachsene nicht mit der realen Welt zurecht. Daher lastet sowohl auf Züchtern als auch auf Hundebesitzern die Verantwortung, ihnen beim Aufbau dieser lebenswichtigen Fähigkeit zu helfen.

Willenskraft aufbauen

Selbstkontrolle und Frustrationstoleranz erfordern Training und Willenskraft. Im Zentrum stehen die drei Voraussetzungen für die Impulskontrolle:

1.Fokus

2.Selbstkontrolle

3.Frustrationstoleranz

1. Fokus

Ich will …mich für eine bestimmte Zeit konzentrieren und Ablenkungen ignorieren.

Dies wird auch Stabilität genannt und bezeichnet die Fähigkeit, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und alle anderen Ablenkungen in der Umgebung herauszufiltern. Positives Verstärkungstraining unterstützt die kognitiven Kontrollmechanismen, die hierfür gebraucht werden. Man nennt diese auch exploitative1 Kontrollprozesse, weil bereits erworbenes Wissen über die Umgebung ausgenutzt wird. Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass der Hund hart arbeiten wird, um mehr von dem zu bekommen, was er will. Um den Fokus zu erhalten und alle Ablenkungen zu ignorieren, braucht es Motivation, das heißt wertvolle und effektive Belohnungen müssen locken. Dies erhöht das Verlangen nach mehr.

Stabilität setzt oft dann ein, wenn wir sie nicht wollen. Wenn Ihr Hund beispielsweise ein Kaninchen jagt, muss er absolut fokussiert und kontrolliert sein, und er kann nun Ablenkungen sehr effektiv herausfiltern. In diesem Szenario stellt auch der Rückruf oder Pfiff eine Ablenkung dar. Wir wissen nun, dass unser Hund ein hohes Maß an Stabilität besitzt, wenn die Motivation stimmt.

Es ist wichtig, Ablenkungen ins Training einzubauen, um die Stabilität eines Verhaltens zu prüfen. Instabiles Verhalten, trainiert in einer sterilen Umgebung, ist im realen Leben unnütz.

Beispielsweise beginne ich mit der Arbeit am Blickkontakt im Haus, wo es wenig Ablenkung gibt, damit der Hund verstehen kann, was ich erwarte. Ich muss die Umgebung jedoch rasch ändern und das Maß an Ablenkungen erhöhen, damit er das Verhalten stabilisieren kann.

2. Selbstkontrolle

Ich warte …und bleibe geduldig und kontrolliert, um das zu bekommen, was ich will.

Selbstkontrolle ist ein normales Verhalten von Tieren: Es handelt sich um die Fähigkeit, geduldig auf die Dinge zu warten, die sie sich wünschen. Selbstkontrolle ist notwendig, um ein effektiver Jäger zu sein. Ein Löwe kann lange Zeit sehr ruhig und leise im Gras verharren und auf den richtigen Moment warten, in dem er die Verfolgung aufnimmt oder seine Beute anspringt. Diese Fähigkeit nennt man verzögerte Belohnung und man kann sie aufbauen. Es ist eine Art Selbstkontrolle, die leicht zu lernen ist, wenn die Motivation stimmt. Der Hund verhält sich auf eine bestimmte Weise, um das zu bekommen, was er möchte. Der Löwe erhält sein Festmahl durch Selbstkontrolle, der Hund, wenn er wartet, während der Futternapf auf den Boden gestellt wird. Die Verzögerung der Belohnung ist ein Maßstab sowohl für die Impulsivität als auch für die Willenstärke. Siehe „Das Marshmallow Experiment“, Seite 22.

Ruhiger Fokus erlaubt es dem Hund, Informationen zu verarbeiten.

Oft versagt die Selbstkontrolle, wenn der Hund übererregt ist oder schon zu lange Selbstkontrolle geübt hat. Die Fähigkeit, sich selbst zu kontrollieren, nimmt durch das Ausführen ab – zum Beispiel so lange, wie ich es aushalten kann, einen Kuchen anzuschauen, ohne ihn zu essen! Daher gehört es zum Training von Selbstkontrolle, mit dem Hund in verschiedenen Erregungsstadien zu arbeiten und seine Fähigkeit, einen kontrollierten Gemütszustand beizubehalten, allmählich über längere Zeitdauern zu steigern.

Die Schlüsselrolle zum Erreichen der Selbstkontrolle spielt beim Hund der „richtige“ emotionale Status. Ein Hund, der beim Training fiepst, jault oder herumhampelt, zeigt keine gute Selbstkontrolle. Er sollte fokussiert und konzentriert sein. Hunde müssen Selbstkontrolle nicht nur in statischen Positionen – z. B. Sitz und Platz – lernen, sondern auch in der Bewegung beim Bei-Fuß-gehen, beim Rückruf und beim Apportieren. Dies ist für sie oft viel schwerer.

3. Frustrationstoleranz

Ich will nicht …der Versuchung nachgeben.

Die Fähigkeit zur Frustrationstoleranz ist für Hunde kein natürliches Verhalten; es geht viel mehr um all die Beschränkungen, die wir ihnen auferlegen. Daher sind wir dafür verantwortlich, dem Hund zu helfen, damit zurechtzukommen.

Nehmen wir zum Beispiel zwei Hunde, die an der Leine geführt werden. Sie wollen zusammenkommen, aber ihre Besitzer verhindern es. Dies ergibt für den Hund keinen Sinn. Aus seiner Sicht ist ein Sozialkontakt eine Belohnung. Oder das Beispiel eines Hundes, der ein Kaninchen sieht. Er könnte es jagen, fangen und töten. Offensichtlich ist der Besitzer dagegen, aber dem Beutetrieb zu folgen – vielleicht sogar mit tödlichem Ausgang – stellt eine höchst belohnende Gelegenheit dar.

Es gibt sehr viele Dinge im Leben eines Hundes, die er nicht haben oder tun darf, weil sie in unserer Gesellschaft nicht angemessen sind. Wir müssen daher mit unseren Hunden arbeiten, um ihre Belastbarkeit so zu steigern, dass ihr Leben nicht frustrierend und stressig ist. Positiv trainierte Hunde müssen lernen, dass das Leben manchmal hart ist und sie brauchen mentale Belastbarkeit, um damit klarzukommen. Ansonsten ist ihr tägliches Leben mit emotionaler Negativität angefüllt, egal, wie viele Leckerchen sie für ihre Tricks bekommen.

Bei Frustrationstoleranz geht es um den Aufbau von Motivation für andere angemessenere Optionen. Für meine Hunde bedeutet Frustrationstoleranz zum Beispiel die anstrengende Jagd durchs Gestrüpp, das Finden und Aufstöbern eines Fasans, um dann zuzugucken, wie ein Labrador ihn apportiert. Die Aufgabe meiner Hunde ist nicht das Apportieren von Fasanen, sondern nur die Jagd auf sie. Sie bekommen Unmengen von Belohnungen, wenn sie sitzen und aufregende Dinge wie andere Hunde bei der Arbeit oder schwimmende Enten im Fluss beobachten. Man braucht effektive Verstärkungsstrategien, um das richtige Verhalten aufzubauen und den Glauben des Hundes daran zu stärken, dass es eine gute Wahl ist, der Versuchung zu widerstehen. Dies ist etwas völlig anderes und viel schwieriger, als einfach die Belohnung hinauszuzögern.

Trainingsstrategie

Um die drei Bestandteile der Impulskontrolle – Fokus, Selbstkontrolle und Frustrationstoleranz – zu trainieren und den Hund zu fördern, ruhig und entspannt zu sein, müssen wir sein Gehirn umschulen. Aber wie machen wir das? Man sagt: „Neurons that fire together wire together.“ Dies bedeutet, je häufiger Neuronen miteinander aktiv sind, umso bevorzugter werden sie aufeinander reagieren.

Wir möchten die Denkmuster des Hundes so verändern, dass er glaubt, Fokus, Selbstkontrolle und Frustrationstoleranz seien gute Wahlmöglichkeiten. Erinnern wir uns daran, dass dies Fähigkeiten und keine Verhaltensweisen sind. Wir möchten dem Hund dabei helfen, die Fähigkeit zu entwickeln, sich auf eine bestimmte Art zu verhalten und dieses Verhalten auf verschiedene Situationen zu übertragen.

Kognitive Kontrolle

Der erste Schritt zum Erzeugen neuer, erwünschter Denkmuster ist die Förderung der so genannten kognitiven Kontrolle. Dies umfasst den Einsatz kognitiver Fähigkeiten, die eine Leistung ermöglichen. Es handelt sich um die Fähigkeit, seine Gedanken, Handlungen und Emotionen zu kontrollieren, um eine Aufgabe zu erfüllen.

Hat ein Hund die kognitive Kontrolle, ist es ihm möglich, Ablenkungen herauszufiltern und sich seiner Aufgabe zu widmen.

In Bezug auf Selbstkontrolle und Frustrationstoleranz haben wir exakt die gleichen Erwartungen. Wir möchten, dass das Verhalten unserer Hunde in verschiedenen Situationen weniger emotional und impulsiv, sondern eher kognitiv ist. Kognitive Kontrolle ist verantwortlich für das Aufrechterhalten der Aufmerksamkeit und die Selbstregulation des Verhaltens.

Es gibt drei hauptsächliche Bestandteile der kognitiven Kontrolle:

1.Arbeitsgedächtnis: Die Fähigkeit, Information zu behalten und anzupassen.

2.Kognitive Flexibilität: Die Fähigkeit, Fokus und Aufmerksamkeit auf eine einzige Aufgabe zu richten, aber auch den Fokus zwischen Aktivitäten umzuschalten.

3.Selbstkontrolle / hemmende Kontrolle: Die Fähigkeit, impulsiven Reaktionen und Versuchungen zu widerstehen, Ablenkungen herauszufiltern, Gewohnheiten zu ändern sowie innezuhalten und nachzudenken.

Wir können diese Fähigkeiten bei Hunden entwickeln, indem wir mit ihnen Suchspiele und Spiele für das Arbeitsgedächtnis machen, die aktive Hemmung, die verzögerte Belohnung und das Umschalten zwischen Aufgaben fördern – all das wird noch später in diesem Buch beschrieben.

Das Marshmallow-Experiment

In den 1960er Jahren hat Walter Mischel, Psychologie-Professor an der amerikanischen Stanford-Universität, einen Test entwickelt, der als das Marshmallow-Experiment bekannt wurde. Hierbei wurden Kinder vor die Wahl gestellt, sofort einen Marshmallow oder später zwei Marshmallows zu bekommen. Mit Hilfe des Tests wollte man die Fähigkeit eines Individuums untersuchen, die Belohnung mit der Aussicht auf eine noch bessere Prämie zu verzögern.

Die weitere Forschung über viele Jahrzehnte hat gezeigt, dass die Fähigkeit zur Selbstkontrolle in frühen Jahren einen signifikanten Einfluss auf Ausbildung, Arbeit, Beziehungen und Erfolg im späteren Leben hat.

Zum Verständnis der Bedeutung von Selbstkontrolle schauen wir uns am besten die Funktionen des Gehirns an.

Wir unterscheiden zwei Hauptbestandteile des Gehirns:

Das heiße (limbische) System

Das limbische System (auch primitives Gehirn genannt) reguliert Verlangen, Emotionen, Angst, Aggression, Hunger und Sexualität und wird für die grundsätzlichen Bedürfnisse zum Überleben benötigt. Innerhalb des limbischen Systems befindet sich die Amygdala, die den Körper für Aktionen vorbereitet. Es prüft keine Konsequenzen und handelt ohne nachzudenken.

Es ist bereits bei der Geburt voll funktionsfähig und für das impulsive Verhalten zuständig. Im Marshmallow-Experiment wurde es als „heißes“ oder „sofort“ System bezeichnet, weil es für das sofortige Überlebensverhalten verantwortlich ist. Das limbische System will die unmittelbare Belohnung, es läuft reflexartig und schnell ab und wird durch großen Stress aktiviert.

Das kalte (Cortex-) System

Die Hirnrinde (Cortex), die bei Hunden deutlich schmaler ist als beim Menschen, dient den höheren Funktionen des Denkens. Sie ist kognitiv, komplex und reflektierend und reagiert langsamer als das limbische System. Der Cortex nimmt bei der Selbstkontrolle eine Schlüsselstellung ein, weil er ein Umlenken der Aufmerksamkeit und eine Änderung der Strategien ermöglicht. Im Marshmallow-Experiment wurde er als „heißes“ System bezeichnet.

Die Hirnrindenfunktionen verbessern sich im Laufe des Lebens bis zu einem bestimmten Punkt, um anschließend bei Hunden und Menschen nachzulassen. Die kognitive Kontrolle reduziert sich im Alter ebenfalls (bei Hunden bekannt als canine Dysfunktion) und kann auch durch großen Stress gestört werden.

Das Marshmallow-Experiment soll Kinder dabei unterstützen, ihr kaltes System zu benutzen, um erfolgreich eine Belohnung hinauszuzögern. Dies erreicht man durch Selbstregulation. Auf exakt die gleiche Weise können wir durch Training unseren Hunden dabei helfen, ihr kaltes System einzuschalten.

Wenn dem Hund der Hut hochgeht

Wir alle haben schon Tage erlebt, an denen bei unseren Hunden überhaupt nichts mehr geht.